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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 14.05.2014 20:38 
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Italien/Deutschland 1969
aka, Check to the Queen

Darsteller: Rosanna Schiaffino, Haydée Politoff, Romolo Valli, Aldo Giuffrè, Daniela Surina, Gabrielle Tinti
Score: Piero Piccioni

Eine eigentlich überhaupt nicht mittellose Frau, eigentlich eher im Gegenteil, fängt bei einer bekannten Schauspielerin zu Arbeiten an. Als eine art bezahlte Freundin, zeitvertreib Wesen, das immer mehr zur ihrer Sklavin wird.
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Ja das ist die unglaubliche Story! Die Frau verabschiedet sich von ihrem Ehemann ein Geschäftsmann am Flughafen, sie hat keine lust mit ihm nach Tokio zu reisen wo dieser Geschäftlich zu tun hat. Sie mag seine angeblich so tollen Städte nicht. Da hätt er sie ja nicht heiraten brauchen meint er...
Auf dem Weg zurück schwelgt sie in Erotischen Fantasien die leicht Sado angehaucht sind. Sie fährt aber nicht nach Hause, sondern zu dieser Schauspielerin wo auch ihre Freundin arbeitet.
Sie bittet dort um eine Stelle, verwundert fragt die Schauspielerin noch ob ihre Perlenkette denn echt sei. Ist sie, nun gut wenn sie unbedingt hier Arbeiten will als bezahlter Zeitvertreib, der schon auch mal hinterherräumen muss.
Es läuft auch alles gut bis zu einer Party, wo sie sich Nackens als Statue verkleidet in den Park stellen muss und nicht betatscht werden will. Daraufhin kommt sie beim Farbe abwischen einem Freund der Schauspielerin näher, was diese beobachtet und es zur Eskalation kommt.
Nach ein Paar Tagen in Haft, wird der Frau freigestellt zu gehen, sie will bleiben, lieber Sklavin sein, denn die Welt da draussen pakt sie nimmer. Sie will nur noch im Luxeriösen Haus der Schauspielerin verweilen, egal was sie dafür tun muss....
Daraufhin lässt sie auch alles über sich ergehen, bis sie am Ende bei einer Party versteigert wird um jemandem anders als Sklave zu dienen.
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Unglaublicher Film den Campanile hier abliefert, das einem Solide arbeit bei ihm erwartet das ist klar, denn er war ein könner was er in vielen Filmen bewießen hat.
Hier fährt er die Schiene "Style over Substance" könnte man sagen. Unglaublich ist das von aussen eher unscheinbare Herrschaftshaus eingerichtet, moderner und obskurer geht es nicht. Gar ein elektrisches Reitpferd hat sie!
In dieser für damalige verhältnisse Futuristisch anmutenden Welt lässt es sich gut leben.
Und es ist ein Frauenhaushalt, hippe Klamotten und Stündliche umkleidungs und Stylungsorgien gehören zum Alltag.
Neben einem Hervorglänzendem Score, der aus einem Giallo entnommen sein könnte, würzen auch noch so einige Nacktheiten das geschehen.
Natürlich nicht von Hauptdarstellerin "Rosanna Schiaffino", die ein Fieses undurchschaubares Frauenzimmer gibt, das gerne seine Spielchen spielt.
Die Zweite Hauptrolle " Haydée Politoff" zeigt uns dann dafür was sie zu bieten hat. Auch eine sehr undurchschaubare Rolle. Weshalb wird diese Verheiratete Frau freiwillig zur Sklavin?? Kann sie wirklich nicht mehr anders leben, geht ihr die Aussenwelt sowas von ab? Das sie nur noch in diesem Haus leben möchte, abgeschottet von allem ???
Gerne schwelgt sie auch in Erotischen Fantasien, die in den Schönsten Regenbogen Farben präsentiert werden. Sie lässt sich verwöhnen, gerne auch Auspeitschen und vieles Mehr in ihren Träumen.
Mit Farbfiltern wurde hier viel gearbeitet!
"Gabrielle Tinti" darf hier auch seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen, wie später mit Emanuelle...
Für Cineasten, freunde der sechziger/siebziger und denjenigen die auf diese epischen Italo Scores mit Edda del Orso Chor stehen.
7/10, ganz verstehen muss man einen Film ja nicht immer...
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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 18.09.2014 02:06 
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Bitte um eine schöne Veröffentlichung.....der Soundtrack ist auch ....extraordinär....!!!!

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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 14.02.2015 16:27 
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Heureka! Der sieht aber seeeehr interessant aus und ist vor allem im September letzten Jahres von Mondo Macabro erschienen! :o

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 Post subject: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 17.06.2019 20:24 
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SCACCO ALLA REGINA
Englischer Titel: THE SLAVE
Italien 1969

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Regie:
Pasquale Festa Campanile
Darsteller:
Rosanna Schiaffino,
Haydée Politoff,
Gabriele Tinti,
Daniela Surina



Musik: Piero Piccioni
youtu.be Video from : youtu.be




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Mit SCACCO ALLA REGINA hat Regisseur Pasquale Festa Campanile 1969 einen Film vorgelegt, der aufgrund seiner beeindruckenden Set-Inszenierung auch heute noch beeindrucken dürfte. Zugleich reiht Campaniles Werk sich zu jenen Filmen dieser Zeit, die mit dem sadomasochistischen Motiv spielen. Allerding ist es hier weniger der Geschlechterkampf, welcher Campanile interessiert (dazu beispielsweise die Filme: FEMINA RIDENS von Piero Schivazappa [1969] und CAMILLE 2000 von Radley Metzger [1969]). Stattdessen wird eine rein weibliche Interaktion des Sadomasochismus dargestellt, die in einer exklusiven Welt der Oberschicht spielt. Inwieweit damit dann auch sozialkritische Fragen aufgeworfen werden, soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Für mich hat der Film vor allem wegen der oben schon beschriebenen Kunsthaftigkeit „funktioniert“, und deshalb möchte ich die sadomasochistische Thematik einzig nur in einen Kunstbezug (im Sinne einer möglichen „Gegenwelt) setzen…

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Silvia (Haydée Politoff), eine wohlhabende Frau aus adeligem Hause, tritt eine Stellung als Hausdienerin bei der bekannten und kultisch verehrten Filmschauspielerin Margaret (Rosanna Schiaffino) an. Bereits beim Vorstellungsgespräch lässt die Filmdiva ein großes sadistisches Potential erkennen, indem sie Silvia eine Illustrierte zum Aufheben auf den Boden wirft. Gleichwohl ist diese Demütigung aber nur ein harmloses „Vorspiel“, denn mit den Tagen steigern Margarets Erniedrigungen sich ständig, nehmen zunehmend groteskere Züge an. Dies gipfelt unter anderem darin, dass Silvia in einem Film, den Margaret gerade abdreht, sich anstelle der Schauspielerin von einem Drehpartner (Gabriele Tinti) ohrfeigen lassen muss, da die Diva dafür nicht bereit ist. Auch andere „Bestrafungen“ folgen im Hause der Schauspielerin, die Silvia augenscheinlich selbst herbeigewünscht hat. So wird die adlige Silvia ständig von masochistischen Phantasien sowie Tagträumen ergriffen, die sie nun endlich bei der sadistisch veranlagten Margaret ausleben kann. Silvias Stellung als Hausdienerin wandelt sich mehr und mehr in die der Haussklavin Margarets. Es zeigt sich, dass Silvias Masochismus eine sexuelle Lust bedient, die sie beim Geschlechtsakt nicht auszuleben vermag. Ihre sexuelle Befriedigung fokussiert sich auf eine masochistische Objektivierungssucht, nämlich: auf die Lust, ständig zum Objekt degradiert zu werden. Dabei zeigt sich auch ein Hang zum Narzissmus, der in der Lust besteht, sich in einem Spiegel ständig zu verdoppeln, beziehungsweise: sich als Abbild (also getrennt vom Selbst) wahrzunehmen – und damit eine Art von „Idealbild“ zu schaffen, das unerreichbar wäre – wie auch das Gefesselt-Sein und die psychischen Geißelungen durch Margaret Silvias Selbst paralysiert (und in einer besonders eindeutigen Szene, die den erwünschten Objekt-Status Silvias beschreibt, wird sie, die narzisstische Masochistin, selbst zur Skulptur auf einem Fest). Schlussendlich lebt Silvia ihre masochistischen Wünsche in solch einer intensiven Weise aus, dass sie in Margaret ihr eigenes „Idealbild“ entdeckt. Als Margaret eingeschlafen ist, will Silvia sich mit einem Kuss mit diesem „Ideal“ verbinden, was gleichzeitig den Zorn der Schauspielerin erregt, die dadurch die Distanz zwischen sich, der Herrin, und der Sklavin zerstört sieht. Die Folge daraus ist, dass Margaret bei einem Abendessen ihre „Sklavin“ zum Kauf wie auf einem orientalischen Markt anbietet. Silvia wird umgehend ersteigert und muss das Haus ihrer Herrin verlassen. Der Film lässt offen, ob Silvia ihre Rolle als Haussklavin dann auch bei ihrem neuen Herrn weiterspielt…

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Neben Silvias Masochismus wird in SCACCO ALLA REGINA aber noch eine weitere Ebene thematisiert. Margarets Position verkörpert ebenso das Rauschmotiv, das sich sodann bei Silvia in ihrem masochistisch narzisstischen Gegenmodell zur sexuellen Heteronormativität darstellt. Schon Margarets Position als Filmdiva zeigt dahingehend eine gewisse Ablösung von der Alltagsrealität. Und diese Normablösung wird im Haus der Schauspielerin explizit dargestellt – begegnen wir dort doch einer ästhetizistischen Traumwelt, die keinerlei Maß in ihren exklusiven Entäußerungen zu besitzen scheint. Die Innenrauminszenierungen von Margarets Haus, ihr Modegeschmack oder auch das sexuelle Spiel mit Silvia verraten ein Selbstbildnis, welches quasi als verkehrte Spiegelung des Alltäglichen zu bewerten wäre. Margaret schafft sich so eine künstliche Gegenwelt, in der sie alleine herrscht und in der die Außenwelt obsolet ist. Exemplarisch sei dazu auf die Szene hingewiesen, in der die Diva ein mechanisches Pferd in ihrer Wohnung reitet, sprich: das künstlich erzeugte Pferd hat hier ein lebendiges überflüssig gemacht. Margarets Kunstwelt dominiert in dieser Hinsicht die konfliktbelastete Alltagswelt. Insofern bietet SCACCO ALLA REGINA zwei Wahrnehmungspole zur Weltflucht an: Wir hätten einmal Silvias masochistische Vision, die auf Selbstzerstörung aufgebaut ist; und wir hätten darüber hinaus die Perspektive Margarets, die quasi prometheisch ihre eigene Welt schafft. „Zeugen“ (Margret) und „Zerstören“ (Silvia) scheinen damit die beiden zentralen „schöpferischen“ Möglichkeit des Films zu sein, die dem Zuschauer angeboten werden…


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(Bildquellen: *** The link is only visible for members, go to login. *** / *** The link is only visible for members, go to login. ***)

Szene aus einer Traumsequenz Silvias:
youtu.be Video from : youtu.be


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 17.06.2019 21:09 
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Klingt sehr interessant, danke für die Vorstellung!
Neben der Thematik lässt mich ja die Mitwirkung von Daniela Surina hellhörig werden, die ich sehr gerne sehe.
Wie macht sie sich denn in diesem Szenario, oder handelt es sich nur um eine kleinere Nebenrolle?
Leider ist ihre filmische Laufbahn ja nicht besonders üppig ausgefallen.


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 17.06.2019 21:19 
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Prisma wrote:
Neben der Thematik lässt mich ja die Mitwirkung von Daniela Surina hellhörig werden, die ich sehr gerne sehe.
Wie macht sie sich denn in diesem Szenario, oder handelt es sich nur um eine kleinere Nebenrolle?


Ich bin eigentlich sehr davon überzeugt, dass Dir (und sicherlich auch Richie Pistilli) der Film ganz ausgezeichnet gefallen dürfte...
das Setting ist einfach grandios, der Soundtrack beeindruckend schön - und die beiden Frauenrolle genial umgesetzt...
(als Tipp: die Mondo-Macabro-BD lässt keine Wünsche offen)...
zu Deiner Frage: da sich der Film eigentlich nur auf Silvia und Margret konzentriert - ist eh kaum Platz für weitere tragende Figuren (Männer gibt es fast überhaupt keine - außer sie sind "Sexspielzeuge" wie Tintis Figur)... wenn es aber einen weiteren wichtigen Charakter gibt, dann ist es der von Surina, die eine weitere Dienerin spielt (während Silvia aus Lust die Sklavin gibt, muss Surinas Figur wegen dem Geld sich ausbeuten lassen)... ich würde sagen, dass Surina eine ähnliche Rolle hier gibt wie in DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES, wo sie ebenfalls sehr devot auftritt...


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 17.06.2019 21:40 
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Howard Vernon wrote:
ich würde sagen, dass Surina eine ähnliche Rolle hier gibt wie in DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES, wo sie ebenfalls sehr devot auftritt...

Oh, das klingt ja spannend, zumal ich gerade die Rolle der Irène besonders interessant finde und von Anfang an sehr schätze.
Dann kann ich mir die Daniela Surina ja schon mal ein kleines bisschen vorstellen, aber natürlich wird kein Weg an Live-Eindrücken vorbeiführen. ;)


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 17.06.2019 21:47 
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Prisma wrote:

Dann kann ich mir die Daniela Surina ja schon mal ein kleines bisschen vorstellen, aber natürlich wird kein Weg an Live-Eindrücken vorbeiführen. ;)


So ist es - anbei schon einmal ein kleiner bildlicher Surina-Eindruck:

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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 17.06.2019 21:56 
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Howard Vernon wrote:
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Ja, die ist einfach klasse, aber wie ich sehe, gibt es da noch andere wichtige Damen. :D
Danke schonmal für den Schnappschuss!


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 17.06.2019 22:54 
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Howard Vernon wrote:
Ich bin eigentlich sehr davon überzeugt, dass Dir (und sicherlich auch Richie Pistilli) der Film ganz ausgezeichnet gefallen dürfte...

Muss gestehen, dass ich mit dem Film bis dato nicht richtig warm geworden bin, obwohl er eigentlich genau mein Ding sein müsste. Habe noch vage in Erinnerung, dass mich die Geschichte ziemlich kalt gelassen hat - das drumherum war aber schon prima. Übrigens: Das Durchlesen Deiner feinen Filmvorstellung weckte gerade mein Interesse an einem filmischen Refresh :)


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 18.06.2019 16:04 
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Richie Pistilli wrote:
Muss gestehen, dass ich mit dem Film bis dato nicht richtig warm geworden bin, obwohl er eigentlich genau mein Ding sein müsste. Habe noch vage in Erinnerung, dass mich die Geschichte ziemlich kalt gelassen hat...


Da hast Du sicherlich recht, dass der Film seinen Zuschauer nicht unbedingt "mitnimmt" - Erklärungen oder ein möglicher Interpretationsansatz für das sexuelle Verhalten der beiden Frauen werden ja überhaupt nicht gegeben (selbst Buñuel gibt in seinem ähnlich gelagerten "Belle de Jour" ein paar Hintergrundinformationen); SCACCO fängt umgehend mit dem passiv aggressiven Verhalten Silvias an, das sie ihrem liebevollen Mann gegenüber an den Tag legt, dann folgt die Szene im Straßenverkehr, die als eine "körperliche" Einengung Silvias inszeniert ist, welche quasi "gestisch verschnürt" in ihrem Auto sitzt - und auch über Margrets Vorleben ist nichts zu erfahren; von daher wird der Zuschauer ins kalte Wasser geworfen und muss selbst möglichen Hinweisen nachgehen (vielleicht hätte man "Carla Maria Mannini" aus "Escalation" für eine Psychoanalyse einbauen sollen :)) - jedenfalls denke ich, dass die Stil-Schönheit des Films (ein Gesamtkunstwerk aus Bild, Dialog und Musik) weniger einen dekorativen Rahmen für die Geschichte bildet (was ich durchaus Dallamanos "Venus im Pelz" unterstellen möchte, gleichwohl ich den Film - wegen seiner stilvollen Inszenierung - mag), als dass vielmehr Campaniles Stil einen En­nui verdecken soll, unter dem sowohl Silvia als auch Margret leiden - die eine flüchtet sich in die Unterwürfigkeit und die andere "schafft" ästhetische Gegenwelten; möglich wäre dann auch - ich hatte es in meiner Einleitung angedeutet -, dass dahinter vielleicht dann auch eine Sozialkritik an einer dekadenten Oberschicht stecken könnte (vielleicht sogar im Sinne der Faschismustheorie der Frankfurter Schule); diesbezüglich sagt ein Charakter in einer Szene sinngemäß zu Margret: "Im sozialistischen Italien einen Sklaven zu haben, sei doch recht ungewöhnlich" - Campanile nimmt das sadomasochistische Thema ja ebenfalls in seinem "Autostop rosso sangue" auf, und dort wird die Thematik aber wieder gänzlich anders geschildert - eher "naturalistischer", was besser zu dem Paar und dem Sadisten passt, die alle nicht der Oberschicht wie in SCACCO entstammen... wie gesagt, der Film legt so einige Fäden zur Deutung aus...


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 21.06.2019 18:02 
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Howard Vernon wrote:
Da hast Du sicherlich recht, dass der Film seinen Zuschauer nicht unbedingt "mitnimmt" - Erklärungen oder ein möglicher Interpretationsansatz für das sexuelle Verhalten der beiden Frauen werden ja überhaupt nicht gegeben (selbst Buñuel gibt in seinem ähnlich gelagerten "Belle de Jour" ein paar Hintergrundinformationen)

Könnte gut möglich sein, dass mir genau dieser Sachverhalt den Zugang erschwerte, wobei ich mich -wie bereits geschrieben- an so gut wie keine Einzelheiten mehr erinnern kann.



Howard Vernon wrote:
SCACCO fängt umgehend mit dem passiv aggressiven Verhalten Silvias an, das sie ihrem liebevollen Mann gegenüber an den Tag legt, dann folgt die Szene im Straßenverkehr, die als eine "körperliche" Einengung Silvias inszeniert ist, welche quasi "gestisch verschnürt" in ihrem Auto sitzt - und auch über Margrets Vorleben ist nichts zu erfahren; von daher wird der Zuschauer ins kalte Wasser geworfen und muss selbst möglichen Hinweisen nachgehen (vielleicht hätte man "Carla Maria Mannini" aus "Escalation" für eine Psychoanalyse einbauen sollen :)) - jedenfalls denke ich, dass die Stil-Schönheit des Films (ein Gesamtkunstwerk aus Bild, Dialog und Musik) weniger einen dekorativen Rahmen für die Geschichte bildet (was ich durchaus Dallamanos "Venus im Pelz" unterstellen möchte, gleichwohl ich den Film - wegen seiner stilvollen Inszenierung - mag), als dass vielmehr Campaniles Stil einen En­nui verdecken soll, unter dem sowohl Silvia als auch Margret leiden - die eine flüchtet sich in die Unterwürfigkeit und die andere "schafft" ästhetische Gegenwelten; möglich wäre dann auch - ich hatte es in meiner Einleitung angedeutet -, dass dahinter vielleicht dann auch eine Sozialkritik an einer dekadenten Oberschicht stecken könnte (vielleicht sogar im Sinne der Faschismustheorie der Frankfurter Schule); diesbezüglich sagt ein Charakter in einer Szene sinngemäß zu Margret: "Im sozialistischen Italien einen Sklaven zu haben, sei doch recht ungewöhnlich" - Campanile nimmt das sadomasochistische Thema ja ebenfalls in seinem "Autostop rosso sangue" auf, und dort wird die Thematik aber wieder gänzlich anders geschildert - eher "naturalistischer", was besser zu dem Paar und dem Sadisten passt, die alle nicht der Oberschicht wie in SCACCO entstammen... wie gesagt, der Film legt so einige Fäden zur Deutung aus...

Wow! :shock: Deine vorzügliche Ausführung steigert gerade meine Laune auf ein baldiges Refresh um ein Weiteres. Schätze mal, dass SCACCO ALLA REGINA bei mir einen ähnlichen Eindruck hinterließ, wie Corrado Farinas BABA YAGA, denn dieser ließ mich nach der Erstsichtung auch recht ratlos zurück. Als ich dem Film aber vor ca. einem Jahr eine erneute Chance einräumte, schlug er bei mir wie eine Bombe ein. Und genauso könnte es mir dann mit SCACCO ALLA REGINA auch ergehen....

Leider habe ich momentan einfach zuviel um die Ohren, wodurch es vermutlich noch bis zum nächsten Wochenende dauern wird, bis ich endlich die richtige Muße dazu finde. :|


ps: Den Gedanken hinsichtlich der Einbindung meiner allerliebsten Psychotherapeutin Carla Maria werde ich mir übrigens während des erneuten Ansehens auch etwas genauer durch den Kopf gehen lassen. :)



ps II: exploitation-trash-f10/scacco-alla-regina-pasquale-festa-campanile-t7495.html :D


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 23.06.2019 16:21 
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Richie Pistilli wrote:
[...]Schätze mal, dass SCACCO ALLA REGINA bei mir einen ähnlichen Eindruck hinterließ, wie Corrado Farinas BABA YAGA, denn dieser ließ mich nach der Erstsichtung auch recht ratlos zurück.



Das freut mich natürlich, dass ich Deine Neugierde dann doch für den Film neuerlich wecken konnte - und wenn Du Mal Zeit und vor allem Lust hast (die Grundvoraussetzung, um sich auf solch einen eher ungewöhnlichen Film überhaupt einzulassen), dann denke ich, dass Du durchaus etwas im Film finden wirst, was Dir gefallen könnte - der Vergleich mit BABA YAGA ist nicht schlecht gewählt, ich kannte und kenne die Comics nicht, auf denen der Film basiert, aber Farinas Stil hat bei mir ebenso Eindruck hinterlassen...




und natürlich: bitte zusammenfügen - die Suchfunktion war bei mir wieder einmal fruchtlos...


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 Post subject: Re: SCACCO ALLA REGINA - Pasquale Festa Campanile
PostPosted: 23.06.2019 17:13 
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