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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DON'T COUNT ON US - NON CONTATE SU DI NOI - Sergio Nuti
PostPosted: 03.07.2019 18:47 
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Non contate su di noi (IT)
Don't Count on Us


IT 1978

R: Sergio Nuti
D: Sergio Nuti, Francesca Ferrari, Maurizio Rota, Francesco Scalco, Diana Nicolini, Massimo Scrivo, Manfredi Marzano, Antonio Spoletini

Score: Maurizio Rota, Canzoniere Del Lazio, Massimo Altomare, Alan Sorrenti & Enzo De Luca

OFDb





NON CONTATE SU DI NOI erzählt die Geschichte von zwei jungen Menschen (Maria und Flauto), die sich infolge eines zufälligen Zusammentreffens auf Anhieb ineinander verlieben. Dumm nur, dass Maria bereits seit längerer Zeit an der Nadel hängt, was wiederum dazu führt, dass das junge Liebesglück aufgrund der vorherrschenden Suchtproblematik zusätzlichen Belastungen ausgesetzt wird. Als Flauto dann irgendwann auch noch zur Spritze greift, beginnt das sowieso schon angespannte Beziehungsgefüge vollends aus den Fugen zu geraten...


Nachdem der Film vierzig Jahre lang wie vom Erboden verschwunden war, veröffentlichten die beiden Filmlabel PENNY VIDEO (IT) und CINEPLOIT den Film im April diesen Jahres erstmals in digitaler Form. Dabei handelt es sich quasi um den ersten ernsthaften italienischen Film, der sich mit der zur damaligen Zeit immer gravierender werdenden Heroinproblematik unter Jugendlichen auseinandersetzt. Von Laiendarstellern dominiert -die übrigens größtenteils selbst der Drogenszene entstammten und entsprechend an der Nadel hingen- entpuppt sich NON CONTATE SU DI NOI nicht unbedingt als eine Sternstunde italienischer Filmkunst, kann dafür aber durch seine Authentizität und der zugrunde gelegten Thematik punkten. Inszeniert wurde der Film von Sergio Nuti, der obendrein auch noch die Hauptrolle übernahm und mit Gianloreto Carbone und Francesca Ferrari fleißig am Drehbuch mitwirkte - in welches übrigens auch persönliche Erfahrungswerte der drei Verfasser mit einflossen. Frau Ferrari -die zugleich den Part der weiblichen Hauptrolle verkörperte- spielte nicht nur im Film Sergio Nutis Geliebte, sondern war mit diesem auch im wahren Leben liiert. Gedreht wurde NON CONTATE SU DI NOI in den römischen Vororten Primavalle und Balduina, wobei sich die Dauer der Dreharbeiten über fünf Wochen erstreckte.

Als sehr ergreifend entpuppt sich auch die äußerst schicksalhafte Geschichte des Films, welche der Produzent Manfredi Marzano im Rahmen eines bewegenden Interviews zum Besten gibt. Dabei merkt man Signore Marzano sofort an, wie sehr ihn die damalige Geschichte auch heute noch aufwühlt, denn am Ende dieses sehr bewegenden Interviews treibt es ihm sogar fast die Tränen in die Augen.


Eine ausführlichere Filmbesprechung steht seit heute auf ITALO-CINEMA.de zur Verfügung.




- Die obligatorische Bildergalerie entfällt leider aufgrund eines fehlenden BD-Laufwerks (PC) -


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 Post subject: Re: DON'T COUNT ON US - NON CONTATE SU DI NOI - Sergio Nuti
PostPosted: 24.03.2020 15:27 
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Non contate su di noi
Non contate su di noi
Italien 1978
Regie: Sergio Nuti
Sergio Nuti, Francesca Ferrari, Maurizio Rota, Francesco Scalco, Diana Nicolini, Massimo Scrivo, Manfredi Marzano, Antonio Spoletini


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Giorgio, genannt Flauto, lernt Maria kennen, als er sie fast über den Haufen fährt. Sie verlieben sich heftig ineinander, und obwohl Maria drogenabhängig ist, steht Flauto zu ihr. Er lernt ihre Freunde kennen und ihren Dealer (und Ex-Freund) hassen, und gemeinsam zieht man aufs Geratewohl durch Rom. Der Tag ist nicht weit, dass auch Flauto heroinabhängig wird. Die Beziehung erkaltet, die Abhängigkeit wird größer, und die Ziellosigkeit gewinnt zunehmend die Oberhand. Gleichgültigkeit macht sich breit und tötet alle Gefühle. Nur eines ist noch wichtig: Dass man Stoff bekommt …

Sergio Nuti nimmt den Zuschauer für 2 Stunden mit auf einen Spaziergang durch die Hölle der Interesselosigkeit. Das Fegefeuer der Gleichgültigkeit. Alles ist egal, Hauptsache man bekommt einen neuen Schuss. Die Düsternis und Verzweiflung von zum Beispiel CHRISTIANE F. fehlt hier völlig, das Gefühl der Wurschtigkeit ist das alles beherrschende Element. Es scheint Sommer zu sein in Rom, es ist warm, die Charaktere laufen die meiste Zeit halb- oder ganz nackt herum, und eigentlich könnten sie das Leben genießen. Pupo stirbt in Flautos Wohnung an einem Bauchschuss? Egal. Robi kommt ins Krankenhaus. Das ist dramatisch, aber selbst dort will Robi nur das eine: Stoff. Der hartnäckige Kommissar Corto stellt den Freunden nach und sperrt sie ein? Nun ja, geht auch vorbei. Flauto sticht dem Dealer Andy ein Messer in den Mund? Es gibt wichtigeres …

Ohne Zeitgefühl oder Spannungsbogen driften wir mit Sergio und Maria durch den römischen Sommer, immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Dieses Gefühl der Zeitlosigkeit teilen wir mit den Protagonisten, was dem Film einen starken realistischen Ton gibt. Die Verzweiflung, die Wut, die Enttäuschung, das alles wird hautnah mitgeteilt und überschwemmt den Zuschauer geradezu. Und trotzdem bleibt vor allem diese Antriebslosigkeit immer präsent, ist das desinteressierte Treibenlassen ununterbrochen spürbar. Während an die Wand des Junkie-Treffs ironischerweise der Satz “Es lebe das temperamentvolle Leben“ gesprüht wurde ...

Mit den Bildern der damaligen Polizotteschi im Kopf wird diese Reise noch viel intensiver. Wir kennen Rom aus den Merli- und Milian-Filmen dieser Zeit, aber hier schaut das alles so anders aus. Viel … realistischer. Die Straßen, der Verkehr, die Menschen – Die Kameraführung versetzt uns mitten hinein in das Viertel Primavalle im Nordwesten von Rom, wo keine klassizistischen Prachtbauten die Präfektur repräsentieren, und wo (fast) keine Polizeiautos mit quietschenden Reifen um die Ecken jagen. Ein ganz normales Arbeiterviertel mit hoher Arbeitslosigkeit und stetig wachsendem Elend, aber vor allem mit ganz normalen Menschen und ihren ganz normalen Alltagsproblemen. Man achte mal auf das Kränzchen der alten Frauen bei Robis Wohnung, wie NORMAL das ist. Robi ist auch nicht der üble und verkommene Junkie, sondern er ist in seiner Nachbarschaft als lieber und guter Mensch anerkannt, der sich halt zufällig Drogen spritzt. Andere saufen. So what? Die Drogen sind längst im Zentrum der Gesellschaft angekommen, und sie machen nicht böse (was uns die allermeisten Filme immer und immer wieder weis machen wollen), sondern sie machen lethargisch. Der heroinabhängige Dieb Pupi erzählt, dass er gestern ein Auto aufgebrochen hat, und dann darin eingeschlafen ist …

Eine Charakterstudie über ganz gewöhnliche Menschen mit ganz gewöhnlichen Drogengewohnheiten. Eine Zeitreise in ein tatsächlich existierendes Rom der späten 70er-Jahre.

7/10

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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