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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE - Hubert Frank
PostPosted: 21.08.2018 22:58 
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DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE

● DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE / DAS RÄTSEL DER ROTEN QUASTE (A|1963)
mit Vivi Bach, Dietmar Schönherr, Laya Raki, Slavo Schweiger, Demeter Bitenc, Joze, Pengov, Mario Di Stella, u.a.
ein Vivi Bach Film der Tivoli Produktion | im Europa Filmring
ein Film von Hubert Frank


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»Ich habe Angst, dass mir bald jeder verdächtig vorkommen wird!«

Geheimagent Richard Warren (Dietmar Schönherr) reist nach Venezuela um eine geheime Uranformel zu verkaufen. In Caracas gibt er sich als Journalist aus und wird nach kürzester Zeit von der Tänzerin Sylvia (Laya Raki) vor der Gefahr seines Vorhabens gewarnt. Noch bevor sie ihm ihre Nachricht übergeben kann, findet man die attraktive Frau ermordet auf. Neben der Leiche liegt eine rote Quaste und Richard gerät unter Verdacht. Er flüchtet in ein in der Nähe liegendes Musikgeschäft und lernt die Dänin Regina (Vivi Bach) kennen, die ihn zu seiner Verwunderung unterstützen will, seine Unschuld zu beweisen...

Jahrzehnte lang war "Das Geheimnis der roten Quaste" so gut wie in der Versenkung verschwunden, den man alleine dem Titel nach in die Kategorie der Kriminal-Epigonen einsortieren möchte. Für Regisseur Hubert Frank war es sein Spielfilmdebüt und ein vager Blick auf die Verantwortlichen zeigt auf, dass es sich für etliche Beteiligte um Neuland handelte; so auch für Vivi Bach, die in diesem Film nicht nur die Hauptrolle inne hat, sondern auch als Produzentin fungierte. Ein plötzlicher Mord und recht atmosphärische Bilder lassen den mit einem Schlager untermalten Vorspann schnell wieder in Vergessenheit geraten, doch es wird ebenso schnell klar, dass der komplette Verlauf lediglich um die beiden Hauptdarsteller herumkonstruiert ist. Der Eintönigkeit zum Trotz bewegt sich die Geschichte in sicherem Fahrwasser, ohne dabei den vergeblichen Versuch zu starten, sich mit erfolgreichen Artgenossen messen zu wollen. Dennoch vernimmt man alternative Untertöne und eine Vermischung mit unangebracht konstruierter Situationskomik, was wiederum die Tatsache aufweicht, dass bestimmte Charaktere in vielversprechender Weise doch entgegen der Norm reagiert hatten. Es gilt einen rätselhaften Mordfall an einer Tänzerin aufzuklären, um einen Unschuldigen zu rehabilitieren, was Vivi Bachs Funktion als Hauptdarstellerin zu rechtfertigen versucht. Die Leistung der gebürtigen Dänin wird zunächst einmal durch die solide Synchronarbeit von Ursula Heyer aufgewertet, außerdem war Bach zu jener Zeit auch keine Unbekannte. Dennoch vermisst man darstellerische Finessen, was sich bezüglich ihrer Kollegen leider generell sagen lässt. Auch die mühsam konstruierte Spannung kann sich bereits nach wenig Spielzeit nicht aufrecht erhalten und das Geschehen plätschert etwas kopflastig vor sich hin, zumal die Szenen zwischen Bach und Schönherr zu isoliert im Geschehen wirken. Vivi Bach gründete für diesen Film eine eigene Produktionsfirma, doch der Film floppte an den Kinokassen, was beim Blick auf das Gesamtergebnis nicht verwundert.

Die laufenden Handlungsstränge sind noch nicht einmal ungeschickt miteinander verknüpft worden, doch über allem steht eine mäßige Geschichte, die in ungünstiger Weise nebulös wirkt, da man zu wenige Informationen geliefert bekommt. Aber in derartigen Filmen reicht es immer für Mord oder ein waschechtes Komplott, sodass die Geschichte trotz ihrer empfundenen Ergebnislosigkeit bei der Stange hält, da sich immerhin ein Whodunit-Effekt offenbart, der bei genauer Betrachtung aber schnell durchschaut ist. Dies ist zumindest bis zum Finale der Fall, nach welchem sich eindeutig herausstellt, dass die vermeintlichen Twists von dürftiger Qualität sind. Hubert Frank bietet insgesamt nicht gerade eine spürbare Entscheidungsfreudigkeit an, und unterm Strich stellt "Das Geheimnis der roten Quaste" kein ernstzunehmendes Konkurrenzprodukt für Wallace & Co. dar. Die Jagd nach einer ominösen und noch geheimeren Formel verdrängt den zwar damit verbundenen Mordfall in die zweite Reihe, außerdem sind die charakterlichen Fraktionen zu uneindeutig eingeteilt, aber es werden insgesamt zu viele Nebensächlichkeiten abgehandelt. Dietmar Schönherr spielt für seinen Teil jedenfalls solide auf, was man im Endeffekt über seine spätere Ehefrau Vivi Bach weitgehend ebenso sagen möchte. Vielleicht liegt diese wohlwollende Einschätzung auch am Fehlen anderer bekannter Stars und an der Tatsache, dass die Regie Vivi Bach recht stark in Szene setzt, was vor allem auf die Auftrittsdauer und die Relevanz der Rolle bezogen ist. Nette Wiedersehen gibt es beispielsweise mit Laya Kaki, die eine ähnliche Rolle wie in dem im gleichen Jahr entstandenen "Die Nylonschlinge" spielt, oder Allround-Talent Demeter Bitenc. Insgesamt muss allerdings betont werden, dass "Das Geheimnis der roten Quaste" vielleicht etwas zu unausgewogen besetzt ist. Nichtsdestotrotz schließt sich mit Hubert Franks Beitrag, der ein kleines Multitalent sein möchte - an diesem Vorhaben aber deutlich scheitert, eine Lücke im Dunstkreis der einschlägig bekannten 60er-Jahre-Krimis.


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE - Hubert Frank
PostPosted: 26.08.2018 16:05 
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Nach Paimann's Filmlisten (Nr. 2796, 18.07.1963) war die österreichische Verleihfassung übrigens 89 Min. lang. Die Pidax-DVD mit der bundesdeutschen Fassung kommt nur auf knapp 70 Min. Hier wurde offenbar gekürzt.

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Jokerfive


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE - Hubert Frank
PostPosted: 28.01.2020 20:52 
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Das Geheimnis der roten Quaste (Hubert Frank, 1963) 6/10

Der Journalist Richard Warren checkt in einem kleinen Hotel ein. Er soll sich mit einem geheimnisvollen M. Duval treffen, stattdessen findet er die Stripteasetänzerin Sylvia – Tot. Richard ist der einzige Verdächtige, und er hat kein Alibi, also flüchtet er in ein naheliegendes Schallplattengeschäft, das von der alleinstehenden Regina geführt wird. Auch wenn er ihr zuerst eine Pistole unter die Nase hält, so vertraut sie ihm doch schnell und schützt ihn vor der Polizei. Als Regina ihm helfen soll, M. Duval zu treffen, zeigt sich aber ganz plötzlich, dass Richard nicht die ganze Wahrheit über die Affäre gesagt hat. Und Regina noch viel weniger …

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Die ersten 40 Minuten dachte ich noch, dass die ROTE QUASTE ein eher unerheblicher Wallace-Klon ist, der sehr ernsthaft unter dem Mangel an entsprechend-typischen Zutaten leidet. Die Musik ist entweder deplaziert oder sehr eigen, Laya Raki tendiert zur absolut hemmungslosen Theatralik, und die aufgesetzt wirkende Liebesgeschichte zwischen Richard und Regina lässt den Film in ausgeleierten Bahnen laufen, die man einfach schon viel zu oft gesehen hat.

Fehlanzeige! Wie man sich doch täuschen kann. Sobald Sylvia und M. Duval sich treffen wechseln Aussage und Richtung des Films vollständig. Es wird relativ spannend, und letzten Endes fragte ich mich ernsthaft, wer den Film wohl überleben mag, und wer nicht. Laya Raki lässt die Brüste kreisen und erzeugt einiges an wilder Erotik*,
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Demeter Bitenc wirkt sinister und schon geradezu diabolisch, und wenn Slavo Schweiger als Kommissar (mit der Stimme von Siegfried Schürenberg) sein Monokel ins Auge klemmt, dann weiß man definitiv, dass in diesem Film noch einiges anders laufen wird als ursprünglich gedacht.

Insgesamt nicht der große Wurf, aber eine interessante Fingerübung in Sachen Auf’s-Glatteis-führen und schön anzuschauen. Doch was hätte das unter einem besseren Regisseur für ein hervorragender Noir werden können ...

*Überhaupt ist der Film voll mit unterschwelligem Sex. Immerhin liegen Dietmar Schönherr und Vivi Bach sichtlich nackt gemeinsam im Bett. Im Jahr 1963!!!

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE - Hubert Frank
PostPosted: 30.01.2020 19:20 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:

Insgesamt nicht der große Wurf, aber eine interessante Fingerübung in Sachen Auf’s-Glatteis-führen und schön anzuschauen. Doch was hätte das unter einem besseren Regisseur für ein hervorragender Noir werden können ...



Bei dem Film habe ich bislang wegen der anscheinend stark gekürzten Fassung gezögert; allerdings würde mich DAS GEHEIMNIS... gerade wegen der Regie von Hubert Frank (erste Regiearbeit) interessieren - merkt man denn stark, dass die BRD-Version gekürzt ist? Sicherlich hat man einige Plot-Stränge geschnitten, aber warum?... (oder war es doch Zensur-bedingt)...
wenn die Schnittfassung für die BRD-Kinos dennoch "ausgewogen" wäre, dann würde die DVD schon locken...


ps: auf imdb.com wird "1 hr 13 min (73 min) (Germany)" angegeben - müsste dann also die Pidax-Fassung sein...


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE - Hubert Frank
PostPosted: 30.01.2020 21:42 
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Ich wusste nicht einmal dass der Film in D überhaupt geschnitten war. Und entsprechend habe ich auch nichts germerkt bei der Sichtung. Ich kann mich weder an lose Erzählstränge noch an Stolperer in der Geschichte erinnern. Das Verhalten von Dietmar Schönherr war vielleicht nicht immer ganz nachvollziehbar, aber dafür ist er ja auch der Held und darf das ...

Ich bereue den Kauf der DVD nicht, aber eine ungeschnitte Fassung würde natürlich ebenfalls den Weg zu mir finden :oops:

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER ROTEN QUASTE - Hubert Frank
PostPosted: 31.01.2020 07:05 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:

Ich bereue den Kauf der DVD nicht, aber eine ungeschnitte Fassung würde natürlich ebenfalls den Weg zu mir finden :oops:


Danke, Schmutziger_Maulwurf, für die Rückmeldung... dann werde ich mir doch die DVD kaufen... "geschnitten" ist hier wohl in diesem Zusammenhang nicht richtig formuliert, da eine spezielle Schnittfassung für ein bestimmtes Land angefertigt wurde - wobei die Schweiz dann - wie Jokerfive oben schreibt - eine 89-Min.-lange hatte... - dies wäre meine Vermutung...


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