Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 27.01.2021 11:49

All times are UTC + 1 hour




Post new topic Reply to topic  [ 22 posts ] 
AuthorMessage
 Post subject: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 17.11.2018 12:09 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male


ORSON WELLES ERZÄHLT


www.youtube.com Video from : www.youtube.com


● ORSON WELLES' GREAT MYSTERIES / ORSON WELLES ERZÄHLT / DIE GROẞEN GEHEIMNISSE DES ORSON WELLES (GB|1973)
mit Orson Welles als Gastgeber
eine Serie von | Alan Gibson | Peter Sasdy | Peter Sykes | Mark Cullingham | u.a.
eine Anglia Television Produktion für ITV



Orson Welles präsentiert eine Reihe mysteriöser, skurriler, denkwürdiger und geheimnisvoller Geschichten, bei denen er jeweils die Erzählfunktion übernimmt. Nicht nur, dass der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler seinen guten Namen für diese Anthologie hergibt, er bereichert die sehr unterschiedlich gefärbten, durchaus gut besetzten und mit etwa halbstündiger Laufzeit versehenen Geschichten mit seiner weltbekannten, vereinnahmenden Präsenz. Dabei versucht er geschickt Zweifel zu schüren, um den interessierten Zuschauer an der Nase herumzuführen, falls es die dramaturgische Stärke der Episoden zulässt. Aufgrund der sehr unterschiedlichen und darüber hinaus kurzweiligen Geschichten entsteht eine überaus angenehme Atmosphäre, deren Inhalte ganz im Stil der 70er Jahre überzeugen und mit einigen Twists für Überraschungen sorgen können. Gedreht wurden 26 Episoden, in denen Gastgeber Orson Welles jeweils zu Beginn und am Ende auftritt. In der deutschen Synchronisation wird der gebürtige US-Amerikaner von Routinier Martin Hirthe gesprochen. Hervorzuheben ist die bemerkenswerte Musik von John Barry, die ebenfalls zu einem der besonderen Aushängeschilder dieser TV-Produktionen geworden ist und definitiv im Ohr bleibt. Fans der gepflegten, außerdem starbesetzten Krimi-Unterhaltung können hier sicherlich auf ihre Kosten kommen.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 17.11.2018 15:15 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1378
Gender: None specified
Danke für die Vorstellung, Prisma, den Trailer finde ich schon einmal klasse (wirklich ein großartiger Soundtrack)...

Prisma wrote:
Dabei versucht er [Welles] geschickt Zweifel zu schüren, um den interessierten Zuschauer an der Nase herumzuführen, falls es die dramaturgische Stärke der Episoden zulässt.


1973 hatte Welles ja auch seinen "F wie Fälschung" gedreht, wo der Zuschauer ja ebenso auf "Schein" und "Sein" trifft; ich weiß jetzt nicht, ob der Kinofilm oder die TV-Serie eher entstanden ist - doch Welles hatte zu diesem Zeitpunkt das Thema "Zuschauertäuschung" wohl sehr interessiert... "The Other Side of the Wind" kenne ich leider noch nicht, aber hier wird diese täuschende Macht des Mediums "Film" sicherlich schon angelegt sein...


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 18.11.2018 18:47 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Die Serie ist ganz interessant geworden und erinnert stark an britische Kriminalserien dieser Zeit. Diese Marschrichtung sollte man schon mögen, sonst wird man hier vielleicht ein wenig enttäuscht zurückbleiben, falls man einen fulminanten Welles-Kracher erwartet hat. Eigentlich bin ich im Vorfeld von wesentlich mehr Mystery ausgegangen, aber es geht dann meistens doch ein bisschen konventioneller zu. Schein und Sein sind aber gute Begriffe, denn damit wird geschickt gespielt und Welles versucht in diesem Zusammenhang selbst Öl ins Feuer zu gießen - rhetorisch sozusagen. Die Episoden sind überwiegend ganz gelungen und vergehen wie im Flug. Mein Geschmack wird da genau getroffen. Bei "The Other Side of the Wind" bäumt sich das Trügerische des Films auch auf, aber wesentlich global denkender und interessiert am kleinsten Detail. In "Orson Welles erzählt" reduziert sich das Ganze zwar nicht komplett auf die dramaturgische Ebene, aber das Hauptaugenmerk liegt schon vorwiegend auf einer klassischen Erzählstruktur.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 18.11.2018 19:26 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1378
Gender: None specified
Prisma wrote:
In "Orson Welles erzählt" reduziert sich das Ganze zwar nicht komplett auf die dramaturgische Ebene, aber das Hauptaugenmerk liegt schon vorwiegend auf einer klassischen Erzählstruktur.


Ich nehme an, dass sich über Welles die Serie vermarkten sollte und Welles das Angebot dann hauptsächlich wegen dem Finanziellen angenommen hatte; sicherlich hat er sich dann bei der Interpretation seiner Rolle die nötigen Freiheiten genommen (das vermute ich), um aus der Figur einen "Welles-Charakter" zu formen (ich nehme an, dass sich der Erzähler den nötigen "Erzähl-Raum" nimmt und somit dominant im Hinterkopf des Zuschauers bleibt); ach, Prisma, wie ist denn die Bildqualität der DVDs? - und stimmt es, dass nur die deutsche Sprachfassung enthalten ist (womit ich dann doch Schwierigkeiten hätte - die Stimme von Welles hätte ich doch schon gerne)?...


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 18.11.2018 19:47 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Howard Vernon wrote:
Ich nehme an, dass sich über Welles die Serie vermarkten sollte und Welles das Angebot dann hauptsächlich wegen dem Finanziellen angenommen hatte

Das hatte ich auch schon irgendwo gelesen, dass Welles solche Projekte gemacht hat, um seine eigenen zu finanzieren.
Außerdem soll seine eigene Produktionsfirma ja damals in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein.


Howard Vernon wrote:
sicherlich hat er sich dann bei der Interpretation seiner Rolle die nötigen Freiheiten genommen

Da er ja sich selbst verkörpert, trifft das natürlich zu. Er inszeniert sich geheimnisvoll, erscheint mit schwarzem Mantel und Hut. Beim Erzählen darf selbstverständlich die Zigarre nicht fehlen und das Ganze scheint für ihn keine große Anforderung gewesen zu sein. Natürlich ist die Entfaltungsmöglichkeit begrenzt, da er nur einleitende und abschließende Worte beisteuert, aber nicht ohne süffisante Kommentare und ironische Untertöne abzugeben. Während der Episoden verliert sich seine Relevanz sogar hin und wieder, was aber auch daran liegen mag, dass man sich auf die Geschichten konzentrieren will.



Howard Vernon wrote:
wie ist denn die Bildqualität der DVDs? - und stimmt es, dass nur die deutsche Sprachfassung enthalten ist

Die Serie besitzt durch und durch TV-Optik und es kommt zu zahlreichen Ungereimtheiten beim Ausgangsmaterial.
Da war wohl nichts anderes mehr aufzutreiben.
Enthalten ist zudem nur die deutsche Sprachfassung, die aber zu ihrer Verteidigung über sehr prominente Sprecher verfügt:

➥ DEUTSCHE SYNCHRONDATEI


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 18.11.2018 19:52 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1378
Gender: None specified
Danke Dir, Prisma,

klar die Sprecher sind natürlich klasse, aber auf die originalen Stimmen lege ich vor allem bei Leuten wie V. Price oder eben auch Welles großen Wert - aber da mir schon das Musik-Thema so gut gefällt, werde ich wohl doch zugreifen...


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 18.11.2018 20:00 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Ich denke, dass Du mit der Serie Freude haben könntest.
Die Tage wollte ich mal die erste Episode besprechen, da kommen ein paar Bilder dazu, um einen Eindruck von der Qualität zu bekommen.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 19.11.2018 16:22 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male


ImageImageImage

● ORSON WELLES ERZÄHLT | FOLGE 05 | DINNER BEI McGILL (GB|1973)
mit Orson Welles als Erzähler
Joan Collins, Anton Rodgers, Maxine Audley, Ruth Dunning, Jean Harvey, Peter Cellier, Geoffrey Chater, Anthony Sharp
eine Anglia Television Produktion für ITV
Regie: John Robins



»Verheiratet sein... Es ist nicht einmal so furchtbar lange her, da waren nicht nur die Eheleute miteinander verheiratet, sondern zur Ehe gehörten die beiderseitigen Großfamilien, mit denen man quasi auch verheiratet war. Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Heute sind die Eheleute mehr mit der Firma verheiratet, bei der sie angestellt sind, die ihnen Arbeit und Brot gibt. Ja, und damit sind auf die Ehefrauen neue Ängste zugekommen, denn sie wird gesellschaftlich eingestuft von der Firmenleitung, die sich die Frage stellt, ob sie ebenso wie ihr angestellter Gatte akzeptabel ist...«

Mit seinen einleitenden Worten kann Gastgeber Orson Welles gleich zu Beginn neugierig auf diese Geschichte machen, die entgegen der allgemeinen Erwartung, dass es sich im Rahmen des nebulös klingenden Serientitels um möglicherweise übernatürliche Inhalte handeln könnte, recht weltlicher, beziehungsweise kriminalistischer Natur sein wird. Seinen Monolog hält der beliebte Schauspieler und Regisseur in einer beeindruckenden Aufmachung und Manier. Eine versnobte Gesellschaft erwartet den Mann zu einem Dinner, den sie sich in einer bekannten Firma für eine Beförderung auserkoren haben. Er muss sich samt seiner Ehefrau in die Manege wagen und einem Kreuzverhör stellen, von dem die berufliche Zukunft abhängen wird. Die Jury besteht aus Hyänen der kultivierteren Sorte, unter denen es insbesondere die Damen sein werden, die über Sein oder Nichtsein entscheiden dürften. Die Szenerie ist geebnet mit zahlreichen Patzern und ein Fauxpas stellt sich nach dem nächsten ein. Eine peinlich berührende Atmosphäre überkommt den Raum und der Zuschauer schlägt sich schnell auf die Seite der armen Joan Collins, der dabei zuzusehen ist, wie sie in der Rolle einer maskierten Dame scheitert. Hin und wieder wirkt die Ehefrau der designierten Beförderung so ordinär, dass es den anwesenden Damen gehobeneren Alters die Verlegenheit in die Gesichter treibt, aber auch eine Angriffslust weckt, die mehrere diskrete Harpunenschüsse nach sich zieht. Fragen über die Herkunft werden mit schmerzlicher Offenheit quittiert und bieten die Veranlassung für sechsfaches Kopfschütteln. Nur die Angeklagte scheint keinen blassen Schimmer zu haben, dass sie ihrem Mann den anvisierten und wesentlich besseren Posten unumgänglich verbaut, wenn sie den Gastgebern und den befreundeten Gleichgesinnten des Abends fließbandartig vor den Kopf stößt und sie brüskiert.

Kleinere Verstöße gegen die Etikette bei Tisch und auch sonst, wie beispielsweise das Herumfischen im Drink nach der eigenen Kontaktlinse, der gesteigerte Alkoholkonsum im Allgemeinen, oder die schrecklich direkten Antworten unverblümter Natur, besiegeln den Eindruck des Zuschauers, dass dieser Farce doch schnell ein Ende gesetzt werden sollte. Es kam und kommt selten genug vor, dass man mit Episoden-Hauptrolle Joan Collins Mitleid empfinden konnte, weil sie dem Anschein nach so gnadenlos ins offene Messer läuft und dabei vorgeführt wird. Ihre Naivität kennt hier dem Empfinden nach keine Grenzen und wenn der Vorhang endlich gefallen ist, wird sie von den Mitgliedern der besseren britischen Gesellschaft in der Luft zerrissen. Dabei diskutiert man ganz offen, was jeder einzelne Zuschauer selbst bereits wissen will: die Beförderung ist beendet, bevor sie überhaupt angefangen hat. Interessant bei Collins' Darbietung ist die Tatsache, dass sie in einer Rolle zu sehen ist, die entsprechend ihres Images beinahe kurios aussehen will, aber dennoch die typischen Charakteristika wie Angriffslust oder Schlagfertigkeit offeriert. In der Runde entsteht eine herrliche und vor allem unberechenbare Eigendynamik, die geprägt sein wird von Wortwitz und derben Fettnäpfchen; die vollmundige Indiskretion wird dabei mit überspitzter Höflichkeit überspielt, und umgekehrt. Doch wo, fragt man sich, ist mit dieser Geschichte der Kern der Serie eigentlich getroffen worden? Ein überraschender, wenn auch nur kleiner Twist gegen Ende wird Aufschluss darüber geben, dass im Endeffekt nichts so zu sein scheint, wie im Vorfeld vermutet. Insgesamt gesehen handelt es sich bei "Dinner bei McGill" um eine sehr amüsante und gut choreografierte Folge dieser Serie, die durch Leistungen bekannter Stars zu einem mit Ironie und Situationskomik angereichertem Tanz auf dem Vulkan ausartet, der sich sehen lassen kann.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 17.01.2019 14:45 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1378
Gender: None specified
Prisma wrote:
Doch wo, fragt man sich, ist mit dieser Geschichte der Kern der Serie eigentlich getroffen worden? Ein überraschender, wenn auch nur kleiner Twist gegen Ende wird Aufschluss darüber geben, dass im Endeffekt nichts so zu sein scheint, wie im Vorfeld vermutet.


Nachdem ich jetzt die ersten fünf Folgen der Serie mir angesehen habe, kann ich schon bestätigen, dass sich an dieser Erzählstrategie der "sehr leisen Töne" nichts ändern wird. Die ersten 20 Min. stellen einen mehr oder weniger ausgeprägten kriminalistischen Plot vor, der sich am Ende in sein Gegenteil verkehrt - und das, so muss ich sagen, macht die einzelnen Folgen dann doch sehr unterhaltsam. Der Originaltitel der TV-Serie, "Orson Welles' Great Mysteries", weckt in der Tat zunächst einmal spekulative Erwartungen an das Handlungsgefüge. Und auch die gestalterische Umsetzung der Serie bleibt zunächst äußerst reduziert (die ersten beiden Folgen bestehen quasi nur aus zwei Sets - ab der dritten kommen Außenansichten im Zwischenschnitt hinzu - zumeist "stock footage"). Dennoch: indem man auf die gängigen Klischees des Gruselformats verzichtet und dafür eher "Alltägliches" (zum Beispiel: Unterschlagung in der Firma, Erpressung / Geldfälschung etc.) präsentiert, kann sich der Zuschauer umgehend mit den Protagonisten identifizieren, was den finalen Twist durchaus effektiv macht. Das eigentliche Interesse für mich an der Serie sind aber die Hauptdarsteller und vor allem die Regisseure, die teilweise auch für Hammer tätig gewesen sind (Alan Gibson, Peter Sasdy und Peter Sykes). Orson Welles umrahmt jeweils die Episode, ohne dass dabei eine größere Verbindung zum jeweiligen Folgen-Inhalt gegeben wäre - in den ersten fünf Folgen ist er zumindest nicht direkt "in der Folge" aufgetreten, so dass zwischen der Erzählinstanz (die schon alles weiß) und dem Erzählten, was der Zuschauer sieht, eine gewisse Distanz sich herauskehrt (ich hatte es oben ja schon angedeutet: ein wesentliches Ausdrucksmittel des Schauspielers Welles ist seine Stimme, die leider - da die originale Sprachfassung fehlt - auf der deutschen DVD nicht zu hören ist)... also: wer etwas Geduld mitbringt, wer hier nicht den Maßstab zu heutigen Großserien anlegt, wer die Präsenz von Welles mag (für mich der Hauptkaufgrund), und wer ein grandioses Musikthema mag, das die Serie begleitet, der wird sicherlich nicht enttäuscht werden...


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 21.01.2019 22:59 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Eine gute Zusammenfassung und insgesamt sehr treffende Formulierungen angesichts dessen, was einen hier erwartet. Ich habe zwar noch nicht alle Folgen der DVD gesehen, aber von Folge zu Folge hat sich der Eindruck festigen können, dass man es zwar mit relativ gepflegter, aber gleichzeitig sehr kurzweiliger Unterhaltung zu tun bekommt. Besonders ansprechend finde ich die Gast-Auftritte vieler bekannter Interpreten, denen in den jeweiligen Episoden auch die komplette Bühne überlassen wird. Zwar muss man beispielsweise auf die Originalstimme von Gastgeber Welles verzichten, aber es ist dennoch erwähnenswert, welch hochwertige Synchronisation ins Deutsche man hier angeboten bekommt. Stars der zweiten Reihe sozusagen. Auf die noch ungesehenen Folgen freue ich mich; mal schauen, ob es noch die ein oder andere Überraschung gibt.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 24.01.2019 12:53 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1378
Gender: None specified
Prisma wrote:
Ich habe zwar noch nicht alle Folgen der DVD gesehen, aber von Folge zu Folge hat sich der Eindruck festigen können, dass man es zwar mit relativ gepflegter, aber gleichzeitig sehr kurzweiliger Unterhaltung zu tun bekommt.


So, bin jetzt mit den 10 Folgen durch und kann nur sagen, dass ich froh bin, dass ich mir das DVD-Set gekauft habe; wie Du oben schreibst, ist jede Folge zwar nach demselben Spannungsprinzip aufgebaut (mit der finalen Wendung), allerdings gleicht sich keine Episode auch nur im Ansatz und es werden jeweils neue Themen gewählt, und dies liefert "gepflegte[.], aber gleichzeitig sehr kurzweilige[.] Unterhaltung"... danke nochmals für den Tipp...


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 26.01.2019 11:21 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Howard Vernon wrote:
danke nochmals für den Tipp...

Schön, dass Dir die Serie auch gefallen hat.
Bei mir stehen noch zwei Folgen aus, aber die schaue ich mir in absehbarer Zeit an.
Welche der Folgen hat dir insgesamt denn am besten gefallen?


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 26.01.2019 20:34 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1378
Gender: None specified
Prisma wrote:
Welche der Folgen hat dir insgesamt denn am besten gefallen?


Anders als zum Beispiel bei "Mit Schirm, Charme und Melone" ist der Regie-Stil ja äußerst zurückhaltend und fokussiert sich in der Hauptsache auf das Erzählen selbst (Peter Sasdy und Peter Sykes oder auch Alan Gibson haben allerdings auch bei ihren Hammer-Filmen nicht unbedingt eine "persönliche" Erzählform entwickelt, weshalb sie wohl gerade richtig für solche stark Plot-orientierte TV-Folgen sind) - von daher hat es mich natürlich gefreut, wenn man so bekannte Gesichter wie Patrick Macnee und Charles Gray (sind zusammen in der Spionage-Episode) sieht - auch sehr gut fand ich die Folge mit dem Mord und dem Testament, wo Richard Johnson den Anwalt spielt; zudem die Folge, die Du schon besprochen hast, nämlich die mit Joan Collins, die mich wegen ihrer völlig überraschenden Wende richtig verblüffen konnte...

Da hätte ich noch eine Frage: bei Pidax sind ja jetzt nur zehn Folgen veröffentlicht. Werden alle 26 Episoden (laut imdb.com) veröffentlicht? Die Serie hatte wohl zwei Staffeln - von 1973 bis 1974... mit noch vielen weiteren bekannten Gesichtern...


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 27.01.2019 02:29 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Howard Vernon wrote:
Da hätte ich noch eine Frage: bei Pidax sind ja jetzt nur zehn Folgen veröffentlicht. Werden alle 26 Episoden (laut imdb.com) veröffentlicht?

Das habe ich mich auch schon gefragt, da nur zehn Folgen vermutlich nicht einer kompletten Staffel entsprechen, aber es kam bislang ja nichts mehr nach. Wie es aussieht, wurden aber nur diese zehn Folgen für das Programm der ARD ins Deutsche synchronisiert, die 1977 ausgestrahlt wurden. Angeblich gab es dann noch acht zusätzliche für das DDR-Fernsehen. Ich würde ja auch gerne die komplette Serie mal sehen, aber ich denke, dass bei Pidax keine zusätzlichen Episoden mehr kommen, was allerdings nur eine Vermutung ist.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 27.01.2019 13:01 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1378
Gender: None specified
Prisma wrote:
Howard Vernon wrote:
Wie es aussieht, wurden aber nur diese zehn Folgen für das Programm der ARD ins Deutsche synchronisiert, die 1977 ausgestrahlt wurden. Angeblich gab es dann noch acht zusätzliche für das DDR-Fernsehen.


Danke für Deine Antwort - wenn nur die zehn Folgen eine deutsche Sprachfassung haben, dann wird wohl - zumindest bei Pidax - nichts nachkommen; wäre natürlich sehr schade, da bei den fehlenden Folgen u. a. auch Christopher Lee, Peter Cushing oder Donald Pleasence mitspielen... und natürlich kommt es vor allem dann auch darauf an, wie gut sich die zehn veröffentlichten Folgen verkauft haben (wenn wir auf die acht deutsch synchronisierten aus dem DDR-TV hoffen)...


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 27.01.2019 15:03 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Howard Vernon wrote:
wenn nur die zehn Folgen eine deutsche Sprachfassung haben, dann wird wohl - zumindest bei Pidax - nichts nachkommen

Ja, davon ist wohl auszugehen. Wie ich gelesen habe, soll die Serie 1979 im DDR-Fernsehen unter dem Titel "Die großen Geheimnisse des Orson Welles" gelaufen sein. Die Ausstrahlung soll 14 Episoden umfasst haben, darunter sechs Folgen, die auch in der Bundesrepublik gezeigt wurden. Also wären es zusätzlich acht Folgen, die synchronisiert wurden. Ich habe aber keine Ahnung, ob das tatsächlich so war, denn als Quelle beruft man sich überall nur auf ein bestimmtes Filmlexikon. Vielleicht kann das ja jemand bestätigen, der die Folgen gesehen hat?


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 10.05.2020 19:07 
Offline

Joined: 11.2017
Posts: 292
Gender: Female
Orson Welles beklagte einst, das Fernsehen verzichte darauf, sein Publikum herauszufordern. Als Moderator der mysteriösen Geschichten, die so geheimnisvoll gar nicht sind, steht ihm die Aufgabe zu, den Zuschauer auf das, was kommt, neugierig zu machen, sein Interesse zu wecken und ihm das Gefühl zu geben, das große Ganze von einem kundigen Erzähler präsentiert zu bekommen. Bei Bedarf stünde dieser am Ende noch mit einer Erklärung bereit. Welles bereitet es sichtlich Freude, die Geschichten mit Lebensweisheiten zu kommentieren und sich dabei als parteiischer Beobachter zu erweisen. Er macht sich erst gar keine Mühe, sein verschmitztes Lächeln zu verbergen, denn er hat sich schon längst eine Meinung gebildet, während der Zuschauer noch neugierig darauf wartet, sich unterhalten zu lassen. Die Episoden halten ebenso wie das Leben Pointen auf Lager und die Gerechtigkeit beschreitet oft verschlungene Pfade. Die Anwesenheit Welles' verleiht den Folgen ein Gütesiegel und gibt dem Zuseher ein paar Impulse zum Nachdenken mit auf den Weg. Wenn ein Künstler wie er als Gastgeber präzise getakteter Fernsehperlen fungiert, darf davon ausgegangen werden, dass der schwarze Humor des Lebens eine unterhaltsame Bühne erhält.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 11.05.2020 15:18 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Gut, dass der Thread nochmal hervorgeholt wurde, denn es erinnert mich daran, dass ich ja einige Folgen der Serie immer noch nicht gesehen habe. Bislang hat mir das Ganze nämlich sehr gut gefallen und ich finde auch, dass Orson Welles' Präsenz hier trotz seiner Abwesenheit in den jeweiligen Folgen sehr gut funktioniert, zumal er am Anfang und Ende der Folgen etliche Denkanstöße gibt, mit Vorliebe Fragen in den Raum stellt und diese vornehmlich offen lässt, außerdem mit süffisanten Kommentaren daran erinnert, dass man aufs Glatteis geführt wurde. Dann werde ich mich demnächst noch mal in Welles' Erzählungen reinschauen und bin gespannt, wie es weiter geht.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 15.05.2020 12:51 
Offline

Joined: 11.2017
Posts: 292
Gender: Female
Mittlerweile habe ich alle Folgen gesehen und ziehe ein durchwegs positives Fazit. Meine Lieblingsepisoden sind "Dinner bei McGill", "Miss Dobernoons Testament", "Erpressung am Vormittag", "Das Testament des Majors" und "Marcias Rache". Wenn man das Konzept der Serie geknackt hat, kann man einige Wendungen antizipieren und früher auf die bittere Pille beißen als die Beteiligten. Orson Welles zeigt mit seinen Bemerkungen auf, dass die menschliche Natur voller Überraschungen ist, obwohl es klassische Muster gibt, die sich häufig wiederholen, wenn Menschen in die Enge getrieben werden. Seine Kommentare erfolgen von einer sicheren Warte aus, was ihm die Möglichkeit gibt, darüber zu sinnieren, ohne in den Strudel der Ereignisse hineingezogen zu werden. Viele Geschichten offenbaren ein beinahe schockierendes Ende und verschaffen dem Zuschauer Genugtuung. Diese mentale Stärkung des Beobachters ist ein wichtiger Teil des Unterhaltungsprozesses, der hier in jeweils nicht einmal einer halben Stunde abgewickelt wird.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 17.05.2020 15:37 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Percy Lister wrote:
Mittlerweile habe ich alle Folgen gesehen und ziehe ein durchwegs positives Fazit.

Da die Serie ja ursprünglich über noch mehr Folgen verfügt, würde mich der Gesamteindruck natürlich besonders interessieren. Bei Folge 1 auf der Pidax-Veröffentlichung handelt es sich ja eigentlich bereits um die fünfte Episode, und da ich mir erneut die Liste der weiteren Schauspieler angesehen habe, wirkt das Ganze umso interessanter. Ich bin gestern wieder in Welles' Geschichten eingestiegen und habe die erste DVD gleich en bloc angeschaut, schließe mich dem positiven Fazit bis hier hin also schon einmal an. Schön, dass die Storys so vielfältig sind.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 17.05.2020 19:29 
Offline

Joined: 11.2017
Posts: 292
Gender: Female
"Dinner bei McGill" (Dinner Party) (Großbritannien 1973)
mit: Joan Collins, Anton Rodgers, Maxine Audley, Ruth Dunning, Jean Harvey, Peter Cellier, Geoffrey Chater, Anthony Sharp | Buch: James Michael Ullmann | Regie: John Robins

Der Firmenmogul J.J. McGill lädt seinen Angestellten Edmund Blake und dessen Frau Jane zu sich zum Abendessen ein, um den ehrgeizigen Mann einer Prüfung zu unterziehen: Seine Beförderung steht so gut wie fest, allerdings möchte sich McGill davon überzeugen, dass Blake auch auf dem gesellschaftlichen Parkett glänzen kann und eine Gattin an seiner Seite hat, die den Status ihres Mannes zur Zufriedenheit und im Sinne des Unternehmens betont. Wird Jane Blake diese Feuertaufe bestehen?

Image Image Image


Orson Welles half seine Tätigkeit beim Fernsehen, jenen filmkünstlerischen Leerlauf zu überbrücken, der entstand, weil der Geldhahn für seine eigenen Projekte abgewürgt wurde. Das Multitalent erschloss sich neue Wege, um das zu finanzieren, was ihm am Herzen lag. Wie sein Kollege Alfred Hitchcock wurde er zum wertvollen Markenzeichen für Fernsehspiele mit rabenschwarzem Humor, der das Publikum zwischen zwei Werbeblöcken zum Innehalten zwingen sollte. Mit eleganter Leichtigkeit leiht er den Geschichten aus der Feder bekannter Autoren sein Gesicht, das dem Zuschauer vertrauenswürdig direkt in die Augen sieht. Im ersten Fall, den er präsentiert, sympathisiert er mit jenem gesellschaftlichen Opfer, das sich plötzlich eng in ein Korsett der Konventionen geschnürt findet, weil Aufstieg und Geld winken, die jedoch mit Mäßigung und Anstand verknüpft werden. Ob die Protagonistin dazu fähig ist? Bereits bevor das Publikum einen ersten Blick auf die Gattin des potenziellen Karrieremachers werfen kann, wurde das Urteil über sie von der versammelten Gerichtsbarkeit der oberen Zehntausend gefällt. Weltgewandt muss sie sein, aber dennoch bescheiden, maßvoll und adrett, stilsicher und nicht kokett - vor allem aber soll sie ihren Gatten dekorativ ergänzen und seinen Status spiegeln.

Die Spannung kriecht in das Vestibül des auserwählten Mannes und verlangt nach der Präsentation dieser mit Neugier erwarteten Dame, die sich einer schweren Prüfung unterziehen muss. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als Joan Collins mit ihren bunten Plastikarmreifen und den falschen Wimpern klimpert und dabei ein Selbstbewusstsein ausstrahlt, das im Hause der gedämpften Stimmen kaum gut ankommen wird. Genüsslich wartet der Zuseher auf den Augenblick der Wahrheit, der wie ein Gewitter aufzieht und schnell kombiniert er mit Recht, dass dieser Gast die steife Atmosphäre des gehobenen Kreises bald in Verlegenheit bringen wird. Während sich Anton Rodgers vor Scham windet und bald nicht einmal mehr versucht, die Schnitzer seiner Frau glattzubügeln, redet sich Joan Collins in Fahrt und scheint es zu genießen, die feine Gesellschaft einmal richtig vor den Kopf zu stoßen. Die Spielfreude der Schauspielerin entzündet sich an den tausend gesellschaftlichen Regeln, deren Einhaltung wichtiger ist als jene der Straßenverkehrsordnung, denn ein falscher Schritt diskreditiert nicht nur den Betroffenen, sondern zieht weite Kreise und macht sein unmittelbares Umfeld unmöglich. Das unausgesprochene Einvernehmen zwischen den Gastgebern wird mit Härte auf diesen Fauxpas reagieren.

Die Gesellschaft meidet die Konfrontation mit dem unkonventionellen Gast und beschränkt sich auf ein paar Spitzen, die von einigen Damen geäußert werden, wobei es zu keinerlei Hilfestellung oder Ermutigung kommt, weil es die Anwesenden insgeheim mit einer perversen Freude zu genießen scheinen, dass die jüngere Rivalin sich wie ein Flittchen benimmt. Wäre sie eine formvollendete Dame gewesen, hätte dies glühenden Neid und Konkurrenzdenken wachgerufen, im vorliegenden Fall genügt es den Veteraninnen über die Fettnäpfchen der Neuen zu triumphieren. Wie man es dreht und wendet, die Ausgangsposition einer Aspirantin auf den inneren Zirkel der sekundären Macht ist heikel, da zu viel Talent für Gesellschaftsformen ebenso nachteilig sein kann wie das Gegenteil. Der Einfluss der Damen auf ihre Ehemänner scheint nicht unbeträchtlich, da die Firma Tradition und Etikette verpflichtet ist und Aushängeschilder wichtige Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit solcher Unternehmen sind. Die Katastrophe scheint unausweichlich zu sein, wenn die Dame mit den schlechten Manieren nicht noch eine Trumpfkarte in der Hinterhand haben würde - wird sie ausgespielt? Und was soll uns das über das eben Erlebte sagen? Orson Welles wird sich sein süffisantes Lächeln nicht verkneifen können....

* Rascheln aus dem Blätterwald * :
Sofia Glasl vermerkt in ihrer Kritik für die "Süddeutsche Zeitung" (Ausgabe vom 5. Februar 2017): "....da mischt Joan Collins im Glitzerfummel als prollig-trashige Version ihrer Paraderolle Alexis aus dem "Denver-Clan" ein gediegenes Geschäftsessen ihres Ehemannes auf."


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
PostPosted: 21.05.2020 20:50 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 4382
Gender: Male
Für mich war "Dinner bei McGill" bislang die Stärkste Folge, vor allem wegen des originellen Twists, den man in unbestimmter Art und Weise zwar erwartet hat, der aber so nicht unbedingt vorauszusehen war. Joan Collins' doppeltes Schauspiel berührt dabei nicht nur die gehobene Gesellschaft sehr peinlich, sondern hin und wieder auch das Publikum, da sie zielstrebig in jedes Fettnäpfchen tritt. Obwohl die Episode rundum gelungen ist, hätte ich mir noch ein paar kurze Sequenzen der überheblichen Damenrunde gegen Ende gewünscht, in der sie Janes Verhalten und vor allem die Art und Weise ihrer Präsentation diskutieren, und das selbstverständlich keineswegs so höflich-beherrscht und kultiviert, denn schließlich wäre man ja wieder unter sich gewesen, sondern in einem Ton, der noch ordinärer als Janes hätte sein dürfen. Hätte sicherlich gut gepasst, wenngleich es bestimmt nicht für das Ebnen der Pointe nötig war.


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 22 posts ] 

All times are UTC + 1 hour


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker