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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DIE FLUSSPIRATEN VOM MISSISSIPPI - Jürgen Roland
PostPosted: 17.10.2020 00:20 
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● DIE FLUSSPIRATEN VOM MISSISSIPPI / LES PIRATES DU MISSISSIPPI / AGGUATO SUL GRANDE FIUME (D|F|I|1963)
mit Hansjörg Felmy, Brad Harris, Sabine Sinjen, Dorothee Parker, Tony Kendall, Karl Lieffen, Dan Vadis und Horst Frank
eine Produktion der Rapid Film | Société Nouvelle de Cinématographie | Gianni Fuchs SPA | im Gloria Filmverleih
ein Film von Jürgen Roland und Gianfranco Parolini


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»Was sind denn Worte, wenn unser Mund anders spricht als unser Herz?«

Eine Bande Piraten, die bevorzugt Postschiffe ausplündert, setzt die Gegend rund um die kleine Stadt Helena in Angst und Schrecken, vor allem weil ihr Anführer Kelly (Horst Frank) mit äußerster Brutalität vorzugehen pflegt. Um den Widerstand der Stadt zu brechen, locken die Piraten den Sheriff von Helena in einen Hinterhalt und ermorden ihn heimtückisch. Die aufgebrachten Bürger der Stadt setzen kurzerhand den Waldläufer James Lively (Hansjörg Felmy) als neuen Sheriff, da man es ihm zutraut, die Verbrecher zur Strecke zu bringen. Außerdem unterhält er ein freundschaftliches Verhältnis zum benachbarten Indianerstamm der Cherokees, was eine friedliche Koexistenz gewährleistet, bis Kelly einschreitet. Durch Lügen und Manipulationen bringt er den "Schwarzen Adler" (Tony Kendall) dazu, ihn bei seinem nächsten Raub zu unterstützen, um anschließend Helena zu überfallen. Kann Livley die Katastrophe noch abwenden..?

In einer Phase, in welcher nicht nur zahlreiche Abenteuerfilme mit Western-Einschlag, sondern auch merklich bundesdeutschem Flair entstanden, wurde es hin und wieder schwierig, die entsprechenden Beiträge so auszustatten, dass sie sich vom Gros abgrenzen konnten. Jürgen Rolands "Die Flusspiraten vom Mississippi" wurde seinerzeit mit großem Aufwand und dem Vernehmen nach hoher Budgetierung nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Gerstäcker in Jugoslawien gedreht, und es lassen sich weniger Neuerungen als zahlreiche Parallelen zu Artverwandten finden. Im Endeffekt ist es der routiniert und sorgsam arbeitenden Regie zu verdanken, dass der Film seinen Dienst am Interessenten erwartungsgemäß tut, allerdings bleibt Rolands farbenfrohe Bearbeitung nicht als Überflieger in Erinnerung. Innerhalb des hohen Unterhaltungswertes finden sich kaum Phasen des Leerlaufs, auch die Darsteller, Bebilderung oder Bauten fabrizieren besondere Eindrücke, was leider von einer von Vorhersehbarkeit geprägten Storyline immer wieder unterwandert wird. Die spannenden Momente definieren sich über eine gute Balance von Action und Brutalität, welcher der Zeit entsprechend allerdings eher diskrete Momente eingeräumt werden und sich dementsprechend viel im Off, beziehungsweise der Fantasie des Publikums abzuspielen hat. Immer wieder einschießende satirische Momente wirken irritierend und unterm Strich störend, vor allem da man mit ausreichend Säbelrasseln und geschliffenen Dialogen in Wort und Blei unterhalten wird.

Die Charaktere und deren Zeichnungen bleiben hauptsächlich oberflächlich bis naiv, sodass selbst Anflüge von Tiefgang wirkungslos im Nichts verhallen. Hauptfiguren wie Hansjörg Felmy oder Horst Frank hätten mehr Schärfe verdient, insbesondere vor dem nicht gerade unwichtigen Hintergrund, dass sie als erbitterte Gegenspieler aufgebaut werden. Felmy, ein überaus verdienter und interessanter Schauspieler, dessen oft sperrige Art dem Empfinden nach durchaus erfrischend wirken kann, bleibt in der männlichen Hauptrolle unerklärlich blass, wenngleich er doch die nötige Identifikationsfigur heraus arbeiten kann. Dennoch hätte man sich gerade hier ein bisschen mehr Hingabe in diesem Verlauf auf Schienen gewünscht, um zusätzliche Überraschungsmomente anzubieten. Agiler wirkt sein sympathischer Partner und Hilfs-Sheriff Tom Quincy alias Brad Harris, der in diesem Zeitfenster gut beschäftigt im europäischen Kino war und ohnehin sinnbildlich für markante Action, genügend Drive sowie waghalsige Choreografien steht. Über die Platzierung von Sabine Sinjen lässt sich vielleicht weniger streiten als über ihre eigentliche Interpretation in diesem Geschehen. So offeriert die Deutsche eine eigenartige Melange aus Slapstick und Emotionen; ein Wechselspiel, welches die Gefahr birgt, einen vollkommen unberührt zurückzulassen. Die interessantere Darbietung auf weiblicher Seite bietet eindeutig Dorothee Parker, wenngleich die hier von Rosemarie Fendel synchronisierte Schauspielerin am Ende recht naiv zurück bleiben muss.

Guten Support leisten Dan Vadis und Tony Kendall, doch vor allem Horst Frank kann in seiner Paraderolle als skrupelloser Gangster überzeugen. Wie üblich macht er gewissenlos keine Gefangenen und wird dementsprechend als gefährlicher Kontrahent wahrgenommen, den man nicht unterschätzen sollte. Im Hintergrund agiert der große Unbekannte, für den die sogenannten Flusspiraten ihre kriminellen Dienste tun, doch leider kümmert sich Regisseur Roland nicht weiter um große Überraschungsmomente und kreiert eine Art gläsernes Phantom, dessen Entlarvung erwartet werden konnte. Erwähnenswert ist der hier betriebene Aufwand, der sich vor allem in vielen Kulissen widerspiegelt. Wenn die Geschichte schwächelt, kann sich das Publikum zumindest an malerischen Landschaftsaufnahmen erfreuen, und am Ende wird ein gut organisierter, vor allem turbulent abgewickelter Showdown geboten, wenngleich die Veranstaltung etwas zu abrupt endet und ein paar wichtige Fragen unbeantwortet bleiben. "De Flusspiraten vom Mississippi", der in Teilen vom italienischen Regisseur Gianfranco Parolini inszeniert wurde, wirkt unterm Strich unterhaltsam und gefällig, sodass die Spieldauer sogar wie im Flug vergeht. Die auftauchenden dramaturgischen Schwächen sind womöglich auf die beteiligten Produktionsländer zurückzuführen, die üblicherweise ihren Gusto durchzusetzen pflegten. Als Zuschauer kann man sich schließlich die persönlichen Filetstücke selbst heraus suchen und kommt am Ende eher zufrieden gestellt als enttäuscht über die Zielgrade.


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