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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 20.12.2014 00:30 
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chrysagon wrote:
Nobody wrote:
Im Film fühlt er sich seiner Königin und seinem König verpflichtet. Beider Interessen decken sich aber nicht immer. Im Film wird es allerdings so gezeigt, dass Hagen sich letztendlich für die Seite entscheidet, die sich mehr mit seinen eigenen Interessen deckt.
Stimmt, das hatte ich vergessen. Bin im Moment ohnehin noch zu stark beeinflußt von Stephan Grundys Adaption.

Adalmar wrote:
Dieses Zitat finde ich allerdings gerade nicht subtil, ich finde es total platt, moralisierend und gegen den Geist der Literaturvorlage (ich meine mal gelesen zu haben, dass Brauner damit auf die Nazizeit anspielen wollte, was nur in dieser Geschichte hinten und vorne nicht passt, da auch ein einzelner politisch motivierter Mord aus den Burgunden keine Nazis macht). Wegen solcher Ausfälle schrieb ich oben, dass mir die Reinl-Verfilmung wie die Adaptation einer Nibelungen-Nacherzählung für Volksschulkinder der 60er Jahre vorkommt.
Die bekannte Version des Nibelungenliedes ist doch ohnehin schon die Nacherzählung für Vorschulkinder, in der hinten und vorne vieles nicht paßt.

Und was soll dann die richtige Version sein? Vermeintlich perfekte Vorstufen, in denen alles hundertprozentig zusammenpasste, gibt es bislang nur als Konstrukte von Literaturwissenschaftlern. Dein polemischer Kommentar wird m. E. diesem faszinierenden Text keineswegs gerecht.

Quote:
Zum Beispiel kam es mir schon als Achtjähriger komisch vor, daß Hildebrand seine Treue gegenüber Etzel vergißt, um den finsteren Mörder Hagen zu rächen.

Das kann dir komisch vorkommen, aber wenn sich in dem Text alle immer an gesellschaftliche Regeln hielten, gäbe es gar keine Konflikte und somit keine Handlung, daher sind solche Regelverstöße sogar essentiell für den Text (auch wenn sich Hildebrands Tun nicht mehr großartig auswirkt). Dietrich und Hildebrand waren außerdem traditionsreiche Figuren in der damaligen deutschen Literatur, wurden daher sicher nicht nur als Untergebene bzw. Verbündete von Etzel gesehen und bekamen deshalb wohl auch solche Alleingänge spendiert. Die Bedeutung von Etzel für das Geschehen an dessen Hof geht ohnehin am Ende gegen null, und Hildebrands Handeln bestätigt dies lediglich ein weiteres Mal. Außerdem wird Hagen in der zweiten Hälfte des Textes viel positiver dargestellt (kommt aber auch darauf an, ob man die "not-Fassung" oder die "liet-Fassung" zugrundelegt, in letzterer wird Hagens Figur deutlich negativer kommentiert).

Quote:
Erwähnte jahrhundertelange, nicht immer gründliche Überarbeitung hat viele Unstimmigkeiten in die Story gebracht, wie beispielsweise das berühmte Fenstergedicht.

Was ist mit Fenstergedicht gemeint? Habe diesen Begriff noch nie gehört. Im Allgemeinen habe ich den Eindruck, dass viele dieser Unstimmigkeiten auch künstlich aufgebläht worden sind, da man von ihnen häufig auf Vorstufen des Textes schließen zu können glaubte.

Prisma wrote:
Adalmar wrote:
Ich habe noch keine Nibelungen-Verfilmung gesehen, die nach Theater aussieht

Ich meinte den Zweiteiler von 1966, der ist mal irgendwann bei Pidax erschienen.

Diese Produktion habe ich beim Stichwort Verfilmung gedanklich ausgeklammert, da sie (glaube ich) nur fürs Fernsehen gemacht wurde. Zugrunde liegt ihr die Dramentrilogie von Friedrich Hebbel, die ich persönlich nicht mag, da ich sie sehr geschwätzig finde und viele Dialoge m. E. nicht zu den Figuren passen (wie ich sie verstehe).

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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 20.12.2014 04:58 
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Adalmar wrote:
Und was soll dann die richtige Version sein? Vermeintlich perfekte Vorstufen, in denen alles hundertprozentig zusammenpasste, gibt es bislang nur als Konstrukte von Literaturwissenschaftlern. Dein polemischer Kommentar wird m. E. diesem faszinierenden Text keineswegs gerecht.

Meine Polemik war lediglich eine kleine Replik auf Deine. Ich hätte vermutet, daß das anhand der Formulierung klar erkennbar wäre. Ich war schon immer ein Fan der Sage, die (neben Boormans EXCALIBUR) frühzeitig meine Begeisterung für Mythen geweckt hat.


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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 20.12.2014 13:44 
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Aber worum es sich bei dem Fenstergedicht handelt, wüsste ich schon ganz gern.

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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 20.12.2014 14:56 
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Als Gudrun (später eben Kriemhild) ihre Brüder bei ihrer Ankunft an Etzels Hof vom Fenster aus beobachtet, äußert sie sich in diesem Gedicht in einer sie bewundernden Art und Weise, die eben nicht mehr zur späteren haßerfüllten Kriemhild paßt. Leider habe ich die Sekundärliteratur über die Entwicklung der Sage seinerzeit nur in der Bibliothek gelesen und nicht in meiner eigenen Sammlung, deshalb kann ich es jetzt nicht zitieren. Ich wollte mich eigentlich schon länger mal wieder mit dem Thema befassen, aber momentan steht sogar die BD von Reinls Film seit Monaten ungesehen im Regal.

Nach nochmaligem Lesen meines anderen Beitrags: "Berühmt" ist das Gedicht wohl eher nicht, gilt aber als exemplarisches Beispiel für die diversen Widersprüche, die sich mit der Zeit eingeschlichen haben.


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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 20.12.2014 17:36 
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Ich weiß, was du meinst, nur war mir nicht klar, dass es dafür die Bezeichnung Fenstergedicht gibt. Sie sieht die Burgunden kommen und sagt: Wenigstens kommen sie bewaffnet. Oberflächlich könnte man jetzt sagen: Warum sollte sie das sagen, sie will doch den Tod der Burgunden, zumindest den von Hagen. Tatsächlich wurde diese Stelle hin und wieder herangezogen, um zu behaupten, dass sich hier eine ältere Fassung der Geschichte (die in etwa dem "Atli-Lied" der Edda entspräche, in dem Gudrun ihre Brüder vor Atli warnt) bemerkbar macht, in der Kriemhild auf der Seite ihrer Brüder steht, und einen Widerspruch in den Text bringt. Ich bin allerdings der Ansicht, dass diese Äußerung Kriemhilds durchaus Sinn ergibt im Kontext des Nibelungenlieds. Denn sie weiß, dass sie insbesondere in Anwesenheit von Dietrich, Hildebrand und Rüdeger nicht durchkommen wird mit einem Mordplan gegen wehrlose Gäste. Daher: Zum Glück sind sie bewaffnet, das macht es mir leichter, sie in einen Kampf zu verwickeln, in dem sie dann durch ihre zahlenmäßige Unterlegenheit umkommen werden. Übrigens erinnert sie im direkten Zusammenhang mit der (zu Unrecht) beanstandeten Äußerung die Umstehenden an "ihr Leid" und verspricht reiche Belohnung (d. h. für jeden, der sie rächen wird). Für mich ergibt das vollständig Sinn.

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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 27.02.2015 09:24 
Gerade entdeckt!
Was ein geiles Cover der TV Zeitschrift GONG.

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Wer die Blu-ray noch nicht angestestet hat, sollte das wirklich mal tun. Sehr gute Blu-ray von Universum und ein toller Film!


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PostPosted: 27.02.2015 11:11 
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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 27.02.2015 12:24 
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Mehr als das. Er hat eines seiner kleineren Aktienpakete abgestoßen, damit entspannt die Universum Film GmbH aus dem RTL/Bertelsmann Gebilde gekauft. :mrgreen:

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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 30.04.2018 15:59 
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● MARIA MARLOW als KRIEMHILD in
DIE NIBELUNGEN TEIL I - SIEGFRIED (D|JUG|1966)



Einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge, war Produzent Artur Brauner auf der Suche nach geeigneten Darstellern für sein bereits sieben Jahre Planung in Anspruch nehmendes Großprojekt "Die Nibelungen". Für die Rolle Kriemhild hatte man sehr populäre Darstellerinnen ins Auge gefasst; zunächst Marianne Koch und anschließend Romy Schneider. Als Brunhild wurden Barbara Rütting und Eva Bartok in Erwägung gezogen. Wie es letztlich zu der Verpflichtung der völlig unbekannten Natascha Stepun kam, die mit dem internationaler klingenden Künstlernamen Maria Marlow ausgestattet wurde, ist nur zu vermuten und richtet sich möglicherweise nach den Empfehlungen der Befragten - genau wie übrigens bei Siegfried auch - unverbrauchte Interpreten in die Manege zu schicken. Etwas Aufmerksamkeit erlangte Maria Marlow kurz zuvor in Peter Schamonis Spielfilmdebüt "Schonzeit für Füchse", in dem sie als Nina Stepun aufgetreten war und eine leichtfüßige Darbietung in einer besonders interessanten Nebenrolle zum Besten gab. Für die Rolle der Kriemhild wirkt sie wie geschaffen und sei es, falls man sie nur auf ihre der Sage nach überlieferte Schönheit reduziert. Im Allgemeinen bekommt Maria Marlow für ihre Leistung nicht die besten Kritiken zugebilligt, was vielleicht in erster Linie daran liegt, dass Regisseur Harald Reinl seine damalige Ehefrau Karin Dor als Brunhild wesentlich prominenter und stärker inszenierte, außerdem zusätzlich der laufenden Geschichte geschuldet ist. Maria Marlow hingegen versucht es anfänglich mit einer bemerkenswerten Einfachheit, bevor die zweifellos vorhandene Ausstrahlung bemüht wird. Es ist nahezu selbstverständlich, dass die zahmere der beiden Frauen auf den richtigen Moment zu warten hat, der sich hier Ende des ersten Teils plötzlich ergibt und im Rahmen der Voraussetzungen von "Kriemhilds Rache" seine darstellerische Vollendung findet, für die Maria Marlow wohlgemerkt aktiv verantwortlich ist.

Man kann keineswegs sagen, dass Maria Marlow ihre Rolle zu Beginn schwach zeichnet, vielmehr ist es einfach noch nicht an der Zeit, ihre Stärken auszubuchstabieren und der Dramatik vorwegzugreifen. Des Weiteren findet eine radikale Unterordnung zugunsten Brunhilds, respektive Karin Dors statt, die alleine stilistisch und inszenatorisch gesehen alle erdenklichen Vorteile - von der Totalen ihres Gesichts bis hin zu inbrünstigen Dialogen - zugebilligt bekommt. Landläufig entstand somit der vielleicht nicht ganz unberechtigte Eindruck, dass Karin Dor die wesentlich stärkere Interpretation anbietet. Doch es gilt zu unterscheiden, denn sie kann mit etwas auftrumpfen, das Maria Marlow naturgemäß nicht bieten konnte: Routine. Gemessen an dieser Tatsache und des Eindrucks, wenn Brunhild nur noch eine tragische Erinnerung sein wird, der im zweiten Teil folgen wird, wertet sich Marlows einwandfreie Interpretation von selbst auf. Zunächst schaut der Zuschauer auf eine anmutige und gutherzige junge Frau, die die bevorstehende Ruhe vor dem Sturm charakterisieren wird. In übersichtlich wenigen Sequenzen tastet sich die Kamera vorsichtig aber zusehends interessiert an ihr klassisch schönes Gesicht heran. Im Endeffekt bewegt sich der Neuling jedoch stilsicher genug auf dem Parkett, das eine Großproduktion pflastert, und muss sich keineswegs hinter etablierten Stars verstecken. Wo Maria Marlow in Teil I noch zuverlässig und der Anforderung entsprechend die Aufgabe abarbeitet, eine gute Portion Rührseligkeit und Naivität zu bedienen, muss man einfach auf den stärkeren Nachfolger warten, um ihre darstellerischen Fähigkeiten in vollem Umfang kennenzulernen. Kostproben ihres Temperaments und einer eigenartigen Disziplin im Rahmen ihrer Mimik und Körpersprache werden bereits hier ersichtlich, doch ein vollmundiger Racheschwur kündigt nicht nur den Anfang vom Ende an, sondern die unbändige Performance einer Gelegenheitsinterpretin, deren Spur sich leider komplett verloren hat.


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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 18.06.2019 22:01 
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Prisma wrote:
Ich sehe mir eigentlich auch immer nur noch "Kriemhilds Rache" an, weil mir der erste Teil im Vergleich deutlich schwächer vorkommt, auch insbesondere wegen der Titelfigur ohne nennenswerte schauspielerische Kompetenzen. Teil 2 ist allerdings großartig und wird sehr beachtlich von Maria Marlow dominiert, wie ich finde, und überhaupt entsteht der Reiz vor allem im Zusammenspiel der Akteure, das ich als besonders stark bezeichnen würde. Es ist schon sehr schade, dass Maria Marlow keine Karriere hatte und dass sich ihre Spur komplett verloren hat! Sie steckt ja hier selbst Karin Dor beinahe mühelos in die Tasche.


Ja, das mag ich so unterschreiben, da die Titelfigur in Teil 1 sehr blass bleibt. Wahrscheinlich stand Uwe Beyer auch Pate für die negative Prägung des Begriffs: Hammerwerfer. Na ja, weit ausgeholt, aber so bin ich nun mal, steht auch in meinem Bewerberprofil.

Auch wenn mir Teil 1, ungeachtet des Hammerwerfers, bereits sehr zusagte, muss ich einräumen, dass Teil 2 (beide Filme sind sorgfältig inszeniert und bestens fotografiert) noch mal so richtig zulegt... und wie er das macht und vor allem: wie er das kann. Da stapeln sich die Leichen nach allerbesten Wagnerismus, weil die Kriemhild als Geisterfahrerin mit Vollgas über die Autobahn rast. Jau, Maria Marlow lässt die Reifen qualmen und macht vor nix Halt. Klasse!

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 Post subject: Re: DIE NIBELUNGEN - Harald Reinl
PostPosted: 19.06.2019 10:03 
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Sehr lesenswert dazu HAGEN VON TRONJE (Wolfgang Hohlbein). Bin ich gerade mittendrin.

Nico Hoffmann will's außerdem neuverfilmen.


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