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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Spuk im Museum (1969)
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 01 | WHAT A NIGHT FOR A KNIGHT | SPUK IM MUSEUM (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Durch Zufall finden Scooby Doo und seine Freunde einen abgestellten Lieferwagen, auf dem die Rüstung des sagenumwobenen "Schwarzen Ritters" lagert. Als sie das mysteriöse Fundstück dem adressierten Museum zurückgeben, erfahren sie vor Ort von der Sage dieses ungemütlichen Zeitgenossen, der angeblich bei Vollmond zum Leben erweckt werden soll. Die fünf Hobbydetektive schenken dieser Geschichte allerdings keine weitere Beachtung und tun sie als Märchen ab, bis sie in einer Vollmondnacht selbst eines Besseren belehrt werden. Plötzlich treibt der Ritter in den Museumsräumen sein Unwesen und stellt sich als waschechte Bedrohung heraus. Scooby, Fred, Daphne, Velma und Shaggy wollen der Sache auf den Grund gehen und machen überraschende Entdeckungen...

Der Vollmond wacht über die scheinbar ruhig verlaufende Nacht und erleuchtet eine menschenleere Landstraße, bis plötzlich die "Mystery Machine" auftaucht - der kleine, farbenfrohe Bus, der die Jung-Detektive zuverlässig von Fall zu Fall bringt. Zuvor spielten sich rätselhafte Geschehnisse auf einem Lieferwagen ab, da eine Ritterrüstung offensichtlich ein Eigenleben entwickeln konnte. Die Serie "Scooby-Doo" kann auf den Luxus zurückblicken, sehr gruselig wirkende Monster oder Furcht furchteinflößende Schurken zur Verfügung gehabt zu haben, die ihren Dienst auch noch 50 Jahre nach der Entstehung erfüllen, und das in sehr eindringlicher Manier. In dieser ersten Episode treibt der "Schwarze Ritter" sein Unwesen und kann die fünf Freunde zwar gehörig in Angst und Schrecken versetzen, aber im Endeffekt nicht für falsche Fährten und Schlüsse sorgen, denn immerhin funktioniert die Allianz aus Auffassungsgabe, Tolpatschigkeit, Turbulenzen und findigen Schnüffelnasen sehr gut. Um die vornehmlich kleinen Zuschauer nicht zu sehr zu beunruhigen, ist die Episode mit sehr viel Humor versehen worden, wofür hauptsächlich die Titelfigur zuständig ist, aber auch sein Freund Shaggy. Die Mischung aus Mystery, Krimi und Humor macht einen sehr ausgewogenen Eindruck und tröstet ein wenig über die Tatsache hinweg, dass es in "Spuk im Museum" leider zu wenige Verdächtige gibt. Hinsichtlich der Intention des Formats ist allerdings alles genau richtig gemacht worden, denn Folge 1 hat das Potential, zukünftige Zuschauer anzusprechen und zu rekrutieren, um in der Folgezeit waschechte Fans entstehen zu lassen, was erfahrungsgemäß nicht ausbleiben dürfte.

Die Vorstellung der sympathischen Protagonisten geschieht ebenso schnell wie selbstverständlich, sodass sich die persönlichen Lieblinge direkt ausfindig machen lassen. Ob Freddie, Daphne, Velma, Shaggy oder Scooby-Doo - alle dieser schillernden Charaktere punkten durch deutliche Unterschiede bezüglich des jeweiligen Naturells oder der Art zu agieren, was die Erfolgsgarantie jeder Episode darstellt. Ein Museum erscheint beim ersten Gedanken nicht wie der gruseligste Ort, den man sich vorstellen kann, doch unter vollmondigen Umständen ändert sich dieser Eindruck rapide. Die nötigen Informationen über den Fall werden somit schnell und einfach präsentiert, um direkt zum Eingemachten übergehen zu können. Der Mond scheint hell, leuchtende Augen beobachten die fünf Schnüffler akribisch aus dem Verborgenen und die offensichtlich aufgebrachte Rüstung erwacht. Das Sammeln von Indizien wechselt sich mit Verfolgungen ab, bis die Lösung des Rätsels kurz bevorsteht. Als der Schurke enttarnt ist und dessen düstere Machenschaften ans Tageslicht manövriert worden sind, scheint alles Gezeigte schließlich irgendwie doch von dieser Welt zu sein, dies jedoch in wunderbar leicht-lockeren Comic-Style. Da am Ende noch eine offene Frage über allen Köpfen schwebt, kommt es sogar noch zu einer netten Überraschung, sodass sich das Publikum nach allen Eindrücken zufrieden zurücklehnen kann, um sich zu überlegen, die nächste Folge so schnell wie möglich ansehen zu wollen. "Spuk im Museum" macht mithilfe zahlreicher Raffinessen des Zeichentrickfilms eine sehr gute Figur und steigert die Vorfreude auf den nächsten Fall, in dem es erwartungs- und erfahrungsgemäß wie hier präsentiert weitergehen wird.


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 Post subject: Der Mörder mit dem Seidenschal (1966)
PostPosted: 25.06.2019 11:00 
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● DER MÖRDER MIT DEM SEIDENSCHAL / FESSEL DER ANGST (D|I|1966)
mit Susanne Uhlen, Carl Möhner, Folco Lulli, Helga Liné, Sonja Romanoff, Ady Berber, Greta Zimmer,
Erwin Strahl, Vera Complojer, Astrid Boner, Elisabeth Stiepl sowie Adrian Hoven und Harald Juhnke
eine Produktion der Aquila Film | Sagittario Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Adrian Hoven


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»Mit Mord will kein Mensch was zu tun haben!«

Die Barsängerin Prisca Sampton (Helga Liné) wird tot in ihrer Wiener Wohnung aufgefunden. Wenig später berichtet die Presse von dem Fall und der Tatsache, dass es eine Zeugin für den Mord gegeben haben soll. Samptons Tochter Claudia (Susanne Uhlen) hat den Mord durch den Briefchlitz der Tür beobachten können, was den Mörder in eine nervöse Lage bringt. Um das Mädchen zu schützen, soll sie von der Polizei in einer Pflegefamilie untergebracht werden, doch der Mörder lauert Claudia auf, die nur knapp einem Unglück entkommen kann. Fortan entwickelt sich ein Wettlauf auf Leben und Tod, dem die Polizei stets nachzuhinken scheint. Polizeirat Moll (Folco Lulli) und Oberinspektor Fischer (Harald Juhnke) versuchen die Zeugin aus dem Visier des Mörders zu bringen, bis es zu einem Showdown kommt...

Der erfolgreiche Schauspieler Adrian Hoven legte mit seinem Spielfilmdebüt "Der Mörder mit dem Seidenschal" den Grundstein für eine Reihe von Filmen, in denen er selbst als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor in Erscheinung treten sollte. Diese Produktionen entstanden hauptsächlich in Zusammenarbeit mit dem berüchtigten italienischen Playboy und Siemens-Erben Pier A. Caminneci, mit dem er 1965 die eigene Produktionsfirma Aquila Film Enterprises gründete. Dieser psychologisch angehauchte Thriller basiert auf dem Kriminalroman "Der Mörder und das Kind" von Thea Tauentzien und konnte keine nennenswerten Erfolge an den Kinokassen verbuchen, obwohl sich die eingeschlagene Marschrichtung von vielen ähnlich gelagerten Kriminalfilmen dieser Zeit unterscheidet. Die Übersättigung des Marktes ließ allerdings keine großen Überraschungs-Coups mehr zu, sodass "Der Mörder mit dem Seidenschal" heute vielleicht eher als angenehme Alternative in Erinnerung geblieben ist. Zunächst bleibt zu erwähnen, dass sich der Film mit einer sehr brisanten Thematik beschäftigt, die allerdings im Rahmen der Ausarbeitung etwas zu herkömmlich abgehandelt wirkt; immerhin geht es um den potentiellen Mord an einer erst zehnjährigen Zeugin. Die diesbezügliche Hetzjagd offeriert dennoch sehr rasante und spannende Züge, obwohl von Anfang an klar ist, bei wem es sich um den Mörder der Mutter des Kindes handelt. Bereits hier lässt sich ein natürliches Gespür des Regisseurs erkennen, die Publikumswirksamkeit zu bedienen, was sich in den folgenden Jahren noch mehr herauskristallisieren sollte. Adrian Hoven inszeniert nicht uninteressant und hält sich dabei an die bestehenden Gesetze des Kriminalfilms, jedoch nicht ohne sich an begrüßenswerten Variationen zu orientieren. Die Struktur der Geschichte zielt somit weniger auf Überraschungsmomente ab, als auf handelsübliche Thriller-Elemente, die hier sehr prominent in Erscheinung treten.

Ein Mädchen beobachtet den Mord an seiner Mutter durch den Briefkastenschlitz und landet zusehends in einem Alptraum, da der Täter es plötzlich auch auf sie abgesehen hat, da sie ihn identifizieren kann. Es Folgt eine breit angelegte Flucht und die dazu gehörende Jagd, die den kompletten Film beherrschen wird. Wenn man auf das Spielfilmdebüt zu sprechen kommt, muss hier nicht nur der österreichische Regisseur genannt werden, sondern auch die damals erst zehnjährige Susanne Uhlen, die in ihrem ersten Film gleich mit der Hauptrolle betraut wurde, wenngleich sie zugunsten der arrivierten Stars etwas weit in den Credits nach hinten gereicht wurde. Die Tochter der bekannten Schauspielerin Gisela Uhlen, die in derartig gestrickten Kriminalfilmen immer ein gerne gebuchter Gast war, überzeugt im Rahmen der Emotionspalette in dieser letztlich gar nicht so simplen Anforderung. Gerade die Projektionsfläche Kind sorgt naturgemäß für Hochspannung und bestürzende Momente, die Adrian Hoven allerdings nicht exzessiv auszukosten versucht. Schockmomente werden somit eher auf hypothetischer Basis zu finden sein, da Verfolgung und Vorsatz nicht bis zum Äußersten getrieben werden. Susanne Uhlen überrascht naturgemäß mit einer unverbrauchten und beinahe unvoreingenommenen Leistung und animiert den Zuschauer zum Mitfiebern und Hoffen, dass doch alles gut ausgehen möge. Carl Möhner arbeitet hingegen mit Nachdruck daran, diese Eindrücke zunichte zu machen und es geht eine besondere Aggressivität von ihm aus, bei der es stets zur Debatte stehen will, ob nicht auch eine neue Ebene der Brutalität hinzukommen wird. Die Gegner oder Retter in der Not arbeiten mit Hochdruck daran, das Mädchen vor den Klauen des Mörders zu bewahren, allerdings kommen ihnen die unübersichtlichen Weiten der Stadt erschwerend in die Quere, sodass sich die Hetzjagd über den kompletten Verlauf spannend aufrecht erhalten kann.

Die passenden Gesichter auf Seiten der Polizei liefern Folco Lulli, der mit väterlich wirkenden und besonnenen Ansätzen punkten kann, das Schwergewicht Ady Berber, der die Premiere des Films leider nicht mehr miterleben sollte, und Harald Juhnke, der die Szenerie mit seinen ganz grundeigenen Mitteln aufzulockern zu versucht. Es ist interessant, dass die Regie weitgehend auf Elemente des obligatorischen Humors verzichtet, um die ernste Lage nicht ungünstig aufzuweichen. Dies kommt sehr gut an und in diesem Zusammenhang finden sich weitere Helfershelfer, die tatkräftig bei der Kreation Angst und Schrecken mithelfen, wie beispielsweise Helga Liné als attraktives Mordopfer, Sonja Romanoff als Ganovenliebchen, oder Regisseur Adrian Hoven selbst, dem man das Kleinganoventum besonders gut abkaufen wird. Viele strukturelle und inszenatorische Modifikationen machen "Der Mörder mit dem Seidenschal" zu einem gut ausbalancierten Reißer, der seine Ambitionen nicht nur offen zur Schau stellt, sondern diese auch umsetzen kann. Besonders hochwertige Bilder liefert das unbestechliche Auge der Kamera, die mit Winkelspielen und sehr gelungenen, teils unorthodoxen Einstellungen experimentiert. Im Endeffekt ist und bleibt es jedoch der prominent inszenierte Aufhänger Susanne Uhlen, der den Verlauf zielführend bestimmt. Ihre Leistung ist für eine Debütantin mehr als gelungen zu bezeichnen und durch ihr mit Angst erfülltes Wesen können sich immer wieder starke Spannungszustände beim Publikum aufbauen. Das Finale verläuft trotz aller Rasanz und spektakulärer Bebilderung vielleicht etwas zu reibungslos, doch die Produktion stellt insgesamt zufrieden. Adrian Hovens Erstlingswerk kann unterm Strich durchaus als gelungen und vor allem unterhaltsam bezeichnet werden. Als Alternative zu bekannten Krimi-Formaten kann "Der Mörder mit dem Seidenschal" die Konkurrenz zwar nicht ausstechen, sich aber zumindest im guten Mittelfeld etablieren.


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 Post subject: Friedhof der Schiffe (1969)
PostPosted: 30.06.2019 16:42 
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 02 | A CLUE FOR SCOOBY DOO | FRIEDHOF DER SCHIFFE (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Fredie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby-Doo möchten ein paar unbeschwerte Tage am Strand verbringen, doch dieses Vorhaben wird schnell gestört, da Scooby beim Surfen einem in Neonfarbe leuchtenden Geist begegnet. Die Erfahrung sagt den Freunden jedoch, dass es sich kaum um einen solchen handeln dürfte, sodass man sich auch die Suche nach rationalen Erklärungen begibt. Bei den Recherchen treffen sie auf einen Mann, der ihnen vom Geist eines gewissen Captain Cutler berichtet, außerdem stoßen die Detektive auf eine rätselhafte Serie von verschwundenen Schiffen, die nie wieder gesichtet wurden. Fred und seinen Kollegen wird klar, dass sie des Rätsels Lösung wohl nicht an Land finden können. Eine spannende Unterwassermission bringt die entscheidenden Erkenntnisse...

Wie bereits in Folge 1 wird das Publikum schnell mit dem Bösewicht der Geschichte konfrontiert, der hier in einem altmodischen Taucheranzug sein Unwesen treibt, zusätzlich in gruseligem Neon leuchtet und bei Nacht aus dem Meer steigt, um unbequeme Schnüffelnasen fernzuhalten. Da die Jung-Detektive einen Ausflug zum Strand machen, ist ein Aufeinandertreffen mit der unheimlichen Gestalt unausweichlich und die Neugierde wird sofort allseits geweckt, wer oder was hinter dieser eigenartigen Angelegenheit stecken könnte. Schlagzeilen in der Zeitung geben erste sachdienliche Hinweise über eine Serie verschwundener Schiffe, die nie wieder aufgetaucht sind, sodass es anschließend zu ersten Befragungen mit möglichen Zeugen kommt, die selbstverständlich verdächtig bis ziemlich krude wirken. Kombinationsgabe, Witz und Charme beherrschen auch diese Folge sehr ausgewogen, damit die begrenzte Zeit noch mehr wie im Flug vergehen kann. Zunächst spielt sich die Suche nach dem Geheimnis an Land ab, doch aufgrund der Gestalt die ins Meer hinabsteigt wird den Freunden schnell klar, dass sich die weitere Suche unter Wasser abspielen muss, um die zündenden Beweise zu finden. Der Name "Friedhof der Schiffe" will bereits im Vorfeld einiges an Mystery versprechen, und sobald Fredie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby sich nach der eigentlich ergebnislosen Suche auf einem Schiff oder in einem alten Leuchtturm in ihre Taucheranzüge begeben haben, steigt die Spannung mithilfe von geheimen Winkeln und Höhlen, in denen die Gefahr ganz natürlich zu lauern droht.

Insbesondere Scooby-Doo sorgt mit seiner speziellen Note dafür, auch diese zweite Episode mit lockeren Sprüchen und tolpatschigen Gebärden aufzulockern, wo hingehen die übrigen Helden jeweils durch andere Kompetenzen glänzen dürfen. Im Endeffekt ist es diese nuancierte Kombination aus Pragmatismus, Strategie, Logik und Unbeschwertheit, die die Freunde zum anvisierten Ziel führen werden. Doch zunächst muss eine gleichsam unwegsame, aber auch idyllisch wirkende Unterwasserwelt bezwungen sowie erkundet werden, bis der besagte "Friedhof der Schiffe" das entscheidende Puzzlestück in die aufgeladene Szenerie wirft. Was hier sehr gut ankommt, ist die unheimliche Maskierung des Täters, die im Gegensatz zum Vorgänger noch einen Zugewinn darstellt, außerdem muss ein wenig mehr mitgegrübelt werden, da nicht alles sofort ganz offensichtlich auf der Hand liegt, wenngleich keine Wunder der Kombinationsgabe gefordert sein werden. Kriminelle Energie und Profitgier bilden erneut die Grundlage für einen spritzigen Fall, der sehr schön im bunten Bild festgehalten wurde. Atmosphärisch gesehen spielt diese zweite Folge in der oberen Liga der Serie mit, da viel Abwechslungsreichtum geboten wird und das mysteriöse Element sehr stichhaltig herausgearbeitet erscheint. Wenn die fünf jungen Detektive diesen kniffligen Fall gelöst haben, weiß der Zuschauer wie selbstverständlich, dass ein neues Rätsel nicht lange auf sich warten lassen wird, sodass man den weiteren Verlauf der Serie mit Spannung erwarten darf. "Friedhof der Schiffe" macht insgesamt einen enormen Spaß und bestätigt die Leichtigkeit, die schnell zum Gütesiegel avanciert.


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 Post subject: Heißer Hafen Hongkong (1962)
PostPosted: 05.07.2019 23:16 
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● HEIẞER HAFEN HONGKONG / IL SEGRETO DI BUDDA (D|I|1962)
mit Marianne Koch, Klausjürgen Wussow, Dominique Boschero, Brad Harris, Carlo Tamberlani, Dorothee Parker und Horst Frank
eine Produktion der Rapid Film | Cinematografica Associati | im Gloria Verleih
ein Film von Jürgen Roland


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»Diese Stadt hat ihre eigenen Gesetze!«

Der deutsche Journalist Peter Holberg (Klausjürgen Wussow) reist nach Hongkong, um einen befreundeten Kollegen zu besuchen, doch vor Ort erfährt er von dessen Tod. Während er einen spektakulären Fall von Industriespionage aufrollen wollte, wurde er kaltblütig ermordet. Holberg beschließt, den Fall in Eigenregie zu lösen, außerdem wurde ihm ein Mikrofilm zugespielt, der vermutlich im Zusammenhang mit dem Verbrechen steht. Gemeinsam mit Joan Kent (Marianne Koch), der Schwester des Ermordeten, sucht er nach den mysteriösen Hintermännern und es dauert nicht sehr lange, bis beide in die erste lebensgefährliche Situation geraten...

Die ehemalige britische Kronkolonie und Weltmetropole Hongkong wurde seinerzeit in vielen Abenteuer-, Kriminal- und Spionagefilmen zum aussagekräftigen Umschlagplatz für Schmuggel, Mord und jede Art von Verbrechen verwendet. Sicherlich gibt hierbei die exotisch aber gleichzeitig international wirkende Kulisse einen Ausschlag, die sich nicht zuletzt wegen ihrer topographischen Vorzüge für derartige Geschichten geradezu angeboten hat, doch ebenso spielt auch die von einer fremden Welt ausgehende Unsicherheit eine beträchtliche Rolle bei der Wahl dieses Settings. Unter der Regie von Krimi-Spezialist Jürgen Roland entstand ein typischer Reißer des Genres, der sich hauptsächlich an den bestehenden Gesetzen des Genres orientiert, ohne dabei das Rad neu erfinden zu wollen. Ausgestattet mit Stammschauspielern der Rapid-Film und bedeutenden Vermittlungs-Coups der italienischen Co-Produktionsfirma, wird die imposante Kulisse optimal ausgenutzt und es kann schnell zu rasanten Strecken kommen, außerdem zu erotisch aufgeladenen Sequenzen, wie sie bei Hartwig-Produktionen üblich waren. Zunächst ist es nicht vollkommen klar, weswegen die ersten Köpfe überhaupt zu rollen hatten, doch dieses kleine Manko klärt sich schnell auf, da einige der Top-Bösewichte der Branche die gut ausstaffierte Bühne vereinnahmen. Die Jagd nach einem Mikrofilm, und damit verbundenen Patenten, bietet schließlich ausreichende Gründe für Mord und Totschlag, sodass das mit Action aufgeladene Abenteuer ein gutes Tempo vorlegt. Die beteiligten Charaktere finden schließlich auf ganz natürliche Art und Weise zusammen, veranstalten dabei ein zeitweise ungleich wirkendes Tauziehen um die bessere Position in diesem undurchsichtigen Getümmel. Viele von ihnen stehen in Verbindung miteinander und es ist mehr als deutlich, dass es noch zahlreiche offene Rechnungen zu begleichen gibt. Die Stars der Manege liefern in diesem Zusammenhang sehr überzeugende Arbeit.

Innerhalb der zunächst vollkommen unübersichtlich wirkenden Situation sind es Marianne Koch und Klausjürgen Wussow, die für Identifikationspotential und sehr ansprechende Momente beim Zuschauer sorgen. Der Verlust eines ihnen nahestehenden Menschen verbindet beide von Anfang an auf ganz natürliche Weise, sodass die bestehende Allianz und alles Weitere ganz selbstverständlich und logisch wirkt. Marianne Koch war zu dieser Zeit sicherlich einer der gefragtesten Stars quer durch alle Genres und steht erneut für Zuverlässigkeit und Tugenden, genau wie Klausjürgen Wussow, der seinerzeit bei Regisseur Jürgen Roland offensichtlich hoch im Kurs stand. Brad Harris als ermittelnde Figur wirkt wie der Inbegriff der Agilität, wobei er bestimmt nicht dazu neigt, sich auf ein strategisch angelegtes Schachspiel einzulassen. Die Gesichter der Gegenseite glänzen durch die undurchsichtig wirkenden Interpretationen der aparten Dominique Boschero und eines immer bedrohlich wirkenden Horst Frank. Auch wenn der Mittelteil deutlich in die Länge gezogen wirkt, und zu wenig Spannung aufkommen will, kann insbesondere durch Horst Franks so legendär erscheinende Bösartigkeit ein gutes Level gehalten werden, ohne welches diese Geschichte nicht auskommen kann. Zusammenhänge ergeben sich mehr oder weniger nachvollziehbar und werden publikumswirksam aufgeschlüsselt, außerdem schwebt eine Art Damoklesschwert über einigen Köpfen und der Szenerie an sich. Auf visueller Ebene werden Qualitätsansprüche geltend gemacht, was gleichzeitig bedeutet, dass das vorhandene Potential einer Metropole wie Hongkong gewinnbringend genutzt werden konnte. Wenn sich die Reihen gelichtet haben und die Hetzjagd nach dem berüchtigten Mikrofilm ihren Zenit erreicht hat, bietet Roland erwartungsgemäß eher konventionelle Lösungen an, die Fans solcher Filme sicherlich zufriedenstellen dürften, ohne dabei den Anspruch zu reklamieren, dass es sich um eine Ausnahme-Erscheinung des Genres handelt. Schlussendlich hat man in "Heißer Hafen Hongkong" also lange nicht so heiß gegessen, wie gekocht wurde.


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 Post subject: Der Mann mit den 1000 Masken (1966)
PostPosted: 07.07.2019 21:33 
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DER MANN MIT DEN 1000 MASKEN

● DER MANN MIT DEN 1000 MASKEN / UPPERSEVEN, L'UOMO DA UCCIDERE (D|I|1966)
mit Paul Hubschmid, Karin Dor, Vivi Bach, Guido Lollobrigida, Rosalba Neri, Tom Felleghy und Nando Gazzolo
eine Produktion der Roxy Film | European Inc. | im Constantin Filmverleih
Ein Film von Alberto De Martino


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»Nehmen Sie noch ein Bad vor der Gehirnwäsche!«

Der Sonderagent Paul Finney (Paul Hubschmid) ist in Verbrecherkreisen unter dem Namen "Supersieben" bekannt und äußerst berüchtigt, da man um seine Kunst des Verwandelns weiß. Um seine Gegner zu irritieren und zur Strecke zu bringen, ist es ihm möglich, die Gestalt jedes beliebigen Gegenübers anzunehmen. In seinem neusten Auftrag geht es um eine rücksichtslose Verbrecher-Organisation, die sich mit groß angelegten Goldschmuggel-Aktivitäten befasst, und deren Kopf sich Kobras (Nando Gazzolo) nennt. Als "Supersieben" der erste empfindliche Schlag gegen Kobras gelingt, schwört dieser tödliche Rache. Doch zunächst hat der Verbrecher andere Pläne und schmiedet an einer Atomrakete in Afrika. Gemeinsam mit der Gesandten des CIA, Helen Farheit (Karin Dor), will "Supersieben" Kobras teuflische Pläne durchkreuzen, doch sie gehen ihm in die Falle...

Alberto De Martinos "Der Mann mit den 1000 Masken" lässt seine eigene Maske gleich zu Beginn fallen, da ungeniert demonstriert wird, dass es sich um einen weiteren Versuch handelt, von erfolgreichen Formaten wie "James Bond" zu profitieren, was im Prinzip nichts darstellen sollte, wofür sich der Streifen im Endeffekt schämen müsste. Dies gilt vor allem für die Grundvoraussetzungen einer sorgsamen Bearbeitung und einer bestenfalls originellen Geschichte. Die Mission startet laut Filmangaben in Kopenhagen und stellt den Protagonisten samt antagonistischer Verbrecherorganisation und deren Kopf eindringlich vor, denn es kommt gleich zu einem gut choreografierten Showdown, der die von Kobras ausgehende Gefahr aufzeigt, und dessen Aggressivität gleich mit. Der Verlauf reduziert sich schnell darauf, dass Auftrag gegen Auftrag, beziehungsweise Gut gegen Böse steht. An den jeweiligen Positionen der äußersten Ränder sind neben "Supersieben" und Kobras außerdem ihre zwei attraktiven Helfershelferinnen zu sehen, die das Geschehen ganz in Genre-Manier bereichern und aufzulockern wissen. Action und Tempo werden unter De Martino glücklicherweise groß geschrieben, sodass einige harte Übergänge im Film weniger gravierend ins Gewicht fallen. Außerdem sorgen zahlreiche Gadgets immer wieder für Aufsehen und Freude, schließlich treiben sie den ohnehin turbulenten Verlauf zielführend an, der überdurchschnittlich gut ausgestattet wirkt. Schauplatzwechsel von Kopenhagen über Basel bis Kapstadt unterstreichen die positiven Eindrücke sehr beachtlich, genau wie es die amtierende Entourage vor und hinter der Kamera tut. Als Held der Veranstaltung beweist Paul Hubschmid ein sehr gutes Händchen und bringt bei dieser Gelegenheit etwas weltmännisches Flair zwischen all das Gangstertum. Als Verwandlungskünstler spielt er diese große Stärke bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus und führt seine Gegenspieler erfolgreich an der Nase herum, oder sie wahlweise gleich ins Grab.

Sicherlich stellt Hubschmids Physiognomie und vor allem dessen Statur immer wieder einen kleinen Hemmschuh für diese Art der Maskerade dar, aber schließlich geht es ausschließlich darum, dass seine Kontrahenten ihn nicht erkennen können. Geprägt von einer guten Spiellaune und zahlreichen Eigenschaften die einen guten Agenten ausmachen, kommt der Schweizer beim interessierten Publikum gut an. Gleiches gilt für seine attraktive und dynamisch aufspielende Kollegin Karin Dor, die sich hier (und in einigen ähnlich gestrickten Produktionen) für ihren Auftritt bei "James Bond", quasi der Mutter aller Agenten-Flicks, empfehlen konnte. Der italienische Schauspieler und Synchronsprecher Nando Gazzolo bedroht den Frieden in erheblichem Maße und hinterlässt bei dieser Gelegenheit einen sehr guten Eindruck als Gegenspieler von "Supersieben". Unter seinem Kommando stehen nicht nur unzählige Lakaien, die ihm zur anvisierten Schreckensherrschaft verhelfen sollen, sondern auch eine bezaubernde Vivi Bach, deren optische Präsenz die teils bedrohliche Szenerie wirksam ausstaffiert. Weitere bekannte und beliebte Interpreten sorgen für Abwechslungsreichtum und den nötigen Body Count. Interessant ist die Strategie, dass der Humor in "Der Mann mit den 1000 Masken" oftmals nur in Spuren vorhanden ist und daher sehr subtile Züge aufweist. Folglich schießt er niemals über das Ziel hinaus und die Balance steht dieser rasanten Veranstaltung sehr gut. Im Mittelpunkt steht das Verbrechen, das sich wie eine Epidemie über so viele wie möglich ausbreiten soll. Dementsprechend ist die Vorgehensweise zur Verwirklichung nicht gerade zimperlich. Gespickt mit etwas ungelenk wirkendem Amour zwischen Paul Hubschmid und Karin Dor, und der Spannung dienlichen Rochaden, mündet Alberto De Martinos routinierte Arbeit in ein spektakuläres Finale, das neben der Kunst der Pyrotechnik auch noch einige weitere Überraschungen bereithält. Auch ohne die angekündigten 1000 Masken wird dieser Streifen zu einem kurzweiligen Reißer.


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 Post subject: Der Nonnenspiegel (1973)
PostPosted: 17.07.2019 21:07 
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DER NONNENSPIEGEL

● STORIA DI UNA MONACA DI CLAUSURA / UNE HISTOIRE DU 17ÈME SIÈCLE / DER NONNENSPIEGEL (I|F|D|1973)
mit Suzy Kendall, Catherine Spaak, Eleonora Giorgi, Umberto Orsini, Ann Odessa, Martine Brochard, Tino Carraro und Konrad Georg
eine Produktion der P.A.C. | Rewind Film | Saint-Ouen | SND | Roxy Film | im Verleih der Avis-Ascot
ein Film von Dominico Paolella


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»Die Zustände in diesem Kloster sind skandalös!«

Aus politischen Gründen wird die junge Camelia (Eleonora Giorgi) bereits kurz nach ihrer Geburt dem einjährigen Sohn einer befreundeten Adelsfamilie versprochen; aber es soll alles anders als geplant kommen. Als sie 17 Jahre alt ist, verweigert sie sich dem Plan der Eltern und brennt mit ihrem Geliebten Gulio (Antonio Falsi) durch, doch die beiden kommen nicht weit. Anschließend wird Camelia in ein Kloster gesteckt und für sie beginnt eine schwere Zeit für die junge Frau, da sie derartig harte Regeln nicht gewöhnt ist. Hinzu kommt, dass sie in das Schussfeld zweier rivalisierender Nonnen gerät. Sowohl die Mutter Oberin (Suzy Kendall) als auch Schwester Elisabeth (Catherine Spaak) wollen die hin- und hergerissene Camelia im Sumpf sexueller Ausschweifungen auf ihre Seite ziehen, doch schon bald will die Inquisition dem weltlichen Treiben ein demonstratives Ende setzen...

Regisseur Dominico Paolella inszenierte mit "Der Nonnenspiegel" einen Film, der seinerzeit in die Kategorie Populärthema fallen sollte. Dieser Vertreter entstand sehr zeitnah mit seinem Spielfilm "Die Nonne von Verona", der sich ebenfalls mit geheimen Machenschaften hinter Klostermauern beschäftigt. Im Fokus dieses Schauplatzes stehen drei vollkommen unterschiedliche Frauen, die sich abwechselnd auch im Zentrum der Macht positionieren, wenngleich der Begriff der Macht unterschiedliche Auslegungen erfährt. Eine der Frauen besitzt die Macht über ein komplettes Kloster, das sie nach ihren ganz eigenen Methoden zu führen versucht. Ihre Widersacherin ist bemüht, ihren Einfluss über bedeutende Lockerungen des strengen Klosteralltags auszubauen, sodass zwei Lager entstanden sind, die sich aktiv und passiv bekämpfen. Die dritte Frau im Bunde ist eine Novizin, der man auf den ersten Blick keinen Einfluss zuschreiben würde, wenn die beiden um Autorität kämpfenden Nonnen nicht um sie buhlen würden. Hierbei entstehen interessante Wechselspiele, die den Zuschauer über längere Distanzen verwirren können, da nicht auszumachen ist, welche der Frauen es möglicherweise ehrlich meint oder ein unschuldiges Opfer für ihr doppeltes Spiel sucht. Paolella bietet mithilfe der tatkräftigen Hauptdarstellerinnen einen vielschichtigen Beitrag an, der in unterschiedlichen Etappen für Brisanz zu sorgen weiß. Weltliche Zustände im Kloster tun das Übrige dazu, um das interessierte Publikum bei der Stange zu halten. Die Geburt zweier Kinder und eine pragmatische Allianz zweier Familien legt den Grundstein für diese Geschichte und stellt gleichzeitig die Weichen für den Schauplatz Vakuum beziehungsweise Kloster. Da die drei erwähnten weiblichen Hauptdarstellerinnen, bestehend aus Eleonora Giorgi, Suzy Kendall und Catherine Spaak, für ein ständiges Tauziehen sorgen, kann man sich auf niemanden bedingungslos verlassen.

Kendall und Spaak werden als erbitterte Kontrahentinnen integriert, die in der klösterlichen Hierarchie auf unterschiedlichen Stufen stehen, sich aber dennoch auf Augenhöhe treffen können, da sehr abweichende Wege eingeschlagen werden und und ihnen ungleiche Mittel zur Verfügung stehen. Hierbei führt der weltliche Weg dem Empfinden nach schneller zum anvisierten Ziel, doch die Absolution oder Schützenhilfe der Kirche bringt nachhaltigere Annehmlichkeiten mit sich, wobei unterm Strich unzählige Fallstricke zu finden sind, da jede der Frauen - egal welchen Ranges - von den Launen einer machtbesessenen Männerdynastie abhängig ist. Die Isolation hinter Klostermauern nimmt klaustrophobische Züge an, insbesondere wenn sich eine immer mehr zuspitzende Eigendynamik zu erkennen gibt. Skandale und Ausschweifungen nehmen überhand, was empfindliche Maßregelungen sowie Züchtigungsmaßnahmen der administrativen Stellen zufolge hat. Die zerstörerische Macht von Kirche und deren Würdenträgern entfaltet sich gleich zu Beginn des Films, indem am Schicksal und der Zukunft von bestimmten Personen manipuliert wird. Wie in vielen thematisch ähnlichen Beiträgen auch, wird das Dasein ausgewählter Charaktere sehr düster skizziert, und hier beginnt der Leidensweg einer zukünftigen Nonne, die sehr eingängig von der jungen Italienerin Eleonora Giorgi dargestellt wird. Von der eigenen Familie verschachert, hat sie einen regelrechten Kreuzweg zu gehen und landet in der wohl lukrativsten Erfindung der Kirche, nämlich der Hölle. Giorgi meistert ihre schwierige Rolle innerhalb widriger Umstände mit Leichtigkeit, indem sie sich klassischer Elemente bedient. Camelias Traurigkeit und Resignation wird nur durch einen natürlichen Überlebenswillen und der Hoffnung auf ein friedliches Ende gedeckelt. Als Zuschauer fühlt man mit ihr und sich gleichzeitig schockiert über die geschilderten Zustände in einem Kloster, das keine Loyalität untereinander fabriziert.

Die Britin Suzy Kendall und ihre aus Frankreich gebürtige Kollegin und Kontrahentin Catherine Spaak arbeiten gemessen an ihren Charakterdarstellungen sehr geschickt an widersprüchlichen Impressionen, um ihr unmittelbares Umfeld und das Publikum irritieren. Wem der beiden ist zu trauen; welche der Schwestern fungiert als Spitzel oder Lakaiin; wer würde im Zweifelsfall nicht zögern, die zur Verfügung stehende Macht zu missbrauchen beziehungsweise sie zu erlangen? Die Spannung der Geschichte definiert sich über derartig konspirative und über weite Strecken nebulös wirkende Machenschaften, die unterm Strich nur Terror, Nötigung und Züchtigung versprechen. Wenn die schwächsten Glieder dieser religiös geschmiedeten Kette brechen, ordnen sich die Mehrheits- und Machtverhältnisse neu, bis der Zeitpunkt naht, an dem die zumutbaren Grenzen überschritten werden. Die besonnen aber geheimnisvoll wirkende Suzy Kendall und Catherine Spaak, ausschweifend, kokettierend und leichtfertig aber ebenso vertrauenswürdig in ihrem Wesen, ebnen den internen Kriegsschauplatz und provozieren Positionierungen ihrer Mitschwestern. Als die Situation untragbar wird, kommt Konrad Georg ins Spiel, der einer der profiliertesten deutschen Interpreten war, und bereitet dem grassierenden Sodom und Gomorrha ein rapides Ende, indem er die skandalösen Zustände anprangert und empfindliche Restriktionen verhängt. Am Ende darf es unter Domenico Paolellas eher subtiler Regie noch zu willkommenen Überraschungen kommen, die allerdings nur einen Zwischenstopp in der langen Kette von Leid und Qual darstellen, bis es zum erwarteten, bitteren Finale kommen kann. Insgesamt versucht sich der "Der Nonnenspiegel" mit der vagen Aufarbeitung eines zu dieser Zeit gängigen Populärthemas und präsentiert sich mit Vorliebe als brüchiger Spiegel, der die Wahrheit nicht mehr komplett reflektiert bekommt. Als ruhiger Vertreter seiner Zunft ist dieser Beitrag im Großen und Ganzen jedoch recht gelungen.


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 Post subject: Die Brücke des Schicksals (1960)
PostPosted: 19.07.2019 22:38 
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DIE BRÜCKE DES SCHICKSALS

● DIE BRÜCKE DES SCHICKSALS / DIE TODESBRÜCKE (D|1960)
mit Hannes Messemer, Sabina Sesselmann, Günter Pfitzmann, Carl Lange, Hans Dieter Zeidler, Bobby Todd,
Eva Maria Meineke, Edith Mill, Karl Lieffen, Joseph Offenbach, Gisela Fischer und Elisabeth Flickenschildt
eine Filmaufbau Produktion | im Verleih der Union Film
ein Film von Michael Kehlmann


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»Man hat kein Glück, wenn man sich nicht dazu zwingt!«

Der Journalist Klaus Urban (Hannes Messemer) ist von einem ungewöhnlich starken Geltungsbedürfnis getrieben, findet jedoch keine Anerkennung bei seinen Berufskollegen. Sein Tagesgeschäft besteht aus dem Zusammentragen unwichtiger Meldungen, aber die Gier nach einer ganz großen Sensationsgeschichte lässt den im Privatleben beinahe lethargisch wirkenden Mann über drastische Methoden grübeln, die ihm zum endgültigen Durchbruch verhelfen könnten. Fortan kreisen seine Gedanken um potentielle Wege, sich seine eigenen Sensationen selbst zu erschaffen, bis sich ihm plötzlich eine passende Gelegenheit bietet. Wird Urban tatsächlich mit vollen Händen zugreifen..?

In einem spartanisch aussehenden Büro gehen die Mitarbeiter ihrem routinierten Tagesgeschäft nach, doch plötzlich werden die monotonen Lieder der unermüdlich wirkenden Schreibmaschinen durch Hohn und Spott unterbrochen, als der freie Mitarbeiter namens Klaus Urban auftaucht, den die Kollegen offensichtlich wenig schätzen und ihn schon gar nicht für voll nehmen. Nicht genug, dass sich der wenig schlagfertig agierende Journalist mit diesem immer wiederkehrenden Spießrutenlauf auseinandersetzen muss, auch sein Verleger stellt unmittelbar danach die nächste kalte Dusche an, indem er seine Unzulänglichkeiten spiegelt und darauf hindeutet, dass sich heutzutage nur Sensationsgeschichten beziehungsweise im wahrsten Sinne des Wortes nackte Tatsachen verkaufen lassen. Frustration und Resignation zeigen sich schnell als die logischen Konsequenzen und als lähmende Elemente einer Geschichte, die ihre tragische Spannung in einem ganz frühen Stadium angekündigt hat. Die Suche und Jagd nach spektakulärem Bildmaterial, das sich nicht nur problemlos an den Mann bringen lässt, sondern welches dem Urheber aus den Händen gerissen wird, liegt naturgemäß nicht auf der Straße und erfordert dementsprechend Maßnahmen, die Mut und Waghalsigkeit erfordern. Um einen entsprechenden Coup zu landen, werden mitunter sogar der Verstand und rationales Denken an der Garderobe abgegeben. Ein fingierter Auftrag stellt die Weichen für Michael Kehlmanns exzellent fotografiertes Kriminal-Drama, der sich wie ein diffuser Schleier über das Szenario legt und für eine schwerwiegende Kettenreaktion mit negativer Eigendynamik sorgt. Viele Eindrücke, Handlungen und Gedanken erscheinen anfangs eher wie Nebensächlichkeiten, doch im Endeffekt entwickeln diese Charakterisierungsmaßnahmen das erschreckende Profil eines Protagonisten, der über weite Strecken nur weinerlich, schwach und zu weich wirkte, um in seinem Beruf und vielleicht im Leben bestehen zu können.

Falls die Gegebenheiten in Form unpassender Schlagzeilen und zu schwachen Bildmaterials nicht genügen wollen, müssen die Grundvoraussetzungen eben abgeändert und choreografiert werden. Der kritische und teilweise vernichtende Blick auf sensationsgierige Medien wird durch unheimlich kaltschnäuzige Kommentare und fragwürdige Ansichten angefeuert, sodass sich unterm Strich nur Folgendes herauskristallisiert: es wird nach immer höheren Auflagen verlangt; koste es, was es wolle. So wird die getrieben wirkende Hauptfigur gleichermaßen zum Opfer und Täter, und aus einem unscheinbaren Höhenflug entwickelt sich eine ganz perfide Art des Größenwahnsinns, den ein eigentlich schwacher Charakter wie Klaus Urban jedoch nicht handhaben kann, da die Preise zu hoch gehandelt werden. Ein neuer Knüller muss her und der bisherige Verlauf konnte mehr als Andeuten, dass es einen solchen auch geben wird. Hannes Messemers hier geschilderter beruflicher Aufstieg wirkt auch gleichzeitig wie ein moralischer Niedergang, denn das Verlangen nach Anerkennung und Erfolg lässt ihn eine regelrechte Metamorphose durchmachen. Sein Verhalten spiegelt plötzlich Arroganz und Überheblichkeit wider, was vollkommen konträr zu seinem unscheinbaren Äußeren und beinahe fragilem Wesen steht. Messemer wirkt geradezu prädestiniert für derartige Charaktere von gehemmter Art, letztlich für Rollen des offensichtlichen Außenseiters, den er hier mit Bravour und äußerst glaubhaft spielt. Mit jeder folgenden Sprosse der Karriereleiter steigt auch die Impulsivität gegenüber Leuten, die ihm überlegen oder unterlegen sind. Urban meidet die Augenhöhe und erstarrt viel zu oft wie das Kaninchen vor der Schlange, doch seine vermeintlich bessere Position verhilft ihm zu einem Gefühl der Unnahbarkeit. Viele überhebliche Gesten und verletzende Kommentare dominieren eine lange Strecke des Verlaufs, doch er kann nicht wirklich für eine Rochade sorgen, tritt somit auf der Stelle.

Viele bekannte Stars des deutschen Films reihen sich in die spannende Geschichte ein und bieten eine erstaunlich glaubwürdige Interaktion an. So bleiben insbesondere Carl Lange, Günter Pfitzmann oder Elisabeth Flickenschildt in besonderer Erinnerung, doch niemand als Hannes Messemer wird den Verlauf unterm Strich so nachhaltig beherrschen. Mit Sabina Sesselmann kommt man in den Genuss einer antagonistisch angelegten Leistung, denn die attraktive Blondine steht für Gefahr, da sie die neue Existenz des Journalisten zu untergraben droht, falls kein Profit für sie abfällt. So ist sie ist eine der wenigen Charaktere, die sich nicht in eine bestimmte Personengruppe einreiht, die beispielsweise dadurch auffällt, das mit dem Erfolg plötzlich viele vermeintliche Freunde aus ihren Löchern kriechen. Sesselmanns kalte und zynische Darbietung wird durch die Fremd-Synchronisation von Rosemarie Fendel angefeuert, die die Münchnerin bei einen ihrer vielen denkwürdigen Auftritte im Film unterstützt. Interessant ist, dass es wohl Personen gibt, die das Unglück wie ein Magnet anzuziehen scheinen, sodass man einem Finale entgegensieht, das dem Empfinden nach gar nicht gut ausgehen darf. Wieder einmal stellt sich allerdings die Frage, wie dieses letztlich aussehen mag. Zwischenzeitlich vergisst man den Titel des Films bei all den spannenden und teils erschreckenden Eindrücken, doch am Ende schließt sich der Kreis nicht nur nachvollziehbar, sondern auch sehr spektakulär. Obwohl "Die Brücke des Schicksals" für kriminalistische Verhältnisse kaum Informationen zurückhält und man sehr früh darüber orientiert ist, wohin die unliebsame Reise gehen wird, fehlt es in keinem Moment an Spannung und Brisanz. Regisseur Michael Kehlmann zeigt sehr beeindruckend, dass auch ein unaufgeregter aber hervorragend strukturierter und durchdachter Film sehr deutliche Akzente setzen kann. Nach rund 30 Inszenierungen im TV-Bereich ist das Kinodebüt und gleichzeitig Prestige-Projekt des Österreichers schließlich mehr als geglückt und daher als äußerst sehenswert einzustufen.


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 Post subject: Fünf Freunde auf geheimnisvoller Spur (1979)
PostPosted: 20.07.2019 19:47 
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● Folge 22: FÜNF FREUNDE AUF GEHEIMNISVOLLER SPUR / FIVE RUN AWAY TOGETHER (GB|1979)
mit Marcus Harris, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Michele Gallagher, Michael Hinz, Sue Best, Friedrich von Thun
Gäste: Mona Bruce, Patrick Troughton, Michael McVey, Peter Rutherford, u.a.
eine Produktion der Southern Television | in Zusammenarbeit mit dem ZDF
Regie: James Gatward



Als Tante Fanny und Onkel Quentin dringend wegen einer familiären Angelegenheit verreisen müssen, wird die Haushälterin Mrs. Stick eingestellt, um ein Auge auf die Kinder zu haben. Die unsympathisch wirkende Dame bringt auch ihren dubios wirkenden Mann und impertinenten Sohn Edgar mit, und schon bald weht ein ganz anderer Wind auf Kirrin Cottage. Nicht nur, dass die Sticks sich dort häuslich einrichten und sich wie die Hausherren aufführen, sie sperren zum Ärger der Kinder auch noch Timmy weg, da die ungebetenen Gäste ihn als gefährlich einstufen. Um die Ferien noch irgendwie zu retten, setzen die Freunde nach Kirrin Island über, doch plötzlich verschwinden Dick und George spurlos...

»Ich mag Kinder!« Mit diesem Satz empfiehlt sich die neue Haushälterin bei Tante Fanny, doch man mag ihr diesen wie auswendig gelernten Satz nicht so richtig abnehmen, denn immerhin konnte Timmys Spürnase bereits einen entscheidenden Hinweis geben, da er die kalt wirkende Dame mit seinem unfehlbarem Instinkt angeknurrt hatte. Mrs. Stick kommt auch bei den Kindern weniger gut an, denn schon kurz nach der Abreise der Kirrins übernimmt die neue Angestellte das Regiment auf Kirrin Cottage, außerdem sondiert ihr Ehemann das Terrain und stellt aufdringliche Fragen. Wenigstens kommen Julian, Dick und Anne wenig später per Zug an, um George zu unterstützen, doch auf der Rückfahrt vom Bahnhof sehen sie, wie ein Boot nach Kirrin Island übersetzt, was sich insbesondere in Georges Kopf festsetzt. »So ein Mist! Die Ferien fangen ja gut an...«, hört man George entnervt schnauben, doch sie ahnt noch nicht, dass es zu Hause noch schlimmer weitergehen wird. Die Kinder treffen auf Edgar, den furchtbaren Sohn der Sticks, und es darf bereits nach wenigen Minuten betont werden, dass es sich um eine der unsympathischsten jungen Gegenspieler der gesamten "Fünf Freunde"-Serie handelt. Der regelrecht widerlich anmutende Junge ist nicht nur frech und unkultiviert, sondern provoziert auch noch Timmy, was weder bei den Kindern noch den Zuschauern geduldet wird. Edgar stiehlt Äpfel, bewirft Timmy damit, sorgt dafür dass der Hund weggesperrt wird, schnüffelt in Quentins Arbeitszimmer herum und ist vorlaut und unverschämt, wo er nur kann. Da die Sticks sich sehr merkwürdig verhalten und offensichtlich etwas im Schilde führen, deutet sich der nächste Fall glasklar an, doch zwischenzeitlich flüchtet man auf die abgelegene Insel. Insbesondere bei den nächtlichen Aufnahmen kommt eine sehr geheimnisvolle Atmosphäre und gute Spannung auf, und man fragt sich, wohin dieser schwer zu ordnende Fall noch führen wird.

In diesem Zusammenhang lässt sich auch direkt das Manko der späteren Folgen erkennen, denn die Geschichten wirken in ihrer Erzählstruktur oft nicht mehr so kompakt wie einst. In "Fünf Freunde auf geheimnisvoller Spur" tappt man vielleicht etwas zu lange im Dunkeln und auch der Fall zählt sicherlich nicht zum spektakulärsten Stoff, den die Serie je gesehen hat, doch der routinierte Regisseur James Gatward bleibt dem Konzept der Serie treu, was insgesamt zufrieden stellt. Inzwischen gestalten sich die Ferien wie gehabt und entwickeln sich zum gefährlichen Abenteuer, da sich plötzlich mehrere Kontrahenten auf Kirrin Island zeigen. Die unterirdischen Gänge und Verliese eignen sich erneut sehr gut für Verschleppungen, sorgen aufgrund ihrer klaustrophobischen Anordnung für spannende und bedrohliche Momente. Insbesondere in den späteren Folgen zeigen sich wie in dieser Episode diverse Kürzungen bei Szenen, die jedoch für den Handlungsverlauf oder das Verständnis weniger relevant erscheinen. Wie üblich kommt es zu einem Tauziehen zwischen Julian und George, da erneut Kompetenzfragen gestellt werden, da sowohl Julian als auch George die Führungsrolle für sich reklamieren. Julian bezieht sich dabei auf sein Alter und George auf ihr Territorium, doch Kompromisse und gegenseitige Hilfe bilden ein starkes Team, das erfahrungsgemäß zum Erfolg kommt. Die Situation auf der Insel wird sich noch deutlich sowie sehr anschaulich zuspitzen, und im Endeffekt kann von einer Episode gesprochen werden, die insgesamt gelungen ist, da sie die Gesetze der Serie achtet. Dass es hier und dort zu hastig zugeht, und sich nur wenige Informationen über die Gauner ergeben, wirkt nicht störend, da die Inszenierung in sich recht stimmig ausgefallen ist. "Fünf Freunde auf geheimnisvoller Spur" ist sicherlich kein Highlight der zu diesem Zeitpunkt leider ausklingenden Reihe geworden, da die internen Vergleiche diesem Fall ein wenig zusetzen. Dass es sich wieder einmal um ein kurzweiliges und spannendes Ereignis mit solidem Timing handelt, steht jedoch außer Frage.


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 Post subject: Der Blinde (1995)
PostPosted: 22.07.2019 09:20 
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DER BLINDE

● EDGAR WALLACE - DER BLINDE (D|1995) [TV]
mit Joachim Kemmer, Julia Bremermann, Doris Kunstmann, Leslie Phillips, Yvonne de Bark, Peter Simonischek,
Michael Gwisdek, Ronald Pickup, Henryk Nolewajka, Christiane Reiff, Philippa Howel, Eva Ebner und Eddi Arent
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Peter Keglevic


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»Nach den 30 Sekunden gibts einen auf die Fresse!«

Susan Howard (Julie Smith) verpasst ihren Bus nach Hause, da sie sich um einem hilflos wirkenden Blinden kümmert. Doch ihre gut gemeinte Geste katapultiert sie in einen waschechten Alptraum, da der Mann das junge Mädchen betäubt und anschließend entführt. Das Innenministerium übergibt den Fall an Scotland-Yard-Chef Sir John (Leslie Phillips), der wiederum seinen besten Beamten, Chef-Inspektor Higgins (Joachim Kemmer), mit der Aufklärung beauftragt. Er und seine Assistentin Lane (Julia Bremermann) finden schnell eine heiße Spur, die in die dubiose "Rialto"-Bar führt, doch dort bekommt man es nur mit wenig kooperativen Zeitgenossen zu tun. Nach und nach kommt jedoch etwas Licht ins Dunkel und die Ermittler finden sich in einem Strudel aus Mädchenhandel und Mord wieder...

Die TV-Produktionen der Edgar-Wallace-Reihe spielen in der Regel gleich zu Beginn ihre großen Stärken aus, denn die einführenden Sequenzen sind so gut wie alle sehr atmosphärisch und auf Hochglanz getrimmt. Peter Keglevics bereits dritter Beitrag stellt in diesem Zusammenhang keine Ausnahme dar, denn die Titelfigur sorgt höchstpersönlich für die zukünftige Marschrichtung. Mit einer perfiden Masche, die er über das Mitgefühl eines jungen Mädchens abwickelt, geht sie ihm ins Netz. Auch wenn sich diese Szenen durchaus sehen lassen können und wie üblich Alfred Vohrers »Hallo, hier spricht Edgar Wallace« ganz traditionell erklingt, kommt es sehr rapide zu einem sehr ungünstigen Schwenk in die Klamauk-Richtung, die das Yard-Personal mehr schlecht als recht in die laufende Story zu integrieren versucht. Ob Leslie Phillips, Joachim Kemmer oder Eddi Arent; der Drop ist definitiv gelutscht und auch Julia Bremermann kann mittlerweile für keinen angenehmen beziehungsweise nötigen Ausgleich mehr sorgen. Alle Augen liegen somit auf dem vermeintlich Blinden, der sich jedoch leider eine längere Auszeit gönnt, sodass die Geschichte etwas ziellos vonstatten geht. Ein verschwundenes Mädchen bringt die Ermittlungen in Gang, und es geht trotz extravaganter Anwandlungen leider zu hölzern und gestelzt zu, insbesondere im darstellerischen Bereich. Schöne, teilweise imposante London-Aufnahmen vertreiben die Zeit zugegebenermaßen recht angenehm, bis die Regie allerdings versucht, sich permanent von Pointe zu Pointe zu schwingen, was den Eindruck einer leichten Überfrachtung zur Folge hat. Die mittlerweile stark kompensierte, bis etwa zur Hälfte gekürzte Spielzeit sorgt zunächst einmal für einen griffigeren Eindruck, aber unterm Strich kommen die erwarteten großen Sprünge doch nicht zustande, was sehr schade ist. Das Thema Mädchenhandel ist bei Wallace ein bewährtes, kann hier aber kaum mehr überzeugen.

In einer Story, deren Potential sehr schnell abgeschöpft wirkt, sorgen einige gute Interpreten für die nötige Aufmerksamkeit, allen voran Doris Kunstmann, die man gerne einmal in der regulären Wallace-Reihe gesehen hätte - etwa in Produktionen wie beispielsweise "Der Mann mit dem Glasauge" oder vielleicht in "Das Gesicht im Dunkeln". Als verruchte Bar-Dame kann sie wirksame Akzente setzen, und es ist sehr wichtig, sie als Verstärkung mit an Bord zu haben. Übrigens handelt es sich bei dem gewählten Umschlagplatz um die "Rialto"-Bar; ganz offensichtlich in deutlicher Anlehnung an die Produktionsfirma der Spielfilm- und TV-Reihe. Gleichzeitig handelt es sich auch um ein unübersehbares Anzeichen dafür, dass man es sich nicht aufsparen konnte, die Filme der RTL-Reihe mit allerlei Relikten aus guten, alten Zeiten anzureichern, was an den Filmen allerdings komplett abperlt. Leider versickern die Möglichkeiten des Falls im Boden, sodass er zu unspektakulär aufgerollt wirkt, und auch späte Mordfälle können daher für wenig Aufsehen sorgen. Die beteiligten Personen kommen dem Empfinden nach nie richtig aus den Startlöchern heraus und manche tauchen sogar aus dem Nichts auf, um wieder genau dorthin zu verschwinden. Leider ergeben sich die Zusammenhänge eher schwerfällig, da nicht genügend Erklärungen serviert werden. Glücklicherweise kristallisiert sich ein anzuerkennender Unterhaltungsfaktor heraus, der auch Kurzweiligkeit offenbart, sodass man dem Film unterm Strich attestieren möchte, dass sich auch "Der Blinde" für Wallace- und Krimi-Fans ganz naturgemäß eignet, da alte Muster verwendet werden, wenngleich ihm die bemüht wirkende Zweigleisigkeit nicht immer gut stehen will. "Der Blinde" bleibt insgesamt weit hinter den Erwartungen zurück und im Grunde genommen auch ohne größere Highlights, die man als treuer Wallace-Fan schlicht erwartet und gewöhnt ist. Das perfide und skrupellose Spiel mit dem Schicksal ist somit der bislang holprigste Beitrag der 90er-Serie geworden.


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 Post subject: Der gläserne Turm (1957)
PostPosted: 27.07.2019 16:04 
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DER GLÄSERNE TURM

● DER GLÄSERNE TURM (D|1957)
mit Lilli Palmer, O.E. Hasse, Peter van Eyck, Hannes Messemer, Ludwig Linkmann, Gerd Brüdern und Brigitte Horney
Produktion und Verleih | Bavaria Filmkunst
ein Film von Harald Braun


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»Ich kann auf Komödianten keine Rücksicht nehmen, wenn es um mein eigenes Leben geht!«

Die ehemalige Schauspielerin Katja Fleming (Lilli Palmer) erhält nach Jahren der Bühnenabstinenz ein Comeback-Angebot, das sie nicht ausschlagen kann. Nach langen Phasen des Luxuslebens braucht sie wieder eine sinnvolle Aufgabe, denn ihr Mann, der erfolgreiche Geschäftsmann Robert Fleming (O.E. Hasse), hielt sie über Jahre hinweg in einem goldenen Käfig. Da sie das Engagement in Roberts Abwesenheit angenommen hat und sich zu dem Autor des Stücks, John Lawrence (Peter van Eyck), hingezogen fühlt, entfernen sich die Eheleute Fleming immer weiter voneinander. Allerdings lässt der sich gehörnt fühlende Ehemann dem Schicksal keinen freien Lauf, sondern möchte es zu seinen Gunsten zu manipulieren, indem er seine Frau unter Kuratel zu stellen versucht. Doch genau wie in vielen von Katjas Bühnenstücken kommt es zu einer dramatischen Wendung, die sie zur Hauptdarstellerin in einem Gerichtsprozess werden lässt...

Wenn sich der Film höchstpersönlich mit den Fallstricken und den ausführenden Organen seines eigenen Metiers auseinandersetzt, ergeben sich häufig die sicheren Eindrücke, dass sich jeder Beteiligte auf sehr dünnem Eis bewegt. Eine einst gefeierte Schauspielerin will nach Jahren der Abstinenz zurück ans Theater, um sich zu befreien. Trotz anfänglichen und eventuell sogar gespielten Widerstandes, nimmt sie die Rolle schließlich dankend an, denn immerhin scheint ihr der wohltuende Geschmack ihres Lebenselixiers zu fehlen. Auf zunächst unbestimmte Art und Weise breitet sich das Gefühl aus, dass es einen Haken in dieser Situation zu geben scheint, denn die allgemeine sowie psychische Konstitution der Hauptakteurin scheint nicht immer auf der Höhe zu sein. Eine sich noch immer über ihre auffällige Aura definierende Schauspielerin begibt sich zurück an den Ort ihrer größten Erfolge und im Endeffekt erscheint die Besetzung mit Top-Star Lilli Palmer einfach nur folgerichtig, irgendwie sogar logisch zu sein. Im Dickicht von Schein und Sein kristallisieren sich allerdings noch ganz andere Missstände heraus, die viel tiefer unter die Oberfläche gehen, als es die nach außen strahlende, aber im inneren oft fragile Flimwelt vertragen würde. Alleine der Titel des Films lässt Querverbindungen zum Märchen aufkommen, denn der Frau, der es an nichts Materiellem fehlt, lebt in einem Turm aus Glas und Stein. Ein vermeintlicher Prinz ist zwar in Sicht, doch ihr Haar ist im Übertragenen Sinn viel zu kurz, um unbeschadet aus der Situation entfliehen zu können. In diesem Zeitfenster und insbesondere in Filmen, die männlich-weibliche Rollenschablonen der Gesellschaft kritisch unter die Lupe nehmen sollten, waren es häufig die modernen und resoluten Frauen, die angesichts misslicher Situationen und Zustände selbst Abhilfe schafften, es aber nicht immer konnten.

Lilli Palmer erscheint in dieser Hinsicht wie ein Prototyp zu sein, und die Titel-Ankündigung überträgt sich in frappanter Manier auf ihre eigene Film-Person, die ebenso gläsern und dementsprechend zerbrechlich wirkt. Langsam aber sicher stellt sich heraus, dass für diesen Zustand der Architekt des goldenen Käfigs verantwortlich ist, sodass es zu Veranschaulichungen düsterer Abhängigkeitsverhältnisse und manischer Besitzansprüche kommt, die unüberwindbar erscheinen. Aus der routiniert nebeneinander herlaufenden Zweier-Konstellation wird jedoch plötzlich eine Triangel, bestehend aus Tücken, Unentschlossenheit und Konspirationen, was eine Kettenreaktion zur Folge hat, die übrigens von inszenatorischer Brillanz ist. Die Regie verweigert dem Publikum über weite Strecken in die Köpfe der Protagonisten hineinsehen zu können, obwohl transparente Handlungen und viele offene Worte den Verlauf prägnant färben. Interessant ist, dass sich die beiden Hauptstränge, bestehend aus Bühne und Privatleben, zu kreuzen beginnen, denn plötzlich bahnt sich eine Inszenierung fernab des Stücks an, dessen Regisseur und Koordinator der sich brüskiert fühlende Ehemann von Katja ist. Diese immer mehr Konturen gewinnende Eigendynamik deutet die Tragik an, die die zweite Hälfte des Films beherrscht. Wenn das gemeinsame Leben nicht mehr zu ertragen ist, oder künstlich aufrecht erhalten wird, muss das Leben anderer ausgesaugt werden. Doch wer bleibt auf der Strecke in einer Inszenierung, die eigentlich nur Verlierer hervorbringen kann? Am Ende scheint es daher wie eine logische Konsequenz zu sein, dass die Bühne dem Gerichtssaal weichen muss, und in diesem Zusammenhang kommt es zu sehr atmosphärischen und sehr wirksamen Szenen, die diesen Beitrag mit zusätzlicher Vielfältigkeit ausstatten.

Wenn die Eifersucht verschiedenste Beteiligte zu Spielbällen werden lässt, Bühnenszenarien mit der Realität verschmelzen, ein Tonband als Kronzeuge gesucht wird und das Publikum nur sicher sein kann, dass es unsicher ist, sind Präzisionsleistungen der Stars erforderlich, die unter der Regie von Harald Braun glücklicherweise abgerufen werden. Mit Lilli Palmer bekommt man eine Darstellerin in quasi doppelter Potenz geboten, die alle Zerreißproben in ihrem Metier schadlos überstehen konnte - zumindest wenn ihre gut sitzende Maske nicht gefallen ist. Ihren größten physischen und mentalen Schaden nahm sie allerdings fernab der großen Bühne, auf der die Perfektion immer wieder choreografiert werden konnte. Das Privatleben neben dem ihr gegenüber strengen, wenngleich im Allgemeinen großzügigen Ehemann hat sie innerlich eingehen lassen, sodass ihr das Comeback-Angebot wie gerufen kam. Dass sie dieses Engagement nur in Abwesenheit von Dr. Fleming annehmen konnte, zeigt unmissverständlich auf, dass sie nicht nur in Isolation und Lethargie lebte, sondern auch in Angst. Wenn O.E. Hasse seine Szenen ausbuchstabiert, kommt es zu einer regelrecht natürlichen Dominanz und kaltem Kalkül, das sich ganz selbstverständlich auf sein Umfeld zu übertragen scheint. In der negativ gefärbten Interaktion offenbaren sich insbesondere zwischen Hasse und Palmer die großen Filmmomente, in denen es eigentlich keine Kontrahenten zu geben scheint. Auch wenn Peter van Eyck, Hannes Messemer und Brigitte Horney schwere darstellerische Geschütze auffahren können, wirken die Protagonisten zumindest scheinbar unbeeindruckt bis maskenhaft. Es bilden sich hochinteressante Konstellationen die lediglich dazu gemacht sein werden, um sich in ihre Bestandteile aufzulösen, was dem Zuschauer eine schwelende Spannung garantiert. So ist "Der gläserne Turm" insgesamt zu einem beeindruckenden Psychogramm gesellschaftlicher Illusionen geworden.


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 Post subject: Fähre in den Tod (1996)
PostPosted: 29.07.2019 11:02 
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FÄHRE IN DEN TOD

● FÄHRE IN DEN TOD (D|1996) [TV]
mit Dörte Lyssewski, Sebastian Koch, Lisa Kreuzer, Jürgen Hentsch, Klaus J. Behrendt, Gerd Preusche,
Herb Andress, Ulrich Faulhaber, Julia Richter, Eva Brumby, Adrian Beciri, Ben Hecker und Hellmut Lange
eine Produktion der Parabel Film | im Auftrag von Sat.1
ein Fernsehfilm von Heiner Carow


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»Einer muss es ihnen sagen...«

Das Fährschiff "Castor" läuft trotz Unwetterwarnung planmäßig aus, gerät anschließend in Seenot und sinkt. Noch bevor es genauere Informationen über das Ausmaß der Katastrophe gibt, zeichnet sich bereits eine der größten Tragödien der letzten Jahrzehnte ab, denn es waren über 1000 Menschen an Bord. Schnell wird eine mehrköpfige Untersuchungskommission rund um den ehemaligen Kapitän Herwegh (Hellmut Lange) eingesetzt, der die Unglücksursache klären soll. Trotz aller persönlichen Schicksale ist er bemüht, die Schuldfrage sachlich zu klären, sodass sich nach und nach unglaubliche Erkenntnisse ergeben...

Als die RoPax-Fähre "MS Estonia" bei Sturm und hohem Wellengang im September 1994 unter besonders mysteriösen Umständen in der Ostsee sank, markierte dieses Unglück die größte Schiffskatastrophe der europäischen Nachkriegsgeschichte, bei der mehr als 850 Menschen ums Leben kamen. Nicht nur, dass sich bis heute zahlreiche Verschwörungstheorien um das 1980 gebaute und bis zu seiner Havarie ununterbrochen im Liniendienst stehende Schiff halten, die Tragödie wurde auch mehrmals dokumentarisch und filmisch aufgearbeitet, wie beispielsweise im Jahr 1996, in Heiner Carows "Fähre in den Tod". In diesem Fernsehfilm diente das Unglück rund um die "Estonia" lediglich als Vorbild, denn das hier thematisierte Schiff wurde mit dem Namen "Castor" ausgestattet. Interessant bei der Bearbeitung ist die gewählte Strategie, das Schiff in einer Nebenrolle versinken zu lassen, denn spätestens nach einer knappen halben Stunde Laufzeit stehen alle Beteiligten vor vollendeten Tatsachen - dem Totalverlust des 28000 PS starken Schiffes. Im Film wird die "Castor" durch eine Fähre einer dänischen Reederei simuliert, die aber lediglich beim Beladen mit Fahrzeugen zu Beginn zu sehen ist. Bei dieser Gelegenheit wird das Publikum ein wenig mit den Größenverhältnissen des Autodecks und der Brücke vertraut gemacht, sodass sich das Ausmaß der Katastrophe bereits vage erkennen lässt. Da das Schiff in zeitlichem Verzug ist, kommt es zu nervösen Unstimmigkeiten zwischen Kapitän Eriksen und seinem Stellvertreter van Damme, was im Endeffekt einen über die gesamte Länge des Films schwelenden Zündstoff darstellt. Nach der Vorstellung der wichtigsten beteiligten Charaktere kommt bereits die Schreckensnachricht über die Katastrophe, und die Fähre ist im Off gesunken.

Regisseur Carow bedient sich ab sofort der Strategie, die persönlichen Tragödien der Angehörigen und das Mammutprojekt der Untersuchungskommission zu durchleuchten. Verschiedene Interessengruppen sind ab sofort darum bemüht, die Schuldfrage zu klären, oder wahlweise auf den anderen abzuwälzen, sodass die hier weniger deutlich thematisierte Angst vor Regress-Ansprüchen Formen annimmt. Als der Kapitän des Zielhafens den Wartenden die schreckliche Nachricht überbringen muss, herrscht zunächst eine gespenstische Stille. Jeder ist für Augenblicke dabei zu beobachten, wie die Nachricht erst einmal geordnet werden muss. Nur der Wind heult und erzählt von den stürmischen Verhältnissen auf hoher See, denen die "Castor" zum Opfer gefallen ist. Plötzlich überholen sich die Emotionen der Leute gegenseitig und es kommt unter anderem zu Wut, Trauer, Hysterie und Handgreiflichkeiten. Man will Antworten haben und Schuldige womöglich gleich mit. Über allem steht jedoch der Wunsch, die vermissten Angehörigen und Freunde wieder unbeschadet empfangen zu können, denn immerhin soll es Überlebende geben. Ab diesem Zeitpunkt schwebt der gesichtslose Tod über dem Szenario, den eine eilig eingesetzte Untersuchungskommission einbetten soll. Ab diesem Zeitpunkt geht übrigens der letzte Vorhang für den beliebten Interpreten Hellmut Lange auf, der hier seinen Abschied vom Film nahm. Als Kopf der Expertengruppe ist er mit der dem Anschein nach unlösbaren Aufgabe betraut worden, die Umstände des Schiffsunglücks zu klären. In diesem Zusammenhang zeigen sich die deutlichsten Unterschiede zum Fall "Estonia", da die Arbeit des Ausschusses dem Vernehmen nach von einer langen Liste von Fehlern und Verschleierungstaktiken geprägt gewesen sein soll, was hier nicht der Fall ist.

Im Spektrum menschlichen oder technischen Versagens finden sich naturgemäß zahlreiche andere Möglichkeiten, die zu einer derartigen Katastrophe hätten führen können und befeuern letztlich die Ansichten von Verschwörungstheoretikern. Ausgewählte Charaktere arbeiten intensiv an der Rehabilitierung mutmaßlicher Schuldiger, oder an der Diskreditierung von wahrscheinlich Unschuldigen, sodass dem Zuschauer schnell klar wird, dass dieses Tauziehen sich immer auf der gleichen Stelle abspielen wird. Da Ahnungen keine Beweise sind, wird es für Herwegh, den Kopf des Expertenausschusses, nicht gerade einfacher, denn man kann unmöglich allen Seiten gerecht werden. Ob Verzweiflung oder irritierende Sachlichkeit - beides bringt die trauernden Angehörigen zurück in die nackte Realität, denn die Weiten des Meeres geben keine Lebenden mehr frei, oftmals sogar keine Toten. Das modernste Schiff des verantwortlichen Betreibers war mit technischem Höchststand ausgestattet. Bei der Pressekonferenz ist ein regelrechtes Verzerren der Schuldfrage zu beobachten, da eine perfide, teilweise sogar aggressive Rhetorik angewendet wird. Die größten darstellerischen Momente gibt es definitiv mit Hellmut Lange, den der Wind der Erfahrung umweht. Seine Arbeit wirkt nicht nur menschlich, sondern vor allem sachlich und ergebnisorientiert, sodass er seinem jeweiligen Gegenüber im Zweifelsfall auch gerne davon in Kenntnis setzt, was er von ihm hält. »Ihre deutsche Reederei hat einen englischen Namen und ihr Schiff fährt unter malaysischer Flagge. Wissen Sie da überhaupt noch, wo sie hingehören?« Mit Reden wie diesen bringt sich der Berliner Interpret spielend ins Kreuzfeuer der unterschiedlichen Interessengemeinschaften und sammelt genügend Sympathiepunkte, um die er keineswegs zu buhlen hat.

Filmische Aufarbeitungen dieser Art gestalten sich naturgemäß als sehr schwierig, da auch die Regie nicht allen Seiten gerecht werden kann. Innerhalb eines Falls, der niemals aufgeklärt wurde und von Mythen, Mutmaßungen Theorien angefeuert wurde und immer noch wird, zusätzlich unter Synonym ins Rennen geschickt wurde, lässt sich das Verlangen nach wasserdichter Klärung und dem Nennen von Verantwortlichen nur allzu gut verstehen, aber genauso wenig stillen. Die Richtung die dieser Fernsehfilm letztlich eingeschlagen hat beweist einen Mut, sich gegen gängige Sensationsgeschichten zu stellen und offeriert eine Lösung, die möglicherweise der Plausibilität entspricht. Vielleicht wirkt gerade die Aufklärung im Großen und Ganzen beinahe etwas unbefriedigend, allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Gratwanderung zwischen Rehabilitation und Schuldzuspruch recht schwierig ist, denn immerhin ruft sie jedem Beteiligten und dem Publikum unmissverständlich in Erinnerung, dass es sich um ein äußerst sensibles Thema handelt, welches auch nicht mit aller Gewalt geklärt werden kann. Die beteiligten Darsteller agieren der Thematik entsprechend einerseits behutsam und in ihren Emotionen greifbar, andererseits erschreckend kaltschnäuzig oder angepasst an erschreckende Realitäten. "Fähre in den Tod" kann unterm Strich wohl kaum losgelöst von tatsächlichen Geschehnissen oder als Erfindung betrachtet werden, da der Film oftmals zugeschnitten, angepasst und reißerisch wirkt, man sich außerdem medienwirksamer Elemente bedient. Generell besteht jedoch ein eigenständiger Charakter einer Produktion, die bemüht ist, alternative Wege anzudeuten, sodass abschließend gesagt werden kann, dass der Film mit oder ohne Vorbild gleich gut funktioniert hätte. Letztlich wird eine derartige Tragödie leider nicht weniger tragisch, wenn es am Ende Schuldige gibt, aber in dieser Hinsicht kann auch Heiner Carows Abschiedsvorstellung keine Abhilfe schaffen.


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 Post subject: Dallas - J.R. kehrt zurück (1996)
PostPosted: 02.08.2019 21:03 
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DALLAS - J.R. KEHRT ZURÜCK

● DALLAS: J.R. RETURNS / DALLAS - J.R. KEHRT ZURÜCK (US|1996) [TV]
mit Larry Hagman, Patrick Duffy, Linda Gray, George Kennedy, Ken Kercheval, Rosalind Allen, Omri Katz,
Christopher Demetral, Tracy Scoggins, Audrey Landers, Deborah Kellner, Blu Deckert, Lee Gideon, u.a.
und als Gäste: Deborah Rennard, Buck Taylor sowie George O. Petrie
eine Produktion der Warner Bros. Television | Eagle Point | Olive | für CBS
ein Fernsehfilm von Leonard Katzman


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»Ich muss eine Stadt zurück erobern...«

J.R. Ewing (Larry Hagman), der einst am meisten gefürchtete Öl-Baron im texanischen Dallas, kehrt aus seinem europäischen Exil in die Stadt seiner größten Erfolge zurück, allerdings haben sich die Machtverhältnisse dort stark verändert, denn Ewing Oil, das Familien-Imperium, wird mittlerweile von J.R. Ewings Erzfeind Cliff Barnes (Ken Kercheval) kontrolliert. Um die Firma wieder in seinen Besitz zu bringen, ist ihm jedes Mittel recht und kein Trick zu schmutzig, außerdem schmiedet er Pläne, um an das nötige Kapital zu kommen, wofür allerdings außerordentliche Mittel erforderlich sind. Noch bevor seine unruhig gewordenen Gegner geeignete Vorkehrungen treffen können, wird Dallas von einer Nachricht erschüttert, die wie eine Bombe einschlägt und die Familienmitglieder erschüttert, J.R.'s Feinde jedoch aufatmen lässt...

Fünf Jahre nach der finalen Szene der letzten Folge der Erfolgsserie "Dallas" wurde dem treuen Zuschauer endlich reiner Wein über das Schicksal von J.R. Ewing eingeschenkt und markierte gleichzeitig die Geburt einer Reihe von TV-Filmen, in denen wichtige Teile der Stammbesetzung nochmals zusammenkommen sollten. Dieses 1996 produzierte TV-Spektakel kündigt bereits im Titel an, worum es letztlich gehen wird, denn es gilt, eine komplette Stadt und das traditionsreiche Familienunternehmen wieder in die Hand zu bekommen. Nach all den Jahren, Kämpfen und Intrigen haben sich die Machtverhältnisse in der drittgrößten Stadt im Bundesstaat Texas merklich verschoben und Ewing Oil ist mittlerweile unter der Leitung von J.R.'s Erzfeind Cliff Barnes. Die Strategie der Geschichte ähnelt jener der Mutterserie in frappanter Art und Weise und knüpft auf ein langjähriges Erfolgsrezept an, welches hier allerdings weniger neu erfunden wirkt, als mit unterschiedlichsten Mitteln aufgepeppt. Das Konfliktpotential liefern Machthunger und Anerkennung in einer Stadt, die ihre eigenen Gesetze schreibt, außerdem scheint es sogar so weit zu gehen, dass J.R. höchstpersönlich für einige dieser Gesetze verantwortlich ist. Unter Regisseur Leonard Katzmans Leitung ist genau zu erkennen, dass pauschal davon ausgegangen wird, mit der Materie vertraut zu sein, immerhin werden die Hauptcharaktere ohne größere Vorstellungen in die Manege gelassen. Zwar haben sich die durcheinander gewürfelten Konstellationen erst einmal wieder neu zu ordnen, doch dies geschieht sehr schnell, vor allem weil J.R. ein bemerkenswert hohes Tempo an den Tag legt. Der Öl-Magnat kommt zurück nach Dallas, aber nicht ohne zahlreiche Pläne im Gepäck zu haben. So klappert er die verschiedenen Stationen seiner Vergangenheit ab, um sie fairerweise davor zu warnen, dass sie sich ab sofort warm anziehen dürfen.

Der Verlauf hält nicht nur viele alte Bekannte bereit, sondern auch Altlasten der Vergangenheit, die J.R. dazu zwingen, erfinderisch zu werden und zu konspirieren. Bei dieser Gelegenheit darf das Publikum freudig zur Kenntnis nehmen, dass er trotz fünfjähriger Abstinenz offensichtlich nichts von seinen schmierigen Tricks und Manipulationen verlernt hat, seine Beute dabei immer noch zielstrebig ins Visier nimmt. Neben Larry Hagman sind es vor allem Patrick Duffy, Ken Kercheval, George Kennedy, Omri Katz und Linda Gray, die das Szenario innerhalb ihrer Zuschnitte bereichern, und glücklicherweise kommt es zu einigen gelungenen Variationen. Auch ein paar neue Gesichter können durchaus für Aufsehen sorgen, vor allem Tracy Scoggins, die für ungewöhnlich viel Erotik, Wortwitz, Schlagfertigkeit aber auch Kaltschnäuzigkeit zu sorgen weiß. Neben ihr bleibt vor allem Die Titelfigur alias Larry Hagman sehr deutlich in Erinnerung, um den die komplette Geschichte herumkonstruiert wurde. Dies wirkt weniger erdrückend und vorhersehbar, als vollkommen logisch und unterhaltsam. Intrigen, Sex, Machtspiele und Putschversuche dominieren den Verlauf in abwechselnd intensiv verlaufenden und unterschiedlich gefärbten Intervallen, sodass zu sagen bleibt, dass sich Fans der Serie hier sicherlich gut aufgehoben fühlen dürften. "Dallas - J.R. kehrt zurück" konstruiert insgesamt nicht nur interessante Gegenwartsverhältnisse, die rasant bis geläufig wirken, sondern baut ebenso ansprechende Brücken in die Vergangenheit. Sicherlich wirkt die manchmal geballte Informationslage zum Teil etwas arg komprimiert sowie konstruiert, und J.R. Ewing alleine aufgrund dramaturgischer Vorgaben etwas zu gemütlich - vielleicht sogar geläutert - aber dennoch kommt über die gesamte Spielzeit eine vertraut wirkende "Dallas"-Atmosphäre auf, die zusätzlich Lust auf die übrigen TV-Verfilmungen macht. Ein gelungenes Wiedersehen mit alten Freunden und Feinden!


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 Post subject: Das Schloss des Grauens (1997/98)
PostPosted: 05.08.2019 14:44 
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DAS SCHLOSS DES GRAUENS

● EDGAR WALLACE - DAS SCHLOSS DES GRAUENS (D|1997/98) [TV]
mit Gunter Berger, Rebecca Immanuel, Rosalind Baffoe, Ursula Heyer, Nina Hoger, Peer Jäger, Rosemarie Fendel,
Friedrich Schoenfelder, Boris Aljinovic, Balduin Baas, Uwe Karpa, Michael Kausch, Tobias Langhoff und Eddi Arent
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Wolfgang F. Henschel


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»Polizei? Wozu brauchen wir die Polizei?«

Sir Douglas Wonderly (Friedrich Schoenfelder) beruft seine komplette Verwandtschaft für eine Bekanntmachung auf seinem Familiensitz ein. Diese Umstände lassen seine Familie sichtlich nervös werden, denn es ist durchgesickert, dass es sich um eine Änderung des alten Testaments handeln soll. Noch bevor Jonathan Ryder (Peer Jäger), Sir Douglas' Anwalt, die ungeduldigen Herrschaften von den neuen Modalitäten unterrichten kann, kommt es zu einem mysteriösen Zwischenfall. In einer nahegelegenen psychiatrischen Einrichtung ist zeitgleich ein gefährlicher Insasse geflohen, der den Schlossherrn derartig erschreckt, dass dieser ins Koma fällt. Das neue Testament ist verschwunden. Des Weiteren wird die Familie Wonderly nach und nach durch Mörderhand dezimiert. Inspektor Higgins (Gunter Berger) und seine Assistentin Lane (Rebecca Immanuel) nehmen die schwierigen Ermittlungen auf...

Nach drei Filmen der Wallace-TV-Serie wurde "Das Schloss des Schreckens" von 1997 bis 1998 mit neuer Besetzung in London, Berlin und Brandenburg abgedreht, doch der Film musste lange auf seine Uraufführung warten, bis er schließlich 2002 bei Super RTL ins Programm genommen wurde. Vielleicht erzählt diese lange Wartezeit ein wenig von der mangelnden Erfolgsgeschichte der Vorgängerfilme, doch dieser Beitrag kann sich unter neuer Regie und im Rahmen gewisser Variationen durchaus sehen lassen. Zwar muss direkt erwähnt werden, dass von "Die seltsame Gräfin" über "Das indische Tuch" bis "Der Hund von Blackwood Castle" erneut alles Mögliche an ehemals wirksamen Szenen und Inhalten ausgeliehen und aufbereitet wurde, was nicht immer gut ankommen möchte, aber Wolfgang F. Henschels Wallace-Debüt verfügt erstmals über eine durchgehend dichte Atmosphäre und überdurchschnittlich gute schauspielerische Unterstützung. So machen Gunter Berger und Rebecca Immanuel sehr gute Figuren, die ebenso wie ihre Vorgänger innerhalb ihrer Symbiose überzeugen, doch es ist offensichtlich, dass der Humor deutlich heruntergeschraubt wurde. Dies gilt insbesondere für Eddi Arent, der ab sofort den Posten von Scotland-Yard-Chef Sir John inne hat. Bessere Grundvoraussetzungen wirken sich oft wie Balsam für die jeweilige Produktion aus und die Geschichte überrascht mit spürbarem Flair und einer Atmosphäre, die im Vergleich zu den Filmen der Wallace-Kinofilme recht annehmbar simuliert wirkt. Ein dem Vernehmen nach Irrer flüchtet aus einer psychiatrischen Anstalt, in der sich die Klischees bis unters Dach stapeln. Die Kamera ist ab sofort hochgradig aufmerksam und sorgt für diverse Hochglanzmomente, in denen der Kapuzenmann bedrohlich im Mondlicht schimmert, bis seine Hände nach einer kompletten Familie greifen. Oder doch nicht? Die Geschichte macht es sich zur Aufgabe, sehr viel Verwirrung zu stiften und für zahlreiche Twists zu sorgen.

Schützenhilfe dabei leisten die Charaktere, die tatsächlich alle auf ihre bestimmte Art und Weise merkwürdig wirken. Ein Schlossherr liegt im Pseudo-Koma, die Familien-Hyänen schleichen ungeduldig umher, da sie Blut in der Luft wittern, und es ist von vorne herein klar, dass es sich schließlich weniger um Blut handeln dürfte, als um Geld und persönliche Bereicherung. Wenn die Erbfolge gewissen Personen nicht passt, muss sie eben nach deren Geschmack korrigiert werden. Doch wer mordet im Hintergrund? Der Eindruck, dass es jeden treffen könnte, bleibt präsent bis zum Schluss und immer wenn ein lauter, quälender Schrei durch das alte Gemäuer ertönt, weiß das Publikum, dass wieder einer weniger beim Dinner sitzen wird. In diesem Zusammenhang sind die vielen unterschiedlichen Mordszenen zu erwähnen, die inszenatorisch einiges hergeben. Darstellerisch bewegen sich die meisten hier integrierten Interpreten am Rande des Overacting, doch dem Eindruck nach gehört es irgendwie zu diesem überzeichnet wirkenden Szenario dazu, das manchmal sogar überfrachtet wirkt. Besondere Eindrücke hinterlassen vor allem Ursula Heyer, deren Allüren an keine Geringere als diejenigen einer gewissen Alexis Carrington-Colby alias Joan Collins erinnern, aber im familiären Kreis keine gleichen Ausmaße annehmen, und Peer Jäger, der den aalglatten und mit allen Wassern gewaschenen Anwalt sehr authentisch darstellt. Rosemarie Fendel, Nina Hoger und Freidrich Schoenfelder bereichern das Szenario mit recht klassischen Mitteln und unterm Strich möchte man einfach jeder Figur des Szenarios das Schlechteste zutrauen. Eine Person im Hintergrund wünscht ihnen allerdings nicht nur das Schlechteste, sondern fügt es auch gleich zu. Dass sie sich am Schluss durch ihr eigenes Dezimierungsspiel quasi selbst entlarvt, wirkt eher amüsant als störend. "Das Schloss des Schreckens" kann letztlich im Schimmer altbekannter Versatzstücke sowie neuer Impulse überzeugen und transportiert daher kurzweilige und unterhaltsame Eindrücke, die hier glücklicherweise überwiegen.


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 Post subject: Fauler Zauber auf der Geisterinsel (1969)
PostPosted: 11.08.2019 11:41 
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 03 | HASSLE IN THE CASTLE | FAULER ZAUBER AUF DER GEISTERINSEL (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Scooby Doo und seine Freunde unternehmen eine Bootsfahrt, doch bei Dunkelheit und Nebel laufen sie mit ihrem Schiff auf Grund und sind daher gezwungen, eine nahegelegene Insel zu betreten, auf der ein wenig einladendes Schloss steht. Ohne es zu wissen, stolpern die Jungdetektive in ihren nächsten Fall, denn sie wurden bereits von den Zinnen des Schlosses aus beobachtet. Plötzlich geschehen dort unheimliche Dinge und es scheint tatsächlich zu spuken, allerdings glauben die Freunde nicht an Gespenster. Trotz einer eindeutigen Warnung, das Gelände so schnell wie möglich wieder zu verlassen, gehen sie den merkwürdigen Geschehnissen auf den Grund und machen eine spektakuläre Entdeckung...

Freddie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby-Doo scheinen auch in Folge 3 den beinahe schon traditionell wirkenden Luxus zu genießen, im Bezug auf ihre Freizeit tun und lassen zu können, was sie wollen. Die Freunde sind dieses Mal mit einem schnellen Motorboot unterwegs, und bevor es zu dem obligatorischen Aufeinandertreffen mit dem Episoden-Bösewicht kommt, wird genügend Raum für den charakteristischen Humor der Serie geboten. Während man sich noch an den witzigen Szenen und running gags mit Shaggy und Scooby erfreuen kann, wird es wenig später schon ernster, da ein im nächtlichen Wind flatterndes Gespenst die Protagonisten mit einem Fernrohr beobachtet. Bedrohliche Eindrücke prägen das Szenario nachhaltig und außerdem läuft das Schiff noch zusätzlich auf, sodass sich Sicherheit ins Ungewisse umwandelt, da es für den Moment keinen Weg zurück gibt. Das neueste Abenteuer steht nun unmittelbar bevor und das Interieur des alten Gemäuers mit all seinen obskuren Requisiten und Spinnweben ist der Grusel-Atmosphäre besonders zuträglich. Eigenartig in dieser dritten Episode ist der Umstand, dass man kaum Informationen über den Fall bekommt und auch keinerlei beteiligte Personen zu Gesicht bekommt, die für Aufklärung oder kryptische Andeutungen sorgen könnten. Wer Scooby und seine Freunde jedoch kennt, weiß genau, dass sich auch dieser im wahrsten Sinne des Wortes nebulöse Fall aufgrund der Umsicht und des Spürsinns der Hauptpersonen auflösen wird. Bis es soweit ist, kommt es noch zu allerlei Spuk im Schloss, bei dem das Gespenst alle zur Verfügung stehenden Register ziehen darf.

Irres Gelächter durchzieht die weiten Hallen des Hauses, leuchtende Totenköpfe prophezeien Unheil, Rüstungen deuten eine diffuse Gefahr an und in den verstecktesten Winkeln der Zimmer verbergen sich Geheimnisse, die es zu lösen gilt. Da man es auch in "Fauler Zauber auf der Geisterinsel" wieder mit aufgeweckten und gut aufgelegten Spürnasen zu tun hat, löst sich der Fall am Ende quasi von selbst, da der Täter wie üblich in ein Missgeschick verwickelt wird, das ihm zum Verhängnis wird. Während insbesondere Freddie und Velma nüchtern ermitteln, Scooby und Shaggy für heitere und tolpatschige Momente sorgen, ist es erneut Daphne, die als Projektionsfläche für Beschützerinstinkte herhalten darf, und dabei natürlich wie immer blendend aussieht. Plötzlich verschwindet sie in einer Falltüre und die Geisterhand müsste nur noch nach ihr greifen, doch Schicksal und der Zufall meinen es gut mit ihr. Zwischenzeitlich wird ein regelrechter Zirkus aus Trugbildern und Sinnestäuschungen veranstaltet, doch die Detektive lassen sich nicht beirren und packen den Fall resolut an, der schon etwas älter aber nicht verjährt zu sein scheint. Episode 3 verlässt sich insgesamt vielleicht zu sehr auf das klassische Thema, doch ein Gespenst allein macht nicht die Musik. Es ist unterm Strich daher ein wenig schade, dass man es mit keinen Verdächtigen zu tun bekommt und der Fall genau wie sein Geist aus dem Nichts auftaucht, um klammheimlich wieder dorthin zu verschwinden. Als großes Plus bleibt die hohe Gag-Dichte in Erinnerung, die innerhalb des schaurig-schönen Settings für denkwürdige Momente sorgt und "Fauler Zauber auf der Geisterinsel" auch trotz kleinerer Abstriche zu einem schönen Abenteuer werden lässt.


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 Post subject: Reise der Verdammten (1976)
PostPosted: 12.08.2019 21:42 
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REISE DER VERDAMMTEN

● VOYAGE OF THE DAMNED / REISE DER VERDAMMTEN (GB|1976)
mit Faye Dunaway, Oskar Werner, Max von Sydow, Maria Schell, Lee Grant, Katharine Ross, Helmut Griem, Orson Welles,
James Mason, Malcolm McDowell, Fernando Rey, Nehemiah Persoff, Sam Wanamaker, José Ferrer, Michael Constantine,
Wendy Hiller, Julie Harris, Paul Koslo, David de Keyser, Donald Houston, Günter Meisner, Janet Suzman und Ben Gazzara
eine Robert Fryer Produktion | ITC Entertainment | Associated General Films | im Verleih der Progress Film
ein Film von Stuart Rosenberg


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»Wien, Wien, nur du allein sollst stets die Stadt meiner Träume sein!«

Der Luxusliner "St. Louis" soll 937 jüdische Flüchtlinge von Hamburg nach Havanna bringen. Anfangs können die Passagiere ihr Glück kaum fassen, aus den Klauen der Nazi-Herrschaft zu entkommen und darüber hinaus mit deren Absolution ausreisen zu dürfen. doch für das Propaganda-Ministerium ist es nur ein perfider Plan für das internationale Auge, denn die Passagiere sollen ihren Zielhafen nie erreichen, da das Schiff nicht für eine Landung in Kuba vorgesehen ist. Kapitän Gustav Schröder (Max von Sydow) sind die Hände gebunden und der Druck auf ihn und seine Crew wächst zusehends, da auch die Vereinigten Staaten der "St. Louis" die Einreise verweigern. Der Plan von Reichspropagandaleiter Goebbels scheint schließlich aufzugehen, denn es sollte eindringlich demonstriert werden, dass jüdische Flüchtlinge in jedem Hafen der Welt unerwünscht seien. Am Ende deutet alles darauf hin, dass der Luxusdampfer zurück nach Deutschland muss und die Passagiere gleichzeitig ihrem möglichen Tod entgegen sehen...

Stuart Rosenbergs international für zahlreiche Auszeichnungen vorgeschlagenes Filmdrama behandelt die Irrfahrt der "St. Louis" der Hamburger Reederei HAPAG, die auf ihrer Überfahrt weit über 900 jüdische Flüchtlinge nach Kuba ausschiffen sollte, aber keine Landungsgenehmigung bekam. Filmische Aufarbeitungen mit einem derartigen Background, die wie hier auf wahren Begebenheiten beruhen, befassen sich naturgemäß mit der Schilderung von Einzel- und Kollektivschicksalen, die Brisanz, Leid und Dramatik garantieren. "Reise der Verdammten" kann auf den ersten Blick als fulminanter Ausstattungsfilm für Aufsehen sorgen, und wenn schließlich die Stars des noblen Szenarios nach und nach das Luxusschiff betreten, formt sich in vielerlei Hinsicht der Eindruck einer verkehrten Welt. Menschen, die unmittelbar zuvor noch Qual und Demütigung ausgesetzt waren, betreten das vermeintlich rettende Schiff in ihrer feinsten Ausstattung und werden von den Schiffsstewards hofiert, um in ihre luxuriösen Kabinen geführt zu werden. In ihren Gesichtern ist allerdings eine Art eingemeißelte Angst und Misstrauen zu erkennen, da die Bedenken weiterhin existieren, dass dieser letzte Strohhalm doch noch brechen könnte. Personen, Crew und Umfeld ordnen sich schnell von selbst und die Zielrichtung von Rosenbergs Beitrag wird auch ohne das Wissen um die geschichtlichen Hintergründe klar definiert, denn es schwingt ein Fluch mit, von dem man ahnt, dass er sich auf hoher See entfalten wird, denn immerhin sind ranghohe Spione und ausführende Organe des Nazi-Regimes mit an Bord, die die trügerische Ruhe zunichte machen werden. So sticht ein Schiff in See, das sich schon auf Kollisionskurs befindet, bevor es eigentlich abgelegt hat und eigentlich keine Hindernisse vor sich haben dürfte, wenn die Reise nicht von vorne herein choreografiert wäre.

Phasen der schwelenden Angst dominieren den Verlauf ebenso wie Strecken der mentalen Erschöpfung, die allerdings beinahe ausschließlich auf Seiten der Passagiere zu finden sind, die heimat- und ziellos um die halbe Welt schiffen müssen. Selbst wenn sich die "St. Louis" längst weit entfernt von Hoheitsgebieten des Deutschen Reiches bewegt, wird diese Schreckensherrschaft stets aufrecht erhalten, beispielsweise beim Vorführen eines Unterhaltungsfilms, dem die Wochenschau und eine Rede Adolf Hitlers vorausgeschickt wird. Hinzu kommt, dass die Nazi-Funktionäre umherschleichen wie Bluthunde um ihre Propagandapflichten wahrzunehmen. Hass und Ohnmacht verbreiten sich in Windeseile und das Misstrauen über einen guten Ausgang wächst, doch die Hoffnung stirbt nie. Um dieses fragile Konstrukt überhaupt am Leben erhalten zu können, spielt der liberal wirkende Kapitän des Dampfers eine entscheidende Rolle, der ausgezeichnet von Max von Sydow dargestellt wird. Obwohl er im dienst der Reichsmarine steht, ist es für den Offizier nicht nur wichtig, seine Gäste im Radius aller Annehmlichkeiten von A nach B zu bringen, sondern auch für deren Sicherheit zu sorgen. Inszenatorisch gesehen bekommt das Publikum die volle Erhabenheit der "St. Louis" zu sehen, die nicht nur für Luxus und höchste Qualitätsansprüche steht, sondern auch für reibungslose Überfahrten. Die Reise ist jedoch nicht nur gekennzeichnet von derartigen Eindrücken, sondern vor allem von sehr vielen charakterlichen Zeichnungen, die sich trotz ihrer gravierenden Unterschiede an gleichen Punkten treffen, da die Personen buchstäblich in einem Boot sitzen. Die Palette der zur Schau gestellten charakterlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen ist variabel und auffällig konträr gefärbt, sodass es innerhalb aller Solidarität auch zu Konfrontation kommen muss.

Viele Passagiere sind trotz perfekt sitzender Masken und gut choreografierter Verhaltensetiketten physisch und mental am Ende, was sich allerdings erst zeigt, als sie bei jedem erneuten Versuch, einen sicheren Hafen zu finden, abgewiesen werden. Für den Zuschauer sind diese Schilderungen ebenso unbegreiflich wie verstörend, allerdings wirkt der komplette Verlauf der "Reise der Verdammten" wie eine Chronologie des luxuriös ausstaffierten Schreckens. Regimetreue und linienkonforme Dialoge sorgen für schwer zu ertragende Momente, vor allem wenn die Befindlichkeiten der verschifften Menschen mit Füßen getreten werden und man den Eindruck gewinnt, dass über eine unrentable Fracht gesprochen wird, die man am liebsten auf hoher See versenken würde. Im Gegensatz zu diesen Eindrücken kommen allerdings auch immer wieder lichte Momente auf, die leichte Hoffnungsschimmer im Szenario platzieren. Da die in mehreren Kategorien für den Oscar sowie den Golden Globe Award nominierte Produktion ein internationales Staraufgebot zur Verfügung hat, kommt es darstellerisch und in diesem Zusammenhang emotional gesehen zu Momenten der Extraklasse. Im Fokus stehen Top-Interpreten wie Faye Dunaway oder Oscar Werner, die - wenn man nach der Regime-Ansicht geht - die gehobene Gesellschaftsklasse des Bodensatzes darstellen. Dem Arzt und seiner Gattin kommen wichtige Rollen als Sprachrohre und Puffer in der aufgebrachten Menge zu, und interessant ist, dass sich beide in ihren Verhaltensweisen und im Erscheinungsbild nicht von gängigen Bildern der gehobenen deutschen Gesellschaftsklasse unterscheiden, was gewisse Herrschaften in geheime oder offenkundige Rage bringt, da sie nicht nach deren Schablone funktionieren und ihren Stolz sowie die Würde behalten.

Max von Sydow als Kapitän des in Hamburg ausgelaufenen Luxusliners vertritt eindeutige, humanitäre, aber auch pragmatische Ansichten, die wie ein Leitfaden wirken; allerdings wird er genau wie sein Schiff zu einer kaum zu ertragenden Ziellosigkeit gezwungen, die ihn womöglich in eine der schwierigsten Situationen seines Offizierslebens bringt, folglich zu drastischen Entscheidungen tendieren lässt, wodurch eine besondere Spannung aufkommen will. Ein der Anforderung entsprechend großartig aufspielender Helmut Griem fungiert als Steigbügelhalter eines unerbittlichen Regimes, und er steht stellvertretend für die Verantwortlichkeit in Sachen Verfolgung, Qual und Verzweiflung dieser abgeschobenen Menschen. Sein deutscher Kollege Günter Meisner steht ihm in Sachen aggressiver Rhetorik und beängstigenden Drohgebärden in nichts nach. Bemerkenswert agieren außerdem etwa Lee Grant, deren psychischer Zerfall über den Verlauf gesehen beinahe chronologisch sein wird, Orson Welles, der sich nicht in die gezinkten Karten schauen lässt, Malcolm McDowell, dessen jugendliche Unbekümmertheit eine latente Gefahr ins Szenario bringt, Katharine Ross, deren Leben trotz höllischer Zustände vergleichsweise wie im Himmel wirkt, oder Maria Schell, deren Schmerz regelrecht zu spüren ist und deren Tränen erneut brennen werden wie Feuer. Als alle Gespräche und Verhandlungen geführt sind und die ohnehin knapp vorhandene Luft an Bord immer dünner wird, kommt es zu trügerischen Hoffnungsschimmern, die allerdings mit einer Wucht zerschmettert werden, die von Torpedos hätte sein können. Der US-amerikanische Regisseur Stuart Rosenberg inszenierte mit "Reise der Verdammten" einen überaus bewegenden Film, der von inszenatorischer und darstellerischer Brillanz ummantelt ist. Hochklassig!


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 Post subject: Überfall auf die Queen Mary (1966)
PostPosted: 13.08.2019 22:36 
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ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY

● ASSAULT ON A QUEEN / ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY (US|1966)
mit Frank Sinatra, Virna Lisi, Anthony Franciosa, Richard Conte, Alf Kjellin, Reginald Denny und Murray Matheson
eine Seven Arts Produktion | Sinatra Enterprises | im Verleih der Paramount
ein Film von Jack Donohue


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»Wenn sie gerne va banque spielen, gehen Sie nach Las Vegas!«

Eine Gruppe rund um den ehemaligen Marineoffizier Mark Brittain (Frank Sinatra) taucht vor der Küste Floridas nach versunkenen Schiffen und verborgenen Schätzen. Eines Tages wird ihm ein mehr als abenteuerliches Angebot von der Italienerin Rosa Lucchesi (Virna Lisi) und ihrem Partner Vic Rossiter (Anthony Franciosa) unterbreitet: da sie bei ihren eigenen Tauchgängen nicht auf Gold, sondern ein gesunkenes deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieges gestoßen sind, soll er ihnen helfen, es zu bergen, um es wieder seetüchtig zu machen. Das U-Boot soll jedoch nicht als Museumsstück enden, sondern die Bande plant einen Unterwasserangriff auf den Luxusliner "RMS Queen Mary". Wird dieses aberwitzig klingende Vorhaben umsetzbar sein..?

Die Gier nach Anerkennung, Macht und finanzieller Unabhängigkeit bildete dem Empfinden nach unzählige Male den Stoff, aus dem die Filme gemacht sind und in Jack Donohues Abenteuer-Krimi kommt es zusätzlich zu interessanten Ausschmückungen dieser Thematik. Der Redensart nach macht Gelegenheit Diebe, doch es geschieht sicherlich nicht alle Tage, dass ein altes Kriegsschiff gehoben werden soll, um Hauptkomplize bei einem verbrecherischen Coup zu werden. Was anfangs doch sehr abenteuerlich klingen will, wird chronologisch und sehr anschaulich im Bilde festgehalten, bleibt unterm Strich dennoch ein Stück zu weit hergeholt, vielleicht sogar unglaubwürdig, denn der betriebene Aufwand und die tödliche Gefahr steht vollkommen diametral zum möglichen Gewinn. Die Gauner-Clique findet sich schnell zusammen und es werden Fachleute rekrutiert, um das Vorhaben "RMS Queen Mary" nicht von vorne herein zu gefährden. Erneut steht eine bekannte Königin der Meere Pate für die Klimax der nicht uninteressant inszenierten Geschichte und in diesem Zusammenhang kommt es zum Einsatz von allerlei Tricktechnik, die charmant wirkt, aber überdeutlich als solche zu erkennen ist. Ein derartiges Vorhaben auf hoher See garantiert das Fehlen von lästigen Verfolgern, da das U-Boot die individuelle Möglichkeit bietet, unbehelligt verschwinden zu können. Doch der Weg bis zum Ziel erscheint hier so unendlich weit, vor allem weil das Wrack erst einmal gehoben und saniert werden müsste. Tatsächlich schaffen es die mit fortlaufender Zeit immer ungleicher wirkenden Personen das Mammut-Projekt zu stemmen, doch viele Dialoge machen deutlich, dass Konfrontationen nicht ausbleiben werden.

Darstellerisch gesehen liefert das international zusammengewürfelte Star-Aufgebot eine sehr ansprechende Arbeit ab und das Szenario ist hauptsächlich auf das Zugpferd Frank Sinatra zugeschnitten, der es durchaus schafft, Positionen zwischen Gut und Böse abzudecken, dabei vor allem Sympathieträger und Held zu bleiben. Er hat das Knowhow, die Weitsicht und gleichermaßen Zweifel und Moral, was man von einigen seiner Kollegen nicht behaupten kann. Beinahe exotisch in dieser Männerrunde wirkt die schöne Italienerin Virna Lisi, deren Position wesentlich gewichtiger zu sein scheint, als sie in Wirklichkeit ist. Anthony Franciosa, Richard Conte, Alf Kjellin und Errol John runden das von Abenteuerlust und ein bisschen Größenwahn getriebene maritime Kartell mit dienlichen Interpretationen ab, was vor allem wird die Spannung anheizt, wenn sich einige von ihnen als Aggressoren entpuppen. Die verstreichende Zeit bis zum Coup wird sehr ausdrucksvoll genutzt, wobei es auch zu geschwätzigen und seichten Anflügen kommt, die jedoch als gutes Gegengewicht wirken. Beim Überfall kommen die Spannungsmomente auf, die der Film im Vorfeld zu versprechen versuchte, sodass die Handlung in ein überraschendes und turbulentes Finale mündet, das unterm Strich zu überzeugen weiß. "Überfall auf die Queen Mary" ist nicht zuletzt als gelungen und kurzweilig zu beschreiben, weil das eher absurd erscheinende Vorhaben sehr greifbar und beinahe plausibel aufgeschlüsselt wurde. Die Kraft der Bilder vereint sich mit interessanten schauspielerischen Darbietungen und einer aufmerksamen Regie, sodass man bei Interesse an der Materie bestimmt auf seine Kosten kommen dürfte. Und falls wirklich alle Stricke reißen sollten, entschädigt eine übersinnliche Virna Lisi für alles.


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 Post subject: Das ganz große Ding (1975)
PostPosted: 18.08.2019 11:31 
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DAS GANZ GROẞE DING

● LA BABY SITTER / JEUNE FILLE LIBRE LE SOIR / BABYSITTER - UN MALEDETTO PASTICCIO / DAS GANZ GROẞE DING (F|I|D|1975)
mit Maria Schneider, Sydne Rome, John Whittington, Vic Morrow, Robert Vaughn, Georg Marischka, Carl Möhner,
Armando Brancia, Marco Tulli, Clelia Matania, Maria Cumani Quasimodo sowie Renato Pozzetto und Nadja Tiller
eine Produktion der Cité Films | Compagnia Cinematografica Champion | TIT Film | im Verleih der Cinerama
ein Film von René Clément


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»Mögen die Toten in Frieden ruhen...«

Die Kunststudentin Holly (Maria Schneider) verdient sich nebenbei etwas als Babysitterin dazu. Ihr neuester Auftrag hört sich wie üblich nach Routine an, als auf den kleinen Boots (John Whittington) aufpassen soll. Als dessen Eltern sie von unterwegs aus unterrichten, dass sie sich verspäten werden, wird Holly gebeten, den Job bis zum nächsten Tag ausführen. Eine Verabredung mit ihrem Freund Gianni (Renato Pozzetto) möchte sie daher telefonisch absagen, doch bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass die Leitung tot ist. Die Studentin ahnt noch nicht, dass dies der Beginn eines Höllentrips für sie sein wird, da Entführer vorhaben, den kleinen Jungen aus wohlhabendem Hause zu kidnappen, um eine hohe Summe aus dessen Vater (Carl Möhner) herauszupressen. Bevor sich die beiden versehen, bekommen sie es auch schon mit den gewaltbereiten Verbrechern zu tun...

Der französische Regisseur René Clement kann auf eine langjährige Filmografie blicken, in der sich zahlreiche preisgekrönte Klassiker befinden, jedoch markiert diese 1975 entstandene Produktion bereits das Ende seiner durchaus erfüllten Karriere. Unter Cléments Spielleitung ist somit bereits im Vorfeld zu erwarten, dass sich der deutsche Titel auch auf die Umsetzung der Geschichte übertragen kann, denn immerhin hat man es in nahezu allen Bereichen mit sehr günstigen Grundvoraussetzungen zu tun. Bereits der Einstieg weist offensiv auf besondere Momentaufnahmen hin, die schließlich ein zusammenhängendes Ganzes ergeben können. Außerdem scheint eine besondere Komplexität der Story förmlich in der Luft zu liegen, die rund um das Thema sehr extravagante Blüten treibt, denn schließlich wurde die gleiche Thematik bereits in gefühlt unzähligen Filmen und auf unterschiedlichste Weise abgehandelt. Regisseur Clément konzentriert sich auf systematisch-komplizierte Verkettungen, in denen die Haupt- und Nebenakteure zwar vorgestellt werden, einige von ihnen jedoch für lange Zeit eher diffuse Profile behalten. Das Publikum bekommt es zunächst mit Personen zu tun, deren Gesichter man sich mangels Informationen genaustens einzuprägen versucht, um die sicherlich unausweichlichen Identifikationen gegen Ende selbst vornehmen zu können. Die Frage, welches Motiv wohl hinter Kindesentführung stecken mag, stellt sich aufgrund der eindeutigen Pauschalantworten überhaupt nicht, da die niederen Beweggründe klar auf der Hand zu liegen scheinen. Doch ist alles Wahrgenommene tatsächlich so eindeutig, wie es wirkt? Interessante Kniffe rund um das Personen-Karussell ergeben Aufschluss darüber, dass sich viele Eindrücke als Trugbilder herausstellen, sodass sich die Intensität der Spannung ganz natürlich als eine Art Selbstläufer entfalten kann.

Die Abscheulichkeit des hier vollzogenen Plans und Verbrechens versetzt das Publikum naturgemäß in Unruhezustände, da viele Gedanken wie ein roter Faden zu den möglichen Konsequenzen laufen und sich eine sehr große Solidarität mit dem jungen Opfer einstellt, welches sich jedoch mit kindlicher Renitenz und eigenartiger Unbekümmertheit gegen einen engmaschig gestrickten Plan auflehnt, der in Stücke zu fallen droht. Es bleibt schwierig, dieses französisch-deutsch-italienische Roulette mit Traumbesetzung zu ordnen, da die Charaktere kaum hilfreiche Verbindungen untereinander preisgeben, was dem Verlauf wiederum enorm zugute kommt, da auf der Suche nach der Plausibilität zahlreiche Mutmaßungen angestellt werden müssen. Die Strategie der Regie geht in ihrer ungewöhnlichen Fasson blendend auf, bis sich das gut konstruierte Vakuum entzerrt und für zahlreiche Aha-Effekte sorgt. Ungewöhnliche Besetzungskonstellationen werten diesen nebulös gefärbten, jedoch nicht minder spannenden Verlauf in besonderem Maße auf, nicht zuletzt, da einige Charaktere so etwas wie Solidarität untereinander signalisieren, und sich die kriminelle Fraktion eindeutiger als zu Beginn positioniert. Diese variantenreiche Strategie bewegt sich zielsicher auf ausgefallenen aber gleichzeitig konventionellen Schienen, sodass genügend Identifikationspotential geboten wird, das in einer solchen Tristesse auch irgendwie notwendig erscheint. So werden beispielsweise diverse Paukenschläge nicht ausbleiben, die ganz selbstverständlich zum Mitfiebern und zum Ordnen dieses Puzzles einladen. Aufgrund der verlässlichen Charakterzeichnungen wirkt der Verlauf niemals beliebig und stellt seine hochkarätigen Interpreten genüsslich in den Fokus. Dies gilt vor allem für die Französin Maria Schneider und ihre US-amerikanische Kollegin Sydne Rome, die in vielerlei Hinsicht ein permanentes Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz eingehen.

Zwar sind die beiden Damen, die selbst in ihrer äußeren Erscheinung für große Kontraste sorgen, klar in der Geschichte positioniert und bieten jeweils Berührungspunkte an, doch insbesondere Sydne Rome ist das unsichere Element der Veranstaltung. Dieser mysteriöse Status wird durch ihren beinahe oberflächlichen Rollen-Charakter sukzessiv und hochinteressant aufgeweicht, sodass sich eine tragische Komponente bildet, die bis zum Schluss aufrecht erhalten werden kann. Rome löst ihre Rolle nahezu perfekt, da Züge wie Zerrissenheit, Verzweiflung und immense Nervosität glaubhaft transportiert werden. Die Elixiere der Geschichte bestehen allerdings aus vielen weiteren Komponenten, die auf die beteiligten Personen verteilt sind. Maria Schneider geht ihren Weg durch die Hölle in anscheinend lethargischer Manier, vielleicht um die Vorkommnisse nicht zu nah an sich heran zu lassen. Ihre auffälligen Schutzmauern werden durch die simplen Kniffe eines Kindes aufgebrochen, die bemerkenswert dicht von John Whittington angewandt werden. Beine befinden sich im Würgegriff von Entführung, Erpressung und sogar Mord, sodass es zwischen beiden unschuldigen Opfern dieses doppelten Spiels zu lebenswichtigen Allianzen kommen muss, um nicht alleine unterzugehen. Da die vielen gefährlichen Strömungen der Handlung sämtliche Hoffnungsschimmer gierig verschlingen, ist ein nervöser Tenor garantiert. Der ausgearbeitete Plan greift schließlich rapide und demonstriert seine scheinbare Perfektion, doch es gibt zu viele Beteiligte beziehungsweise Mitwisser, die nach den Gesetzen derartiger Geschichten ebenso gefährlich leben wie die Opfer. In einem solchen mit Stars bepackten Film ist es immer eine besondere Freude, wenn die Entourage sich nicht nur auf ihren prominenten Namen ausruht, sondern das Szenario mit packenden und stichhaltigen Leistungen ausstaffiert.

Für Maria Schneiders oft spröde wirkendes Wesen muss vielleicht ein gewisses Faible vorhanden sein, um sie bedingungslos gerne zu sehen, vielleicht sogar zu schätzen, doch was die Französin hier anbietet, wirkt wie gesucht und gefunden. In Wirkung und Charakter positioniert als offensichtliches Pendant zu ihrer Kollegin Sydne Rome, zieht sie den Zuschauer in Windeseile auf ihre vollkommen trostlos und ausweglos wirkende Seite und reicht dem Publikum ihre alles andere als leichtfertig wirkenden Hände für einen Gang durch den perfekt konstruierten Alptraum. Die US-Amerikanerin Synde Rome hingegen wirkt dem Thema entsprechend marionettenhaft und von fremden Köpfen und Kräften gesteuert, was eine gewisse Tragik um ihr fragiles Wesen andeutet. Nadja Tiller überrascht einmal mehr mit einem verschlagenen und rücksichtslosen Auftreten und reiht ihre Performance nicht nur zu den bemerkenswertesten dieses Films ein, sondern es handelt sich ebenfalls um eine der spektakuläreren Leistungen ihrer späten Karriere, die vollkommen abgekoppelt von Klischee-Kreationen, insbesondere des bundesdeutschen Films, abläuft. An ihrer Seite besticht ein von Verworfenheit strotzender Robert Vaughn, dem man genau wie ihr nicht immer das Beste wünscht. Präzise agierende Kaliber wie Vic Morrow, Carl Möhner und Georg Marischka runden das Geschehen mit ebenso für Aufsehen sorgenden Leistungen ab, und es ist im Endeffekt zwar klar, wer auf welcher Seite steht, aber dennoch ist es oft nicht zu erahnen, wie ihnen das Schicksal gesinnt ist. Erwähnenswert in dieser illustren beziehungsweise kriminellen Umgebung ist noch insbesondere Kinderdarsteller John Whittington, der eine Leichtigkeit an den Tag legt, die richtig Freude macht und den Verlauf neben Maria Schneider am nachhaltigsten prägt.

Zwar wird es die Regie dem Publikum vor allem über die Projektionsfläche Kind nicht immer einfach machen, denn schließlich laufen Szenen ab, die in diesem Zusammenhang erschrecken und bestürzen, aber die unbefangene Spiellaune den kleinen Protagonisten hilft über viele schwierige Phasen hinweg. Sein kindlicher Mut, die nicht durch komplizierte Labyrinthe laufenden Gedanken und die erfrischende Cleverness sorgen immer wieder für Lichtschimmer am Ende des Tunnels, lassen einen somit interessiert dabei zuschauen, wie er mit seiner Babysitterin überlebenswichtige Allianzen schmiedet. Zwischenzeitlich beschäftigt sich die Regie jedoch immer wieder mit der Veranschaulichung drastischer Maßnahmen, die die angedeutete Gefahr Gestalt annehmen lässt. So unterschiedlich die Personen der kriminellen Fraktion auch sind, und so konträr sie im Vergleich auch agieren, treffen sie sich unterm Strich auf der gleichen Stufe, da das Vorhaben Kidnapping für ihren designierten Wohlstand sorgen beziehungsweise diesen aufrecht erhalten soll. Dennoch ahnt man bei so viel geballter aggressiver Energie, dass die eine Krähe nur darauf wartet, der anderen die Augen auszuhacken, was für zusätzliche Brisanz und Konfrontation sorgt. "Das ganz große Ding" erlaubt sich den durchaus angebrachten Luxus, den Zuschauer trotz transparenter Schilderungen und Handlungen im Dunkeln tappen zu lassen und begrüßenswerte Fallen zu stellen, was diesem überaus intelligent konstruierten Thriller rund um eines der wohl miesesten Verbrechen sehr zugute kommt. Zahlreiche Intervalle erscheinen unterm Strich vielleicht sehr knifflig eingefädelt, doch am Ende bleibt die Gewissheit, dass alles innerhalb dieser Assoziationskette eine Einheit bilden wird. René Cléments Beitrag ist mit den Jahren leider etwas in Vergessenheit geraten, doch wenn sich die Möglichkeit eines ersten Kennenlernens mit diesem Film bietet, sollte man mit vollen Händen zugreifen.


— ITALO-CINEMA —


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