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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: LICHTER DES VARIETÉ - Alberto Lattuada & Federico Fellini
PostPosted: 11.01.2019 00:58 
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Produktionsland/Jahr: Italien 1950
Darsteller: Peppino De Filippo, Giulietta Masina, Carla Del Poggio, Folco Lulli, Franca Valeri, Carlo Romano, John Kitzmiller, Dante Maggio, Checco Durante, Gina Mascetti
Drehbuch: Alberto Lattuada, Federico Fellini, Tullio Pinelli, Ennio Flaiano
Produziert von: Alberto Lattuada & Federico Fellini
Musik: Felice Lattuada

Checco Dal Monte (Peppino de Filippo) ist Impressario einer Varietegruppe, die von Stadt zu Stadt zieht und mit den Einnahmen gerade über die Runden kommt. In einer der Städte auf ihrer Rundreise begegnet Checco der attraktiven Sängerin Liliana (Carla del Poggio), die von einer großen Karriere im Showgeschäft träumt. Liliana bittet den alternden Mann, der nicht mehr viele Hoffnungen im Leben hat, sie ihn das Programm aufzunehmen. Da sich Checco in die schöne Frau verliebt nimmt er sie sogleich auf und sie nimmt, sehr zum Missfallen der anderen Künstler, einen zentralen Platz in der Show ein.

Besonders die sensible Melina Amour (Giulietta Masina) ist von dieser Entscheidung betroffen, da Liliana ihr sowohl den Platz als Star der Show als auch den Mann streitig macht denn Melina ist in Checco verliebt. Immer entschiedener wenden sich die übrigen Mitglieder der Gruppe von Checco ab, sodass er neue Künstler für das Programm gewinnen muss. Checco hält zu seiner neuen Liebe doch Liliana hat insgeheim nur ihre eigene Karriere im Auge…
(Ofdb)

Allererster Film von Fellini, damals noch im Duo mit Alberto Lattuada, für den er in den vorhergehenden Jahren gemeinsam mit Tullio Pinelli mehrere Drehbücher geschrieben hat und mit dem er sich auch privat gut verstanden haben soll.
Bis an diesen Punkt, bis zu LICHTER DES VARIETÉ, daran ist sowohl die geschäftliche Beziehung als auch die freundschaftliche zerbrochen.
Lattuada und Fellini haben nach einer Absage von Carlo Ponti (der dann fast zeitgleich mit EIN HUNDELEBEN einen direkten Konkurrenz-Film von Monicelli & Steno finanziert hat, da ihm das "sicherer" erschien) quasi zusammengelegt und den Film aus eigener Tasche finanziert, wobei der Großteil von Lattuada gekommen sein soll.
Was ist passiert: Der Film ist gefloppt, (vor allem) Lattuada hat viel Geld verloren und damit war's vorbei mit der Freundschaft, sowohl auf geschäftlicher als auch privater Ebene.
Das konnte auch die Tatsache, dass es ja in gewisser Weise eine Familienproduktion war, nicht ändern (sowohl Fellinis Ehefrau Giulietta Masina als auch Lattuadas Ehefrau Carla Del Poggio wurden im Film untergebracht - ironischerweise spielen sie die großen Rivalinnen).
Wer wofür verantwortlich war, welche Szenen unter wessen Regie entstanden sind, darüber lässt sich heute weitestgehend nur noch mutmaßen.
Verschiedene (auch gegensätzliche) Aussagen mehrerer Beteiligter machen den Film zu einem Ratespiel für den Zuschauer, was denn von wem sein könnte.
Also was die Inszenierung betrifft, ist es eine sehr verzwickte Geschichte, fast wie bei MEIN NAME IST NOBODY, aber alles der Reihe nach.

Wie EIN HUNDELEBEN so kann auch dieser Film mit ziemlicher Sicherheit als ein Wegbereiter des neorealismo rosa gesehen werden.
Denn auf der einen Seite haben wir zwar den Varieté-Chef, der seine Mitarbeiter nicht bezahlen kann, der sowieso für nichts Geld hat, also die Darstellung eines harten beschwerlichen Lebens, wie wir es vom klassischen Neorealismus kennen.
Das würde ich Alberto Lattuada zuschreiben, der ja damals eine bekannte Figur des Neorealismus war, obgleich seine neorealistischen Beiträge im Schatten von Größen wie Rossellini oder De Sica standen.
Auf der anderen Seite schwingt aber eben immer auch (mal mehr, mal weniger) viel Leichtigkeit und Humor mit, wenn man sich die Proben und jeweiligen Aufführungen und die Reaktionen des Publikums darauf anschaut.
Diesen Aspekt, diese Szenen, würde ich, aus heutiger Sicht, eindeutig Fellini zuordnen, ein Großteil davon schaut sehr nach ihm aus.
Aber wie auch immer es tatsächlich war, ein Flop ist der Film für mich auf keinen Fall, weder als etwas leichtfüßigeres Neorealismus-Exemplar, noch als Regiedebüt eines Mannes, der sich in der Folge nach und nach zu einem der Größten überhaupt des italienischen Kinos hochgearbeitet hat.
Natürlich merkt man, dass Fellini noch geübt hat und nicht die alleinige Entscheidungsmacht über die Inszenierung hatte.
Aber an und für sich ist das alles sehr ordentlich und seine Liebe zum Zirkus (und eben zum Varieté) sowie seine Präferenz für skurrile Masken lässt sich auch schon erkennen.
Wo sich der Film aber noch deutlich von späteren Fellinis unterscheidet: In der Musik.
Da musste er sich offenbar Lattuada beugen, der die Aufgabe seinem Vater Felice übertragen hat, der sich noch eher am normalen Neorealismus orientiert, mit groß orchestrierten, stimmungsmäßig eher traurigen Melodien.
Ein bisschen fehlt mir da also schon die charakterlich entsprechende Vertonung der ja doch vorhandenen leichtherzigen Seite des Films (abgesehen natürlich von den Szenen der Aufführungen, aber da werden eigentlich auch nur die bekannten Zirkus-Melodien verwendet).
Sieht man darüber hinweg, kann man LICHTER DES VARIETÉ durchaus als gelungenen schönen Film bezeichnen.
Ein Film, der sich im Guten, wie im Schlechten zum Schicksalsprojekt für die Regisseure entwickelt hat und einen der bis heute gefeiertesten Regisseure Italiens hervorgebracht hat!
7,5/10

Eröffnungsszene:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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