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Roger Corman: How I Made a Hundred Movies in Hollywood...
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Author: Papayo [ 17.05.2011 16:44 ]
Post subject: Roger Corman: How I Made a Hundred Movies in Hollywood...

...and Never Lost a Dime (1990):

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Das Buch dürfte einigen bekannt sein, aber da ich es für eine der unterhaltsamsten filmbezogenen Autobiografien halte, soll ein eigener Thread nicht fehlen.

Der König der 'B's feuert zusammen mit Ko-Autor Jim Jerome auf knapp 240 Seiten ein höchst amüsantes Triviafeuerwerk aus seiner langen Karriere als Independentgröße ab. Von Cormans Beinahe-Laufbahn als Zuhälter in Paris über LSD-induzierte Diamantenschifffrauen bis hin zur Frage, wieso sich eine Highschool zu Disco-Musik nur schlecht in die Luft jagen lässt: Quisquilien vornehmlich komischer Couleur machen dieses Buch aus. Über weite Strecken liest es sich wie ein komprimiertes Making-of von Cormans wichtigsten Filmen, angereichert mit vielen lustigen Anekdoten, die in Summe den Menschen Corman recht eindrücklich umreißen. Samuel Arkoff, Jack Nicholson, Ron Howard, Martin Scorsese, Peter Fonda, Peter Bogdanovich, Joe Dante, Shelley Winters, Jonathan Kaplan u. v. a. mehr kommen in pointierten Gastkommentaren im O-Ton zu Wort. Ich gebe gerne zu: An einigen Stellen habe ich ge'lol't, wie die Kids von heute das wohl nennen. Cormans stetes Bestreben, seinen legendären Ruf als Sparmeister einzuzementieren, verleiht dem ganzen eine weitere (z. T. ungewollt) humorige Note. Ebenso sein Bemühen als konservativer Erzpuritaner, sich in der liberalen Avantgarde zu positionieren.

Corman erzählt hauptsächlich von seinen eigenen Regiearbeiten, die Produzenten- und Distributorenkarriere kommt vergleichsweise etwas kurz; wie überhaupt auch ein paar hundert Seiten mehr seiner enormen Filmografie wohl kaum hätten gerecht werden können. So bleibt für meinen Geschmack für die aufregende Zeit der New World Pictures samt aus dem Ausland zugekauften Filmen zu wenig Raum, seine spätere Concorde-New Horizons-Unternehmung wird durchgewunken. Privates bleibt weitgehend außen vor (gottseidank!). Das Buch endet mit Frankenstein Unbound, seiner Rückkehr ins Regiefach. 20 Jahre sind inzwischen vergangen: Wie wär's mit einem Update, Roger?

Wer so wie ich übersättigt ist mit saftlosen, selbstverliebten Schauspielerbiografien, in denen über alles nur nicht über Filme und ihre Entstehung gesprochen wird, wird seinen Spaß an How I Made a Hundred Movies in Hollywood and Never Lost a Dime haben. Corman verschont uns mit belanglosen Lebensweisheiten und liefert eine knackige, wenn auch nur bedingt kritische Übersicht seiner Karrierestationen. Gute Unterhaltung ist in jedem Fall garantiert!

Author: percyparker [ 18.05.2011 20:09 ]
Post subject: Re: Roger Corman: How I Made a Hundred Movies in Hollywood..

Jo, ein äußerst unterhaltsames und mit vielen interessanten Infos gespicktes Buch. Kann mich im großen und ganzen nur deinen Ausführungen anschließen. Nur:

Papayo wrote:
Ebenso sein Bemühen als konservativer Erzpuritaner, sich in der liberalen Avantgarde zu positionieren.


Corman ein Erzpuritaner!? :?: :shock: Da wird wohl jeder echte Puritaner schwerstens beleigt sein... ;) Und ob Corman Avantgarde ist, darüber kann man vielleicht streiten. Für mich ganz klar "Ja", aber es kommt wohl auf die Begriffsdefinition an. Dass Corman allerdings ausgesprochen liberal eingestellt ist (und zwar schon bevor das in den 70ern in den USA en vogue wurde) und das auch immer wieder zum Thema seiner Filme gemacht hat, werden ihm wohl noch nicht mal seine ärgsten Kritiker absprechen.

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