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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: CLEO - MITTWOCH ZWISCHEN 5 UND 7 - Agnès Varda
PostPosted: 19.03.2019 02:01 
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Produktionsland/Jahr: Frankreich, Italien 1961
Darsteller: Corinne Marchand, Antoine Bourseiller, Dominique Davray, Dorothée Blanc, Michel Legrand, Loye Payen
Drehbuch: Agnès Varda
Produziert von: Georges de Beauregard & Carlo Ponti
Musik: Michel Legrand

Bei einer ärztlichen Untersuchung hat die schöne Chansonsängerin Cléo (Corinne Marchand) erfahren, dass sie möglicherweise an Krebs erkrankt ist. Die Untersuchung liegt zwei Tage zurück, es ist 17 Uhr und das endgültige Untersuchungsergebnis soll um 19 Uhr vorliegen. Die junge Frau hat panische Angst vor der Diagnose und sucht eine Wahrsagerin auf, um sich die Karten legen zu lassen. Da das Ergebnis nicht gerade zufriedenstellend ist, durchstreift sie ziellos die Straßen von Paris, um sich abzulenken. Sie trifft sich mit Freunden und lernt im Park den Soldaten Antoine (Antoine Bourseiller) kennen, der am nächsten Tag zurück nach Algerien muss...
(Ofdb)

Dieses Frühwerk dürfte einer der bekanntesten Filme von Agnès Varda sein.
Heute als Klassiker der Nouvelle Vague angesehen, stammt der Film von einer damals noch jungen Regisseurin, die 6 Jahre davor nur einen Langfilm gedreht hatte.
Dennoch ist immer wieder zu merken, mit wie viel Gespür Varda arbeitet.
Beinahe möchte ich manchmal meinen, schon sehr viel routiniertes darin zu sehen, so selbstverständlich, locker und unverkrampft sie das Ganze dahingleiten lässt.
Risikofreude gehört natürlich hin und wieder dazu, das ist aber auch fast Pflicht, wenn man sich die Geschichte an und für sich so durchdenkt.
Denn, nun ja, was wir hier sehen, ist nichts anderes, als zwei Stunden im Leben einer Frau, die eine Antwort auf eine existenzielle Frage erwartet.
Nach außen hin versucht sie, die Form zu wahren und sich nichts anmerken zu lassen, doch das erweist sich als meist nicht lange aufrecht erhaltbare Fassade, denn in ihr steckt diese quälende Ungewissheit, die schnell durchbrechen kann.
Wir sehen Cléo bei mehr oder weniger alltäglichen Aktivitäten (Besuche bei Freunden, ein Kinobesuch, Spaziergänge,...).
Ein Clou besteht dabei dann darin, zeitweise die Sicht zu wechseln, also da wird dann kurzzeitig nicht aus der Sicht von Cleo erzählt, sondern aus Sicht des derzeitigen Gefährten.
Einblendungen zeigen uns, wer gerade im Zentrum steht und vor allem auch, wie spät es ist (was ja, in dem Fall, auch nicht ganz unwichtig ist).
Damit wird's gleich dynamischer und durch die Zeitangaben auch für den Zuschauer leichter, sich in die Situation von Cleo hineinzuversetzen.
Das, finde ich, ist schon eine sehr ausgeklügelte Idee von Varda, um die emotionale Einbindung des Zuschauers zu erleichtern.
Und für mich hat das auch hervorragend funktioniert.
Das ist einfach einmal etwas anderes, als nur - standardmäßig - auf die Charakterzeichnung und möglicherweise die Dialoge zu setzen.
Hätte man es so gemacht, wäre mir bei dieser einfachen, monotonen, auf den ersten Blick sogar irgendwie banalen Thematik, höchstwahrscheinlich schnell langweilig geworden.
Aber glücklicherweise ist Agnès Varda kein Jean-Luc Godard (letzterer spielt übrigens sogar in einer kurzen Stummfilm-Sequenz mit).
Sonstige weitergehende Einflüsse seinerseits sind mir aber nicht aufgefallen - Gott sei Dank.
Varda macht ihre Sache vom Anfang bis zum Schluss und die macht sie gut.
Sie lässt Corinne Marchand (in Begleitung von Michel Legrand am Klavier) ein Liedchen singen, setzt grundsätzlich musikalisch großteils auf Jazz, lässt ebenjene Corinne Marchand dazu leger gekleidet durch die Straßen spazieren.
Tut also alles, um den Film möglichst angenehm und locker zu halten und den bei aller Dramatik und Tragik lebensbejahenden Grundton nie zu überspielen oder vergessen zu lassen.
Das gelingt ihr zwar nicht immer ganz einwandfrei, aber größtenteils doch und sie hält sich auch möglichst weit von aller Schwermut fern.
Es wird nie zu trocken, CLEO schleppt sich nicht schwerfällig dahin und das ist sehr viel wert und wohl auch einer der, meines Empfindens nach, großen Vorteile gegenüber jemandem wie Godard.
Da hat Agnès Varda vieles richtig gemacht und dafür gibt's wenigstens 7,5/10.

Trailer:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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