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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: DRACULA 3D - Dario Argento
PostPosted: 13.02.2020 21:24 
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Dario Argentos Dracula ("Dracula 3D" I/S/F 2012, Regie: Dario Argento)

Merkwürdige Dinge geschehen in Transsylvanien: Nächtens fällt ein mysteriöser Mann (Thomas Kretschmann) mit übernatürlichen Fähigkeiten Dorfbewohner an und schlägt ihnen die Zähne in den Hals. Dann bekommt der Mann, der sich bald als unsterblicher Landadeliger Dracula entpuppt, Besuch vom Buchhalter Jonathan Harker (Unax Ugalde), der eigentlich nur wegen eines Immobilien-Geschäfts in die Einöde gereist ist. Doch auch er wird bald vom Grafen zur Ader gelassen. Nun ist Harker selbst ein Kind der Nacht. Und der Schrecken nimmt kein Ende, als der umtriebige Graf auch noch ein Auge auf Jonathans Angetraute Lucy (Asia Argento) wirft. Jetzt kann nur noch Vampirjäger Van Helsing (Rutger Hauer) helfen... (Filmstarts)

Nachdem ich vor einigen Jahren diesem Film eher nebenbei gesehen hatte, war ich erst einmal bedient. Alleine schon die billige Computeranimation am Anfang ließ mein Interesse schlagartig in den Keller sausen. Und die letzten Filme von Dario Argento fand ich alles andere, als berauschend. Das Unheil fing mMn schon mit "Aura" (1993) an, wobei man hier fairerweise sagen muss, dass die amerikanischen Geldgeber den Film schon während des Drehs unvorteilhaft beeinflusst hatten. Mit "Stendhal Syndrome" (1996) legte Argento aber noch einmal ein starkes Werk vor, das mMn lediglich bei den Computereffekten schwächelt, die es eigentlich gar nicht benötigte. "Phantom der Oper" (1998) war dann so ein Zwischending. Handwerklich durchaus solide, aber inhaltlich nicht so überzeugend, was vor allem auch an der Figurenzeichnung lag. Mit "Sleepless" (2002) kehrte Argento zu seinen Wurzeln zurück und legte ein atmosphärisch dichtes und stilistisch interessantes Werk vor, das aber leider an einigen Ungereimtheiten krankte, die er in seinen früheren Filmen immer raffiniert zu kaschieren verstand. Bei "Sleepless" gelang ihm das jedoch nicht mehr so gut und spätestens am Ende wirkte die Geschichte doch reichlich konstruiert und konnte nicht wirklich überzeugen. Dennoch gibt es einiges zu mögen an diesem Film und als Abschlussfilm wäre "Sleepless" mMn ein würdiger Abgang für den Filmkünstler Dario Argento gewesen. Dann folgte "The Card Player" (2004) und hier ist m. E. wirklich ein krasser Schnitt in der Qualität von Argentos Arbeit zu verzeichnen. Die Geschichte ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen und leistet sich einige unfreiwillig komische Momente (z. B. die Wasserleiche, oder bei der Darstellung des Internets), das Verhalten der Figuren ist teilweise zum Haare raufen und wenig plausibel. Nicht zuletzt kann auch die technische Umsetzung nicht überzeugen. Kameraarbeit und Schnitt bewegen sich auf dem Niveau eines x-beliebigen "Tatort"-Krimis.

Die nachfolgenden Thriller "Do You Like Hitchcock" (2006) und "Giallo" (2009) waren mMn nicht besser. Mit "Mother Of Tears" (2007) lieferte Argento dann den langerwarteten Abschluss der sogenannten "Mütter"-Trilogie ab. Zwar gelangen ihm hier einige durchaus atmosphärische Momente, doch insgesamt hatte ich das Gefühl, hier einen Film von Olaf Ittenbach zu sehen, der in dieser Zeit auf dem selben technischen und handwerklichen Niveau drehte. Und das ist schon irgendwie ernüchternd. Das ist nun keineswegs abwertend gemeint, denn ich schätze billigste Underground-Filme und Trash ebenso, wie künsterlisch anspruchsvolle Meisterwerke der Filmgeschichte, aber Argento ist als Regisseur von "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", "Suspiria", "Inferno" oder auch "Phenomena" nun mal ein ganz anderes Kaliber, als der Regisseur von "Black Past", "The Burning Moon" oder auch "Chain Reaction". Während es Ittenbach leider nie geschafft hat, in der Flut des stetig wachsenden Filmangebotes über gehobenes Mittelmaß hinauszukommen (was ihm jedoch viele auch schon absprechen würden), stürzte Dario Argento innerhalb kurzer Zeit auf dieselbe künstlerische Stufe. Traurig, aber mMn wahr - und bei beiden Filmemachern unendlich schade.

Nun also "Dracula" in 3D. Naja, meine Erwartungen waren da schon reichlich gedämpft und, wie gesagt, der Film hat mich dann auch nicht sonderlich abgeholt. Und hätte MEDIMAX die DVD nicht zufällig gerade für 5,99 € verramscht (ich weiß, die BD kriegt man für denselben Preis), wäre ich vermutlich nicht (oder zumindest nicht so bald) auf die Idee gekommen, ihm noch mal eine Chance zu geben. Doch das Cover machte ihn mir dann gleich irgendwie schmackhaft (vor allem die Kurzkritiken, die das Cover schmückten) und so landete die Scheibe noch am selben Abend im Player. Doch diesmal war ich auf den totalen Trash vorbereitet - ja, ich hatte sogar regelrecht Bock drauf und siehe da - "Dracula 3D" ist gar nicht so übel, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Echt Übel sind auf jeden Fall die Computereffekte, die aussehen, als hätte sie ein nicht ganz volljähriger Youtuber auf die Schnelle hingezaubert. In diesem Punkt bewegt sich "Dracula 3D" auf dem Niveau einer ASYLUM-Produktion. Auch so mancher Splatter-Effekt wurde auf diese Weise hingeschludert. Verdammt, da hätte Olaf Ittenbach helfen können. Doch keine Sorge, die meisten Blut-Sauereien sind noch handgetrickst und somit recht ansehnlich. Ungleich ansehnlicher sind aber einige Freizügigkeiten, die gut über den Film verteilt sind, denn Erotik spielt in dieser Verfilmung eine etwas größere Rolle, als man es sonst gewohnt ist. Die Darsteller chargieren bisweilen, dass die Schwarte kracht, aber das passt auch zum charmant-naiven Szenario, das ungeniert das klassische Vampir-Thema mit klassischen Werwolf-Motiven mischt. Und ich glaube, dass Dario Argento sich sehr wohl bewusst war, dass er hier einen trashigen Exploiter dreht und keine große Filmkunst. Das mittelalterliche Setting setzt er aber recht stimmungsvoll in Szene (trotz Digitalvideo-Optik) und das Tempo des Films ist angenehm entschleunigt, richtig Old School. Die Musik von Claudio Simonetti könnte irgendwie auch zu einem Tim Burton-Film passen. So ist "Dracula 3D" (den man aber nicht in 3D gesehen haben muss) doch wieder richtig liebenswert in seiner Unbedarftheit.

Also kein Vergleich zu früheren Werken Argentos (und bis einschließlich "Opera" finde ich alle seine Filme großartig - den einen mehr, den anderen weniger), aber wenn ich die Genre-Entwicklung in diesem Millenium so betrachte, reicht es mMn immer noch für:

7/10 Atmo-Splatter-Trash

_________________
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PHOBOS (Trailer - deutsch)


THC statt TTIP!


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