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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER JUGENDRICHTER - Paul Verhoeven
PostPosted: 02.06.2019 14:10 
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"Der Jugendrichter" (Deutschland 1959/60)
mit: Heinz Rühmann, Karin Baal, Lola Müthel, Hans Nielsen, Rainer Brandt, Peter Thom, Michael Verhoeven, Lore Schulz, Hans Epskamp, Jan Hendriks, Gerd Frickhöffer, Erich Fiedler, Willi Rose, Monika John, Kunibert Gensichen, Hilde Volk, Harry Engel u.a. | Drehbuch: Hans Jacoby und Istvan Bekeffi | Regie: Paul Verhoeven

Inge Schumann muss sich vor dem Jugendgericht verantworten, da sie mit einem älteren, verheirateten Mann in den Wald gefahren war, wo ihr Freund Kurt und zwei Kumpels den Mann erpressen und um DM 300 erleichtern wollten. Dr. Ferdinand Bluhme führt bei der Verhandlung den Vorsitz und setzt sich für die junge Frau ein. Er beschafft ihr eine Stellung als Hausmädchen in der Pension von Frau Winkler, wo er auch selbst wohnt. Bald jedoch nimmt sie wieder Kontakt mit Kurt und seinen Freunden auf, die Inge für weitere kriminelle Aktivitäten einsetzen wollen....

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Der Ufa-Klassiker ist ganz auf Heinz Rühmann zugeschnitten, obwohl es eine Person gibt, die ihm die Schau stiehlt: Karin Baal. Die junge Berlinerin steht im Mittelpunkt des Interesses und verkörpert eine Rolle, die sie in den Anfangsjahren ihrer beruflichen Laufbahn oft spielte, nämlich jene des vom sozialen Abstieg bedrohten Mädchens, das durch seine einfache Herkunft in schlechte Gesellschaft gerät und leichte Beute für männliche Skrupellosigkeit wird. Ihre Schlagfertigkeit hilft ihr aus so mancher Verlegenheit und so ist Karin Baal oft die ideale Besetzung für Mädchen, die unbehütet aufwachsen mussten und sich ihren Platz im Leben selbst aussuchen wollen. So erwartet den Zuschauer stets Widerspruch gegen bürgerliche Lebensphilosophien und die Erwartungshaltung ihrer Umgebung, deren Pläne für eine junge Frau meist anders aussahen. Die Kluft zwischen den Generationen wurde mit dem Ende der Fünfziger Jahre und den wegweisenden Sechziger Jahren größer. Die Jugendlichen rebellieren gegen das Leistungssystem. Die Wirtschaftswunderjahre weckten Begehrlichkeiten und so dient auch der Gruppe um Inge Schumann die Teilhabe am Wohlstand als Ausrede für ihre (Un-)Taten, wobei die Sinnsuche als Motivation für Einbruch, Diebstahl und Erpressung dem moralisierenden Proklamieren von Tugenden der Gesellschaft gegenübergestellt wird. Der Staat müsse die Einhaltung der Gesetze zum Schutze des Bürgers garantieren und die Jugend vor ihrer eigenen Verantwortungslosigkeit bewahren. In exemplarischen Gerichtsszenen wird nicht nur Dr. Bluhmes gute Menschenkenntnis betont, sondern auch die Diskrepanz zwischen der Erwartungshaltung der Elterngeneration an ihre Kinder und dem Wunsch nach neuen Wegen auf nicht ausgetretenen Pfaden auf Seiten der Jugend.

Zwei vehemente Gegner von Dr. Bluhmes philanthropischer Lebensanschauung sind Hans Nielsen als Berufskollege und Lola Müthel als Zimmerwirtin. Die energischen, wortgewandten Verfechter ihrer nüchternen Sicht der Dinge machen sich über die Schwächen der Menschen keine Illusionen und lassen Heinz Rühmann wie einen hoffnungslosen Romantiker dastehen, der weltfremd und wider besseren Wissens an die Besserungsfähigkeit der jungen Straftäter glaubt. Ohnehin hatte der früh verstorbene Hans Nielsen ein Abonnement auf Juristenrollen; Staatsanwälte, Richter oder Verteidiger profitierten von seiner kraftvollen, sonoren Stimme, die er gezielt einzusetzen wusste und auf deren überzeugende Wirkung er vertrauen konnte. Lola Müthel als resolute Vertreterin von Anstand und Ordnung setzt alles daran, ihre Umgebung kontrollieren und lenken zu können. Heinz Rühmann - zwischen Verehrung und Furcht - fügt sich den häuslichen Regeln, so wie er seinerseits andere dazu anhält, die Gesetze des Staates zu befolgen. Vordergründig gibt er sich bescheiden, kultiviert aber seine geheimen Laster. Dadurch will er beim Publikum punkten und durch die mit einem verschmitzten Lächeln offengelegten Schwächen von seinem oftmals belehrenden und moralisierenden Verhalten ablenken. Ein gutes Vergleichsbeispiel stellen die Pfeife oder die Kriminalromane in den "Pater Brown"-Filmen dar. Das Drehbuch kostet die Ungewissheit weidlich aus, ob Inge Schumann ihr Versprechen halten und sich bewähren wird. Angesichts der Tatsache, dass das kriminelle Potenzial in Richtung männliche Jugendbande verschoben wird, liegen die Verhältnisse bald klar auf der Hand und die Sympathie des Richters für die junge Frau wird nicht enttäuscht.

Fazit: Rebellische Jugend trifft auf menschenfreundlichen Richter - Heinz Rühmann bemüht sich um eine ausgewogene Darstellung zwischen Milde und Strenge, wobei es an Karin Baal liegt, ob "Der Jugendrichter" verharmlosend oder zeitkritisch wirkt. Die Anlage ihrer Rolle ist der Entstehungszeit geschuldet, weswegen der gute Kern des Mädchens kaum ernsthaft in Zweifel gezogen wird. Insgesamt gute Unterhaltung mit vielen bekannten Gesichtern.


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