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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 23.10.2013 14:01 
UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR
Deutschland-Frankreich 1972
Darsteller: Anita Lochner, Alain Noury, Malte Thorsten, Wolfgang Reichmann
Musik: Eric Ferstl
Regie: Alfred Vohrer

Inhalt:
Die volljährige Abiturientin Christine liebt Alain, der ein Student aus Frankreich ist. An einem vereinbarten Treffpunkt der beiden taucht Alain nicht auf. Martin, ein Sohn aus reichem Haus, kümmert sich um Christine. Das Schicksal der drei ist eng miteinander verknüft und schlägt erbarmungslos zu…


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Meine Meinung zum Film:

Was hat dieser Film mit Simmel zu tun? Eigentlich eine ganze Menge, der Regisseur, die Schauspieler, die Entstehungszeit, der Filmkomponist und der ganze Produktionsstab.
Allerdings bewegt sich der Film in einem anderen Bereich. Einerseits eine Lovestory und andererseits ein Drama.
Der Film hat mich blendend unterhalten und in der zweiten Hälfte kommt auch eine unterschwellige Spannung hinzu.
Visuell ist der Film auch auf einem sehr hohen Niveau und die Kameraarbeit wirklich gelungen.
Besonders auffällig sind die zwei besonders attraktiven Hauptdarsteller Alain Noury und Malte Thorsten und die Art wie Vohrer sie ins Bild rückt. Die sexuelle Gesinnung des Regisseurs ist hier meiner Meinung nach unübersehbar.
Man sollte im Vorfeld nicht in irgendwelchen Inhaltsangaben lesen und sich vom Film einfach überraschen lassen.

Eine kleine Perle des deutschen Unterhaltungsfilms der 70er Jahre.

9 von 10 Punkten


Das Bild der Filmjuwelen DVD ist sehr gut. Da kann man nicht meckern.
Meine Empfehlung, sowohl Film als auch DVD

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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 23.10.2013 14:15 
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Ich frage mich, was der Simmel damit zu tun hat. Die Vorlage lieferte doch Puschkin.
Der Trailer spricht mich auf alle Fälle sehr an. Da werde ich wohl mal einen Blick riskieren.
Übrigens wäre das dann meine erste DVD von Filmjuwelen. :mrgreen:

www.youtube.com Video from : www.youtube.com

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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 23.10.2013 14:18 
anti wrote:

Ich frage mich, was der Simmel damit zu tun hat. Die Vorlage lieferte doch Puschkin.
Der Trailer spricht mich auf alle Fälle sehr an. Da werde ich wohl mal einen Blick riskieren.
Übrigens wäre das dann meine erste DVD von Filmjuwelen. :mrgreen:




Schon die Titelsequenz hat mich vollstens überzeugt.

Es ist aber kein wirklicher Thriller, eher Lovestory und Drama, aber sehr geil, locker und flockig inszeniert und typisch 70er Jahre.


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 24.10.2013 20:10 
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italo wrote:
Es ist aber kein wirklicher Thriller, eher Lovestory und Drama, aber sehr geil, locker und flockig inszeniert und typisch 70er Jahre.


Na ja, ich finde, dass es da für Vohrer-Verhältnisse schon eher arthritisch zugeht - auch wenn der Film seine schönen, ätzend-sarkastischen Momente hat. "Locker und flockig" ist aber was Anderes. :lol:

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"Wir haben zulange Menschen, denen Film als Kunstform nichts bedeutet, das Geschäft bestimmen lassen, und jetzt pissen sie ihm das letzte Fleisch von den Knochen."
- Tim Lucas (im Zusammenhang mit diesem Artikel)

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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 24.10.2013 20:47 
McKenzie wrote:
italo wrote:
Es ist aber kein wirklicher Thriller, eher Lovestory und Drama, aber sehr geil, locker und flockig inszeniert und typisch 70er Jahre.


Na ja, ich finde, dass es da für Vohrer-Verhältnisse schon eher arthritisch zugeht - auch wenn der Film seine schönen, ätzend-sarkastischen Momente hat. "Locker und flockig" ist aber was Anderes. :lol:



Ein Großteil des Films ist locker und flockig, was sich dann aber im Verlauf des Films mehr ins Dramatische wandelt. Es ist eine Sache der persönlichen Empfindung und deine Sichtweise ist nur eine von vielen. ;)


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 25.10.2013 14:39 
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Ich bin in mich gegangen, und ich muß sagen daß der Film nicht zu meinen Vorlieben passt.
Ist wohl doch zu viel Liebe und Romantik. Ein Unding. Hat für mich in einem guten Film nichts zu suchen. ;)
Wenn wenigstens die Lochner blank ziehen würde, dann, ja dann eventuell. :mrgreen:

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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 25.10.2013 14:49 
anti wrote:
Wenn wenigstens die Lochner blank ziehen würde, dann, ja dann eventuell. :mrgreen:



Sau! :mrgreen:

Ich finde nicht, dass man den Film auf diese Lovestory reduzieren kann, weil die eigentlich nur dazu dient den Spannungsbogen anzuheben und den fiesen Vater noch schleimig gemeiner wirken zu lassen.
Allerdings habe ich auch nichts gegen eine Lovestory, die zum Beispiel Argetos TRAUMA noch ein Stückchen schöner für mich gemacht hat.

Lass die DVD mal liegen und schaue sie dir vielleicht in ein paar Monaten noch mal in einer anderen Stimmung an.
Falls Du die DVD aber doch verkaufen willst, kann ich den anderen Usern hier nur den Tipp geben, dich gleich deswegen per PM anzuschreiben und dir diesen herrlichen kleinen und streckenweise ziemlich gemeinen deutschen 70er Jahre Film abzukaufen.

Wie fandest Du das Bild? Ich finde das Bild nämlich echt gut.


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 25.10.2013 16:36 
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Ich finde, der Film ist allein schon wegen Anita Lochner sehenswert.

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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 25.10.2013 19:33 
effetess wrote:
Ich finde, der Film ist allein schon wegen Anita Lochner sehenswert.


Anita Lochner! :lol:


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 26.10.2013 10:35 
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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 05.11.2013 19:32 
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UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer

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BRD - F 1972

Regie: Alfred Vohrer

Kamera: Jerzy Lipman
Drehbuch: Manfred Purzer nach einer Novelle von Alexander Puschkin
Musik: Erich Ferstl
Produktion: Ludwig Waldleitner

Darsteller: Anita Lochner, Alain Noury, Wolfgang Reichmann, Malte Thorsten, Eva Christian, ...


INHALT

Die 18-jährige Abiturientin Christine Luba (A. Lochner) ist in den aus Frankreich stammenden jungen Studenten Alain (A. Noury) verliebt, der in Lübeck Germanistik studiert. Als dieser wieder nach Frankreich zurückkehren muss, verbietet Christines Vater (W. Reichmann) ihr, Alain dort zu besuchen. Mit Hilfe ihrer Tante (E. Christian), die ebenso unter dem despotischen, depressiven Bruder leidet und sich an ihre eigene Jugend erinnert fühlt, versucht sie, sich heimlich mit Alain zu verabreden, doch bei einer familiären Beinahe-Tragödie erkältet sie sich schwer, und als Alain wegen des starken Regens nicht rechtzeitig zum vereinbarten Treffpunkt kommt, erleidet sie einen Zusammenbruch. Sie wird von dem jungen Piloten Martin (M. Thorsten) im strömenden Regen aufgelesen und in ein Krankenhaus gebracht. Martin ist der einzige Sohn eines reichen Fabrikbesitzers und der finanziell in Schwierigkeiten steckende Luba wittert nun durch eine mögliche Heirat Martins mit seiner Tochter Morgenluft. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

KOMMENTAR

Was für ein Film! Die glücklichen Liebesszenen zu Beginn des Filmes erinnern an die großen klassischen französischen Filme, das Verliebtsein wird auch in JULES UND JIM von Francois Truffaut oder in EIN MANN UND EINE FRAU von Claude Lelouch nicht besser eingefangen. Anita Lochner spielt die kindlich unbekümmerte und doch vom Schicksal früh gezeichnete Christine sehr einfühlend. Wolfgang Reichmann spielt den pessimistischen Vater sehr überzeugend, sein tyrannisches Verhalten zu Hause wirkt umso abstoßender, da er vor Kollegen mit Frauengeschichten prahlt und gegenüber dem Bankdirektor oder Martins Vater wie ein kleiner, schmieriger Geschäftsmann winselt. Der Film ist bis in die kleinsten Nebenrollen (u. a. Ruth Maria Kubitschek, Dirk Galuba, Alf Marholm, Konrad Georg, Henry Vahl) hervorragend besetzt.

Ferstls Kompositionen, seine leichte Gitarrenmusik, untermalt das lockere Treiben der Liebenden grandios. Hier wird schnell der Unterschied zu heute leider oft erschlagender musikalischer Untermalung der Bilder deutlich: Die leisen, ruhigen Töne lassen genug Raum, um die Sommerstille zu genießen. Die Kameraführung ist superbe. Überrascht hat mich Vohrer in diesem Film durch seine künstlerischen Spielereien zu Beginn des Filmes, so öffnet Christine in einer Szene zwar ihren Mund, es spricht aber ihr Geliebter Alain, dessen Mundbewegungen von Christines Stimme akustisch unterlegt werden. Der Schnitt von einem Bild zum nächsten geschieht, indem in der laufenden Szene schon Geräusche der nächsten Szene zu hören sind. Mit dem Sterben der Liebesbeziehung schwinden auch diese Spielereien, sie sind nicht Selbstzweck, sondern der Schnitt (oder besser: die Montage) verdeutlicht das spielerische Treiben der Verliebten.

Das Wetter wechselt von Sonnenschein zu Regen, die Farben von einem intensiven Rot zu grau, Christines Vater hat anscheinend nur braune, erdfarbene Anzüge, seine Schwester ist vom Kopftuch über ihre Ohrringe bis zu den Schuhen komplett in blaue / türkise Farbtöne getupft, genauso wie Lunds Exfrau - blau wirkt kalt und unnahbar. Christine dagegen trägt gelbe Shirts, lila Hemdchen, ihre Kleidung ist farbenfroh. Es kommt gerade im deutschen Film nicht so oft vor, dass so viele filmische Mittel eingesetzt wurden, um Gefühle einzufangen.

Der Film ist ganz großes Kino. 10 / 10 Punkten!

PS: Was hat dieser Film mit Simmel zu tun? Nun, Puschkins Novelle heißt eigentlich "Der Schneesturm", aber da Simmels UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN ein enorm erfolgreicher Film des Jahres war und fast das gleiche Filmteam mit dabei war, dachte man sich, ein langer Titel mit etwas Regen drin wäre förderlich. So klingt der Film als Fortsetzung des oben genannten Titels, obwohl er praktisch mit Simmel so viel zu tun hat wie mousse au chocolat mit Spanferkel.

PS II: Mein Gott, was hat die Lochner für dunkle, traurige Augen!


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 05.11.2013 22:04 
dr.freudenstein wrote:
Der Film ist ganz großes Kino. 10 / 10 Punkten!




Ich wusst gar nicht, dass du so schöne Reviews schreiben kannst. ;)


Du hast mit deiner Bewertung vollkommen recht. Ein klasse Film aber das kriegen hier die allerwenigsten mit, weil sie bei dem Filmtitel gar nicht in den Thread schauen und weil weder schwarze Handschuhe oder nackte Nonnen im Film vorkommen. ;)

UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR
9/10


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 05.11.2013 22:25 
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italo wrote:
aber das kriegen hier die allerwenigsten mit, weil sie bei dem Filmtitel gar nicht in den Thread schauen und weil weder schwarze Handschuhe oder nackte Nonnen im Film vorkommen. ;)

Naja, trifft wohl eher nicht Jedermanns Geschmack. War auch ein bisschen skeptisch um ehrlich zu sein, aber nur weil ich dachte, der Film kommt bei Weitem nicht an die starke Konkurrenz ran und hätte was von gut gemeintem Abklatsch. Ich habe mir "Und der Regen verwischt jede Spur" dann aber mit voller Begeisterung angesehen! Der war wirklich super! ;)
Hin und weg war ich ja vor allem von der Kubitschek! :D


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 05.11.2013 22:33 
Prisma wrote:
Ich habe mir "Und der Regen verwischt jede Spur" dann aber mit voller Begeisterung angesehen! Der war wirklich super! ;)



Sag ich doch! :D
Übrigens habe ich gerade schon wieder ein Film entdeckt, der es mir wirklich angetan hat und dir auch gefallen wird. JULIA DU BIST ZAUBERHAFT mit Lilli Palmer und Jean Sorel. Schau mal in den entsprechenden Filmthread.


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 25.11.2013 13:41 
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● UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR (D|1972)
mit Anita Lochner, Alain Noury, Wolfgang Reichmann, Malte Thorsten, Eva Christian, Konrad Georg,
Herta Worell, Alf Marholm, Henry Vahl, Alexander Allerson, Hans Daniel und Ruth Maria Kubitschek
eine Luggi Waldleitner Produktion der Roxy Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer


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»Wer weiß, wofür es gut ist...«

Christine Luba (Anita Lochner) und der französische Student Alain (Alain Noury) erleben die erste große Liebe und eine unbekümmerte Zeit miteinander. Alles könnte perfekt sein, wenn Christines Vater (Wolfgang Reichmann) ihren Freund akzeptieren würde, doch dieser scheint ihm nicht gut genug für seine Tochter zu sein. Es sieht so aus, als würde Luba versuchen, das Glück seiner Tochter mit allen Mitteln zu torpedieren. Doch die verwöhnte Tochter hat ein sehr unkritisches Bild von ihrem alten Herrn und kann nicht glauben, dass er zu derartigen Maßnahmen im Stande wäre. So trifft sie sich mit ihrer Mutter Irene (Ruth-Maria Kubitschek), die sie seit Monaten nicht mehr gesehen hat, und mit der es seit der Scheidung der Eltern ohnehin nur noch sporadischen Kontakt gibt. Christine wird mit eindringlichen Warnungen vor der Eifersucht ihres Vaters konfrontiert und beschließt schon bald, mit Alain eine Weile nach Frankreich zu gehen. Doch er kommt nicht zum vereinbarten Treffpunkt und ist danach wie vom Erdboden verschluckt. Sie lernt Martin (Malte Thorsten) kennen, einen jungen Mann aus reichem Hause, in den sie sich auch verliebt. Doch auch dieses Glück wird nicht von langer Dauer sein...

Alfred Vohrers Beitrag ganz im Stil der Simmel-Filme stellt sich bereits nach wenigen Minuten als beachtliche Überraschung heraus, und steht der Konkurrenz in keinerlei Hinsicht nach. Im Gegenteil, denn "Und der Regen verwischt jede Spur" behauptet sich seinen Platz im Rahmen des komplexeren deutschen Unterhaltungskinos problemlos und absolut zurecht, außerdem besitzt dieser Beitrag sogar mehr Vorzüge, als einige Original-Simmel-Verfilmungen. Die Geschichte erscheint zunächst trügerisch einfach zu sein. Die Jungdarsteller Anita Lochner und Alain Noury überzeugen im dokumentieren der ersten Liebe, des großen Glücks und sie programmieren eigentlich eine strahlende Zukunft absolut glaubhaft, wenn da nicht das Schicksal mit all seinen Helfershelfern wäre. Die anfängliche Einfachheit ist Geschehens wirkt angenehm anzusehen, die Unbeschwertheit von Alain und Christine wird packend und greifbar dargestellt, doch beim Zuschauer kann kein beruhigendes Gefühl aufkommen, denn bereits der Vorspann gibt Puzzle-artigen Aufschluss darüber, dass eine Katastrophe nicht ausbleiben wird. So besteht die Raffinesse der Inszenierung letztlich darin, dass sich die Atmosphäre schleichend zuspitzt und eine noch nicht zu definierende Verheißung über dem Geschehen liegt, bis sich die Dramatik plötzlich überschlägt, und sich Protagonisten und Zuschauer in einer Schraubzwinge wiederfinden. Das Leitmotiv Regen gibt dem Titel einen bitteren Beigeschmack, und der Geschichte an sich schlussendlich doch eine sehr perfide Note, da der Regen nicht nur jede Spur verwischen wird, sondern als Synonym für unzählige Tränen greift, die man im Regen aber erst gar nicht sehen kann. Dramatik der intelligenteren, und Unterhaltung der anspruchsvolleren Sorte!

Was angesichts der Hauptrollen schon fast wie ein Wagnis aussieht, erweist sich im Handumdrehen als absoluter Glücksgriff in Sachen Überzeugungskraft. Die jungen Hauptdarsteller Alain Noury, Malte Thorsten (beide mit Simmel-Erfahrung) und Anita Lochner agieren leichtfüßig und glaubhaft, genau wie das bei der bestechenden Performance von Wolfgang Reichmann der Fall ist. Das Ganze wird von dieser Vierer-Konstellation zwar beeindruckend dominiert, aber mit den glänzend aufgelegten Damen Ruth-Maria Kubitschek und Eva Christian markant abgerundet, sodass die restlichen Rollen allesamt etwas weniger prominent in Erscheinung treten müssen und werden. Als man Christine sieht, kann man sofort verstehen, dass sie den Jungs die Köpfe verdreht. Sie wirkt natürlich, ist temperamentvoll und zeigt sich mit viel emotionaler Hingabe, auch wenn sie andererseits im Umgang mit ihrem Vater zwar herzlich und offen ist, aber über den Verdacht von blindem Vertrauen und einer ordentlichen Portion Naivität nicht hinwegkommt. Der alte Luba wirkt wie der Wolf, der Kreide gefressen hat. Er hat die Fäden an der Hand und an deren Ende finden sich unzählige Marionetten die das tun, was er von ihnen verlangt. Im Bezug auf Männer darf es keine Götter neben ihm geben, seine Absolution erteilt er nur, wenn sich ihm dadurch ein Vorteil in Aussicht stellt. So ist der oppositionell wirkende Alain in seinen Augen nur ein Habe- und Taugenichts bei dem es gilt, ihn schnellstens gegen eine gewinnbringendere Variante auszutauschen. Martin stellt in diesem Kontext das kleinere Übel dar, da er aus gut situierten Verhältnissen stammt, und Luba daher sofort eine geschäftliche Allianz wittert, weil er ohnehin wirtschaftlich angeschlagen ist.

Überhaupt spielt die Regie im Charaktere-Roulette überwiegend mit deutlichen Kontrasten. Martin und Alain könnten unterschiedlicher nicht sein und haben schließlich nur eins gemeinsam, denn sie können der aufregend wirkenden Christine nicht widerstehen. Alain ist in dieser Beziehung offensiv und direkt, Martin eher verschlossen und weitgehend verhalten. Neben Christine hat Luba allerdings noch andere Frauen in seiner Schraubzwinge. Seine Schwester Karin, die als demütige Bittstellerin in sein Haus zieht um ihrem kleinen, unehelichen Jungen etwas bieten zu können, muss dafür einen hohen Preis zahlen. Demütigungen und Maßregelungen sind an der Tagesordnung, jede Eigenmächtigkeit wird im Keim erstickt und bestraft. Die in diesem Vakuum stehende Frau wird hervorragend von Eva Christian dargestellt, ihre unterdrückten Emotionen und Bedürfnisse spiegelt das versteinerte Gesicht in etlichen Situationen wieder. Eine andere Dame, die sich im Würgegriff von Luba befindet, ist Christines Mutter. Die großartige Ruth-Maria Kubitschek demonstriert in ihrem weniger als fünf Minuten dauernden Auftritt, wie man es schauspielerisch optimal zu lösen hat. Irene sitzt im goldenen Käfig. Sie darf sich zwar ein unbeschwertes Leben erlauben, hat sich dafür aber dem Willen ihres Ex-Mannes zu beugen. Kein schädlicher Kontakt zu Christine, keine Forderungen oder Ansprüche und sich soweit zurückziehen, dass sie nur noch wie eine verblasste Erinnerung wirkt. Bei aller Oberflächlichkeit, die man so exzellent dargestellt von der Kubitschek sehen darf, ist sie dennoch eine der wenigen Personen, von der man ehrliche, oder besser gesagt, direkte Worte hören wird. Ihre Warnungen wirken verheißungsvoll und deuten die Katastrophe bereits nach kurzer Spieldauer an.

Mit den meisten Simmel-Adaptionen und auch mit "Und der Regen verwischt jede Spur" sind in den Siebzigern Filme entstanden, die in der deutschen Kino-Landschaft tatsächlich nach Ihresgleichen suchen. Die Mischung aus Unterhaltung und Anspruch wurde hier sehr gut dosiert, und entstanden ist schließlich Film, dessen Thema in unmissverständlicher Weise deutliche Berührungspunkte preisgibt, die den Zuschauer fesseln können. Dramatik, Sentimentalität und Theatralik werden für mein Empfinden in einer gesunden Dosierung abgehandelt, so dass Alfred Vohrers Arbeit mit Leichtigkeit ins Ziel kommt. "Und der Regen verwischt jede Spur" ist ein angenehm stiller Vertreter seiner Gattung geworden, der nahezu unverblümt mit einer gewissen Realitätsnähe zu spielen versucht, dabei aber auf ernster und nachdenklicher Ebene bleibt. Die anfängliche Idylle ist angenehm, aber doch trügerisch, die unbeschwerte Zweisamkeit ist zwar herrlich mit anzusehen, aber man spürt den Schatten der über der Geschichte liegt. Vor allem aber wirkt die nicht thematisierte Prognose in Richtung der jungen Protagonistin sehr ernüchternd, weil das Schicksal ihrem Vater geholfen hat, und sie vermutlich für immer an ihn gekettet hat. Inszenatorisch gesehen hat die Regie sämtliche Register gezogen. Viele Ortswechsel, die satte Ausstattung, aufwendige Settings und kleinere pyrotechnische Spektakel lassen den Film hochwertig erscheinen, die Musik von Erich Ferstl zwingt dem Geschehen Melancholie auf, um aber in den brisanten Sequenzen Paukenschläge zu versetzen, einige Rückblenden (die ich immer sehr gerne mag) fügen sich nahtlos in den klaren Aufbau der Geschichte ein, und insgesamt kann ich als Fazit nur sagen, dass man "Und der Regen verwischt jede Spur" bestimmt einmal gesehen haben sollte. Volltreffer!


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 Post subject: Re: UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer
PostPosted: 27.09.2020 18:40 
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Wer die Simmel-Verfilmungen (von Alfred Vohrer) mag, wird auch "Und der Regen verwischt jede Spur" mögen; so lautet wohl die einfache Faustregel. Tatsächlich steht diese Geschichte den vergleichbaren Produktionen thematisch und inszenatorisch in nichts nach, und auch der Stab vor und vor allem hinter der Kamera weist zahlreiche Parallelen auf. Obwohl der Verlauf zu Beginn hauptsächlich Hoffnungsschimmer präsentiert, schnürt die sich aufbäumende Dramatik immer enger zu, bis das Schicksal seinen Lauf nimmt, welches vor allem von Wolfgang Reichmann gemacht und diktiert wird, der die Menschen seines Umfeldes wie Posten in seiner eigenen Firma hin und her schiebt. Schnell ist klar, dass jeder Beteiligte ein potenzielles Opfer seines doppelten Spiels werden könnte, aber die Regie stützt sich nicht ausschließlich auf die darstellerische Kraft Reichmanns. Beeindruckend leichtfüßig wirkt vor allem Anita Lochner bei ihrem schweren Gang durch die mit Fallstricken übersäte Geschichte, die ihre Unberechenbarkeit immer wieder über zahlreiche Kehrtwendungen und unaufrichtige Charaktere aufbauen kann. Ebenso beachtlich agieren Alain Noury und Malte Thorsten, die als Gegenentwürfe besonders gut funktionieren. Bis der Regen jede Spur und Träne verwischen kann geschieht viel Schönes, aber ebenso Trauriges und Unbegreifliches, sodass dieser Beitrag sich vor der echten Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Ein durch und durch empfehlenswerter Vertreter aus Alfred Vohrers Fabrik der Emotionen, die am Ende zwar nur gespielt sind, aber dennoch manchmal sehr authentisch wirken.


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