Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 18.01.2020 00:00

All times are UTC + 1 hour




Post new topic Reply to topic  [ 43 posts ] Go to page  Previous  1, 2
AuthorMessage
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 09.12.2019 17:56 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
THE FOUR SKULLS OF JONATHAN DRAKE



Image



Auf der Drake-Familie scheint ein Fluch zu liegen, denn alle Männer, die das sechzigste Lebensjahr überschritten haben, sterben einen plötzlichen Tod. Doch nicht nur das. Außerdem werden die Toten ohne ihre Köpfe in der Familiengruft beigesetzt. Seltsamerweise tauchen die abgetrennten Köpfe nach einer Zeit in der Gruft dann aber auf – ohne Spur auf den Überbringer. Dieses unerklärliche Phänomen tritt seit mehreren Generationen bei den Drakes auf. Und dieses „kopflose“ Schicksal hat nun auch den sechzigjährigen Kenneth Drake ereilt
Image
. Auf dessen Beerdigung nimmt dann auch sein Bruder Jonathan Drake teil, der sich über die Jahre mit den sonderbaren Vorkommnissen in seiner Familie beschäftigt hatte. Dabei ist er auf einen Fluch gestoßen, den der Medizinmann eines südamerikanischen Schrumpfkopfjägerstammes gegen einen der Drake-Vorfahren ausgesprochen habe. Kapitän Drake, der Vorfahre, hatte alle Männer im Dorf dieses Medizinmannes niedermetzeln lassen, da der Stamm zuvor einen von seinen Männern in den Dschungel verschleppt hatte. Kann Jonathan Drake den Fluch stoppen? Denn auch er, der ebenfalls das sechzigste Lebensjahr überschritten hat, wird jetzt bedroht. So schleicht nachts ein Indianer in dessen Schlafgemach, um den „Drake“ umzubringen. Und weiterhin: Was hat der Wissenschaftler Dr. Zurich (große Klasse: Henry Daniell
Image
) mit dem Drake-Fall zu tun? Dies ein Anthropologe, der sich mit diesem speziellen Stamm und dessen Strumpfkopfmethoden hervorragend auskennt. Auch die Polizei wird mehr und mehr auf den Doktor aufmerksam, denn der Forscher müsste nach den überlieferten Akten eigentlich über 180 Jahre alt sein…


Die schockierend absurde Auflösung des hiesigen Geheimnisses um die vier Drake-Schädel
Image
soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Verraten werden kann aber dafür hier, dass es sich bei THE FOUR SKULLS OF JONATHAN DRAKE wiederum um einen sehr ambitionierten 50er-Jahre-B-Film unter der Regie von Edward L. Cahn handelt, von dem ich oben bereits einige Werke vorgestellt habe. Trotz der äußerst ökonomischen Herangehensweise des 1959 entstandenen US-amerikanischen Films, schafft es Cahn denn abermals, einen derartig unterhaltsamen Genrefilm zu inszenieren, der als die horrorartige Kinoversion einer Twilight-Zone-TV-Episode umschrieben werden könnte. Zugleich erstaunt die recht graphische Darstellung der Schrumpfkopfherstellung in THE FOUR SKULLS…, wenn wir das Entstehungsjahr von Cahns Film bedenken. Ein weiteres Gruselelemente wäre sicherlich auch der lautlose Indianer – das Faktotum des Doktor Zurich –, dessen Mund im Stil eines Schrumpfkopfes zugenäht wurde
Image
. Das Zusammenspiel des Doktors mit seinem stummen Diener ist dann sicherlich das Zentrum, durch welches Cahns Film seine Schaueffekte zieht. Die sich (wohl) anbahnende Liebesgeschichte zwischen Jonathan Drakes Tochter (Valerie French
Image
– dem deutschen „Galerie des Grauens“-Fan aus DER 27. TAG bekannt) und dem untersuchenden Polizisten treibt dann zwar den Plot voran, doch im Gedächtnis bleiben die beiden seltsamen Akteure um den Schrumpfkopfkult…





Bildquelle: *** The link is only visible for members, go to login. ***




Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be









THE SHE-CREATURE



Image



Edward L. Cahns THE SHE-CREATURE (USA 1956) wandelt den bekannten CALIGARI-Plot in einen 50er-Jahre-Monsterfilm um. Wobei es hier ein „Dr. Carlo Lombardi“ – gespielt von Chester Morris – ist, der sich eines weiblichen Mediums (Marla English) bedient, um seine Pläne durchzusetzen. So wird „Andrea“ vom Side-Show Hypnotiseur Lombardi in einen Trancezustand versetzt, bei welchem die Seele des Mediums über deren vorausgehende Leben berichtet. Die hypnotischen Show-Acts des Doktors werden so berühmt, so dass sein geplanter Aufstieg in die Kreise der „besseren Gesellschaft“ folgt. Dabei schafft Lombardi es dann auch, verschiedene Morde vorauszusehen, die sich in letzter Zeit am Strand ereignet haben. Die Polizei verdächtig Dr. Lombardi, der Mörder der Strandmorde zu sein, da er an einem der Tatorte gesehen worden war, doch beweisen kann sie es nicht. Zumal der Hypnotiseur immer ein Alibi aufzuweisen vermag. Und auch der Mediziner Dr. Erickson (Lance Fuller) hält Lombardi für einen Scharlatan und sieht in Andrea dessen missbrauchtes Opfer. Gleichsam stellt sich heraus, dass die Morde stets auftreten, wenn Andrea sich in Hypnose befindet und Rückschau auf ihre vorausgegangenen Leben hält. Wobei Doktor Lombardi weiter und weiter in der Zeit zurückgeht – bis in die Urzeit, wo ebenso Seemonster die Erde bevölkert haben…


THE SHE-CREATURE bringt es fertig, völlig auf eine jugendliche Figur in der Handlung zu verzichten – Cahn baut also überhaupt keinen Charakter ein, mit dem sich das damals anvisierte Drive-In-Publikum identifizieren konnte. Somit wäre es eigentlich nur das Monster aus dem Meer, welches den Geschmack des Zielpublikums befriedigt haben dürfte. Denn der Film selbst kommt mit seinen vielen destingierten Gesellschaftstreffen, bei denen Lombardi seine „Show“ offeriert, recht „erwachsen“ daher. Insofern bekommt THE SHE-CREATURE einen gewissen altertümlichen Charme (schon alleine wegen der CALIGARI-Geschichte) – was dann auch mit einer überaus „poetischen“ Kameraarbeit einhergeht, die – anders als bei anderen Werken Cahns – die Szenen nicht in einem gut ausgeleuchteten Studio-Setting präsentiert, sondern ebenso zahlreiche Außenaufnahmen zeigt, die das Auftreten des hypnotisch inkarnierten Monsters in ein „zwielichtiges“ Licht setzt (möglicherweise hat mir hier aber auch die recht dürftige Bildqualität der Lions-Gate-DVD einen Streich gespielt, und die angesprochenen Außenszenen mit dem Monster im „diffusen“ Licht sind auf die mangelnde Bildpräsentation der DVD zurückzuführen). Dahingehend haben wir einen Film, der sich einerseits in seinen Szenen und Dialogen elaboriert inszeniert gibt; und der andererseits mit dem Auftreten des Monsters – blicken wir hierzu nur auf das Kostüm – ein typisch naiver Monsterfilm der 50er-Jahre sein will. So mag der eine Teil des Publikums durch die schöne Gestaltung Cahns angesprochen werden, während der Auftritt des merkwürdigen Monsters irritiert. Und gleichsam wird es den Betrachter-Teil geben, der dies alles umgekehrt sieht und mehr „Monsterfilm“ haben möchte. Ich könnte mir vorstellen, dass Cahn eigentlich auf das Monster – zumindest in dieser hier vorliegenden Form – hätte verzichten können, doch THE SHE-CREATURE lief zusammen mit Cormans IT CONQUERED THE WORLD als „douple-bill“, so dass in THE SHE-CREATURE dringend ein Monster gebraucht wurde. Dies sind die Leiden eines „kommerziellen“ Regisseurs von B-Movies…





Trailer:

youtu.be Video from : youtu.be


Last edited by Howard Vernon on 16.12.2019 14:35, edited 2 times in total.

Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 10.12.2019 20:40 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
FEAR NO EVIL



Image



FEAR NO EVIL ist innerhalb seines entstandenen Zeitkontextes wohl einzigartig. Der 1981 von Frank LaLoggia gedrehte Horrorfilm konzentriert sich in der Handlung hauptsächlich auf Satans Kommen. Gleichwie FEAR NO EVIL aber nicht nur okkulter Horrorfilm, sondern zugleich auch ein Slasher- sowie ein Zombiefilm wäre. Dieser heterogene Genreansatz von LaLoggias Werk ist hier ebenfalls in der Musikauswahl zu bemerken, die zwischen Pop, Punk oder auch Folk hin- und herpendelt. Die Stimmungslage ändert sich quasi in jeder einzelnen Szene, so dass nach einer intensiven „Slasher“-Sequenz in der „high school“ unmittelbar darauf eine sentimental religiöse Episode in einem rustikalen Setting kommen kann. Dabei steht der jugendliche Andrew im Mittelpunkt, der die Inkarnation des Teufels wäre und damit das Erbe eines zuvor getöteten Dandys antritt, der ebenso dem Teufel einen Körper gegeben hatte. Drei Erzengel, die als Menschen wiedergeboren werden, nehmen den Kampf mit dem Teufel sodann auf und wollen ihn töten. Andrew, der seine Mitschülerin Julie verführen möchte, tut dies natürlich nicht aus Liebe – denn Julie gibt dem Erzengel Gabriel eine menschliche Gestalt, ist also hier: Gabrielle. Nach und nach erkennt das Mädchen ihre wahre Bestimmung und schließt sich mit den Erzengeln Michael und Raphael (wiederum als Frau dargestellt) zusammen, um dem Antichristen sein Ende zu bereiten. Schlussendlich lässt es Andrew auf einen Entscheidungskampf zwischen Himmel und Hölle ankommen und lockt die Erzengel in sein Versteck auf eine benachbarte Insel…


Klar ist sicherlich, dass für FEAR NO EVIL besonders THE OMEN (USA 1976), aber auch CARRIE (USA 1976) das wesentliche Erzählmuster bereitgestellt haben. Doch – wie oben schon erwähnt – begnügt der Film sich nicht damit, nur die Geschichte eines telekinetisch begabten jungen Mannes darzustellen, der anscheinend des Teufels Sohn ist. Die „high-school“-Szenen verwandeln das Werk stetig in einen Slasher-Film, während sodann der Handlungsteil mit dem örtlichen Passionsspiel dem Film die Gestalt eines Zombiefilms gibt. Ich muss sagen, dass mir gerade diese selektive Struktur ganz gut gefallen hat, gleichwie ich allerdings den Perspektivwechsel zu den Erzengeln als zu melodramatisch inszeniert wahrgenommen habe – was aber möglicherweise einen Kontrast zur satanisch kaltherzigen Perspektive Andrews setzen sollte. Letztlich möchte ich FEAR NO EVIL nicht als geglückten Film bezeichnen, eher als ein Experiment, das vielleicht sich etwas mit seinen vielen „Zutaten“ verhoben hat. Dennoch bleiben einige sehr eindrucksvolle Szenen im Gedächtnis. Herauszuheben wäre dabei vor allem das zunächst ruhige Spiel von Stefan Arngrim, der den Andrew wiedergibt, wobei sich dieses schüchtern Zurückhaltende zum Schluss in einen hysterischen Rachelauf des Satans verwandelt, bei dem dann auch die Toten erweckt werden…





Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 13.12.2019 18:05 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
TORTURE GARDEN



Image





„[…] there are no tortures in it, there is no garden […].”


So die Äußerung Robert Blochs, als der Drehbuchautor von Dennis Fisher (in dessen Buch HORROR FILM DIRECTORS, 1931-1990, S. 416) zu Freddie Francis‘ Film von 1967 befragt wird. Die anzumerkende Reserviertheit, die von der Aussage Blochs gegenüber Francis‘ britischer Horrorfilmanthologie ausgeht, hängt möglicherweise mit den Änderungen zusammen, die der Regisseur an dessen Drehbuch vorgenommen hat. Vor allem eine Episode wurde handlungsmäßig gekürzt, damit TORTURE GARDEN eine bestimmte Filmlänge nicht überschritt (ich vermutet, die Geschichte mit dem Klavier sollte die Plot-Kürzung erhalten). Wobei Freddie Francis‘ Finale bei der letzten Episode wiederum vom Produzent Subotsky verändert wurde, da sie die Motivation eines Charakters nicht verdeutlicht hätte. Einige Ungereimtheiten also, die sich zunächst in der Produktion sowie Postproduktion mit TORTURE GARDEN verbinden, wobei der schließlich gewählte Titel auf eine Jahrmarktattraktion anspielt, wo ein gewisser Doktor Diabolo (Burgess Meredith) sein Kabinett aufgeschlagen hat, um unterschiedlichen Besuchern deren Zukunft vorauszusagen, beziehungsweise: um sie vor einem bestimmten Einschlag in ihrem Lebensweg zu warnen…


In ENOCH, der ersten Episode dieser Amicus-Anthologie, versucht ein junger Mann an den Reichtum seines alten und schwerkranken Verwandten zu kommen. Sein Besuch in dessen Haus endet damit, dass der alte Mann seiner Krankheit erliegt, wobei der junge Verwandte hierbei etwas nachgeholfen hat. Im Keller kann der jetzige Alleinerbe zwar keinen Schatz finden, doch öffnet er dort einen Sarg aus dem eine Katze höchstlebendig herausspringt. Wie sich herausstellt, ist die Katze die Inkarnation einer Hexe, die in dem Haus lebt und jeden dortigen Bewohner mit einem Goldschatz belohnt, der dafür eine Forderung von ihr erfüllt, nämlich zu morden…


TERROR OVER HOLLYWOOD behandelt eine ehrgeizige Schauspielerin, die für gute Kontakte in der Filmbrauche alles tut. Zunächst wird die Mitbewohnerin ausgetrickst, damit eine Verabredung mit einem wichtigen Produzenten mit ihr stattfindet; und danach wird sich sogleich eine Filmrolle durch einen etablierten Schauspieler ergattert, der offenbar in den letzten 30 Jahre nicht gealtert ist. Mehr und mehr zeigt sich, wie der Alterungsprozess bei der Elite Hollywoods gestoppt wird – zum Nachteil der jungen Schauspielerin…


Nachdem in der ersten und zweiten Episode von TORTURE GARDEN die Sünden „Habgier“ und „Ehrgeiz“ behandelt wurden, wir nun in der nächsten, in MR. STEINWAY, das selbstsüchtige Verhalten einer Frau vorgestellt, die aus lauter Eitelkeit einen Pianisten heiraten will, der ihr sodann verfällt und deshalb seine Kunst vernachlässigt. Sein Klavierspiel wird zunehmend schlechter, dessen Konzerte schließlich abgesagt. Womit die Eitle allerdings nicht gerechnet hat, ist das Klavier des Pianisten, das ein Eigenleben entwickelt hat und sich nun an der jungen Frau für die fehlenden Ambitionen des Musikers rächt…


Abschließend kommt wohl die beste Episode zum Zug, die zudem mit Peter Cushing und Jack Palance am prominentesten besetzt ist
Image
: THE MAN WHO COLLECTED POE fokussiert sich auf die Maßlosigkeit zweier Sammler von Poe-Devotionalien. Ronald Wyatt (Palance) beneidet die einzigartige Sammlung von Lancelot Canning (Cushing), wobei dessen Exponate sich nicht nur auf seltene Erstausgaben beschränken. Denn im Keller des Hauses lagern unveröffentlichte Werke des Meisters, zumal es dort noch eine Tür gibt, die ein weiteres Geheimnis verbirgt. Und dieses Geheimnis um Poe muss der neidische Sammler Wyatt mit allen Mitteln erfahren…


Nach den vier Episoden muss jeder Besucher sich in Doktor Diabolos Kabinett dann selbst befragen, ob er aus den Warnungen der griechischen Göttin Atropos, die jeden einzelnen Lebensfaden durchschneidet und die Todesart der Menschen bestimmt, etwas gelernt hat
Image
. So sitzt die Göttin den Besuchern als Wachsfigur in Diabolos Zelt gegenüber und löst dadurch den „Blick in die Zukunft“ aus. Ein Besucher (Michael Ripper) hält solch eine Selbsterkenntnis jedoch nicht aus und geht auf den diabolischen Doktor los. Wie diese Begegnung ausgeht, soll jeder Zuschauer aber mit eigenen Augen sehen – wenn er sich traut…


Wer Freddie Francis‘ DR. TERRORS HOUSE OF HORRORS (GB 1965) mag, der wird sicherlich ebenfalls an TORTURE GARDEN seine helle Freude haben. Zumal ich die Darbietungen hier noch ironischer dargebracht finde, was die moralische Ebene der jeweiligen Episoden gehörig überspannt und somit noch absurder erscheinen lässt. Besonders Burgess Meredith scheint an seiner Darstellung des Teufels mächtigen Spaß gehabt zu haben, denn er übertreibt sein teuflisches Verhalten maßlos – was in einem Schlussbild gipfelt, welches den comicartigen Anspruch von TORTURE GARDEN unterstreicht
Image
. Es muss an dieser Stelle natürlich nichts über die visuellen Qualitäten des Films geschrieben werden. Francis‘ Werk führt diesbezüglich in der Gestaltung fort, was auch bei seinen vorausgegangenen Filmen schon beobachtet werden konnte: teils streng hierarchische Bildkompositionen, die stets den Inhalt symbolisch unterstreichen. Diese symbolische Semiotik paart sich mit greller Buntheit, die den Film ins Feld des Trivialen rückt, um so den „strengen Zeigefinger“ der inhaltlichen Aussage (also „die Moral der Geschichte[n]“) zu brechen. Was bleibt ist ein ungemein unterhaltsamer Genrefilm, der quasi als eine höchstwillkommene „Zwischenmalzeit“ zwischen solchen Freddie Francis‘ Meisterwerke wie THE SKULL oder THE PSYCHOPATH zu betrachten wäre…





Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 14.12.2019 16:47 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
SATAN IN HIGH-HEELS



Image





„I’ll beat you, mistreat you, till you quiver and qual,
female of the species is more deadly than the male!”

(Stacey in SATAN IN HIGH-HEELS)



Wenn Stacey, gespielt von Mag Myles, diese oben zitierten Liedzeilen in Jerald Intrators SATAN IN HIGH-HEELS (USA 1961) singt, dann ist der Film bereits recht weit fortgeschritten, eigentlich schon beendet, und die hiesige Femme fatale wähnt ihre Aufstiegspläne beinahe erreicht. In einem Lederoutfit mit Reitpeitsche richtet Stacey ihre Aussage an die im Publikum anwesenden Männer, die mit verstört begierigen Blicken das Ziel ihrer sexuellen Lust im Nachtclub anstarren
youtu.be Video from : youtu.be
. Man kann bei diesem beschriebenen Show-Act quasi von einem inszenatorischen Gegenmodell zu Rita Hayworths Femme fatale in GILDA sprechen: Denn Hayworths Charakter zieht sich (angedeutet durch das lässige Herunterstreifen ihrer Handschuhe) für die Männerblicke aus – und singt dabei ein Lied über weibliche Schuld (das berühmte PUT THE BLAME ON MAME), während Stacey ihre weibliche Dominanz fetischhaft zur „Schau“ stellt (das Lederoutfit und die Reitpeitsche), und zugleich in ihrem Song ihre für die Männer offensichtliche Gefährlichkeit emphatisch feiert. Dass sie soweit gekommen ist und der Auftritt im Nachtclub ein gesellschaftlicher Erfolg somit wäre, wobei „viele männliche Leichen ihren Weg gepflastert haben“, ist vor allem mit der Herkunft dieser Femme fatale zu verbinden. So ist Stacey kein Mitglied der oberen Gesellschaft, die die eigenen Reihen korrumpiert; selbst dem Mittelstand gehört sie nicht an. Ihre Figur wäre eher noch einem proletarischen Außenseitertum zuzuordnen, vielleicht könnte man bei ihr an „Laurie Starr“ aus GUN CRAZY (USA 1950) denken, die eine Kunstschützin auf einem Carneval gewesen ist. In dieser Hinsicht fällt Stacey gesellschaftlich sogar noch tiefer, denn ihre Beschäftigung auf dem Carnival ist der Striptease. So beginnt der Film: Die Striptease-Show von Stacey wird angekündigt. Die Kamera fängt dabei einen unglaublichen Verismus ein, der haufenweise glotzende Männer vor dem Stripteasezelt mit der Handkamera einfängt. Im Innenraum zieht Stacey sich gerade um, als ihr Ehemann plötzlich erscheint (ein erfolgloser Autor und Junkie), der sie gerne zurückhaben möchte. Es scheint so, dass sich seine Sucht nicht nur auf die Drogen bezieht, sondern ebenfalls auf Stacey
Image
, die sodann vorgibt, zusammen mit ihm vom Carnival zu verschwinden – dann aber doch lieber sein Geld stielt, alleine das Taxi nimmt, um in New York ihren Aufstieg als Sängerin anzutreten…


Gesagt – getan. Denn gleich im ersten Nachtclub ist man von ihr begeistert. Die Gesangstrainerin Pepe (wunderbar Grayson Hall, die zum Beispiel auch in der erfolgreichen TV-Serie DARK SHADOWS mitgespielt hat) scheint aber nicht nur von den stimmlichen Qualitäten beeindruckt zu sein, auch Stacy selbst gefällt ihr offensichtlich
Image
. All dies steigert sich, als der Clubchef seinen Segen zum neuen dortigen Star gibt. Eine Einladung zum Abendessen folgt. Noch komplizierter wird die Gefühlslage um Stacey, als dann ebenfalls der Sohn des Chefs deren Sinnlichkeit verfällt. Wobei diesmal aber ebenso Stacy nicht abgeneigt ist – „wahre“ Gefühle gegenüber dem Sohn zu investieren. Der Nachtclubboss findet schließlich heraus, dass seine Sängerin Mehrfachbeziehungen führt – so auch mit seinem Sohn. Doch soll dem Auftritt im Nachtclub nichts im Wege stehen, Stacey soll am Abend singen. Unglücklicherweise taucht dann abermals der verzweifelte Ehemann auf; Stacey manipuliert ihn nun wiederum dazu, dass er mit einer Waffe zu ihrem Chef gehen soll, der sich gegen ihre Beziehung mit dessen Sohn massiv stellt. Es kommt – wie es kommen muss…


Pepe ist die einzige Figur im Film, die Stacey durchschaut, doch ihre Warnungen an die Männer scheitern allesamt, da diese ihre Triebe nicht beherrschen können. In dieser Hinsicht wäre jene Szene herauszustellen, wenn der sonst so selbstsichere Nachtclubbesitzer schließlich flehend vor Stacey auf die Kniee fällt und sie um Verzeihung – für was? – bittet. Regisseur Jerald Intrator liebt offensichtlich das „Noir“-Kino und besonders die emblematische Femme-fatale-Figur, die er in seinem SATAN IN HIGH-HEELS ins Unermessliche steigert. Natürlich kann dessen kleiner Exploitation-Film technisch und schauspielerisch nicht mit den typischen Studio-Produktionen mithalten, aber herausgeholt wird aus dem Vorhandenen dann doch so einiges „Film-Gold“ für den geneigten Liebhaber derartiger filmischer Unterhaltung. SATAN IN HIGH-HEELS ist ein früher Exploitation-Film, der in seiner Narration nicht mehr auf den „Aufklärungseffekt“ baut (moralisch orientiert ist er natürlich weiterhin), wie dies beim Beginn des Genres üblich war; hier wird quasi „Noir“-Filmgeschichte um eine Femme fatale reflektiert…





Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 15.12.2019 16:45 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
A DOPPIA FACCIA / DAS GESICHT IM DUNKELN



Image



Riccardo Fredas A DOPPIA FACCIA zirkelt seinen Plot um den mysteriösen Hauptcharakter „John Alexander“, der von Klaus Kinski dargestellt wird. Mysteriös deshalb, da die Handlung dahingehend konstruiert ist, dass Alexander für den Tod seiner Frau Helen (Margaret Lee) verantwortlich wäre. Diese wollte ihn wegen einer lesbischen Liebesbeziehung verlassen, wobei Freda eine anfängliche Szene zeigt, die suggeriert, dass John deren Auto manipuliert habe. Die eigentliche Handlung von A DOPPIA FACCIA startet dann aber, als der Witwer zufällig auf einen „stag film“ aufmerksam wird, der bei einem nächtlichen Hippietreffen gezeigt wird. In diesem pornographischen Werk sind zwei Frauen zu sehen: die eine hat John zu diesem Treffen hingeführt, und die andere hat zwar ihr Gesicht verhüllt, doch ein Ring und eine Narbe am Nacken weisen sie für Alexander unzweifelhaft als dessen tote Frau aus. Und da der Film nach dem offiziellen Tod Helens gedreht worden wäre, muss die „Tote“ eigentlich noch leben. John Alexander zumindest ist von deren Weiterleben überzeugt…





youtu.be Video from : youtu.be





John Alexander als Privatermittler und: ist Helen Laura?



Die beiden Polizeibeamten, die in Fredas A DOPPIA FACCIA auftreten und mehr und mehr den Mordverdacht auf John lenken, dienen zwar einem bestimmten „whodunit“-Muster – was natürlich gut in die bundesrepublikanische Kinovermarktung von DAS GESICHT IM DUNKELN als weiteren „Wallace“ passt –, doch liegt der eigentliche Fokus des Films auf der Aufklärungsarbeit Alexanders, der sich durch das unheimliche „Auftauchen“ seiner toten Gattin vordergründig zunächst bedroht fühlt. Ausgelöst werden dadurch paranoide Zustände bei der Hauptfigur, die sie von der Umwelt emotional isolieren, wobei dem Zuschauer inszenatorisch impliziert wird, dass hier eine Rachestrategie durch die „tote“ Helen beabsichtigt wäre. Auf dieser Ebene nimmt der Film eine Motivik der gotischen Schauerliteratur auf, die die wiederkehrende tote Frau in den Vordergrund rückt, wie sie vor allem dann auch im schriftstellerischen Werk Poes oftmals vorkommt. Innerhalb von Riccardo Fredas Werk ist dahingehend an dessen DOCTOR-HITCHCOCK-Film zu denken, wo ebenso eine Ehefrau durch die Hände ihres Mannes stirbt und diese als Geisterwesen erscheint, um die neue Gattin in den Wahnsinn zu treiben. In A DOPPIA FACCIA wäre es nun der Mann der „Toten“, der als quasi Privatermittler diesen unheimlichen Fall aufklären möchte. Freda markiert diese Figurenfunktion des „John Alexander“ ikonographisch, indem er dem „Aufklärer“ den klassischen Trenchcoat verpasst, wie ihn die Privatdetektive in unzähligen „Noir“-Thrillern der 40er und 50er Jahre tragen, wobei diese oftmals ebenfalls eine existenzielle Krise ausleben, so wie dies auch in Fredas Werk Alexander betrifft. Dass der Trenchcoat des Hauptcharakters tatsächlich ein filmischer Dresscode wäre, zeigt sich schon darin, dass der so gekleidete Alexander sich damit von den beiden Welten abhebt, in denen er agiert – er ist quasi ein Fremdkörper in seiner eigenen Welt, die den eleganten Stil der Reichen verkörpert, und in jener, wo er ermittelt, nämlich die nächtliche Welt, welche mit Hippies, Zuhältern und anderen „dubiosen“ Gestalten bevölkert wäre. In diesem Sinne „durchlebt“ John Alexander den Plot als einsam Suchender, dessen Welt gänzlich auf den Kopf gestellt scheint, da er augenscheinlich nicht nur von der Polizei (wegen des mutmaßlichen Mordes), sondern ebenfalls von seiner Frau (die eigentlich tot sein müsste) verfolgt wird…




der neurotische Privatermittler in Fredas A DOPPIA FACCIA...

Image

Image

...und im klassischen "Noir"-Thriller:

Image

Image





Die oben beschriebene Wiederkehr der toten Frau, ob nun als gotischer Racheengel oder als wirkliche Geliebte, die von den Toten aufersteht, wird etwa in Hitchcocks VERTIGO (USA 1958) durch das Doppelgänger-Motiv ausgelöst (siehe beispielsweise auch Fulcis UNA SULL’ALTRA). Ein weiteres motivisches Element, welches eine vorgegeben Tote „verlebendigt“, wäre im Zusammenhang mit dem „Noir“-Kriminalfilm ein bildliches Medium, wie es zum Beispiel in Humberstones I WAKE UP SCREAMING (USA 1942) und besonders dann auch in Premingers LAURA (USA 1944) vorkommt. In Verbindung mit Fredas Werk möchte ich das „doppelte“ Gesicht vor allem mit LAURA verbinden, denn ebenso dort tritt die „Tote“ für die männliche Hauptfigur zunächst durch ein „Bildmedium“ ins Leben zurück. Während es in Premingers Werk der Polizist Pherson (Dana Andrews) ist, der sich durch ein Gemälde die „Tote“ imaginiert, stellt sich dies in Fredas A DOPPIA FACCIA durch das Filmmedium dar, das sogar mit „bewegten Bildern“ für Alexander die Illusion erzeugt, Helen wäre am Leben. Insofern ist das Dekorum des DUNKLEN GESICHTS durchaus zeitbezogen modern; doch der figürliche „Kern“ von Fredas Film skizziert wiederum ein gotisches Schauermotiv, welches dann auch diesmal den neurotischen Männertypus des klassischen Thrillers zu verfolgen scheint…





in LAURA ist das Gemälde das bildliche Surrogat für die "Tote"...

Image

Image

in Fredas Werk wird die "Tote" durch einen Film für den Hauptcharakter "lebendig"...

Image

Image


Last edited by Howard Vernon on 17.12.2019 17:00, edited 1 time in total.

Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 16.12.2019 18:25 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
NIGHTWISH



Image




Schwierig, ja, eigentlich unmöglich ist es, die Inhaltsangabe zu einem Film zu geben, der gerade gegen ein logisches Prinzip aufgebaut ist. Der Plot verfolgt sodann keinen linearen Weg, der von „A“ nach „B“ führt, bestenfalls ist ein Handlungszyklus angelegt – so auch in dem 1989 gedrehten NIGHTWISH von Bruce R. Cook. Vor allem nach dem kommerziellen Erfolg von A NIGHTMARE ON ELM STREET (USA 1984) sollte eine Vielzahl von Slasher-Filmen in den USA entstehen, die eine „Traumlogik“ verarbeitet haben, ein Beispiel hierfür wäre BAD DREAMS (USA 1988). In diesem Trend möchte ich dann ebenfalls NIGHTWISH angelegt sehen, obgleich wir es hier nicht unbedingt mit dem Slasher-Genre zu tun hätten, vielmehr werden die unterschiedlichsten Genreelemente miteinander vermischt. So könnte der Anfang ein Horrorfilm sein, während der Mittelteil und der Schluss sich in ein überdrehtes Science-Fiction-Happening verwandeln. Mit anderen Worten: Wir bekommen im Laufe des Films die verschiedenen Traumwahrnehmungsebenen der Figuren erzählt. Und bezogen auf die Entstehungsgeschichte von NIGHTWISH in den späten 80er Jahren heißt dies natürlich, dass eine Menge schleimiger „Lovecraft“-Monster erscheinen, handgemachte Effekte also, die einer unwirklichen Beleuchtung ausgesetzt sind, um das Irreale des Plots zu unterstreichen
Image
. Optische Effekte gibt es außerdem dazu (etwa die „Schlangenszene"), wobei selbstverständlich zahlreiche Zitate der Horrorfilmgeschichte gesetzt werden – denn immerhin befinden wir uns in einer Hochphase des postmodernen Erzählens…


Die Rahmenhandlung, die die diversen Einzelepisoden zusammenhalten soll, beschreibt eine Gruppe von Studierenden, die bei ihrem Professor (Regisseur Jack Starrett – unter anderem von RACE WITH THE DEVIL) in einem abgelegenen Haus erscheinen sollen, um Traumexperimente durchzuführen, welche zudem Kontakt zum Übernatürlichen erbringen würden. Bereits die Anfahrt der jungen Leute zum „Geisterhaus“ ist ein Zitat, wenn in einem Van das Abenteuer angegangen wird
Image
und auf der Landstraße ein totes Tier einsam liegt – wobei es hier von Brutalo Dean (Brian Thompson) höchstselbst überfahren wird. Das Haus auf dem Hügel (!) könnte aus PSYCHO oder besser von EVIL DEAD entnommen sein, jedenfalls bietet es die gelungene Kulisse für die unheimlichen Experimente. Köstlich ist dabei das Erscheinen des Faktotums Stanley, das den Worten des Professors zwar auf debile Weise, dafür aber haargenau folgt. Gespielt wird „Stanley“ von Robert Tessier, den man aus vielen Actionfilmen dieser Zeit kennen dürfte, und der hier offenbar das schauspielerische Können von Tor Johnson aus den Ed-Wood-Filmen imitiert (die Körperpräsenz ist ja außerdem gegeben). Schließlich wird die experimentelle Phase zunehmend extremer, denn der Professor verlegt sich nun auf satanistische Rituale
Image
, die das Übernatürliche heraufbeschwören – warum denn aber auch Aliens in den unterirdischen Gängen des Hauses erscheinen, dies sollte der geneigte Zuschauer sich dann lieber gleich selbst anschauen…





Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be


Last edited by Howard Vernon on 17.12.2019 20:35, edited 1 time in total.

Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 17.12.2019 16:55 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
PARASITE



Image



Ein globaler Konzern ist mit der Regierung ein todbringendes Bündnis eingegangen. Dabei herausgekommen ist eine quasi biologische Waffe, die sich als tödlicher Parasit entpuppt, welcher – im Stil von ALIEN – aus den unfreiwilligen Wirtskörpern sich herausfrisst
Image
. Der Wissenschaftler Dr. Dean (Robert Glaudini) hat den Parasiten entwickelt, ging aber nicht davon aus, dass er damit sein eigenes Land ins Chaos stürzen wird. Darüber hinaus wurde er selbst bei einem Experiment durch den Parasiten infiziert, so dass dieser in seinem Körper nun weiterlebt. Doktor Dean flieht daraufhin aus der Stadt aufs Land, um dort zu erforschen, was gegen den Parasitenbefall unternommen werden könnte. Doch die Zeit eilt: Denn zunächst einmal ist Deans Körper selbst betroffen, und weiterhin ist ihm schon ein Vertreter des Weltkonzerns auf der Spur, der mit dem Versuchsparasiten schlimmes anstellen möchte. Was genau, erfährt der interessierte Zuschauer allerdings nicht. Der 1982 in den USA entstandene PARASITE umreist seinen Science-Fiction-Plot nur leicht; Regisseur Charles Band geht allenfalls auf wenige Handlungseckpunkte ein, um ein apokalyptisches Bild vom Jahr 1992 zu zeichnen…


Die fehlende Handlungsfülle wäre hier indes kein Grund zur Klage. PARASITE konzentriert sich vielmehr darauf, das Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem fliehenden Forscher und seinem Verfolger, der ein kaltblütiger Killer ist, darzustellen. Und da der Großteil des Films in einer abgelegenen Wüstenstadt spielt, die fast entvölkert wäre, kommt neben der Science-Fiction-Handlung dann auch ein kleines bisschen „Western-Atmosphäre“ auf. Dr. Dean verbündet sich mit Patricia (Demi Moore), ein junges Mädchen aus der Stadt, die ihm hilft, etwas gegen den Parasiten zu unternehmen. Gleichwohl ist nicht nur der Killer das Problem. Der Ort wird zudem von einer Gruppe Punks terrorisiert, wobei Ricus (Luca Bercovici, der später GHOULIES drehen sollte), der Anführer der gewalttätigen Gang, denn außerdem ein weiteres Parasitenexemplar des Doktors entkommen lässt. Die Mischung aus Parasiten, Killer und Gangmitgliedern lassen für Doktor Dean jedenfalls keine Langeweile aufkommen…


Gilt das ebenso für den Zuschauer? Ich zumindest kann die Frage heute mit einem großen NEIN beantworten. Ich meine mich zu erinnern, dass ich PARASITE in seligen Videozeiten einmal in der Videothek ausgeliehen habe – und war vom KILLERPARASIT damals nur wenig begeistert. Dankenswerter Weise hat es jüngst jedoch eine Neuauflage gegeben, so dass man sich nun von der durchaus vorhandenen visuellen Qualität des Films (neuerlich) überzeugen kann. Zumal PARASITE als 3D-Film im Kino veröffentlich werden sollte (und jetzt auf Blu Ray wiederum in 3D vorliegt) – in den frühen 80ern hatte es diesbezüglich eine kleine Renaissance des 3D-Kinos gegeben. Selbst in der 2D-Version erkennt man gut die plastisch herausgearbeiteten Raumeffekte, wenn zum Beispiel der Parasit sich von der Decke löst und langsam auf die Kamera schwebt
Image
; der beste 3D-Effekt dürfte aber sein, wenn aus einem Rohr, das im Bauch eines Opfers steckt, Blut fließt
Image
– und somit ins Popcorn der Kinozuschauer tropft (so die Idee des Regisseurs). PARASITE hat eine Menge optischer Spielereien zu bieten, wobei sodann die hier gegebene Roadmovie-Science-Fiction-Western-Genrestruktur dann auch schon wieder selbst parasitär wäre…





Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 18.12.2019 19:45 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
DEAD & BURIED



Image





„WELCOME TO POTTERS BLUFF – A NEW WAY OF LIFE”


…heißt es auf dem Ortsschild des kleinen Städtchens, wo jeder jeden kennt. Dennoch geschehen in Potters Bluff merkwürdige Dinge – ja, sogar zwei sonderbare Todesfälle hat Sheriff Dan (James Farentino) aufzuklären, wobei ihm der mangelnde Erfolg sogleich den Spott der anderen Mitbewohner einbringt. Mehr und mehr kommt er aber dahinter, dass die Toten offenbar umgebracht worden sind. Doch warum? Welche Motive verbergen sich hinter den Morden? Der Zuschauer weiß zumindest die Todesumstände. Zunächst wird ein Fotograph am Strand von einer attraktiven jungen Frau (Lisa Blount) in die Falle gelockt, während eine Gruppe der Kleinstädter – darunter auch ein Charakter, der von Robert Englund dargestellt wird – den Mann kaltblütig umbringt
Image
. Anschließend muss ein weiterer Besucher von Potters Bluff daran glauben, und wieder ist es die gesamte Stadt, die sich am Morden beteiligt. Sheriff Dan erhofft sich Hilfe vom örtlichen Leichenbeschauer Dobbs (Jack Albertson), der allerdings auch keinen Beitrag zur Aufklärung der ungelösten Mordfälle beitragen kann. Und dann verwundert ebenso das Verhalten von Dans Frau (Melody Anderson), eine Lehrerin, die ihre Schüler nicht nur über Hexerei und Voodoo belehrt, sondern ebenfalls den Leichenbeschauer über die schwarzen Künste befragt, durch die die Toten wiederbelebt werden sollen. Geschieht etwa ein magischer Vorgang in Potters Bluff? Denn offenbar kehren die Toten wirklich wieder…


Es heißt oftmals ja, dass die sogenannte „Splittersequenz“ in Fulcis ZOMBI 2 (Italien 1979) wohl die sinnbildlichste Szene im neueren Horrorfilm sei. Gleichwohl gibt es in Gary Shermans DEAD & BURIED (USA 1981) durchaus etwas Vergleichbares, nämlich jene Sequenz, wenn die junge Frau vom Strand das erste Opfer im Krankenhaus dann „final“ besucht und ihm eine lange Spritzennadel ins Auge sticht
Image
. Auch weitere graphische Szenen lassen oberflächlich vermuten, dass wir hier einen Film vor uns hätten, der im damaligen filmischen Zeitgeist ganz angelegt wäre und wo die Tötungsszenen sodann blutig ausgespielt werden. Doch dieser erste Eindruck trügt. Ich sehe in DEAD & BURIED einen ungemein poetischen Film, der mit den Themen „Tod“ und „Verfall“ auf sehr geschickte Weise spielt. Das Bewusstsein des Menschen, irgendwann nicht mehr zu existieren, wird dahingehend in DEAD & BURIED überwunden, indem es hier keine christliche Heilserlösung gibt, sondern dafür eine medizinische Methode, die anscheinend selbst übersinnliche Kräfte besitzt und somit nun über den Tod triumphiert. Bereits die anfängliche Szene am Strand fängt diesbezüglich eine dekadente Stimmung ein, wenn in einem drüben Licht ein Fotograph die vergänglichen Dinge der Welt durch Fotographie für die Ewigkeit „präparieren“ will
Image
und dabei auf eine junge Frau stößt, deren Schönheit endlich ist. (Oder eben doch nicht?!) Und dieses Präparieren des Lebens wäre ebenfalls die Aufgabe des Leichenbeschauers, der daraus hier, in DEAD & BURIED, eine Kunst des „Weiterlebens“ macht. „Bewahrt“ wird im hiesigen Film aber auch eine bestimmte Zeitphase der USA. Es werden Songs aus den 40er und 50er Jahren gespielt, und die „Wiederbelebten“ kleiden sich nach der Mode dieser Zeit. Jack Albertson, der zur Drehzeit bereits todkrank gewesen war und kurze Zeit später verstarb, hatte vor allem in den 50er und 60er Jahren zahlreiche Rollenangebote und verkörpert somit ebenso diese „vergangene Zeit“. DEAD & BURED wäre insofern extrem nostalgisch und sentimental, indem der Film auf etwas unwiederbringlich Vergangenes referiert…


Wenn Gary Shermans DEAD & BURIED ebenso ein „Zombiefilm“ sein will, so wäre es einer der „ersten Welle“, wie sie mit WHITE ZOMBIE in den 30er Jahren losgetreten wurde. Explizit wird im Film auf Voodoo angespielt, was vor allem an VOODOO MAN mit Bela Lugosi denken lässt. Und von seiner nostalgisch bedrohlichen Atmosphäre her passt Shermans Film von 1981 dann auch recht gut zu DEAD OF NIGHT, den Bob Clark in den frühen 70er Jahren drehen sollte, und wo ein Kriegsveteran den zombiehaften „Wiederkehrer“ gibt. Thematisch ähnlich wäre darüber hinaus EVIL TOWN von Edward Collins, der viele Szenen von 1972 enthält (dies der Drehbeginn), doch abschließend erst in den 80ern mit neuen Szenen aus dieser Zeit veröffentlicht wurde. In EVIL TOWN geht es gleichsam um eine Kleinstadt, in der ein Arzt Experimente an jungen Leuten durchführt, damit die „Alten“ weiterleben. Ach ja, auch Sheriff Dan muss am Schluss von DEAD & BURIED eine schockierende Entdeckung machen, die den Kreis der Ereignisse schließt…









Image









Trailer:

youtu.be Video from : youtu.be








Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 20.12.2019 15:24 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
Laird Cregar: „Maniac” in HANGOVER SQUARE



youtu.be Video from : youtu.be



Denkt man an William Lustigs MANIAC von 1980, dann tritt unmittelbar die grandiose Darstellung Joe Spinells vor das geistige Auge, nämlich die Art, wie der Schauspieler den Wahnsinn seiner Figur interpretiert. Spinells „Frank Zito“ schaut schwitzend und mit starrem Blick hinein in seine Umwelt, wenn ihm wieder einmal eine manische Phase im Verlauf des Films überwältigt
Image
. Darüber hinaus ist es aber ebenso die massige Körperlichkeit des Schauspielers, die den Zuschauer die Brutalität der Rolle spüren lässt – kombiniert mit mentalen Zuständen, in denen der Charakter des „Maniacs“ durchaus liebevoll und charmant erscheint
Image
. Blickt man filmhistorisch hinsichtlich der „Maniac“-Figur etwas zurück, so trifft man natürlich vielfach auf Vorbilder, die Lustigs „Slasher“-Film als Inspirationsquelle gedient haben könnten. Doch konkret auf Joe Spinell und seine Interpretation des Wahnsinns bezogen, erscheint mir hier dann durchaus eine Analogie zum Schauspieler Laird Cregar gegeben, der selbst eine Vielzahl von manisch veranlagten Außenseitern gespielt hatte
Image
. Cregar kann nur eine recht kurze, dennoch aber bedeutende Filmographie vorweisen, da er 1944 mit nicht einmal 30 Jahren gestorben ist. Was zunächst einmal an diesem Schauspieler auffällt, wäre die bullige Erscheinung Cregars, welche ihn maßgeblich vom glatten „Hollywood-Schönling“ wegrückt. Undurchsichtige und moralisch instabile Rollen waren für solch einen „Charakter“ in Hollywoods „Traumfabrik“ sodann natürlich die Folge: Etwa im Thriller-Klassiker THIS GUN FOR HIRE, den Frank Tuttle 1942 gedreht hat; in der Hauptrolle mit Alan Ladd als „engelhaften“ Killer und mit Cregar, den man seine Zugehörigkeit zur Unterwelt direkt ansieht (ansehen soll). Gleichwohl war es dann aber ein anderer Film, der Cregar eine Hauptrolle sichern sollte: THE LODGER von 1942. In diesem inszenatorisch brillanten Film von John Brahm spielt Cregar kongenial den englischen „Ripper“, wobei das sexualpathologische Motiv des London-Killers später dann auch in Sergio Martinos TORSO auftauchen sollte, so dass der viktorianische Thriller Brahms denn ebenso im „Giallo“-Kino der frühen 70er Jahre sein Denkmal gesetzt bekam…





Cregar in THE LODGER...

Image





Der kommerzielle Erfolg von THE LODGER verlangte natürlich bei den Produzenten einen Nachschlag, der sich in Gestalt von HANGOVER SQUARE zeigen sollte und 1945 – wiederum unter der Regie Brahms – veröffentlicht wurde. Da der Plot von HANGOVER SQUARE die Jack-The-Ripper-Handlung von THE LODGER nur wenig variiert, musste das Setting wieder in dieser historischen Periode spielen. Insofern ist ebenso Cregors Rolle dem viktorianischen Zeitsetting angepasst worden: Er stellt einen erfolgreichen Komponisten dar, der jedoch „Aussetzer“ hat, an die er sich später nicht mehr erinnern kann. Mit Hilfe eines Polizeipsychologen – gespielt von George Sanders – gelingt dem Musiker es aber, die verbliebenen Erinnerungsfetzen zu einem Gesamtbild zu verbinden, so dass er seinen mörderischen Trieb erkennt, gegen den er nichts machen kann. Doch für immer sich „wegschließen zu lassen“, dieses Schicksal möchte der Komponist nicht erfahren, weshalb er schließlich seinen wiederkehrenden Wahnsinn völlig auslebt - und sodann in einem großartigen Finale den Selbsttod wählt. Hierbei ist es besonders der Soundtrack Bernhard Herrmanns, der die ausbrechende Raserei der Hauptfigur auf einzigartige Weise musikalisch verkörpert. So spielt der „Maniac“ seine fertiggeschriebene Komposition in einem Konzertsaal, der vollständig in Flammen steht - ist das Feuer hier doch das Symbol für seine „Verrücktheit“. Gerade diese „Konzert“-Szene erinnert an den Selbstmord in Lustigs MANIAC, wenn „Frank“ sich in seinem Wahn einbildet, ihn würden seine Opfer heimsuchen. Überhaupt ähnelt Spinells Ausdruck – wir deuteten es bereits an – ungemein der physiognomischen Darstellung Cregars in HANGOVER SQUARE, wenn seiner neurotisch gewordenen Figur beinahe die Augen aus den Augenhöhlen herauszuspringen scheinen und sie – wie ein verängstigtes Tier – verwirrt umherblickt. Und zugleich scheint „Franks“ Wohnung derjenigen aus I WAKE UP SCREAMING (USA 1942) zu gleichen, wo Cregar einen obsessiven Polizisten spielt, der ein ermordetes Starlet anbetet. Dabei richtet der Polizist sich einen Wohnschrein ein, der mit Bildern der Toten ausgeschmückt ist - also genauso wie in MANIAC, wo die Frank-Figur die Haare der ermordeten Opfer reliquiengleich verehrt. H. Bruce Humberstone, der Regisseur von I WAKE UP SCREAMING, hat mit seinem Film ein ungemein zynisches Bild des Showgeschäfts geschaffen, wobei Cregors Polizist sich an dieser Welt der Illusionen rächen will. Er stellt deshalb dem Sportpromoter Frank (Victor Mature) nach, der zwar unschuldig am Mord des Starlets wäre - doch die Tote für die Welt "des schönen Scheins" korrumpiert hatte…





Cregors Polizist in I WAKE UP SCREAMING, der sich mit den Bildern seiner toten Angebeteten umgibt...
Image

und Franks Reliquenraum in MANIAC...
Image

Image




Die Parallelen zwischen HANGOVER SQUARE und MANIAC werden noch deutlicher, wenn wir uns hierzu der literarischen Quelle von Patrick Hamilton bedienen, die ursprünglich ein Setting für Brahms Film vorgesehen hatte, welches jener Welt in Lustigs Werk extrem vergleichbar wäre. Wir sprachen diesbezüglich schon an, dass für THE LODGER ein Nachfolgefilm angestrebt wurde, so dass sich die viktorianische Welt des Jack The Ripper in HANGOVER SQUARE wiederholen musste – mit Cregor in der Hauptrolle des Killers. Vergegenwärtigen wir uns dahingehend die trostlos verfallene New Yorker Umwelt in MANIAC, so stellt sich dann eigentlich topographisch dar, was Hamiltons Roman ursprünglich für eine Lebenswirklichkeit für seinen Hauptcharakter vorgesehen hatte: Dieser „was not a composer at all; he was common (and poverty-sticken) drunk, who could not recall the crimes he committed for the simple reason that he was always lost in an alcoholic haze when he stuck.“ (Zitiert nach Alan Silver u. a. [Hg.]: FILM NOIR. THE ENCYCLOPEDIA. New York – London. S. 126.) Und ein zweiter Punkt in Brahms HANGOVER SQUARE ist die Figur des Polizeipsychologen, der den Komponisten als den Mörder verdächtigt und dessen Spur verfolgt. Auch Lustig wollte als Sub-Plot einen Polizisten einbauen, der dem Maniac nachspürt; dies wurde dann aber aus dem Drehbuch gestrichen. Eine weitere Gemeinsamkeit wäre zudem die weibliche Figur, die sich sowohl in HANGOVER SQUARE als auch in MANIAC mit dem Killer gut stellt und ihn zu verstehen versucht. In Brahms Film gibt es die Figur der „Barbara“ (Faye Marlowe), die ebenso musiziert und für den verwirrten Komponisten immer wieder Verständnis aufbringt
Image
– Lustig konzipiert dagegen die Figur der „Anna“ (Caroline Munro), eine Fotokünstlerin, die sich mit „Frank“ anfreundet
Image
. Doch die größte Gemeinsamkeit zwischen beiden Filmen bleibt die präsentische Wirkung der zwei Schauspieler Cregor und Spinell, die Brahms und Lustigs Thriller dann so augenfällig verbindet…





die Erinnerung des Musikers kommt zurück - aus HANGOVER SQUARE...
youtu.be Video from : youtu.be


MANIAC-Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 22.12.2019 19:08 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
FOES



Image



Ein Leuchtturmwärter und seine Frau erblicken eines Tages ein unbekanntes Flugobjekt, das in unmittelbarer Nähe ihrer abgelegenen Insel am blauen Himmel schwebt. Als der Mann sich mit seiner skeptischen Frau dem UFO nähern, wird er von einem Wärme- oder Lichtfeld tödlich verbrannt, während seine Frau schwere Verbrennungen davonträgt. Parallel dazu kommen zwei Freizeittaucher auf der Insel an, die die Gegend erkunden wollen und finden dort die verletzte Frau. Die Drei versuchen nun, von der Leuchtturminsel zu fliehen; doch gelingt das zunächst nicht, da das UFO deren Fluchtversuche unterbindet. Einer der Männer nimmt schließlich die Gefahr auf sich, mit einem Schlauchboot Hilfe zu holen. Zwischenzeitlich organisiert das Militär einen Rettungshubschrauber, der die zwei Überlebenden von der Insel holt. Der Mann in seinem Schlauchboot bleibt jedoch vermisst; ein Junge findet ihn dann: er liegt tot am Strand – und gleichzeitig werden die zwei Geretteten durch Alpträume an das unbegreiflich Erlebte erinnert. Mit einer neuen UFO-Meldung endet der Film…


FOES ist ein low-low-budget-Science-Fiction-Film (USA 1977), der seine außerirdischen Feinde nicht als Klischeemonster aus dem 50er Jahre Kino auftreten lässt. Sondern mit gelungenen optischen Effekten (natürlich „handgemacht“) gelingt es Regisseur John Coats, eine unheimliche Spannung vor dem Unbekannten aufzubauen. Denn wahrlich rätselhaft bleibt der Film bis zum Schluss. Der Plot gibt keinerlei Erklärung für das Auftauchen der extraterrestrischen Macht. Ja, die fremden Eindringlinge aus dem All erscheinen als Lichtwesen, als Kraftfelder, die – verbunden mit einem sphärischen Sound – sich der Menschheit feindlich nähert. FOES stellt damit eine bösartige Invasion der UFOs dar, die diesmal allerdings gänzlich anders gestaltet wäre, als dies der B-Film zuvor visualisiert hat. Zudem ist es sehr effektiv inszeniert, dass die Handlung sich quasi auf nur vier Menschen konzentriert, die auf der Insel festsitzen und sich gegen die fremden Feinde nicht wehren können – für den Kinoeinsatz wurde diese beklemmende Intimität leider etwas zerstört, indem neue Szenen mit anderen Charakteren eine erweitere Filmfassung – die offizielle – ergeben haben (Kinofassung: ca. 91 Minuten, ursprünglicher Cut: ca. 72 Minuten – hierfür lag die Blu Ray von GARAGEHOUSE PICTURES vor, die beide Fassungen bereithält). So will FOES kein Erzählkino sein. Der Fokus liegt hier klar beim Atmosphärischen, nämlich darauf, wie das für den Menschen nicht-Fassbare Gott-gleich am Horizont erscheint und somit unkontrollierbar für den hilflosen Erdenbewohner wird. In FOES folgen minutenlang eindrucksvolle Szenen mit Lichtspielereien am nächtlichen Himmel, wodurch die Handlung des Films sich zwar nicht weiterentwickelt, dafür aber das so gezeigte Unbekannte eine eruptive Aura der Bedrohung für den Zuschauer aufbaut. Spielbergs CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND fällt dabei als Gegenbeispiel ein, da dort das Außerirdische freundlich gesinnt ist und durch Musik mit den Menschen kommunizieren will. Solch Altruismus gibt es in FOES indes nicht – die extraterrestrische Aggressivität und der gesamte Film bleiben ein großes Rätsel. Von daher hat FOES mehr mit Peter Weirs PICNIC AT HANGING ROCK gemein, als dass der Film ein typischer Genrevertreter seiner Art wäre…





youtu.be Video from : youtu.be


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 06.01.2020 16:03 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
NIGHTMARE ALLEY



Image





Eines der stets wiederkehrenden Themen im sogenannten „Noir“-Film des USA-Kinos der 40er und 50er Jahre wäre unter anderem die Unausweichlichkeit des Schicksals, dem der Hauptcharakter unterworfen ist. Es gibt hierfür wohl kein besseres Beispiel als Ulmers DETOUR (1945), wo der Hauptcharakter seine schicksalhafte Verknüpfung in einem inneren Monolog immer wieder deutlich macht. NIGHTMARE ALLEY, den Edmund Goulding 1947 für „20th Century Fox“ drehen sollte, wählt für diesen Schicksals-Determinismus sodann als einführendes Setting den Carnival mit seinen zwielichtigen Side-Shows. Bei einer solchen arbeitet der junge Stanton, der versucht, an den Trick für eine Zaubernummer zu kommen, die von der Kartenlegerin Zeena (Joan Blondell)
Image
und ihrem alkoholsüchtigen Mann (Ian Keith) vorgeführt wird. Stanton startet eine Liebesbeziehung mit Zeena, schlägt ihr sogar vor, gemeinsam mit ihr den Mentalisten-Act vorzuführen. Als Zeenas Mann elendig stirbt – durch reinen Alkohol, den er von Stanton unabsichtlich bekommen hatte –, erfüllt sich der Traum des jungen Mannes und Zeena und Stanton studieren die Show ein. Zeena sieht zwar in ihren Karten das Unheil kommen, welches ihren Mann ereilen sollte
Image
, doch die Show muss ja weitergehen. Gleichwohl hält das Glück mit Zeena nicht lange, denn Stanton fängt gleichzeitig eine Affäre mit Molly (Coleen Gray)
Image
an, eine gutherzige junge Frau, die ebenfalls den mentalistischen Trick Zeenas kennt. Stanton und Molly werden zur Heirat gezwungen – und verlassen darauf den Carnival. Sie sind nun also auf sich selbst gestellt. Da beide, Stanton und Molly, den Trick mit der Gedankenshow kennen, versuchen sie eine eigenständige Show mit ihrem gewonnenen Wissen aufzustellen. Als „The Great Stanton“ beginnt ein unglaublicher Aufstieg für Stanton, der in Nachtclubs beginnt und letztlich in die bessere Gesellschaft führt, wo Stanton als Spiritualist agiert. Zwischenzeitlich taucht Zeena auf, da der Carnival gerade überwintert; als sie in ihren Karten das Schicksal Stantons voraussieht, verlässt sie das junge Paar, wobei Stanton seinerseits von seinem Erfolg an Zeena nichts abgeben möchte. Eine Psychiaterin (Helen Walker)
Image
, die einen guten Einblick in den Kreis der Reichen hat, da diese Patienten von ihr sind, versucht dem attraktiven Stanton näherzukommen. Beide fassen den Plan, aus den geheimen Geständnissen der Reichen, die auf der Couch der korrupten Psychiaterin liegen, Kapital zu schlagen. Molly, die bei diesen Betrügereien eigentlich nicht mitmachen will, verrät bei einer Geisterbeschwörung den Betrug – Stanton fliegt auf und sein Abstieg beginnt…


Lee Garmes, der DoP von NIGHTMARE ALLEY, lässt in den nächtlichen Szenen eine Atmosphäre des Unausweichlichen entstehen, indem die Figuren von harten Schlagschatten als „verdammt vom Schicksal“ bezeichnet werden
Image
. Überhaupt gibt es in Gouldings Film kaum Szenen am Tage, den Glamour Hollywoods finden man hier jedenfalls nicht. NIGHTMARE ALLEY wäre somit ein Drama um eine Rise-and-Fall-Geschichte, die formal gänzlich im „Noir“-Stil aufgeht. Herausheben muss man dabei die Interpretation von Power, der in diesem Werk gegen sein sonstiges Image als „sauberer Held und Frauenschwarm“ anspielt, wobei er ebenso in NIGHTMARE ALLEY den Anziehungspunkt für Zeena, Molly und Lilith, die Psychiaterin, bildet. Doch „Stanton“ nutzt seine körperliche Attraktivität, um seine Aufstiegsziele schneller zu erreichen
(zugleich wird er aber gnadenlos von „Lilith“ ausgenutzt, so dass wird nicht nur einen „homme fatal“, sondern ebenfalls die weibliche Variante in NIGHTMARE ALLEY haben)
. NIGHTMARE ALLEY ist sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch so dermaßen „finster“ angelegt, so dass das Fox-Studio darauf bestanden hatte, wenigstens dem Schluss einen kleinen Hoffnungsschimmer zu geben und das Ganze nicht in diesem radikalen Nihilismus enden zu lassen. Aber auch das fertiggestellte Ende – welches dann tatsächlich etwas „Licht“ in den dunklen Filmraum bringt (metaphorisch betrachtet allerdings nur) –, trägt nur wenig dazu bei, NIGHTMARE ALLEY seine depressive Grundstimmung zu nehmen. Stanton weiß wohl schon am Filmanfang, welches Schicksal ihn erwarten wird, wenn er im Carnival den „geek“ sieht
Image
, eine traurige, heruntergekommene Figur, die in ihrem Wahn und Rausch lebendigen Hühnern den Kopf abbeißt und nachts im Carnival alkoholisiert randaliert. Stanton bekundet dann auch, als er zum Schluss selbst den „geek“ geben muss: „I was made for it“, worin die Erkenntnis der eigenen (vorbestimmten) Verdammnis sich exemplarisch widerspiegelt. NIGHTMARE ALLEY reflektiert möglicherweise die Orientierungslosigkeit einer Männergeneration, die gerade aus dem Zweiten Weltkrieg heimgekehrt ist und kaum Chancen für sich sieht, den „Amerikanischen Traum“ zu realisieren. Verbrechen und Betrügereien scheinen hierbei die einzige Möglichkeit zu sein, um in der kapitalistisch ausgerichteten Gesellschaft voranzukommen – doch letztlich wird jeder dann zum „geek“. NIGHTMARE ALLEY ist ein essentieller „Film Noir“ – einfach großartig!!!... „so dark the night“…





Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be









DESPERATE

Image





Auch Anthony Manns DESPERATE von 1947 beschreibt die einflussnehmende Kraft des Schicksals im Plot; und ebenso dort können die im Film Handelnden ihren einmal eingeschlagenen Weg nicht mehr verlassen – zumindest fast. Steve (Steve Brodie), der gerade die Armee verlassen hat und als selbstständiger LKW-Fahrer Arbeit sucht, ist frisch mit Anne (Audrey Long) verheiratet. Eigentlich will das junge Paar einen gemütlichen Abend miteinanderverbringen
Image
, doch plötzlich klingelt das Telefon und Steve bekommt ein verlockendes Angebot: Er soll noch eine Lieferung am Abend annehmen. Die 50 Dollar locken so sehr, dass Steve den spontanen Auftrag akzeptiert. Dabei stellt sich jedoch heraus, dass ein Bekannter von Steve dahintersteckt, ein Kleinkrimineller (Raymond Burr)
Image
, der mit seiner Gang ein Warenlager ausrauben möchte und dafür noch ein Fluchtwagen für den Abtransport benötigt, weshalb er an Steve gedacht hatte. Dieser merkt allerdings zu spät, dass er unwissentlich an einem Raub beteiligt ist. Die Ereignisse überschlagen sich während des Raubs und Steve muss mit ansehen, wie ein Wachmann von der Bande erschossen wird. Den Bruder des kriminellen Oberbosses fasst die Polizei, der Rest der Bande und Steven können entkommen. Steve will umgehend zur Polizei gehen, aber die Gangster drohen, dass sie seiner Frau etwas antun werden, sollte er den Raub nicht auf seine Schultern nehmen. Steve informiert somit nicht die Polizei, sondern flieht mit der schwangeren Anne aufs Land, wo diese Verwandte hat. Gleichzeitig haben die Kriminellen die Spur aufgenommen und können schließlich Steve ausmachen…


Steve denkt, dass er richtig handelt, indem er mit seiner Frau vor den Gangstern flieht. Aber gerade dieses Handeln setzt einen Fatalismus in Gang, der das „Noir“-Potenzial von Manns DESPERATE erst richtig ausspielt. So will Steve auf seiner Flucht ein Auto kaufen, dass er erst selbst herrichten muss; als der Verkäufer merkt, dass das Auto nach der Reparatur mehr wert als die bezahlten 90 Dollar ist, verlangt er sofort 300 Dollar dafür. Steve muss also sein bezahltes Auto stehlen, wobei es nach kurzer Strecke liegenbleibt. Ausgerechnet ein Sheriff nimmt das Paar mit. Und während der Fahrt kommt eine Beschreibung über Funk durch, die Steve als Autodieb klar identifiziert. Nach einem Handgemenge verunglückt der Sheriff im Auto, so dass Steves Schwierigkeiten immer massivere Züge annehmen. Denn der eigentlich Unschuldige ist unberechtigt auf der Flucht und wird quasi automatisch in die Kriminalität hineingezogen, ohne dass er etwas dagegen machen kann
Image
. Ähnlich fatalistisch verläuft beispielsweise auch der Plot in Fritz Langs YOU ONLY LIVE ONCE, der noch in den 30er Jahren, also vor der eigentlichen Etablierung des „Noir“-RKO-Stils, entstanden war. Gleichwohl scheint DESPERATE zweigeteilt, da sich – wohl „Produktion-Code“-bedingt – die hoffnungslose Lage, in die Steve hineingezogen wurde, mehr und mehr „aufhellt“. So glaubt die Polizei Steve, dass er nichts mit dem Raub zu schaffen hat; indes will sie ihn als „Lockvogel“ für die Gangster einsetzen. Unterdes schließt Steve nach der Geburt seines Kindes eine Lebensversicherung ab. Mental ist er jetzt bereit, sich von den Gangstern erschießen zu lassen, damit seine Familie das Geld von der Versicherung bekommt. Steve frönt zum Schluss regelrecht dem „amor fati“-Theorem Nietzsches, wie es viele Jahre später dann auch die Figuren in THE WILD BUNCH machen werden, wenn sie in ihren sicheren Tod gehen und das sogar begrüßen („Let’s go“ – „Why not“). Anthony Manns Inszenierung changiert zwischen einem Alltagsrealismus (zum Beispiel das Hochzeitsfest auf der Farm) und extrem stilisierten Szenen
Image
. Das Finale ist in seiner spannungsevozierenden Montagetechnik außerordentlich: Steve wird von den Gangstern gefangen genommen und soll genau zu der Sekunde liquidiert werden, in der der Bruder des Gangsterbosses seine Hinrichtung im Gefängnis erfährt. Da Steve zu diesem Zeitpunkt schon alles egal ist, entlädt sich schließlich die Gewalt – und in Manns Kino heißt das für den Zuschauer: „Es werden keine Gefangenen gemacht“. Das Schicksal schlägt wieder unbarmherzig zu…


Last edited by Howard Vernon on 15.01.2020 17:25, edited 2 times in total.

Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: 14.01.2020 17:33 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
THE SNIPER



Image





Eddie Miller (Arthur Frank) ist ein Waffennarr – und außerdem wird er von einem unbändigen Frauenhass angetrieben. Eine ungünstige Kombination, wie die örtliche Polizei bald erkennen muss, denn gleich mehrere Frauen werden von einem unbekannten Scharfschützen heimtückisch erschossen. Polizeichef Kafka (Adolphe Menjou) sucht demzufolge einen „Sniper“, der in seinem gynäkophobischen Hass die Stadt verunsichert und damit eine Panik unter den Frauen auslöst. Die Presse fordert umgehend Ermittlungserfolge von der Polizei; ein verständnisvoller Psychiater indes mehr Präventivmaßnahmen. Doch all dies schützt die Frauen nicht, die eher zufällig mit Eddie in Kontakt kommen. Kopfschüsse sind die Folge. So zum Beispiel bei der Barmusikerin Jean (Marie Windsor)
Image
, die Eddie während seines Dienstes als Wäschefahrer schöne Augen macht. Gleichwohl versucht Eddie seinen Mordtrieb zu kontrollieren, indem er sich die Hand an der Herdplatte verbrennt. Im Krankenhaus bemerken die Ärzte zwar, dass dies mit Vorsatz geschehen ist, aber die von Eddie gewollte psychiatrische Beobachtung bleibt aus. So muss er weiter auf die Häuserdächer steigen, um sich an der Frauenwelt zu rächen…


Den expressionistischen Inszenierungsstil der 40er-Jahre-USA-Thriller verkörpert THE SNIPER nicht mehr. Die vielen Szenen am hellen Tage und die eher konventionellere Erzählart von Edward Dmytryk verdeutlichen wohl die vorausschauenden Überlegungen des „Columbia“-Studios, bei dieser Produktion von 1952 an eine spätere Ausstrahlung im Fernsehen gedacht zu haben. Sicherlich transportiert THE SNIPER zugleich einen Zeitstil der 50er Jahre, der statt einer Ästhetisierung der Filmbilder einen gewissen Milieurealismus verfolgt, was mit dem hiesigen Thema aber gut zusammenpasst. Denn „Eddie“ wird nicht als frauenmordendes Monster dämonisiert, es wird vielmehr sein innerer Kampf geschildert, den er mit seinen „Dämonen“ (hier: problematische Mutterbeziehung) austrägt. Eddie will von der Polizei eigentlich gefasst werden; er streut extra Hinweise aus, die zu seiner Ergreifung führen sollen. Gleichwie er jedoch ebenso erkennen muss, dass die Gesellschaft nur wenig Hilfe anzubieten hat (als sein Psychiater nicht zu sprechen ist, stürzt scheinbar die gesamte Therapie zusammen). Allerdings liefert Dmytryk kein Sozialdrama. Der Fokus liegt in THE SNIPER auf einer spannungsgeladenen Inszenierung. Dabei sticht der Mord an einem Arbeiter heraus, der von Eddie erschossen wird, als dieser an dem riesigen Schornstein einer Fabrik hängt. Die phallische Metapher des Schornsteins in dieser Szene ist unmissverständlich
Image
, so dass ein Bezug zu Eddies Waffensammlung gezogen werden kann, welche ein symbolisches Surrogat für seine verhinderte Sexualität darstellt
Image
. In diesem Sinne erschießt Eddie sich in dieser Szene quasi selbst, er schießt auf seine „Männlichkeit“, die in dieser Form nur destruktiv wäre und deshalb zerstört werden muss, sei es nun durch die Polizei oder durch Selbstmord. Möglicherweise ist „Eddie“ das filmische Vorbild für den „Sniper“ in DIRTY HARRY (1971), wo das Psychopathologische des Killers dann gänzlich in eine Gewaltorgie abdriftet…





Image



youtu.be Video from : youtu.be


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: peek-a-boo
PostPosted: Yesterday 17:40 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1255
Gender: None specified
youtu.be Video from : youtu.be



Bis zur nächsten Vorstellung...


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 43 posts ] Go to page  Previous  1, 2

All times are UTC + 1 hour


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker