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 Post subject: DER TOD FÄHRT MIT - Denis Scully
PostPosted: 09.08.2013 22:49 
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DER TOD FÄHRT MIT

● DER TOD FÄHRT MIT / JOURNEY INTO NOWHERE (D|SA|1962)
mit Sonja Ziemann, Tony Wright, Don Barrigo und Helmut Schmid
eine Corona Produktion | Avon Films | im Verleih der Columbia-Bavaria
ein Film von Denis Scully


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»Denn letzten Endes kann jeder nur einmal sterben...«

Um seine Spielschulden von £ 1.500 begleichen zu können, bleiben Ricky (Tony Wright) drei Tage, um das Geld zusammenzubringen. Die Hiobsbotschaft überbringt ihm ausgerechnet sein alter Freund Joe (Helmut Schmid), der ihm ein Ultimatum stellt: entweder Geld oder Tonys Leben. Der Spieler begibt sich auf die Flucht, doch plötzlich wirft sich ihm eine Frau vor den Wagen. Er kann im letzten Moment ausweichen und sich aus dem Auto befreien, bevor dieses in eine Schlucht stürzt. Die lebensmüde Malerin Maria (Sonja Ziemann) wollte ihrem Leben ein Ende setzen, da sie erfahren hat, dass sie innerhalb kürzester Zeit erblinden wird, falls sie nicht operiert wird. Doch für diesen Eingriff benötigt sie £ 2.000, die sie nicht besitzt. Nach einiger Zeit gehen Tony und Maria eine makabere Allianz ein. Sie schließen eine Unfallversicherung bei einer Bahngesellschaft ab, und tragen den anderen jeweils als Nutznießer im Todesfall ein. Auf der Fahrt beginnt ein unerbittliches Tauziehen um Leben und Tod, bis sich die beiden näher kommen. Dennoch ist die Gefahr nicht vorüber, denn Ricky beauftragte zuvor Joe, Maria zu erledigen. Wer wird unbeschadet von diesem Todeszug abspringen können..?

Regisseur Denis Scully inszenierte mit "Der Tod fährt mit" seinen dritten von insgesamt nur vier Spielfilmen, hier vor imposanter südafrikanischer Kulisse und in beeindruckend-sterilen Schwarzweiß-Kontrasten. Die Geschichte rund um merkwürdige Verstrickungen und perfide Launen des Schicksals klingt schon einmal interessant genug, um für Aufsehen zu sorgen. Dafür, dass Denis Scully kein renommierter Regie-Experte war, brachte er dennoch ein recht beachtliches Ergebnis zustande, auch wenn bei diesem Film im Endeffekt zu viele Möglichkeiten liegen gelassen wurden. Bei einer konsequenteren Ausarbeitung und höheren Budgetierung hätte durchaus ein Thriller der Spitzenklasse entstehen können. Doch der Weg dorthin ist weit, und diese bis heute weitgehend unbekannte Produktion von 1962 hat schließlich mit etlichen Längen im Mittelteil zu kämpfen. Der Einstieg in das Szenario geschieht unmittelbar, rasant und auf unmissverständliche Art und Weise, sodass man als Zuschauer sofort über die Marschrichtung orientiert ist und gleich mitfiebern darf. Nach Marias gescheitertem Selbstmordversuch entsteht im Rahmen der Dialoge eine eigenartig bedrückende und makabere Atmosphäre, und die Protagonisten werden sofort als potentielle Gegenspieler aufgebaut, wobei die diffus im Raum stehende Diagnose mit dem wahrscheinlichen Verlieren des Augenlichtes etwas fahrig wirkt. Als die Abmachung jedoch perfekt ist, wird der Zug der Entscheidung bestiegen, und man ahnt bereits, dass es gefährlich und streckenweise spannend werden wird. Die Geschichte hat lediglich mit den drei Hauptdarstellern auszukommen, die wenig Identifikationspotential offerieren. Ansonsten sieht man nur Kurzauftritte von Nebendarstellern.

Sonja Ziemann, abermals fast burschikos im Auftreten, spielt gewohnt überzeugend und hier gibt sie sogar Kostproben ihres sonst eher diskreten Temperaments zum Besten. Dabei wird die Palette von Zuständen der Verzweiflung, über klassisches weibliches Kalkül, bis hin zu emotionalen Ausbrüchen sehr gut abgedeckt. Trotz dieses mörderischen Spiels ist sie es, die Mitleid hervorruft und man deswegen zunächst mit ihr mitfiebert. Des Weiteren sorgt die Deutsche für die wenigen erotischen Momente des Films, als sie ihren Kontrahenten beispielsweise mit glänzend nasser Haut und in Unterwäsche für sich zu interessieren versucht. Tony Wright spielt relativ unspektakulär und fällt eher durch eine gewisse Holzhammer-Methode auf, zeigt sich aber ebenso mit verantwortlich für das Kreieren der pre­kären Situation zwischen den beiden potentiellen Todes-Kandidaten. Hierbei ist es erstaunlich, dass das Duo Sonja Ziemann und Tony Wright wesentlich überzeugender als erbitterte Feinde zu funktionieren scheint, denn als angehendes Liebespaar wirken die beiden unfreiwillig gestelzt, was der Geschichte beim Thema Spannungsaufbau immer wieder das Wasser abzugraben droht. Helmut Schmid gibt den rücksichtslosen und gewaltbereiten Geldeintreiber sehr überzeugend und er ruft eine große Abscheu hervor, wofür vor allem die immer labiler werdende Maria die Projektionsfläche wird, da man in ihren Augen die Verachtung ablesen kann. Insgesamt gesehen funktioniert diese Dreieckskonstellation jedoch sehr gut, da sie den Verlauf gegebenenfalls ordentlich in Schwung bringt und den Zug letztlich ins Ziel lenkt.

Die Produktion ist phasenweise recht unorthodox gestaltet und teils hervorragend im Bilde festgehalten worden. Die interessanten Kamera-Perspektiven, die schönen Panorama-Aufnahmen der unberechenbar wirkenden Landschaft, zahlreiche rasante Schnittfolgen und ein immer wieder schön gemischtes Licht- und Schattenspiel wirken hochwertig. Auch die serielle Untermalung im Bereich der Akustik, vor allem durch die Lokomotive und die Schienen, wirkt beinahe bestimmend, da so der Eindruck entsteht, auf eine Katastrophe zuzusteuern. Nur die Musik von Ivor Slaney ist nicht besonders eingängig geraten und wirkt eher einfallslos und konservativ. Den Mordanschlägen fehlt es in ihrer verhalten Art an Drive und leider flacht die Spannung immer wieder ab, um möglicherweise die Eruptionen der richtigen Momente zu unterstützen. Das größte Plus bleibt ein überaus denkwürdiges Finale, welches für ein paar Aussetzer zu entschädigen weiß. Denis Scully hat im Endeffekt ein sehr unkonventionelles Thema abgehandelt und im weitläufigen Bereich Auftragsmord neue Akzente setzen können. Der vollkommen destruktive Grundtenor der Geschichte trägt entscheidend dazu bei, dem Film einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Die teils ausladenden aber prosaischen Dialoge transportieren zusätzlich den harten Charakter dieser tragisch wirkenden Geschichte, die blendend als Labyrinth der ausweglosen Situationen funktioniert. Für einen Thriller der gehobeneren Sphären fehlt diesem Beitrag vielleicht an Konsequenz und Stringenz, sodass sich "Der Tod fährt mit" relativ isoliert und eingebettet in einer gewissen Grauzone wiederfindet. Sehenswert und unterhaltsam ist dieser in Vergessenheit geratene Flick aber allemal, denn dieses makabere Tauziehen zwischen Leben und Tod übt eine nur schwer zu beschreibende Faszination aus.


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 Post subject: Re: DER TOD FÄHRT MIT - Denis Scully
PostPosted: 10.06.2019 13:24 
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"Der Tod fährt mit" (Journey into nowhere) (Deutschland / Republik Südafrika 1962)
mit: Sonja Ziemann, Tony Wright, Helmut Schmid, Don Barrigo u.a. | Drehbuch: Bruce Yorke, Anya Corvin und Peter Myers | Regie: Denis Scully

Die Wege der Malerin Maria und jene des Spielers Ricky kreuzen sich, als sich die Frau vor das Auto des Mannes stürzt, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Der Arzt hatte ihr an diesem Morgen mitgeteilt, dass sie bald erblinden werde, wenn sie nicht eine kostspielige Operation vornehmen lässt. Ricky benötigt selbst dringend Geld: Seine Gläubiger bedrohen ihn mit dem Tod, falls er nicht innerhalb von drei Tagen seine Schulden begleicht. Ricky kommt die Idee, einen Versicherungsbetrug durchzuführen, bei dem sich beide gegenseitig als Nutznießer eintragen lassen. Da bei einem Eisenbahnunfall die doppelte Versicherungssumme ausbezahlt wird, beschließen sie, dass einer von ihnen im Zug sterben müsse, damit wenigstens ein Leben gerettet werden kann. Während der Fahrt stellt sich heraus, dass weder Maria, noch Ricky zum Opfer werden will....

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Der Film, den der Bavaria Filmverleih in die Kinos brachte, bringt die Handlung sofort auf den Punkt, um ihr einen Vorsprung zu geben, der für klare Verhältnisse sorgt und eine härtere Gangart markiert, die das Publikum gleich emotional in Anspruch nimmt. Somit werden schnelle Entscheidungen fällig, welche das Geschehen vorantreiben und vom etwas holprigen Drehbuch ablenken, das durch sechs Hände gegangen ist, was einem Film erfahrungsgemäß oft schadet. Das Tempo befördert eine Geschichte, die zwar nicht neu, jedoch raffiniert ausgedacht ist und in ihrer Erbarmungslosigkeit wenig Spielraum für positive Facetten lässt. Der Zuschauer merkt deshalb bald, dass er es hier mit einem modernen Abenteuer-Noir zu tun hat, der die Protagonisten mehreren Zerreißproben ausliefert, bei denen jederzeit alles möglich ist. Die Figuren werden in erster Linie von einem Egoismus getrieben, der als Antwort auf ihre persönliche Situation gesehen werden kann. Mit dem Eindruck, es sei ihnen Ungerechtigkeit widerfahren, ergreifen sie eine Chance, die sie zwar als Lösung ihrer finanziellen Lage sehen, die jedoch zum Tod des anderen führt, was unweigerlich einen Mord nach sich zieht. Die Frage, ob es edler ist, zu sterben oder zu töten, macht ihren Plan zum eingleisigen Weg der Schmalspurbahn ihres Lebens. Die Verzweiflung verleiht ihnen Härte und lässt sie stellenweise wie die Tiere der Wildnis reagieren, in der sie beheimatet sind. Die Jäger sind allerdings auch Gejagte, weil ein Dritter ihren Untergang wünscht und aus ihrem Ableben Nutzen ziehen will. Dieser Brandbeschleuniger sorgt bald für lichterlohe Flammen und bringt den Deal immer wieder in Erinnerung, auch als sich die Lage ändert und der Tod nicht mehr als einziger Ausweg gesehen wird.

Die Konzentration auf drei Hauptakteure betont die Beklemmung, in der sich die zwei führenden Darsteller bald befinden. Die Gefahr kommt aus dem inneren Kreis und ist umso schwieriger zu umgehen, weil alle Fluchtmöglichkeiten immer wieder zum Ausgangspunkt zurückführen. Das Wechselspiel von Bündnissen und Abmachungen erhält die Spannung lebendig, weil die Bedrohung in der Unberechenbarkeit des anderen liegt. Das gemeinsame Ziel erweist sich bald als Todesfalle für den Partner, die vereinbarten Bedingungen werden fortwährend in Frage gestellt und dienen einem Machtkampf, in dem die Trümpfe gleichmäßig verteilt sind. Während der Mann darum bangen muss, seine Spielschulden zurückzuzahlen, fürchtet die Frau um ihr Augenlicht, das selbst im Falle einer Operation nicht garantiert werden kann. Die Hilflosigkeit, die sich daraus ergibt, macht die Malerin deshalb verletzbarer, verleiht ihr aber auch den Mut der Verzweiflung und lässt sie über sich hinauswachsen. In vielen Dingen unterschätzt, zeigt sie ihre Talente und hält ihrem Gegenüber den Spiegel vor. Durch die Auseinandersetzung mit seiner Komplizin bzw. Rivalin muss der Mann mehr bieten als das Spiel seiner Muskeln, was ihn zunächst irritiert, weil er es von seinem Umfeld gewohnt war, jede offene Rechnung mit den Fäusten zu begleichen. Der Schuldeneintreiber unterscheidet sich von ihm nur durch seine List und Tücke, mit der er Menschen manipuliert und dazu bringt, sich vor seinen Karren spannen zu lassen. Mit überheblicher Mimik und Gestik werden hier Imponiergehabe und Intellekt gegeneinander ausgespielt und Wildwest-Methoden zelebriert, bei denen jener gewinnt, der seine Hand schneller am Abzug hat. Doch so einfach macht es das Drehbuch den Personen nicht.

Sonja Ziemann bringt mit einem überraschenden Sprint direkt vor Tony Wrights Wagen eine neue Komponente in die Handlung: Lebenswillen. So paradox dieses Attribut für eine Selbstmörderin auch klingen mag, so trifft es doch auf die überlegt handelnde Maria zu. Ihr Kampf um die eigene Sehkraft, welche als Symbol der Unabhängigkeit und Freiheit für ein selbst bestimmtes Leben steht, lässt sie Überlegungen anstellen, welche die Grenzen der Norm sprengen. Die Angst, das selbstgewählte Exil aufgeben zu müssen, lässt sie auf einen Handel eingehen, den sie sonst per se schon ablehnen würde, weil er von einem Mann angeboten wird, der jene Defizite aufweist, vor denen sie in die Einsamkeit geflüchtet ist. Welten liegen zwischen den beiden Vertragspartnern, deren gemeinsames Interesse sie sowohl eint, als auch trennt, was dem Film einen bitteren und nüchternen Unterton verleiht. Sonja Ziemann, die sich nach ihrer Phase der populären Unterhaltungsfilme in den frühen Fünfziger Jahren zunehmend zur hintergründigen Charakterdarstellerin wandelte, transportiert ihre Gefühle über weite Strecken nonverbal. Auf ihrem Gesicht liest man die Verachtung, die aus besserem Wissen resultiert, wobei sich die Beunruhigung auf das Publikum überträgt, das ihrem Urteilsvermögen mehr glaubt als jenem ihres wankelmütigen Partners. Sonja Ziemann funktioniert in der nicht nur aufgrund des Klimas aufgeheizten Umgebung sehr authentisch, sie strahlt Souveränität aus und beherrscht die emotionale Achterbahnfahrt sehr gut. Die Natur verlangt ihr aktives Handeln ab, wobei sie die Bewegung dazu nutzt, ihr erhitztes Gemüt zu beruhigen und der lähmenden Untätigkeit zu entfliehen, die wie ein Schreckensgespenst hinter dem Horizont lauert. Das Zusammenspiel mit ihren Filmpartnern wird von einer inneren Distanz beherrscht.

Tony Wright und Helmut Schmid stellen jene rauen Männer dar, die in der Weitläufigkeit der Prärie tausendfach auf der Leinwand anzutreffen sind und wenig weiter als bis zum nächsten Zahltag bzw. Tag der Abrechnung blicken. Um ihr Ego zu stärken, müssen andere erniedrigt werden und der ständige Kampf um die Oberhand hat sie zynisch und sarkastisch werden lassen. Helmut Schmid, der gern als starker Mann besetzt wurde, zeigt sein Repertoire des süffisant lächelnden Eintreibers - wahlweise von Geld oder Gefälligkeiten - wobei seine Muskeln den Ersatz für die Ermächtigung bilden. Die Bedrohung, die von seiner Figur ausgeht, wird vom Zuseher nicht angezweifelt, entscheidend ist die Frage, inwiefern Tony Wright sich aus diesem Schraubgriff entwinden kann. Der Schauspieler benötigt viel Zeit, sich innerhalb der Handlung zu etablieren, da er zu Beginn eher hölzern agiert und ohne das Charisma eines Darstellers vom Format eines Lex Barker auskommen muss. Dadurch wird allerdings wenig von der Plot-Entwicklung antizipiert, da sich das Blatt laufend wenden kann und Wrights Rollentypus nicht im Vorfeld abgesteckt ist. Sein Engagement ist überzeugend, sodass er seine Aufgabe den Vorgaben entsprechend erfüllen kann. Zum Gelingen der Konstellation Opfer und Täter trägt er sein Bestes bei, was die Spannung auch über sperrige Szenen hinweg aufrecht erhalten lässt und dem Film zu einem gelungenen Gesamteindruck verhilft. Die schönen Panoramaaufnahmen, die nicht einen dekorativen Hintergrund bilden, sondern dafür sorgen, dass Mensch und Natur eine herausfordernde Symbiose eingehen, bieten einen Mehrwert dieser deutsch-afrikanischen Koproduktion, die sich sehr gut behaupten kann und einen Geheimtipp darstellt, der nicht nur Eisenbahnfreunde anspricht.


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