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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DIE ROTE LOLA - Alfred Hitchcock
PostPosted: 09.11.2019 11:26 
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Joined: 07.2013
Posts: 1963
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Die rote Lola
Stage fright
Großbritnien 1950
Regie: Alfred Hitchcock
Jane Wyman, Marlene Dietrich, Michael Wilding, Richard Todd, Alastair Sim, Sybil Thorndike, Kay Walsh, Miles Malleson, Hector MacGregor, Joyce Grenfell, André Morell, Patricia Hitchcock


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Ein Auto rast durch London. Darin sitzen Eve und Johnny, auf der Flucht vor der Polizei. Johnny hat seiner geliebten Charlotte Ingwood, einer mondänen Sängerin und Schauspielerin, geholfen, den Mord an ihrem Mann zu vertuschen. Und Eve, verliebt wie sie ist, hilft Johnny zu entkommen. Aber das einzige Beweisstück für Charlottes Untat, ein blutbeflecktes Kleid, landet im Feuer und verbrennt. Daraufhin lässt Eve sich auf das gefährliche Spiel ein, unter falschem Namen als Zofe bei Charlotte zu arbeiten und weitere Beweise zu finden. Dabei lernt sie Inspektor Smith kennen – und verliebt sich ganz furchtbar. Der allerdings hat keine Ahnung wer sie ist, und sollte das auch nicht unbedingt erfahren. Das Spiel wird gefährlicher, als die echte Zofe Eve erpresst. Und Johnny sich bei Eves Eltern versteckt, bei denen aber auch Smith vorbeischaut um mit Eve Tee zu trinken. Und Eve langsam erkennt, dass ihr ach so toller Johny vielleicht doch nicht so toll ist, sondern auch seine Schattenseiten hat …

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Der Hitchcock war schon ein Filou! Die Geschichte, dass er am Ende des Films gemerkt hat, dass mit dem Start des Films etwas nicht stimmt, die nehme ich ihm keine Sekunde ab. Bis zu STAGE FRIGHT (um mal den erheblich passenderen Titel ins Spiel zu bringen) waren ihm schon so einige hochkarätige Thriller gelungen, und mit seiner Traumsequenz in ICH KÄMPFE UM DICH oder seiner “Schnittorgie“ COCKTAIL FÜR EINE LEICHE hat er auch bewiesen, dass er es nicht scheut die Grenzen des Mediums zu erweitern. Und dann soll ausgerechnet er, der zu dem Zeitpunkt rund 25 Jahre im Geschäft war, den Überblick im Drehbuch verloren haben?
Ich glaube eher, dass Hitch von dem Misserfolg des Films überrascht war und eine Geschichte erfunden hat, um sich zu rechtfertigen. Vielleicht sogar vor sich selbst, wer weiß … Fakt ist, dass der Beginn-/Ende-Twist den Film aus der Masse sehr deutlich heraushebt, und den etwas bieder-komischen Humor mehr als aufwiegt. Wobei klar zu bemerken ist, in welche Richtung die filmische Reise gehen wird: Den Drive und die Stimmung seiner kommenden Filme aus den 50ern, den merkt man STAGE FRIGHT deutlich an, wenn auch noch nicht so ausgeprägt wie in seinem nächsten Werk, DER FREMDE IM ZUG. Der Film ist spannend, die Zeit vergeht wie nix, und es sind filmische Schmankerl enthalten die unglaublich Spaß machen (etwa wenn Johnny in Eves Haus geht, die Kamera ihm auf den Fersen folgt, und er eine nicht existierende Tür schließt – in die Kamera hinein). Auf der Gegenseite ist der Humor altmodisch-arglos, und die Figuren sind oft etwas behäbig. Spätestens das Showdown ist allerdings Thrillerkino vom Feinsten: Die Performance Richard Todds ist beängstigend und würde jedem Giallo gut zu Gesicht stehen.

Ein Film über das Theater, aufgemacht wie ein Theaterstück, und mit oft etwas theatralischen Figuren. Ein Film mit Schauspielern, die Schauspieler spielen und in Rollen schlüpfen. Die oft nicht das sind, für was man sie hält. Die eine Schau spielen, auf einer Bühne, welche die engen Grenzen der eigentlichen Bühne sprengt. Jeder hat hier irgendwann mal eine Rolle, tut so als ob er jemand anders wäre. Sogar der Bühnenvorhang hat eine gewichtige Rolle.
Und ein Film, der auf eine ganz bestimmte Art zwischen den Stühlen steht. Die 40er waren praktisch vorbei, die 50er hatten noch nicht begonnen, und Hitch entwickelte sich ab dem nächsten Film in eine ganz andere Richtung – Weg von Dramen à la SKLAVIN DES HERZENS oder Wortschlachten wie DER FALL PARADIN, hin zum modernen Thrillerkino, dessen Entwicklung dann bis heute gradlinig weiterverfolgt werden kann. STAGE FRIGHT ist auf jeden Fall sehenswert: Als Krimi, als Meilenstein in Hitchcocks Entwicklung, und als Vorläufer von Tarantinos RESERVOIR DOGS. Warum von dem? Selber herausfinden …

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7/10

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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