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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DIE LETZTE VORSTELLUNG - Peter Bogdanovich
PostPosted: 17.07.2015 16:29 
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In der Filmgeschichte hat es immer wieder Filme gegeben, die etwas ganz besonderes waren und es auch immer noch sind, weil sie nach wievor einzigartig sind und Filmgeschichte geschrieben haben. Der folgende Film den ich hier vorstelle, ist so einer! Eine Geschichte, wie in anderen Filmen üblich hat er zwar nicht, aber hier sind es die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander, die diese Geschichte bilden. Sehet später möglicherweise selbst!

Auch Kinos sterben.....und Städte.....und natürlich Menschen!


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DIE LETZTE VORSTELLUNG
(Ot: The Last Picture Show)
USA 1971


Timothy Bottoms - SONNY CRAWFORD
Jeff Bridges - DUANE JACKSON
Cybill Shepherd - JACY FARROW
Ben Johnson - SAM, DER LÖWE
Ellen Burstyn - LOIS FARROW
Cloris Leachman - RUTH POPPER
Sam Bottoms - BILLY

Regie: PETER BOGDANOVICH

Laufzeit ca. 121 min


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Eine amerikanische Kleinstadt in Texas Anfang der 50er Jahre
Mehrere Menschen nehmen Abschied von ihren Illusionen, ihrer Jugend, ihrer Stadt- und ihrem Kino, das mit seinem abenteuerumwobenen Besitzer Sam eine bessere alte Zeit verkörpert. Die texanische Kleinstadt wirkt wie eine Geisterstadt durch die unablässig der Wind weht. Auch wenn die Freunde Sonny & Duane das Gefühl haben in der Sackgasse gelandet zu sein, versuchen sie das beste aus ihrem jungen Leben zu machen. Aber nicht nur sie haben dieses Gefühl und jeder vertreibt sich die Zeit auf die eine oder andere Art.

Sonny ist ein Jugendlicher, der seinen Träumen nachhängt und mit dem Mädchen seines Alters nicht soviel Glück hat und mit Ruth Popper, der Frau seines Sportlehrers ein Verhältnis anfängt, das von seiner Seite aus ein wenig schüchtern ist. Duane ist das genaue Gegenteil von Sonny. Er ist der jugendliche Draufgänger, der zwar auch zur Schule geht, aber nebenbei auf dem Ölfeld arbeitet und mit einem der begehrtesten Mädchen der Stadt zusammen ist, nämlich mit der Millionärstochter Jacy. Jacy ist eine Hübsche, denn sie entspricht geradezu das Idealbild einer sogenannten Hochschul-Schönheit, die ganz die verwöhnte Tochter ihrer reichen Eltern ist und den naiven Duane an der Nase herum führt. Sie hat es ein wenig faustdick hinter den Ohren.

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Die ganzen Charaktere sind für die tolle starke Atmosphäre des Films ebenso wichtig, wie die Schauplätze an denen sich alle treffen. Da ist einmal das Café, dann der heruntergekommene Spielsalon und natürlich das Kino. Dieses kleine Filmtheater ist für alle neben dem allgegenwärtigen Radio die einzige Verbindung zur großen, weiten Welt. Diese drei Treffpunkte gehören dem alten Cowboy Sam, der mit seiner etwas wortkargen und souveränen Art die alten Tugenden einens aufrechten Texaners zu verkörpern scheint. Sam, der Löwe ist hier somit ein Relikt aus vergangenen Zeiten, wo sich der alte amerikanische Westen noch auf den Traum von Freiheit und Gerechtigkeit berufen konnte. Als Sam leider später das zeitliche segnet, zerbricht auch der letzte Zusammenhalt der Jugendlichen und das Kino muß schließen. Bevor dies geschieht läuft noch als letzte Vorstellung ein Western, nämlich RED RIVER von Howard Hawks!

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Was für ein Kleinod dieser Film immer noch ist :)
Regisseur Peter Bogdanovich gelingt es hervorragend die Atmosphäre dieser Kleinstadt und ihrer Bewohner einzufangen. Zwar spielt dieser 1971 entstandene Film Anfang der 50er Jahre, aber eine verklärende Nostalgie ist hier nicht anzutreffen. In bestechender und bester Schwarzweißfotografie mit z.T. ungeschönten und schönen Bildern erzählt Bogdanovich eine der besten Studien über das isolierte Leben einer Kleinstadt, die durch die tolle Kamera und den Schnitt genial unterstützt wird. Hinzu kommen natürlich auch die toll aufgelegten agierenden Darsteller, die allesamt zum Gelingen dieses starken Filmes beitragen und man hat den sehr starken Eindruck, das einiges oder vieles improvisiert ist und dadurch wirkt das ganze unglaublich authentisch. Bis auf Western-Veteran BEN JOHNSON, versammelte Bogdanovich eine Gruppe mit weitgehend damals unbekannten Schauspielern um sich und inszenierte seinen Film in einem verhältnismäßig winzigen texanischen Klein-Kaff. Die Wahl hätte nicht besser sein können, denn im fertigen Film sieht dieses kleine texanische Provinznest aus wie aus irgendwelchen Vorkriegszeiten, in der die Zeit stehen geblieben ist. Die sandige Hauptstraße gleicht der einer alten Westernstadt und die in der Einöde verteilten Gebäude scheinen den Eindruck von absoluten Stillstand und Isolation zu erwecken. Hinzu kommt noch der Wüstensand, den der Wind durch diese Kleinstadt bläst und dies verstärkt enorm die Atmosphäre von Verfall und Melancholie.

Und hier ist der Übergang von der Jugend ins Erwachsenendasein kein hoffnugsvolles Ritual, wie es sonst immer in anderen Filmen geschildert wird. Flucht aus Langeweile, Frust und Ausweglosigkeit ist nur durch den Tod möglich.

Da der Film auch zusätzlich in schwarweiß gedreht wurde, hat man als Zuschauer das starke Gefühl einen alten 50er Jahre Streifen zu sehen und da liegt meiner Meinung nach die einzigartige Kunst dieses genialen Filmwerks sowas zu erzeugen und einer letzten Vorstellung beizuwohnen. Es ist somit auch vermieden worden die triste Atmosphäre zu schönigen.Trotzdem ist dieser ganze Film ein elegischer und wehmütiger Abgesang des Kleinstadtlebens. Man verspürt unmittelbar einen großen Verlust, besonders wenn das Kino seine letzte Vorstellung gibt und die letzte Einstellung der verlassenen Hauptstraße, die wie eine vergessene Kulisse wirkt.

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Bezüglich dieser Thematik und überhaupt wegen allem ist dies einer der besten Filme die das US-Kino je hervorgebracht hat und dies ist auch zweifellos Bogdanovich`s MEISTERWERK!
Die Letzte Vorstellung war damals für mehrere Oscars nominiert,...u.a. in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Beste Kamera und für die beste Drehbuchadaption. Oscars bekamen hier Ben Johnson und Cloris Leachman für beste Nebenrollen.


10/10 melancholischen Kleinstadt-Dramen :jc_doubleup:

Ps. Peter Bogdanovich inszenierte im Jahre 1990 den Streifen TEXASVILLE, und ließ dieser Geschichte nach ca. 20 Jahren eine Fortsetzung folgen. Obwohl hier auch fast alle Darsteller von damals mitwirkten usw., ist dieser Film weitaus weniger gelungen und lange nicht so intensiv, wie der alte. Schon als ich Texasville Anfang der 90er Jahre sah, hatte ich das Gefühl ich würde eine Art Gemisch aus den TV-Serien Dallas und Denver Clan sehen. Bei bestimmten Filmen, die mir nicht gefielen, aber mein Interesse haben kriegen diese auch immer eine zweite und dritte Chance, aber das Gefühl bei Texasville blieb und er gefällt mir nicht. Reicht meiner Meinung nach nie und nimmer an DIE LETZTE VORSTELLUNG heran, denn was diesen so hervorragend auszeichnete bleibt der Fortsetzung in allen Punkten versagt.
Graf von Karnstein :laie_69:

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 Post subject: Re: DIE LETZTE VORSTELLUNG - Peter Bogdanovich
PostPosted: 17.07.2015 18:10 
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Wow hört sich der Film cool an .

Danke Graf, kannte ich gar nicht. Filme in so einer Kleinstadt und Jugendlichen mit ihren träumen die verblassen oder auch nicht schau ich gerne....

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