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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: WIR HAU'N DEN HAUSWIRT IN DIE PFANNE - Franz Josef Gottlieb
PostPosted: 09.06.2019 16:50 
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● WIR HAU'N DEN HAUSWIRT IN DIE PFANNE (D|1971)
mit Uschi Glas, Fritz Tillmann, Hannelore Schroth, Margot Trooger, Ralf Wolter, Anita Kupsch, Rudolf Schündler, Dirk Reichert,
Irina von Bentheim, Henry Vahl, Erich Kleiber, Loni Heuser, Brigitte Mira, Martin Jente, Ulrich Beiger sowie Christian Anders
eine Produktion der Terra Filmkunst | Allianz Film | im Constantin Filmverleih
Ein Film von Franz Josef Gottlieb


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»Das war ein Anschlag auf mein Leben!«

Als ein Mehrfamilienhaus den Besitzer wechselt, hat das meist friedliche Zusammenleben der Mieter ein jähes Ende, da der cholerisch veranlagte und neue Hauswirt Hugo Zwicknagel (Fritz Tillmann) mit eisernem Besen kehrt und sich von allem und allen belästigt fühlt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um spielende Kinder, musizierende Mieter oder Nachbarn handelt, die Widerworte geben oder ihr Recht einfordern. Er und seine Frau Mathilde (Hannelore Schroth) ziehen fortan an einem Strang, provozieren somit den ganzen Unmut des Hauses. So beginnen insbesondere Frank und Franzi (Dirk Reichert und Irina von Bentheim), die Kinder der dort zur Miete wohnenden Eheleute Kleinschmidt (Ralf Wolter und Margot Trooger), Pläne zu schmieden, wie man den Zwicknagels das Leben schwer machen kann. Als Familie Kleinschmidt das Mietverhältnis plötzlich fristlos gekündigt wird, werden schwerere Geschütze aufgefahren...

Die beginnenden 70er Jahre stellten den Startschuss für Franz Josef Gottliebs klamaukige Pfade dar, die in die über Jahre anhaltende und eher von Quantität geprägte Hochsaison derartig gestrickter Formate passen sollten. Diese Produktionen bedienen sich hauptsächlich der gleichen Marschrichtung und Geschichten, die sich eines unmissverständlichen Humors bedienen sollten. Außerdem sind diese Lustspiele meistens geprägt von guten Stabsangaben, wenngleich das Publikum immer wieder die selben Gesichter präsentiert bekommt. In "Wir Hau`n den Hauswirt in die Pfanne" darf auf eine tatkräftige Entourage geblickt werden, die sich in Einzelfällen durch begrüßenswerte Variationen von der Konkurrenz zu unterscheiden versucht. Die Geschichte dieses Vertreters hat dem Empfinden nach schon häufig Einzug in bundesdeutsche Lichtspielhäuser gefunden, sodass sich alleine schon von dramaturgischer und inszenatorischer Seite kaum Überraschungen einstellen werden. Wenn man bereit ist zu suchen, findet man diese teilweise innerhalb der Riege der Schauspieler, denn manche Gesichter überzeugen im Rahmen von Gastspielen. Die Story beginnt turbulent und stellt die Weichen für größere und kleinere Katastrophen sehr schnell, platziert den Zuschauer bei dieser Gelegenheit sehr bestimmend auf einer gewissen Seite. Gottlieb versucht mit diversen Klischees des bundesdeutschen Kleinbürgertums zu spielen, bedient sich aber gleichzeitig hemmungslos solcher, von denen es in dieser Sparte Film nur so wimmelte. Unterm Strich kann also von einer klassischen Verwechslungskomödie dieser Zeit gesprochen werden, die es im Vergleich sogar auf ein paar kleinere Erweiterungen bringt. Der neue Hauswirt samt Ehefrau übernimmt das Regiment in einem Mehrfamilienhaus, und plötzlich ist das gewohnte oder unbeschwerte Dasein gefährdet. Da die Gesetze derartiger Geschichten Positionierungen verlangen, solidarisiert man sich schnell mit der Gegenseite, die auf ihre eigene Weise Widerstand leistet.

Ein mit cholerischen Spitzen auffallender Fritz Tillmann liefert den nötigen Treibstoff für die auf Streitereien, Streiche und bemüht humorvolle Konfrontation angelegte Geschichte und erledigt diese Aufgabe mit Leichtigkeit. Der aus Frankfurt am Main gebürtige Darsteller wurde insbesondere in diesem Zeitfenster vor so manche Karre gespannt, die er resolut vor sich herzuziehen wusste. An seiner Seite brilliert Hannelore Schroth, die Torpedos in alle Richtungen abzufeuern weiß; im Zweifelsfall auch gegen ihren eigenen Mann. Ihre prägnante Stimme verhilft ihr in Situationen der Rage zu einer ganz besonderen Ausdrucksstärke. Als schließlich Uschi Glas als das Zugpferd der Produktion auftaucht, weiß man schnell, dass der Verlauf nicht ohne eine konstruierte Liebesgeschichte auskommen wird, für die Christian Anders als Mitglied der Gegenseite eingespannt wird. In diesem Zusammenhang dürfen zeitgemäße Schlager nicht fehlen, die von Anders und Olivia Molina zum Besten gegeben werden. Zu Uschi Glas bleibt zu sagen, dass sie genau wie etwa Ralf Wolter, Rudolf Schündler, Loni Heuser oder beispielsweise Henry Vahl eine Leistung zeigt, die in der gleichen Fasson schon unzählige Male abgerufen, beziehungsweise abgespult wurde, sodass es erfreulich ist, auch einige darstellerische Farbtupfer wie von Fritz Tillmann oder Hannelore Schroth wahrnehmen zu können. Auch Margot Trooger zeigt sich von einer zu diesem Zeitpunkt noch eher ungewöhnlichen Seite, doch große Damenrollen waren nicht mehr gefragt, sodass sie ins eher bürgerliche Fach wechselte. Troogers unermüdliche Leichtigkeit und Intuition wirkt zwar auch wie eingebettet in den Stil des Films, doch die Korsetts tragen hier definitiv andere. Regisseur Gottlieb bringt "Wir Hau`n den Hauswirt in die Pfanne" erwartungsgemäß solide über die Ziellinie, wenngleich sich am Ende die Gewissheit etabliert, nicht viel Neues erlebt zu haben. Humor ist jedoch, wenn man trotzdem lacht und das Fazit liefert am heiteren Ende Friedrich Schiller selbst: »Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.«


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