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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: ALLEIN GEGEN DAS GESETZ - Eriprando Visconti
PostPosted: 21.01.2014 07:49 
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Inhaltsangabe:
Luisa, Claudio Santinis junge Gattin, wird für die Ermordung der Geliebten ihres Mannes zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
Der Prozess wird in großer Eile und wenig überzeugend abgewickelt, so daß der junge Rechtsanwalt Manin (Terence Hill) an sich zu zweifeln beginnt.
Luisa werden von ihrer Strafe 3 Jahre erlassen.
Sie sucht ihren Mann auf und entdeckt, daß er mit der Frau zusammenlebt, für deren Ermordung sie unschuldig verurteilt worden war.
Aus Zorn tötet sie ihre Revalin nun wirklich und beharrt wie in einem Wahnzustand darauf, nicht mehr gesetzlich verfolgt werden zu können,
da sie die Strafe für diesen Mord bereits verbüßt hat. Diesmal verteidigt sie Rechts-anwalt Manin. (Ofdb)

Allein gegen das Gesetz (1971)
Hat mir als Parabel darauf, dass Rechtsprechung nicht unbedingt etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat ausgezeichnet gefallen.
Terence Hill in einer ernsthaften Rolle zu sehen, ist ebenfalls eine gute Abwechslung.
Was mir nach dem Ansehen erst aufgefallen ist, ist, dass La Orca - Gefangen, geschändet, erniedrigt (1976) vom gleichen Regisseur ist.
Zwei solch starke Filme in der Filmografie zu haben, ist nichts alltägliches.

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 Post subject: Re: ALLEIN GEGEN DAS GESETZ - Eriprando Visconti
PostPosted: 18.08.2014 15:01 
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Eriprando Visconti hat mit dem Film offensichtlich versucht, sich mit den Großen des Politthrillers auf eine Stufe zu stellen.
Dies gelingt ihm zwar nicht ganz, aber dennoch ist das ganze sehr gut durchdacht und geht außergewöhnlich detailliert auf die Umstände der beiden Morde ein.
Dazu noch ein (für mich zumindest) ziemlich komplizierter zweiter Prozess und ein undurchsichtiger Staatsanwalt.
Man verzichtet hier weitestgehend auf emotionale, impulsive Szenen, was aber in diesem Fall nicht negativ ins Gewicht fällt.
Im Gegenteil, es war sogar eine gute Entscheidung, denn stattdessen hat Visconti desöfteren die Umstände des zweiten Mordes in Ausschnitten gezeigt. (Weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll, diejenigen, die den Film kennen, wissen hoffentlich, was ich meine)
Selbstverständlich werden die Morde an sich auch sehr kurz gehalten um nicht zu sehr vom eigentlichen Thema abzukommen.
Was mich aber gewundert hat, ist, dass Visconti die Morde im wahrsten Sinne des Wortes blutleer inszeniert hat, während Damiani (und wahrscheinlich auch die meisten anderen Politregisseure) die Morde normalerweise mit extra viel Blut inszenieren.
Die Geschichte selber mit den Prozessen und dem ganzen drumherum fand ich sehr gut ausgearbeitet.
Auf schauspielerischer Ebene bewegt man sich in einem soliden Bereich, jedoch ohne hervorstechende Leistungen.
Terence Hill kommt mit seiner Rolle auch gut zurecht und es ist m.E. eine nette Abwechslung, ihn mal in einem ernsten Film zu sehen.
Giorgio Gaslini liefert eine gute Musik ab, die zwar selten, aber wenn, dann passend eingesetzt wird.

Fazit: Ein Krimi der etwas anderen Art, jedoch auf seine Weise immer noch sehr unterhaltsam.
8/10


Last edited by Sbirro Di Ferro on 06.09.2014 18:39, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: ALLEIN GEGEN DAS GESETZ - Eriprando Visconti
PostPosted: 18.08.2014 16:38 
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Habe diesen Justizstreifen als eigentlich recht gut in Erinnerung und weiß auch noch, dass mich die Rolle von Terence Hill als Anwalt recht positiv überrascht hatte. Schätze dass auch hier bald mal wieder ein Refresh ansteht (dann am Besten gleich als "Justice for all-Triple-Feature" gemeinsam mit Das Urteil - Prozess im Schnellverfahren und Gewalt - Die 5. Macht im Staat) ;)


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 Post subject: Re: ALLEIN GEGEN DAS GESETZ - Eriprando Visconti
PostPosted: 30.08.2014 18:06 
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Das Backcover der Koch-DVD spricht von einem "Mafiathriller" und führt damit den Zuschauer in die Irre, denn es geht in dem Film gewiss um geplante Verbrechen, keinesfalls jedoch um organisiertes Verbrechen.

Vielmehr handelt es sich um einen Gerichtsfilm, der seinerseits das italienische Justizsystem anklagt. Ein Großteil des Films besteht aus den beiden Prozessen gegen Luisa Santini, wobei gerne auch eine entsprechende Szene zur gerade getätigten Aussage reingeschnitten wird. Nur angedeutet wird, dass zwischen dem Verteidiger Manin und seine Mandantin Santini sich mehr als nur eine anwaltliche Beziehung entwickeln könnte.

Wer statt Haudrauf-Action zur Abwechslung auch mal ein ruhigeres Justizdrama goutieren kann, liegt hier richtig. Die drei Hauptdarsteller, Terence Hill als engagierter Verteidiger, Martin Balsam als arroganter Staatsanwalt, der für das Fehlurteil im ersten Verfahren verantwortlich ist und auch im zweiten Verfahren versucht, ein echtes Wiederaufrollen zu vermeiden, und Paola Pitagora in der Rolle des Justizopfers Luisa Santini, die sieben Jahre unschuldig inhaftiert war, zeigen gute Leistungen, und es ist schade, dass Terence Hill danach praktisch nur noch Terence Hill spielte.

Sehr bedauerlich ist ebenfalls, dass der Film vorher in Deutschland nur gekürzt zu sehen war, mehrere Dialogszenen wurden entfernt, z.B. ein Disput und dem Staatsanwalt und andere justizkritische Dialoge. Diese Szenen sind nun untertitelt.

Eine interessante Featurette zum Film und zu Regisseur Eriprando Visconti ist auf der DVD noch enthalten.


Noch interessanter finde ich freilich, dass Signor Santini an der Tankstelle seelenruhig eine Zigarette raucht! :o :shock:


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 Post subject: Re: ALLEIN GEGEN DAS GESETZ - Eriprando Visconti
PostPosted: 30.08.2014 18:24 
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Den hab ich vor vielen Jahren mal im Fernsehen gesehen, und hab ihn als sehr gut in Erinnerung. Sehr gut bedeutet in dem Fall, dass er mich sehr berührt und aufgewühlt hat. Der zweite Prozess erschien mir allein durch seine Existenz geradezu unglaublich. Und dann kam der Fall Gustl Mollath, und siehe da, zwischen der italienischen Justiz der frühen 70er und der bayerischen Justiz der 00er Jahre gibt es doch tatsächlich keinen Unterschied ... :evil:

Der muss wohl mal auf DVD her. Danke für die Erinnerung!!!

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: ALLEIN GEGEN DAS GESETZ - Eriprando Visconti
PostPosted: 30.08.2014 19:31 
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Aufwühlend und deprimierend. Habe den Streifen irgendwann in den Achtzigern (?) zufällig in der Glotze gesehen -oder war es doch ein Tape? Nein, ich glaube es war im TV- hat damals sehr beeindruckt. Leider entfiel mir der Titel im Laufe der Jahre, umso größer meine Freude über die DVD aus dem Hause Koch. Noch immer ein eindrucksvoller Film, hier überzeugt mich sogar Terence Hill, den ich "eigentlich" seit ca. Mitte der achtziger Jahre nicht mehr ertragen konnte, weder in Produktionen älteren noch jüngeren Datums. Langsam fällt die Abneigung gegen die Herren Girotti und Pedersoli wieder von mir ab, doch ich komme vom Thema ab.

Pflichtkauf!

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Blap V 3.0 regaining paradise

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Vom Ursprung her verdorben


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 Post subject: Re: ALLEIN GEGEN DAS GESETZ - Eriprando Visconti
PostPosted: 06.04.2019 19:11 
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"Allein gegen das Gesetz" (Il vero e il falso) (Italien 1972)
mit: Terence Hill, Martin Balsam, Paola Pitagora, Maria Teresa Albani, Adalberto Maria Merli, Shirley Corrigan, Maria Teresa Albani, Ettore Geri, Piero Gerlini, Alessandro Sperli, Esmeralda Ruspoli, Pietro Tordi, Luigi Montini, Vittorio Sanipoli u.a. | Drehbuch: Lorenzo Gicca Palli, Luigi Malerba und Eriprando Visconti | Regie: Eriprando Visconti

Luisa Santini ist des Mordes an der Geliebten ihres Mannes angeklagt und wird trotz einiger Ungereimtheiten vor Gericht zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach sieben Jahren wird sie wegen guter Führung vorzeitig entlassen und bittet ihren Anwalt, ihr die Adresse ihres Ex-Mannes zu geben. Als sie ihn aufsucht, erlebt sie eine böse Überraschung: Norma Zeitzler lebt, der angebliche Mord von damals war ein Komplott, um eine Erpresserin zu beseitigen. In blinder Wut tötet Luisa Santini die Frau mit sechs Pistolenschüssen und wird prompt erneut verhaftet. Rechtsanwalt Manin stellt nun die Frage: Kann das Fehlurteil von damals mit dem jetzigen Delikt verrechnet werden? Und welche Beweggründe führten zu den Versäumnissen im Prozess von Latina?

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Die Fallstricke der Rechtsprechung und das Feingefühl, das bei der Auslegung des Strafgesetzbuches erforderlich ist, um zu differenzieren und ein gerechtes Urteil zu bilden, enthalten ein enormes Potenzial für einen Thriller, der die doppelte Bedeutung des italienischen Begriffs "giustizia" (= Gerechtigkeit, Justiz) als schwerwiegende Verantwortung begreiflich macht, der die Beteiligten in manchen Fällen nicht genügend Beachtung schenken und damit das Vertrauen in die Judikative beschädigen. Die Buchstaben des Gesetzes mögen sich sachlich und trocken auf Tatbestände berufen, die Umsetzung obliegt jedoch den Staatsanwälten, Richtern und Verteidigern, die insofern weit von Unfehlbarkeit entfernt sind, als sie ebenso wie die Zeugen von persönlichen Regungen beeinflusst werden. Kleinigkeiten entscheiden dann über Wesentliches, wie bereits bei der Autopsie des Mordopfers ersichtlich wird, wo die Patrone nur per Zufall auf dem blutigen Obduktionstisch gefunden wird. Emotionen statt Tatsachen bestimmen Entscheidungen, gekränkte Eitelkeit, angestachelter Ehrgeiz und latente Vorurteile lenken den Ausgang des Prozesses in die gewünschte Richtung, wobei die Möglichkeit einer Revision das eventuell vorhandene schlechte Gewissen der Fehlbaren beruhigen soll. Die nüchterne Sichtweise auf das Schicksal einer jungen Frau, die nicht nur von ihrem Mann, sondern auch von den Staatsautoritäten betrogen wird, unterstreicht den Realismus der Produktion. Die Ambitionen des Polizeifilms, der sich mit menschlichen Unzulänglichkeiten, die in Verzweiflungstaten münden, befasst, erhält hier ergiebiges Anschauungsmaterial. Luisa Santinis Fall steht stellvertretend für Tausende, die hintergangen werden, weil sie wider besseres Wissen auf eine Entspannung ihrer häuslichen Situation hofften. Der Betrug durch die Gerichtsbarkeit zerstört den letzten Funken Vertrauen, was entweder zur Resignation und Selbstaufgabe oder zur Rebellion und Anarchie führt. Eiskalt geplante oder im Zorn begangene Verbrechen erhalten vielfach verbal beschönigende Attribute wie 'Ehrenmord' oder 'Familiendrama', was Verständnis für den meist männlichen Täter suggeriert, weil er in seinem Stolz gekränkt wurde oder die Aussicht auf einen Verlust nicht verwinden konnte. Luisa Santini sieht sich mit einer besonders perfiden Intrige konfrontiert, aus der es keinen Ausweg gibt, weil die Gerichtsbarkeit dem wahren Täter aus diversen Gründen in die Hände spielt. Das Versagen einer Institution befördert hier weitere Todesfälle und zeigt das weitreichende Ausmaß von juristischen Fehlentscheidungen, die in dieser Berufsgruppe schwerer wiegen als in den meisten anderen.

Claudio Santini will sein Gesicht wahren - koste es, was es wolle. Der Mensch, der ihm bisher am nächsten stand, wird auf niederträchtige Weise abgeschoben, wobei eine Verkettung von Fehlern, Manipulationen und Schweigen den Segen gibt und das Opfer zur Täterin macht. Die ohnmächtige Hilflosigkeit jener, die in die trägen Mühlen der italienischen Justiz geraten erfährt durch die vielseitige Paola Pitagora, die sich auch durch Gesang und Schreiben einen Namen machte, eine authentische Verkörperung. Mit Nachdruck bringt sie die Unfassbarkeit ihrer gesellschaftlichen Ausgrenzung durch Verhaftung und Verurteilung zum Ausdruck, sodass das Publikum die Unbehaglichkeit teilt, welche Luisa Santini im Gerichtssaal empfindet. Wie eine Zuschauerin verfolgt sie jene Worte, die ihr weiteres Leben zerstören können und die so leichtfertig vorgebracht und beliebig verdreht, zerpflückt und verfälscht werden. Paola Pitagora agiert in natürlicher, ernster und anrührender Weise, ohne um die Sympathien des Publikums zu buhlen. Ihr Wunsch, gehört zu werden und Gerechtigkeit zu erfahren, verhindert eine Performance, die nur darauf zielt, gefällig zu sein. Sie besitzt die Fähigkeit, den Zuseher in ihre Geschichte hineinzunehmen, ohne sich ihm völlig zu öffnen, sodass es immer wieder Momente gibt, wo sie ihn überrascht oder vor den Kopf stößt. Sie zeigt eine strukturierte Rollenanlegung, wirkt diszipliniert und impulsiv zugleich, was ihre Rolle sehr spannend macht. Terence Hill hält sich in der ersten Hälfte des Films sehr zurück, wirkt nachdenklich und objektiv, was das Publikum neugierig auf seine Beweggründe macht. Aufgrund seines Alters und Auftretens nimmt er unter den gesetzten Herren des Gerichtsbetriebs eine Sonderstellung ein, die ihm mehr Vertrauen entgegenbringen lässt als den gelangweilten Routiniers im schwarzen Talar. Besonders Martin Balsam erweist sich dabei als Hardliner. Seine Berufserfahrung demonstriert er mit lässiger Geste, während ihn seine Überzeugen blind für Abweichungen von der Norm gemacht haben. Die Allmacht des Anklägers, der Zeugenaussagen wie die Schale einer Zwiebel zerpflücken kann, während die Zivilisten über die Konsequenzen ihrer Erläuterungen im Unklaren sind, überhöht die Position und den Einfluss, den ein Staatsdiener auf den Lauf des Prozesses hat. Mit listiger Gewissheit kann er sich erlauben, Einwände mit harschen Worten vom Tisch zu fegen, ohne dass der juristisch unkundige Angeklagte dagegen Einspruch erheben kann. Solange keine Formfehler vorliegen, bleibt die Chance auf eine Wiederaufnahme der Verhandlung verwehrt.

Eriprando Visconti di Modrone hatte mit seinen Filmambitionen in seiner Familie keinen leichten Stand. Der Neffe des berühmten Luchino Visconti versuchte sich zunächst als Darsteller, bevor er sich selbst als Spielleiter etablierte. Er wehrte sich dagegen, sich von einem Genre vereinnahmen zu lassen, weswegen einige seiner Arbeiten unabhängiger Natur und eigenfinanziert waren. Trotz seiner Maxime, ohne den strahlenden Glanz der großen Kassenstars auszukommen, drehte er auch kommerziell erfolgreiche Filme wie "Die Nonne von Monza". "Allein gegen das Gesetz" übt Kritik am italienischen Justizsystem und erzählt in ansprechender Weise die Geschichte einer tragischen Verknüpfung von Schuld und Unschuld, die auf dem Rücken einer Unbeteiligten ausgetragen wird. Uneinsichtig und selbstgefällig verharren die Verantwortlichen in ihrer Komfortzone, weil sie wissen, dass ihnen kaum Konsequenzen drohen, es sei denn, sie werden von höchster Stelle angeordnet. Der Schriftsteller Luigi Malerba unterstützte Visconti beim Drehbuchschreiben in der Materie der Rechtswissenschaften. Der Stoff kam seinen Interessen sehr nahe, denn Malerbas Spezialgebiet, das häufig Sujet seiner literarischen Arbeit war, ist die Beschäftigung mit der Frage, inwiefern Macht einen Anlass bietet, sich korrumpieren zu lassen und was sich hinter der Maske des schönen Scheins verbirgt. "Allein gegen das Gesetz" ist ein sehr nachdenklicher Film, der etwaige Erwartungen des Publikums, es mit einem actionreichen Thriller zu tun zu bekommen, unerfüllt lassen muss, weil sein Fokus nicht auf den Mordfällen, sondern deren Konsequenzen liegt. Ohne falsche Sentimentalität erzählt Eriprando Visconti Luisa Santinis Geschichte, wobei ihre Isolation zunächst psychischer und später auch physischer Natur ist, was sie hart und kompromisslos werden lässt. Die stille Sympathie, welche ihr Rechtsanwalt Manin entgegenbringt, ist ein schwacher Trost und kann die Leere nach ihrer vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis nicht auslöschen. Zu schwer wiegen das Unrecht und die Enttäuschung, die ihr widerfahren sind und die einen Neubeginn in Freiheit überschatten. Alte Rechnungen sind noch offen, ebenso wie man der Frau bisher ehrliche Worte, Entschuldigungen und Erklärungen verwehrte. Die Ausweglosigkeit erhält in Viscontis Film die Farben des hellen Tageslichts, was die Banalität betont, in der Luisa Santini sich zurechtfinden muss, nachdem die negativen Prägungen der vergangenen Jahre ihre mentalen Schmerzen zwar unter Verschluss hielten, sie jedoch nicht beseitigen konnten. Am Ende bleibt die Kapitulation.


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