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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER KULTERER - Vojtěch Jasný
PostPosted: 11.12.2016 17:59 
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Produktionsland/Jahr: Österreich, Deutschland 1974
Darsteller: Helmut Qualtinger, Andreas Altmann, Harry Hornisch, Werner Schneyder, Fritz Thalhammer, Emmo Diem, Roland Barta
Drehbuch: Vojtěch Jasný
Produziert von: Christoph Holch
Musik: Emmo Diem

Fabian Hans Kulterer (Helmut Qualtinger) ist ein sehr ruhiger, wortkarger, scheinbar einsamer Mann.
Er steht kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis, hat aber höllische Angst davor.
Angst vor der Entlassung in die "wilde" Freiheit, vor der Heimkehr zu seiner Frau, Angst aber auch davor, wieder ein Niemand zu sein.
Denn während der Haft durfte und konnte er wenigstens kurze Geschichten schreiben und Texte verfassen über Themen, worüber man sich normalerweise keine Gedanken machen würde.
Doch in der isolierten Welt eines Gefängnisses, wo man zwar in den Hof gehen kann, aber trotzdem nie wirklich draußen ist, hat er viel Zeit zu sinnieren und philosophieren.
Und was ihm da zu den verschiedensten Themen einfällt schreibt er auf und wird so "quasi ein Häfenliterat".
Darin findet er Erfüllung und einen Ausgleich zum tristen Gefängnisalltag mit (für ihn) 5, 6 Stunden Dienst in der Druckerei pro Tag.
Das ist seine Freiheit, die ihm durch seine Entlassung wieder genommen werden würde, denn in der echten Freiheit sieht er keine Chance, sein literarisches Schaffen fortsetzen zu können.
Die echte Freiheit würde ihn einengen, sein Schutzraum zur kreativen Entfaltung (der für ihn das Gefängnis ist) wäre ihm genommen.
Er fürchtet sich also zurecht vor der Entlassung, die ihn in seinen Augen in eine Welt führen würde, die "von Hoffnungslosigkeit dampft".

KINO ist der Film eigentlich nicht, es ist ein TV-Film, eine Co-Produktion von ORF und ZDF.
Es ist "die düstere Chronik eines beschädigten Lebens", wie es auf dem Backcover heißt.
Helmut Qualtinger hat quasi eine Art Doppelrolle.
Zum einen die des Kulterers, der kaum ein Wort spricht, zum Anderen die des Erzählers, der die Gedanken von Kulterer wiedergibt.
Hauptsächlich ist es also ein Portrait des Herrn Kulterer, das Jasný zwar sehr "reduziert" inszeniert, aber gerade das macht, denke ich, auch den Reiz des Films aus.
Das ist es, was den Film so intensiv macht (natürlich trägt auch Helmut Qualtinger als Kulterer seinen Teil dazu bei).
Darauf muss man sich einlassen können, es ist kein leichter Film für zwischendurch.
Für Fernsehfilm-Verhältnisse jedenfalls hervorragend.
Selbstverständlich eine unbedingte Empfehlung meinerseits, denn ich glaube, was Vojtěch Jasný mit dem Film geschafft hat, das kann man ruhig Meisterwerk nennen.
10/10

Ausschnitt:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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