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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: LEID UND HERRLICHKEIT - Pedro Almodóvar
PostPosted: 03.01.2020 02:28 
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Produktionsland/Jahr: Spanien 2019
Darsteller: Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Leonardo Sbaraglia, Nora Navas, Penélope Cruz, Julieta Serrano
Drehbuch: Pedro Almodóvar
Produziert von: Agustín Almodóvar & Esther García
Musik: Alberto Iglesias

Das Leben des alternden Filmregisseurs Salvador Mallo (Antonio Banderas) setzt sich aus vielen wiederholten Begegnungen zusammen. Manche davon sind physischer Natur und finden in der Gegenwart statt, andere hallen vor allem als Erinnerungen der Vergangenheit nach.
Während seiner Kindheit in den 1960er Jahren war Salvador mit seiner Familie auf der Suche nach Wohlstand ins spanische Paterna gezogen. Seine erste Lust und erwachsene Liebe erfuhr er in den 1980ern und lernte auch den Schmerz einer Trennung kennen. Das Schreiben wurde für ihn zur Therapie des Vergessens, die frühe Entdeckung des Kinos stellte wiederum die Weichen für seine Zukunft. Doch was passiert, wenn ein Filmregisseur keine Filme mehr drehen kann?
(Moviepilot)

Ich habe das Gefühl, Señor Almodóvar wird langsam alt...
In seinem neuesten Werk steckt so viel vielversprechendes, thematisch wie auch darstellerisch.
Da sind die autobiografischen Einflüsse, er setzt sich mit dem eigenen Leben von der Kindheit bis vermutlich zum heutigen Zeitpunkt und seiner bisherigen Karriere auseinander.
Selbstverständlich lässt er diesen Salvador Mallo von seinem Alter Ego Antonio Banderas spielen und damit hat er's - sein persönliches 8 1/2 - allerdings nur auf dem Papier.
Dazu noch Penélope Cruz (die sich hier leider mit einer recht kleinen Nebenrolle begnügen muss) und wir haben die nächste Parallele zu Fellini.
Denn im Grunde sind ja Banderas und Cruz für ihn nichts anderes als es Marcello Mastroianni und Giulietta Masina für Fellini waren.
Ansonsten ist DOLOR Y GLORIA (= SCHMERZ UND RUHM) aber für mich aber ein zwiespältiger Film.
Die Szenen der Kindheit sehr gelungen, dafür wiederum die Gegenwart überraschend enttäuschend umgesetzt.
Zwar auch da (Gegenwart) alles sehr farbenfroh gehalten, wie immer, was auch gut ist, aber ich kann mir nicht helfen, es ist so staubtrocken und emotional kommt einfach nichts bei mir an.
Mir kommt vor, als hätte Almodóvar mit ZERRISSENE UMARMUNGEN 2009 seinen Zenit erreicht und ist seitdem immer schwächer geworden.
Als wäre es seitdem bergab gegangen und mit diesem Film vorläufig der Tiefpunkt erreicht.
Vieles liest sich auf dem Papier gut, tut in der Umsetzung aber schon fast weh und speziell bei einem derart renommierten Regisseur wie Almodóvar, ist die Enttäuschung dann umso größer.
Wo ist die Leichtigkeit hin, der Spaß, die Lebensfreude?
Früher war das selbstverständlich, oft konnte man meinen, er könnte gar nicht anders.
Hier ist davon nicht viel geblieben - sein Salvador Mallo ist ein alternder, von Krisen, Krankheiten, Drogensucht und Schwermut geplagter Mann.
So etwas wie Optimismus oder Humor blitzt ganz selten auf.
Nächste Frage: Was hat er mit Penélope Cruz gemacht?
Er besetzt sie in der Rolle seiner Mutter in jungen Jahren, macht optisch bestmöglich ein Sophia-Loren-Double aus ihr und lässt sie ebenso agieren, gibt ihr aber nur 5, 6 Szenen im gesamten Film.
Was soll denn das? - Das ist ja außer verschenkt gar nichts mehr.
Sie selbst und ihre paar Szenen sind gut, das ist ein kleiner Lichtblick (wie eigentlich der Großteil des Kindheits-Handlungsstranges).
Aber dem gegenüber steht eben die inszenatorisch fast gespürlose, überwiegend zähe und wenig interessante Gegenwartsebene.
Damit kommt er leider über eine Durchschnittsnote nicht hinaus.
5,5/10

Trailer:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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 Post subject: Re: LEID UND HERRLICHKEIT - Pedro Almodóvar
PostPosted: 04.01.2020 13:30 
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Warum die Rolle von Cruz größer hätte sein sollen erschließt sich mir nicht. Denn dann wäre es ja ein ganz anderer Film geworden. Ich fand das alles sehr ausgewogen, so wie es ist.

Mir hat der jedenfalls auch wieder durchgehend Spaß gemacht, aber den Vorgänger Julieta fand ich noch stärker. Aber die beiden Filme vor diesen und nach Zerrissene Umarmungen, die fand ich beide etwas schwächer, wobei ich Die Haut in der ich wohne vielleicht noch mal schauen sollte. Aber ich schaue gerade immer wieder mal einen Pedro zusammen mit meiner Freundin, die an seinen Filmen auch viel Spaß hat. Jedenfalls so ab Mitte der 80er, und ich sehe dann auch bei Matador schon viel von dem was ich an Pedro erzählerisch so liebe, jedoch inszenatorisch ist er noch nicht auf dem Level seiner doch nicht wenigen Meisterwerke. Pedro rules ...


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 Post subject: Re: LEID UND HERRLICHKEIT - Pedro Almodóvar
PostPosted: 05.01.2020 02:39 
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Zu Penélope Cruz: Naja, ich persönlich hätte eben gerne mehr von ihr gesehen, in dieser Optik, in dieser Aufmachung, in dieser Rolle, in diesem Charakter.
Das ist in meinen Augen einfach alles viel zu gut (nicht nur) für die Augen, dass man sie so am Rande stehen lassen könnte.

Was nun Almodóvar selbst betrifft, muss ich sagen, ich finde ihn, nach allem, was ich bisher kenne, sogar eher überbewertet, wenn man seinen internationalen Rang bedenkt.
Nach momentanem Stand schaut's da folgendermaßen aus:

SPRICH MIT IHR ist klar der beste, mit vollen 10/10.
Knapp dahinter ZERRISSENE UMARMUNGEN mit 9/10.
Dann VOLVER, FESSLE MICH! und FRAUEN AM RANDE DES NERVENZUSAMMENBRUCHS mit jeweils 7,5/10.
Gefolgt vom Erstlingswerk PEPI, LUCI, BOM UND DER REST DER BANDE mit 7/10.
Und an letzter Stelle jetzt eben LEID UND HERRLICHKEIT mit 5,5/10.

DIE HAUT, IN DER ICH WOHNE und JULIETA habe ich auch schon einmal gesehen, aber daran habe ich keine so gute Erinnerung mehr, dass ich die jetzt beurteilen könnte.
Ich kann dir aber sagen, JULIETA war, dem Gefühl nach, nicht viel besser als jener hier.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, ich sehe in Almodóvar einen ganz guten Regisseur, aber keinesfalls den großen Meister, den viele in ihm zu sehen meinen.
Wenn ich ihm jetzt bspw. Medem entgegenstelle, so hätte er höchstens mit SPRICH MIT IHR und ZERRISSENE UMARMUNGEN eine Chance.
Ansonsten steht Medem für mich weit, weit drüber.
Das ist einfach ein ganz anderes Gefühl, ein besseres, angenehmeres auf jeden Fall.
Einen Medem kann ich in den meisten Fällen richtig genießen, Almodóvar gelingt das selten.


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 Post subject: Re: LEID UND HERRLICHKEIT - Pedro Almodóvar
PostPosted: 06.01.2020 16:07 
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Fessle mich, Live Flesh und Alles über meine Mutter sind für mich alles herausragende Filme, genau wie die von dir erwähnten Sprich mit ihr und Zerrissene Umarmungen. La mala education ist ebenfalls sehr stark, und ein paar andere müsste ich erst noch einmal schauen. Kika zB oder High Heels.

Früher mochte ich Almodovar wenig bis gar nicht, aber seit Live Flesh, also seit den späten 90ern, hat sich das stetig entwickelt. Ich halte ihn eher für unterschätzt ... ;)


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