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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER BUCKLIGE VON SOHO - Alfred Vohrer
PostPosted: 16.08.2011 21:50 
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Location: Was Sie vorhin Hölle nannten, nennt er sein zu Hause.“
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Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
Produktion: Horst Wendlandt
Erscheinungsjahr: 1966
Regie: Alfred Vohrer
Drehbuch: Herbert Reinecker
Kamera: Karl Löb
Schnitt: Susanne Paschen
Musik: Peter Thomas
Länge: ca. 86 Minuten
Freigabe: FSK 12
Darsteller: Günther Stoll, Pinkas Braun, Monika Peitsch, Siegfried Schürenberg, Agnes Windeck, Gisela Uhlen,
Hubert von Meyerinck u.a.


Wanda hat 500.000 englische Pfund geerbt. Eine Tatsache, die einige schlaue Ganoven dazu bringen, Wanda zu entführen. Inspektor Hopkins von Scotland Yard, landet bei seinen Ermittlungen in einem Heim für angeblich straffällig gewordene Mädchen.

Alfred Vohrer, der einige wirklich großartige Wallace-Verfilmungen tätigte, lag mit seiner Umsetzung von „Der Bucklige von Soho“ sehr daneben, um dieses einmal freundlich auszudrücken. Was bringt uns zu dieser Erkenntnis? Nun, Unlogik und Dilettantismus, welche mit tatkräftiger Unterstützung einiger Hauptdarsteller in Trash münden. Was Vohrer hier abliefert hätte auch durchaus von Jess Franco sein können. Aus meiner Sicht ist dieses kleine Desaster, deutscher Kinokultur, allerdings auch sehr unterhaltsam und animiert zu einem köstlichen Amüsement. Ernst darf man diesen Film nicht nehmen, sonst hat man schon zu Beginn auf ganzer Linie verloren.

In Vohres Film täuscht man einen Selbstmord vor, indem man das Opfer in den Bauch schießt. Dieses ist eine der interessantesten Szenen. Vor allem, weil der Durchführende diese noch zuvor, als den perfekten Mord ankündigt. Manchmal hat man wirklich den Eindruck, dass dieser Film einzig von Vollidioten dominiert wird. Siegfried Schürenberg als Sir John ist für solche Präsentationen ja nicht ganz unbekannt, aber auch er bekommt reichhaltig Konkurrenz. Pinkas Braun ist in der Rolle des „Bösewichts“ Allan Davis allerdings recht gut unterwegs, ihm kann man eine gute Leistung bestätigen.


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO- Alfred Vohrer
PostPosted: 17.08.2011 00:44 
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Der Bucklige von Soho (Deutschland 1966, Originaltitel: Der Bucklige von Soho)

Wanda Merville (Monika Peitsch) reist aus den USA an, sie soll das Erbe ihres verstorbenen Vaters antreten. Nachdem einige Formalitäten geklärt wurden, bringt sie das herbeigerufene Taxi allerdings nicht wie gewünscht ins Hotel. Die junge Frau wird gegen ihren Willen festgehalten, man steckt sie zu einer Gruppe weiterer junger Damen, die offensichtlich allesamt nicht ganz freiwillig eingesperrt sind. Der fiese Alan Davis (Pinkas Braun) führt ein strenges Regiment, die sadistische Aufseherin (Hilde Sessak) packt bei Widerworten gern die Knute aus. Immer wieder stolpert ein Buckliger (Richard Haller) durch das Szenario, der die Mädchen zusätzlich ängstigt. Die jungen Frauen werden zur Zwangsarbeit angehalten, Fluchtversuche enden tödlich. Angeblich soll das Haus ein Heim für gestrauchelte Mädchen sein. Es steht unter der Schirmherrschaft der angesehenen Lady Marjorie (Agnes Windeck), die mit dem schrulligen General Edward Perkins (Hubert von Meyerinck) verheirat ist, der gern Panzerschlachten des zweiten Weltkriegs im Modell nachspielt. Reverend David (Eddi Arent) verkündet den Heimbewohnerinnen das Wort Gottes und singt mit ihnen fromme Lieder. Sir John (Siegfried Schürenberg) hat derweil ganz andere Sorgen. Ein Würger geht um, immer wieder findet man erdrosselte Frauen auf. Inspektor Hopkins (Günther Stoll) befasst sich mit dem Fall, tritt aber zunächst auf der Stelle. Bald kommt er jedoch einer jungen Dame (Uta Levka) auf die Spur, die sich als Wanda Merville ausgibt, während die echte Wanda nirgendwo auffindbar ist. Seine Ermittlungen führen den Inspektor unter anderem in ein Bordell, wo ihn der Hilferuf einer weiteren jungen Dame ereilt. Ist die Puffmutter Mrs. Tyndal (Gisela Uhlen) wirklich die Chefin des Bordells? Wer steckt wirklich hinter den Morden? Kein leichter Fall für Hopkins, dem zu allem Überfluss ständig sein Boss Sir John im Nacken sitzt...

Die 21. Edgar Wallace Verfilmung aus dem Hause Rialto läutete eine neue Ära ein, die Filme kamen nun in Farbe daher! Viele Freunde der Wallace Filme tun sich noch heute mit der Umstellung schwer, ich halte diesen Schritt -so sehr ich die Schwarzweißfilme auch schätze- für richtig und nachvollziehbar. Mit Einführung des Farbfilms hat man natürlich nicht alles andere mit über Bord geworfen, denn vor und hinter der Kamera erledigen (überwiegend) bewährte Figuren ihren Job. Für die Regie zeichnet einmal mehr Alfred Vohrer verantwortlich, der mit "Der Bucklige von Soho" zwar nicht sein bestes Werk, aber ein durchaus gelungenes und unterhaltsames Stück Film abliefert. Gleich in der ersten Szene will man mit aller Gewalt die alte Atmosphäre heraufbeschwören. Nacht und Nebel, eine flüchtende Frau, gestellt und gekillt vom Buckligen. Das Ergebnis stellt zufrieden, obschon die Stärke hier mehr auf dem leicht hysterischen Unterton liegt, während die Atmosphäre ein wenig zurücktritt. Der Score von Peter Thomas untermalt das Geschehen vortrefflich, kommt mit irren "Hua Ha" Rufen und schmissiger Musik daher. Thomas gelingt der Brückenschlag zwischen bewährten und frischen Elementen, sehr schön. Man merkt dem Film an, dass die zweite Hälfte der sechziger Jahre viele Fesseln und Ketten sprengte. So zeigt man uns in der Gerichtsmedizin eine nackte Frauenleiche, zwar verschämt auf dem Bauch liegend, doch Sir John wendet sich mit Grausen ab. Nicht zu vergessen, der schon nahezu frivol-obszöne Moment, in dem eine junge Dame ihre Bluse aufreisst und die Aufseherin zu ihren Neigungen befragt. Diese Szene mutet wie ein Vorläufer späterer "Women in Prison" Filme an.

Die Story ist bei Wallace Streifen bekanntlich nicht immer unbedingt logisch und nachvollziehbar. Auch dieser Beitrag verblüfft mit einer etwas grotesk anmutenden Auflösung, die aber so gut gespielt ist, dass sie mir einfach sympathisch, ja liebenswert erscheint. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Besetzung. Günther Stoll hat seinen ersten Wallace Auftritt. Seine Darbietung kommt ähnlich nüchtern wie die eines Harald Leipnitz daher, doch wo Leipnitz vor lauter Sachlichkeit nahezu zur Salzsäule erstarrt, durchbricht Stoll immer wieder die glatte Oberfläche. Der Mann ist fraglos eine Bereicherung für die Reihe. Monika Peitsch erlebt ebenso ihre Wallace-Defloration, sie entspricht dem üblichen "unschludiges, hilfloses Mädchen" Klischee. In der Tat bemerkt man nicht, dass Frau Peitsch während der Dreharbeiten bereits 29 Lenze zählte. Gestandene Darsteller runden die Besetzung ab, Pinkas Braun ist fieser denn jemals zuvor, herrlich. Eddi Arent hat erneut einen seiner besten Auftritte im Rahmen der Wallace Filme, er toppt hier sogar seine Rolle in "Der unheimliche Mönch". Siegfried Schürenberg kommt als Sir John recht häufig zum Zuge, wie gehabt auf knuffig-trottelige Art und Weise. Für Freude sorgt die völlig Übertriebene Darbietung von Hubert von Meyerinck, dem die Rolle des Militärschädels gewissermaßen auf den Leib geschneidert ist. Besonders ansprechende Leistungen möchte ich den weiblichen Nebendarstellerinnen attestieren. Agnes Windeck muss man einfach mögen, während Gisela Uhlen schon wegen ihrer eisigen Gesichtszüge die Bosheit geradezu aus der Fratze springt. Hilde Sessak würde jede Foltercamp Sause bereichern, während Uta Levka übezeugend das verdorbene Gör gibt. Es würde den Rahmen spregen, nun jeden Mitwirkenden zu würdigen, verdient hätten sie es ohne Zweifel allesamt.

Für meinen Geschmack ist der Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe gut gelungen. Das Ergebnis mag noch nicht optimal erscheinen, ich wurde jedoch gut und kurzweilig unterhalten. Der Bucklige hätte für meinen Geschmack ein wenig grausiger aussehen dürfen, andererseits sorgt er immerhin für diverse Schmunzler. Wie gehabt ist der Film einzeln erhältlich, wie üblich ist das Boxset die bessere Wahl. Die "Edgar Wallace Edition 6" enthält ferner folgende Titel:

- Der unheimliche Mönch (Der letzte Schwarzweißfilm der Reihe)
- Das Geheimnis der weissen Nonne
- Die blaue Hand

Die Bildqualität von "Der Bucklige von Soho" ist ansprechend, man ist im Rahmen der Serie gute Scheiben von Universum gewöhnt. Für den Film ziehe ich solide 7/10 (gut). Damit ist er kein Highlight der Reihe, gehört aber auch keinesfalls zum Bodensatz. Ich freue mich auf die kommenden Streifen!

Lieblingszitat:

"Ich bringe Sie um, wenn Sie nicht tun was ich ihnen sage. Haben Sie verstanden?"

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Blap V 3.0 regaining paradise

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Vom Ursprung her verdorben


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO- Alfred Vohrer
PostPosted: 17.08.2011 15:19 
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Ich finde den Film einfach klasse: Flott, leicht exploitativ, "Allstar"-Besetzung. Günther Stoll gefällt mir in seiner ruhig-sympathischen Art sehr als Inspektor. Zudem klasse schmierige bzw. sado-tyrannische Auftritte von Pinkas Braun, Hilde Sessak und Gisela Uhlen. Eddi Arent hat mir in keinem Wallace so gut wie hier gefallen. Einer der besten Ohrwürmer von Peter Thomas als Titelmusik.

Was im Eröffnungsbeitrag von wegen Trash, Unlogik und Dilettantismus steht, geht m. E. am Wesen des Films vorbei, der einfach ein Riesenspaß ist, jede Menge schräger Typen und reißerischer Situationen liefert und m. E. nirgendwo langweilt.

8/10

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Higurashi no Naku Koro ni


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO- Alfred Vohrer
PostPosted: 08.09.2014 17:29 
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Ich schliesse mich da eher Sids Meinung an ...

Die wenigen echten Farbaufnahmen aus dem Swinging London haben noch einen gewissen Charme, aber sonst wirken die Kulissen kulissenhafter, die Charaktere comichafter, die Sprüche gewollt komisch, und irgendwie kommt einfach nicht das gewohnte Edgar Wallace-Feeling auf. Eddi Arent sticht mit seiner ernsten Rolle diesmal sehr positiv heraus, davon hätte ich im Lauf der Serie gerne mehr gesehen, Pinkas Braun ist diabolisch-genial wie immer, und Uta Levka ist ein wahrer Wonneproppen – auch sie hätte ich gerne öfters gesehen. Im Gegenzug nervt Sir John mit seiner Altmänner-Attitüde diesmal schon ein wenig, und das kleine blasse Männchen im Schlabber-Trenchcoat neben ihm fällt gar nicht weiter auf.

Und bezüglich Trash, Unlogik und Dilettantismus: Man beachte die Szene, wenn Monika Peitsch vor dem Buckligen flüchtet, an die Bahngleise kommt und ein Zug einfährt. Sie hüpft also noch über die Schienen drüber - und lässt die fast Schrittgeschwindigkeit fahrende Lok mit ultrabreitem und tiefem Trittbrett erstmal genüsslich an sich vorbeifahren. Dann, und das ist wirklich ein Höhepunkt meiner Filmsammlung, rennt sie nicht neben den Gleisen in der Bildmitte, wo der Boden eben ist, sondern hüpft sichtlich mühsam und anstrengend weiter rechts über gestapelte Schwellen hinweg *wupp wupp wupp*. Der Bucklige derweil läuft zwar, nachdem er den Zug abwarten musste, in der Bildmitte auf dem ebenen Boden, stolpert dabei aber und Frau Peitsch kann entkommen, obwohl sie sich sichtlich Mühe gegeben hat wieder eingefangen zu werden.
Ganz ehrlich, diese Szene ist ganz große Trash-Kunst, eines Franco absolut würdig. Und davon hat es noch mehr - die "megabrutalen" Armfesseln am Folterstuhl, die Szene in der Helga Liné sich die Bluse aufreisst, wenn das Taxi nach (wenn man London ein wenig kennt) mindestens halbstündiger Fahrt irgendwo am Land ankommt und Frau Peitsch feststellt dass sie ja eigentlich ins Savoy wollte ...

Trotzdem, mehr als 6 von 10 Buckel werden es nicht. Dafür sind mir die schwarzweissen Filme einfach zu sehr ans Herz gewachsen.

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO- Alfred Vohrer
PostPosted: 08.09.2014 20:39 
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Du wirst doch nicht etwa was gegen die Monika Peitsch haben? :lol:
Ihre Szenen mit dem Zug waren denke ich mal eher als Choreografie geplant. Hat zugegebenermaßen nicht so besonders geklappt. Allerdings war diese Sequenz ja für den weiteren Verlauf nötig, da sie von ihrem Peiniger aufgegabelt werden sollte. Die naiven Züge ihres Charakters stehen jedenfalls überaus konträr zu ihrem Image und ihrer Erscheinung und das ist schade, da es sich ansonsten um eine sehr interessante Gast-Hauptrolle innerhalb der Reihe handelt. Im Endeffekt ist das Ganze tatsächlich ziemlich konstruiert und vor allem ziemlich spät-Vohrer nach Art des Hauses eben. Für mich zählt "Der Bucklige von Soho" vergleichsweise aber zu seinen Farb-Wallace-Sternstunden. Den mag ich richtig gerne!


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO- Alfred Vohrer
PostPosted: 09.09.2014 06:50 
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Herr Prisma, ich muss doch sehr bitten! Etwa gegen Monika Peitsch haben, wie kommen Sie denn auf so einen abwegigen Gedanken? Hier füllt sie die Wallace-typische Kleines-Hascherl-wird-von-bösen-Menschen-entführt-Rolle doch hervorragend aus. Ich finde zwar Uta Levka und Gisela Uhlen erheblich stärker in ihren Rollen, aber das sind zum einen einfach die interessanteren und vielschichtigeren Rollen, und zum anderen halt einfach eher mein Typ Frau.

Dass allerdings die nächsten Filme zum DOPPELTEN GESICHT einiges an Sitzfleisch und Hingebung benötigen, das befürchte ich auch. DIE BLAUE HAND sticht da noch heraus, aber sonst ist das wohl eher unter einem gewissen Trash-Aspekt zu sehen. Mei, ich konzentriere mich dann halt einfach auf die schönen Frauen und die ansprechende Mode der Zeit :D

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO- Alfred Vohrer
PostPosted: 09.09.2014 07:03 
Diese bunte comichafte Optik gefällt mir beim Buckligen sehr gut.
"Das Gesicht im Dunkeln" mag ich auch sehr, weil es so viel vom Swinging London der Endsechziger hat.


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO- Alfred Vohrer
PostPosted: 09.09.2014 07:14 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
Mei, ich konzentriere mich dann halt einfach auf die schönen Frauen und die ansprechende Mode der Zeit :D

Glaube mir, Siw Mattson, Karin Hübner, Uta Levka, Karin Baal und viele andere werden dir dabei sicherlich behilflich sein! :D

"Der Bucklige von Soho" sticht für mich in der Vohrer-Spätlese aber wirklich deutlich heraus, "Die blaue Hand" und "Im Banne des Unheimlichen" finde ich von denen auch noch mit am unterhaltsamsten, den Rest schaue ich auch immer mal wieder, aber die 67-68er Filme haben wegen Vohrers Spielereien Einiges an Reiz verloren. Als Kind haben die mich noch fasziniert, heute habe ich mit Wallaces die trashy wirken, es aber eigentlich nicht sein wollten, eher meine Probleme. Im Zeitraum vom Bucklijen bist zu "Das Gesicht im Dunkeln" halte ich "Das Geheimnis der weißen Nonne" für das unumstrittene Farb-Highlight, der Film entschädigt die treuen Sitzfleischler schon angemessen.


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO- Alfred Vohrer
PostPosted: 26.05.2017 09:39 
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UTA LEVKA als GLADYS GARDNER in
DER BUCKLIGE VON SOHO (D|1966)



Nach ihrem in Erinnerung gebliebenen Auftritt in Harald Reinls "Der unheimliche Mönch", kam es zu einer weiteren, unmittelbar darauf folgenden Verpflichtung innerhalb der Wallace-Reihe, dieses Mal allerdings unter Regisseur Alfred Vohrer. Da sich "Der Bucklige von Soho" ebenfalls mit dem populären Thema Mädchenhandel beschäftigt, konnte Uta Levka vom Prinzip her in eine identische Rolle schlüpfen und bei diesem Auftritt war bereits eine etwas längere Auftrittsdauer vorgesehen. Die Schauspielerin scheint demnach wie geschaffen dafür, als eine Art Bindeglied in einer Reihe zu fungieren, die gerade auf Hochtouren dabei war, ihre klassischen Elemente mit mehr Zeitgeist zu vermischen. Levka stellt in diesem Zusammenhang quasi ein Äquivalent dar, schließlich war sie zuvor bereits mit aufgaben vertraut, die weit über herkömmliche Sehgewohnheiten hinausgehen sollten. Eine gute Grundvoraussetzung für diesen Film, da er doch augenscheinlich, wenn auch dezent, mit den Schicksalen gefallener Mädchen jongliert. Als Gladys erstmalig im Szenario auftaucht, ist sie bereits in einer Pose zu sehen, die unmissverständlich klarmachen will, dass man es mit einer jungen Dame zu tun hat, die sich ihrer Ausstrahlung und Wirkung durchaus bewusst ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach durch und durch mit krimineller Energie durchzogen, stellt sie eine der vielen Schachfiguren im tödlichen Spiel um Entführung, Erpressung und Mord dar. Es ist anzunehmen, dass sie durch eine harte Schule gehen musste, schließlich war sie einst selbst Insassin im Mädchenheim unter der eisernen Hand der perfiden Oberin Hilde Sessak, doch sie hat einen Weg hinaus finden können, und zwar über einen Mann, mit dem ihr Schicksal stehen und fallen wird. Derartige Andeutungen über den Lebenswandel der attraktiven Doppelgängerin der Millionenerbin Wanda Merville unterstreichen eine Rücksichtslosigkeit und Kalkül, aber auch eine Abhängigkeit.

Uta Levka wirkt im Szenario stets perfekt positioniert, ihre Rolle erstaunlich gut strukturiert und choreografiert, außerdem kommt man als Zuschauer in den Genuss einer Idealbesetzung im Rahmen von Nähe und Distanz. In mehreren Zusammenhängen gelingt es Uta Levka in diesem Kriminalfilm, beziehungsweise Unterhaltungsfilm, für einen Hauch von Tragik zu sorgen, schließlich verbrennt sie sich an jenem Feuer, mit dem sie selbst einst mit Wonne spielte. Mit "Der Bucklige von Soho" schickte die Rialto-Film ihren ersten Farbfilm der Edgar-Wallace-Reihe ins Rennen und angesichts der wirklich bunten Herangehensweise der Regie lässt sich auch eine Uta Levka ausmachen, die schon alleine wegen ihrer farbenfrohen und modernen bis mondänen Ensembles ins Auge fällt, von ihrer Spiellaune ganz zu schweigen. Mit beinahe singendem Stolz, auffälligem Hochmut und der Überheblichkeit einer Person, die es sich einfach leisten kann, stellt sie sich als Teil einer verbrecherischen Maschinerie vor, wenngleich man sie nicht als Aggressor identifiziert, liegt sie doch in unterwürfiger Manier einem Mann zu Füßen, der sie zur Hure gemacht, sie aber gleichermaßen davor bewahrt hat. Uta Levkas unsentimentales Spiel weiß zu jeder Sekunde zu überzeugen. Sie zeigt etliche Kostproben ihrer Schlagfertigkeit, um Ausreden ist sie ohnehin nie verlegen und die Männer ihres Umfeldes sind in Windeseile um den Finger gewickelt. Neben Hauptdarstellerin Monika Peitsch und ihrer Kollegin Suzanne Roquette, bekommt Uta Levka sozusagen den Luxus einer dramaturgischen Sonderstellung eingeräumt, die sie nicht nur flexibel und überzeugend anzunehmen weiß, sondern auch mit einigen denkwürdigen Finessen ausstattet. Für den Film, selbstverständlich auch die komplette Reihe, stellt die aparte Schauspielerin in jeder Hinsicht eine Bereicherung dar, sodass erneut festgestellt werden darf, dass Uta Levka aus dieser ansehnlichen Nebenrolle eine wichtige machen konnte.


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 Post subject: Re: DER BUCKLIGE VON SOHO - Alfred Vohrer
PostPosted: 08.11.2019 23:56 
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Bei "Der Bucklige von Soho" handelt es sich um den letzten Wallace-Film, der die 2 Millionen-Marke bei den Kinobesuchen deutlich knacken konnte, wobei man sich von der Produktionsseite sicherlich noch ein bisschen mehr Zulauf erwartet hatte, da hier immerhin der erste Farb-Rialto an den Start ging. So geht es unter Routinier Alfred Vohrer entsprechend bunter zu, als ohnehin (bei ihm) üblich, sodass der Film alleine deswegen einen enormen Reiz ausüben kann. Die Story wirkt nach so viel zuvor thematisiertem Mädchenhandel zwar nicht besonders neu, wird aber erfreulicherweise in alternativer Fasson präsentiert. Vohrer legt Wert auf einen überaus klaren Aufbau, der mit geheimnisvollen, spannenden und temporeichen, sogar schlüpfrigen Phasen versehen ist. Ein weiteres Plus ist die A-Besetzung, die aus Veteranen und neuen Gesichtern besteht, die insbesondere bei den Hauptrollen in Erinnerung bleiben. Günther Stoll liefert einen beinahe demonstrativen Gegenentwurf zu den bekannten Ermittler-Typen und präsentiert sich dabei sehr positiv. Monika Peitsch kann ebenfalls als augenscheinliche und vor allem gewinnbringende Alternative angesehen werden, sodass sich im Endeffekt sagen lässt, dass ein Besetzungs-Coup gelandet werden konnte. Ansonsten überzeugen zum Beispiel Pinkas Braun, Siegfried Schürenberg, Gisela Uhlen, Agnes Windeck oder Eddi Arent, und es kommt ein gewohntes Wallace-Feeling auf. Der Verlauf spart nicht mit Überraschungen, von denen die meisten als gelungen zu bezeichnen und nur wenige als Effekthascherei abzutun sind. Wenn es zum Finale zugeht, zieht das Tempo noch einmal deutlich an, sodass sich insgesamt sagen lässt, dass "Der Bucklige von Soho" mehr als zufriedenstellend ausgefallen ist und einen enormen Spaß-Faktor bietet. In meiner persönlichen Rangliste dürfte Alfred Vohrers atmosphärisches Paket auch weiterhin in der Top-10 rangieren, oder zumindest nicht weit davon entfernt sein. Immer wieder gerne gesehen.


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