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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
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D 1958

D: Eva Bartok, Heinz Drache, Sabina Sesselmann, Ilse Steppat, Edith Hancke

Frau Clavius betreibt ein einschlägiges Etablissement, vulgo Puff genannt. Dort arbeitet auch die titelgebende Madeleine, wenn auch nicht so ganz freiwillig. Ihre Freundin Karin (Sesselmann) möchte zum Thema Prostitution ihre Doktorarbeit schreiben und schleicht sich undercover ein, wo sie auch einen undurchsichtigen Herrn kennenlernt (Heinz Drache), der sich natürlich am Ende als Kommissar entpuppt. Madeleine verliebt sich in den Architekten Gerd, der sie natürlich fallenlässt, als er die Wahrheit erfährt. Und die Clavius erpresst eh alles und jeden...

Machen wir's kurz: 1958 dürfte dieser Film noch als frivol durchgegangen sein, der zumindest in der Tele5-Ausstrahlung aus den 80ern ein paar "Schtripp"-Szenen (courtesy of Herr Weber) enthält (damals im Kinoeinsatz sollen sie gefehlt haben), doch für den heutigen Zuschauer ist der Film dann doch zu bieder, um den Hund hinter dem Ofen hervor zu locken.

Ein mal kann man den schon sehen, aber keineswegs ein "lost masterpiece"

Allerdings scheint Arthur C. Clarke ein Fan des Films gewesen zu sein, gelle? ;)


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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 21.02.2012 23:15 
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Mann, du gräbst hier ja wirklich all diese unschicklichen 50iger-Prä-Exploitation-Semisleazer aus! Diesen hier möchte ich unbedingt sehen, der Filmdienst-Kommentar hat mich schon ganz feucht werden lassen.
Just vor einigen Wochen habe ich eine Zusammenstellung von Kommentaren zu dergestaltigen Filmen auf Facebook gepostet (jaja, ich weiß, wunderlich). Ich kopiere sie einfach mal hier rein, soviel Güte darf nicht verderben:

Ich habe leider in meinem Leben bisher nur zwei deutschsprachige Sittenreißer (sehr oft kamen diese "Hintertreppen-Kolportagen" auch aus dem sittlich verwahrlosten Österreich) der 50iger Jahre gesehen: LIEBE KANN WIE GIFT SEIN (Veit Harlan, 1958) und NOCH MINDERJÄHRIG (Georg Tressler, 1957). Diese beiden waren allerdings ganz, ganz großes Tennis, unvergleichlicher Altherren-Schmier mit Schaum vor dem Mund ("Erst das Laster, dann die Moral") und angesichts der Tatsache, dass die Kurzkommentare des (katholischen) Filmdienst zu diesen beiden Filmen eher unspektakulär ausgefallen sind, schlägt meine verkommene Fantasie über den folgenden Kommentaren um so größere Purzelbäume. Ich will das ALLES sehen!!! Mehr Beaze (= Biederkeits-Sleaze)! Jetzt sofort!! Auf DVD!!!

"Das unglaubwürdige Schicksal einer unschuldig auf die Bahn des Lasters geratenen Frau. Hintertreppendrama im Hafenmilieu mit kitschig-moralischem Ende."
- Der (katholische) Filmdienst über DIE FRAUENSTRASSE (Hermann Kugelstadt, 1958)

"Anläßlich einer Schönheitskonkurrenz gerät eine arglose Verkäuferin in die Fänge einer Bande von internationalen Mädchenhändlern. Kriminalschund aus dem Halb- und Unterweltsmilieu - unrealistisch, kritiklos und mit einer verlogenen Liebesgeschichte angereichert."
- Der (katholische) Filmdienst über GEFÄHRDETE MÄDCHEN (Wolfgang Glück, 1957)

"Der 18jährige Stiefsohn eines Hamburger Fabrikanten und eine 17jährige Apothekenangestellte haben eine Schwangerschaft vorgetäuscht, um heiraten zu können. Bald bricht der Schwiegervater mit der jungen Frau die Ehe. Von da an geht es in der billigen und miserabel inszenierten Kolportagegeschichte nach dem Motto >jeder gegen jeden<"
- Der (katholische) Filmdienst über MIT 17 WEINT MAN NICHT (Alfred Vohrer, 1960)

"Schlecht inszeniertes Ehebruchsdrama nach Vorlage eines Illustriertenromans, in dem ein Studienrat wegen einer Schülerin schwach wird. "
- Der (katholische) Filmdienst über WEGEN VERFÜHRUNG MINDERJÄHRIGER (Hermann Leitner, 1960)

"Junge Frauen lassn sich als Tänzerinnen für ein orientalisches Nachtlokal engagieren und stellen fest, daß man dort auch anderes von ihnen erwartet als Kunst. Das Ganze ist ein Vorwand für "frivole" Shownummern."
- Der (katholische) Filmdienst über DAS NACHTLOKAL ZUM SILBERMOND (Wolfgang Glück, 1960)

"Im Gefolge der Nitribitt-Affäre (die 1957 auch Gegenstand der Satire "Das Mädchen Rosemarie" war) ein Film über die damals neue Callgirl-Prostitution. Eine Studentin der Kriminologie gerät im Rahmen ihrer Dissertation durch eine Freundin, die als Callgirl tätig ist, in ein Berliner Etablissement, das mit Erpressungsmethoden arbeitet und mit Hilfe der Polizei ausgehoben werden kann. Verfilmung eines "Tatsachenberichts" ganz im Stil der 50er Jahre: Erst kommt das Laster, dann die Moral."
- Der (katholische) Filmdienst über MADELEINE TEL. 13 62 11 (Kurt Meisel, 1958)

"Im Ruhrgebiet in den 50er Jahren: Einer Sechzehnjährigen, Tochter eines Bergarbeiters, wird von einem besorgten Geistlichen der Weg aus ihrem Dilemma zwischen der Misere eines unglücklichen Elternhauses, dem leichtsinnigen Treiben gutsituierter Nachwuchsplayboys und der allzu frühen Bindung an einen ernsthaften Gefährten gewiesen. Ein Jugend-"Problemfilm" nach der Mode der Zeit."
- Der (katholische) Filmdienst über DIE FRÜHREIFEN (Josef von Baky, 1957)

"Ein junges Mädchen leidet an der zerrütteten Ehe der Eltern. Es sieht keinen Ausweg, als den Liebhaber der Mutter zu töten. Die Filmgestaltung wurde dem Thema - eheliche Untreue in der Wirkung auf Kinder - nicht gerecht; über gehobene Kolportage kommt der Film nicht hinaus."
- Der (katholische) Filmdienst über GESTÄNDNIS EINER SECHZEHNJÄHRIGEN (Georg Tressler, 1960)

"Mit Schlagern auf Spielfilmlänge gedehnte Groschengeschichte von gefährdeten Mädchen, dazu Rauschgift und Spionage im Umkreis eines Wiener Nachtlokals."
- Der (katholische) Filmdienst über MÄDCHEN FÜR DIE MAMBO-BAR (Wolfgang Glück, 1960)

"Eine verwitwete Fabrikantin verfällt einem internationalen Abenteurer, der sie psychisch und materiell unter Druck setzt, bis sie im Orient an den Rand des Selbstmords gerät. Sowohl in der psychologischen Motivierung als auch in der Milieudarstellung ein unglaubhaftes Hintertreppendrama."
- Der (katholische) Filmdienst über ICH WAR IHM HÖRIG (Wolfgang Becker, 1958)

_________________
"Wir haben zulange Menschen, denen Film als Kunstform nichts bedeutet, das Geschäft bestimmen lassen, und jetzt pissen sie ihm das letzte Fleisch von den Knochen."
- Tim Lucas (im Zusammenhang mit diesem Artikel)

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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 21.02.2012 23:34 
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McKenzie wrote:
Mann, du gräbst hier ja wirklich all diese unschicklichen 50iger-Prä-Exploitation-Semisleazer aus! Diesen hier möchte ich unbedingt sehen, der Filmdienst-Kommentar hat mich schon ganz feucht werden lassen.
Just vor einigen Wochen habe ich eine Zusammenstellung von Kommentaren zu dergestaltigen Filmen auf Facebook gepostet (jaja, ich weiß, wunderlich). Ich kopiere sie einfach mal hier rein, soviel Güte darf nicht verderben:

Ich habe leider in meinem Leben bisher nur zwei deutschsprachige Sittenreißer (sehr oft kamen diese "Hintertreppen-Kolportagen" auch aus dem sittlich verwahrlosten Österreich) der 50iger Jahre gesehen: LIEBE KANN WIE GIFT SEIN (Veit Harlan, 1958) und NOCH MINDERJÄHRIG (Georg Tressler, 1957). Diese beiden waren allerdings ganz, ganz großes Tennis, unvergleichlicher Altherren-Schmier mit Schaum vor dem Mund ("Erst das Laster, dann die Moral") und angesichts der Tatsache, dass die Kurzkommentare des (katholischen) Filmdienst zu diesen beiden Filmen eher unspektakulär ausgefallen sind, schlägt meine verkommene Fantasie über den folgenden Kommentaren um so größere Purzelbäume. Ich will das ALLES sehen!!! Mehr Beaze (= Biederkeits-Sleaze)! Jetzt sofort!! Auf DVD!!!

"Das unglaubwürdige Schicksal einer unschuldig auf die Bahn des Lasters geratenen Frau. Hintertreppendrama im Hafenmilieu mit kitschig-moralischem Ende."
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"Anläßlich einer Schönheitskonkurrenz gerät eine arglose Verkäuferin in die Fänge einer Bande von internationalen Mädchenhändlern. Kriminalschund aus dem Halb- und Unterweltsmilieu - unrealistisch, kritiklos und mit einer verlogenen Liebesgeschichte angereichert."
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"Der 18jährige Stiefsohn eines Hamburger Fabrikanten und eine 17jährige Apothekenangestellte haben eine Schwangerschaft vorgetäuscht, um heiraten zu können. Bald bricht der Schwiegervater mit der jungen Frau die Ehe. Von da an geht es in der billigen und miserabel inszenierten Kolportagegeschichte nach dem Motto >jeder gegen jeden<"
- Der (katholische) Filmdienst über MIT 17 WEINT MAN NICHT (Alfred Vohrer, 1960)

"Schlecht inszeniertes Ehebruchsdrama nach Vorlage eines Illustriertenromans, in dem ein Studienrat wegen einer Schülerin schwach wird. "
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"Junge Frauen lassn sich als Tänzerinnen für ein orientalisches Nachtlokal engagieren und stellen fest, daß man dort auch anderes von ihnen erwartet als Kunst. Das Ganze ist ein Vorwand für "frivole" Shownummern."
- Der (katholische) Filmdienst über DAS NACHTLOKAL ZUM SILBERMOND (Wolfgang Glück, 1960)

"Im Gefolge der Nitribitt-Affäre (die 1957 auch Gegenstand der Satire "Das Mädchen Rosemarie" war) ein Film über die damals neue Callgirl-Prostitution. Eine Studentin der Kriminologie gerät im Rahmen ihrer Dissertation durch eine Freundin, die als Callgirl tätig ist, in ein Berliner Etablissement, das mit Erpressungsmethoden arbeitet und mit Hilfe der Polizei ausgehoben werden kann. Verfilmung eines "Tatsachenberichts" ganz im Stil der 50er Jahre: Erst kommt das Laster, dann die Moral."
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"Im Ruhrgebiet in den 50er Jahren: Einer Sechzehnjährigen, Tochter eines Bergarbeiters, wird von einem besorgten Geistlichen der Weg aus ihrem Dilemma zwischen der Misere eines unglücklichen Elternhauses, dem leichtsinnigen Treiben gutsituierter Nachwuchsplayboys und der allzu frühen Bindung an einen ernsthaften Gefährten gewiesen. Ein Jugend-"Problemfilm" nach der Mode der Zeit."
- Der (katholische) Filmdienst über DIE FRÜHREIFEN (Josef von Baky, 1957)

"Ein junges Mädchen leidet an der zerrütteten Ehe der Eltern. Es sieht keinen Ausweg, als den Liebhaber der Mutter zu töten. Die Filmgestaltung wurde dem Thema - eheliche Untreue in der Wirkung auf Kinder - nicht gerecht; über gehobene Kolportage kommt der Film nicht hinaus."
- Der (katholische) Filmdienst über GESTÄNDNIS EINER SECHZEHNJÄHRIGEN (Georg Tressler, 1960)

"Mit Schlagern auf Spielfilmlänge gedehnte Groschengeschichte von gefährdeten Mädchen, dazu Rauschgift und Spionage im Umkreis eines Wiener Nachtlokals."
- Der (katholische) Filmdienst über MÄDCHEN FÜR DIE MAMBO-BAR (Wolfgang Glück, 1960)

"Eine verwitwete Fabrikantin verfällt einem internationalen Abenteurer, der sie psychisch und materiell unter Druck setzt, bis sie im Orient an den Rand des Selbstmords gerät. Sowohl in der psychologischen Motivierung als auch in der Milieudarstellung ein unglaubhaftes Hintertreppendrama."
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Huch, da scheint ja noch so einiges da draußen herumzufleuchen...

"Mädchen für die Mambo-Bar"? Herrlicher Titel!


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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 21.02.2012 23:43 
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ugo-piazza wrote:

Huch, da scheint ja noch so einiges da draußen herumzufleuchen...

"Mädchen für die Mambo-Bar"? Herrlicher Titel!


Der Film lief vor einiger Zeit mal bei premiere, habe ihn aber als nicht so prall in Erinnerung.

"Mit 17 weint man nicht" von Freddy Vohrer war in der Tat recht unterhaltsam und flimmerte vor ein paar Jahren dank Tele 5 mal über die Mattscheibe.


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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 23.02.2012 17:57 
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Hat den jemand ?
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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 28.09.2012 21:42 
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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 11.10.2015 12:41 
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● MADELEINE TEL. 13 62 11 (D|1958)
mit Eva Bartok, Sabina Sesselmann, Alexander Kerst, Ilse Steppat, Heinz Drache, Edith Hancke,
Tilly Lauenstein, Alfred Balthoff, Stanislav Ledinek, Shari Kahn, Werner Stock und Kai Fischer
eine Produktion der Arca | im Verleih der NF
ein Film von Kurt Meisel




»Wer kennt die Tote?«


Ein junges Mädchen kommt bei einem Autounfall ums Leben, doch es stellt sich heraus, dass ihr Tod durch Gift herbeigeführt wurde. Die Recherchen ergeben, dass es sich bei der jungen Dame um ein einschlägig bekanntes Callgirl der besseren Gesellschaft handelt. Auch die attraktive Madeleine (Eva Bartok) ist gegen Bezahlung zu haben, die für eine skrupellose Kupplerin namens Clavius (Ilse Steppat) arbeitet, der die Polizei bereits auf den Fersen ist. Unterdessen trifft Madeleine ihre alte Freundin Karin (Sabina Sesselmann) wieder, die ihre Doktorarbeit zum Thema Prostitution schreiben möchte. Bewegt von Madeleines Geschichte, trifft sie die Entscheidung, diesen Fall weiterhin aufzurollen und bringt sich in unberechenbare Situationen...

Nachdem der rätselhafte Mordfall Rosemarie Nitribitt die Bundesrepublik im Jahr 1957 erschüttert hatte, nutzten zahlreiche Filmschaffende die Gunst der Stunde und griffen den Stoff Mord und Prostitution in irgend einer Form auf, so auch die mit Skandalfilmen erprobte Arca Film. Zwar wird es in "Madeleine Tel. 13 62 11" zu keiner namentlichen Erwähnung, und nur vagen Zusammenhängen kommen, aber einige Inhalte der Produktion schlagen doch sehr deutliche gedankliche Brücken. Für die Kino-Auswertung bekam die Produktion eine Altersfreigabe ab 18 Jahren und man darf schon sagen, dass hier mit ein paar ungewöhnlich expliziten Bildern jongliert wird, die für die damalige Zeit nicht gerade alltäglich waren, woraus gleichzeitig ein genauso schneller, als auch eigenartiger Eindruck entsteht, dass die Geschichte sich lediglich durch reißerische Inhalte interessant zu machen versucht, möglicherweise um das schwache Drehbuch nicht ganz so einfältig erscheinen zu lassen. Gleich zu Beginn wird man mit einem Unfall und dem damit verbundenen Todesfall eines Callgirls konfrontiert, was den weiteren Weg in die halbseidene Welt des Lasters ebnen wird. Schnell werden alle wichtigen Charaktere und die Titelfigur vorgestellt, die Auswahl der Darsteller wirkt dabei recht beeindruckend, was man allerdings von der eingeschlagenen Marschrichtung nicht gerade behaupten kann, denn Meisel gelingt es über weite Strecken leider nicht, Innovation und Provokation günstig miteinander zu verbinden. So wirkt die scheinbar brandaktuelle Geschichte nach wenigen Etappen bereits ungelenk, da sich aufreizende Inhalte und Bilder mit der im Grunde genommen biederen Seele des Films nicht so richtig vertragen möchten. Wie dem auch sei, zur damaligen Zeit dürfte der Film noch als willkommenes Spektakel angenommen worden sein.



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Eva Bartok sieht man in der Titelrolle und sie wurde ganz offensichtlich als Star der Produktion gebucht. Vergleicht man ihren Auftritt mit dem von Kollegin Sabina Sesselmann, bleibt einem beinahe nichts anderes übrig, nur noch von der nominellen Hauptrolle zu sprechen und überhaupt erscheint die gebürtige Ungarin hier nur mäßig gefordert gewesen zu sein. 1958. »Sie erhielt ein Filmangebot nach dem andern, sie, die sich noch vor einem Monat mit dem wahrscheinlichen Ende ihrer Karriere abgefunden hatte«, überzeugt zumindest mit einer eleganten und beherrschten Darbietung, wobei man dem Sinne des Films entsprechend schon wieder sagen muss, dass sie eigentlich zu kultiviert wirkt, und man ihr die Rolle letztlich eher nur verhalten abnimmt. Vielleicht liegt es auch am vereinnahmenden Spiel von Sabina Sesselmann, die einen durch und durch überzeugenden Eindruck hinterlässt, weil sie selbstbewusst und bodenständig agiert. So sieht man trotz ausbaufähiger, beziehungsweise unzureichender Charakterstudien eine willkommene Win-win-Situation. Bei den absolut überzeugenden Leistungen muss unbedingt Ilse Steppat als abgebrühte Kupplerin erwähnt werden, deren Anpassungsfähigkeit bei negativ gefärbten Charakteren immer wieder überraschend wirkt. Im Sinne der Freizügigkeit und der Geschichte des Films, leistet eine unbändig und buchstäblich entfesselt agierende Kai Fischer persönliche Karriere-Pionierarbeit, ihre Strategie geht im Rahmen von Provokation und Konfrontation vollkommen auf. Was man bei den Damen oftmals als zu viel des Guten interpretieren könnte, zeigt sich bei den männlichen Darstellern in vielerlei Hinsicht als deutlich zu wenig und man bekommt durchschnittliche Leistungen bis nahezu fehlbesetzte Parts vor die Füße geworfen.

Hierbei ist definitiv Alexander Kerst zu erwähnen, der Eva Bartok nicht im Griff hat, obwohl das augenscheinlich der Fall sein muss, außerdem ist es unwahrscheinlich und man nimmt es ihm zu keinem Zeitpunkt ab, dass er für bedeutende gedankliche Kehrtwendungen sorgen könnte, weil er zu unbeholfen und letztlich langweilig wirkt. Hier kann Heinz Drache einen wesentlich besseren Eindruck hinterlassen, erstens weil er wie so häufig von der schwächeren Leistung eines Kollegen profitiert, außerdem sieht man ihn angenehmerweise außerhalb seiner üblichen Schablone, obwohl er im Grunde genommen genau diese bedient. Man darf sich als Zuschauer beispielsweise genau auf eine Stufe mit ihm stellen, als er interessiert und heimlich eine Stripperin beobachtet, die angesichts des Produktionsjahres ungewöhnlicherweise tatsächlich oben ohne tanzt. Nie wieder hat man ihn so aufrichtig grinsen gesehen. Leider trägt er auch hier ein Korsett namens Drehbuch, das es ihm nicht erlaubte, bedeutende Akzente zu setzen. So bietet "Madeleine Tel. 13 62 11" in darstellerischen Belangen Licht- und Schattenseiten, obwohl die meisten Darbietungen als gut einzustufen sind. Schwächere Eindrücke entstehen allerdings durch die löchrigen Vorgaben des Scripts, so dass es kaum zu bemerkenswerten Charakterzeichnungen kommen kann. In diesem Zusammenhang wirkt die aufkommende Vorhersehbarkeit umso ärgerlicher, da insgesamt für wenige Ausgleiche gesorgt wurde. Die Regie lässt somit zahlreiche Fragen ungeklärt, vielleicht hat man sich schlussendlich doch zu sehr auf den potentiell unkonventionellen Charakter des Stoffes verlassen wollen. Unterm Strich bleibt ein Beitrag zurück, bei dem viele günstige Voraussetzungen verschenkt wurden, so dass er insgesamt als eher durchschnittlich zu bezeichnen ist. Dies gilt hier leider auch für den Aufhänger Eva Bartok.


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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 05.05.2019 13:35 
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Madeleine Tel. 13 62 11 (D)
Le veneri del peccato (IT)
Chame Madeleine para Amar (BR)
Naked in the Night
Madeleine

D 1958

R: Kurt Meisel
D: Eva Bartok, Sabine Sesselmann, Kai Fischer, Heinz Drache, Ilse Steppat, Alexander Kerst, Alfred Balthoff, Edith Hancke, Tilly Lauenstein, Shari Kahn, Bruno Fritz u.a.


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deutscher Kinostart: 26.06.1958

Score: Willy Mattes

Filmportal

OFDb


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"Jeder der meine Telefonnummer hat, konnte mich haben - und bezahlte dafür."

MADELEINE TEL. 13 62 11 erzählt die Geschichte zweier ehemaliger Schulfreundinnen, die sich nach vielen Jahren rein zufällig in Berlin wiedertreffen: Zum einen wäre da die junge Studentin Karin (Sabine Sesselmann), die gerne eine Doktorarbeit über das 'Call Girl-Gewerbe' schreiben möchte und sich hierfür bereits in das zwielichtige Privatetablissement von Madam Clavius (Ilse Steppat) -einer vermeintlichen Kupplerin- eingeschleust hat. Die zweite Dame hört auf den Namen Madeleine (Eva Bartok), wobei diese ausgerechnet ihr täglich Brot im Haus der feinen Dame verdient, denn Madeleine ist ein abgebrühtes Call-Girl, das jederzeit auf Abruf bereit steht. Doch als sich die Rufdame plötzlich in den ahnungslosen Architekt Gert Kleiber (Alexander Kerst) verliebt, versucht sie sich aus den Fängen des Call Girl-Rings zu befreien - was wiederum Madam Clavius so rein gar nicht zu gefallen scheint....


"Sag mal, wo hast Du denn den Schmuddel gelassen?"

Kurt Meisels Sittenreißer aus dem Jahre 1958 wirkt zwar aus heutiger Sicht eher etwas bieder inszeniert, scheint aber im Rahmen seiner damaligen Kinopremiere für ordentlich Furore gesorgt zu haben, infolge dessen er wiederum nur gekürzt veröffentlicht wurde. Als Stein des Anstoßes schien eine Nackttanzszene von Shari Kahn gesorgt zu haben, die aber sowohl in einer späteren TV-Ausstrahlung als auf der amerikanischen DVD wieder enthalten ist.

Zentrales Thema ist die Verlagerung der Prostitution von der Straße in heimische Gefilde, von wo aus die Damen und Herren dann wirtschaftswunderentwicklungskonform als Call Girls und -Boys agieren. Eva Bartok spielt dabei das luxusliebende Rufmädchen Madeleine, das nicht nur aufgrund seiner ungarischen Wurzeln die deutsche Sprache leicht akzentbehaftet spricht, sondern sich auch noch Hals über Kopf in einen ahnungslosen Alexander Kerst verliebt, der mit dem Call Girl-Gewerbe so rein gar nichts am Hut hat. Sabine Sesselmann hingegen verkörpert eine eifrige Studentin, die im Rahmen ihrer Doktorarbeit dem Phänomen des Call Girl-Gewerbes auf den Grund gehen möchte. Dabei trifft sie recht schnell auf Heinz Drache, der sich als vermeintlicher Stammkunde ebenfalls ständig im Haus von der ausgebufften Kupplerin Ilse Steppat herumtreibt. Keine Ahnung warum, aber seine eigentliche Rolle in diesem Film war mir gleich auf Anhieb klar gewesen. Die schillerndste Darbietung stammt aber zweifelsfrei von Kai Fischer, die als Rufmädchen nicht nur ihre Freier mit verfänglichen Fotos erpresst, sondern sich auch ansonsten als ein quitschfideles Energiebündel präsentiert. Im Großen und Ganzen also eine nette Angelegenheit...


Fazit: "Prostitution und Kuppelei sind so alt wie die Menschheit. Ebenso lange werden sie mit untauglichen Mitteln bekämpft, denn die gleiche Gesellschaft die sie abschaffen will, duldet sie auch."


Der Spiegel vom 23.07.1958 meinte übrigens: "Aus einem sogenannten "Tatsachenbericht", den eine Illustrierte den deutschen Call -Girls, den telephonisch vermittelten Prostituierten der teureren Machart, gewidmet hat, entstand ein befremdliches Gemisch: Schwüles Sittenbild und weinerliches Herzensdrama, gesellschaftswissenschaftliches Kolleg, verfahrene Predigt und baufalliger Kriminalreißer. Der Regisseur Kurt Meisel hat immerhin mit soliden Bühnenschauspielern wie Alfred Balthoff und Heinz Drache natürliche Augenblicke erzielt. Respektable Ausdruckskraft betätigt auch Eva Bartok als die luxuriös gesunkene, verzweifelte und reuige Madeleine."

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MADELEINE TEL. 13 62 11 gab es übrigens auch als Europa-Hörspiel (1983):

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Sprecher:
Madeleine Petrowitt - Ursela Monn
Karin Karell - Astrid Kollex
Gert Klaiber - Jörg Pleva
Kommissar Siebert - Uwe Friedrichsen
Kriminalrat Semmler - Wolfgang Völz
Frau Clavius - Gisela Trowe
Kellnerin - Pamela Punti
Professor - Gottfried Kramer
Herr Weber - Ferdinand Dux
Erzähler/in - Pinkas Braun


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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 05.05.2019 20:00 
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Richie Pistilli wrote:
Dabei trifft sie recht schnell auf Heinz Drache, der sich als vermeintlicher Stammkunde ebenfalls ständig im Haus von der ausgebufften Kupplerin Ilse Steppat herumtreibt. Keine Ahnung warum, aber seine eigentliche Rolle in diesem Film war mir gleich auf Anhieb klar gewesen.


Nun, wer könnte sich denn ernsthaft Heinz Drache als Puffstammgast vorstellen? :D


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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 06.05.2019 05:21 
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ugo-piazza wrote:
Nun, wer könnte sich denn ernsthaft Heinz Drache als Puffstammgast vorstellen? :D

Im Rahmen seiner dargebotenen Filmfiguren eher weniger, aber privat soll Herr Drache solchen Besuchen nicht ganz abgeneigt gewesen sein, wie uns Horst Frank in einem Interview wissen ließ:

M.C. und U.H.: Heinz Drache haben Sie in Thailand, bei den Dreharbeiten zum SCHWARZEN PANTHER VON RATANA, 25 DM für ein Bordell geliehen?

H.F.: Jaaa... das stimmt. Das habe ich auch nur verraten, weil er mir die 25 Mark heute noch schuldig ist. Aber auch sonst hatte Drache ganz seltsame Ideen, wie man sich vor der Kamera gibt.

Quelle


Dabei war Heinz Drache zu diesem Zeitpunkt (1963) doch bereits glücklich mit seiner Ehefrau Rosemarie verheiratet (1957) ? :?


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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 06.05.2019 08:08 
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Richie Pistilli wrote:
Dabei war Heinz Drache zu diesem Zeitpunkt (1963) doch bereits glücklich mit seiner Ehefrau Rosemarie verheiratet (1957) ? :?

Woran man wieder sehen kann, dass das eine das anderen nicht unbedingt ausschließen muss, wenn es denn stimmen sollte.
Aber ein breites Interesse an besonderen Sehenswürdigkeiten sollte natürlich bedingungslos unterstützt werden. :lol:


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 Post subject: Re: MADELEINE TEL. 13 62 11 - Kurt Meisel
PostPosted: 07.05.2019 06:56 
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Prisma wrote:
Woran man wieder sehen kann, dass das eine das anderen nicht unbedingt ausschließen muss, wenn es denn stimmen sollte.

Aus diesem Grund hatte ich das Wörtchen soll auch in Kursivschrift gesetzt ;)

Nachdem ich bereits häufiger geäußert habe, mit dem Schauspieler Heinz Drache nicht richtig warm zu werden, muss ich das Ganze ein wenig revidieren, denn seine Darbietung in dem gerade erst kürzlich gesehenen ZEUGIN AUS DER HÖLLE hat mir sogar äußerst gut gefallen (ein erstklassiger Film!).


MADELEINE hatte es übrigens auch nach Italien geschafft:

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