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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: VIVA LA MUERTE - ES LEBE DER TOD - Fernando Arrabal
PostPosted: 10.12.2012 21:02 
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kannst ja gerne noch Unterschiede suchen...

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 Post subject: Re: VIVA LA MUERTE - ES LEBE DER TOD - Fernando Arrabal
PostPosted: 11.02.2016 21:53 
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VIVA LA MUERTE - ES LEBE DER TOD

Produktionsland: Frankreich, Tunesien
Produktion: Hassen Daldoul, Jean Velter
Erscheinungsjahr: 1971
Regie: Fernando Arrabal
Drehbuch: Fernando Arrabal
Kamera: Jean-Marc Ripert
Schnitt: Laurence Leininger
Länge: ca. 86 Minuten
Freigabe: FSK Keine Jugendfreigabe
Darsteller: Fernando Arrabal, Mohamed Bellasoued, Mahdi Chaouch, Jean Louis Chassigneux, Suzanne Compte, Núria Espert, Anouk Ferjac, Víctor García, Ivan Henryques, Jazia Klibi


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Der junge Fando lebt in einem spanischen Armenviertel. In seinem Umfeld herrscht religiöser Fanatismus und Verrat. Fandos Mutter hat ihren Mann (der als Kommunist gilt) bei den Soldaten von General Francisco Franco angezeigt. Fando macht sich auf die Suche nach seinem Vater. Es beginnt eine Reise zwischen Traum und Realität.

Heidewitzka! Was war das denn schon wieder? Fernando Arrabal, der als Dramatiker des absurden Theaters gilt, verarbeitet mit VIVA LA MUERTA sein persönliches Trauma. Das mysteriöse Verschwinden seines eigenen Vaters und die Schrecken der Franco-Diktatur. Konstellationen, die Arrabal 1956 ins französische Exil führten.

Der Film spielt in der zweiten Hälfte der 30er Jahre und berichtet aus der Sicht des kleinen Jungen Fando. Dieser stammt aus extrem armen Verhältnissen. Seine Mutter gesteht ihm nicht, dass sie Fandos Vater denunziert hat. Erst im späteren Verlauf versucht sie dem Jungen klarzumachen, dass sein Vater einzig ein „roter Schädling“ war und vor vor diesem „fehlgesteuerten Menschen“ wollte sie nun mal ihren Jungen schützen. Auch eine Erklärung für das Einschleimen bei den Franco-Faschos. Diese Tatsache, Fandos Umfeld und das Verschwinden seines Vaters verbünden sich zum geballten Kern des Films. Ein Film, der in seiner Optik alles andere als zimperlich zu Werke geht.

Bereits die Präsentation der Credits erweist sich als sehr speziell. Ein Kinderlied wird zur Begleitung von eingeblendeten Zeichnungen, auf denen Tod und Folter zu erkennen ist, zum Besten gegeben. Völlig schräg. Doch das ist nur ein kleiner Ausflug ins Absonderliche. Der Großteil der Kuriositäten steht uns noch bevor. Diese lassen sich in den Tagträumen von Fando nieder. Es ist erstaunlich was sich im Kopf eines kleinen Jungen abspielen kann, wenn er innerhalb extremer Verhältnisse aufwächst. Die Visionen des Fando sind wie die eines Luis Buñuel im LSD Rausch. Wer Buñuels „Zeitalter“ und „Hund“ kennt und liebt, der kann sich ungefähr vorstellen: was ihm bei VIVA LA MUERTE bevorsteht. Die Imaginationen des Fando werden jeweils von einer Farbe (entweder Gelb, Blau, Rot, Lila etc.) dominiert. Was dabei gezeigt wird - ist unglaublich. Irgendwo zwischen Satire, Sadismus und Perversion angesiedelt.

Wer die straighte Vorgehensweise eines Films immer in den Vordergrund stellt und mit schrägen Absurditäten nichts im Sinn hat, der ist bei VIVA LA MUERTE vollkommen fehl am Platz. Das Werk ist als Kunstwerk und Anklage zu verstehen. Spannung gibt es keine. Aber viele seltsame und teilweise extrem widerliche Bilder.

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 Post subject: Re: VIVA LA MUERTE - ES LEBE DER TOD - Fernando Arrabal
PostPosted: 28.01.2018 18:36 
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Ja, das war's jetzt wieder, das ist genau das, was ich mir darunter vorstelle, was man im Allgemeinen so als "Kunstfilm" bezeichnet.
Ein Film, der eine "extreme" Bildsprache wählt, der sich in absolut keine Schubladen einordnen lässt und so ziemlich jede narrative Konvention ignoriert.
Arrabal inszeniert in dem autobiografisch gefärbten Film reihenweise Erinnerungen und Träume eines kleinen Jungen (also anscheinend Erinnerungen seiner eigenen Kindheit).
Radikal, brutal und unter exzessivem Farbfilter-Einsatz, womit daraus auch ein visuell außergewöhnliches Erlebnis wird und als Gesamtkunstwerk stellenweise zwar einen starken Magen erfordert, aber trotzdem auf seine Art zweifellos auch sehr faszinierend ist, wenn man sich darauf einlässt.
VIVA LA MUERTE ist sicher nicht "schön" oder "angenehm" im klassischen Sinn, aber er entwickelt eine starke Sogwirkung, die schnell in ihren Bann zieht.
Möchte man zu einem anderen großen Surrealisten Parallelen ziehen, wäre sicher eher Jodorowsky passend als bspw. Buñuel.
Schon weil Arrabal ja zuvor schon mit Jodorowsky zusammengearbeitet hat.
Jodorowskys erster Langfilm FANDO Y LIS basiert ja auf einem Stück von Arrabal und genau das zitiert er hier auch am Ende.
Wer also an Jodorowsky-Filmen gefallen findet, der wird mit größter Wahrscheinlichkeit auch an ES LEBE DER TOD seine Freude haben.
Mir als Jodorowsky-Fan ist der Film locker 8,5/10 wert.


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