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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: SOMMERLIEBELEI - Jean-Claude Brialy
BeitragVerfasst: 02.07.2018 21:11 
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Romy Schneider

SOMMERLIEBELEI

● UN AMOUR DE PLUIE / SOMMERLIEBELEI / MALE D'AMORE (F|D|I|1974)
mit Nino Castelnuovo, Mehdi El Glaoui, Bénédicte Bucher, Jean-Claude Brialy, Roselyne Vuillaume und Suzanne Flon
eine Produktion der Lisa Films | Terra Filmkunst | Torino Roma Attivita Cinematografiche | im Constantin Filmverleih
ein Film von Jean-Claude Brialy


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»Ich bin sehr schüchtern und ungewöhnlich seriös!«

Die attraktive Elisabeth (Romy Schneider) verbringt ihren Urlaub gemeinsam mit ihrer fast fünfzehnjährigen Tochter Cécile (Bénédicte Bucher) in dem idyllischen Kurort Vittel. Elisabeth lernt in den Kuranlagen den gut aussehenden Italiener Giovanni (Nino Castelnuovo) kennen, der sie mit seiner charmanten und amüsanten Art verzaubert. Schnell entsteht eine Fröhlichkeit und Vertrautheit, die Elisabeth bei ihrem eigenen Mann, einem Geschäftsmann, nicht zu finden scheint. Es kommt zu einer leidenschaftlichen Affäre, die die zwei erfahrenen Urlauber voll auskosten und welche geprägt ist von Freude, kleinen Geheimnissen und schönen Glücksmomenten. Zur gleichen Zeit lernt ihre junge Tochter den siebzehnjährigen Georges (Mehdi El Glaoui) kennen, der in der Küche des Hotels arbeitet, in dem beide abgestiegen sind. Auch hier bahnt sich eine Urlaubsromanze an, die zwar ebenso überwältigend, aber von scheuen, kleinen Annäherungen geprägt ist. Die Tage vergehen und die unbeschwerten Momente des Sommerurlaubes sollten nie zu Ende gehen, doch was wird geschehen, wenn die Realität alle wieder einholen wird..?

Der vor allem als Interpret bekannte Jean-Claude Brialy schaffte es neben seinen schauspielerischen Aktivitäten, die bei einem Blick auf seine üppige Filmografie einem Fließband gleichen, ein halbes Dutzend Spielfilme und einige TV-Arbeiten zu inszenieren und darunter findet sich auch "Sommerliebelei", dessen größter Vorzug sicherlich Hauptdarstellerin Romy Schneider ist. Überlieferungen berichten, dass sie Jean-Claude Brialy, ihrem langjährigen Freund und Vertrauten, einen Gefallen tun wollte und daher die Hauptrolle in seinem bereits vierten Beitrag fürs Kino übernahm, zumal er bislang nur Misserfolge landen konnte. Doch auch sie als Zugpferd konnte hier nicht das erhoffte Wunder vollbringen, "Sommerliebelei" wurde kein großer Erfolg. Seitens des ambitionierten Verantwortlichen charakterisiert der fertige Film schlussendlich ein feines Gespür für Ästhetik, Stimmungen sowie Flair, und symbolisiert die immer wieder von Romy Schneider selbst beschriebene Grundvoraussetzung, nämlich dass sie sich nur in einem sicheren, außerdem geführten Rahmen voll entfalten konnte. Hierfür bekam sie genügend Raum zur Verfügung gestellt. Romy Schneider lädt traumtänzerisch auf eine Reise durch eine wunderschöne Sommerkulisse ein. Ihre Unbeschwertheit wirkt hier absolut mitreißend und ansteckend. Elisabeth verkörpert eine moderne und selbstbewusste Frau, deren mentale und emotionale Kapazitäten im Alltag allerdings ungenutzt bleiben. Allerdings strahlt sie keine Resignation aus, denn sie fügt sich als Mutter eher in eine Schablone hinein, in der sie funktionieren möchte, oder dies unterm Strich sogar muss. In ihren Urlaub geht sie nicht mit dem Plan, unbedingt eine Affäre anfangen zu wollen, lediglich Zeit und Ort begünstigen dieses Zusammenfinden.

Romy Schneider bezaubert hier, sie wirkt verspielt, gelöst und gibt sich bedingungslos einem Flirt hin. Dabei verdreht sie die bestehenden weiblich-männlichen Konstellationen erstaunlich dynamisch und ganz erfrischend, die im Film auch zu dieser Zeit noch ihren althergebrachten Einsatz fanden. Neben ihr wird ab sofort der Mann zum schmückenden Beiwerk. Romy Schneider gestaltet jede Kleinigkeit überaus elegant. Sie tanzt, sie lacht, sie ist glücklich, und überspielt somit alle Schwächen des Films, die wegen ihr zu Nebensächlichkeiten verkümmern. Insgesamt gesehen bleibt eine angenehme Selbstinszenierung zurück und der Verlauf wirft schließlich nur eine signifikante Frage auf: Wer würde sich eigentlich nicht für diese faszinierende Frau interessieren? Im Fall Nino Castelnuovo lässt sich gewiss darüber streiten. Ob gewollt oder ungewollt, aber der Eindruck der italienischen Masche schimmert schon irgendwie durch, zumindest hin und wieder. Dennoch stehen die Zeichen überaus günstig, da man den durchaus interessant wirkenden Mann beim intelligenten Flirten beinahe observiert und sein gewitzter Charme lässt ihn glaubwürdig und sympathisch erscheinen. Beinahe schüchtern und aus dem Hintergrund stellt er Elisabeth nach und sie genießt es, voll und ganz im Fokus zu stehen, bis sie schließlich die Initiative ergreift. Der Liaison wird subtil dargestellt, überzeugt schließlich durch geistreiche Finessen. Giovanni trägt seine Eroberung auf Händen und gibt ihr das Gefühl, einzigartig und begehrenswert zu sein. Interessant an dieser Konstellation ist, dass der Zuschauer zwischen Gezeigtem und Empfundenem eher Giovanni als Eroberung von Elisabeth identifiziert.

Da sich die Liebelei auf einer vollkommen unverbindlichen Ebene mit ironischer Würze abspielt, vergeht die Zeit wie im Flug, und Gedanken, dass die Realität irgendwann wieder ihren Anteil fordern wird, werden beiseite geschoben. Mit Mehdi El Glaoui und Bénédicte Bucher hat die Produktion zwei unverbrauchte Gesichter und darüber hinaus sehr überzeugende Jungschauspieler zur Verfügung, die eine passable Parallelhandlung ausbuchstabieren. Cécile erfreut sich einer offensichtlich progressiven Erziehung. Ihre Mutter scheint auch gleichzeitig ihre beste Freundin und Vertraute zu sein. Die Tatsache, dass sie gerade ihren zweiten Frühling erlebt, ermöglicht der 15jährigen eigene Wege zu gehen. Suzanne Flon als Besitzerin des Hotels verfeinert das angenehme Geschehen in gekonnter Manier und Jean-Claude Brialy verschaffte sich einen kurzen Gastauftritt in seinem Film. Ja, alles wirkt rund, aber dennoch überlagert das Ereignis Romy Schneider jede Interpretation in erstickender Art und Weise. Nicht weiter schlimm bei einem Film, der von vorne herein dazu gemacht war, ausschließlich um Romy Schneider herum konstruiert zu werden. »Wir wussten beide, dass wir nicht gerade Lady Macbeth machten«, sagte Romy Schneider in einem Fernsehinterview, aber sie fügte auch hinzu, dass sie "Un amour de pluie" wegen dessen Poesie und Zartheit möge. Tatsächlich wirkt der Verlauf hin und wieder zu konstruiert, zeitweise sogar etwas künstlich aufgeplustert. Doch unterm Strich, oder besser gesagt während des Verlaufs, leistet er trotzdem etwas, das keineswegs zu unterschätzen ist, denn er regt die Fantasie ungeniert und erfolgreich an.

Oft fühlt man sich selbst in den Urlaub zurückversetzt und es laufen ähnliche, unbekümmerte Momente in der Erinnerung ab. Man fühlt sich angenehm begleitet, wenn vielleicht auch nicht übermäßig berührt. Nach ein paar durchaus notwendigen sentimentalen Anflügen kann schließlich auf eine "Sommerliebelei" zurück gesehen werden, die wirklich schön anzusehen ist, doch letztlich etwas zu linear bleibt. Schöne Bilder, eine sparsame Handlung, exzellente Schauspieler, wenig Tiefgang, ein paar Erinnerungen, doch wenig Nachhaltigkeit. Alles dividiert sich irgendwie gegenseitig von selbst wieder weg und unterm Strich bleibt nur eine von Romy Schneiders vielleicht schönsten Selbstinszenierungen. Die strahlenden Aufnahmen der Umgebung sowie der Landschaft, die stilvolle Ausstattung und die urtypische französische Musik von Francis Lai stellen über lange Strecken mehr als zufrieden. Als dann aber nach gut neunzig Minuten immer noch nichts Signifikantes passiert ist, bleibt das Fazit, dass die Architektur des Films nicht dazu gemacht ist, großen Konkurrenten gefährlich werden zu wollen. Die im Gros leider zu einfallslos agierende Regie verlässt sich zu sehr auf einen großen Namen, ein Überraschungs-Coup kann somit auch das dezente Ausschlachten der Hauptdarstellerin nicht mit sich bringen. Letztlich bleibt schließlich ein recht isolierter Film unter engen Freunden, in dem einige Experimente verwirklicht und Insider angeschnitten werden konnten. "Sommerliebelei" ist somit ein schmeichelhafter Beitrag geworden, der die Zeit angenehm bis romantisch zu vertreiben weiß, und es sich glücklicherweise aufspart, die Sprache der falschen Untertöne zu sprechen.


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