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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 27.05.2016 17:03 
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Ich schaue seit einigen Wochen erstmalig die Serie "Falcon Crest" (Sat 1 Gold).
Die lief wohl damals zur selben Zeit wie "Dallas"!? Allerdings im Vorabend-programm der ARD.

Ich verstehe gar nicht mehr, warum J.R. mit seiner Hinterhältigkeit so auffallen
konnte. Die Figur "Angela Channing" in "Falcon Crest" übertrifft ihn bei weitem.
Der übrige Cast ist voll von skrupellosen, machtgierigen und kaputten
Typen(m/w). Ich finde, dagegen sind J.R. und Anhang eher harmlos.

Auf Wikipedia ist zu lesen, dass FC einige Monate später heraus kam wie D.
Da wollten die Produzenten wohl noch einen draufsetzen.


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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 27.05.2016 17:07 
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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 27.05.2016 21:21 
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wangyu2016 wrote:
Ich verstehe gar nicht mehr, warum J.R. mit seiner Hinterhältigkeit so auffallen
konnte. Die Figur "Angela Channing" in "Falcon Crest" übertrifft ihn bei weitem.

Interessanter Vergleich, wie ich finde. Angela Channing ist bei "Falcon Crest" meine absolute Lieblingsfigur und natürlich ist diese Mischung aus kultiviertem Auftreten und unerbittlichem Durchpeitschen ihrer Pläne sehr fesselnd. Aber übertrifft sie tatsächlich J.R.? Für meine Begriffe nicht, da die Basis der Macht in "Dallas" das Ölgeschäft ist, bei "Falcon Crest" lediglich der Weinhandel, eine Vorherrschaft, die viel regionaler begrenzt ist. J.R. operierte auch gerne international, inszenierte beispielsweise einen Putsch oder setzte sich über Öl-Embargos hinweg, stand mehr als einmal mit einem Fuß im Gefängnis und er provozierte wesentlich mehr Hass bei seinen Gegnern, da unsentimentale Rücksichtslosigkeit zu seinem Spiel gehört. Angela Channing macht sich diese Eigenschaft auch dienstbar, baut aber im Serienverlauf in dieser Beziehung eher ab, da man ihr mit Richard Chaning einen ebenbürtigen Gegenspieler vor die Nase setzte, der beim Publikum noch unsympathischer rüber kam, als sie selbst. Wenn man die beiden Serien über die kompletten Spieldauern vergleicht, hat "Falcon Crest" für mich daher das Nachsehen, "Denver Clan" übrigens auch. Vielleicht hatte "Dallas" aber tatsächlich die höchste Dichte an guten Charakteren, die dramaturgisch gesehen immer zu häufig Oberhand gewinnen durften. Das ging dann zwangsläufig auf Kosten von J.R.'s Bedrohlichkeit.


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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 28.05.2016 15:15 
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Die einzigsten "normal" agierenden Figuren in FC sind m.E. die Tochter
von Chase und ihr noch nicht geschiedener Liebhaber sowie ihre Mutter.

Alle anderen weisen eine Störung auf, von noch harmlosen psychischen
Auffälligkeiten bis krankhaftem, menschenverachtenden Ehrgeiz ist alles
dabei.
Angelas Hausangestellter ist mir ein bisschen zu ergeben und der Sheriff
sollte endlich mal kriminalistisch erfahrenen Beistand aus S.F. holen.

Natürlich hat das Agieren von Angela nicht die millionendollarschweren
Auswirkungen wie bei J.R.s Handeln. Ihr mieser Umgang mit ihren Mitmenschen, sowohl in als auch ausserhalb der Familie, übertrifft J.R.
doch bei weitem.

Die Handlungen und Personen kann man natürlich nicht mit unserem
wirklichen Leben vergleichen. Innerhalb des Kosmos eines Films oder Serie
ist das in F.C. Gezeigte jedoch doch ziemlich starker Tobak.
Die Länge der einzelnen Szenen ist ja ziemlich kurz gehalten, was die
Wirkung dessen, was ich weiter oben beschrieben habe, noch verstärkt.

Ich kenne übrigens jetzt nur den aktuellen Stand der werktags auf
Sat1 Gold gezeigten Folgen, davon auch nur die vier Nachtwdh.
Es bleibt abzuwarten, ob die Serie nicht wie beim letzten Mal abgebrochen
wird.

Dallas wäre doch ideal für RTL Nitro, falls die Rechte noch bei RTL liegen.


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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 29.05.2016 16:41 
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Ich sag nur: die Szene, in der J.R. zum ersten mal seinen kleinen Sohn aus dem Bettchen heraus in seine Arme nimmt... das war schon noch mal ne ganz andere Ebene, als nur der "Bad Guy" :-) Nicht umsonst hiess es "The man you love to hate!"


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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 29.05.2016 17:17 
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Oder als Bobby stirbt, auch als Jock vermisst wird, sieht man derartige Seiten an ihm, um nur wenige zu nennen. Das stimmt schon und ich fand den Gedanken ganz interessant, mal zwischen den Serien-Fieslingen zu vergleichen, was ich sonst eher nicht gemacht habe. Ich bleibe dabei, dass ich sage, dass hier niemand den anderen bei Weitem übertrifft, die haben ihre eigene Serien-Welt meistens rücksichtslos geprägt. Meistens gab es ja innerhalb der Serien selbst noch negative Charaktere, die die eigenen Top-Kandidaten in dieser Beziehung zu übertrumpfen versuchten. Bei "Dallas" spielte beispielsweise ein ungemütlicher Jeremy Wendell, Chef von Weststar, J.R. ein paar temporäre Sympathien zu, aber das ist in jeder Serie so, dass es nicht bis zum Exzess ausgereizt wird. Immer wenn die Familie solidarisch zusammenrückte, konnte man mehr verborgene Facetten sehen.


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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 15.06.2020 08:16 
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● DALLAS | FOLGE 01 | DIGGER'S DAUGHTER | DIE FAMILIE (US|1978)
mit Barbara Bel Geddes, Jim Davis, Patrick Duffy, Linda Gray, Larry Hagman, Victoria Principal, Charlene Tilton
und Tina Louise, Steve Kanaly, Ken Kercheval, David Wayne, Donna Bullock, Bill Thurman, James R. Gough, u.a.
eine Produktion der Lorimar
Regie: Robert Day



Die Fehde der Familien Ewing und Barnes reicht mehrere Jahrzehnte zurück und konnte nie beigelegt worden. Gerade als Cliff Barnes die Ewings in seiner Funktion als Leiter eines Untersuchungsausschusses wieder öffentlich angreift, stellen sich Jock, das Familienoberhaupt der Öl-Dynastie, und sein ältester Sohn J.R. auf schwierige Zeiten ein und planen Gegenmaßnahmen. Wer allerdings dachte, dass es nicht mehr schlimmer kommen könnte, hat sich grundlegend getäuscht, denn Bobby, der jüngste Sohn von Jock, bringt seine frisch angetraute Braut mit auf den Familiensitz Southfork. Die Freude hält sich in Grenzen, denn Bobbys Frau Pamela ist keine Geringere als die Tochter von Jocks Erzfeind "Digger" Barnes. Die Lage auf der Ranch droht zu eskalieren...

Ende der 70er Jahre plante der amerikanische Sender CBS eine Miniserie mit lediglich fünf Folgen, und zu diesem Zeitpunkt war noch nicht zu erahnen, dass sich "Dallas" einmal zu einer der weltweit erfolgreichsten Seifenopern entwickeln würde, die phasenweise Ausmaße eines Straßenfegers annehmen sollte. Die erprobte Produktionsfirma Lorimar spielte hier ihre ganze Erfahrung aus. Die erste Episode der Serie startet mit dem unscheinbaren Titel "Digger's Daughter" und deutet subtil auf die bevorstehende Brisanz der dramatischen Ereignisse an, die nach und nach sorgsam aufgebaut werden. Der deutsche Titel verspricht mit "Die Familie" ebenfalls nicht zu viel, da die Hauptrollen und wichtigen Zubringer sehr eindringlich vorgestellt werden, allerdings nur um die Weichen für Richtungen zu stellen, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu erahnen sind. Bobby bringt seine bildschöne Frau mit in die Höhle der Löwen , in welcher sich der Empfang alles andere als herzlich gestaltet. Jock Ewing hasst Pamelas Vater und sie erscheint plötzlich wie ein wandelndes Mahnmal, das die Jahrzehnte andauernde Fehde in neue Dimensionen hebt. J.R., von Natur aus misstrauisch, wird »Miss Barnes« ein finanzielles Angebot für ihr hoffentlich baldiges Verschwinden machen, denn seiner Ansicht nach ist alles und jeder käuflich, solange der Preis stimmt. J.R.'s Frau Sue Ellen kann das junge Glück offensichtlich kaum ertragen, da ihr altes Glück mit ihrem Gatten nur noch eine Erinnerung von einst geblieben ist. So gefällt sich die überaus angepasst und devot wirkende Frau darin, kleine verbale Giftpfeile abzufeuern, doch Pamela lässt sich nicht so einfach treffen. Brisant: Pams ehemalige Affäre Ray ist Verwalter auf Southfork, der Heimlichkeiten mit Lucy, der verwöhnten und halsstarrigen Enkelin des Hauses, hat. Jeder scheint die Neue zu verachten, zu fürchten, dort hin zu wünschen wo der Pfeffer wächst, oder zumindest misstrauisch zu sein, sodass die schwere Rolle Bobbys, zwischen den Stühlen sitzen zu müssen, prominent in den Fokus gerückt wird. Lediglich seine Mutter verhält sich korrekt seiner Frau gegenüber, wenn zu Beginn auch distanziert.

Als wären die Schwierigkeiten im neuen Domizil nicht genug, steht auch noch Pamelas Beichte bei ihrem Bruder Cliff, aber vor allem ihrem Vater bevor, den bei dieser Hiobsbotschaft beinahe der Schlag trifft. Sicherlich hätte der sich unmittelbar nach diesen ungemütlichen Neuigkeiten volllaufen lassen, wenn er es nicht längst schon getan hätte. Wie von selbst erhöht sich der Druck von allen Seiten, die suggerieren, dass das junge Ehepaar die schlimmste aller Entscheidungen getroffen hat, diesbezüglich eine Korrektur dringend nötig wäre. Regisseur Robert Day weist nicht nur geschickt auf die prekäre neue Situation hin, sondern betätigt auch zahlreiche Stellschrauben, die die Schlinge um ausgesuchte Hälse immer enger zuzieht. Dem Publikum wird durch die äußerst gelungene Vorstellungsrunde der Protagonisten von Anfang an gewährt, sich die aus persönlichem Empfinden richtige Seite auszusuchen und Sympathisant gewisser Charaktere zu werden. Begrüßenswert ist die Tatsache, dass bereits in dieser frühen Phase dichte Profile präsentiert werden, wenn auch die Brillantschliffe erst etwas später folgen sollten. Die Serien-Erfahrung zeigte häufig, dass sich Pilotfolgen unter Umständen als teilweise langatmig oder zäh herausstellten, was hier aber glücklicherweise nicht zutrifft, da die straffe Erzählstruktur die Informationsflut in Fasson bringt. Ohnehin wird sich alles Weitere klären, ergeben und formen, sodass es in Folge 1 genügen soll, die Rahmenhandlung und deren Charaktere kurz zu umranden. "Dallas" verfügt über ein gängiges Konzept, das Serien zu Dynamik und großen Erfolgen verhelfen konnte. Die Tatsache, dass man von Tugenden aus dem Bilderbuch bis hin zu der moralischen Axt im Walde alles finden kann, macht diese Angelegenheit in Kinderschuhen nicht zuletzt so interessant, da Gegensätze und aufflammende Tiraden weitaus mehr versprechen, als man sich zunächst vorstellen kann. Die Vergangenheit wird zurück schlagen, die Gegenwart kränken und die Zukunft düster aussehen. So steigt die Vorfreude darüber, Zeuge von miesen Tricks, unsauberen Geschäftspraktiken, familiären Trümmerhaufen, Affären und Romanzen zu werden. Frühstücksfernsehen vom Feinsten!


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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 21.07.2020 23:26 
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● DALLAS | FOLGE 02 | THE LESSON | DIE LEKTION (US|1978)
mit Barbara Bel Geddes, Jim Davis, Patrick Duffy, Linda Gray, Larry Hagman, Victoria Principal, Charlene Tilton
und Steve Kanaly, Jeffrey Byron, Paul Tulley, Donna Bullock, Ryand Merkey, Jo McDonnell sowie Tina Louise
eine Produktion der Lorimar
Regie: Irving J. Moore



Lucy Ewing hat keine Lust mehr, sich mit der Schule abzugeben, und lässt es deswegen auch einfach bleiben. Da sich die Fehlzeiten häufen, weist ihr Großvater Jock den Verwalter der Southfork Ranch an, die widerspenstige junge Dame eigenhändig zur Schule zu fahren, doch es kommt nicht dazu. Ray lässt sich von Lucy um den Finger wickeln und die beiden landen auf dem Heuboden. Pamela, die von dem Verhältnis der beiden weiß, bekommt eines Tages einen Anruf aus Lucys High School , bei dem sich Abgründe auftun. Lucy schwänzt nicht nur seit geraumer Zeit den Unterricht, sondern sie hat offenbar auch alle blauen Briefe abgefangen. Ab sofort kümmert sich Pamela um einen reibungslosen Ablauf, bis Lucy ihrer Tante eine schmerzliche Lektion erteilt...

»Der Unterricht, den ich hier erhalte, reicht mir völlig aus!« Kurz und schmerzlos schmettert Lucy die Vorwürfe Pamelas ab, die sie soeben mit dem Verwalter Ray im Heu erwischt hat, und es deutet sich ein erbittertes Tauziehen ab. Starrsinn und Eigenwilligkeit gegen Vernunft und Hilfsbereitschaft - eine explosive Mischung, die den Großteil dieser zweiten Episode ausmachen wird. Pamela, die erst frisch gebackene Mrs. Ewing, ist noch dabei, sich im Haifischbecken namens Southfork zurecht zu finden. Sticheleien und prüfende Blicke gehören zum Alltag, mit dem sich Pam mittlerweile sogar schon abfinden konnte, da man schließlich weiß, mit wem man es zu tun hat. Die entsprechenden Herrschaften präsentieren sich allerdings nur als offene Bücher, da sie ihr Gegenüber unterschätzen und nach wie vor fest daran glauben, dass Pamela die Ranch irgendwann wieder verlassen wird. Allerdings kann sie wichtigen Teilen der Familie mit ihrer unbeirrbaren und aufrichtigen Art und resoluten Taten imponieren, sodass Miss Ellie und Jock schnell auf der Seite ihrer Schwiegertochter stehen, auch wenn dies bislang nicht verbalisiert wurde. Auf der Gegenseite stehen vor allem J.R., Sue Ellen und Lucy, die jeweils auf ihre Art und Weise für Torpedoschüsse sorgen. »Geschmack hat sie ganz sicher, immerhin hat sie jahrelang in Kaufhäusern gearbeitet.«, hört man Sue Ellen süffisant über den Frühstückstisch giften, um ihre eigene, vermeintlich gefestigte Stellung im Hause Ewing in Erinnerung zu rufen. Dieser solidarische Akt kann ihrem Gatten J.R. allerdings kaum imponieren, da er ein Mann der Tat ist und bereits im Hintergrund konspiriert. Lucy schließt sich dem Feldzug an und wird Pamela in dieser Folge am gefährlichsten werden. Nicht nur, dass sie im Verlauf der Episode für einen der wohl größten Skandale sorgen wird, den die Braddock High jemals erlebt hat, sie wird auch ihre Aufpasserin demütigen und bloßstellen.

Fernab der richtig schmutzigen Geschäfte rund um Macht, Geld und Öl, werden am Anfang noch kleinere Register gezogen, um vor allem die Unterschiede der Hauptpersonen herauszuarbeiten. So wird J.R. seinem Bruder Bobby noch eine mahnend-leidenschaftliche Rede halten, die eigentlich als Drohung zu verstehen ist, denn er berichtet von seinem Leben: Ewing Oil. Er habe hart unter deren Vater arbeiten müssen, während sich Bobby die Hörner abgestoßen habe, was unterschwellig seinen Anspruch auf die uneingeschränkte Alleinherrschaft in der Firma markiert. In der Zwischenzeit übernimmt wieder Lucy das Regiment der Folge und greift zu außerordentlichen Mitteln, um ihren verkorksten Willen durchzusetzen. Das Leitmotiv von "Die Lektion" ist mit der Umschreibung Erpressung vielleicht am deutlichsten Auf den Punkt gebracht, da diese Methodik von einigen Personen angewandt wird. Pam erpresst Lucy und umgekehrt, Lucy wird von einem Kommilitonen genötigt, mit ihr auszugehen und noch weiter, da dieser ihre perfide Aktion in der Schule beobachtet hatte. So droht das Spiel der verwöhnten Nichte des Oberhauptes der Ewings außer Kontrolle zu geraten. Regisseur Irving J. Moore, der in den Folgejahren bei über 50 Episoden Regie führen sollte, konzentriert sich fachmännisch auf die verschiedenen Charaktere und rückt die Personen auf Seiten, beziehungsweise teilt sie in Fraktionen ein. Für den Zuschauer werden bereits eindeutige Leitlinien in Sachen Sympathien und Abscheu gezeichnet, die eine Rolle für die Zukunft spielen können, vorausgesetzt man bleibt der Serie treu. Wenn am Ende noch die Fäuste sprechen dürfen und es zu himmelschreienden Ungerechtigkeiten kommt, dürfte sich das Publikum klar darüber sein, dass hier jeder Stoff verwendet wird, aus dem gut gemachte Serienträume sind. Außerdem darf man nach so kurzer Zeit gespannt sein, ob es so turbulent weitergehen wird.


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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 04.10.2020 18:33 
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● DALLAS | FOLGE 03 | SPY IN THE HOUSE | SPIONIN IM HAUS (US|1978)
mit Barbara Bel Geddes, Jim Davis, Patrick Duffy, Linda Gray, Larry Hagman, Victoria Principal, Charlene Tilton
und Ken Kercheval, Norman Alden, Donna Bullock, J. Michael Jaynes, Robert Magruder sowie Tina Louise
eine Produktion der Lorimar
Regie: Robert Day



Um Einblicke in J.R.'s Geschäfte bei Ewing Oil zu bekommen und um ihn an die Familie zu binden, wird sein jüngerer Bruder Bobby als zweiter Mann in der Firma platziert. Dieser verlangt Einsicht in alle wichtigen Transaktionen, was J.R. ein Dorn im Auge ist. Als prekäre Informationen aus einer der Ewing-Geheimakten an die Öffentlichkeit geraten, überschlagen sich die Ereignisse: Cliff Barnes schlachtet die geheimen roten Akten vor der Presse aus und bringt angesehene Persönlichkeiten mit Schmiergeldzahlungen und Vetternwirtschaft in Verbindung. Für den Chef von Ewing-Oil ist klar, dass nur Bobbys Ehefrau und Cliffs Schwester Pamela für das Komplott in Frage kommen kann, doch zieht in all seiner Wut nicht in Betracht, dass es sich bei der Spionin um eine seiner engsten Vertrauten handelt...

»Du kennst mich ja. In- und auswendig!« Noch während die Atmosphäre in den Büros der Ewing-Oil durch Handwerkerarbeiten Ohren betäubend geprägt wird, hört man derartige Vertraulichkeiten zwischen J.R. und seiner Sekretärin Julie, sodass völlig klar wird, dass sie auch nach Feierabend für zuverlässige Dienste zur Verfügung steht. A propos Hämmern und Bohren: da man in den Geschäftsräumen sein eigenes Wort nicht versteht, beschließt Bobby kurzerhand, nach Hause zu fahren. Die Mahnung J.R.'s, dass die sogenannten roten Akten die Räumlichkeiten niemals und unter keinen Umständen verlassen dürften, wird dabei eher zur Kenntnis genommen, und die Katastrophe der dritten Episode nimmt ihren Lauf. Auf der Straße wird Julie von Cliff Barnes umgarnt, der ganz unverblümt davon spricht, stets an geheimen Informationen über die Machenschaften der Ewings interessiert zu sein, die er selbstverständlich vertraulich behandeln würde. Ein Schwenk zur Southfork Ranch bringt die nächsten Probleme zutage, die vor allem im Eheleben von J.R. und Sue Ellen zu finden sind. Die frustrierte und ausgehungerte Ehefrau versucht es mit längst eingeschlafenen Reizen und führt ihrem abweisenden Mann die neusten Dessous vor, doch die Verführungskünste werden unliebsam abgewürgt, einhergehend mit Demütigungen, die in dieser Folge keinen Abbruch erfahren, was sich wenig später im Separee zwischen Boss und Sekretärin zeigt. Die Folge beschäftigt sich erstmalig intensiver mit der Figur des J.R., dessen Praktiken sich noch in Andeutungen verlieren werden, aber sein Wesen offenbaren. Zu sehen ist ein kalt kalkulierender Geschäftsmann, geschäftlich wie privat, der die Personen seines Umfeldes nach Belieben hin und her schiebt. Dabei vertraut er nur wirklich sich selbst und kann sich auf einen unfehlbaren Instinkt verlassen. Widersacher pflegt er unsentimental auszuschalten, und hierbei wird die Leistung und Entwicklung von Larry Hagman außergewöhnlich sein.

Seiner Sekretärin Julie singt er das alte Lied vor, dass er sie brauche, sich auf keine andere Frau verlassen könne. Somit entwickelt sich eine eigenartig ambivalent wirkende Aura um J.R. Ewing, der seinen Charme spielen lassen kann und Frauen dazu bringt, alles für ihn zu tun. Julie ist eine von ihnen und es scheint, dass sie seit Jahren als heimliche Geliebte gehalten wird. Untergebracht in einer luxuriösen Wohnung, die sich eine normale Sekretärin wohl nie leisten könnte, wartet sie auf Abruf, vor allem, wenn es im Hause Ewing mal wieder nicht stimmt. Szenen aus dem Lotterbett bringen noch einmal Flashbacks aus der kurz zuvor gezeigten Situation vor Augen, in denen Sue Ellen ihren Mann förmlich für Sex angebettelt, dieser jedoch keinerlei Interesse gezeigt hat. Bei Julie ist dies anders, deswegen bekommt sie am Ende auch 100 Dollar, um sich etwas Schönes zu kaufen. Die außergewöhnliche Tina Louise formt diese tragische Figur mit Bravour und ihre Blicke dokumentieren, dass sie sich nicht länger zur Hure machen lassen will. Hier kommt Cliff Barnes, Berater des Untersuchungsausschusses des Senats, ins Spiel, dem die gedemütigte Privatsekretärin J.R.'s die Akten mit prekären Informationen über eine Schmiergeldaffäre und sich selbst zuspielt. Es ist ein ganz großes Vergnügen Tina Louise in dieser Episoden-Hauptrolle zu sehen, die ungewöhnlich dicht und greifbar von ihr ausbuchstabiert wird. So spinnt man den Faden gerne weiter, dass sie eine feste Größe in der Serie hätte werden können. Doch das Schicksal und die Dramaturgie werden es anders wollen und arrangieren. Folge 3 deutet bevorstehende Konfrontationen im familiären, geschäftlichen, politischen und intimen Bereich unmissverständlich an, und macht bei dieser Gelegenheit neugierig auf mehr. Dass sich eindeutige Fraktionen unter den Serienhelden bilden, ist nicht nur selbstverständlich, sondern verweist den Zuschauer nochmals ganz deutlich auf seine Stammplätze, die erfahrungsgemäß über Jahre oder für immer eingenommen werden können.


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 Post subject: Re: DALLAS
PostPosted: 25.10.2020 20:59 
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● DALLAS | FOLGE 04 | WINDS OF VENGEANCE (US|1978)
mit Barbara Bel Geddes, Jim Davis, Patrick Duffy, Linda Gray, Larry Hagman, Victoria Principal, Charlene Tilton
und Steve Kanaly, Brian Dennehy, Cooper Huckabee, Niki Flacks, Laura Mae Tate, David Honey, Nancy Lydick
eine Produktion der Lorimar
Regie: Irving J. Moore



J.R. und Ray, sein Vorarbeiter auf der Southfork Ranch, besuchen eine Viehauktion in Waco, und es kommt nicht nur zu geschäftlichen Abschlüssen, sondern auch zu schnellen Damenbekanntschaften. Am nächsten Morgen schleichen sich Ray und J.R. aus einem Motel und das Abenteuer mit Wanda und Mary Lou soll nur noch eine aufregende Erinnerung bleiben. Zurück auf der Ranch, braut sich ein Hurrikan zusammen, doch dieser wird nicht die größte Gefahr darstellen, da der aufgebrachte Ehemann von Wanda die Verfolgung gemeinsam mit dem Bruder von Mary Lou aufnimmt, um sich zu rächen. Auf Southfork nehmen die beiden Männer die Familienmitglieder als Geiseln und beginnen vor allem die Frauen zu erniedrigen und zu quälen. Die mit Hass aufgeladene Situation droht jederzeit außer Kontrolle zu geraten. Wer wird die selbst ernannten Richter, die sich gleichzeitig als Henker betätigen wollen, noch aufhalten können..?

Die vierte Folge "Winds of vengeance" der in diesem Stadium noch sehr jungen Serie wurde nie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, dementsprechend auch nie ins Deutsche synchronisiert. Der Titel stellt eine sehr klare Verbindung zum bevorstehenden Inhalt dar, in dem die Themen des aufkommenden Sturms und der Rache in jeglicher Hinsicht noch eine bedeutende Rolle spielen werden. Wieso die vierte Folge seinerzeit nicht im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, kann damit zu tun haben, dass Episoden, die thematisch weitgehend als irrelevant eingestuft wurden, traditionell nicht ins Programm genommen wurden, aber auch mit der Intensität und der explizit sexuell aufgeladenen Atmosphäre, die möglicherweise als zu derb und provokant für zarter besaitete Zielgruppen eingestuft wurde. Obwohl die bereits präsentierten Episoden ausreichend auf die Charakterzüge der Hauptakteure eingehen konnten, stellt Irving J. Moores Beitrag kein unwichtiges Mosaiksteinchen für die Chronologie dar, da es insbesondere hier zum Kennenlernen der sich bald etablierenden Tugenden gewisser Personen kommt, sondern auch zum Ausleuchten der entsprechenden Leidenswege und Schattenseiten der Protagonisten der Gegenseite. Da J.R.'s Vorliebe für weibliche Reize bereits im Vorgänger ausgiebig thematisiert wurde, darf es hier genauso weiter gehen. Er und Ray haben zwei junge Frauen aufgerissen, bei denen es gilt, sich wieder schnellstmöglich wegzuschleichen. Doch diese Liaison dangereuse soll nicht ohne Folgen bleiben, da der aufgebrachte Ehemann von J.R.'s Affäre Rache will. Um die Fährte aufnehmen zu können, ist praktischerweise die Ewing-Visitenkarte ausfindig zu machen gewesen, sodass der Sturm seinen Lauf bereits vor dem Sturm nehmen kann. Mit einer vermeintlichen Autopanne im Hause Ewing aufgenommen, kann die Zirkusvorstellung der Männer aus Waco beginnen, selbstredend mit vorgehaltenen Revolvern. Angst und Schrecken machen sich breit, immerhin wollen sie Gleiches mit Gleichem vergelten.

So wissen die verängstigten Frauen, was die Stunde geschlagen hat, da die potentiellen Peiniger kein Geheimnis daraus machen, was sie in absehbarer Zeit mit ihnen anstellen wollen, doch zunächst beginnt die Show mit Erniedrigungen und Demütigungen. So muss beispielsweise Sue Ellen als ehemalige "Miss Texas" ihre damalige Performance in knapper Bekleidung und unter Tränen wiedergeben. Es ist interessant zu beobachten, wie die einzelnen Familienmitglieder charakterisiert werden, und dass sich diese frühen Eindrücke noch wie ein roter Faden durch die Serie ziehen werden. So reißen J.R.'s Affären in über vierzehn Staffeln nicht ab, außerdem wird er meistens nicht für das geradestehen, was er fabriziert hat. Sue Ellen ist wie so oft die weinende Dritte, gedemütigt und hintergangen, wie auch in dieser Situation. Wie es sich jedoch für eine treusorgende Ehefrau gehört, steht sie an seiner Seite, oftmals bis zur Selbstaufgabe. Pamela und Miss Ellie wahren ihre Begriffe von Familie, stehen zu ihren Werten und Worten; koste es was es wolle. Diese Einschätzungen ließen sich für Episode 4 und die komplette Serie beliebig fortführen, doch hier kommt es zunächst nur auf die Charakterisierungen an, die den Zündstoff andeuten, aus dem die Träume und Traumata in Dallas sein werden. Irving J. Moore fabrizierte eine sehr schmackhafte, gleichzeitig aber auch deftige Episode, die explizit auf Abgründe hinweist. Unter vorgehaltenen Waffen kommt so genügend Spannung auf, nicht aber ohne darauf hinzuweisen, dass auch subtile Untertöne ihre Daseinsberechtigung finden dürfen. Am Ende ist es für den jetzt schon treuen "Dallas"-Fan ein wenig schade, dass diese Folge seinerzeit keine deutsche Synchronisation verpasst bekam, immerhin hätte sie perfekt in das frühe Gesamtbild gepasst und bei dieser Gelegenheit einige prekäre Ankündigungen bezüglich gewisser Personen und deren Eigenschaften oder Emotionen vorweg genommen. "Winds of vengeance" bleibt schließlich als einer der Hurrikans der Serie in Erinnerung und schüttelt die Ewing-Welt ordentlich durch.


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