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MONDO DI NOTTE – WELT OHNE SCHAM - Gianni Proia
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Author: Howard Vernon [ 16.03.2019 16:26 ]
Post subject: MONDO DI NOTTE – WELT OHNE SCHAM - Gianni Proia

MONDO DI NOTTE – WELT OHNE SCHAM
Originaltitel: IL MONDO DI NOTTE NUMERO 3
Englischsprachige Version in veränderter Schnittfassung als ECCO veröffentlicht
Italien 1963
Regie: Gianni Proia

Image

Zur US-amerikanischen Fassung ECCO:

Der 1963 entstandene italienische Mondo-Film IL MONDO DI NOTTE NUMERO 3 sollte in den US-amerikanischen Kinos unter dem Titel ECCO veröffentlicht werden. Gianni Proias Werk, welches in manipulativer Weise vortäuscht, eine Filmdokumentation zu sein, setzt dabei ganz auf den Erfolg des zuvor gedrehten MONDO CANE (Italien 1962), wo ebenso unter der männlichen Kommentarstimme aus dem Off – und mit der wunderbaren Musik von Riz Ortolani – die „Perversionen“ dieser Welt einem staunenden Publikum präsentiert werden. Bob Cresse, der für den Vertrieb von IL MONDO DI NOTTE in den USA verantwortlich war, erweiterte die Version aus Italien dann allerdings noch um weitere Szenen, so dass im Endschnitt sein ECCO herauskommen sollte. Unter anderem ist sodann in der USA-Fassung eine Sequenz dabei, die einen Bodybuilder-Wettbewerb in einem Theater zeigt, das nur von Frauen besucht ist, wobei die Besucherinnen ihre gierigen Blicke („Ecco!“) auf die männlichen Körper werfen – doch gibt es umgehend ausgleichende Gerechtigkeit, insofern nämlich: eine muskulöse Sängerin zerreißt während ihres Auftrittes ein Telefonbuch! Lee Frost, der später für zahlreiche Exploitation-Filme als Regisseur reüssieren wird, hatte dabei den Schnitt übernommen und damit einen Film geschaffen, der für meinen Geschmack dann doch etwas zu lange geworden ist (ECCO nähert sich der 2h an). Und zugleich wäre dann auch zu sagen, dass die Themenwahl doch sehr willkürlich erscheint. Allerdings fällt hierbei auf, dass sich das Dargebotene kaum auf die „dritte Welt“ konzentriert (was bei vielen anderen Mondo-Filmen der Fall wäre), sondern vor allem die europäischen Nationen und besonders die USA den Fokus der Aufmerksamkeit bilden. Darin möchte ich nicht sosehr eine moralische Deutung erkennen – wahrscheinlich hatte bereits Gianni Proias Fassung diesen Weg vorgegeben. So beginnt der Film in West-Berlin und zeigt eine Burschenschaft beim Trinken und beim Fechtkampf, was von der Stimme George Sanders‘ ironisch begleitet wird. Auch Paris wird thematisiert – wir sehen die Schönen und die Reichen, während im Parallelschnitt die Bettler billigen Rotwein trinken. Weitere, eher spektakelarme Episoden folgen. ECCO braucht doch etwas Zeit, bis der Attraktions-suchende Zuschauer angesprochen wird. Nach einer Weile erkennt man diesbezüglich einen Erzähl-Rhythmus, der zwischen gewaltsamen und erotischen Elementen in den Episoden pendelt. Wir sehen Striptease-Akts auf der Bühne (eine Wahl zum „schönsten Po“ ist ebenfalls dabei), aber auch Brutalitäten. Szenen, bei denen eine junge Frau nach alter Sitte mit ihren Zähnen ein Rentier kastriert (!) oder ein Fakir seinen Körper mit Dolchen durchsticht, zählen dabei wohl zu den fragwürdigen Höhepunkten. Darüber hinaus fällt jedoch dann auch bei fielen Sequenzen deren „Inszeniert-Sein“ auf. Besonders die schwedische Szene wirkt theatralisch und absurd, wenn zwei Jugendliche auf dem Autodach Sex haben und zeitgleich ein weiterer Halbstarker die anwesenden Schaulustigen um eine Geldspende bittet – übrigens ohne Erfolg. Auch die „Schwarze Messe“ reiht Klischee an Klischee und wird sicherlich damals schon nur wenige Zuschauer geschockt haben. Was bleibt, ist ein historisches Stück Exploitation-Kino, welches zu keinem Zeitpunkt an MONDO CANE heranreicht – ich bewerte hierbei nur die ästhetische Eleganz des Vorgängerfilms, die von ECCO nicht erreicht wird – inhaltlich ist das Mondo-Genre natürlich immer auf „Enthüllung“ und somit auf Denunziation ausgerichtet. Doch ist größtenteils dieses „Bloßstellen“ in Bob Cresses ECCO eher spielerisch ausgefallen, so dass sich das Gezeigte zumeist selbst als „gemacht“ denunziert… also: „Komm und sieh“…


Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be

Author: Jokerfive [ 16.03.2019 17:37 ]
Post subject: Re: MONDO DI NOTTE – WELT OHNE SCHAM - Gianni Proia

In der schlagenden Studentenverbindung sieht man übrigens unter anderem Eberhard Diepgen, den späteren regierenden Bürgermeister von Berlin. Im Wikipedia-Beitrag zum Film heißt es:

Quote:
Vor über 10 Jahren präsentierte das ARD-Magazin panorama die Szene aus Berlin und fragte, ob die Zuschauer womöglich einen der Studenten wiedererkennen würden. Die Lösung: Unverkennbar war dort der spätere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen beim Biertrinken beim Salamander sowie seine Kommilitonen Klaus-Rüdiger Landowsky und Peter Kittelmann bei einer Mensur zu sehen. In der folgenden Sendung entschuldigte sich der Moderator, er sei untröstlich, aber er könne die vielen Zuschauerwünsche nach einer Wiederholung nicht erfüllen. Leo Kirch habe die Wiederaufführung verboten.


Der Panorama-Beitrag erschien 1986, ist also mittlerweile mehr als 10 Jahre alt. Inzwischen ist der Beitrag wieder zu sehen auf der NDR-Webseite: NDR: Filz, Intrigen, Skandale - Diepgens Freunde und die Pleite (siehe erstes Video).

Author: Jokerfive [ 16.03.2019 17:40 ]
Post subject: Re: MONDO DI NOTTE – WELT OHNE SCHAM - Gianni Proia

Jokerfive wrote:
In der schlagenden Studentenverbindung sieht man übrigens unter anderem Eberhard Diepgen, den späteren regierenden Bürgermeister von Berlin. Im Wikipedia-Beitrag zum Film heißt es:

Quote:
Vor über 10 Jahren präsentierte das ARD-Magazin panorama die Szene aus Berlin und fragte, ob die Zuschauer womöglich einen der Studenten wiedererkennen würden. Die Lösung: Unverkennbar war dort der spätere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen beim Biertrinken beim Salamander sowie seine Kommilitonen Klaus-Rüdiger Landowsky und Peter Kittelmann bei einer Mensur zu sehen. In der folgenden Sendung entschuldigte sich der Moderator, er sei untröstlich, aber er könne die vielen Zuschauerwünsche nach einer Wiederholung nicht erfüllen. Leo Kirch habe die Wiederaufführung verboten.


Der Panorama-Beitrag erschien 1986, ist also mittlerweile mehr als 10 Jahre alt. Inzwischen ist der Beitrag wieder zu sehen auf der NDR-Webseite: NDR: Filz, Intrigen, Skandale - Diepgens Freunde und die Pleite (siehe erstes Video).

Author: Howard Vernon [ 16.03.2019 20:23 ]
Post subject: Re: MONDO DI NOTTE – WELT OHNE SCHAM - Gianni Proia

Jokerfive wrote:
In der schlagenden Studentenverbindung sieht man übrigens unter anderem Eberhard Diepgen, den späteren regierenden Bürgermeister von Berlin.


Ja, Dr. Giesen erwähnt dies auch in einem AK (ich glaube es war DRACULAS RÜCKKEHR), und gerade die Berliner hätten den Filmausschnitt ständig sehen wollen...

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