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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 22.10.2013 19:27 
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warum meinst du, dass die Revolution gut dargestellt wurde? Gut im Sinne von authentisch? Ich glaube, dass trifft auf dieses Genre nicht unbedingt zu und ist auch gar nicht beabsichtigt. Die Filme sind Parabeln, keine Historienstücke.


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 23.10.2013 19:30 
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Gut im Sinne von authentisch?


Ja, genau so hab ich das gemeint und was die Authenzität angeht, finde ich eben Filme wie TEPEPA oder TÖTE AMIGO noch ein bisschen besser.


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 27.12.2014 19:02 
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Hab grad dieses Setfoto entdeckt
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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 27.12.2014 19:12 
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Wahrscheinlich lachen sie gerade über Sergios Ziegelstein-Drohung :mrgreen:

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 27.12.2014 19:12 
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Es sieht aus als ob Franco kein Bock mehr hätte ...
Und Sergio - 'Komm Junge mach den Söldner' :lol:


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 27.12.2014 19:28 
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Musante hatte Nero eine reingehauen, und Corbucci musste schlichten
Nero: "mit dem spiel ich nicht mehr"
Corbucci: "Hat er doch nicht so gemeint"

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 27.12.2014 19:30 
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Setfotos gibts von Italowestern viel zuwenig.

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 27.12.2014 19:32 
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Die liegen bei den Regisseuren aufm Speicher

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 17.01.2015 15:21 
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Das "L'arena" Stück mit Gesang...
Ich versteh kein Wort, aber ... *Gänsehaut* :? :P
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


@El Puro: Würdest du vielleicht im western maniac Forum nachfragen ob sie dazu vielleicht (englische ?) Lyrics zusammen schreiben könnten ? Würde mich sehr interessieren was da gesungen wird

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 10.10.2015 00:29 
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Mich haben jetzt schon drei Companeros gefragt, warum mein Booklet der Erstauflage nicht in der BD enthalten ist. Das hat natürlich nix mit mir zu tun, evtl. hat KOCH da gespart weil der Film nach den DVD's, der NERO BD Box ja nun zum 3. oder 4. Mal erschienen ist. Nur ne Vermutung, bei Informationsdrang bitte in Planegg fragen...

Aber bei Bedarf biete ich als MERCENARIO Experte gerne an, meinen Text hier zu veröffentlichen :).

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 10.10.2015 10:40 
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Dein Text war bereits großartig, aber das Sahnehäubchen des Booklets war für mich das Bild von Franco Nero mit Cola-Flasche :)


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 11.10.2015 11:35 
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Danke Dir!
Jo, Dreharbeitenfotos aus Italien ist immer so ein Problem. Von Leone habe ich bestimmt 200, von Corbucci gerade mal 20. Davon null zu IL GRANDE SILENZIO und vielleicht sechs zu MERCENARIO, die habe ich bei KOCH mit meiner MERCENARIO Sammlung auf die Bildergalerie gepackt. Das komplette italienische Material habe ich erst danach bekommen, vielleicht poste ich es mal hier.
Den Text poste ich nicht, da scheint für die Masse hier kein Bedarf zu bestehen. An die paar Interessenten habe ich ne PM geschickt...

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 11.10.2015 13:29 
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Ich mag den Text auch gern haben ;)


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 12.10.2015 19:42 
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Heute die BD-Neuauflage geholt. Besitze die DVD-Releases nicht. Also dementsprechend wäre ich auch am Text interessiert. Nur her damit Mike :)


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 13.10.2015 18:57 
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OK, ich kopier das mal hier rein. Das mit dem verschicken scheint eh nicht zu klappen, keinerlei Resonanz...

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 15.10.2015 10:49 
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Ist es derselbe Text, wie im Booklet?


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 15.10.2015 18:36 
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Ich wäre ebenfalls sehr an dem Text interessiert!

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DER NAME DER ROSE (ARD-HDTV-Fassung), FASSBINDER COLLECTION (Limited Edition/Arrow),

EIN LEBEN FÜR DEN TOD, DIE SUPERSCHNÜFFLER, HOOVER-ICH BIN DER BOSS, EIN DRECKIGER HAUFEN,

BATTLES WITHOUT HONOR AND HUMANITY (The Complete Collection/Arrow), DEEP SPACE (F. O. Ray),

DIE HÖLLENHUNDE (1970) , UNTERNEHMEN STAATSGEWALT, QUEIMADA (TV-Fassung),

IN DIE ENGE GETRIEBEN, OUT OF THE BLUE, JOHNNY MNEMONIC (Turbine).


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 15.10.2015 22:34 
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Ist es derselbe Text, wie im Booklet?


99%. Vielleicht vor ein paar Korrekturen. Hatte ich Dir geschickt,
kam wohl nicht durch.
Ich poste bald. Der Text ist in einem anderen Computer im Dachgeschoß...

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 16.10.2015 19:19 
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Hier noch der Rest des ital. Materials, der komplette Busta-Satz, for those who care...

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 16.10.2015 19:23 
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Ich habe gerade nochmal im Postfach nachgesehen, da ist nix drin, sorry.


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 16.10.2015 21:03 
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Bei mir auch nix :(


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 16.10.2015 21:19 
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Seltsam. Ging als Email raus - nicht als PM...

Here it is:

IL MERCENARIO – Der Söldner

Das Jahr 1968 mit seinen unzähligen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ereignissen bildete den Nährboden für eine Vielzahl politisch direkt oder indirekt motivierter Filme. Während sich die Amerikaner mit ihren eigenen Problemen beschäftigten und das Aufbegehren der Jugend sowie den andauernden Vietnamkrieg und die Gewalt im eigenen Lande in Filmen wie EASY RIDER (1968), THE WILD BUNCH (1968) und TARGETS (Bewegliche Ziele, 1968) verarbeiteten, widmete man sich in Europa eigenen Themen. Constantin Costa - Gavras bereitete in Frankreich seinen bahnbrechenden Film Z (1969) über die politischen Zustände in seinem Heimatland Griechenland vor und in Italien nutzte der Kommunist Franco Solinas den Italo – Western als Bühne für sein politisches Gedankengut. Franco Solinas (1927 – 1982) Aufstieg begann mit seiner Zusammenarbeit mit Gillo Pontecorvo (1919 – 2006), einem leidenschaftlichen Antifaschisten und Filmemacher. Für LA BATTAGLIA DI ALGERI (Schlacht um Algier, 1966) waren beide für den Oscar nominiert worden und Solinas hatte daraufhin den ersten politischen Western Italiens geschrieben: QUIEN SABE? (Töte Amigo, 1966).

Die mexikanische Revolution bot einen vortrefflichen Hintergrund, um politische Zusammenhänge in Bezug auf imperialistische Vorgehensweisen großer Nationen filmisch vereinfacht aufzuzeichnen. Das Austragen der blutigen Revolutionsarbeit auf den Rücken der ärmsten der Armen sowie die politische Konfusion durch ständig wechselnde Machthaber und die Einmischung der wirtschaftlich interessierten Großmächte wurde ein immer wiederkehrendes Thema in Solinas Werk: TEPEPA (1968), IL MERCENARIO (Mercenario – Der Gefürchtete, 1968) und Jahre danach seine erste Zusammenarbeit mit Costa - Gavras, ÉTAT DE SIÈGE (Der unsichtbare Aufstand, 1972).

Franco Solinas Inspiration für IL MERCENARIO war ein Lehrstück Berthold Brechts gewesen: DIE REGEL UND DIE AUSNAHME handelt von einer Reise durch die Wüste: Ein Handelsreisender und sein Untergebener entzweien sich aufgrund ihrer Differenzen, der Vermögende fühlt sich bedroht und erschießt versehentlich seinen Begleiter. Vor Gericht führt er das Argument der Verwechslung an und bekommt Recht. Für Brecht standen die Machtstrukturen der 20er und 30er Jahre im Vordergrund, Solinas jedoch entwickelte daraus ein Drama in drei Akten: im Ersten begegnen sich zwei Männer aus unterschiedlichen Klassen. Der zweite Akt beschreibt deren Annäherung aneinander und im dritten Akt sorgen die unüberwindbaren Unterschiede für deren Entzweiung und Untergang. Die Produktion des Filmes übernahm Alberto Grimaldi, einer der besten Produzenten Italiens mit Geschäftsbeziehungen zu United Artists in Amerika. Dies garantierte eine weltweite Auswertung seiner Filme und sicherte mittlere bis hohe Budgets. Gillo Pontecorvo begann Ende 1967 mit den Vorbereitungen zu IL MERCENARIO doch der Filmemacher verlor das Interesse an dem Projekt und verlagerte seine Energie auf den ebenfalls von Solinas geschriebenen und von Grimaldi produzierten QUEIMADA (1969) mit Marlon Brando in der Hauptrolle. Während Luciano Vincenzoni das endgültige Drehbuch schrieb, suchte Grimaldi verzweifelt nach einem Regisseur. Der einzige Top – Regisseur ohne laufende Produktion schien Sergio Corbucci zu sein. Der Römer Corbucci (1926 – 1990) hatte gerade seinen ambitionierten ‚Schneewestern’ IL GRANDE SILENZIO (Leichen pflastern seinen Weg, 1968) beendet und war einige Wochen durch Europa gereist. Zuerst lehnte er Grimaldis Angebot freundlich ab: Corbucci hatte bereits sieben Western gedreht und war des Genres müde geworden. Doch das Projekt gefiel ihm ebenso wie die Aussicht, wieder mit Franco Nero, den er mit DJANGO (1966) zum Star gemacht hatte, zu arbeiten. Die Rolle des homosexuellen ehemaligen Priesters Ricciolo war bereits mit Jack Palance besetzt, den Mexikaner Paco Roman sollte Eli Wallach spielen – er hatte in Sergio Leones IL BUONE, IL BRUTTO, IL CATTIVO (Zwei glorreiche Halunken, 1966) soeben die Rolle seines Lebens gespielt. Doch so sehr Corbucci den New Yorker Schauspieler verehrte, ihm schwebte eine andere Besetzung vor: Corbucci hatte den Amerikaner Tony Musante in dem Film INCIDENT (1967) gesehen und dessen hervorragende Darstellung, die dem Schauspieler einen Preis auf dem Mar del Plata Film Festival in Argentinien einbrachte, nicht vergessen können. Für die weibliche Hauptrolle wurde die Römerin Giovanna Ralli verpflichtet und im Frühjahr 1968 begab sich das Filmteam für die Dreharbeiten nach Spanien.

Für Sergio Corbucci begannen die Dreharbeiten mit einer kritischen Episode. Der Amerikaner Jack Palance (1919 – 2006) nahm das ganze Projekt nicht recht ernst. Seine Rolle – schwul, schwarz gelockt und sadistisch, schien ins lächerliche abzugleiten und in einer Szene wurde er von den Protagonisten sogar nackt in die Wüste geschickt. An seinem ersten Drehtag wurde Ricciolos erste Szene im Film gedreht. Ende der 1980er Jahre erinnerte sich Sergio Corbucci an die folgenden Ereignisse:
´´Meine erste professionelle Begegnung mit diesem fast 2 Meter großen Mann, der aussah als trage er eine Totenmaske, war nicht sehr begeisternd. Ich erklärte ihm auf ruhige Art, was er in der Szene zu tun hatte. Er zeigte keine Reaktion, kein Lächeln – nichts. Es war ihm anzumerken, dass er keine Lust hatte ohne englischsprachige Stars zu drehen. Zudem noch mit einem unbekannten Regisseur. Jedoch ein Film, für den er immerhin einen Haufen Geld bekommen hatte. Da war also diese Szene, in der er im Saloon diese Tasse nimmt, trinkt und sie auf einen bestimmten Platz am Tisch abstellen sollte. Kowalskis Kugel war bereits unterwegs und sollte die Tasse dort treffen. ´´Kamera! Action!`` Palance hebt die Tasse, trinkt und stellt sie zu weit weg. ´´Stop! Schau, das war falsch. Das machen wir noch mal.`` Wir drehen ein weiteres Mal und er stellt die Tasse noch weiter weg. ´´Stop!`` Die anderen Darsteller schweigen. Die Crew ist ruhig und wartet was passieren wird. Allen war klar, es war eine typische Reaktion eines amerikanischen Stars am Set eines jungen italienischen Regisseurs. Ich erkläre ihm die Szene noch einmal: ´´Pass auf, Jack. Wenn du willst erklärt dir ein Übersetzer die Szene, solltest Du mein Englisch nicht verstehen. Du trinkst und musst die Tasse hier abstellen. Hast du richtig verstanden? Die Szene muss genau so gedreht werden, weil von dort die Kugel kommt. Sonst müssen wir alles umstellen. Okay?`` Wieder keine Reaktion. Fünf mal drehen wir die dämliche Tasse. Schließlich trinkt er und hält sie in der Luft. ´´Stop!! Entschuldige, aber ich möchte es gerne verstehen. Machst du das mit Absicht? Warum kannst du die Tasse nicht abstellen, wo sie hin soll?`` Palance bricht sein Schweigen: ´´Wenn ich etwas mache, brauche ich einen guten Grund dafür. Gib’ mir einen guten Grund zu tun was du willst oder ich mache, was mir in diesem Moment gefällt. Ich bin Schauspieler und wenn ich spiele, muss ich machen was mir mein Instinkt sagt.`` Totale Stille. Keiner sagt etwas. Die komplette Crew, die Statisten, Franco ... alle stehen herum und warten was passiert. Mir wurde klar, jetzt kommt es zu Handgreiflichkeiten. Ich wusste nicht recht, wie ich es angehen soll: er ist groß, breit und kräftig. Ich nehme einen Backstein in die Hand und sage: ´´Da, ist das hier Grund genug?`` Er sieht mich an und kapiert nichts. ´´Ich sage dies, weil wir jetzt noch einmal drehen. Wenn du die Tasse nicht dahin stellst, wo ich es will, nehm’ ich diesen Stein und demolier dein Gesicht, deine Zähne, deine Lippen. Du wirst bluten und Schmerzen haben. Dann wirst du explodieren und könntest mich vielleicht töten. Aber danach musst du ins Krankenhaus und die Zähne, dein Gesicht und dein Lächeln restaurieren lassen. Ist das jetzt ein guter Grund, oder nicht??`` 15 Sekunden Stille. Dann lächelt er und sagt: ´´Das ist ein guter Grund. Du bist in Ordnung!`` So wurden wir Freunde und sein Verhalten änderte sich. Er war fröhlich und zufrieden während des Drehs und er war zu allen sehr nett. ``
(Die von Corbucci beschriebene Szene ist im fertigen Film nicht enthalten. Anm. d. A.)

Noch während der Dreharbeiten wurde Corbucci Zeuge davon, was er an jenem Tage ‚verpasst’ hatte. Die Paramount drehte zur selben Zeit den misslungenen Revolutionswestern VILLA RIDES! (Pancho Villa reitet / Rio Morte, 1968) in Almeria, dessen Hauptdarsteller Robert Mitchum mit Jack Palance gut befreundet war. Mitchum, Palance und Corbucci verbrachten viele Abende nach Drehschluss miteinander und der Regisseur konnte sich von der Schlagkraft dieser amerikanischen Schwergewichte überzeugen. Corbucci erinnert sich: ´´Ich hatte sehr viel Spaß mit diesen beiden Super-Kolossen. Allerdings endeten die Nächte regelmäßig mit schweren Besäufnissen und unvorstellbaren Schlägereien. Andauernd kam irgendjemand und sagte Dinge wie: ´´So, ihr seit also von der ganz harten Sorte! Zeigt mal, wie hart ihr wirklich seit!`` Die beiden ließen sich keine Sekunde lang bitten. Zwei unglaubliche Bestien. Wie besessen haben sie zugeschlagen!`` Sicherlich war sich Sergio Corbucci der Tatsache nicht bewusst gewesen, dass der als Volodymir Palanyuk geborene Palance seine Karriere als erfolgreicher Profiboxer begann, bevor der zweite Weltkrieg seine Sportlerkarriere beendete.

Als IL MERCENARIO Ende des Jahres 1968 in die italienischen Kinos kam, hatte sich das Weltbild endgültig geändert. Die Ermordungen von Martin Luther King und Robert Kennedy, die Eskalation des Vietnam - Krieges durch die Tet - Offensive, der Prager Frühling und die Studentenunruhen politisierten die Welt in bisher unbekanntem Ausmaß. Als Sergio Corbucci Anfang des Jahres das Projekt IL MERCENARIO begonnen hatte, war er ‚nur’ ein zuverlässiger Regisseur gewesen, der mit DJANGO (1966) einen Volltreffer gelandet hatte. Nun zum Ende des Jahres 1968 erschienen kurz nacheinander der kompromisslose IL GRANDE SILENZIO (Leichen pflastern seinen Weg, 1968) sowie IL MERCENARIO (Mercenario – Der Gefürchtete, 1968). Corbucci widmete IL GRANDE SILENZIO den getöteten Che Guevara, Martin Luther King und Robert Kennedy und den nach politischen Stellungnahmen suchenden Kritikern und Studenten kam das scheinbar sinnlose Opfer von Silence, dem stummen Helden des Filmes, nicht nur einer Märtyrertat gleich, viele verglichen die Selbstopferung aus religiösen Gründen heraus sogar mit dem Tode Jesus Christus.

Auf den ersten Blick erscheint IL MERCENARIO als eine Art Gegenstück zu IL GRANDE SILENZIO: Während SILENZIO sehr still und düster daher kommt, in Breitwand (1:1,85), im Schnee und beinahe schwarz - weiss erscheinender Farbfotografie gedreht wurde, so ist der in der spanischen Wüste in TechniScope gedrehte IL MERCENARIO farbenfroh, geradezu geschwätzig und voller zynischem Humor. Während IL GRANDE SILENZIO als wichtiger Beitrag zum Thema ‚politisch motivierte Gewalt’ besprochen wurde, fanden politisch interessierte Betrachter – in jenen Jahren also eine Mehrheit, in IL MERCENARIO eine Vielfalt von Kommentaren und Anspielungen. Vieles erinnerte an die Zustände im eigenen Lande Italien, wie die kommenden und gehenden Marionetten – Regierungen, politische Willkür und Korruption. Aber bereits das Grundthema begeisterte den unvorbereiteten Zuschauer: Ein neutraler Abenteurer zeigt einem armen Unterdrückten wie man professionell Krieg macht. In fast keiner Kritik blieb die Szene unerwähnt, in der Kowalski anhand der nackten Frau erklärt, was Revolution ist: ´´Stell dir vor: der Kopf, das sind die Reichen, die herrschende Klasse. Sie lassen alle anderen für sich schuften. Der Hintern dagegen, das sind die Armen. Die Klasse der Besitzlosen. Wenn die Armen nun eine ... sagen wir eine Revolution machen, dann wollen sie mit Gewalt, das der Hintern neben dem Kopf ist.`` Paco: ´´Ja, das wär’ natürlich schön. Aber wie bringt man den Kopf und den Hintern zusammen?`` ´´So eine glückliche Kombination gibt es normalerweise nicht, weil nämlich der Rücken, der sogenannte Mittelstand dazwischen liegt und die Harmonie stört.`` ´´Verstehe, die Reichen sind also nie am Arsch!``

So wie der politische Gehalt des Filmes gewürdigt wurde, so bemerkten auch viele Kritiker die Veränderungen welche die drei Protagonisten während der Geschichte durch machen. Charakterentwicklungen im Western – Genre gehören seit dessen Geburt eher zur Ausnahme und so betrachteten viele IL MERCENARIO auch weniger als Western denn als im ‚Westernmantel’ versteckte filmische Parabel zur Tagespolitik jener Zeit. Für Corbucci war es der Beginn einer neuen kreativen Phase: ´´Ich verliebte mich während IL MERCENARIO in die mexikanische Revolution. Bis zu diesem Film war sie mir kaum bewusst gewesen und nun dachte ich plötzlich über ein Trilogie nach.`` Tatsächlich ließ Corbucci zwei Jahre später VAMOS A MATAR, COMPAÑEROS! (Lasst uns töten, Companeros!, 1970) folgen und wiederum zwei Jahre später erschien CHE C’ENTRIAMO NOI CON LA REVOLUZIONNE? (Bete, Amigo, 1972). Doch beide reichen nicht an den inspirierten IL MERCENARIO heran.

In Deutschland startete der Film im April 1969. Kurz vor Filmstart wurde der geplante Verleihtitel DIE GEFÜRCHTETEN ZWEI in MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE geändert. Einige erhaltene Archivexemplare der ursprünglichen Aushangfotos (der alte Titel wurde vor Filmstart überdruckt) sowie die große ‚2’ in der Grafik des Din A0 Plakates zeugen noch vom alten Verleihtitel. Obwohl der Film in der BRD eine Kinofreigabe ab 18 Jahren erhielt, fiel eine kurze Szene der Zensur zum Opfer: es handelt sich um die Einstellung in der Ricciolo einem Revolutionär eine Handgranate in den Mund stopft. Das später ausgestrahlte TV – Master basierte jedoch auf einer mit dem alten Verleihtitel versehenen Archivkopie und war ungeschnitten.

Auch in Deutschland gehörte IL MERCENARIO zu den wenigen Italo – Western, die von der Kritik ernsthaft besprochen wurden. Die deutsche Fassung konnte aufgrund einer hervorragenden Synchronfassung (Hans-Jörg Felmy als Kowalski; Arnold Marquis als Paco Roman) die gelungenen pointenreichen Dialoge unverfälscht wiedergeben und IL MERCENARIO erfreut sich seit seiner deutschen Erstaufführung vor 40 Jahren ungebrochener Beliebtheit. Mit dieser würdigen DVD – Veröffentlichung ist einer der wichtigsten und besten Vertreter des Genres nun endlich verfügbar.

Mike Siegel

Text & Bild: *** The link is only visible for members, go to login. ***




Fotos Booklet:

Die ersten vier beziehen sich auf den Text und sind vorrangig zu behandeln:

Mercenario-bts1 (s/w hochbild, ganzseitig)
Mercenario-alternativTitel (Farbe, Quer)
Mercenario-bts2 (Corbucci & Palance – aufgrund der Qualität nicht zu groß!)
Merce-33 (sw, quer)

Zusätzliche gute Bilder :
Mercenario-booklet color1 (zwei Versionen, eine ist breiter)
Mercenario-booklet-color2
Mercenario-bts3a (behind-the-scenes, nur klein wegen Qualität)

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 17.10.2015 12:01 
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:jc_thankyou:


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 17.10.2015 12:56 
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Ah, ein Mann mit guter Erziehung :).
(gern geschehen)

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 21.03.2018 22:44 
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#87 "Mercenario - Der Gefürchtete" ist wie schon zuvor "Tepepa" ein Revolutions-Italowestern der Spitzenklasse, soviel schon mal vorweg. Dies liegt daran, dass einfach alles an dem Film stimmt. Egal was ich aufzählen könnte, wirklich alles ist erste Klasse. Schon allein, dass wir es mit einem Corbucci-Western zu tun haben und wir Franco Nero nebst Tony Musante in den Hauptrollen sehen dürfen ist ein Fest. Schade, dass Tony Musante sich meines Wissens nach nur 1x in unser aller liebstes Genre verirrt hat. Ihnen gegenüber stehen Eduardo Fajardo & Jack Palance. Gerade Jack Palance ist eine Wucht. Zum Gelingen des Films trägt natürlich auch der schöne Score von Ennio Morricone & Bruno Nicolai bei, die Kameraeinstellungen, die tollen Landschaften, das hohe Budget, die wuchtigen Actionszenen, eine Prise gut dosierter Humor und noch vieles mehr bei.
All dies beschert uns einen Revolutionswestern der kurzweiliger nicht sein könnte und der mit seiner schnörkellos erzählten Geschichte die Blicke des Zuschauers stets auf den TV ziehen kann. Wer den Film noch nicht kennt und sich gerade dem Italowestern nähern will sollte hier definitiv sofort zuschlagen. Als Einstiegsdroge eignet er sich vermutlich hervorragend! Ein wirklich toller Film den man getrost als Meisterwerk bezeichnen kann und der natürlich 10/10 Punkte verdient. Ich freue mich schon auf das Quasi-Remake "Lasst uns töten, Companeros".

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 16.01.2020 10:21 
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Auch das Gespann Sergio Corbucci/ Ennio Morricone kann Großes miteinander vollbringen. Mercenario ist ein extremst unterhaltsamer Revolutionswestern mit einem hervorragend aufgelegten Maincast mit Franco Nero, Tony Musante und Jack Palance. Actionreich und lustig, ohne große Albernheiten. Auch die gute deutsche Synchro hält sich vornehm zurück.

Für mich nach Leichen pflastern seinen Weg der beste Corbucci. Wobei ich sagen muss, dass ich "Lasst uns töten, Companeros" noch nicht gesehen habe. Viele sagen ja, dass der besser ist, als Mercenario. Die CCC ist auf jeden Fall schon unterwegs zu mir.


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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 16.01.2020 13:09 
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Il Mercenario ist viel besser finde ich. Companeros ist auch spitze aber irgendwie wirkt der auf mich nicht so rund wie Mercenario. Vor allem ist es im Prinzip fast der gleiche Film :D
Ich kann jedenfalls nicht im Geringsten verstehen wie jemand Companeros besser finden kann, aber überzeug dich selbst ;)

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Tschack wrote:

Für mich nach Leichen pflastern seinen Weg der beste Corbucci. Wobei ich sagen muss, dass ich "Lasst uns töten, Companeros" noch nicht gesehen habe. Viele sagen ja, dass der besser ist, als Mercenario.


Die Mehrheit bevorzugt aber Il mercenario. Aber die Companeros sind natürlich auch sehr beliebt.

Für mich sind Mercenario und Silenzio die Meisterwerke Corbuccis, während Django und Companeros zwar das Potential hatten genau so toll zu sein, und es ist wirklich schade, daß dem nicht so ist, aber beide haben auch teils etwas schwächeres Material.


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PostPosted: 16.01.2020 14:15 
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Ich hab Companeros zuerst gesehen, da waren einige Überraschungen in Mercenario schon bekannt.

Trotzdem ist Mercenario natürlich großartig, für mich deutlich besser als andere Solinas-Filme , im Dezember kam Queimada dazu, den ich dann doch gerne von Corbucci gesehen hätte.


Companeros ist auch ein toller Film, und ja auch ein bisschen der Abschied Corbuccis von seinen Fans...

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 Post subject: Re: MERCENARIO - DER GEFÜRCHTETE - Sergio Corbucci
PostPosted: 16.01.2020 17:59 
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Ich bevorzuge die Companeros. Das hat vermutlich in allererster Linie subjektive Gründe. Companeros ist einer der ersten Italowestern überhaupt, die ich gesehen habe - noch als Jugendlicher. Da hat der natürlich besonderen Eindruck hinterlassen. Hinzu kommt, dass ich Milian einfach viel lieber sehe als Musante. Aber auch das ist vermutlich einfach Geschmacksfrage.

Das ändert aber nichts daran, dass Mercenario ein großartiger Italowestern ist.


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