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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: LINDENSTRAẞE
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● LINDENSTRAẞE (D|1985-2019)
mit Marie-Luise Marjan, Andrea Spatzek, Moritz A. Sachs, Joachim Hermann Luger, Annemarie Wendl, Sybille Waury,
Irene Fischer, Ludwig Haas, Knut Hinz, Jo Bolling, Rebecca Siemoneit-Barum, Hermes Hodolides, Jacqueline Svilarov,
Sontje Peplow, Cosima Viola, Georg Uecker, Bill Mockridge, Amorn Surangkanjanajai, Ute Mora, Marianne Rogée, u.a.
Regie | Herwig Fischer | Dominikus Probst |George Moorse | Kerstin Krause | Claus Peter Witt | Wolfgang Frank | u.a.
eine Produktion der GFF | im Auftrag des WDR



www.youtube.com Video from : www.youtube.com



Eine Ära deutscher TV-Geschichte geht nach beinahe 35 Jahren zu Ende, denn gestern, am 29. März 2020, ist die 1758 und gleichzeitig letzte Folge der Erfolgsserie "Lindenstraße" ausgestrahlt worden, wobei die letzte Klappe bereits im Dezember 2019 gefallen war. Die erste Episode der bekannten Weekly Soap wurde am 8. Dezember 1985 gesendet und lief seitdem wöchentlich im Abendprogramm der ARD. Von der Kritik verrissen, wurde dem Format keine lange Lebensdauer prophezeit, doch zu Spitzenzeiten schalteten bis zu 15 Millionen Zuschauer ein. Hans W. Geißendörfers "Lindenstraße" dürfte für die meisten ein Begriff sein, nicht zuletzt weil sie kontinuierlich über einen so langen Zeitraum lief, aber auch weil sie immer wieder für größere und kleinere Schlagzeilen sorgen konnte. Zunächst ist das langjährige Bestehen der Serie als beispiellos zu nennen, aber auch die Strategie des Formats war alles andere als alltäglich, da politische, gesellschaftskritische und zeitgenössische Belange und Geschehnisse immer wieder eine Rolle spielten, was die Serien-Konkurrenz deutlich in die Schranken verweisen konnte. Das Ende der "Lindenstraße" ging trotz ausgezeichneter Quote ohne den großen Knall und ohne laute Aufschreie vonstatten, denn man verabschiedete sich mit Würde und Stil, jedoch nicht ohne auf die Wurzeln zahlreicher Folgen zu verweisen. Als es amtlich war, dass Deutschlands wohl bekannteste TV-Straße aus dem laufenden Programm der ARD gestrichen werden würde, flammte lediglich die übliche kleine Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern und deren Programmpolitik auf, was jedoch schnell wieder im Sande verlief. Schaut man auf die Anfänge und den frühen Verlauf, so finden sich etliche Inhalte, die ihrer Zeit ein wenig bis deutlich voraus waren, sogar heute noch diskussionswürdig sind.

Auch ich habe die "Lindenstraße" schon als Kind verfolgt und es gab immer Zeiten in denen die Serie zum festen Wochenprogramm gehörte, nur sporadisch geschaut wurde, oder eben gar nicht. Zum Ende hin war Letzteres der Fall, da auch hier eine zu offensichtliche Abstimmung auf die Konkurrenz stattgefunden hatte. Es stand dabei allerdings immer außer Frage, dass die Serie irgendwie hoch geschätzt war, wenn auch möglicherweise vor allem im Vergleich, da hier dem Empfinden nach immer ein bisschen mehr Aufwand betrieben wurde, man immer ein Stück mehr anecken wollte und man sich für einen Hauch von Alltagstransfer entschieden hatte, was sich generell eher auf thematische Belange bezieht. Auch wenn es für mich keine vergleichbare Soap gibt, die sich in dieser Form tatsächlichen Problemen angenommen hat, kam auch Geißendörfers Langzeitprojekt nicht ohne gängige Klischees und teils biederes Kleinbürgertum aus. Jetzt ist der Vorhang endgültig gefallen und es fühlt sich so an, als ob man schon bald irgend etwas vermissen würde, was vermutlich daran liegt, dass die Serie so lange existiert hat, wie ich denken kann. Fakt ist, dass in der deutschen TV-Landschaft etwas Wichtiges fehlen wird. Nicht, weil die "Lindenstraße" überqualifiziert oder bedeutender gewesen ist, sondern weil sich nach und nach Eintönigkeit im Fernsehen etablierte, ohne Alternativen im Feuer zu haben. Die gestrige finale Folge hat dann doch ein bisschen nachdenklich stimmen können, aber die Welt wird sich auch ohne Mutter Beimer & Co. weiter drehen. Momentan schaue ich mir die alten Folgen mit großem Vergnügen an, und es ist erstaunlich, dass vor 30 Jahren schon vom Klimawandel und erneuerbaren Energien die Rede war, Rassismus oder degenerative Erkrankungen in aller Deutlichkeit thematisiert wurden, und, und, und. Unterm Strich bleibt also die Gewissheit, dass das einzig gültige Gesetz von Serien schlicht und einfach irgendwann »Ende« heißen muss.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 30.03.2020 22:58 
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Es gibt zwei Möglicheiten, wenn man am Abgrund steht. Mann kann springen und damit den ultimativen Cut bewirken oder man läuft zurück und grast alles noch einmal ab, bis man am Ausgangspunkt angelangt ist.

Ich war bis Oktober 2001 Stammzuschauer, dann habe ich mich ausgekilingt.

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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 31.03.2020 06:29 
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Ich war ebenfalls ein Lindenstrasse-Fan der ersten Stunde und habe der Serie bis zuletzt die Treue gehalten. Was mir in letzter Zeit ehrlich gesagt nicht mehr sehr leicht fiel, denn die Saga hatte doch im Laufe der Zeit einiges an Charme und Originalität verloren und einige der neueren Charaktere wie z.B. Sunny gingen mir regelrecht auf die Nerven. Deshalb fällt mir der Abschied nicht gar so schwer, obwohl ich Mutter Beimer & Co. sicher vermissen werde.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 31.03.2020 09:43 
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sid.vicious wrote:
Ich war bis Oktober 2001 Stammzuschauer, dann habe ich mich ausgekilingt.

Haben dir die Themen oder die Charaktere nicht mehr zugesagt, oder hatte sich die Serie einfach im laufe der Jahre abgenutzt, weil sich Sehgewohnheiten auch verändern? Ich denke, ich war so bis 2010 kontinuierlich dabei, danach habe ich mit Abständen immer wieder mal reingeschaut. Bei mir stehen allerdings 30 Jahre "Lindenstraße" im Regal und gerade läuft die sechste Box, also die Jahre 1990-1991. Macht schon Spaß.



doobee wrote:
Ich war ebenfalls ein Lindenstrasse-Fan der ersten Stunde und habe der Serie bis zuletzt die Treue gehalten. Was mir in letzter Zeit ehrlich gesagt nicht mehr sehr leicht fiel, denn die Saga hatte doch im Laufe der Zeit einiges an Charme und Originalität verloren und einige der neueren Charaktere wie z.B. Sunny gingen mir regelrecht auf die Nerven. Deshalb fällt mir der Abschied nicht gar so schwer, obwohl ich Mutter Beimer & Co. sicher vermissen werde.

Die letzten Wochen war ich auch wieder mit von der Partie doch bei vielen Charakteren habe ich gar nicht mehr durchgeblickt, was mir sonst nicht so vorkam. Die Geschichten waren meines Erachtens schon sehr an die Strategien von anderen laufenden Serien angepasst, aber man hat es wohl nicht geschafft, neue Zuschauer zu rekrutieren geschweige denn alte Fans zu halten. Wie hat dir denn die finale Folge gefallen? Die hatte ja nochmal einen ordentlichen Zuschauerzuwachs von dem die Verantwortlichen Jahre lang geträumt haben.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 31.03.2020 12:45 
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Die finale Folge war meines Erachtens ein würdiger und versöhnlicher Abschluss. Man hat möglichst viele der losen Enden noch zusammengefügt. So hätte es früher mindestens drei oder mehr Folgen gedauert bis rausgekommen wäre ob Anna Ziegler den Wolf Lohmaier nun in den Aufzugschacht gestossen hat oder nicht. Und wie hätte die Serie besser enden können als mit dem 80. Geburtstag von Mutter Beimer, dem Flagschiff der Lindenstrasse. Die Schluss-Einstellung, als sie sich wehmütig in ihrer Strasse umsieht bevor sie im Akropolis zu ihrer Feier verschwindet hatte schon was Berührendes. Man spürte förmlich,, wie schwer Marie-Luise Majan diese letzte Klappe, dieser endgültige Abschied, gefallen ist.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 31.03.2020 13:42 
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Ja, ich hatte auch den Eindruck eines würdigen und sehr gelungenen Abschlusses. Interessant fand ich, dass die alte Rivalität zwischen Anna und Helga wieder als großer Aufhänger verwendet wurde, um Mutter Beimers gutem Herz schlussendlich nochmals die große Bühne zu geben. Viele der sonstigen Hauptdarsteller blieben in der Abschlussfolge eher Statisten und auch ich hatte den Eindruck, dass es Marie-Luise Majan sichtlich schwer gefallen ist, diese letzte Folge abzudrehen, nicht aber ohne darauf hinzudeuten, dass das Leben für alle weitergehen wird. So kam Wehmütiges mit Befreiendem und Hoffnungsvollem zusammen; das war in Verbindung mit der Panorama-Ansicht über ganz München schon gut gelöst und konnte sich sehr einfach auf den Zuschauer übertragen.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 31.03.2020 17:10 
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Prisma wrote:
sid.vicious wrote:
Ich war bis Oktober 2001 Stammzuschauer, dann habe ich mich ausgekilingt.

Haben dir die Themen oder die Charaktere nicht mehr zugesagt, oder hatte sich die Serie einfach im laufe der Jahre abgenutzt, weil sich Sehgewohnheiten auch verändern? Ich denke, ich war so bis 2010 kontinuierlich dabei, danach habe ich mit Abständen immer wieder mal reingeschaut. Bei mir stehen allerdings 30 Jahre "Lindenstraße" im Regal und gerade läuft die sechste Box, also die Jahre 1990-1991. Macht schon Spaß.

Obwohl ich mich noch haarscharf an den Start der Serie erinnern kann, hat mein Einstieg erst Mitte der 90er Jahre stattgefunden. Bis vor ca. 11 Jahren hatte ich mir die Serie von da an nicht nur regelmäßig angeschaut, sondern auch die versäumten Folgen in den Sparten- und Regionalsendern der Öffentlich-Rechtlichen nachgeholt. Als DVD-Boxen habe ich zuhause lediglich die ersten beiden Jahren stehen, da ich diese auch weiterhin als die bemerkenswertesten halte. Leider kam mir irgendwann nicht nur der Bezug zu einem Großteil der Rollencharaktere abhanden, sondern auch die Geschichten empfand ich immer abstruser (was aber vermutlich wiederum der realen gesellschaftlichen Veränderung geschuldet war)

Den Abschlussteil werde ich mir in den nächsten Tagen bestimmt noch anschauen, wobei mich in erster Linie interessiert, welche Darsteller die Serie letztendlich überlebt haben. :)


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 31.03.2020 18:50 
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Prisma wrote:
sid.vicious wrote:
Ich war bis Oktober 2001 Stammzuschauer, dann habe ich mich ausgekilingt.

[align=justify]Haben dir die Themen oder die Charaktere nicht mehr zugesagt, oder hatte sich die Serie einfach im laufe der Jahre abgenutzt, weil sich Sehgewohnheiten auch verändern?


Die Sehgewohnheiten hatten sich aufgrund von Umzug verändert. Wenn die LINDENSTRAßE lief, war ich eh nicht zu Hause. Als ich nach langer Zeit mal wieder eingeschaut habe, hatten sich die Charaktere zum Nachteil verändert und alles andere erschien tatsächlich abgenutzt. Aber, ich war viele Jahre dabei.

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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 31.03.2020 18:58 
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Richie Pistilli wrote:
Leider kam mir irgendwann nicht nur der Bezug zu einem Großteil der Rollencharaktere abhanden, sondern auch die Geschichten empfand ich immer abstruser

Das ist glaube ich das Schicksal von so gut wie allen Serien. Dann werden Frischzellenkuren angeordnet und Prinzipien über Bord geworfen. Im Endeffekt muss die Quote irgendwie stimmen, ansonsten werden Formate früher oder später abgesägt. Ich habe mich schon oft gefragt, wie viele Zuschauer eine Serie denn eigentlich haben muss, damit sie sich rechnet? Naja, wir haben alle schon abstruse Inhalte gesehen und es war nicht immer originell. Als "Denver Clan" auf dem absteigenden Ast war, ließ man seinerzeit sogar ein Ufo landen. Viel gebracht hat es nachweislich aber nicht. :mrgreen:

Ich bin gespannt, wie die letzte Folge bei dir ankommen wird!


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 31.03.2020 19:37 
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sid.vicious wrote:
Als ich nach langer Zeit mal wieder eingeschaut habe, hatten sich die Charaktere zum Nachteil verändert

Diesen Eindruck hatte ich tatsächlich auch immer mal wieder, aber mich hat es meistens nicht vom Anschauen abgehalten. Bei den letzten Folgen kam eher das Gefühl, dass ich zu einigen der neuen Charaktere keine Berührungspunkte gefunden habe. Das war sonst nie ein größeres Problem, wenn aus heiterem Himmel neue Lindenstraßler dabei waren. Gut, ich muss einräumen, dass ich wohl auch zu lange raus gewesen bin. Interessant ist aber, dass dieses Argument bei den bisherigen Rückmeldungen häufig kam: Charaktere, die einen nicht mehr ansprechen oder sogar das Gegenteil bewirkt haben. Ist die Serie nach all den Jahren denn möglicherweise oberflächlicher oder thematisch uninteressanter geworden?


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 12:17 
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Prisma wrote:
Diesen Eindruck hatte ich tatsächlich auch immer mal wieder, aber mich hat es meistens nicht vom Anschauen abgehalten. Bei den letzten Folgen kam eher das Gefühl, dass ich zu einigen der neuen Charaktere keine Berührungspunkte gefunden habe. Das war sonst nie ein größeres Problem, wenn aus heiterem Himmel neue Lindenstraßler dabei waren.

Da mein Ausstieg schon ein paar Jahre her ist (in der zuletzt gesehenen Folge züchtete Hans Beimer zuhause Gras), kann ich zu den letzten Neuzugängen leider nicht viel sagen - zumindest bereiteten mir diese bis zum besagten Zeitpunkt weniger Probleme als vielmehr die haarsträubenden Geschichten, bei denen mir persönlich immer stärker der Realitätsbezug abhanden kam (aber wie gesagt, vielleicht hatte sich Lebensrealität tatsächlich dorthin entwickelt, nur ich bin nicht mitgezogen) :)


Prisma wrote:
Gut, ich muss einräumen, dass ich wohl auch zu lange raus gewesen bin. Interessant ist aber, dass dieses Argument bei den bisherigen Rückmeldungen häufig kam: Charaktere, die einen nicht mehr ansprechen oder sogar das Gegenteil bewirkt haben. Ist die Serie nach all den Jahren denn möglicherweise oberflächlicher oder thematisch uninteressanter geworden?

Zumindest hatte ich an der letzten Folge meine Freude, da zu meiner größten Überraschung fast ausschließlich bekannte Charaktere am Start waren. Am meisten freute ich mich über das Wiedersehen mit Murat, Vasily, Gung als auch Andy und Gabi Zenker. Das einzige, was mir bei der letzten Folge fehlte, war der tagesaktuelle Bezug, für den die Serie immer bekannt war (stellenweise wurde das tagesaktuelle Geschehen in letzter Minute noch irgendwie in die aktuelle Folge miteinbezogen): Entgegen des aktuellen Abstandsgebots lagen sich am Ende sämtliche Charaktere im Akropolis in den Armen :D


In der Mediathek steht aktuell die auf drei Jahrzehnte zurückblickende Doku "Bye, Bye, Lindenstraße" zur Verfügung:
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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 12:58 
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Obwohl ich nie eine Folge der "Lindenstraße" gesehen habe, stelle ich mir vor, dass es ungemein wichtig ist, von Beginn an eine starke Identifikationsfigur zu haben. Als ich kürzlich wieder damit begonnen habe, "Die Schwarzwaldklinik" zu sehen, begegnete ich in Folge 1 in einer Gastrolle Marie-Luise Marjan, die überaus herzlich und sympathisch agierte. Ich denke, ihre Präsenz war die Seele der "Lindenstraße"; eine ähnliche Komponente wie bei Witta Pohl in "Diese Drombuschs".


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 16:53 
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Percy Lister wrote:
Obwohl ich nie eine Folge der "Lindenstraße" gesehen habe, stelle ich mir vor, dass es ungemein wichtig ist, von Beginn an eine starke Identifikationsfigur zu haben. Als ich kürzlich wieder damit begonnen habe, "Die Schwarzwaldklinik" zu sehen, begegnete ich in Folge 1 in einer Gastrolle Marie-Luise Marjan, die überaus herzlich und sympathisch agierte. Ich denke, ihre Präsenz war die Seele der "Lindenstraße"; eine ähnliche Komponente wie bei Witta Pohl in "Diese Drombuschs".


Wobei zwischen Witta Pohl und Marie-Luise Marjan Welten liegen was das Schauspielerische Talent anbelangt, da war Witta Pohl doch um Klassen besser und "Diese Drombuschs ist eine Serie die mit tollen Drehbüchern aufwartete und sich wirklich als Kult Serie bezeichnen darf. Nichts gegen die Lindentraße, aber die Serie hat mich nie besonders beeindruckt.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 18:15 
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Ich habe die Lindenstraße auch lange verfolgt, wie so viele damals. Die Serie hatte wohl anfangs zeitweise einen Zuschauerzuspruch von bis zu 14 Mio. Viewern. Irgendwann bin ich dann ausgestiegen und habe erst in letzter Zeit die Wiederholungen auf ONE der Folgen um '16/'17 geschaut, welche mir gut gefielen. Dadurch bin ich dazu gekommen, die aktuellen Folgen mal wieder mitzuverfolgen. Das war schon hochklassiges TV, das dort jeden Sonntag über den Bildschirm flimmerte.

Schon schade, dass es sich zuletzt wohl nicht mehr rechnete. Wenn ich nicht falsch liege, wurde jede Folge in vier Drehtagen - von Montag bis Donnerstag - abgedreht. Trotz der einstudierten Abläufe ist die Serie mit seinem großen Cast und der dementsprechende Crew ein aufwendiges Projekt gewesen - und der ARD mittlerweile zu teuer geworden. Man kann's schon irgendwie verstehen.

Ganz witzig fand ich des '95er Special ENTFÜHRUNG AUS DER LINDENSTRAßE, in dem ein durchgeknallter Fan (Herbert Feuerstein) "Mutter Beimer" entführt, um eine drohende Absetzung der LS zu verhindern. In diesem Film sind viele Charaktere 'gegen den Strich besetzt' und er versprüht einen gewissen, leicht wahnsinnigen Trash Appeal. :)


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 18:38 
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Richie Pistilli wrote:
zumindest bereiteten mir diese bis zum besagten Zeitpunkt weniger Probleme als vielmehr die haarsträubenden Geschichten, bei denen mir persönlich immer stärker der Realitätsbezug abhanden kam

Verstehe ich voll und ganz; zum Ende hin habe ich auch nur noch wenige Berührungspunkte ausfindig machen können, ob auf manche Personen oder auf die Storys bezogen. Vielleicht ist diese empfundene Oberflächlichkeit aber genau der Transfer, den Serien heutzutage nötig haben? Ich kann es nicht sagen, da ich sozusagen ein Serien-Aussteiger bin, was aktuelle Sachen betrifft. Ich fand es vor Wochen bezeichnend, dass ich keinen Weg in gewisse Geschichten finden konnte, auch wenn ich drei, vier Folgen am Stück wieder dabei war. Normalerweise ist es ja normal bei Serien, dass man trotz Phasen der Abstinenz schneller wieder eingestiegen ist, als einem lieb ist, aber mir kam es in der Endphase der Serie nicht mehr so vor. In irgend einem Interview wurde darauf Bezug genommen, dass man Altes mit Neuem verbinden wollte, um langjährige Fans nicht zu verprellen und potentielle hinzuzugewinnen. Es hat offenbar nicht funktioniert.



Richie Pistilli wrote:
Das einzige, was mir bei der letzten Folge fehlte, war der tagesaktuelle Bezug, für den die Serie immer bekannt war (stellenweise wurde das tagesaktuelle Geschehen in letzter Minute noch irgendwie in die aktuelle Folge miteinbezogen): Entgegen des aktuellen Abstandsgebots lagen sich am Ende sämtliche Charaktere im Akropolis in den Armen

Stimmt, ich habe nur eine kurze Randnotiz im laufenden Radio über die aktuelle Corona-Lage vernommen. Fairerweise muss man sagen, dass die Folge einen terminlichen Vorlauf von drei Monaten hatte. Um alles komplett real und angepasst darzustellen, hätte die komplette Folge eigentlich neu gedreht werden müssen, außerdem hätte die ganze Geschichte abgeändert werden müssen. Auch wenn eine Randnotiz für die Verhältnisse der "Lindenstraße" sicherlich wenig ist, kann ich mir dennoch vorstellen, dass so etwas in anderen Serien, vor allem Daily-Soaps, generell kein Thema ist. Mir hat es auch gut gefallen, dass man die meisten der bekannten Gesichter nochmals gesehen hat. Es war eine gute und versöhnliche Lösung, noch einmal zu den Wurzeln des Ganzen zurückzugehen.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 18:56 
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Percy Lister wrote:
Obwohl ich nie eine Folge der "Lindenstraße" gesehen habe, stelle ich mir vor, dass es ungemein wichtig ist, von Beginn an eine starke Identifikationsfigur zu haben.

In einer Doku berichtete Marie-Luise Marjan in diesem Zusammenhang, dass sie die Rolle angeboten bekam und sie zunächst auf bayrisch sprechen sollte, was sie nicht konnte oder wollte. Sinngemäß hat man ihr dann zu verstehen gegeben, dass es egal sei wie sie es macht, Hauptsache sie macht es. Daran sieht man, dass Helga Beimer von Beginn an als Herzstück der Serie angedacht war, was sie auch immer geblieben ist. In der finalen Folge wurde dies nochmals deutlich herausgearbeitet, denn über die Jahre gesehen war es nicht immer im gleichen Maße ersichtlich. Figuren (vor allem in der "Lindenstraße") waren stets darauf angelegt, sich signifikant zu entwickeln, egal in welche Richtung. Auch Mutter Beimer musste diese Phasen durchmachen, insbesondere nach der Trennung von Hans.

Im Grunde genommen war und blieb sie immer die klassische Sympathieträgerin, wenngleich sie nach diesem harten Einschnitt auch sehr strapaziöse Züge annehmen konnte. Hier taten auch einige Todesfälle ihr Übriges dazu. Sie wurde im familiären Rahmen und im Freundeskreis oft als "Glucke" bezeichnet und konnte Kontrollverluste offensichtlich nur schwer ertragen. Sie resignierte, wenn ihre Gutherzigkeit ausgenutzt wurde und zog deutliche Lehren und Konsequenzen daraus. Sicherlich wie im wahren Leben, aber in Serien nicht immer an der Tagesordnung, oder in oberflächlicher Form. Die Episode aus "Die Schwarzwaldklinik" kenne ich auch und sie kommt den Anfängen als Helga Beimer ziemlich nah. Bei Witta Pohl kann ich leider nicht so sehr folgen, obwohl deine Anmerkung sicherlich richtig ist. Ich habe sie für mich aber nie als klassische Sympathieträgerin identifizieren können.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 20:05 
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Jimmy Stewart wrote:
Ganz witzig fand ich des '95er Special ENTFÜHRUNG AUS DER LINDENSTRAßE, in dem ein durchgeknallter Fan (Herbert Feuerstein) "Mutter Beimer" entführt, um eine drohende Absetzung der LS zu verhindern. In diesem Film sind viele Charaktere 'gegen den Strich besetzt' und er versprüht einen gewissen, leicht wahnsinnigen Trash Appeal. :)

Über dieses Special bin ich auch schon öfter gestolpert, habe es aber noch nie gesehen.
Scheint ja schon ziemlich abgefahren zu sein. Ist es auf seine Weise denn lohnenswert, also für Fans?


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 20:27 
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Prisma wrote:
Ist es auf seine Weise denn lohnenswert, also für Fans?


Ja, das würde ich schon meinen. Der sonst stotternde "Hajo Scholz" z. B. gibt einen miesgelaunten Cop alter Schule, der nur im Kommandoton kommuniziert und seinen direkten Untergebenen, "Hans Beimer", permanent zur Schnecke macht. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, tragen nahezu alle Polizisten Schnauzbärte - u. a. auch z. B. "Vasily Sarikakis".

Der Geißendörfer hat sich hier schon etwas ausgetobt, denke ich. :)


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 05.04.2020 20:31 
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Prisma wrote:
Vielleicht ist diese empfundene Oberflächlichkeit aber genau der Transfer, den Serien heutzutage nötig haben?

Eine sehr interessante Frage, wobei ich aber auch hier vermute, dass dies eine logische Folge unserer veränderten Lebensrealität darstellt. Beispielsweise herrscht heute eine unendliche Themenvielfalt vor (ob der Großteil davon als gehaltvoll angesehen werden kann, lasse ich mal dahingestellt), bei der die aufgezeigten Problematiken auf einen viel geringeren Nenner stoßen, als es beispielsweise in den 80er Jahren der Fall war. Homosexualität, häusliche Gewalt oder unverblümte Kritik an der aktuellen Politik waren damals Themen, die einen viel größeren Zuschauerkreis tangierten. Heute empfinde ich vieles als verwässert, was sich auch wiederum im Fortschreiten der Serie bemerkbar machte.


Prisma wrote:
Ich kann es nicht sagen, da ich sozusagen ein Serien-Aussteiger bin, was aktuelle Sachen betrifft. Ich fand es vor Wochen bezeichnend, dass ich keinen Weg in gewisse Geschichten finden konnte, auch wenn ich drei, vier Folgen am Stück wieder dabei war. Normalerweise ist es ja normal bei Serien, dass man trotz Phasen der Abstinenz schneller wieder eingestiegen ist, als einem lieb ist, aber mir kam es in der Endphase der Serie nicht mehr so vor.

Ich werde mit den meisten der tagesaktuellen Serienproduktionen auch nicht warm - die einzige Ausnahme stellt momentan meine Rückkehr zur TATORT und POLIZEIRUF 110-Serie dar ;)

Hier ist zwar auch nicht alles Gold was glänzt, aber immerhin fühle ich mich größtenteils gut unterhalten.



Prisma wrote:
In irgend einem Interview wurde darauf Bezug genommen, dass man Altes mit Neuem verbinden wollte, um langjährige Fans nicht zu verprellen und potentielle hinzuzugewinnen. Es hat offenbar nicht funktioniert.(...) In einer Doku berichtete Marie-Luise Marjan in diesem Zusammenhang, dass sie die Rolle angeboten bekam und sie zunächst auf bayrisch sprechen sollte, was sie nicht konnte oder wollte. Sinngemäß hat man ihr dann zu verstehen gegeben, dass es egal sei wie sie es macht, Hauptsache sie macht es. Daran sieht man, dass Helga Beimer von Beginn an als Herzstück der Serie angedacht war, was sie auch immer geblieben ist.

Auf beide Sachverhalte wird auch in der Doku Bye, bye Lindenstraße hingewiesen, die ich mir heute Nachmittag angeschaut habe. Dabei kamen nicht nur viele vergessene Erinnerungen zurück, sondern mir wurde auch wieder klar, inwiefern sich die LINDENSTRAßE vom Großteil der gängigen TV-Serien unterscheidet - daher käme es mir auch nie in den Sinn, diese Serie beispielsweise mit den 'Drombuschs' zu vergleichen. Das Ganze war schon legendär und einzigartig!



Prisma wrote:
Stimmt, ich habe nur eine kurze Randnotiz im laufenden Radio über die aktuelle Corona-Lage vernommen. Fairerweise muss man sagen, dass die Folge einen terminlichen Vorlauf von drei Monaten hatte. Um alles komplett real und angepasst darzustellen, hätte die komplette Folge eigentlich neu gedreht werden müssen, außerdem hätte die ganze Geschichte abgeändert werden müssen.

Meine Bemerkung war auch mit einem ganz dicken Augenzwinkerer versehen, da es für ein solches Finale einfach nicht passend gewesen wäre, wenn sich alle mit 2m Abstand im Akropolis positioniert hätten (streng genommen, hätten sie nicht einmal die Häuser für einen gemeinsamen Abschied verlassen dürfen) :)

Wäre dies nicht die letzte Folge gewesen, dann hätten sich die aktuellen Veränderungen im täglichen Leben bestimmt auch in der Serie bemerkbar gemacht. Und genau für diesen Realitätsbezug schätzte ich die Lindenstraße am meisten. In der Doku 'Bye, bye Lindenstraße' wird beispielsweise auch aufgezeigt, wie an Wahlsonntagen im Vorfeld mehrere Varianten abgefilmt wurden, die dann kurz vor der Ausstrahlung angesichts des tatsächlichen Ergebnisses noch kurzfristig hereingeschnitten wurden.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 07.04.2020 22:15 
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Richie Pistilli wrote:
Heute empfinde ich vieles als verwässert, was sich auch wiederum im Fortschreiten der Serie bemerkbar machte.

Ich frage mich das auch oft, aber ebenso frage ich mich manchmal, ob es nur ein Eindruck des Vergleichs ist. Nicht einmal von Serie zu Serie, denn man sollte diesen Formaten einfach eine gewisse Oberflächlichkeit und seichte Elemente als Elixier zugestehen, sondern ganz generell auf das laufende Programm bezogen. Im Bezug auf viele Serien oder TV-Formate wird es so ganz spannend zu hinterfragen, ob tatsächlich das geboten wird, was die breite Masse will, oder ob es das ist, was insbesondere Privatsender mit viel Geschick platzieren konnten und es heute als vollkommen normal und salonfähig angesehen wird.



Richie Pistilli wrote:

Habe ich mir auch noch einmal angesehen. Ich bin momentan en route bei Folge 280 angekommen und in der Doku wurde schon einmal viel vorweg genommen. Viele Aha-Effekte und legendäre Inhalte, Szenen und Skandale; ich freue mich schon richtig darauf, wenn zusätzliche Leute auftauchen, die immer kontrovers agiert haben und diskutiert wurden: Etwa Olli, Lisa oder Konsorten. Ich finde, dass man gerade nach diesen ausgewählten Eindrücken noch einmal schön die Vielfalt der Themen und Charaktere vor Augen gehalten bekommt, aber auch gleichzeitig, dass jetzt endgültig Schluss ist.



Richie Pistilli wrote:
In der Doku 'Bye, bye Lindenstraße' wird beispielsweise auch aufgezeigt, wie an Wahlsonntagen im Vorfeld mehrere Varianten abgefilmt wurden, die dann kurz vor der Ausstrahlung angesichts des tatsächlichen Ergebnisses noch kurzfristig hereingeschnitten wurden.

Das fand ich immer sehr beeindruckend und in der Rückschau auch spannend. Nicht nur eingefügte Fernsehsendungen oder Radiomeldungen, man hat die Lindenstraßler ja auch politisch denken lassen und sie haben sich immer mal wieder diesbezüglich positionieren können. Angenehm ist, dass dabei unterm Strich auch immer auf die Opposition geachtet wurde und so nie der Eindruck von Eindimensionalität entstand. Eigentlich ist es komisch, dass eben genau dieser Transfer von vollkommen normalen und alltäglichen Dingen, die man ja selbst erlebt und mitbekommt, damals revolutionär und heute noch so außergewöhnlich wirkt.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 09.04.2020 17:31 
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Prisma wrote:
Ich frage mich das auch oft, aber ebenso frage ich mich manchmal, ob es nur ein Eindruck des Vergleichs ist. Nicht einmal von Serie zu Serie, denn man sollte diesen Formaten einfach eine gewisse Oberflächlichkeit und seichte Elemente als Elixier zugestehen, sondern ganz generell auf das laufende Programm bezogen. Im Bezug auf viele Serien oder TV-Formate wird es so ganz spannend zu hinterfragen, ob tatsächlich das geboten wird, was die breite Masse will, oder ob es das ist, was insbesondere Privatsender mit viel Geschick platzieren konnten und es heute als vollkommen normal und salonfähig angesehen wird.

Eine interessante These, die ich zwar vom Bauchgefühl ebenso teile, aber letztlich nicht belegen kann.
Zumindest schüren die meisten aktuelle TV-Formate alles andere als mein Interesse...

Prisma wrote:
Habe ich mir auch noch einmal angesehen. Ich bin momentan en route bei Folge 280 angekommen und in der Doku wurde schon einmal viel vorweg genommen. Viele Aha-Effekte und legendäre Inhalte, Szenen und Skandale; ich freue mich schon richtig darauf, wenn zusätzliche Leute auftauchen, die immer kontrovers agiert haben und diskutiert wurden: Etwa Olli, Lisa oder Konsorten. Ich finde, dass man gerade nach diesen ausgewählten Eindrücken noch einmal schön die Vielfalt der Themen und Charaktere vor Augen gehalten bekommt, aber auch gleichzeitig, dass jetzt endgültig Schluss ist.

Oh ja, beim Anschauen dieser Doku sind bei mir auch wieder zahlreiche Erinnerungen zurückgekehrt. Leider bekomme ich gerade nicht mehr alle Rollencharaktere zusammen, die mich über die Jahre am meisten ansprachen. Neben den prägnanten Charakteren aus der Anfangszeit ("Zorro“ Pichelsteiner, Robert Engel, Franz Schildknecht, „Chris“ Barnsteg Nr.1, Enrico Pavarotti, Franz Wittich...) waren es später beispielsweise „Adi“ Stadler oder Murat Dağdelen, die mich am meisten begeisterten. Was ich total krass fand, war beispielsweise der öffentliche Umgang mit Schauspieler Martin Armknecht, da er von vielen Menschen im realen Leben als Oberfiesling Robert Engel wahrgenommen und entsprechend angegangen wurde. :shock:

Prisma wrote:
Das fand ich immer sehr beeindruckend und in der Rückschau auch spannend. Nicht nur eingefügte Fernsehsendungen oder Radiomeldungen, man hat die Lindenstraßler ja auch politisch denken lassen und sie haben sich immer mal wieder diesbezüglich positionieren können. Angenehm ist, dass dabei unterm Strich auch immer auf die Opposition geachtet wurde und so nie der Eindruck von Eindimensionalität entstand. Eigentlich ist es komisch, dass eben genau dieser Transfer von vollkommen normalen und alltäglichen Dingen, die man ja selbst erlebt und mitbekommt, damals revolutionär und heute noch so außergewöhnlich wirkt.

Das war einer der Punkte, der mir bei der Lindenstraße mit am meisten imponierte. Im Gegensatz zu späteren Soaps, die dem Zuschauer eine selbstentworfene Realität von Modepüppchen und oberflächlichen Gigolos vordiktiert haben, versuchte Geißendörfer vielmehr einen Mikrokosmos der gesellschaftlichen Realität in einer Straße unterzubringen. Und genau diesen Ansatz finde ich heute noch revolutionär. Aber wie bereits geschrieben, scheint dieser Ansatz mit fortschreitender Dauer immer mehr verloren gegangen zu sein.

:unknown:


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 13.04.2020 15:52 
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Richie Pistilli wrote:

Wenn man einen Blick auf die Liste wirft, kommen viele angenehme und unangenehme Erinnerungen zurück. Wie gesagt bin ich jetzt in der sechsten Staffel und ich freue mich schon auf viele gerne gesehene, aber auch verhasste Charaktere, die noch auftauchen werden. Mir hat es immer gut gefallen, dass die Personen auch Entwicklungen durchmachen durften oder mussten, manchmal Extrema bedienen mussten, oder beispielsweise vollkommen geläutert zurück kommen durften. Auch wenn manche Lindenstraßler wie aus der untersten Schublade vorkamen, es war doch immer beachtlich, dass oft auch sehr dichte schauspielerische Leistungen dahinter steckten.



Richie Pistilli wrote:
Aber wie bereits geschrieben, scheint dieser Ansatz mit fortschreitender Dauer immer mehr verloren gegangen zu sein.

Wobei man fairerweise aber sagen muss, dass die "Lindenstraße" in dieser Beziehung immer noch ein bisschen mehr zu bieten hatte, als andere Serien.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 13.04.2020 16:32 
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Aktuell laufen auf ONE Folgen von 2017, die ich damals nicht gesehen habe. Ich will ja nicht zu viel verraten, Prisma, aber was da zwischen "Momo" und "Robert Engel" abgeht ist schon recht heftig. :o ;)


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 13.04.2020 17:53 
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Klingt ganz nach meinem Geschmack! :D

Ich bin gespannt, weil ich in der Phase auch keine "Lindenstraße" mehr geguckt habe.
Den Robert Engel fand ich ja schon immer ätzend, aber Martin Armknecht hat diesen Charakter wirklich klasse interpretiert.
Wird bei mir aber wohl noch ein Weilchen dauern, bis ich dahin komme.
Ich habe wie gesagt nochmal von vorne angefangen, schaue aber parallel immer mal wieder in die noch ungesehenen Staffeln rein.
Da bin ich jetzt bei 2011 angekommen.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 13.04.2020 18:20 
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Ja, der Armknecht war eine absolute Bereicherung für die Serie. Der hat so einen "devel'igen" Charakter eingebracht, was mir gefallen hat. Was den Charakter bzw. das Erscheinungsbild des "Momo" betrifft meine ich mal gelesen zu haben, dass Moritz Zielke von Geißendörfer trotz dbzgl. mehrfacher Anfragen ein Verbot erhalten hat, die Dreadlocks abzulegen.

Aber gut, Zielke hat wahrscheinlich abgewogen: Festanstellung oder Ungewissheit. Trotzdem war das schon eine harte Order, die ja auch ins Privarleben greift.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 13.04.2020 18:37 
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Jimmy Stewart wrote:
Ja, der Armknecht war eine absolute Bereicherung für die Serie.

Oh ja, der hat viele in seinen Krallen gehabt: Frank Dressler, "Walze" und auch Carsten Flöter. Aber es hat vielen Phasen eine gute Würze gegeben, auch wenn seine Machenschaften oft unerträglich waren.

Den Moritz Zielke kann ich mir ohne Dreads eigentlich gar nicht vorstellen.
Hätte aber nicht gedacht, dass er sie behalten musste, wobei es in dem Business bestimmt keine Ausnahme ist, mit Forderungen konfrontiert zu werden.


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 Post subject: Re: LINDENSTRAẞE
PostPosted: 17.04.2020 10:18 
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Italofreak1970 wrote:
Wobei zwischen Witta Pohl und Marie-Luise Marjan Welten liegen was das Schauspielerische Talent anbelangt, da war Witta Pohl doch um Klassen besser und "Diese Drombuschs" ist eine Serie die mit tollen Drehbüchern aufwartete und sich wirklich als Kult Serie bezeichnen darf. Nichts gegen die Lindentraße, aber die Serie hat mich nie besonders beeindruckt.


Ich empfand die Übergänge zu den neuen Lebensabschnitten der Protagonisten sehr angenehm, weil tatsächlich zeitliche Abstände vorgenommen wurden und die Serie von 1983 bis 1994 immer wieder mal ein, zwei Jahre pausierte. In den neununddreißig Episoden wurde das Panorama einer Familie gezeichnet, die viele Tragödien bewältigen musste, wobei gerade Vera Drombusch, die immer als starke Frau inszeniert wurde, nach den Schicksalsschlägen mit Sigis Tod, den Schulden, der problematischen neuen Beziehung zu Martin Sanders, Chris' Ermordung und weiteren Sorgen um Tina und Marion in ein tiefes Loch fiel, was den Zuschauer wirklich erschütterte. Vera depressiv und medikamentenabhängig zu sehen, war etwas vom Schlimmsten, was Robert Stromberger dem Publikum präsentierte.


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