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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER SATAN MIT DEN LANGEN WIMPERN - Freddie Francis
PostPosted: 14.07.2019 20:30 
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"Der Satan mit den langen Wimpern" (Nightmare) (Großbritannien 1963)
mit: David Knight, Moira Redmond, Jennie Linden, Brenda Bruce, George A. Cooper, Irene Richmond, Clytie Jessop, Timothy Bateson, Elizabeth Dear, John Welsh, Julie Samuel, Hedger Wallace, Isla Cameron u.a. | Drehbuch: Jimmy Sangster | Regie: Freddie Francis

Seit dem Tod ihres Vaters lebt die siebzehnjährige Janet im Internat. Immer wieder wird sie von Alpträumen verfolgt, die sie an den Mord erinnern, den ihre Mutter beging, indem sie Janets Vater erstach. Als Janet in ihr Elternhaus zurückkehrt, verspricht ihr Vormund Henry Baxter, sich um sie zu kümmern und stellt ihr eine junge Krankenschwester zur Seite. Zunächst fühlt das Mädchen sich geborgen, doch kurz darauf wird sie jede Nacht von einer geisterhaften Erscheinung geweckt, die sie zum Mordzimmer führt. Als Henry Janet seiner Frau vorstellt, kommt es zur Katastrophe....

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Der Stammsitz der Familie als Ort des Schreckens oder Hort des Bösen ist ein beliebtes Sujet des Horrorfilms, auf das gern zurückgegriffen wird. Die autarke Welt der englischen Herrenhäuser, welche die gutsituierten Herrschaften nicht notwendigerweise verlassen müssen, ermöglicht es, dass vor allem Frauen und junge Mädchen dort in völliger Abgeschiedenheit leben. Langjähriges Hauspersonal kümmert sich um die Banalitäten des geordneten Alltags, während die körperlich Unterbeschäftigten ihren Gedanken und Launen freien Lauf lassen können. So nehmen menschliche Beziehungen und die Beschäftigung mit der eigenen Befindlichkeit mehr Raum ein als bei jenen, welche in einen strukturierten Tagesablauf eingespannt sind. Ebenso verhält es sich bei der jugendlichen Heldin des Films, deren Rückkehr an den Schauplatz eines sechs Jahre zurückliegenden Verbrechens ihr sensibles Gemüt massiv aus dem Gleichgewicht bringt. "Nightmare" bedient sich der klassischen Zutaten der perfiden Suggestion, indem Fürsorge und Freundschaft dazu benutzt werden, um einen lauteren Menschen schuldig werden zu lassen. Dieser Faktor fügt dem Geschehen eine bittere Note bei, die bis über das Filmende hinaus nachhallt und durch keine Sühne wiedergutzumachen ist. Die Verbrecher appellieren an die Wunden der Vergangenheit und stricken daraus einen raffinierten Mordplan, wobei Opfer und Täter austauschbar werden. Das Publikum wird genauso manipuliert wie Janet und empfindet den Tod von Helen Baxter deshalb als Katastrophe für die Täterin und nicht für die Ermordete. Man erfährt nichts über die unbeteiligt aussehende Frau, deren Verbindung zu dem ehrgeizigen Rechtsanwalt nach einem eigenen Kapitel verlangen würde.

Die Australierin Clytie Jessop, deren unheimliche Präsenz wie ein Schleier über der Literaturverfilmung "Schloss des Schreckens" liegt, leistet hier Bemerkenswertes und holt die phantomhafte Mary Jessel aus dem Henry-James-Roman näher an das Auge des Betrachters heran, obwohl sie auch in "Nightmare" keinen einzigen Dialogsatz hat. Ihre faszinierende Aura nimmt den Zuschauer gefangen und verflüchtigt sich immer dann, wenn er denkt, ihr Bild nun erfasst zu haben und ihre Beweggründe erkunden zu können. Die Mimin profitierte von ihrer klassischen Ausstrahlung und arbeitete mehrfach mit Regisseur Francis zusammen, bevor sie später eine Kunstgalerie in London führte und als Drehbuchautorin und Regisseurin die Inszenierung eines Filmes selbst in die Hand nahm. Das teuflische Duo David Knight und Moira Redmond dominiert vor allem die zweite Hälfte des Films, wobei jeder für sich besser funktioniert als im Zusammenspiel. Ihre stärksten Momente haben Henry Baxter und Grace Meddox in den Interaktionen mit anderen Personen, während die aggressiven Szenen einer Ehe den Film zeitweise in ein anderes Genre abgleiten lassen. Besonders die aalglatte Arroganz des Mannes, der seine Umgebung dezent manipuliert, bis seine Opfer rettungslos im Netz zappeln, beeindruckt. Scream-Queen Jennie Linden profitiert von ihrer pausbäckigen Naivität, überlässt das Feld jedoch bald dem Gaunerpärchen, das sich - wie so oft - selbst aufreibt. So erhält die auf Effekte getrimmte Spielhandlung eine Moral, deren Logik jedoch nicht in allen Abläufen aufgeht. Das Drehbuch scheint über die selbst ausgelegten Fallstricke zu stolpern und hat Mühe, das Finale in die Zielgerade zu bekommen, ohne übereilt zu wirken.

Fazit: Die kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografie macht die "Hammer"-Produktion zum ästhetischen Genuss, wovon besonders die erste Hälfte des Films profitiert. Mit der zunehmenden Dominanz von Moira Redmond wachsen auch die dialogreichen Passagen, die dem Film stellenweise seinen Zauber nehmen und ihn zum reinen Psychodrama machen. Insgesamt gute Unterhaltung, die Francis' Inszenierung jedoch hinter "Paranoiac" zurückfallen lassen.


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