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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Dolls for Sale)
PostPosted: 27.01.2020 14:12 
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roother wrote:

Selten hat man von Franco einen solch pessimistischen und düsteren Film gesehen. Im Gegensatz zu seinen de Sade Inszenierungen wird das Leid hier nicht als Form des Lustgewinnes dargestellt, sondern als dessen Ursache.



Das Ganze ist tatsächlich recht ernsthaft erzählt, wobei die Erzählstruktur ja Welles' "Citizen Kane" imitiert, wo in fünf Rückblenden das Leben von Kane rekonstruiert wird (wobei dies ähnlich "dunkel" gelagert wäre); "Rosebud" wird in Francos Film zwar nicht am Schluss gesagt, aber hier wurde sich wohl auf Meister-Welles bezogen...


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Le journal intime d'une nymphomane)
PostPosted: 27.01.2020 17:23 
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An Citizen Kane habe ich auch direkt denken müssen.

Unsere Linda flüstert zwar kein Rosebud, aber dafür genug unanständiges - hat zwar nix mit Schlitten zu tun, ist aber auch sehr unterhaltsam :P


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Le journal intime d'une nymphomane)
PostPosted: 11.02.2020 14:30 
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#34: The sinister eyes of Dr. Orloff (1973)

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Nach fast einem Jahrzehnt widmet sich Franco wieder dem verrückten Wissenschaftler. Wenn man den Namen Orloff liest, dann denkt der geneigte Franco-Kenner direkt an morbide Gotik und an den durch Gedankenkontrolle manifestierten Wahnsinn eines bösen Wissenschaftlers.

Leider wirkt Francos neuster Eintrag seiner Orloff-Reihe eher wie eine zahme Version aus dem Nachmittags-Fernsehen. Keine Spur von paranormalem Wahnsinn. Hier haben wir es vielmehr mit gänzlich irdischen Rachegelüsten eines Arztes zu tun. Montserrat Prous mimt hier, wie bereit im Vorgängerfilm „Sinner“, die seelisch zerbrochene Seele, die von fremden Männern dominiert und damit in den Abgrund getrieben wird. Zu ihr gesellt sich neben der Schönheit Kali Hansa auch wieder Lina Romay in einer sehr kleinen Rolle. Umso bedauerlicher ist es, dass bei einer solchen Besetzung, der sinnliche Aspekt der Geschichte völlig ignoriert wird. Franco zeigt uns hier, dass er durchaus in der Lage ist, weg von erotischer Inszenierung und Fokussierung auf den weiblichen Körper, eine Geschichte sehr gradlinig und zielstrebig zu realisieren. Dies plätschert jedoch sehr spannungsarm dahin.

Neben dieser inszenatorischen Blässe, ist das einzige Element, welches man aus den Vorgängern kennt, die Gedankenkontrolle, und die überzeugenden Locations, das einzig Positive an dem sonst sehr durchschnittlichen Film.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: The sinister eyes of Dr. Orloff )
PostPosted: 11.02.2020 21:41 
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#35: Plaisir a trois (1973)

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Mit „Plaisir a trois“ widmet sich Franco erneut einer (hier eher sehr freien) Adaption eines Werks von de Sade. Die Geschichte um ein Geschwisterpaar, welches eine unschuldige Jungfrau in die Welt der sado-masochistischen Lust einführen möchte, hatte Franco schon 5 Jahre zuvor in „Die Jungfrau und die Peitsche“ sehr beeindruckend auf Celluloid gebannt. Hier (der englische Titel heißt passenderweise „How to seduce a virgin“) löst er sich aber noch mehr von der Vorlage als 1968. Hier sind die beiden Verführer keine Geschwister, sondern sich Liebende. Und auch die Cecile hat nicht viel von der ursprünglichen, unschuldigen Zerbrechlichkeit, wie sie Liljedahls damals hatte.

„Plaisir a trois“ ist somit vielleicht keine gelungene de Sade – Adaption geworden, aber trotzdem ein sehr guter Franco-Film. Dies liegt vor allem an der unheimlich dichten Inszenierung. Die intensive Verknüpfung von Lust und Leid geling Franco in herausragender Weise. Besonders Alice Arno verkörpert die Martine de Bressac mit einer Mischung aus verwegener Sinnlichkeit und absoluter Gefahr. Allein wie sie die von der 18jährigen Lina Romay (in ihrer ersten Nacktrolle) eindrucksvoll verkörperten, schwer traumatisierten Adele, zu ihrer Sexsklavin degradiert, lässt einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Franco nutzt die Vorlage von de Sade um daraus seine ganz eigene Geschichte um Lust, Leid und Eifersucht zu erschaffen. So zeigt sich, dass sich die im Film propagierten „Freuden zu dritt“ eher eine duale Verbindung zweier dominanter Menschen ist, die ein (vermeintlich) schwächeren Gegenüber unterdrücken. Dass jedoch dieses Machtverhältnis nicht exklusiv ist, zeigt Franco am Ende und kann so den Zuschauer sogar noch eine ordentliche Portion Erstaunen entlocken.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Plaisir a trois )
PostPosted: 03.03.2020 15:35 
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#36: Perverse Countess (1973)

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Quasi parallel zu „How to seduce a virgin“ entstand dieser morbide und zugleich faszinierende Erotik-Horror. Die Geschichte um ein Paar, welches der mysteriösen Gräfin Zaroff regelmäßig junge Frauen besorgt, hat viel Außergewöhnliches zu bieten. Inspiriert durch Richard Connells Kurzgeschichte „Das grausamste Spiel“ liefert Franco hier eine Melange aus surrealer Erotik, morbider Menschenjagd und Kannibalismus.

Der Film beginnt mit der nackten Kali Hansa, welche schwer traumatisiert von dem oben erwähnten Paar aufgefunden wird. In einer Art Delirium erzählt sie nun von ihrer Begegnung mit der Gräfin und dem Grauen, welches ihr dort widerfuhr. Franco inszeniert diesen Albtraum in surrealen, fast schon verzerrten Bildern. Super-Weitwinkel lässt die Protagonisten in einer Art Zerrspiegel agieren. Asymmetrische Objektinszenierung und teils surreale Bewegungsabläufe versetzen den Zuseher in eine Art Halluzination, welche durch den Einsatz von ungewöhnlicher Architektur in Stile eines M. C. Escher noch intensiver wird. Ganz konkret ist dies die Residenz der Gräfin Zaroff, welche im spanischen Calpe zu finden ist und noch in vielen Werken Francos Verwendung finden sollte. Faszinierend wie Franco die surreale Interpretation des Inhalts durch die Architektur nochmals unterstreicht.

Diese Stimmung bekommt eine drastische Wendung, wenn aus der bisher nicht greifbaren Bedrohung plötzlich, durch das Kannibalismusthema, eine tatsächliche wird. Der Ton des Filmes ändert sich und nimmt fortan an Dramatik zu. Alles gipfelt in der perfekt inszenierten Hetzjagd, in der die nackte Alice Arno mit Pfeil und Bogen, Jagd auf die ebenfalls unbekleidete Lina Romay macht.
„Countess Perverse“ überzeugt durch die surreale Inszenierung, die morbiden Thematik und die enorme Erotik von Lina Romay, Alice Arno und Kali Hansa auf ganzer Linie.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Perverse Countess )
PostPosted: 29.03.2020 14:15 
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#37: The lustful Amazons (1973)

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Der weltreisende Pygar erzählt seinem Freund Karzan, dass er einen bisher unbekanntes Dschungelvolk voller Amazonen entdeckt hat. Nicht nur, dass diese nackten Frauen völlig sexhungrig sein sollen, auch ein unermesslicher Schatz soll auf die Abenteurer warten. Dort angekommen stellen sie aber schnell fest, dass mit der Amazonen-Königen nicht zu spaßen ist….

Franco inszeniert mit „The Lustful Amazons“ ein sehr eigenwilliges Werk. Karzan, der im Original Maciste heißt und damit zu den Helden rund um Herkules zu zählen ist, soll ein unbezwingbarer Kraftprotz sein, der mit seiner stahlgarten Brust alle Schläge gekonnt abwehren kann. Wal Davis ist zwar gut in Form, aber alles andere als ein Muskelmann. Wenn er splitternackt mit der ebenfalls nackten Alice Arno kämpft, wirkt das eher lächerlich als spannend. Auch so kann sich der Film nur schwer entscheiden, ob er frivole Komödie, blutiger Dschungelreißer oder spannender Abenteuerfilm sein will.

Alice Arno als Amazonen-Königin, Monserrat Prous, Lina Romay und Kali Hansa laufen den kompletten Film fast unbekleidet rum und machen darin natürlich eine super Figur. Die Inszenierung an sich ist aber sehr unspektakulär, denn weder die francoschen Extravaganzen, noch der ihm sonst so eigene Soundtrack lassen sich hier finden.

Trotzdem kann man mit „The lustful Amazons“ viel Spaß haben, was zum großen Teil an den hervorragend in Szene gesetzten Hauptdarstellerinnen liegt.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Perverse Countess )
PostPosted: 29.03.2020 15:18 
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roother wrote:
[align=center]#37: The lustful Amazons (1973)

Trotzdem kann man mit „The lustful Amazons“ viel Spaß haben, was zum großen Teil an den hervorragend in Szene gesetzten Hauptdarstellerinnen liegt.


Da hatte ich mir vor vielen Jahren die VHS aus den Niederlanden gekauft (französische Sprachfassung mit NL-Untertiteln); die Bildqualität war annehmbar, aber den Film selbst möchte ich dann doch lieber in einer besseren Fassung beurteilen (sollte in Zukunft etwas kommen)...

aber wegen Alice Arno alleine schon ein Blick wert ;) ...


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Perverse Countess )
PostPosted: 29.03.2020 16:17 
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Howard Vernon wrote:
roother wrote:
[align=center]#37: The lustful Amazons (1973)

Trotzdem kann man mit „The lustful Amazons“ viel Spaß haben, was zum großen Teil an den hervorragend in Szene gesetzten Hauptdarstellerinnen liegt.


Da hatte ich mir vor vielen Jahren die VHS aus den Niederlanden gekauft (französische Sprachfassung mit NL-Untertiteln); die Bildqualität war annehmbar, aber den Film selbst möchte ich dann doch lieber in einer besseren Fassung beurteilen (sollte in Zukunft etwas kommen)...

aber wegen Alice Arno alleine schon ein Blick wert ;) ...


Definitiv. Vielleicht erbarmt sich mal ein Label und widmet sich diesem Film. Hab den selbt auch auf einer italischen VHS gesehen.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: The lustful Amazons )
PostPosted: 30.03.2020 12:55 
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#38: Les Gloutonnes (1973)

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Manchmal kommt es vor, dass mich meine Reise durch die Werke von Jess Franco an meine Grenzen bringen. „Les Gloutonnes“ ist so ein Beispiel. Nach monatelanger Suche und dank der Hilfe eines ganz lieben Kollegen aus Offenbach habe ich mir endlich eine VHS-Kopie in französischer Sprache sichern können.

„Les Glutonnes“ ist nicht nur Francos bis dahin phantastischster Film, er ist auch sein bisher gewagtester.
Beginnen wir mal mit der Handlung:
Eine unbekannte Schönheit (Alice Arno mal wieder extrem erotisch in Szene gesetzt) liest, sich lasziv räkelnd, einen Fantasy-Roman über Atlantis. In ihrer Vorstellung mutiert sie zur Königin von Atlantis. Gleichzeitig, in einer anderen Realitätsebene, verführt eine dunkle Zauberin (Kali Hansa) den Abenteurer Caronte mit dem Ziel, die Königin von Atlantis zu stürzen. Diese beiden Realitätsebenen verbindet der finstre Cagliosto (den wir bereits aus „Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ kennen), der mittels skurriler Kommunikations-Vase, beide Ebenen miteinander verbindet. Immer wieder unterbrochen von der Roman lesenden und wild Sex habenden Alice Arno als Metageschichte.

Litt „The lustful Amazons“ noch unter zu trivialer Handlung und zu ereignisloser Inszenierung, kann man all das „Les Glutonnes“ definitiv nicht vorwerfen. Neben der extrem komplex verschachtelten Fantasy-Geschichte, überzeugt dieser Werk vor allem durch seine visuelle Inszenierung. Auch verwendet Franco hier wieder eher surreale Klangkomposition bis hin zu dem so gerne genommenen Jazz-Konstrukt.

Was auch völlig überrascht ist die Zeigefreudigkeit der Damen Arno, Romay, Prous und Hansa. Besonders Arno präsentiert sich hier von ihrer besonders offenen Seite. Wenn sie als Königin von Atlantis einen (deutlich sichtbaren) Blowjob gibt und ihre Gehilfin ihr anschließend das (Fake-)Ejakulat vom Körper leckt, geht dies schon deutlich weiter als das, was Franco bisher inszenierte. Auch sein fast schon gynäkologisch detaillierter Zoom auf den weiblichen Intimbereich wird hier erstmal auf die Spitze getrieben.

„Les Glutonnes“ ist eine Herausforderung: so wirr die Handlung, so extrem die Erotik und zugleich aber auch so faszinierend das Gesamtkonstrukt. Jeder normale Filmfreund wird hier nur den Kopf schütteln. Ich als Franco-Jünger verlange nach mehr…..


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Les Gloutonnes )
PostPosted: 17.04.2020 11:57 
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#39: Al otro lado del espejo / Obscene Mirror (1973)

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Ana steht kurz vor der Hochzeit mit ihrem Verlobten, da nimmt sich ihr Vater (Howard Vernon) völlig überraschend das Leben. Um das alles zu vergessen, verschwindet die traumatisierte Ana und lernt auf Madeira neue Leute kennen. Doch immer, wenn sie einem Mann naher kommt, plagen sie Visionen ihres toten Vaters und kurz darauf werden die Männer ermordet aufgefunden…

Franco liefert mit „Al otro lado del espejo“ ein unheimlich sensibles und psychologisch sehr interessantes Werk ab. Anas sehr enges Verhältnis zu ihrem Vater, dessen fester Griff, der sie seit Kindheitstagen nicht loslässt, steht hier in Zentrum des Geschehens. Immer tiefer dringt Franco in die zerbrechliche Psyche einer Frau ein, die traumatisierendes erlebt hat. Immer dunkler und tragischer wird ihre Figur und immer schrecklichere Dinge kommen ans Licht.

Passend zu dieser extrem tragischen und sensiblen Thematik fährt Franco den Anteil an Nacktheit extrem zurück. Trotz einer wunderschönen Emma Cohen, die den Film fast alleine trägt und Alice Arno, sehen wir im ganzen Film nur zwei kurze Nacktszenen.

Dies war für den Produzenten wohl deutlich zu wenig. So fertige Franco kurze Zeit später eine zweite Version an: „Obscene Mirror“. Hier nimmt sich nicht der Vater das Leben, sondern Anas (die hier Annette heißt) Schwester Marie. Marie wird hier von Lina Romay verkörpert und fortan werden die Versionen, welche Ana/Annette von ihrer Schwester hat, damit verbunden, Lina Romay nackt beim Sex zu zeigen. Auch Emma Cohen wird hier öfters nackt präsentiert.

„Al otro lado del espejo“ und „Obscene Mirror“ sind zwei völlig unterschiedliche Filme, die beide ihre Vor- und Nachteile haben. Francos Originalversion ist beeindruckend inszeniert, leidet aber unter teils sehr redundanten Szenen mit viel Leerlauf, während die freizügige Version durch die Erotik von Romay und Cohan punktet, die zwar toll anzusehen ist, aber für die Handlung völlig irrelevant ist und daher zum puren Selbstzweck verkommt.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Al otro lado del espejo / Obscene Mirror )
PostPosted: 21.04.2020 22:46 
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#40: Female Vampire (1973)

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Durch den Nebel bewegt sich langsam eine unbekannte Gestalt auf die Kamera zu. Die Schönheit hat bis auf einen Umhang, einen Gürtel und Stiefel nichts an. Diese stimmungsvollen Bilder, in Kombination mit der melancholischen Musik, zeigen eindrucksvoll mit was für einem Werk wir es hier zu tun haben. „Female Vampire“ ist ein ruhiges, stimmungsvolles Drama, voller Trauer und Erotik. Es ist DER Lina Romay-Film. Zum ersten Mal steht sie mit ihrer unbeschreiblichen Erotik und ihrer Traurigkeit so im Fokus eines Franco-Films.


Sie spielt die Gräfin Irina von Karlstein, eine Unsterbliche, verdammt in alle Ewigkeit. Ihre unstillbare Gier manifestiert sich hier nicht im klassischen Sinne eines Vampirs in Form von Blutdurst. Hier nährt die Gräfin ihre Lebenskraft von der Sexualenergie ihrer Opfer. Dabei sollte man nicht den Fehler machen zu glauben Jess Franco würde hier den Vampirismus pervertieren und statt Blut nun Sperma und Vaginalsekret als lebensspendenden Saft etablieren. Vielmehr steht diese Flüssigkeiten metaphorisch für die Lebensenergie innerhalb des Sexualaktes. Die Gräfin stiehlt ihnen buchstäblich das Leben. Auch in der klassischen Literatur haftet dem Vampirismus immer etwas Lustvolles an. Das Beißen in den Hals der Jungfrauen ist Symbol der Sexualität. Franco spinnt dieses Element konsequent weiter und verlagert die Verführung (was ebenfalls immer ein zentraler Aspekt in der Vampirliteratur ist) von einer metaphorischen Ebene in eine konkrete – dem eigentlichen Sexualakt.


Zurückgelassen werden leblose Körper und eine teilbefriedigte Gräfin, denn selbst nachdem sie den Opfern den lebenserhaltenden Saft bzw. dessen Kraft ausgesaugt hat, scheint sie nicht zufrieden zu sein. Im Gegenteil: Die Gräfin hadert schwer mit ihrem Schicksal. Sie scheint nur mit Widerwillen akzeptieren zu können, dass sie Unschuldigen das Leben nehmen muss. Selbstbefriedigung kann ihre Gier nicht stillen und sie ist sie auch fortan dazu verdammt zu morden…


Eines von Francos bekannteren Werken besticht durch Elemente, welche für Franco zum Markenzeichen geworden sind: die weibliche Verführerin, die Männer als Femme Fatale zu Opfern macht, melancholische Bilder gepaart mit einer nicht immer stimmigen aber dafür extrem effektiven, musikalischen Untermalung, Zooms die sich teils im kompletten out-of-focus auflösen, sowie die unglaublich intensive, erotische Inszenierung seiner weiblichen Darstellerinnen.


Wie so oft bei Franco sind diese Punkte die Gründe, weshalb viele Zuseher den Film genervt abbrechen werden. Für Kenner des Œuvre dieses Ausnahme-Regisseurs sind es genau die Merkmale, für den sie Franco lieben.


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