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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 23.05.2014 18:32 
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USA 1908: Cable Hogue (Jason Robards) wird von seinen beiden Begleitern in der Wüste sitzen gelassen, ohne realistische Überlebenschance. Nachdem er vier Tage durch die öde Landschaft irrt und letztlich zusammenbricht findet er auf wundersame Weise eine Wasserstelle inmitten der Trockenheit.

Nachdem Cable sein Überleben gesichert hat entdeckt er ganz in der Nähe eine Kutschenstrecke – dieser Umstand bringt den alternden Mann auf eine Idee. Für wenig Geld erwirbt er das öde Land und eröffnet eine Raststätte an der Stelle seines Überlebens, die er mit Fleiß und schwerer Arbeit selbst hoch zieht. Der Prediger Joshua (David Warner) wird für Cable ein guter Freund und Geschäftspartner, die hübsche Hildy (Stelle Stevens) die Frau seines Lebens. Im Hinterkopf behält Cable die mögliche Rache an den Verrätern die ihn sterben lassen wollten, viel mehr geht es ihm aber um den Aufbau einer Existenz. Schnell floriert das Geschäft… (ofdb.de)


mit Strother Martin, Slim Pickens, L.Q. Jones, R.G. Armstrong

USA 1970

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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 01.02.2016 01:00 
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Habe ihn jetzt zum ersten Mal gesehen und muss sagen, auch hier merkt man wieder, Peckinpah hatte es einfach drauf.
Obwohl hier, bei dem Film der nach TWB entstand, vollkommen anders vorgeht, funktioniert es erstaunlich gut.
Action ist fast nicht vorhanden, dafür sehen wir hier einen Mann, der sich auf einem Stück Wüste seine Existenzgrundlage schafft, weit abseits der Großstädte.
Auch wenn das Ganze eigentlich recht brutal beginnt, so wird schnell klar, dass Peckinpah hier eine ganz andere Richtung einschlägt, als man zu Beginn glauben könnte.
Denn obwohl Cable Hogue sich ohne Wasser durch die Wüste schleppen muss, wird schon dieser Szene die möglicherweise pessimistische Wirkung genommen.
Zum Einen durch Hogue selbst, der zu Gott fleht, er möge ihm doch ein paar Tropfen Wasser schicken, sich also optimistisch gibt.
Zum Anderen wird durch die fröhliche Titelmelodie und deren Text gleich eine ganz andere Stimmung verbreitet, als die, die die Bilder an sich verbreiten würden.
Gleichzeitig wird dadurch dem Zuschauer auch klar gemacht, dass er sich hierbei auf einen von einem gewissen Humor durchzogenen Film einstellen muss.
So gibt's z.B. statt Zeitlupen, Zeitraffer-Szenen zu sehen.
Aber auch das gelingt Peckinpah sehr gut und sogar die kleine Liebesgeschichte driftet nie ins Kitschige ab.
Dabei hat er also die richtige Balance gefunden, aber es wäre ja noch kein richtiger Peckinpah, wenn das alles wäre.
Nein, er lässt mit der Geschichte um Cable Hogue die Zeit des Wilden Westens quasi Revue passieren.
Zuerst der Mann, der mitten in der Wüste, wo er zunächst nichts findet, als ein bisschen Wasser eine Raststation aufbaut.
Dann kommt die Zeit des Aufschwungs - das alles könnte man also als Verbeugung vor dem Pioniergeist sehen.
Langsam schwappt der technische Fortschritt auch auf sein Leben über und er kommt nicht mehr zurecht damit, will diesen Fortschritt nicht akzeptieren.
Und seine Ablehnung dem gegenüber, wird ihm letztendlich noch zum Verhängnis...
Dieser letzte Teil ist dann schon der Abgesang auf den Wilden Westen.
Das ist zwar sehr kurz gehalten, jedoch nicht weniger wirkungsvoll.
Bis zum Schluss liegt über allem eine gewisse Poesie (auch in der Bildsprache) und ein Hauch Melancholie, der mit fortschreitender Laufzeit immer mehr in den Vordergrund tritt.
Im schauspielerischen Bereich und auch bezüglich Besetzung an sich habe ich nicht das Geringste auszusetzen.
Jason Robards und Stella Stevens sind wirklich bestens besetzt, geben ein sehr schönes Paar ab.
Auch der Rest könnte passender nicht sein und das gleiche gilt natürlich für die Musik, die mit dem Film, mit der Zeit, mitgeht und das Ganze immer wunderbar unterstützt.

Mag auch die totale Faszination ausgeblieben sein, so ist es dennoch ein unbedingt sehenswerter Film und zählt trotzdem sicher zu den besten Peckinpah-Filmen.
9/10


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 01.02.2016 02:18 
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Es ist in der Tat eine Verbeugung vor dem Pioniergeist - ein Vorfahre Peckinpahs hat die Bewässerung Südkaliforniens mit gestaltet, seine gesamte Familie ist tief mit der Geschichte des Staates verwurzelt. Es gibt sogar einen Peckinpah-Mountain in den High Sierras. Aber sein Name ist deutschstämmig (Beckenbach - Peckinpah).
Einmaliger Film. So etwas wunderbar umkommerzielles wurde sogar damals kaum verwirklicht - er konnte ihn nur drehen, weil Warner-Seven Arts Chef Ken Hyman THE WILD BUNCH liebte. Als CABLE dann aber fertig war, war Hyman nicht mehr da und seine Nachfolger ließen den Film mehr oder weniger verstauben.
Neben GARCIA Sams persönlichster Film.

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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 01.02.2016 10:15 
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Ein sehr lyrischer Film und soweit ich weiß, einer von Sams heimlichen Favouriten, zumindest wollte er ihn bei Vorführungen an Filmschulen immer lieber zeigen, als Wild Bunch.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 01.02.2016 21:31 
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Wunderschöner Film mit einem genialen Hauptdarsteller !

Die deutsche Synchro ist recht kalauernd geraten
- wenn ich mich recht erinnere wird z. B. in einer bewegenden Sterbeszene der Satz "Ruhe, hier wird gestorben" sehr unpassend eingeschoben.


Kennt jemand den 70er-Jahre-Song "The Ballad of Cable Hogue" von John Cale (Velvet Underground) ?


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 01.02.2016 22:11 
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Danke für die Tips - hab' CABLE noch NIE auf deutsch geschaut :).

Kannte nur den CALEXICO Song, auch Sam Fans die beiden:
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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 01.02.2016 23:06 
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Frank wrote:
Wunderschöner Film mit einem genialen Hauptdarsteller !

Die deutsche Synchro ist recht kalauernd geraten
- wenn ich mich recht erinnere wird z. B. in einer bewegenden Sterbeszene der Satz "Ruhe, hier wird gestorben" sehr unpassend eingeschoben.



Ich meine die Syncro ist eher recht gut.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 01.02.2016 23:07 
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Frank wrote:
Wunderschöner Film mit einem genialen Hauptdarsteller !

Die deutsche Synchro ist recht kalauernd geraten
- wenn ich mich recht erinnere wird z. B. in einer bewegenden Sterbeszene der Satz "Ruhe, hier wird gestorben" sehr unpassend eingeschoben.



Ich meine die Syncro ist eher recht gut.

Und der Calexico Song ist ein richtig guter. Der beste auf dem Album.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 02.02.2016 00:41 
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Jo das stimmt wohl. HOT RAIL war das? Hab den Kontakt zu ihnen verloren. In den 90ern stand ich sehr auf ihre Musik. FRIENDS OF DEAN MARTINEZ. Zu BLACK LIGHT Zeiten 1997/98 hab ich mal mit ihnen auf der Bühne hier musiziert, tolle Sache. Hatte sie damals fast soweit, die CD für PENDECHOS! zur Verfügung zu stellen. Zum Glück hat's nicht geklappt.

Die Single zu CABLE HOGUE ist vermutlich meine seltenste Schallplatte. Es gab nur eine Promopressung 1970. Richard Gillis hat die CABLE - Lieder gesungen (er spielt den Pianoplayer im Saloon). Er sollte auch für CONVOY Musik komponieren, aber EMI hat ja die Zusammenarbeit mit Sam vorzeitig beendet. Für meine CONVOY Doku (Blu-ray VÖ DE/UK/USA) hatte ich dann Kontakt mit Gillis und konnte dann endlich ein nicht verwendetes CONVOY Lied von ihm der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Peckinpah liebte die drei CABLE Lieder. Ich auch. Und Goldsmiths Soundtrack sowieso.

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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 13.09.2020 19:25 
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Abgerechnet wird zum Schluss.

Schöner und Melancholischer Spätwestern. Die Off -Stimme von Claus Biederstaedt erzählt die Story ganz gut.

Film kam in 70er +80er regelmäßig im Fernsehen.

Wie auch zB. Bad Company -In Schlechter Gesellschaft (1972 ). Mit Jeff Bridges. Film ist gut. Aber eher Historischer Anti-Western.

Film zeigt ein ziemlich krasses Bild des damaligen Wilden Westens.

Bad Company -In schlechter Gesellschaft gehört mittlerweile eher zu den weniger bekannten US- Anti-Western.


;)


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 14.09.2020 00:04 
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Was verstehst du unter Anti-Western?


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 14.09.2020 02:03 
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Was verstehst du unter Anti-Western?



Was verstehst du unter Anti-Western?


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 14.09.2020 07:02 
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Was soll das? Beantworte Fragen nicht mit Gegenfragen. Da hier ist auf jeden Fall kein Anti-Western...


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 17.09.2020 21:08 
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Ich , Tom Horn (1979). Mit Steve Mc Queen. Wäre auch ein Anti-Western.

Film war damals im Kino eher ein Flopp. Film wäre aber o.k.

Ich , Tom Horn (1979) gehört mittlerweile auch zu den weniger bekannten US-Spaet und Anti-Western.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 00:00 
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Hmm, Tom Horn ist sicher kein Anti-Western, und Cable Hogue eigentlich auch nicht. Aber Spätwestern sind sie beide schon von ihrer Thematik her. Mcqueen hatte sich ja Peckinpah für Tom Horn gewünscht, dann wäre es sicherlich ein interessanterer Film geworden.

Anti-Western dagegen sind sehr, sehr selten, jedenfalls so wie ich das definiere.

Aber über Bad Company könnte man das schon sagen, zumindest gehört er, und ganz im Gegensatz zu fast allen IW, zu den wenigen Western von denen ich sagen würde, daß sie einen Anti-Helden aufweisen.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 01:02 
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Stanton wrote:
Anti-Western dagegen sind sehr, sehr selten, jedenfalls so wie ich das definiere.


Was ist denn (deiner meinung nach) ein Anti-Western?
Unter Antikriegsfilm kann ich mir was vorstellen, Anti-Western verstehe ich nun mal gar nicht.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 09:38 
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Das ist keine leichte Definition, aber es wäre ein Western der das Genre in seiner Substanz grundsätzlich in Frage stellt, der sozusagen ein Western gegen den Western ist.
Das trifft für mich zumindest auf einige 70er Jahre Western z.b. von Robert Altman oder Arthur Penn zu. Und ein frühes Beispiel (wahrscheinlich das erste) wäre für mich Ritt zum Ox-Bow (1943), in dem die typischen Pioniere des Westens als lynchwütige Faschisten dargestellt werden. Auch ein Film mit einem sehr passiven Protagonisten, der noch am ehesten der Idee eines Anti-Helden entspricht.
Im IW fällt mir da nur Töte Django ein, was sich auch deutlich an den Intentionen Questis ablesen lässt, die dieser in Interviews gegeben hat.

Jedenfalls reicht es da für mich nicht wenn ein Western pessimistisch ist, oder sich kritisch mit der Geschichte auseinander setzt. Das liegt alles vollkommen innerhalb der Möglichkeiten des Genres, auch ein unübliches Ende wie in Il grande Silenzio tut das ganz und gar. Die Western von Peckinpah und Leone, den beiden bedeutendsten Regisseuren des Genres der 60er und 70er, sind jedenfalls ganz sicher keine Anti-Western, sondern faszinierende Weiterentwicklungen der Vielfalt des Western. Wobei Peckinpahs Filme kaum noch Helden haben, ohne daß diese deswegen gleich Anti-Helden sind, und Leone einen neuen Typus des Helden in den Mittelpunkt stellte, einen der zynischer, egoistischer und gewaltbereiter war, aber am Ende immer noch das tut was der Held so tut, die Bösen besiegen.

Aber wie gesagt, das ist dann offen für Diskussionen.

Mit Anti-Kriegsfilm meint man ja eher Filme die "gegen den Krieg" sind. Auch sehr schwammig, da ja praktisch jeder Kriegsfilm irgendwie auch gegen den Krieg sein will. Richard Lester hat mal seinen intellektuell komödiantischen Film Wie ich den Krieg gewann (1966) als Anti-Antikriegsfilm bezeichnet. Und sich damit gegen Filme gewendet die zwar gegen den Krieg sind, aber ihn gleichzeitig auch als Spektakel kommerziell ausschlachten, also das Grauen wieder als Action genießbar machen.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 11:44 
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Stanton wrote:
Das ist keine leichte Definition, aber es wäre ein Western der das Genre in seiner Substanz grundsätzlich in Frage stellt, der sozusagen ein Western gegen den Western ist.
Das trifft für mich zumindest auf einige 70er Jahre Western z.b. von Robert Altman oder Arthur Penn zu. Und ein frühes Beispiel (wahrscheinlich das erste) wäre für mich Ritt zum Ox-Bow (1943), in dem die typischen Pioniere des Westens als lynchwütige Faschisten dargestellt werden. Auch ein Film mit einem sehr passiven Protagonisten, der noch am ehesten der Idee eines Anti-Helden entspricht.
Im IW fällt mir da nur Töte Django ein, was sich auch deutlich an den Intentionen Questis ablesen lässt, die dieser in Interviews gegeben hat.

Ein interessanter Denkansatz! BERÜHRE NICHT DIE WEISSE FRAU würde mir da einfallen, der mit den Mythen und Traditionen des Western so radikal bricht, dass da tatsächlich nicht mehr viel übrigbleibt. LITTLE BIG MAN vielleicht? Meinst Du diese Art Film?


Stanton wrote:
Mit Anti-Kriegsfilm meint man ja eher Filme die "gegen den Krieg" sind. Auch sehr schwammig, da ja praktisch jeder Kriegsfilm irgendwie auch gegen den Krieg sein will. Richard Lester hat mal seinen intellektuell komödiantischen Film Wie ich den Krieg gewann (1966) als Anti-Antikriegsfilm bezeichnet. Und sich damit gegen Filme gewendet die zwar gegen den Krieg sind, aber ihn gleichzeitig auch als Spektakel kommerziell ausschlachten, also das Grauen wieder als Action genießbar machen.

Nach meiner Definition ist ein Kriegsfilm dann ein Kriegsfilm, wenn man hinterher am Liebsten losziehen und mitmachen möchte. Wenn das Grauen als Spektakel für große Jungs inszeniert wird. Ein Anti-Kriegsfilm ist er dann, wenn man nicht losziehen möchte - JOHNNY ZIEHT IN DEN KRIEG ist für mich ein klassischer Anti-Kriegsfilm, genauso wie WEGE ZUM RUHM ...

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 12:00 
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Duell am Missouri (1976 ). Spätwestern mit Jack Nicholson und Marlon Brando.

Jeremiah Johnson (1972 ). Mit Robert Redford. Beide Filme sind auch irgendwie Anti-Western.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 12:12 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
Ein interessanter Denkansatz! BERÜHRE NICHT DIE WEISSE FRAU würde mir da einfallen, der mit den Mythen und Traditionen des Western so radikal bricht, dass da tatsächlich nicht mehr viel übrigbleibt. LITTLE BIG MAN vielleicht? Meinst Du diese Art Film?


Genau, während ich die meisten anderen Western die oft als revisionistisch eingestuft werden, nicht deswegen gleich als Anti-Western betrachte. BERÜHRE NICHT DIE WEISSE FRAU ist ein sehr gutes Beispiel, weil er auch mit der üblichen Darstellung des Westens bricht.

Aber letztendlich sind das ja auch nur ein paar Gedankenspielereien, denn als Western betrachte ich sie alle trotzdem.

Quote:
Nach meiner Definition ist ein Kriegsfilm dann ein Kriegsfilm, wenn man hinterher am Liebsten losziehen und mitmachen möchte. Wenn das Grauen als Spektakel für große Jungs inszeniert wird. Ein Anti-Kriegsfilm ist er dann, wenn man nicht losziehen möchte - JOHNNY ZIEHT IN DEN KRIEG ist für mich ein klassischer Anti-Kriegsfilm, genauso wie WEGE ZUM RUHM ...


Als Genre betrachtet wäre aber doch erst mal jeder Film der den Krieg darstellt ein Kriegsfilm, egal ob er den Krieg verherrlicht oder ob er ihn kritisch hinterfragt. Wobei die Anzahl der Filme die wirklich den Krieg verherrlichen nicht so groß ist. Selbst John Waynes Die grünen Teufel plädiert zwar sehr einseitig und sehr anti-kommunistisch für den Krieg gegen den Vietkong, ist aber in der Darstellung des Krieges trotzdem so, daß ich zumindest nicht dabei sein will, präsentiert den Krieg als Notwendigkeit, aber kaum als tolles Abenteuer.

Genau genommen ist selbst fast jeder im Krieg spielende Actionfilm eher gegen Krieg, und dann wäre ja am Ende wieder fast jeder Kriegsfilm ein Anti-Kriegsfilm.
Aber es gibt natürlich schon Filme deren Haltung dem Krieg gegenüber eindeutig gegen den Krieg an sich ist. Aber selbst bei Im Westen nichts Neues oder in Apo Now besitzen die Kampfszenen am Ende auch etwas ästhetisches, sind jedenfalls für mich trotz der dargestellten Schrecken als handwerklich gut gemachte Action genießbar. Oder das Ende von The Wild Bunch oder der Anfang von Saving Private Ryan, das ist auch großes ästhetisiertes Spekatakel.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 12:36 
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Michael Kohlhaas -der Rebell (1969 ). Mit David Warner.

Für mich der beste deutsche. Anti-Western. Film spielt aber im 16. Jahrhundert. Wäre aber egal.

Film ist in Deutschland fast schon vergessen.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 14:03 
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ETH_LAD wrote:
Duell am Missouri (1976 ). Spätwestern mit Jack Nicholson und Marlon Brando.

Jeremiah Johnson (1972 ). Mit Robert Redford. Beide Filme sind auch irgendwie Anti-Western.


Was macht denn Jeremiah Johnson für dich zu einem Anti-Western?


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 20:22 
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ETH_LAD wrote:
Ich , Tom Horn (1979). Mit Steve Mc Queen. Wäre auch ein Anti-Western.

Film war damals im Kino eher ein Flopp. Film wäre aber o.k.

Ich , Tom Horn (1979) gehört mittlerweile auch zu den weniger bekannten US-Spaet und Anti-Western.


Kannst du auch Fragen beantworten? Was soll nun deiner Meinung nach ein Anti-Western sein?


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 20:38 
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Was soll nun deiner Meinung nach ein Anti-Western sein?


Ein EASTERN??? ;)

wikipedia "klärt auf":


"Anti-Western ist ein Oberbegriff für Filme, die eine Gegenströmung zum frühen, klassischen Western-Genre darstellen. Die idealisierende und stereotype Darstellung der Besiedlung von Amerikas Westen, von Siedler-Tugenden und amerikanischem Heldentum wird in „Anti-Western“ gezielt demaskiert, indem sie sich klassischer Handlungsstränge, Sets, Stilmittel und Charaktere bedienen, diese jedoch im Sinne der bisherigen Western-Darstellung unkonform verwenden."

die Motive sind ganz interessant:

"Es treten Anti-Helden auf.
Stärkere Rollen für Frauen.
Eine sympathische(re) Darstellung der amerikanischen Urbevölkerung (Indianer).
Generell eine kritische Auseinandersetzung mit den Kriegen/der Vertreibung/den Morden an der amerikanischen Urbevölkerung
Eine kritische Haltung gegenüber der amerikanischen Regierung und dem Militär.
Eine kritische Haltung gegenüber den männlichen Figuren.
Gesteigerte Gewalt und Gesetzlosigkeit.
Nicht-traditionelle Sexualität.
Schwarzer Humor."


kleine Filmauswahl gibt es dort auch noch:

"1950: Broken Arrow
1953: Nackte Gewalt
1955: Die letzte Jagd
1958: Weites Land - The Big Country
1965: Horse
1966: Die gefürchteten Vier
1966: Django
1966: Zwei glorreiche Halunken
1967: Man nannte ihn Hombre
1968: Spiel mir das Lied vom Tod
1968: Lonesome Cowboys
1969: Zwei Banditen
1969: The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz
1970: Little Big Man
1970: Das Wiegenlied vom Totschlag
1970: Ein Mann, den sie Pferd nannten
1970: El Topo
1971: Zachariah
1971: McCabe & Mrs. Miller
1972: In schlechter Gesellschaft
1973: Ein Fremder ohne Namen
1973: Pat Garrett jagt Billy the Kid
1976: Der Texaner
1980: Heaven’s Gate
1990: Der mit dem Wolf tanzt
1992: Erbarmungslos
1993: Tombstone
1995: Dead Man
2003: Open Range – Weites Land
2003: Unterwegs nach Cold Mountain
2004: Blueberry und der Fluch der Dämonen
2005: Brokeback Mountain
2007: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
2010: True Grit"


Quelle: *** The link is only visible for members, go to login. ***


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 22:01 
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Da würde ich aber Stanton zustimmen. Die genannten Beispiele erweitern die Spielmöglichkeiten des Western. Ein Anti-Western wäre ein Film, der diese Spielmöglichkeiten nicht nutzt oder bewusst zerstört, also etwa eine Groteske, wie Walker. Bei Duell am Missouri lässt sich das teilweise erkennen, auch bei Little Big Man oder El Topo. Bei Leichen pflastern seinen Weg kann man darüber diskutieren, da das Böse am Ende siegt, aber letztendlich reizt Corbucci damit nur konsequent die Grenzen des Genres aus.
Aber Cable Hogue erzählt dich eine ganz typische Westerngeschichte nur eben mit dramatischem Ausgang. Aus der Liste würde ich fast keinen Film als Anti Westen bezeichnen.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 18.09.2020 22:49 
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ETH_LAD wrote:
Jeremiah Johnson (1972 ). Mit Robert Redford. Beide Filme sind auch irgendwie Anti-Western.


Das ist doch ein Abenteuerfilm, oder?


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 19.09.2020 00:48 
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giant_claw wrote:
ETH_LAD wrote:
Jeremiah Johnson (1972 ). Mit Robert Redford. Beide Filme sind auch irgendwie Anti-Western.


Das ist doch ein Abenteuerfilm, oder?



Eher Abenteuerfilm als richtiger Western. Stimmt schon.

Aehnllicher Film wäre zB. " Wie ein Schrei im Wind " (1966). Mit O!iver Reed. Auch eher Abenteuerfilm als Western. Wäre aber relativ.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 19.09.2020 00:57 
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ETH_LAD wrote:
Duell am Missouri (1976 ). Spätwestern mit Jack Nicholson und Marlon Brando.

Jeremiah Johnson (1972 ). Mit Robert Redford. Beide Filme sind auch irgendwie Anti-Western.


Was macht denn Jeremiah Johnson für dich zu einem Anti-Western?



Jeremiah Johnson hat für mich nur wenig Western-Elemente. Fängt schon mit der Kostümierung an.

....


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 19.09.2020 01:06 
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ETH_LAD wrote:
Ich , Tom Horn (1979). Mit Steve Mc Queen. Wäre auch ein Anti-Western.

Film war damals im Kino eher ein Flopp. Film wäre aber o.k.

Ich , Tom Horn (1979) gehört mittlerweile auch zu den weniger bekannten US-Spaet und Anti-Western.


Kannst du auch Fragen beantworten? Was soll nun deiner Meinung nach ein Anti-Western sein?



Anti-Western sind für mich die Western... welche nicht so ganz ins Klischee passen. Halt das uebliche Western-Klischee.

Wäre aber sowieso relativ.


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 Post subject: Re: ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS - Sam Peckinpah
PostPosted: 19.09.2020 14:57 
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Howard Vernon wrote:


"Anti-Western ist ein Oberbegriff für Filme, die eine Gegenströmung zum frühen, klassischen Western-Genre darstellen. Die idealisierende und stereotype Darstellung der Besiedlung von Amerikas Westen, von Siedler-Tugenden und amerikanischem Heldentum wird in „Anti-Western“ gezielt demaskiert, indem sie sich klassischer Handlungsstränge, Sets, Stilmittel und Charaktere bedienen, diese jedoch im Sinne der bisherigen Western-Darstellung unkonform verwenden."

die Motive sind ganz interessant:

"Es treten Anti-Helden auf.
Stärkere Rollen für Frauen.
Eine sympathische(re) Darstellung der amerikanischen Urbevölkerung (Indianer).
Generell eine kritische Auseinandersetzung mit den Kriegen/der Vertreibung/den Morden an der amerikanischen Urbevölkerung
Eine kritische Haltung gegenüber der amerikanischen Regierung und dem Militär.
Eine kritische Haltung gegenüber den männlichen Figuren.
Gesteigerte Gewalt und Gesetzlosigkeit.
Nicht-traditionelle Sexualität.
Schwarzer Humor."


Wiki enthält ja schon viele tolle Artikel, aber eben auch welche die nur wenig durchdacht sind. Und diesen hier zähle ich zu denen die sehr oberflächlich sind.

Das Wort "Anti" bedeutet ja, daß etwas das genaue Gegenteil dessen ist auf was es sich bezieht. So wie Wiki das hier definiert wäre ja fast jeder Western ein Anti-W, der von einer schlichten Gut-Böse Charakterisierung abweicht, oder der die Western Mythen auch nur ein wenig hinterfragt. Das macht wirklich wenig Sinn.
Genau so verhält es sich mit dem mittlerweile im Übermaß benutzten Anti-Helden, selbst Bond oder Batman sind dann schon Anti wenn sie nur mal ein klein wenig düsterer daher kommen als üblich. Dann enthält aber fast jeder Genre Film einen Anti-Helden, denn nur wenige sind so edel und rein wie Superman oder Winnetou.
Genau wie ein Antiheld nur jemand sein kann der so gut wie nichts mehr vom Helden besitzt, also im Western z.b. feige ist, oder nicht schießen kann, und überhaupt einer sein muß der passiv statt aktiv ist, der nicht die Handlung aktiv bestimmt, sondern passiv von der Handlung bestimmt wird, so muß auch ein Anti-W schon irgendwie auch versuchen ein Gegenteil heraus zu bilden.


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