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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 15.12.2015 16:59 
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Les diamants d´anvers
Deutschland / Belgien (1967)
Regie: Rolf Thiele
Produktion: Roxy-Film, München (Luggi Waldleitner)
Darsteller:
Jürgen Draeger, Werner Pochath, Nicole Badal, Ivan Desny, Hedy Frick, Alexander Allerson

Geld, Mädchen, das Leben genießen - das ist es, was der harte, aber arbeitsscheue Motorrad-Freak Jack unter Freiheit versteht. Darum ist er mit seiner Freundin Peggy in die Großstadt gekommen. Hier treffen sie auf den sensiblen und etwas verklemmten Juweliergehilfen Cutler und dessen Freundin Margaret. Als Jack herausfindet, dass Cutler im Auftrag seines Chefs jede Woche eine Ladung Diamanten von Antwerpen nach Brüssel schmuggelt, hält er das für seine große Chance. Er fasst den Plan, Cutler zu töten und die Diamanten an sich zu bringen. Nach der Tat versucht er, in der Maske seines Opfers jeglichen Hinweise auf das Verbrechen zu vertuschen. Doch am Ende wartet eine böse Überraschung auf ihn.

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Wieder mal ein Film, der völlig in Vergessenheit geraten ist. Rolf Thiele, von dem auch das Drehbuch stammt, hatte den Stoff schon längere Zeit in der Schublade. Doch erst als er in Jürgen Draeger und Werner Pochath die geeigneten Hauptdarsteller fand, sah er die Möglichkeit, das Projekt zu realisieren. Für Pochath war es das Leinwand-Debüt. Die weibliche Hauptrolle spielt die Holländerin Nicole Badal, eine von Thieles Lieblingsdarstellerinnen. Gedreht wurde in Brüssel und Antwerpen. Produzent war Luggi Waldleitner ( "Venus im Pelz", "Ich habe sie gut gekannt", "Sieben Tage Frist" Simmel-Verfilmungen) Der Titelsong "Nobody knows" wird von Udo Jürgens gesungen.
Die Kritiker urteilten damals: "Als deutscher Kriminalfilm ist "Der Tod eines Doppelgängers" bemerkenswert."
"Die Story ist originell und hält am Schluß einen noch wenig strapazierten Überraschungseffekt bereit."


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Der Gloria-Verleih brachte den Film "heimlich, still und Leise" ohne große Werbung heraus. Die beiden Hauptdarsteller bezahlten die Reise zur Premiere in Mainz aus eigener Tasche, ebenso 2000 Autogrammkarten. Aufgeschreckt durch diesen Alleingang der beiden jungen Nachwuchsschauspieler, der in der Presse für Aufsehen sorgte, entschloß sich der Verleih dann wenigstens noch zu einer festlichen Münchener Erstaufführung mit Pressekonferenz, Bühnenauftritt im Kinopalast am Stachus und anschließender Premierenfeier.


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 15.12.2015 18:27 
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Vielen Dank für die Vorstellung :dh: Das Ganze klingt sehr vielversprechend.


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 15.12.2015 18:32 
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Auch so ein deutscher Film der 60iger, den ich schon seit Jahren unbedingt mal sehen will. Leider steht es um diesen, wie auch im viele andere Filme von Thiele - man denke z. B. auch an den derzeit nur in 35mm zugänglichen, großartigen, beinahe surrealistischen VENUSBERG - denkbar schlecht. Fraglich, ob man diese Filme irgendwann in digitaler Form zu Gesicht bekommt. Aber wer weiß - mit der Edition Deutsche Vita scheint es ja bergauf zu gehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. ;)

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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 15.12.2015 18:57 
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Hört sich wirklich sehr interessant an, obwohl ich ja kein ausgesprochener Thiele-Fan bin. Aber der "Venusberg" hatte mich seinerzeit davon überzeugt, dass es auch Filme von ihm gibt, die man einfach gesehen haben sollte. "Der Tod eines Doppelgängers" scheint so ein weiteres Exemplar zu sein. Wieso ist es eigentlich so unwahrscheinlich, dass es bestimmte seiner Beiträge zu Veröffentlichungen bringen? Liegt es tatsächlich daran, weil es Thiele-Filme sind?


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 16.12.2015 05:28 
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Prisma wrote:
Wieso ist es eigentlich so unwahrscheinlich, dass es bestimmte seiner Beiträge zu Veröffentlichungen bringen? Liegt es tatsächlich daran, weil es Thiele-Filme sind?


Nun ja, ich sehe den Film leider einfach nicht unter der Fittiche irgendeines derzeit aktiven Labels, außer vielleicht bei StudioCanal, als ramschigen Bierdeckel, der dann nur eine alte Beta-Fassung enthält. Aber vielleicht bin ich auch zu pessimistisch. Es hat sich in den letzten Jahren ja endlich einmal Einiges getan, rund um Abseitigkeiten des deutschen Genrekinos. :P

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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 16.12.2015 14:07 
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Der sollte doch eigentlich bei den Filmjuwelen liegen, oder? Wobei die den Output an "Deutschtümelei" in letzter Zeit gefühlt etwas runtergefahren haben.


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 09.10.2019 23:25 
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Ein interessanter Film, der mit einem tollen Finale auffährt. Damit war nicht, jedenfalls nicht in solch krasser Form, zu rechnen.

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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 10.10.2019 00:11 
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Also von dem war ich auch sehr positiv überrascht. Thiele-Filme und ich das ist ja normalerweise so: ich erwarte nicht besonders viel und werde am Ende meistens bestätigt. Meines Erachtens hat Rolf Thiele den Spagat zwischen anvisierter Gesellschaftskritik, sehenswerten erotischen Momenten und Unterhaltungsmodus nur selten hinbekommen. "Tod eines Doppelgängers" überrascht mit alternativem Konzept und wirkt vergleichsweise sehr geradlinig, ohne es dabei nötig zu haben, sich unangebrachten Kapriolen hingeben zu müssen und es besteht eine wesentlich bessere Balance, als es oft bei vielen seiner anderen Werke der Fall war. Hier überrascht die destruktive Atmosphäre, die unausweichlich andeuten will, dass die in bestimmten Bereichen ziellos und verloren wirkenden Hauptcharaktere auf ein Fiasko zusteuern. Jürgen Draeger und Werner Pochath spielen dabei hervorragend auf. Insgesamt sehr überzeugend und im letzten Drittel drastisch und überraschend.


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 10.10.2019 21:37 
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Prisma wrote:
Also von dem war ich auch sehr positiv überrascht. Thiele-Filme und ich das ist ja normalerweise so: ich erwarte nicht besonders viel und werde am Ende meistens bestätigt. Meines Erachtens hat Rolf Thiele den Spagat zwischen anvisierter Gesellschaftskritik, sehenswerten erotischen Momenten und Unterhaltungsmodus nur selten hinbekommen.

Obwohl Du vermutlich mehr Filme von Rolf Thiele gesehen hast, kann ich Deinem Fazit dennoch in allen Punkten zustimmen, denn von den zehn Filmen die ich bis dato von ihm kenne, konnte mich einzig der vorliegende TOD EINES DOPPELGÄNGERS so richtig überzeugen. Die restlichen Filme pendelten sich bei mir zwischen 'nett' bis 'belanglos' ein - vielleicht habe ich bisher aber auch nur die falschen Thiele-Filme gesehen?

DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS entpuppte sich zumindest als ein ganz starkes Stück Film, welches für mich obendrein mit zu den beeindruckendsten Neuentdeckungen des laufenden Filmjahrs zählt.


Prisma wrote:
Hier überrascht die destruktive Atmosphäre, die unausweichlich andeuten will, dass die in bestimmten Bereichen ziellos und verloren wirkenden Hauptcharaktere auf ein Fiasko zusteuern. Jürgen Draeger und Werner Pochath spielen dabei hervorragend auf. Insgesamt sehr überzeugend und im letzten Drittel drastisch und überraschend.

Sowohl Brüssel als auch Antwerpen entpuppen sich nicht nur als hervorragende Drehorte, sondern versprühen auch eine klasse Atmosphäre, die das Zelluloid wiederum restlos in sich aufsaugt. Gepaart mit der leicht sinistren Geschichte, den überzeugenden Darstellern und einer bestechenden Schwarzweißfotografie, entstand als Endergebnis ein mehr als beeindruckender Film.


Werner Pochath verkörpert in seinem ersten Kinofilm bereits sehr überzeugend einen schwerenöterischen Diamantenkurier, der einmal wöchentlich im Auftrag seines Chefs (Ivan Desny) -der ihn zu allem Überfluss auch noch am liebsten als seinen persönlichen Toy-Boy sehen möchte- zwischen Antwerpen und Brüssel mit der wertvollen Ware im Jackett hin und her pendelt. In die gleiche Kerbe schlägt dann auch Jürgen Draeger, der seine Rolle ebenfalls mit Bravour meistert.


sid.vicious wrote:
Ein interessanter Film, der mit einem tollen Finale auffährt. Damit war nicht, jedenfalls nicht in solch krasser Form, zu rechnen.

Das überraschende Finale ist die Krönung dieses hervorragenden Films, der zu meiner größten Verwunderung in den meisten der damaligen Filmkritiken völlig zu unrecht zerrissen wurde :shock: :x

Der Film ist einfach nur toll! Punkt!


Übrigens: Laut dem Eintrag in der IMDB soll soll auch noch eine drei Minuten längere Schnittfassung existieren (?)


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Kinoaushang, Setfotos und ein Zeitungsbericht von Eckhart Schmidt: *** The link is only visible for members, go to login. ***


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 10.10.2019 22:48 
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Ich hatte ein kleines, sympathisches deutsches Filmchen erwartet, was sich mit "war ganz nett, aber noch mal muss ich den nicht sehen" umreißen lässt. Im Endeffekt war das Gegenteil der Fall, denn es glänzt nicht nur der Pochath, der Draeger ist auch große Klasse. Wenn Filmjuwelen oder Pidax den bringen sollten (um Missverständnissen vorzubeugen: bisher ist keine Rede davon!), reihe ich mich auf jeden Fall in die Käuferliste ein.

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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 10.10.2019 22:58 
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Richie Pistilli wrote:
vielleicht habe ich bisher aber auch nur die falschen Thiele-Filme gesehen?

Diese Frage habe ich mir auch immer gestellt. Bislang habe ich ein bisschen was über 20 Filme von Rolf Thiele gesehen und da wurde eigentlich immer deutlicher, dass es eben nicht daran liegt, nur die falschen Filme von ihm gesehen zu haben. Wie jeder Regisseur hat natürlich auch er eine sehr deutliche Handschrift, die für meinen Geschmack aber nur selten überzeugend beziehungsweise verträglich war. Mir kam es oft so vor, als ob Thiele immer dann gebucht wurde, wenn schlüpfrig-extravagante Themen verarbeitet werden sollten und er zehrte halt auch von seinem Großerfolg „Das Mädchen Rosemarie“. Versehen mit gesellschaftskritischen Elementen kam meistens ein Mix heraus, der versucht, alles Mögliche gleichzeitig abzudecken. Und das hat in den seltensten Fällen einwandfrei funktioniert. Obwohl ich schon nach einem Dutzend seiner Filme gedacht hatte, dass ich die Nadel in seinem Heuhaufen wohl nicht finden werde, wurde ich nicht müde, in dieser Richtung weiterzusuchen. Seine Filme sind in Fragmenten ja auch bestimmt nicht vollkommen ohne Reiz, aber sie ergeben in vielen Fällen kein rundes Gesamtergebnis, keine Einheit. Umso überraschender war "Tod eines Doppelgängers", weil er eben ohne seine berüchtigten Kapriolen über die Bühne geht. Wenn man so will, handelt es sich hier möglicherweise eine seiner (konservativsten) glattesten Arbeiten, was aber eher nur auf den internen Vergleich zutrifft.


Richie Pistilli wrote:
Die restlichen Filme pendelten sich bei mir zwischen 'nett' bis 'belanglos' ein

Ich fand auch, dass ein paar nette Vertreter dabei waren, aber eben auch viele, die die Belanglosigkeit hinter sich gelassen haben. "Die Wahrheit über Rosemarie" fand ich nahezu unerträglich und durch und durch misslungen, viel schlechter als "Das Mädchen Rosemarie". Oder beispielsweise "Frauenstation", der sich thematisch gesehen zwar etwas vom Gros seiner Geschichten absetzen kann und daher nicht uninteressant ist, inszenatorisch gesehen aber auch nur unterdurchschnittlich ausgefallen ist. Diese Liste lässt sich zwar nicht beliebig, aber schon ein bisschen weiter fortsetzen.



Richie Pistilli wrote:
entstand als Endergebnis ein mehr als beeindruckender Film.

Das ist auch mein Fazit. Ehrlich gesagt, habe ich im Vorfeld etwas tiefer gestapelt und mich anschließend natürlich hinterfragt, ob der Film nur deswegen so einschlagen konnte, oder ob es sich wirklich um einen überdurchschnittlich gelungenen Film handelt. Letzteres trifft hier im Endeffekt zu - das dachte ich mir noch einmal, als ich Deine Fotostrecke gesehen habe. Der ist schon clever inszeniert und richtig raffiniert im Bild festgehalten worden. Hinzu kommen die Hauptdarsteller, die den Verlauf mit ihren Leistungen nicht nur prägen, sondern abwechselnd beherrschen. Sowohl Werner Pochath als auch Jürgen Draeger sind hier perfekt gewählt, doch Draeger hat für mich etwas die Nase vorn. Ich habe mich richtig über diesen guten Film gefreut.


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 11.10.2019 14:07 
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Die düstere Intensität des harten Stoffes, den Rolf Thiele sehr realitätsbewusst und ohne seine üblichen Schwenker ins kitschige Melodrama aufbereitet, hat mich bei der Sichtung überzeugt und ließ Vergleiche zu unbarmherzigen Reißern wie "Rasthaus der grausamen Puppen" herstellen. Die Charaktere kehren einen Egoismus nach außen, der in rasanten Bildern gezeigt wird und sowohl optisch, als auch akustisch eine deutliche Sprache spricht. Das unterschwellige Gefühl des Scheiterns, das man für die Figuren prognostiziert, macht den Film umso spannender, weil man ahnt, dass der Zuschauer trotz der guten Hinweise aufs Glatteis geführt werden wird. Mit Jürgen Draeger und Werner Pochath bekam Rolf Thiele zwei Schauspieler, die im besonderen Maße Rebellion, Nonkonformismus, Exzentrik und Unberechenbarkeit verkörpern und sich wie tickende Zeitbomben durch ihr Umfeld bewegen. Das leichte Unbehagen, das ihre Anwesenheit auslösen kann, verstärkt die Glaubwürdigkeit, mit der die beiden Hauptdarsteller zu Werke gehen. Der Film wirkt frisch und bleibt durch viele offene Fragen spannend, wobei das Ende in seiner Exaltiertheit wiederum Rolf Thieles ironischen Humor zeigt.


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 14.10.2019 20:37 
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Prisma wrote:
Richie Pistilli wrote:
vielleicht habe ich bisher aber auch nur die falschen Thiele-Filme gesehen?

Diese Frage habe ich mir auch immer gestellt. Bislang habe ich ein bisschen was über 20 Filme von Rolf Thiele gesehen und da wurde eigentlich immer deutlicher, dass es eben nicht daran liegt, nur die falschen Filme von ihm gesehen zu haben. Wie jeder Regisseur hat natürlich auch er eine sehr deutliche Handschrift, die für meinen Geschmack aber nur selten überzeugend beziehungsweise verträglich war. Mir kam es oft so vor, als ob Thiele immer dann gebucht wurde, wenn schlüpfrig-extravagante Themen verarbeitet werden sollten und er zehrte halt auch von seinem Großerfolg „Das Mädchen Rosemarie“. Versehen mit gesellschaftskritischen Elementen kam meistens ein Mix heraus, der versucht, alles Mögliche gleichzeitig abzudecken. Und das hat in den seltensten Fällen einwandfrei funktioniert.

Zwar konnte ich mir hinsichtlich seiner Werkschau immer noch keine konkrete Meinung bilden, aber die von Dir aufgeführten Argumente decken sich in etwa mit meinen bisherigen Seherfahrungen. Fakt ist leider, dass der Großteil der bis dato gesehenen Thiele-Filme fast allesamt den gleichen Effekt bei mir hinterließen: halbgar und belanglos.

Bei einigen seiner Filme war ich am Ende sogar leicht verstimmt, da ich nur noch dachte: Und das soll es jetzt gewesen sein? Was sollte das? Was wollte uns der Regisseur mit diesem Film bloß sagen?



Prisma wrote:
Richie Pistilli wrote:
Die restlichen Filme pendelten sich bei mir zwischen 'nett' bis 'belanglos' ein
Ich fand auch, dass ein paar nette Vertreter dabei waren, aber eben auch viele, die die Belanglosigkeit hinter sich gelassen haben. "Die Wahrheit über Rosemarie" fand ich nahezu unerträglich und durch und durch misslungen, viel schlechter als "Das Mädchen Rosemarie". Oder beispielsweise "Frauenstation", der sich thematisch gesehen zwar etwas vom Gros seiner Geschichten absetzen kann und daher nicht uninteressant ist, inszenatorisch gesehen aber auch nur unterdurchschnittlich ausgefallen ist. Diese Liste lässt sich zwar nicht beliebig, aber schon ein bisschen weiter fortsetzen.

Mein erster Film war vor einigen Jahren OHRFEIGEN gewesen, wobei ich diesen zunächst auch noch ganz nett fand. Als ich mir das Ganze dann später noch ein zweites Mal anschauen wollte, endete der Film bereits nach der Hälfte seiner Spielzeit. Ähnlich erging es mir beispielsweise bei MORAL 63, DM-KILLER, KOMM NUR, MEIN LIEBSTES VÖGELEIN, ROSEMARIES TOCHTER oder KOMM NACH WIEN, ICH ZEIG DIR WAS!, die allesamt den zuvor beschriebenen Effekt bei mir hinterließen. Einzig bei seinem scharfen HEINRICH fühlte ich mich zumindest ein wenig unterhalten, obwohl mir letztlich auch bei diesem Film etwas fehlte. Umso erstaunlicher finde ich es, dass der gleiche Regisseur tatsächlich auch einen solch beeindruckenden Film wie DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS inszeniert bekam.

Mit seinen frivolen Komödien habe ich mittlerweile schon komplett abgeschlossen, da mir keine einzige von diesen auch nur ansatzweise zusagte. Und von seinen bis dato ungesehenen Filmen würden mich auch nur noch LABYRINTH DER LEIDENSCHAFTEN, VENUSBERG, UNDINE...IST SIE GRAUSAM? und FRAUENSTATION interessieren, wobei mir seine filmischen Frühwerke ebenfalls völlig unbekannt sind.



Prisma wrote:
Obwohl ich schon nach einem Dutzend seiner Filme gedacht hatte, dass ich die Nadel in seinem Heuhaufen wohl nicht finden werde, wurde ich nicht müde, in dieser Richtung weiterzusuchen. Seine Filme sind in Fragmenten ja auch bestimmt nicht vollkommen ohne Reiz, aber sie ergeben in vielen Fällen kein rundes Gesamtergebnis, keine Einheit.

Solltest Du wider Erwarten doch noch über einen weiteren interessanten Thiele-Film stolpern, dann lass es mich bitte wissen - vielleicht hat Herr Thiele neben dem TOD DES DOPPELGÄNGERS doch noch einen weiteren Treffer gelandet.



Prisma wrote:
Hinzu kommen die Hauptdarsteller, die den Verlauf mit ihren Leistungen nicht nur prägen, sondern abwechselnd beherrschen. Sowohl Werner Pochath als auch Jürgen Draeger sind hier perfekt gewählt, doch Draeger hat für mich etwas die Nase vorn. Ich habe mich richtig über diesen guten Film gefreut.

Ich könnte gar nicht sagen, welche der beiden Darbietungen mich mehr begeisterte, da sowohl Jürgen Draeger als auch Werner Pochath als Schauspieler ganz hoch bei mir im Kurs stehen. Eigentlich fühlte ich mich von beiden Darbietungen gleichermaßen mitgerissen, zumal meine größte Freude darin bestand, beide zusammen in antagonistisch angelegten Hauptrollen agieren zu sehen.




Percy Lister wrote:
Die düstere Intensität des harten Stoffes, den Rolf Thiele sehr realitätsbewusst und ohne seine üblichen Schwenker ins kitschige Melodrama aufbereitet, hat mich bei der Sichtung überzeugt und ließ Vergleiche zu unbarmherzigen Reißern wie "Rasthaus der grausamen Puppen" herstellen.

Das klingt interessant, wobei mir aber gerade nicht ganz klar ist, wodurch Du einen Vergleich zu DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN herstellen konntest. Rein inszenatorisch wirken die beiden Streifen schon mal völlig gegensätzlich auf mich, wobei sich der recht ernsthaft wirkende DER TOD DES DOPPELGÄNGERS als durchgehend beunruhigend, still und schnörkellos präsentiert. DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN entpuppt sich dahingegen als das reinste Tollhaus, denn die irrwitzige Inszenierung wirkt nicht nur wie 'ein Kessel Buntes in schwarzweiß', sondern offenbart auch noch ein völlig hysterisches Treiben, für das in erster Linie die entfesselten Darbietungen der knuffigen Knastjulen verantwortlich sind.

Oder bezog sich Dein Vergleich eher auf die Charakterbene der beiden Filme, wobei die Aussage:

Percy Lister wrote:
Die Charaktere kehren einen Egoismus nach außen, der in rasanten Bildern gezeigt wird und sowohl optisch, als auch akustisch eine deutliche Sprache spricht. Das unterschwellige Gefühl des Scheiterns, das man für die Figuren prognostiziert, macht den Film umso spannender, weil man ahnt, dass der Zuschauer trotz der guten Hinweise aufs Glatteis geführt werden wird.

letztendlich auf zahlreiche deutsche Filmproduktionen der damaligen Zeit zutrifft.


Und da gerade DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN zu meinen absoluten Filmlieblingen aus deutschen Landen zählt, bin ich natürlich auch an Deinen angeteaserten Gedankengängen interessiert - vielleicht verschaffen mir Deine Ausführungen eine neue Sichtweise, die mir bis dato noch gar nicht richtig bewusst war. Es wäre zumindest nicht das erste Mal... ;)


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 15.10.2019 14:05 
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Richie Pistilli wrote:
Und von seinen bis dato ungesehenen Filmen würden mich auch nur noch LABYRINTH DER LEIDENSCHAFTEN, VENUSBERG, UNDINE...IST SIE GRAUSAM? und FRAUENSTATION interessieren, wobei mir seine filmischen Frühwerke ebenfalls völlig unbekannt sind.

Was die Regie-Arbeiten von Rolf Thiele anbelangt, habe ich bisher sehr wenig gesehen. Ich kann deshalb sicher nicht so argumentativ behaupten, wann und warum sein Werk diese Wende ins Mittelmaß genommen hat. War es das grenzenlose Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde? Der Ruhm seines unverdienten Klassikers "Das Mädchen Rosemarie", der viele Auftraggeber ehrfurchtsvoll einknicken ließ und selbst dann noch wohlwollend zurückließ, als er ein Kuriosum nach dem anderen ablieferte? "Rosemaries Tochter" wäre eine Möglichkeit gewesen, dem ungeklärten Kriminalfall ein neues Profil zu verleihen, doch Thiele entschied sich dafür, einen Käfig voller Narren zu öffnen und sich und die Absicht des Drehbuchs, endlich aufzudecken, was damals vertuscht werden sollte, freiwillig ins Lächerliche zu ziehen. Fast könnte man annehmen, der Regisseur wäre von höchsten politischen Kreisen angehalten worden, seine Kombinationen fallen zu lassen, widrigenfalls.... Doch es gibt ja zum Glück den "Nebel des Vergessens", der jedoch unbemerkt am Zuschauer vorbeizieht und einen lange anhaltenden schalen Beigeschmack hinterlässt.


Ritchie Pistilli wrote:
Das klingt interessant, wobei mir aber gerade nicht ganz klar ist, wodurch Du einen Vergleich zu DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN herstellen konntest. Rein inszenatorisch wirken die beiden Streifen schon mal völlig gegensätzlich auf mich...

"Der Tod eines Doppelgängers" lebt von der selben Motivation, die auch "Das Rasthaus der grausamen Puppen" antreibt: blinde Wut, verzweifelter Hass, Misstrauen gegen alles und jeden, wobei sich die männlichen Protagonisten zum Teil introvertiert verhalten und eine Eruption ihrer Empfindungen in konkrete Bahnen zu lenken versuchen (Pochath versucht sehr angestrengt, seine Abscheu gegen Ivan Desny zu kaschieren und seine Gier nach schönen Frauen unter Kontrolle zu halten, weil es schon einmal fast zu einer Verhaftung gekommen wäre). Die weiblichen Hauptdarstellerinnen bei Rolf Olsen geben sich weitaus direkter und rücksichtsloser, was ihre Emotionen und ihre Vorstellungen anbelangt. Hier wurde der Regler ganz nach oben gedrückt und ihre Handlungen dröhnen grell und laut durch fast den gesamten Filmverlauf. Ich denke, hier wurde bewusst mit den Geschlechterklischees gespielt: junge Frauen, die sich nehmen, was sie wollen und junge Männer, denen genommen wird, was sie gern wollten. Die Umkehrung der Rollenvorstellungen sorgt für eine gelungene Handlung, weil man sich Draeger und Pochath eigentlich weniger verletzbar vorstellt. Dennoch verbindet beide Filme die gleiche Dramatik, die aus verkorksten Situationen resultiert, aus gescheiterten Plänen und dem Verlangen, sich das Leben mit Gewalt wieder zurechtbiegen zu wollen.


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 15.10.2019 19:22 
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Richie Pistilli wrote:
Bei einigen seiner Filme war ich am Ende sogar leicht verstimmt, da ich nur noch dachte: Und das soll es jetzt gewesen sein? Was sollte das? Was wollte uns der Regisseur mit diesem Film bloß sagen?

Für mich hast Du es damit ganz gut auf den Punkt gebracht, denn ich habe mich auch häufig so gefühlt. Im Endeffekt möchte man ja so viel wie möglich von dem was gerade gezeigt wurde verstehen, doch bei Thiele hatte ich oft das Gefühl, dass er wichtige Erklärungen schuldig bleibt. Hin und wieder kommt man sogar in die Zone, zu denken, dass man es einfach nicht verstanden hat, weil es möglicherweise zu kompliziert verschachtelt ist. Thiele arbeitete ja gerne mit solchen Mysterien und vielleicht ist es im Endeffekt der Hauptgrund, seinen Filmen oftmals mit einem vorschießenden Interesse zu verfolgen, das am Ende jedoch nicht mehr zu verstehen ist.



Richie Pistilli wrote:
Mit seinen frivolen Komödien habe ich mittlerweile schon komplett abgeschlossen, da mir keine einzige von diesen auch nur ansatzweise zusagte. Und von seinen bis dato ungesehenen Filmen würden mich auch nur noch LABYRINTH DER LEIDENSCHAFTEN, VENUSBERG, UNDINE...IST SIE GRAUSAM? und FRAUENSTATION interessieren, wobei mir seine filmischen Frühwerke ebenfalls völlig unbekannt sind.

Von "Venusberg" war ich damals ja schon begeistert, doch da kam zugegebenermaßen auch viel für mich persönlich zusammen. Ich weiß nicht, ob sich die positiven Eindrücke bei einer erneuten Sichtung komplett halten würden. Du hast ja ein paar Filme genannt, über die ich auch schon häufig gestolpert bin und die mich hellhörig werden ließen, vor allem "Undine". Der Grund seine Filme sehen zu wollen ist bei Thiele und mir immer der gleiche, da sich so gut wie immer ein geballtes Aufgebot von bekannten Top-Stars versammelt, was ich unterm Strich zu den großen Lockvögeln zähle. Am Ende war ich aber sehr oft mehr als enttäuscht; "Rosemaries Tochter" war in dieser Beziehung geradezu beispiellos.

"Tod eines Doppelgängers" ist daher vielleicht die größte Thiele-Überraschung überhaupt gewesen. Die Präsentation wirkt in diesem Fall so anders als sonst, obwohl man sich mit der Kriminalgeschichte ja wesentlich näher an Artgenossen orientiert, nicht aber ohne individuelle Akzente zu setzen. Keine Aussetzer und keine überspitzten Kapriolen. Die Schauspiel-Riege ist dabei dieses Mal vergleichsweise weniger prominent, aber gleichzeitig auch weniger abgenutzt. In diesem Zusammenhang möchte ich vor allem Nadja Tiller erwähnen, die Thieles Filme oft getragen bis beherrscht hat und bei mir letztlich für keine positiven Eindrücke sorgen konnte, weil sie unter ihm so erdrückend wirken konnte und ungünstige Maskeraden annehmen musste.



Richie Pistilli wrote:
Solltest Du wider Erwarten doch noch über einen weiteren interessanten Thiele-Film stolpern, dann lass es mich bitte wissen

Das wird zwar schwer, aber man soll ja niemals nie sagen! :lol:


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 Post subject: Re: DER TOD EINES DOPPELGÄNGERS - Rolf Thiele
PostPosted: 15.10.2019 19:56 
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Percy Lister wrote:
Der Ruhm seines unverdienten Klassikers "Das Mädchen Rosemarie", der viele Auftraggeber ehrfurchtsvoll einknicken ließ und selbst dann noch wohlwollend zurückließ, als er ein Kuriosum nach dem anderen ablieferte? "Rosemaries Tochter" wäre eine Möglichkeit gewesen, dem ungeklärten Kriminalfall ein neues Profil zu verleihen

Ich denke, dass der Großerfolg "Das Mädchen Rosemarie" dafür verantwortlich ist, ja. Ich habe mir schon oft gedacht, dass der Film unter anderer Regie wesentlich interessanter hätte werden können. Da das Thema absolut brisant und brandaktuell war, gehe ich sogar so weit, dass der Film unter anderer Regie ebenso zum wirtschaftlichen Erfolg geführt hätte. Ein Selbstläufer. Anschließend dachten Produzenten bei Erotik-Stoffen sicherlich schnell an den Regisseur, da dieser Erfolg immer mitgeschwungen ist. Im Endeffekt will ich gar nicht behaupten, dass Rolf Thiele nicht kein guter Handwerker war und keine schönen Momente inszenieren konnte, doch empfundenermaßen versuchte er sich viel zu oft selbst zu übertrumpfen. In "Tod eines Doppelgängers" hatte ich allerdings zu keinem Zeitpunkt diesen Eindruck. Was "Rosemaries Tochter" anbelangt, ist eine große Chance in den Sand gesetzt worden. Enttäuschend ist da gar kein Ausdruck mehr.


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