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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 15.05.2016 22:42 
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BEI VOLLMOND MORD

● LYCANTHROPUS / BEI VOLLMOND MORD (I|A|1961)
mit Barbara Lass, Carl Schell, Curt Lowens, Maurice Marsac, Michela Roc, Luciano Pigozzi, John Karlsen, u.a.
ein Royal Film | im Austria Filmverleih
ein Film von Paolo Heusch


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»Are you afraid of the wolf?«

Dr. Julian Olcott (Carl Schell) wird an eine Besserungsanstalt für schwer erziehbare Mädchen versetzt, doch er sieht sehr unruhigen Zeiten entgegen. Im Schutze der Dunkelheit schleichen gefährliche Wölfe umher, bis eines Nachts ein Mädchen tot aufgefunden wird. Da die Tat unmittelbar nach Dr. Olcotts Ankunft geschah, gerät er unter Verdacht, da man nicht von übernatürlichen Umständen ausgehen will. Bei den Untersuchungen ergeben sich allerdings merkwürdige Zusammenhänge und anhand der Verletzungen bei der Toten kommt er zu dem Schluss, dass das Opfer von einem Werwolf getötet worden sein muss. Bei seinen Nachforschungen ergeben sich für Olcott schließlich immer neue Erkenntnisse, vor allem, dass in der Besserungsanstalt so gut wie jeder verdächtig zu sein scheint. Handelt es sich hier um die Wahrheit, um Aberglauben oder sind es nur Ausreden? In der Zwischenzeit gerät die Schülerin Priscilla (Brarbara Lass) in große Gefahr...

Ist es nicht so, dass man Genre-Beiträge aus Italien in quasi jeder Fa­çon als weitgehend normal einstuft? Sicherlich ist etwas Wahres dran und angesichts der Beteiligung aus Österreich schaut man eher erstaunt, aber nicht minder interessiert auf diesen Film des italienischen Gelegenheitstäters Paolo Heusch, und was er dem Zuschauer bringen mag. Im Produktionsjahr 1961 darf natürlich kein bahnbrechender Überflieger erwartet werden, vielmehr präsentiert sich der Verlauf in Anlehnung an damals populäre Krimi-Formate, allerdings ist es der Spritzer Grusel und die kleine Idee Horror, die "Bei Vollmond Mord" von dieser Konkurrenz unterscheidet. Gleich anzumerken ist das offensichtlich kleine Produktionsbudget, was ja bei der richtigen Handhabe kein Dämpfer sein muss, und die eher magere Dramaturgie, die zwar ansprechende Themen anreißt, sie aber nicht verfeinernd transportiert, außerdem kaum auf Wahrscheinlichkeit setzt. Eins muss man diesem kleinen Experiment allerdings attestieren, denn man kommt in den Genuss von sehr gut eingefangenen Sequenzen und atmosphärischen Bildern, die ihre beunruhigende Wirkung zumindest phasenweise entfalten können. Das Thema der möglichen Lykanthropie findet seine Erfüllung mit einer Art Whodunit-Bonus, sodass der interessierte Zuschauer ausgiebig miträtseln darf, wer oder was hinter dieser Angelegenheit steckt, falls die Vorhersehbarkeit einen nicht einholt. Auch bei diesem Film könnte durchaus die Frage aufkommen, wie er jemals grünes Licht für die Produktion bekommen konnte, denn neben Atmosphäre und Charme, drängt sich immer wieder ein ausgiebiger Trash-Faktor in den Vordergrund. Bei Besetzungsfragen reichte es lediglich für die zweite, oder gar dritte Garnitur, allerdings darf verraten werden, dass die Crew ihre undurchsichtige Sache oftmals nach Kräften, aber bestenfalls auch überdurchschnittlich gut löst.

Die weibliche Hauptrolle spielt die aus Polen gebürtige und leider viel zu jung verstorbene Barbara Lass, die sich vielleicht weniger als Schauspielerin, aber möglicherweise als Ehefrau von Roman Polański und Karlheinz Böhm einen Namen machen konnte. Es ist vollkommen überraschend und erfrischend zugleich, welch überdurchschnittlich gute Performance die bezaubernde Darstellerin hier zum Besten gibt. In ihrem klassisch-schönen Gesicht lässt sich die nötige Angst ablesen, sodass sie zu einem tatkräftigen Verstärker für die oft schwächelnde Geschichte werden kann, sie schafft es spielend, den Zuseher mitzunehmen. An ihrer Seite sieht man Carl Schell, der ebenfalls eher bekannt ist aus anderen Gründen, denn er ist der jüngere Bruder des Weltstar-Duos Maximilian und Maria Schell. Seine Leistung geht insgesamt in Ordnung, vielleicht hätte man sich hier und da ein paar Finessen mehr gewünscht als nur den Eindruck, dass er sich eigentlich auf sein Aussehen zu verlassen scheint. Die weitere Riege liefert im Rahmen der Möglichkeiten annehmbare Interpretationen, zu erwähnen ist vielleicht noch der richtig verschlagene Auftritt eines wie so oft dubios wirkenden Alan Collins, alias Luciano Pigozzi, welcher der mysteriösen Thematik gut zuträglich ist. Die Frage nach der Wahrheit wird also in einem abwechselnd behäbigen bis gruseligen Verlauf aufgedeckt, spannende Phasen kommen dabei eher selten auf, weil der Film insgesamt einfach zu kopflastig ausgefallen ist. Wie dem auch sei, "Bei Vollmond Mord" darf man sich ohne Bedenken einmal anschauen, denn große Enttäuschungen bleiben aus, was allerdings auch von großen Spektakeln gesagt werden muss. Paolo Heusch lieferte insgesamt einen Beitrag ab, den man im Dunstkreis der kruden Experimente wiederfinden kann. Bei den richtigen Antennen für einen derartigen Streifen ist die kleine Portion Spaß somit ganz bestimmt vorprogrammiert.


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 16.05.2016 23:17 
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Danke für die Vorstellung! Welche Sprachfassung hast Du denn gesehen? Die deutsche Fassung ist wohl hier nicht greifbar, oder?


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 17.05.2016 00:04 
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samgardner wrote:
Welche Sprachfassung hast Du denn gesehen? Die deutsche Fassung ist wohl hier nicht greifbar, oder?

Nein, leider nicht. Die hätte mich auch sehr interessiert, denn die englische Synchro kam mir ein bisschen zu sprerrig vor.
Von dem Film habe ich mir eine US-Veröffentlichung zugelegt, bestimmt eine der lumpigsten, die ich jemals gesehen habe. :lol:
Hast Du den Film schon gesehen?


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 18.05.2016 01:02 
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Prisma wrote:
Hast Du den Film schon gesehen?


Bis jetzt nicht. Ich hatte immer gehofft, dass die dt. Fassung doch mal auftaucht...


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 18.05.2016 21:57 
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Kleiner Nachschlag, leider auch ohne deutschen Ton:

www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 24.09.2019 17:35 
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Der Film kommt jetzt in den USA von Severin auf Blu-Ray.

"Newly scanned in 2k from archival elements recently discovered in a Rome lab vault.

Special Features:
Bad Moon Rising: Interview with Screenwriter Ernesto Gastaldi
Alternate Opening
Italian Trailer
US Trailer
BONUS: CD Soundtrack"


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 24.09.2019 21:33 
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Teufelsanflöter wrote:
Der Film kommt jetzt in den USA von Severin auf Blu-Ray.

"Newly scanned in 2k from archival elements recently discovered in a Rome lab vault.

Special Features:
Bad Moon Rising: Interview with Screenwriter Ernesto Gastaldi
Alternate Opening
Italian Trailer
US Trailer
BONUS: CD Soundtrack"


Hier noch das Cover:

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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 08.12.2019 19:05 
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Prisma wrote:
samgardner wrote:
[...]denn die englische Synchro kam mir ein bisschen zu sprerrig vor.


Ja, diesem sperrigen Höreindruck muss ich zustimmen - doch zum Glück kann man jetzt auf die italienische Sprachfassung mit engl. UT dank der Severin-Veröffentlichung zurückgreifen - natürlich würde ich ebenfalls gerne einmal die deutsche Sprachfassung mir anhören, vielleicht passiert diesbezüglich in Zukunft ja noch etwas (gibt es möglicherweise einen deutschen Kinotrailer, der schon einmal einen kleinen Eindruck vermitteln könnte?) - ansonsten hat mir der Film sehr viel Spaß gebracht - war eine Erstsichtung...


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 09.12.2019 13:14 
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Howard Vernon wrote:
natürlich würde ich ebenfalls gerne einmal die deutsche Sprachfassung mir anhören

Die würde ich auch gerne einmal hören, denn ich denke, die deutsche Sprachfassung würde den Film nochmals aufwerten.
Der Film ist ja so oder so eine recht spaßige Angelegenheit und ich erinnere mich noch an den Eindruck, dass ich irgend etwas zwischen erstaunt über die Mache und erfreut über den unterhaltsamen Charakter war.
Aber es ist wie immer: den Film müsste ich mir dann wohl nochmal anschauen. :D


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 09.12.2019 15:44 
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Die italienische Sprachfassung klingt auf alle Fälle "lebendiger" - der Film wirkt dadurch wesentlich "organischer", als es die englische Sprachversion tut (so jedenfalls mein Eindruck)...


Prisma wrote:
Der Film ist ja so oder so eine recht spaßige Angelegenheit und ich erinnere mich noch an den Eindruck, dass ich irgend etwas zwischen erstaunt über die Mache und erfreut über den unterhaltsamen Charakter war.



"spaßige Angelegenheit" tritt es ganz genau, wenn man ein Urteil über den Film treffen möchte (soweit man solche Genrefilme natürlich mag); die Laborszenen im dunklen Keller, die wundervollen Verfolgungssequenzen nachts, wenn die Nebelmaschine auf Vollgas läuft und, und, und... oder das ansatzweise Schlüpfrige, wenn die Kamera eine schlafende Schülerin "beobachtet"
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...

was mir bei der Erstsichtung allerdings gleich ins Auge gesprungen ist, wäre der Gesichtsausdruck der Hauptdarstellerin...

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...der mich unmittelbar an das intensive Blicken von Barbara Steele erinnert hat...

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dabei frage ich mich, ob die Auswahl von Barbara Lass für die hiesige Hauptrolle möglicherweise mit deren "Steele"-Look verbunden gewesen sein könnte - den Produzenten war sicherlich der Erfolg von Bavas "La maschera del demonio" in Erinnerung, der ein Jahr vor BEI VOLLMOND MORD gedreht wurde - und sie wußten auch, dass es vor allem auch das "Steele-Gesicht" gewesen war, das so die Zuschauer faszinierte - würde meine These stimmen, dann hätte Heusch Steeles Figur der "Katia Vajda" - der "gute" Charakter aus Bavas Werk - für seine weibliche Hauptfigur im Sinn gehabt...


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 Post subject: Re: BEI VOLLMOND MORD - Paolo Heusch
PostPosted: 18.12.2019 21:12 
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Howard Vernon wrote:
was mir bei der Erstsichtung allerdings gleich ins Auge gesprungen ist, wäre der Gesichtsausdruck der Hauptdarstellerin...

Eine sehr interessante Beobachtung! Wenn ich Barbara Lass und Barbara Steele so direkt vor mir sehe, ist dieser Vergleich tatsächlich sehr naheliegend und die beiden scheinen wesentlich mehr gemeinsam zu haben, als nur den Vornamen.


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