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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN STRÜMPFEN - Howard W. Koch
PostPosted: 13.05.2019 14:49 
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DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN STRÜMPFEN

● THE GIRL IN BLACK STOCKINGS / DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN STRÜMPFEN (US|1956)
mit Lex Barker, Anne Bancroft, Mamie Van Doren, Ron Randell, Marie Windsor, John Dehner, John Holland, u.a.
eine Bel-Air Produktion | im Verleih der United Artists
ein Film von Howard W. Koch


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»Wer oder was hat wirklichen Wert?«

Rechtsanwalt David Hewson (Lex Barker) ist in einem Motel abgestiegen. Während einer dort stattfindenden Party macht er eine schreckliche Entdeckung. Ein wenig außerhalb des Geländes findet er eine entsetzlich zugerichtete Frauenleiche, die vom Täter offensichtlich aufgeschlitzt und am ganzen Körper zerschnitten wurde. Sheriff Holmes (John Dehner) hat fortan alle Hände mit den Ermittlungen zu tun, doch er stößt bei nahezu allen beteiligten Personen auf hohe Widerstände. Hewson, der die Ermordete kannte, gerät ebenso wie die meisten Gäste und Angestellten des Motels unter Verdacht, und es dauert nicht sehr lange, bis der Schlitzer erneut zuschlägt. Was und vor allem wer steckt hinter den bestialischen Morden..?

Der US-amerikanische Film könnte seit jeher mit sogenannten B-Movies aufwarten, unter denen nicht wenige zu finden sind, die dieser eher abschätzig gewerteten Beschreibung glücklicherweise keine Ehre machen sollten, denn immerhin lassen sich zahlreiche Vertreter finden, die qualitativ gesehen kleine oder große Ausrufezeichen setzen konnten. "Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen" zählt zu der Gattung der sicherlich nicht uninteressanten Beiträge, wenngleich unterm Strich kein nennenswerter Klassiker entstanden ist. Dafür gestaltet sich der Aufbau, der sich hauptsächlich über die Täter-Findung definieren will, phasenweise als zu behäbig, bequem und reibungslos. Die vorhandenen Kapazitäten wurden somit nicht vollends ausgeschöpft, da menschliche und charakterliche Abgründe zu sporadisch ins Visier genommen werden, was bei diesen Voraussetzungen mehr als schade ist. Dennoch greift die teils dichte Schwarzweiß-Atmosphäre, die im kleinen Radius des Motels nach und nach zum Vakuum wird, nach den Nerven des Zuschauers, denn immerhin bekommt man es mit einigen Personen zu tun, die sich bemüht widernatürlich verhalten und daher keinerlei Möglichkeit für Verständnis oder Sympathie anbieten. Der plakative Titel des Films beschreibt die Marschrichtung dieser Geschichte nicht im Geringsten, wird das titelgebende Mädchen samt Textilie doch nur einmal namentlich erwähnt, und so entstehen vielleicht sehr früh falsche Erwartungshaltungen. Die Kriminalgeschichte an sich wirkt realitätsnah und verwerflich genug, um für einige beunruhigende Momente zu sorgen, die jedoch kaum im Bilde festgehalten sind. Die Kamera beschäftigt sich nur kurz mit den immer wieder plötzlich auftauchenden Opfern, und es sind schließlich die ausladend erscheinenden Dialoge, die für unangenehme Details sorgen. Dadurch bekommt der Mörder sein bestialisches Profil, und es schwingt eine eigenartige Unberechenbarkeit mit, wobei die Dramaturgie bewusst falsche Fährten legt, um Story und Bearbeitung als so spannend wie möglich zu erhalten.

Nahezu alle Personen umgibt dieses unkalkulierbare Element, bei dem der Verlauf allerdings selbst zeigt, dass es sich nicht über die volle Distanz aufrecht erhalten lassen kann. Die Konturierungen der Personen hätten schärfer und noch verwirrender ausfallen dürfen, doch es bleibt zu betonen, dass man wirklich sehr angenehme Darbietungen zu sehen bekommt. Allen voran ist somit Lex Barker zu nennen, der seiner Person des Rechtsanwalts eine merkwürdige Aura verleiht. David Hewson ist zunächst einmal da; ob an den richtigen oder falschen Orten, und er glänzt nicht gerade durch Kooperationsbereitschaft, was nicht nur für die nervöse Polizei gilt, sondern auch für den interessierten Zuschauer. Es ist sehr interessant dem US-Amerikaner dabei zuzusehen, wie er mit Ruhe und Distanz spielt, was ihn nicht unbedingt greifbar macht. Gleiches gilt nicht nur für Anne Bancroft, Marie Windsor oder Ron Randell, sondern auch für nahezu alle Kollegen, die entweder zum Inventar des nobel wirkenden Motel-Komplexes gehören, oder permanent um dieses herumschleichen. Für ein bisschen Sex-Appeal sorgt überdies Model und Sängerin Mamie Van Doren, innerhalb einer eher unauffälligen darstellerischen Leistung. Ein großer Vorteil der Produktion ist und bleibt die besonders schöne gestalterische Note, die durch kontrastreiche und detailorientierte Einstellungen zur Geltung kommt, was gleichzeitig für einen edlen Charakter sorgt. Zum Ende hin zeigen sich ein paar nette Wendungen und ein Finale, das unter Umständen als überraschend aufgefasst werden kann. Insgesamt hätte dem Film anstelle von schwarzen Strümpfen eine schwarze Seele jedoch wesentlich besser gestanden. Zwar sind die Voraussetzungen gegeben, auch diesbezügliche Erklärungen werden ausreichend abgegeben, doch alles wirkt ein bisschen zu bemüht konstruiert und bleibt, wenn sich alle Eindrücke setzen konnten, zu nebulös. Alles in allem kann sich "Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen" unter Howard W. Kochs Regie aber durchaus sehen lassen, den der kurzweilige Charakter hilft tatkräftig über liegen gelassene Optionen (vor allem die Macht der Vergangenheit) hinweg.


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 Post subject: Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN STRÜMPFEN - Howard W. Koch
PostPosted: 02.06.2019 13:09 
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"Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen" (The Girl in Black Stockings) (USA 1957)
mit: Lex Barker, Anne Bancroft, Ron Randell, Marie Windsor, John Dehner, Mamie van Doren, Gerald Frank, John Holland, Diana Vandervlis, Gene O'Donnell, Larry Chance, Dan Blocker, Stuart Whitman, Richard Cutting u.a. | Drehbuch: Richard Landau nach der Geschichte "Wanton Murder" von Peter Godfrey | Regie: Howard W. Koch

Die kleine Gemeinde Kanab im Bundesstaat Utah wird von einem brutalen Frauenmord aufgeschreckt: In "Parrys Lodge", einem Motel, das von den Geschwistern Ed und Julia Parry geführt wird, findet man die mit einem Messer malträtierte Leiche der attraktiven Marcia, die tot neben dem Schwimmbecken aufgefunden wird. Rechtsanwalt David Hewson, der in dem beschaulichen Ort seinen Urlaub verbringt, interessiert sich von Berufs wegen für den Fall, bei dem vom Sheriff gleich mehrere Verdächtige in den engen Kreis der Täter aufgenommen werden. Als sich ein Privatdetektiv in dem Motel einmietet, wird der Mörder aufgescheucht und es dauert nicht lange, bis der Sheriff sich erneut mit einem Toten befassen muss....

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United Artists brachte die Bel-Air-Produktion unter Produzent Howard W. Koch, der gleichzeitig Regie führte, nach einer präzise choreografierten Drehzeit von verblüffenden zehn Tagen, baldmöglichst in die Lichtspielhäuser und sparte dank der Disziplin aller Beteiligten auch noch Kosten. Der Grundton des Films ist von einer heiteren Beschaulichkeit, auf der ein dunkles Geheimnis lastet, das sich anmaßt, mehr und mehr Raum für sich zu beanspruchen. Der Mord fungiert als Katalysator, der unerfreuliche Wahrheiten und unterdrückte Emotionen nach oben spült und die gelöste Atmosphäre des Ferienressorts negativ auflädt. Das Opfer bündelt jene Gefühle, die schon lange nach einem Anlass suchten, sich ihren Weg zu bahnen, angefangen bei Neid, Missgunst, Eifersucht bis hin zu Verachtung, Wut und Hass. Dadurch wird versucht, einen Teil der Schuld auf die Tote abzuwälzen und verständlich zu machen, warum es zur rasenden Zerstörung eines Lebens kam. Die Anwesenheit eines Juristen gibt Gelegenheit, den Fall von seiner psychologischen Seite zu beleuchten, Stimmung und Inszenierung lassen an eine Episode aus der Erfolgsserie "Perry Mason" denken. Die positive Ausstrahlung des Rechtsvertreters, den Lex Barker mit zuvorkommender Höflichkeit und einer intensiv am Geschehen interessierten Kombinationsgabe ausstattet, verleiht der B-Produktion Sicherheit und gibt ihr Struktur. Drehbuchautor Richard Landau malt die Figuren in dunklen, satten Farben und fügt ihnen abstoßende Akzente hinzu, die eine Identifikation fast ausnahmslos unmöglich machen. Die harten Worte eines Ed Parry spiegeln nicht nur seine persönliche Enttäuschung und die daraus resultierende Verbitterung, sondern sind auch das Sprachrohr der Zensur, die den weiblichen Figuren schlechte Zeugnisse ausstellt. Worte, wie jene des durch Schockstarre gelähmten Ed Parry nehmen die Frauenverachtung vorweg, welche drei Jahre später in einem anderen Motel zum Kultstatus avancieren sollte. Die Zerstörung der Versuchung und die Rache an allen, die den Pfad der Tugend verlassen, geschieht in "Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen" vor allem verbal, bereitet aber den Boden für Gegenständliches.

Anne Bancroft, die sechs Jahre später den Academy Award in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin" gewinnen sollte, zeichnet ihre bescheidene und ein wenig hilflos erscheinende Beth Dixon als Frau, die einerseits Schutz und Unterstützung gibt, diese aber selbst benötigt. Früh schon hört man heraus, dass sie ein Geheimnis hütet, das es ihr schwer macht, sich anderen Menschen zu öffnen und sie hinter ihre adrette Fassade blicken zu lassen. Neben Frauen wie Marcia und Harriet wirkt sie zart und verletzbar, die Attribute weiblicher Reize werden dort sehr augenfällig eingesetzt und das überschäumende Temperament, welches mit einer gewissen Einfältigkeit einhergeht, macht es dem Zuschauer einfach, den Code der Sirenen zu entschlüsseln, während Beth zunächst schwer fassbar bleibt. Die Schilderungen über ihre Vergangenheit geben Rückschlüsse auf eine seelisch traumatisierte Persönlichkeit und bilden das Pendant zu dem von Ron Randell gespielten Mann ohne Hoffnung. Marie Windsor fällt als dessen Schwester die Aufgabe zu, seine Launen aufzufangen und seinen Sarkasmus abzufedern. Der Zuseher fragt sich, welche Gründe bei ihr vorliegen, sich voll und ganz der Fürsorge für ihren mürrischen Bruder zu widmen. Wiederum bleibt es nur bei Andeutungen, die der von Lex Barker gespielte Anwalt in seiner direkten Art anspricht und sich dabei als Bewohner einer Großstadt ausweist, der die Verschlossenheit der autarken Landbevölkerung in seinem Verständnis für Offenheit durchbricht. Trotz der eindeutigen Botschaft des Films geht die Produktion nicht bis an den Rande des Publikumsgeschmack, sondern verströmt zahlreiche Momente der Leichtigkeit, die den düsteren Grundton mildern und den Zuschauer im Glauben lassen, es werde sich alles zum Guten wenden. Durch den Verlauf werden gleich mehrere allgemeine Grundregeln außer Kraft gesetzt, wobei die Ursachen nur angedeutet, nicht jedoch ausgeführt werden. Im konkreten Augenblick bleibt das Buch vage und belässt es bei stummen Bildern einer Demaskierung, die das Umfeld hilflos erscheinen lassen und aus Gründen der Pietät oder einer bewussten Aussparung von psychologischen Deutungen unausgesprochen bleiben.


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 Post subject: Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN STRÜMPFEN - Howard W. Koch
PostPosted: 10.06.2019 11:25 
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Ich fand den Film sehr unterhaltsam, auch wenn er am Ende die wichtigsten Erklärungen schuldig bleibt. Bei psychologisch kolorierten Motiven ist es ja oft so gewesen, dass viele Filme in den finalen Szenen zu schwächeln beginnen. Hier habe ich mich oft gefragt, woran es im Endeffekt liegen mag. Liegt es daran, dass die Verantwortlichen sich nicht mit zu viel Deutungen aufhalten wollten oder konnten, oder war es eine gängige Strategie, um das Publikum des Unterhaltungsfilms nicht mit zu vielen bedeutungsschweren Erläuterungen zu strapazieren? Andererseits denke ich mir aber auch, dass eine Vielzahl der Zuschauer plausible Gründe verlangt und sich nicht mit vagen Informationen abspeisen lassen möchte. Fakt ist jedenfalls, dass dem Film am Ende leider die Luft ausgegangen ist, was sehr schade ist, denn der Weg zum Ziel wurde sehr interessant und stilvoll inszeniert.


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 Post subject: Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN STRÜMPFEN - Howard W. Koch
PostPosted: 11.06.2019 16:43 
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Prisma wrote:
Bei psychologisch kolorierten Motiven ist es ja oft so gewesen, dass viele Filme in den finalen Szenen zu schwächeln beginnen. Hier habe ich mich oft gefragt, woran es im Endeffekt liegen mag. Liegt es daran, dass die Verantwortlichen sich nicht mit zu viel Deutungen aufhalten wollten oder konnten, oder war es eine gängige Strategie, um das Publikum des Unterhaltungsfilms nicht mit zu vielen bedeutungsschweren Erläuterungen zu strapazieren?


Howard W. Koch (als Produzent / als Regisseur) hat natürlich auf schnelles effektives Drehen wert gelegt, so dass alles mehr nach Schema "F" angelegt werden musste; sicherlich ist unter solchem Zeitdruck dann auch das Drehbuch entstanden, das für einen solchen B-Film für die Zeit doch recht ungewöhnlich war (
wenn wir das Geschlecht der mordenden Figur bedenken
); Charaktertiefe und -entwicklung bleiben dann natürlich weitgehend auf der Strecke; laut imdb.com hat Koch in den Jahren 1957 und 58 bei 11 Projekten (!) Regie geführt... von daher finde ich den vorliegenden Film äußerst beachtlich ausgefallen, was die Inszenierung in so kurzer Drehzeit betrifft...


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 Post subject: Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN STRÜMPFEN - Howard W. Koch
PostPosted: 11.06.2019 22:30 
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Howard Vernon wrote:
hat Koch in den Jahren 1957 und 58 bei 11 Projekten (!) Regie geführt...

Oh, das war mir gar nicht bewusst, dass Koch ein solch ergiebiges Fließband bedient hat, wobei beim vorliegenden Film aber auch nicht nur Quantität zu sehen ist. Dass gewisse Inhalte da liegen bleiben oder so mancher Schliff da nicht stattfindet, ist wohl naturgemäß so. Aber wie du sagst, ist das Ergebnis dafür schon recht beachtlich ausgefallen. Arbeiten unter Zeitdruck drückt jedes Ergebnis, egal in welcher Branche. Bei diesem Film sieht es tatsächlich so aus, als hätte am Ende keine Zeit mehr zur Verfügung gestanden. Ist ein bisschen schade drum, denn der Verlauf spiegelt das eigentlich nicht wider.


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 Post subject: Re: DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN STRÜMPFEN - Howard W. Koch
PostPosted: 12.06.2019 15:43 
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Prisma wrote:
Bei diesem Film sieht es tatsächlich so aus, als hätte am Ende keine Zeit mehr zur Verfügung gestanden. Ist ein bisschen schade drum, denn der Verlauf spiegelt das eigentlich nicht wider.[/align]


Würde ich auch so einschätzen, dass der Film dann schnell beendet werden musste, weshalb das Finale irgend einen Abschluss gebraucht hat (wie gesagt: für die Zeit ist die Auflösung recht überraschend) - aus dem Jahr 1957 kenne ich von Koch noch "Hölle des Dschungels" (da gibt es eine gute dt. DVD); wiederum mit Lex Barker und diesmal ein Kriegsfilm; also thematisch abwechslungsreich waren Kochs B-Film-Produktionen dann ebenfalls...


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