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 Betreff des Beitrags: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 24.11.2018 12:53 
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Ich bin gerade dabei alle meine Italowestern nach und nach nochmal zu schauen. Ich schreibe dazu dann immer ein Mini-Review in die entsprechenden Threads und in mein Filmtagebuch. Der Grund dafür ist, dass ich alle meine IWs innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes geguckt habe und mich kaum noch daran erinnern kann welcher nun welcher war. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen sich zurecht zu finden in dieser vielseitigen und unüberschaubaren Welt die vor einem liegt wenn man sich tiefer ins Genre hineinwagt.

Möglicherweise werde ich in Zukunft auch Filme aus anderen Genres ab und an mal reviewen.



#1 "Fünf blutige Stricke" wurde von Antonio Margheriti gedreht, der uns unter anderem auch den atmosphärischen Grusel-Western "Satan der Rache" beschert hat. Ich habe diesen Film als ersten auserwählt, weil ich ihn als sehr gut in Erinnerung behalten habe. Glücklicherweise habe ich in den entsprechenden Film-Thread vorher hineingeschaut und dadurch erfahren, dass die bessere Fassung diejenige ist, die der großen OOP-X-Hartbox von "Ein Colt für 100 Särge" als Bonus beiliegt.
Meine Erinnerung hat nicht gelogen, denn der Film ist äußerst unterhaltsam und außergewöhnlich. Die Story wird episodenhaft erzählt was im Genre des Italowestern nur sehr selten vorkommt. Ich empfinde eine solche Erzählstruktur immer als willkommene Abwechslung, vorausgesetzt dass dies auch ansprechend umgesetzt wird, was hier definitiv der Fall ist. Von Seiten der Darsteller gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln, denn Richard Harrison spielt die Hauptrolle gekonnt und Claudio Camaso ist wirklich eine Wucht in der Rolle des Mendozza. Ein düsterer, temporeicher und zu keiner Zeit langweiliger Italowestern. 8/10 Punkte sind meiner Meinung nach überaus angemessen und ich kann hierfür nur eine dicke Empfehlung aussprechen!


#2 "Satan der Rache" wurde ebenfalls von Antonio Margheriti realisiert. Nachdem ich zuletzt "Fünf blutige Stricke" von diesem tollen Regisseur geschaut habe und dabei bestens unterhalten wurde dachte ich mir es ist bestimmt nicht verkehrt als nächstes "Satan der Rache" auszuwählen. Wieder ein Volltreffer obwohl ich "Fünf blutige Stricke" noch einen Tick besser fand.
Der Film ist ein Gruselfilm im Westerngewand. Ich glaube in dieser ausgeprägten Form ist das ein einzigartiger Beitrag im Italowesternbereich. Was den Film besonders auszeichnet ist die mehr als nur gelungene Atmosphäre. Es ist eigentlich den ganzen Film über Nacht und es wütet ein Sturm. Das alles lässt "Satan der Rache" ununterbrochen bedrohlich wirken.
Klaus Kinski als Hauptdarsteller und somit Sympathieträger zu sehen und mal nicht als Bösewicht ist schon mal eine schöne Ausgangslage. Ihm dabei zuzuschauen wie er seine Feinde einen nach dem anderen ausschaltet ist schon wirklich gut in Szene gesetzt. Allerdings ist die Story nicht die beste was den Spaß aber nicht unbedingt mindern muss. Ich fand jedoch, dass der Film sich mit fortschreitender Laufzeit leicht gezogen hat. Dennoch ein klasse Film für den ich gerne 7,5/10 Punkte ziehe.


#3 "Ein Colt für 100 Särge" wurde von Umberto Lenzi gedreht der ansonsten nur noch "Zwei Aasgeier auf dem Weg zur Hölle" innerhalb dieses Genres gedreht hat, den ich jedoch leider nicht kenne. Eine deutsche DVD von dem Streifen ist zwar vorhanden, aber scheinbar ist die Qualität unter aller Sau.
"Ein Colt für 100 Särge" hat neben Peter Lee Lawrence noch Eduardo Fajardo als Irren, Pierro Lulli als Bösewicht, sowie John Ireland im Gepäck. Das sind schon mal beste Voraussetzungen für einen unterhaltsamen IW-Abend. Der Film beginnt recht gewöhnlich mit einer stinknormalen Rachestory was sich jedoch mit voranschreitender Laufzeit noch ändern soll.
Das Tempo ist eigentlich durchgehend hoch und dadurch kommt keine Langeweile auf. PLL macht seine Sache meiner Meinung nach wie gewohnt recht ordentlich. Die Story bietet zahlreiche Wendungen und hat mich daher wirklich gerade zum Ende hin positiv überrascht.
Ich würde den Film als sehr gelungen bewerten und würde ihn daher auch als überdurchschnittlichen IW bezeichnen. Man sollte jedoch keinen absoluten Überflieger erwarten. Eine 7,5/10 ist aber schon drin!


#4 "Vier Halleluja für Dynamit Joe" ist nun schon der dritte Margheriti-Western den ich mir während meiner Retrospektive angeschaut habe. Es handelt sich hierbei keinesfalls um einen konventionellen Italowestern wie man ihn gewohnt ist. Vieles wurde in dem Thread schon gesagt und ich kann dem grundlegend zustimmen was die meisten hier geschrieben haben. Der Zuschauer bekommt gewaltige Explosionen, eine sorgfältige Inszenierung, einen schönen Look, sowie interessante Ideen geboten. Die Story ist nicht das Gelbe vom Ei und den Hauptdarsteller mochte ich nicht sonderlich. Außerdem war die Musik gerade zum Ende hin sehr nervig.
Der Streifen kommt wie ich finde nicht einmal ansatzweise an "Fünf blutige Stricke" und "Satan der Rache" heran, die beide auch viel ernster und düsterer geraten sind.
Einen Sonntag nachmittag kann man allerdings bestimmt schlechter verbringen, aber gesehen haben muss man den Film nicht unbedingt. Eine 5/10 würde ich allerdings schon zücken.

Meine Antonio Margheriti-Reihenfolge:

1. Fünf blutige Stricke
2. Satan der Rache
3. Vier Halleluja für Dynamit Joe


#5 "Für eine handvoll Blei" von Tanio Boccia stand bei mir heute auf dem Programm. Der Film stand schon ewig auf meiner Suchliste und ich konnte ihn vor kurzem zu einem erschwinglichen Preis ergattern. Ich war mir die ganze Zeit über unsicher ob ich den Film unbedingt sehen muss. Nach dem Schauen eben muss ich sagen, dass ich mir den Film auch hätte sparen können.
Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um einen absoluten Durchschnitts-Western, gerade wenn ich ihn mit den IWs vergleiche die ich mir in den letzten Tagen angesehen habe. Ich weiß auch kaum was ich darüber schreiben soll bis auf das ich mich zwischendurch hier und da mal dabei ertappt habe wie ich auf die Uhr geschaut habe. Man kann ihn schon mal antesten, aber sollte nicht zuviel erwarten. Hervorzuheben ist jedoch, dass die Inszenierung recht ansprechend geraten ist und die Darsteller ihre Sache ganz gut gemacht haben. Wohlwollend vergebe ich hierfür 4/10 Punkte.
Ich werde vermutlich als nächstes "Die sich in Fetzen schießen" anschauen, der auch von Tanio Boccia gedreht wurde und den ich als äußerst sehenswert in Erinnerung behalten habe.

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Zuletzt geändert von Djabartana am 20.01.2019 23:15, insgesamt 9-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 24.11.2018 18:45 
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#6 "Die sich in Fetzen schießen" wurde ebenfalls von Tanio Boccia gedreht von dem ich mir gestern bereits "Für eine Handvoll Blei" angesehen habe. Der hier besprochene Film von Boccia gefällt mir jedenfalls schon mal deutlich besser als der gestrige Schinken.
Das Setting mit der Geisterstadt ist ungewöhnlich und äußerst gelungen. Die dazu passende Geräuschkulisse gepaart mit der stellenweise gruseligen Musik erledigen dann den Rest. Die Atmosphäre die dadurch aufkommt ist wirklich spitze.
Die relativ unbekannten Darsteller erledigen ihren Job ganz gut und der Titel-Song ist ein absoluter Ohrwurm. Jedoch plätschert der Film meiner Meinung nach etwas lahm vor sich hin was mich doch etwas heruntergebracht hat von meiner anfänglichen Euphorie.
Ich bin daher etwas zwiegespalten was eine Wertung angeht. 6/10 Punkte vergebe ich erst einmal, aber die Wertung fällt mir wirklich schwer. Jedenfalls gefällt mir der Film auch deutlich besser als der ähnlich gelagerte "Matalo - Willkommen in der Hölle". "Matalo" wird ja von einigen Fans sogar zur Speerspitze des Genres gezählt, was ich mir allerdings nicht erklären kann. Mit dem konnte ich damals nämlich überhaupt nichts anfangen.


#7 "Django spricht das Nachtgebet" von Mario Caiano stand heute auf meiner Speisekarte im Rahmen meiner großen IW-Retrospektive. Ich werde die Tage auch noch die anderen Caiano-IWs schauen die sich in meinem Besitz befinden.
Vorweg muss ich sagen, dass mir der Film relativ gut gefallen hat, aber für mich auch kein Überflieger war. Ich mag Anthony Steffen & William Berger immer gerne. Auch bei diesem Film gibt es dementsprechend keine Ausnahme. Steffen spielt hier einen Brutalo-Bastard der besonderen Art. Endlich mal wieder ein richtig schön böser Anti-Held. Die Szene mit der Krücke oder der brennenden Kutsche dienen dafür schon als gute Beispiele. Auch sonst ballert er fröhlich in der Gegend rum ohne Rücksicht auf Verluste.
Wir haben es hier allgemein mit einem kurzweiligen und rasant inszenierten IW zutun mit wirklich viel Action. Die Locations wurden hier öfter angeprangert aber ich empfand sie keineswegs als störend. Ich bin aber auch in dieser Hinsicht allgemein nicht unbedingt jemand der Spanien als Drehort sehen muss. Die Musik gefiel mir ebenfalls bestens und auch die Story um den Gedächtnisverlust ist relativ interessant geworden. Dennoch handelt es sich hierbei nicht um einen Top-Italowestern meiner Meinung nach, aber er liegt für mich schon deutlich über dem Durchschnitt. Meine Wertung hierfür liegt bei 6,5/10 Punkten.


#8 "Der letzte Zug nach Durango" von Mario Caiano stand als nächstes auf meiner Liste. Caiano hat hier einen rundum gelungenen Buddy-Western geschaffen der während der Revolution spielt. Anthony Steffen und Enrico Maria Salerno mimen hier ein äußerst sympatisches Duo, welches sich auf die temporeiche Jagd nach einem Tresor voller Gold macht.
Schon der Auftakt mit dem Zugüberfall weiß zu gefallen und von da an gab es eigentlich keinen Leerlauf zu verzeichnen. Die Stimmung ist eigentlich meistens heiter ohne dabei in Klamauk abzudriften. Ich mag derart gelagerte Filme mittlerweile so gut wie immer und hierbei passt die Mischung auch einfach ausgezeichnet. Anthony Steffen mag ich ja sowieso sehr gerne und hier legt er eine seiner besten Leistungen hin wie ich finde. Auch das Duell am Ende ist richtig originell geworden. Daumen hoch für den Film sag ich mal und ich ziehe hierfür mal locker eine 8/10.


#9 "Der Mann mit der Kugelpeitsche" wurde für den heutigen Abend von mir ausgewählt. Nach "Django spricht das Nachtgebet" und "Der letzte Zug nach Durango" habe ich nun den nächsten Caiano-Italowestern geschaut. Auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Der Film sprudelt nur so voller verrückter Ideen, schrägen Charakteren und nicht zuletzt einigen saftigen Brutalitäten. Die Handlung ist schnell erzählt. Ein Chinese der die Kampfkünste übermenschlich gut beherrscht kommt in die Vereinigten Staaten und sucht dort sein Glück. Man begegnet ihm dort jedoch von allen Seiten nur mit Hass und Rassismus und so kommt er dann auch schnell einer Bande in die Quere, die nach einigen erfolglosen Versuchen ihn zur Strecke zu bringen 4 Killer anheuert die es nun zu besiegen gilt. Zu den Bösewichten zählen unter anderem auch Klaus Kinski und Pierro Lulli. Die Zeit beim Schauen verging für mich wie im Fluge. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Western meets Eastern, aber ab und zu ist das schon mal ganz unterhaltsam. Für den Knochenbrecher Shanghai Joe mit der Kugelpeitsche gibt es von mir 7,5/10 Punkte.


#10 "Es geht um deinen Kopf Amigo" wurde ebenfalls von Mario Caiano realisiert und somit habe ich nun auch den letzten der 4 Caiano-Filme die sich momentan in meiner Sammlung befinden geschaut.
Dieser hier gefiel mir am wenigsten muss ich leider sagen. Der Film hat zwar interessant angefangen wurde aber mit laufender Spielzeit immer langweiliger trotz der guten Besetzung um Anthony Steffen, Eduardo Fajardo & Frank Wolff. Irgendwie plätschert der Film mit voranschreitender Spielzeit dann nur noch so vor sich hin und die enorm schlechte Synchro macht das Ganze auch nicht gerade besser.
Ein durchschnittlicher Film von einem sonst guten Regisseur von dem ich mir eindeutig mehr erwartet hätte nachdem ich zuletzt drei sehr gelungene Italowestern von ihm gesehen habe. Mit Wohlwollen vergebe ich hierfür 5,5/10 Punkte, da es definitiv noch einige viel schlechtere Italowestern gibt.

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Zuletzt geändert von Djabartana am 25.11.2018 22:12, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 25.11.2018 12:37 
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#11 "Django - Ein Sarg voll Blut" ist Giuliano Carnimeos erster Italowestern laut Wikipedia und es war damals auch der erste den ich von ihm gesehen habe. Hatte dann eben im Vorspann gelesen, dass er hier sein Pseudonym Anthony Ascott benutzte und wusste überhaupt nicht, dass er sich dahinter verbirgt. Nun ja jedenfalls werde ich in nächster Zeit alle in meinem Besitz befindlichen Carnimeos und alle Sartanas schauen bei der Gelegenheit.
Bei dem Film sind mir eigentlich gar keine Schwächen aufgefallen bis auf die Syncho die dem Film schon etwas schadet und die schlechte Qualität der DVD, aber dafür kann der Film ja nix.
George Hilton als Hauptdarsteller und Horst Frank als sein Gegenspieler sind bei mir immer gern gesehene Gesichter. Vor allem Horst Frank hatte ich schon ganz vergessen. War wirklich eine Freude ihn wieder zu entdecken zumal er neben Klaus Kinski damals mein liebster IW-Bösewicht war. Wieso ich ihn vergessen habe kann ich nicht genau sagen, vllt ja weil ich zu lange keine Italowestern mehr geschaut hab, die ich schon kannte und er ja auch nicht in all zu vielen mitgespielt hat wenn ich mich recht entsinnen kann.
Ein super Italowestern aus der 2ten Reihe mit allem was das Herz begehrt. Viel Action, einige Brutalitäten, interessante Wendungen, klasse Darsteller, gute Atmosphäre, untermalt mit schöner Musik und allem was sonst noch so zu einem guten, kurzweiligen Italowestern gehört. Vor allem das Finale im Schlachthaus ist wirklich ein Kracher! Ich freue mich schon auf den nächsten Carnimeo und vergebe dicke 8,5/10 Punkte an den Film.


#12 "Sartana - Bete um deinen Tod" wurde von Gianfranco Parolini gedreht, der hiermit zugleich einen der bekanntesten Italowestern-Helden schuf. Ich hatte mir ja vorgenommen als nächstes die Sartana-Reihe zu schauen bzw. sowieso alle Carinmeo-Western die ich besitze. "Sartana - Bete um deinen Tod" ist allerdings wie eingangs erwähnt kein Carinmeo, sondern ein Parolini-Western. Parolini wird später weiter abgehandelt wenn ich die Sabata-Trilogie schaue. Nun aber zurück zum eben gesehenen Sartana.
Hierbei haben wir es mit dem Auftakt der 5-teiligen Sartana-Reihe zu tun welche ich im Ganzen erst einmal komplett gesehen habe. Diesen hier hatte ich als einen der besten Sartanas in Erinnerung. Glaube nur "Sartana kommt" hatte mir damals noch etwas besser gefallen.
Jedenfalls geht der Film recht chaotisch los. Man kann die ganzen Parteien nicht so recht zuordnen. Scheinbar wahllos erschießt hier jeder jeden. Alle betrügen sich gegenseitig und alle schielen nur nach dem Gold, um das es hier geht.
Mittendrin treffen wir auf Sartana, gespielt von einem meiner liebsten Italowestern-Helden, nämlich Gianni Garko, welcher scheinbar jeden Film durch sein bloßes Erscheinen auf dem Bildschirm aufwerten kann. Auch hier in seinem schwarzen Gewand ist er an Coolness kaum zu toppen. Die Rolle ist wie für ihn gemacht.
Seine Gegenspieler mimen einige äußerst bekannte Gesichter. Zum einen William Berger als das personifizierte Böse, welcher hier ebenfalls eine Glanzleistung abliefert. Zum anderen Fernando Sancho als Boss einer Mexikanerbande, der seine Sache auch mehr als unterhaltsam macht. Wie er beiläufig einem seiner Companeros ein Stück Hühnchen in den Mund steckt ist schon ein Kracher.
Dann wäre da noch Klaus Kinski als messerwerfender Killer, der zwar keine allzu große Rolle hat, aber dennoch wie immer sehenswert ist.
Der Film ist zwar teilweise etwas holprig inszeniert, aber durch die actionreiche Handlung mit unzähligen Schießereien, wahnsinnig vielen Toten, den vielen schönen Ideen, der Spielfreude der Schauspieler und noch vielem mehr haben wir es hier mit einem super Italowestern zu tun.
Ich freue mich jedenfalls auf die anderen Sartana-Filme und vergebe hierfür gerne 8,5/10 Punkte.


#13 "Sartana - Töten war sein täglich Brot" wurde von Giuliano Carnimeo realisiert und stellt den 2ten Teil innerhalb der Sartana-Reihe dar. Dies ist zugleich auch der erste der vier von Carnimeo inszenierten Sartana-Filme.
Auch in diesem Teil der Reihe ist die Besetzung wieder Spitzenklasse. Neben einem wiedermal genialen Gianni Garko treffen wir erneut auf Klaus Kinski, der hier einen spielsüchtigen Kopfgeldjäger mimt. Dazu gesellen sich noch Frank Wolff als Sidekick und Gordon Mitchell der ebenfalls einen Kopfgeldjäger spielen durfte.
Storytechnisch haben wir es mit einem inszenierten Banküberfall zu tun, welcher Sartana in die Schuhe geschoben werden soll, der allerdings überhaupt nichts damit zu tun hat. Folglich macht er sich auf die Suche nach den wahren Übeltätern und wird währenddessen von einigen Kopfgeldjägern gejagt. Wie in eigentlich alle Filmen dieser unterhaltsamen Reihe hält die Story auch hier ein paar interessante Wendungen parat.
Die musikalische Untermalung hat mir bei diesem Teil besonders zugesagt und auch die Action kommt hier natürlich wieder nicht zu kurz. Außerdem entdeckt unser Sartana in dem Film sein Talent als Messerwerfer. Die Zeit verging wie schon beim Vorgänger wie im Fluge. Dennoch hat mir der erste Teil noch einen Ticken besser gefallen. Jedenfalls sind 7,5/10 Punkte meine Wertung für den hier besprochenen Film.


#14 "Sartana - Noch warm und schon Sand drauf" ist der dritte Film der Sartana-Reihe und zugleich auch der 2te Teil der von Giuliano Carnimeo erschaffen wurde.
Die Story dreht sich um ein Grundstück auf dem sich eine Goldmine befinden soll. Mehrere Parteien bekunden Interesse daran und auch unser Sartana mischt kräftig dabei mit. Diesmal gibt es hier leider kein großes Staraufgebot wie bei den Vorgängerfilmen. Gianni Garko dominiert hier ohne wenn und aber. Die 2te Hauptrolle hat ihr eindeutig die Brandt-Synchro, die wie ich hier im Thread lesen musste, die Meinungen spaltet. Ich gehöre dem Lager an, welches die Syncho für eine Bereicherung hält die dafür sorgt, dass der Film sich mit den beiden Vorgängern in gewisser Weise messen kann. Unterhalten wurde ich wirklich gut, aber ohne die Brandt-Synchro wäre meine Wertung wahrscheinlich nicht so hoch ausgefallen. 7/10 Punkte halte ich von daher für eine faire Bewertung.


#15 "Ohne Dollar keinen Sarg" wurde von Eugenio Martin gedreht. Die Hauptrolle spielt hier Tomas Milian von dem ich ewig keinen Film mehr gesehen habe, ähnlich wie es mir mit Horst Frank ging. Und hier sehen wir Milian auch noch als Bösewicht was ihm äußerst gut steht. Sein Kontrahent ist Richard Wyler, der seinen Job zwar nicht schlecht macht aber dennoch keinerlei Chancen gegen den übermächtigen Milian hat.
Wyler will hier Milian, der bei einer Gefängnisüberführung fliehen kann, wieder einsammeln und das Kopfgeld für ihn kassieren. Die Anwohner des kleinen Städtchens kennen Milian jedoch von klein auf und hegen keinerlei Sympathien für den Bounty Killer Wyler, was das Unterfangen nicht gerade leicht für ihn macht. Schon bald jedoch lässt sich erahnen, dass die Anwohner vielleicht einen großen Fehler begangen haben indem sie Milian komplett falsch eingeschätzt haben.
Der Film ist kein Meisterwerk, aber dennoch ein schöner kleiner B-Italowestern, der auch etwas Tiefe mitbringt. Milian ist schon wirklich eine Wucht und trumpft mit fortlaufender Spielzeit mehr und mehr auf. Auch die Atmosphäre die durch das kleine Wüstenkaff erzeugt werden kann macht Laune und beschert uns einen besonderen kleinen Italowestern der etwas anderen Art. Ich ziehe hierfür 7/10 Punkte mit leichter Tendenz nach oben.

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Zuletzt geändert von Djabartana am 25.11.2018 22:13, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 25.11.2018 21:57 
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#16 "Django - Ich will ihn tot" wurde von Paolo Bianchini inszeniert von dem sich außerdem noch "Django spricht kein Vaterunser" und "Bleigericht" in meiner Sammlung befinden. Diese stehen in den nächsten Tagen ebenfalls noch auf meinem Programm.
Jedenfalls geht es im hier besprochenen Film um einen Geschäftsmann, welcher alles daran setzt den Bürgerkrieg weiter zu führen, damit er weiter Kohle scheffeln kann. Mittendrin im Geschehen finden wir Craig Hill in der Rolle des Django vor, welcher in erster Linie den Tod seiner Schwester rächen will. Diese wurde von Banditen ermordet, welche nun gemeinsame Sache mit dem gierigen Geschäftsmann machen.
Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um einen sehr schönen und vor allem auch harten Rache-Italowestern mit einem gut aufgelegten Craig Hill, wundervoller Musik die kaum besser passen könnte und gut ausgewählten Locations. In jedem Fall haben wir es hier mit einem überdurchschnittlicher Beitrag innerhalb des Genres zu tun, welchen ich mit 7,5/10 Punkten bewerten würde.


#17 "Sartana kommt" ist der 4te Teil der Sartana-Reihe, bei dem erneut Giuliano Carnimeo Regie führte, der hiermit schon seinen dritten Sartana-Film abliefert. Wir bekommen erneut Gianni Garko in der Rolle des Sartana geboten und auch hier ist Garko wieder einsame Spitze. Neben ihm darf Pierro Lulli agieren der wie gewohnt ebenfalls eine reife Leistung abliefert. Der Plot dreht sich hier erneut um Gold, welches diesmal bei einem geplatzten Deal abhanden gekommen ist. Mehrere Parteien jagen diesem Gold nun hinterher und Sartana spielt sie gekonnt gegeneinander aus.
Der Film ist sehr gut inszeniert, die Musik wieder einmal grandios und die Locations wurden ebenfalls passend ausgewählt. Außerdem gibt es einige außergewöhnliche Ideen zu bestaunen die alles was man bisher in der Sartana-Reihe gesehen hat noch einmal toppen können. Es gibt hier eigentlich überhaupt nichts auszusetzen wenn ich es mir genau überlege. 8,5/10 Punkte halte ich von daher für eine faire Bewertung, da der Film für mich sogar noch besser ist als die anderen Sartana-Filme die ich bisher gesehen habe. Eine höhere Wertung halte ich in Anbetracht der starken Konkurrenz innerhalb des Genres für unangemessen.


#18 "Bleigericht" wurde von Paolo Bianchini gedreht. Es handelt sich dabei um seinen ersten Italowestern bei dem man jedoch schon merkt, dass er ein Händchen für das Genre hat. Seinen Nachfolge-IW namens "Django - Ich will ihn tot" habe ich ja vor kurzem ebenfalls gesehen und der gefiel mir nochmal ein Stück besser als dieser hier, was nicht heißen soll, dass wir es hier mit einem schlechten Vertreter des Genres zu tun haben. Allerdings muss ich sagen, dass mir Dean Reed in der Hauptrolle auch wirklich nicht zugesagt hat. Ich mag eine solche Art von Held nun mal einfach nicht. Ähnlich ging es mir auch schon bei "4 Halleluja für Dynamit Joe" mit dem Helden. Peter Martell als Bösewicht war hier allerdings eine Wucht!
Inszenatorisch gibt es eigentlich nix auszusetzen, gerade auch was die Schießereien angeht. Dennoch bin ich mit dem Film nicht wirklich warmgeworden. Hierbei ist es wirklich eine rein subjektive Bewertung meinerseits. Anderen wird der Film vielleicht besser gefallen. 6/10 Punkte gibt es allerdings schon von mir, da der Film ansonsten recht unterhaltsam und auch gekonnt inszeniert war.


#19 "Django & Sabata - Wie blutige Geier" ist der 5te und somit leider auch letzte Teil der Sartana-Reihe bei dem erneut Giuliano Carnimeo die Regie übernahm. Gianni Garko ist diesmal leider nicht mit von der Partie, sondern George Hilton übernimmt hier den Part des Sartana. Auch ihm fällt es nicht schwer der Figur Leben einzuhauchen, aber ich verbinde ihn irgendwie mehr mit einer Django- oder Halleluja-Rolle als mit Sartana. In der deutschen Fassung heißt der Held zwar Django, aber es ist und bleibt dennoch ein Sartana-Film. Als Sabata sehen wir hier Charles Southwood, der mir zwar auch ganz gut gefällt, aber George Hlton ist meiner Meinung nach klar besser. Auch Pierro Lulli & Nello Pazzafini sind als Bösewichte mit dabei und können auf ganzer Linie überzeugen. Die beiden Brüder die kurz in einen Saloon reinplatzen und direkt Ärger machen waren wahnsinnig cool. Von den beiden hätte ich mir noch mehr Szenen gewünscht!
Auch hier haben wir es mit einem klasse Italowestern zu tun der durchgehend unterhalten kann und ich denke 7,5/10 Punkte sind eine gute Wertung für diesen Film. Die Reihe an sich hat eigentlich überhaupt keinen Aussetzer dabei. Jeder Sartana-Film ist es wert öfter angeschaut zu werden.

Meine Sartana-Rangliste:

1. Sartana kommt
2. Sartana - Bete um deinen Tod
3. Sartana - Töten war sein täglich Brot
4. Django & Sabata
5. Sartana - Noch warm und schon Sand drauf


#20 "Django spricht kein Vaterunser" ist der dritte Film von Paolo Bianchini den ich diese Woche gesehen habe. Die Story dreht sich um die Erfindung der Gatling Gun, welche mitsamt des Erfinders von einer Bande geklaut wurde. Der Plan ist es Nord- und Südstaaten gegeneinander auszuspielen und dabei Unmengen an Kohle zu scheffeln. In das Geschehen wird Django hineinkatapultiert, der sich auf die Suche nach dem entführten Erfinder und der Gatling Gun macht. Dabei fungiert er quasi als Agent, der sich detektivähnlich nach und nach der Auflösung entgegenarbeitet.
Der Film ist durchaus interessant, schon allein weil die Story und auch die Art und Weise wie sie erzählt wird im Genre etwas besonderes darstellt. Komischerweise wollte dieser ungewöhnliche Italowestern nicht 100prozentig bei mir zünden. Ich fand ihn stellenweise etwas zäh, vor allem in der ersten Hälfte. Allerdings enthält der Streifen auch viele coole Ideen die hier und da in den Film eingestreut werden, wie zum Beispiel eine Szene in der Django mit einem Blasrohr Giftpfeile verschießt. Man bekommt auch eine kleine Szene geboten wo Django sich kurzerhand selbst eine Kugel aus der Hand operiert, was relativ blutig geraten ist. In der 2ten Häfte werden daher einige Schwächen der ersten Häfte wieder mehr als ausgeglichen.
Robert Woods in der Rolle des Django ist nicht schlecht, reißt mich aber auch nicht wirklich vom Hocker. John Ireland ist sehr überzeugend als Bösewicht, hat aber etwas zu wenig Screentime für meinen Geschmack. Die Musik ist ebenfalls sehr ungewöhnlich und meiner Meinung nach will sie auch nicht so ganz zum Film passen.
Zusammenfassend würde ich sagen, dass der Film zwar sehr gut unterhalten kann, aber auch kein absoluter Überflieger innerhalb des Genres ist. Mehr als 7,5/10 Punkte mag ich erstmal nicht vergeben.

Meine Paolo Bianchini-Rangfolge:

1. Django - Ich will ihn tot
2. Django spricht kein Vaterunser
3. Bleigericht

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Zuletzt geändert von Djabartana am 26.11.2018 20:34, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 26.11.2018 11:31 
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#21 "Vier Teufelskerle" wurde von Giuseppe Rosati gedreht. Der Film ist Bestandteil der Italowestern-Enzyklopädie No. 2 von Koch Media aus der ich vor kurzem auch "Die sich in Fetzen schießen" und "Bleigericht" angesehen habe.
"Vier Teufelskerle" erzählt die Geschichte von einem mexikanischen Bandenchef, der im Auftrag eines völlig bekloppten Generals aus Österreich eine Waffenlieferung bei einem bleihaltigen Überfall ergaunert und bei dieser Gelegenheit auch noch die Tochter eines Nordstaatler-Offiziers entführt. Gianni Garko, der hier einen wie uns die Synchro lehrt "koranzitierenden Muselmann" spielt und 3 Nordstaatler-Soldaten werden zur Hilfe herbeigeholt um dem Treiben ein Ende zu setzen.
Der Regisseur namens Rosati ist mir nicht bekannt. Er hat auch nur diesen Italowestern und 5 weitere Filme gedreht. Dieser hier stammt aus dem Jahre 1973, einer Zeit wo die Italowestern-Blütezeit schon lange vorbei war und sich Comedy-Western breit machten. Auch hier macht sich das bemerkbar was mich eigentlich nicht sonderlich gestört hat, bis auf den General aus Österreich, welcher mir zum Teil ziemlich auf den Sack ging.
Gianni Garko als Moslem weiß zu gefallen, aber er steht hier nicht so sehr im Mittelpunkt was dem Film etwas schadet meiner Meinung nach. Er hat jedoch auch ein paar Gimmicks parat wie in seiner Paraderolle als Sartana, zum Beispiel einen Sonnenschirm der als Maschinengewehr verwendet werden kann und ein Gewehr das explosive Munition abfeuert.
Insgesamt ist der Film als gut, wenn auch nicht überragend zu bezeichnen. Die Darsteller haben sichtlich Freude bei ihrer Arbeit, die Locations sind herrlich und der Titelsong weiß ebenfalls zu gefallen. 7/10 Punkte ist meine Wertung für den dritten Film aus der Enzyklopädie No. 2 und somit stellt er für mich auch den bisher besten Film der Box dar. "Der Mann aus Virginia" steht jedoch noch aus, den ich als sehr gut in Erinnerung habe!


#22 "Arizona Colt" wurde von Michele Lupo inszeniert, der später unter anderem noch "Der Mann aus Virginia" gedreht hat. Der Film stellt den ersten Italowestern mit Giuliano Gemma in der Hauptrolle dar, den ich während meiner Retrospektive angesehen habe.
Die Handlung dreht sich um einen mexikanischen Bandenboss namens Gordon Watch der vom allseits beliebten Fernando Sancho gespielt wird. Dieser überfällt ein Gefängnis um neue Mitglieder anzuwerben und trifft dabei auf Giuliano Gemma, der zufällig zu der Zeit auch im Gefängnis saß. Zwischen den beiden entbrennt im weiteren Verlauf des Films ein erbitterter Kampf in den dann ein ganzes Städtchen mit hineingezogen wird. Sancho mimt hier einen absolut bösartigen Bandenchef, der scheinbar nach Lust und Laune wahllos jeden tötet der sich ihm auch nur ansatzweise widersetzen will. Dies wirkt schon sehr übertrieben, fast schon comichaft, aber macht definitiv Spaß beim Zusehen wenn man das so sagen darf. Gemma sehe ich nicht ganz so gerne muss ich gestehen. Ich mag einfach sein Gesicht nicht so blöd es auch klingt. Dennoch trübte dies nicht meinen Spaß beim erneuten Aufeinandertreffen mit ihm.
Es handelt sich hier um einen durch und durch gelungenen und vor allem auch bleihaltigen Vertreter des Italowestern, der über die gesamte Laufzeit von knapp 2 Stunden bestens unterhalten kann. Ich glaube das hier ist schon der vierte Film der es schafft eine Wertung von 8,5/10 Punkten von mir zu erhalten. Höhere Wertungen sind nur schwer zu erreichen, da es noch Filme wie die Dollar-Trilogie, ein paar Corbuccis und Sollimas als Konkurrenz gibt. Als nächstes werde ich vermutlich "Der Tod sagt Amen" schauen, welcher ja sowas wie ein Nachfolger von "Arizona Colt" ist.


#23 "Der Tod sagt Amen" wurde von Sergio Martino gedreht, der uns später noch mit "Mannaja" beglücken sollte. Es handelt sich hier quasi um einen Nachfolger zu "Arizona Colt". Giuliano Gemma wurde hier durch Anthony Steffen ersetzt. Sein Partner "2 Flaschen Whiskey" ist jedoch der Gleiche geblieben. Immernoch verliebt in den guten Stoff und immer die passenden Sprüche parat. Wirklich ein sehr unterhaltsamer Sidekick wie in diesem Thread ja bereits erwähnt wurde.
Die Mischung aus Comedy und hartem Italowestern kann man als sehr gelungen bezeichnen und was auch definitiv seines Gleichen sucht ist der Titelsong, der mir wahrscheinlich noch tagelang im Ohr hängenbleiben wird. Ein wirklich spaßiger Beitrag, der zwar dem großartigen "Arizona Colt" unterlegen ist, aber sich auch nicht davor verstecken braucht. Die Bewertung für den Film fällt mir etwas schwer. 7,5/10 Punkte sind vielleicht etwas zuviel des Guten, aber ich kann nicht anders. Klar haben wir es hier nicht mit einem Meisterwerk zu tun, aber der Unterhaltungsfaktor ist gigantisch. Zusammen mit "Arizona Colt" ein wirklich tolles Double-Feature!


#24 "Der Mann aus Virginia" wurde von Michele Lupo realisiert und stammt aus dem Jahr 1977. Somit stellt der Film den bisher neuesten Film dar, den ich bei der erneuten Sichtung meiner Italowestern angesehen habe.
Es handelt sich hierbei um einen völlig humorfreien, unglaublich düsteren und deprimierenden Film. Der Streifen wird ja als eine Art Abgesang auf den Italowestern gesehen und dazu passt die hier aufgebaute Stimmung sehr gut. Giuliano Gemma spielt seine Rolle ordentlich und sein Gegenpart, dargestellt von Raimund Harmstorf, spielt wirklich erstklassig. Die Handlung ist schön aufgebaut, wobei sich in der Mitte der Laufzeit ein paar kleinere Längen einschleichen, was aber nicht weiter tragisch ist und von daher nicht so stark ins Gewicht fällt.
Der Film ist wirklich ein toller Beitrag zum Genre, der übrigens auch ein paar sehr heftige Szenen zu bieten hat und in seiner Machart ziemlich einzigartig ist. "Arizona Colt" von Lupo hat mir zwar noch etwas besser gefallen, aber man sollte die beiden Werke nicht miteinander vergleichen. Lupo scheint ein sehr fähiger Regisseur zu sein. Für "Der Mann aus Virginia" vergebe ich somit dicke 8/10 Punkte, wie bei meiner letzten Sichtung vor 4 Jahren.
Somit habe ich übrigens auch alle 4 Filme der IW-Enzyklopädie No. 2 geschaut. Hier eine kleine Rangliste dazu:

1. Der Mann aus Virginia
2. Vier Teufelskerle
3. Die sich in Fetzen schießen
4. Bleigericht


#25 "Mannaja" wurde von Sergio Martino verwirklicht von dem mir schon "Der Tod sagt Amen" sehr gut gefallen hat. Mit dem hier besprochenen spät gedrehten Italowestern schafft er es mich sogar noch mehr zu beeindrucken. Etwas schade finde ich, dass er nicht noch einen oder zwei Italowestern mehr in seiner Filmografie stehen hat.
Maurizio Merli in der Hauptrolle des Mannaja gefällt mir äußerst gut. Sein Gegenpart gespielt von John Steiner spielt mindestens genauso beeindruckend. Die Musik ist gewöhnungsbedürftig aber weiß dennoch zu gefallen was Blap am Thread-Anfang schon bestens beschrieben hat. Die Story ist nichts außergewöhnliches, aber wird relativ packend erzählt und kann den Zuschauer somit über die gesamte Laufzeit bei Laune halten. Auch der Härtegrad ist hier enorm hoch was mir zusätzlich viel Freude beschert hat. Dies liegt vor allem an Steiner, aber auch Merli darf ordentlich wüten. Insgesamt ein sehr schöner Italowestern welcher eine Wertung von 8,5/10 mehr als nur verdient hat.

Meine Sergio Martino-Rangliste:

1. Mannaja
2. Der Tod sagt Amen

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Zuletzt geändert von Djabartana am 17.12.2018 17:20, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 26.11.2018 12:14 
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#26 "Sie verkaufen den Tod" wurde von Tonino Valerii inszeniert. Die Besetzung ist mit James Coburn, Bud Spencer und Telly Savalas allererster Sahne. Im Prinzip haben wir es hier mit einem Men-On-A-Mission-Film zu tun im Stile von "Das dreckige Dutzend", "Agenten sterben einsam" und anderen Werken dieser Art. Ich mag solche Filme in der Regel sehr gerne und wenn das Ganze dann auch noch im Westerngewand verpackt ist konnte es ja nur gut für mich ausgehen.
Mir hat es einfach unheimlich Spaß gemacht der Truppe dabei zuzuschauen wie sie sich langsam aber sicher ihrem Ziel nähert, um es letztendlich nach einigen Strapazen zu erreichen, die Festung schließlich infiltriert und es dann letztendlich zu einem wahrhaftigen Inferno von einem Finale kommt.
Ich vergebe dicke 8/10 Punkte mit leichter Tendenz nach oben und freue mich schon auf den nächsten Valerii-Western, der hier natürlich schon bereit liegt.


#27 "Lanky Fellow" wurde von Tonino Valerii verwirklicht, von dem ich zuletzt "Sie verkaufen den Tod" angesehen habe. Nun also der nächste Valerii-Italowestern, den ich zwar auch als gut, jedoch nicht überragend empfunden habe. Der Anfang ist sehr stark geworden! Schade fand ich jedoch, dass Fernando Sancho so schnell von der Bildfläche verschwindet. Den hätten sie lieber als Hauptbösewicht nutzen sollen damals, denn der Bösewicht ist echt nicht das Gelbe vom Ei. Craig Hill spielt die Rolle des Lanky Fellow ziemlich cool, aber in "Django - Ich will ihn tot" gefiel er mir noch eine Ecke besser. Die Story ist nun wirklich nichts besonderes, dafür ist der Film aber recht ordentlich inszeniert. Zwischendurch plätschert der Film dann etwas vor sich hin, bevor es dann im Finale noch mal aufwärts geht.
Beim erstmaligen Sichten hatte ich zu meiner Überraschung 8/10 Punkte gezogen. Das sehe ich heute definitiv nicht mehr so. 6,5/10 Punkte vergebe ich, da ich mich zwischendurch ein paar Mal dabei erwischt habe wie ich auf die Uhr gesehen habe.


#28 "Jonny Madoc" von Maurizio Lucidi hab ich mir eben mal angesehen. Die Story bietet schon einmal nichts Weltbewegendes. Der Look wirkt ziemlich billig und Robert Woods sieht ebenfalls unfassbar beknackt aus. Weiß auch nicht was man sich dabei gedacht hat. Dennoch ist der Film ganz unterhaltsam geworden, aber für mich keinesfalls ein Prunkstück unter den Italowestern. Erwähnenswert wäre noch, dass über die gesamte Laufzeit immer wieder äußerste brutale Szenen auftauchen. Dies sollte meiner Ansicht nach aber keinesfalls die Wertung hochreißen.
Ich würde den Film im Mittelfeld ansiedeln und vergebe daher mal 6/10 Punkte. Lanky Fellow gefiel mir schon noch einen Ticken besser aus der IW-Enzyklopädie No. 3. Mal schauen was "Jonny Madoc rechnet ab" kann, der ja in eine komplett andere Richtung gehen soll. Ich erinnere mich jedenfalls überhaupt nicht mehr an den 2ten "Jonny Madoc" was eigentlich kein gutes Zeichen ist.


#29 "Jonny Madoc rechnet ab" wurde zwar ebenfalls von Maurizio Lucidi gedreht, schlägt allerdings in eine andere Kerbe als sein Vorgänger. Bei dem hier besprochenen Film haben wir es mit einem etwas humorvolleren Film zu tun, der etwas von einem Abenteuerfilm hat. Auch der Bösewicht ist irgendwie sehr merkwürdig geraten. Außerdem sind die 3 Sidekicks von Jonny Madoc, welcher erneut von Robert Woods verkörpert wird, unsagbar nervig. Mein Fall war der Film jedenfalls überhaupt nicht. Wäre der Film nicht Teil der IW-Enzyklopädie No. 3 würde ich ihn vermutlich verkaufen. 3/10 Punkte würde ich aber schon an den Film vergeben.


#30 "Django" wurde von Sergio Corbucci gedreht und stellt so etwas wie die Blaupause für alle dreckigen Italowestern dar. Der Film ist ein Fest für die Sinne und wird jedem Italowestern-Veteranen ein Grinsen ins Gesicht zaubern, ganz egal wie oft man ihn schon gesehen hat. Wer diesen Film als seinen ersten Italowestern auswählt wird dem Genre ziemlich sicher verfallen. Sergio Corbucci sollte danach noch weitere Top-20 Italowestern drehen, wie "Il Mercenario" oder "Leichen pflastern seinen Weg". Auf die freue ich mich ebenfalls schon sehr. Ich bin dem Mann jedenfalls sehr dankbar dafür und es steht außer Frage, dass er nach Sergio Leone der wichtigste Regisseur des Genres war. 10/10 Punkte sind für diesen Klassiker ein Muss!

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BeitragVerfasst: 26.11.2018 15:46 
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#31 "Sartana" wurde von Alberto Cardone gedreht und stellt quasi die Geburtsstunde der Figur des "Sartana" dar. Gianni Garko spielte die titelgebende Figur dann noch in 4 der 5 Filme der "richtigen" Sartana-Reihe, die mit diesem Film hier nur den Namen und den Hauptdarsteller gemeinsam haben. Sartana ist hier nicht der Held des Films sondern verkörpert den bösen Gegenpart zu Anthony Steffen, der hier dessen Bruder mimt.
Garko spielt Steffen hier regelrecht an die Wand, obwohl Steffen hier im Thread ein wenig zu harsch bewertet wurde wie ich finde. Die Story die von einem Bruderzwist handelt ist mal was erfrischend neues und weiß zu gefallen. Die Inszenierung ist flott, so dass vor allem zu Beginn kaum Zeit zum Erholen bleibt. Man wird quasi sofort mitten ins Geschehen geschleudert und weiß sofort, dass man hier einen besonderen Italowestern zu sehen bekommt. Ich ziehe hierfür locker 8,5/10 Punkte. Wirklich ein toller Film und für mich klar der beste Film der IW-Enzyklopädie No. 3. Hierzu noch eine kleine Rangliste:

1. Sartana
2. Lanky Fellow
3. Jonny Madoc
4. Jonny Madoc rechnet ab


#32 "Django - Die Geier stehen Schlange" ist der 2te Cardone-Western für mich nach der gestrigen Sichtung von "Sartana". Anthony Steffen spielt hier Django, dessen Frau von einem Bandenboss bei einem Raubzug erschossen wird. Auch sein kleiner Sohn wird von selbigem entführt und anschließend wie sein eigener Spross großgezogen. Der Bandenboss wird von Everbody's Darling Fernando Sancho verkörpert. Django sucht jahrelang nach seinem Sohn und somit den Mördern seiner Frau.
Der Film erzählt die Story schnörkellos und ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung wie actionreich er doch ist. Es handelt sich hierbei um einen schönen, kleinen B-Italowestern! Steffen spielt seine Rolle wie gewohnt cool und Sancho ist ebenfalls wie immer super aufgelegt. 6,5/10 Punkte gibt es dafür von mir, welche sich der Film locker verdient hat.


#33 "Django - Der Rächer" ist der erste Italowestern von Ferdinando Baldi meiner Retrospektive und gleich ein Volltreffer. Django, verkörpert von Franco Nero, macht sich gemeinsam mit seinem kleinen Bruder auf die Suche nach dem Mörder ihres Vaters. Dieser hat sich in Mexiko angesiedelt und sich zu einem mächtigen Mann entwickelt.
Die Story ist zwar nicht wirklich was besonderes, aber durch die stetige Entwicklung selbiger macht es durchaus Spaß ihr zu folgen. Auch ein kleiner Plot-Twist ist dabei vorhanden. Was besonders gefällt sind die Landschaften und die gut ausgewähten Locations durch die sich die beiden Brüder schießen. Dabei sind die Actionszenen wirklich sehr fein gemacht. Franco Nero ist die perfekte Besetzung für Django. Er hat einfach eine super Leinwandpräsenz und verkörpert den Antihelden wie kein Zweiter.
Ein rundum gelungener Italowestern den ich mir mit Sicherheit wieder ansehen werde. Irgendwie wurde ich eben beim Schauen daran erinnert wieso ich Italowestern so gern habe. Keine Ahnung warum gerade bei diesem Film hier, aber ich denke 8,5/10 Punkte sind dafür angemessen.


#34 "Djangos Rückkehr" wurde von Nello Rossati realisiert. Dabei handelt es sich um den einzigen offiziellen Django-Nachfolger, der erst im Jahre 1987 entstanden ist. Hierzu muss man sagen, dass es sich bei dem Film nicht wirklich um einen Italowestern handelt. Vereinzelt gibt es zwar Szenen die man auch in einem IW ähnlich vorfinden könnte, aber das reicht nicht aus um ein waschechter IW zu sein. Das liegt unter anderem auch daran, dass der Film vor einer exotischen Kulisse gedreht wurde, nämlich in Kolumbien und dass es sich hier mehr um einen Rambo-Abenteuerfilm-Verschnitt handelt.
Unterhaltsam ist der Film definitiv, wobei aber auch ein paar nicht so gelungene Szenen dabei sind. Angucken kann man ihn sich dennoch auch wenn es kein Must-See-Film ist. Das Finale ist ein Freudenfest für Anhänger von wilden Ballereien und Explosionen. 5,5/10 Punkte ist eine faire Wertung finde ich.


#35 "Mein Name ist Nobody" ist sowas wie eine gemeinsame Arbeit von Sergio Leone & Tonino Valerii. Das Leone seine Finger im Spiel hatte merkt man dem Film eigentlich zu jeder Zeit an. Seine Handschrift ist unverkennbar. "Nobody" ist unglaublich gut inszeniert, zeigt wundervoll eingefangene Landschaften, archetypische Charaktere und wird von einem super Score untermalt.
Es geht hier um das Zusammentreffen eines alten Revolverhelden der abdanken möchte und eines jungen, wilden Heißsporns welcher ihm zu einem gebührenden Abgang verhelfen möchte, der in die Geschichte eingehen soll. Die beiden Hauptcharaktere werden dabei von Terence Hill & Henry Fonda gespielt und das ist auch eine hervorragende Wahl gewesen.
Wenn ich nur an die ersten Minuten des Films denke habe ich direkt wieder ein Grinsen im Gesicht. Die drei Reiter die Beauregard eine Falle stellen und wie er sie in die Hölle schickt ist grandios. Dann der Schnitt zu Nobody wie er aus dem Fluss auftaucht und dazu die fröhliche Musik. Einfach unglaublich!
Der Film wirkt wie ein melancholisches Feel-Good-Movie was ja eigentlich nicht so recht zusammenpassen will, aber gerade deswegen auch ziemlich einzigartig im Italowestern-Genre ist. Und das ist den Machern auch sagenhaft gut gelungen. Es finden sich hier Szenen wieder die meisterhaft sind, allerdings gibt es auch ein paar Szenen, die nicht so recht an mich heran wollten. Das ist aber Geschmackssache und ich kann die Leute auch vollkommen verstehen die in dem Film ein Meisterwerk sehen. Ich hingegen finde, dass das Gesamtbild zwar passt, aber dennoch für meinen persönlichen Geschmack nicht ausreicht um mich vollends zu begeistern. Auch die Slapstick-Szenen passen mir nicht in den Kram. Daher tue ich mich auch mit einer Bewertung sehr schwer. Mehr als vorsichtig angepeilte 8,5/10 Punkte möchte ich erstmal nicht geben.

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BeitragVerfasst: 26.11.2018 15:56 
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#36 "Leichen pflastern seinen Weg" von Sergio Corbucci stand heute auf der Speisekarte. Wie zu erwarten konnte ich auch dieses Mal den Blick nicht vom TV abwenden. Es handelt sich hierbei um einen Italowestern dessen Atmosphäre unvergleichlich ist. Die Kälte kann man förmlich spüren und sie passt einfach zu der unfassbar bösartigen Story wie die Faust aufs Auge. Kein IW kann auch nur ansatzweise die hier erzeugte Atmosphäre nachahmen. Niemand hätte den Charakter des Loco besser verkörpern können als Klaus Kinski. Die beste schauspielerische Leistung eines Bösewichts die es im Genre des Italowestern gibt. Allgemein ist der Film sehr brutal und äußerst blutig geworden. Vor allem das Ende ist wirklich düster was die Stimmung des gesamten Films perfekt abrundet. Ich kenne keinen Film der auf diese Art und Weise endet.
Mich würde es wundern wenn der Streifen bei irgendwem nicht in den Top-5 seiner liebsten IWs wäre, eher sogar Top-3. Meiner Meinung nach sind 10/10 Punkte hier Pflicht und ich denke die wenigsten Zuschauer die sich für das Genre interessieren würden mir da widersprechen.


#37 "Nobody ist der Größte" wurde von Damiano Damiani gedreht, der außerdem noch den meiner Meinung nach besten Revolutions-Italowestern namens "Töte Amigo" hervorgebracht hat. Der Morricone-Score im "Nobody"-Nachfolger war vorzüglich wie man es ja gewohnt ist von dem guten Mann. Terence Hill sehe ich sowieso immer gerne und sogar Klaus Kinski & Raimund Harmstorf sind ebenfalls mit von der Partie. Dennoch ist der Film leider nicht das Gelbe vom Ei, aber anschauen kann man ihn sich ruhig mal. Ein paar Szenen, allen voran die Anfangsszene, sind sehr schön geraten.
Alles in allem handelt es sich bei "Nobody ist der Größte" um einen Film der sich ganz gut für den verregneten Sonntag Nachmittag eignet. Ich denke 5,5/10 Punkte kann man dafür schon vergeben.


#38 "Der Schrecken von Kung Fu" wurde von Luigi Vanzi gedreht und stellt zugleich den Abschluss der "Stranger-Trilogie" dar. Ich hatte heute mal Lust auf einen Tony Anthony-Film und habe daher den dritten Stranger-Film dafür ausgewählt, da ich diesen am wenigsten in Erinnerung hatte.
In seinem dritten Abenteuer führt es den Stranger nach Japan, wo er bei einer Familienfehde zwischen die Fronten gerät. Und dort sorgt er für unfassbar viel Wirbel. Eigentlich wird der Film zu keiner Sekunde langweilig, da ständig irgendwas abgefahrenes passiert. Das Japan-Setting und der ständig prasselnde Regen sorgen für eine schöne Atmosphäre, die ich so in keinem anderen Eastern-Meets-Western-Film bisher gesehen habe. Anthony liefert dabei eine hervorragende One-Man-Show ab. Er ist auch einfach ein unglaublich sympathischer Kerl. Das Gesicht muss man einfach mögen.
Mit den anderen beiden Stranger-Filmen sollte man ihn jedoch nicht vergleichen, da der hier besprochene Teil in eine ganz andere Kerbe haut. 7,5/10 Punkte ist eine faire Bewertung denke ich. Vielleicht ist da sogar noch ein wenig Luft nach oben.


#39 "Der Tod ritt Dienstags" wurde von Tonino Valerii inszeniert. Valerii konnte hier zwei Italowestern-Größen in den Hauptrollen vereinen, nämlich Lee Van Cleef & Giuliano Gemma. Van Cleef ist wie gewohnt cool und hat hier eine fiese Rolle erwischt, die er gekonnt meistert. Gemma gelingt es seine Wandlung vom Niemand zum Revolverhelden gut darzustellen. Diese Wandlung wurde hier schön in die Story eingearbeitet. Die Story ist sowieso sehr interessant, da Van Cleef hier ein Städtchen für sich beansprucht. Dieses Vorhaben kann er mittels Gewalt & Köpfchen binnen kürzester Zeit in die Tat umsetzen. Im weiteren Verlauf regiert er dann die Stadt mit eiserner Hand und Gemma merkt schon bald auf was für einen Teufel er sich da eingelassen hat. Wobei sein altes Leben als Fußabtreter auch nicht das Wahre war.
Jedenfalls gefällt mir der Film äußerst gut und daher bekommt Valerii hierfür 8,5/10 Punkte von mir. Wirklich ein schnörkelloser, schöner Italowestern, der sich auch hinter den größten Vertretern seiner Gattung nicht verstecken brauch.


#40 "Ein Dollar zwischen den Zähnen" stellt den Auftakt der Stranger-Trilogie von Luigi Vanzi mit Tony Anthony in der Rolle des Stranger dar. Habe schon bei meinem Kurzreview zu "Der Schrecken von Kung Fu" durchblicken lassen, dass ich ein Fan von Tony Anthony bin. Das alleine ist schon ein Grund wieso ich die Stranger-Filme so gern habe.
Im Gegensatz zum dritten Teil wirkt der erste Stranger-Film wesentlich düsterer und ernster. Das geringe Budget was damals zur Verfügung stand hat dem Film einen besonderen Schliff verpasst in Form einer sehr eigenen Atmosphäre. Die Handlung ist hier wirklich nichts besonderes, aber das ist auch mein einziger Kritikpunkt. Wobei eine verzwickte Handlung oft auch dazu führt, dass man sich in Nebensächlichkeiten verläuft. Hier wird die Handlung ohne Umwege vorangetrieben. Der starke Anfang, der langsame aber keinesfalls langweilige Mittelteil und das ebenfalls sehr starke Ende fügen sich zu einem schönen Gesamtpaket zusammen, welches mir perfekt ausbalanciert vorkommt. Tony ist wie gewohnt sehr cool und Frank Wolff ein starker Konkurrent. Die Musik weiß ebenfalls zu gefallen und dass wir es hier mit einem relativ brutalen Italowestern zu tun haben ist dann noch das kleine Sahnehäubchen obendrauf.
Ein schöner Auftakt für die Trilogie und ein Italowestern den man sich zwischendurch immer mal wieder anschauen kann. 8,5/10 Punkte vergebe ich dafür gerne.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 26.11.2018 20:31 
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#41 "Western Jack" oder auch "The Stranger Returns" ist der mittlere Teil der Stranger-Trilogie von Luigi Vanzi & Tony Anthony. Wobei das so nicht ganz richtig ist, denn scheinbar zählt "Get Mean" ebenfalls zur Stranger-Reihe habe ich eben gelesen. "Get Mean" wurde jedoch von Ferdinando Baldi gedreht. Egal, jedenfalls ist "Western Jack" genauso spaßig wie die anderen beiden Teile. Dieser Teil steht jedoch dem Vorgänger näher als dem Nachfolger, reiht sich allerdings gut dazwischen ein.
Im Vergleich zu Teil 1 fällt auf, dass hier ein größeres Budget zur Verfügung stand, die Stimmung nicht so düster ist, der Stranger etwas mehr redet und auch schon mal ein paar Witzchen macht. Die Story ist ähnlich wie im ersten Teil, hat jedoch ein paar neue Ideen zu bieten. Anthony ist hier wiedermal sehr cool und punktet durch seine super Mimik. Sein Gegenspieler kann jedoch leider nicht mit ihm mithalten. Die Musik ist auch hier wieder sehr gelungen wie ich finde.
Ein actionreicher, zu keiner Zeit langweiliger Feel-Good-Italowestern mit einem guten Härtegrad und einem hervorragend aufgelegten Tony Anthony. Punktetechnisch fügt er sich schön zwischen den beiden anderen Teilen ein und bekommt daher 8/10 Punkte von mir.

Meine Luigi Vanzi-Rangliste:

1. Ein Dollar zwischen den Zähnen
2. Western Jack
3. Der Schrecken von Kung Fu


#42 "Ich bin ein entflohener Kettensträfling" wurde von Camillo Bazzoni gedreht. Von den bisher von mir gesehenen Filmen handelt es sich hier um einen der kurzweiligsten bzw. actionreichsten Italowestern. Ein anderer User schrieb hier im Thread bereits, dass alle 2-3 Minuten irgendwas cooles passiert und genau so ist es auch. Der Film geht mächtig vorwärts! Nello Pazzafini hat hier eine überaus bösartige Rolle die er mit Bravur meistert. Steve Reeves geht auch vollkommen in Ordnung, aber große Schauspielkunst sollte man von ihm nicht erwarten.
Storytechnisch geht es darum, dass Reeves und sein kleiner Bruder zu unrecht in ein Straflager gesteckt werden nachdem sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Dort herrschen äußerst unmenschliche Zustände und Nello Pazzafini als Oberaufseher genießt es seine Häftlinge zu erniedrigen und zu foltern. Der kleine Bruder stirbt durch die folgenschweren Misshandlungen. Reeves bricht aus, wird ständig gejagt und sinnt dabei nach Rache.
Wirklich ein sehr starker B-Italowestern der mir wieder mal gezeigt hat was für Perlen sich doch in der Sammlung verstecken an die man gar nicht mehr gedacht hat. 7,5/10 Punkte gibt es dafür von mir.


#43 "Stirb oder töte" wurde von Alfonso Brescia inszeniert. Die Hauptrolle wird von Peter Lee Lawrence gespielt. Dies ist meines Wissens nach der 2te PLL-Western bei meiner Retrospektive, der erste war "Ein Colt für 100 Särge". An PLL scheiden sich ja die Geister. Manche mögen ihn, manche finden er passt nicht in einen Italowestern. Ich gehöre zur erstgenannten Fraktion da ich finde, dass sein Erscheinungsbild zwar nicht dem Archetypen des Antihelden entspricht, er dafür aber auf eine andere Art und Weise super in seine Rollen passt. Außerdem ist es ab und zu einfach eine schöne Abwechslung mal einen Helden mit Milchbubigesicht in einem IW zu sehen.
Die Story ist etwas besonderes hierbei, da es sich um eine Art Krimi im Italowestern-Gewand handelt. Man sollte daher keine wüste Ballerorgie erwarten, sondern einen etwas ruhigeren, kleinen aber feinen Italowestern bei dem man miträtseln kann. Unterhaltsam ist der Film dabei auf alle Fälle, vor allem weil er etwas besonderes innerhalb des Genres aufgrund seiner Krimi-Handlung darstellt. Ich bleibe bei meiner vorherigen Wertung von 6,5/10 Punkten.


#44 "Shangos letzter Kampf" war meine Wahl für den heutigen Abend. Edoardo Mulargia führte hier Regie und in den Hauptrollen sehen wir Anthony Steffen & Eduardo Fajardo. Es ist zudem auch der erste Mulargia-Film während meines Italowestern-Marathons. Manche mögen es wie Mulargia aus wenig Budget viel herausholen kann. Andere wiederum finden seine Filme uninspiriert und langweilig. Ich kann seinen Filmen meistens etwas abgewinnen.
Jedenfalls ist Shango ein relativ düsterer IW mit einer gelungenen Atmosphäre, ungewöhnlicher Musik und einer einfachen Story. Steffen kommt teilweise sehr hölzern rüber, aber das ist man ja gewohnt. Ich sehe ihn dennoch immer sehr gerne! Obendrein bekommen wir hier einige ungewöhnliche Einfälle zu sehen und werden auch mit einigen boshaften Szenen belohnt. Fajardo schreckt hier nicht einmal davor zurück wehrlosen Frauen und Kindern in den Rücken zu schießen. Eine wirklich finstere Gestalt mimt er hier! Zwar merkt man dem Film sein geringes Budget deutlich an, aber dem Unterhaltungsfaktor steht dies keinesfalls im Wege. Für einen schönen, gemütlichen Italowestern-Abend eignet sich der Film allemal. Ich denke 7/10 Punkte ist hierfür eine faire Bewertung und ich bin jedenfalls froh den Film in der Sammlung stehen zu haben.


#45 "Die Todesminen von Canyon City" wurde im Jahr 2012 verdjangot und mit Hilfe der harten Kerle von Dirty Pictures veröffentlicht. Schade, dass ich damals noch nicht dabei war!
Alfonso Balcazar der uns später noch einen düsteren, kleinen Klassiker mit "Für ein paar Leichen mehr" bescherte führte hier Regie. In einer Hauptrolle sehen wir Fernando Sancho, der als selbsternannter General sich gegen den brutalen Minenbesitzer Robert Woods auflehnt.
Der Film bietet uns kurzweilige Unterhaltung, welche wir vor allem Fernando Sancho zu verdanken haben. Er darf hier zeigen was er kann und hat dabei sichtlich Freude gehabt. Es ist wirklich herrlich ihn in Aktion zu sehen. Auch Woods macht seine Sache ganz gut, wird allerdings von Sancho gnadenlos an die Wand gespielt.
Im Kern ist der Film schon ernst angelegt, aber wird eigentlich permanent durch lustige Sprüche aufgepeppt. Die Synchro ist dabei sehr gut gelungen! Außerdem kriegen wir auch einige Brutalitäten geboten was ebenfalls für den Film spricht. Insgesamt ist der Film solide, aber auch kein Kandidat für eine Top-20. Einfach ein schöner, kleiner B-Western, der durchgehend unterhaltsam ist. Meine Wertung für den Film liegt bei guten 7/10 Punkten.

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BeitragVerfasst: 17.12.2018 17:27 
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#46 "Zum Abschied noch ein Totenhemd" wurde von einem gewissen Ettore Maria Fizzarotti realisiert. Der Regisseur hat laut Wikipedia nur vier Filme gedreht. Zwei davon waren scheinbar im Comedy-Musical-Bereich angesiedelt und einer im Crimebereich, also ein Poliziotti was vielleicht für den ein oder anderen interessant sein könnte. Unter diesen 4 Filmen war auch ein Italowestern, den ich mir eben zum 2ten Mal angesehen habe.
"Zum Abschied noch ein Totenhemd" ist ein relativ unspektakulärer Rachewestern, welcher jedoch neben einer starken Kameraarbeit auch noch klasse Musik zu bieten hat. Mike Marshall als Shane macht eine ordentliche Figur. Irgendwer sagte hier im Thread bereits, dass er aussieht wie eine Mischung aus Terence Hill, Franco Nero, Craig Hill usw. und das trifft es wie die Faust aufs Auge. Gefallen an ihm hat mir auch sein irgendwie irre anmutender Blick. Der Bösewicht hat mir allerdings überhaupt nicht zugesagt, sein Sidekick allerdings schon.
Jedenfalls geht der Film als B-Rachewestern in Ordnung, aber ist wirklich nichts Weltbewegendes. Ein paar Gewaltausbrüche werden uns hier jedoch schon serviert und auch sonst ist die Action schön über die Laufzeit verteilt. Etwas Familienkitsch ist vorhanden, was aber auch nicht sonderlich ins Gewicht fällt.
Man kann sich "Totenhemd" ruhig mal anschauen, aber er gehört keinesfalls zum Pflichtprogramm innerhalb des Genres. 6/10 Punkte ist meiner Meinung nach eine passende Bewertung für den Film. Eine höhere Wertung fände ich jedoch übertrieben.


#47 "Shamango" oder auch "Gentleman Joe" ist bisher der einzige Italowestern den ich von Giorgio Stegani kenne. Von daher habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten was die Filme des Regisseurs betrifft. Bei dem hier besprochenen Film handelt es sich jedenfalls um einen geradlinig inszenierten, harten und actionreichen Vertreter seiner Gattung. Langweilig wird es hier mit Sicherheit nicht wenn Anthony Steffen und Eduardo Fajardo gegeneinander antreten. Steffens ungewöhnlich sauberes Erscheinungsbild passt zwar irgendwie nicht so recht zu seiner Rolle, aber dafür macht er seinen Job für seine Verhältnisse ganz ordentlich. Fajardo darf mal wieder richtig schön böse sein und das meistert er natürlich problemlos wie man es von ihm gewohnt ist. Dazu steuert alles auf ein außergewöhnliches Finale hin und somit steht einem unterhaltsamen und bleireichen Abend auch nichts mehr im Wege. 7,5/10 Punkte kann man für "Shamango" ruhigen Gewissens vergeben.


#48 "Amigos" von Giulio Petroni habe ich mir eben angesehen. Petroni haben wir "Von Mann zu Mann" und "Tepepa" zu verdanken, welches beide Top-Italowestern sind soweit ich mich erinnern kann. "Amigos" schlägt jedoch in eine andere Kerbe, da wir es hier mit einer Italowestern-Komödie zu tun haben. Es ist manchmal eine schmale Gratwanderung zwischen Comedy-Western oder Buddy-Western mit Comedyeinschlag. Zwar gibt es hier hin und wieder auch einige Härten zwischendurch, aber dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass es hier im Kern immer nur um eines geht:
Giuliano Gemma ist eigentlich den ganzen Film über damit beschäftigt sowohl seinen Kompagnon Mario Adorf, als auch alle anderen Menschen im Wilden Westen mit seinen ständigen Lügereien hinters Licht zu führen um Geld abzusahnen. Eines Tages gerät er allerdings an eine Bande die mit ihm noch eine Rechnung zu begleichen hat.
Durch die Betrügereien seitens Gemma ergeben sich manchmal sehr witzige Situation, wobei gerade das Zusammenspiel zwischen Gemma & Adorf äußerst sehenswert ist. Die beiden harmonieren fabelhaft miteinander, wobei vor allem Adorf sehr sympathisch rüberkommt und meiner Meinung nach seine Rolle auch besser spielt. Zu bewundern gibt es übrigens wunderschöne Musik von Ennio Morricone.
Mittlerweile kann ich mich als Fan von Comedy-Western bezeichnen, gerade wenn es wie in diesem Fall eigentlich nie in Klamauk ausartet. Die komödiantischen Szenen wechseln sich nämlich gekonnt mit den harten Szenen ab und es kommt vielleicht auch gerade dadurch keine Langeweile auf. Es gibt dabei schon einige sehr gute Szenen zu bewundern und alles wird dabei zu einem feinen Gesamtwerk abgerundet. 7/10 Punkte ist mir der Film auf jeden Fall wert.


#49 "Drei Halunken und ein Halleluja" wurde von keinem Geringeren als Mario Bava inszeniert. Von ihm kenne ich bisher nur diesen Film hier, sowie "Wild Dogs" welcher mir gut gefallen hat. "Drei Halunken" ist nun schon der 49ste Italowestern während meiner Retrospektive und ich finde ihn bisher am schlechtesten von allen. Es wurde ja schon viel gesagt zu dem Film und ich schließe mich euren Meinungen dazu an.
Ich war anfangs ja kein Fan von Italowestern-Komödien und dieser Film hier hat nicht gerade dazu beigetragen meine Meinung diesbezüglich zu ändern. Selbst aus dieser Sparte habe ich jedem anderen bisher gesehenen Film mehr abgewinnen können. Ich konnte jedenfalls nicht darüber lachen und auch sonst empfand ich ihn als äußerst langweilig. Wirklich namhafte Schauspieler bekommen wir auch nicht geboten und die Musik gefiel mir ebenfalls nicht sonderlich. Werde den Film vermutlich nie wieder schauen und wäre er nicht Teil der IW-Enzyklopädie würde ich ihn definitiv aussortieren. Natürlich gibt es schlimmeres im IW-Bereich, aber man muss ja auch nicht jeden IW gesehen haben. 2,5/10 Punkte gibt es dafür von mir, mehr ist aber definitiv nicht drin.


#50 "Schweinehunde beten nicht" stammt von Mario Siciliano, der hiermit eine vergessene Perle innerhalb des Genres geschaffen hat. Dazu beigetragen hat vor allem die überzeugende Wandlung Gianni Garkos von einem anfangs guten Menschen hin zu einer Bestie. Auslöser ist hierbei ein traumatisches Ereignis welches den Hass in ihm erst hervorgebracht hat. Garko weiß in seiner Rolle vollends zu überzeugen. Die Musik trägt ebenfalls einen nicht unerheblichen Beitrag zum Erfolg des Films bei. Eine Ballerorgie sollte man hier jedoch nicht erwarten, denn in erster Linie geht es hier um den psychologischen Konflikt zweier ehemals guter Freunde, welcher sich immer weiter zuspitzt bis hin zu einem grandiosen Finale. Der Film hat außerdem etwas, dass mir in jedem Italowestern immer äußerst gut gefällt, nämlich eine düstere Atmosphäre.
Anzumerken ist jedoch, dass der Film sich zwischenzeitlich ein wenig in Nebensächlichkeiten verliert, die man sich vielleicht hätte sparen können. Dabei mündet dies zwar in eine spannende Szene in der ein Duell mit Platzpatronen eine Rolle spielt, jedoch wird dadurch der Erzählfluss etwas blockiert. Beim ersten Mal empfand ich dies nicht als störend, diesmal jedoch schon.
Ein grandios aufspielender Garko, eine interessante Story mit Tiefe und die grandiose Musik sorgen für gute und anspruchsvolle Unterhaltung. 8,5/10 Punkte halte ich daher für eine faire Bewertung. Im Vergleich zu anderen Italowestern wäre eine höhere Wertung einfach nicht fair. Hier noch kurz meine Rangfolge der IW-Enzyklopädie No. 1:

1. Schweinehunde beten nicht
2. Gentleman Joe
3. Amigos
4. Drei Halunken und ein Halleluja

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#51 "Killer Kid" von Leopoldo Savona war heute fällig. Von Savona kenne ich ansonsten noch "Spiel dein Spiel und töte Joe", "Django - Gott vergib seinem Colt" & "El Rojo". Erinnern kann ich mich davon nur an "Joe", welchen ich damals sehr gut fand.
"Killer Kid" hat mit Anthony Steffen & Fernando Sancho ein feines Gespann in den Hauptrollen zu bieten. Beides sind sehr bekannte Gesichter innerhalb des Genres. Ich würde fast behaupten, dass man die beiden von den bekannteren Darstellern am häufigsten im Genre wiederfindet. Jedenfalls befinden sich unzählige Filme mit ihnen in meiner Sammlung.
Angesiedelt ist "Killer Kid" während der mexikanischen Revolution. Dafür gibt es auch direkt Pluspunkte von mir, da ich solche Filme eigentlich immer genieße. Viele bemängeln die billigen Kiesgrubenschauplätze. Ich kann darüber jedoch ganz gut hinwegsehen auch wenn schönere Drehorte natürlich immer besser sind, aber was will man machen. Manchmal ging es eben aufgrund des niedrigen Budgets nicht anders.
Jedenfalls ist der Film sehr unterhaltsam, beinhaltet viel Action & hat dazu noch von mir liebgewonnene Schauspieler zu bieten. Von Anfang bis Ende jagt eine coole Szene die nächste. Ein rundum gelungener Revolutionswestern aus der 2ten Reihe. Davon könnte es ruhig noch mehr geben. 8/10 Punkte sind locker drin von meiner Seite aus.


#52 "Ein Halleluja für Django" erzählt uns die Geschichte von eine Gangsterbande die sich nach einem Bankraub in einem Städtchen niederlässt um selbiges dann zu tyrannisieren. Django, hier verkörpert von George Hilton, versucht dem ganzen Einhalt zu gebieten. Der Film schwankt zwischen Comedy und ernstem Italowestern was teilweise ganz gelungen ist, an anderen Stellen aber dafür auch etwas deplatziert wirkt. Ich empfand dies jedoch nicht wirklich als störend. Dennoch bin ich mit dem Film nicht richtig warm geworden.
Maurizio Lucidi drehte zuvor Jonny Madoc und auch den Nachfolger dazu. Ersterer war ganz in Ordnung, hat mich aber auch nicht vom Hocker gehauen. Der 2te Teil war anders gelagert und fiel im Vergleich zum Vorgänger nochmals ab. "Halleluja" würde ich zwischen den beiden Jonnys platzieren. Man verpasst nicht wirklich etwas wenn man den Film links liegen lässt. Hervorheben kann man jedoch das Finale, welches mir schon Spaß gemacht hat. Nach dem Finale wird es allerdings nochmal sehr albern. Es handelt sich hierbei um einen absolut durchschnittlichen Italowestern von der Stange für den eine Wertung von 5/10 Punkten genau passend ist.

Meine Maurizio Lucidi-Rangfolge:

1. Jonny Madoc
2. Ein Halleluja für Django
3. Jonny Madoc rechnet ab


#53 "Der Sohn des Django" oder auch "Fahr zur Hölle Django" wanderte heute kurzerhand in den Player, da ich nach längerer Abstinenz mal wieder Lust auf einen Italowestern verspührte. Osvaldo Civirani war der Regisseur dieses Low-Budget-Italowestern mit Gabriele Tinti und Guy Madison in den Hauptrollen. Die Schauspieler und auch die Musik sind ganz gut gewählt, jedoch merkt man sofort, dass man es hier mit einem Durchschnitts-IW aus der hinteren 2ten Reihe zu tun hat. Die Story ist nicht sonderlich spannend, wird jedoch recht kurzweilig und flott erzählt. Ganz lustig ist die Idee, dass hier der Antiheld den Tod seines Vaters namens Django rächen will.
Man verpasst nicht wirklich etwas wenn man einen Bogen um den Film macht. 4,5/10 Punkte vergebe ich hierfür allerdings schon, da es noch wesentlich schlechtere Italowestern gibt und es ein paar gute Ansätze zu sehen gab. Dies ist nun schon die dritte große Hartbox die nur in der Sammlung bleiben darf wegen der schönen Verpackung ("Es geht um deinen Kopf Amigo" & "Ein Halleluja für Django" sind die anderen beiden).


#54 "Der lange Tag der Rache" wurde von Florestano Vancini gedreht. In der Hauptrolle sehen wir Giuliano Gemma, von dem ich ja kein großer Fan bin. Ted Barnett war jahrelang unschuldig zu Zwangsarbeit in einem Steinbruch verdammt und kann zu Beginn des Filmes dank einer spektakulären Befreiungsaktion fliehen. Sein Ziel ist es den Mörder seines Vaters zu finden und Rache an ihm zu nehmen. Die Suche entwickelt sich zu einer schön erzählten Story die immerzu interessant ist. Dabei trifft Gemma auf diverse Gegenspieler die allesamt eine gute Figur machen in ihren Rollen. Untermalt wird das Ganze von einem wundervollen Soundtrack. Die Laufzeit von ca. 2 Stunden empfand ich dennoch als etwas zu lang. Ich wollte aber nicht die gekürzte Fassung anschauen, da dort auch Actionszenen herausgeschnitten wurden soweit ich mich erinnern kann.
Der Film ist aber sehr sehenswert, dennoch sehe ich ihn nicht als einen Kandidaten für die Top 20. Allerdings gibt es gerade zu Beginn einige Szenen die sehr stimmungsvoll inszeniert sind. Zum Beispiel die Szene in der Gemma sich frisieren lässt ist wirklich sehr spannend geworden oder auch die Suche nach den beiden Schwarzen in dem mexikanischen Dorf.
Insgesamt haben wir es hier definitiv mit einem überdurchschnittlichen Italowestern zu tun mit einigen denkwürdigen Szenen, einer gut erzählten Geschichte, einer feinen Besetzung, toller Musik und einem klasse Finale. 8/10 Punkte sind hierfür durchaus angemessen denke ich.


#55 "Spiel dein Spiel und töte Joe" wurde von Leopoldo Savona inszeniert, der auch schon den von mir kürzlich gesehenen "Killer Kid" gedreht hat. Der Film hat mit Anthony Steffen in der Hauptrolle und Eduardo Fajardo als seinen Gegenspieler zwei von mir sehr geschätzte Darsteller zu bieten, welche man glücklicherweise in vielen Italowestern wiederfindet. Beide liefern standesgemäß für meinen Geschmack gute, weil routinierte, Leistungen ab. Zu dieser Zeit hatten sie bereits in zahlreichen Western Erfahrungen sammeln können, von daher ist dies auch nicht verwunderlich.
Die Story ist nichts weltbewegendes, kann den Fan aber dennoch bei Laune halten. Die Musik ist flott und weiß zu gefallen. Langeweile sucht man hier vergeblich, denn hier ist ständig etwas los. Vor allem das Ende ist reichlich bleihaltig und bietet einige schöne Schießereien mit zahlreichen Leichen. Steffen schlüpft übrigens die ganze Laufzeit über in diverse Kostüme um seine Gegner an der Nase herumzuführen und kann sich so stets Vorteile in allen erdenklichen Situationen schaffen. Als Augenschmauß gibt es hier übrigens eine wahnsinnig heiße Saloondame zu bestaunen! Dicke 8/10 Punkte gibt es von mir für "Spiel dein Spiel und töte Joe".

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 18.12.2018 20:00 
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#56 "Pronto Amigo" von Sergio Bergonzelli habe ich mir heute angesehen. Kenne von ihm sonst nur "Sando Kid spricht das letzte Halleluja" den ich als recht brauchbar in Erinnerung habe.
Eine mexikanische Bande richtet ein Massaker an und unser Held, verkörpert durch einen gewissen Bob Henry, wird angeheuert um die Bande zu zerschlagen. Bekannte Schauspieler kann ich hier nicht finden, andere Zuschauer eventuell schon. Ich bin nicht so gut darin mir sämtliche Nebendarsteller aus anderen Italowestern zu merken. Natürlich habe ich darunter auch ein paar Lieblinge und auch in diesem Film wissen ein paar Darsteller zu gefallen, aber mit Namen kann ich hier leider nicht dienen. Erwähnenswert ist der Schauspieler der "El Condor" den Banditenboss verkörpert. Der Hauptdarsteller erscheint allerdings eher blass und irgendwie fehlbesetzt. Die Story plätschert so vor sich hin und die Schießereien lösten bei mir auch keine Begeisterungsstürme aus.
Der Beginn des Films ist vielversprechend und das Ende, wo das Banditenlager gestürmt wird ist auch sehr unterhaltsam inszeniert. Allerdings konnte mich der Mittelteil nicht in den Bann ziehen. Über den Durchschnitt schafft es der Film daher in meiner Wertung nicht. Ich habe aber bei meiner Retrospektive definitiv schlechtere Filme gesehen. Fast hätte ich es vergessen: Auch hier bekommen wir zwei wunderschöne Nebendarstellerinnen zu sehen. Das hebt die Wertung minimal auf 5,5/10 Punkte die ich somit an "Pronto Amigo" vergebe.


#57 "Heute ich... morgen du" wurde von einem gewissen Tonino Cervi gedreht. Dies war leider auch sein einziger Italowestern. Der Hauptdarsteller ist Brett Halsey und sieht in dem Film wirklich äußerst cool aus. Eine gute Wahl! Ihn unterstützen bei seinem Rachefeldzug unter anderem Bud Spencer und William Berger, die beide jeden Film bereichern können. Auch der Bösewicht ist auf eine ungewöhnliche Weise interessant. Ich mochte seine Darstellung jedenfalls!
Bei der Story erwarten einen hier keine großartigen Innovationen, obwohl das Drehbuch von Dario Argento geschrieben wurde. Da habe ich mir etwas mehr erhofft, aber dafür wird die Story schnörkellos und ohne Längen vorangetrieben. Was mir an dem Film sehr gut gefallen hat waren die ungewöhnlichen Drehorte, die uns eine triste, düstere Atmosphäre bescheren. Diese Atmosphäre kommt vor allem im Finale, welches in einem Wald spielt, besonders gut zur Geltung, aber zieht sich eigentlich durch den gesamten Film. Irgendwer schrieb in dem Thread, dass der Film sich dadurch aus der Masse an Italowestern hervorheben kann und dass er mit IW-typischen Landschaften nur im Einheitsbrei versunken wäre. Das beschreibt es eigentlich ganz gut.
Gut gewählte Darsteller, eine tolle Atmosphäre, ein stimmungsvoller Score und ein packendes Finale sorgen für gute Unterhaltung. 6,5/10 Punkte kann man hierfür locker vergeben.


#58 "Django - Unbarmherzig wie die Sonne" ist ein Italowestern der von Mario Lanfranchi realisiert wurde. Darin geht es um Django der sich an den vier Männern rächen will, die für den Tod seines Bruders verantwortlich sind. Die Rachegeschichte wird uns dabei episodenhaft in vier Teilen präsentiert, wobei Django sich in jeder Episode einem der Mörder widmet. Die Episoden sind alle von Grund auf verschieden und jede in ihrer Art und Weise wirklich sehenswert. Das Gesamtbild, dass dabei gezeichnet wird ist wahnsinnig gut geworden. Auf alle Fälle haben wir es hier mit einem sehr außergewöhnlichen Italowestern zu tun, der in keiner gut sortierten IW-Sammlung fehlen sollte.
Angefangen bei den wirklich sehr gut ausgewählten Drehorten, die mit einer gelungenen und verspielten Kameraführung eingefangen werden, über eine schöne musikalische Untermalung, einem einmaligen Storyaufbau, sehr gut gewählten Darstellern, bis hin zu den packenden Actionszenen und den außergewöhnlichen Ideen, stimmt hier so gut wie alles. Das einzige Manko ist für mich der Django-Darsteller. Er macht seine Sache nicht schlecht, aber wenn die Rolle jemand wie Nero oder Garko gespielt hätte wäre der Film noch besser geworden.
Ein Italowestern den man sich definitiv öfter ansehen kann und der vermutlich in der Gunst eines jeden Fans des Genres sehr hoch angesiedelt sein dürfte. 9/10 Punkte kriegt der Film von mir und somit zählt er mit zu den besten Italowestern die ich bei meiner Retrospektive bisher gesehen habe.


#59 "Auf die Knie Django" wurde von Gianfranco Baldanello gedreht, von dem ich sonst keine Filme kenne. Robert Woods sehen wir hier in der Rolle des Django. Er bekommt sein ergaunertes Geld von seinen ehemaligen Bandenmitgliedern gestohlen, wird zum Krüppel geschossen und zu allem Übel wird auch noch seine Schwester vergewaltigt, ermordet und sogar skalpiert. Folglich sinnt er auf Rache und geht dabei äußerst ruppig vor. Wir haben es hier mit einem äußerst brutalen Italowestern zu tun, in welchem der Held genauso bösartig ist wie seine Peiniger.
Der Film ist auf jeden Fall außergewöhnlich, düster, bösartig und auch unterhaltsam. Die Darstellung von Woods ist gut geraten, wobei er Django glaubhaft zu einem Psychopathen verwandelt. Die Story ist nichts besonderes und gerade zu Beginn wird viel Zeit vergeudet bis Django endlich auf seine Feinde losgelassen wird. Dann wird es allerdings ein Fest für die Sinne.
Auch diesen Film sollte man sich als Fan des Genres ins Regal stellen oder zumindest mal gesehen haben. Ein anderer User schrieb bereits, dass es sich hier um einen würdigen Django-Vertreter handelt und das sehe ich genauso! Unter den vielen Django-Plagiaten ist dieser hier wirklich einer der zur Speerspitze gehört und die Atmosphäre des Originals schön wiedergeben kann. Wären der Beginn und der Mittelteil von solch einer herausragenden Qualität wie das letzte Drittel des Films könnte man hier eine noch höhere Wertung ziehen. So vergebe ich erstmal 8/10 Punkte.


#60 "Glut der Sonne" ist ein Italowestern von Gianni Puccini der sich der Geschichte um "Romeo & Julia" bedient. Die Hauptrolle mimt hier Peter Lee Lawrence, den ich zwischendurch immer wieder gerne in einem Italowestern sehe. Sein Aussehen bringt etwas Abwechslung in ein Genre, welches sonst eher ältere Raubeine mit Dreitagebart in der Hauptrolle zeigt.
Die Story ist ebenfalls für einen Italowestern eher untypisch und bringt somit, wie schon die Wahl des Hauptdarstellers, frischen Wind mit ins Spiel. Im Mittelteil des Films schleichen sich zwar ein paar kleine Aussetzer hinein, doch das bleihaltige Finale, welches außerdem noch einen ungewöhnlichen Gastauftritt in Form des Tods höchstpersönlich beinhaltet, kann dies jedoch locker wieder ausgleichen. Die Locations wurden wahrlich spitze ausgewählt und die musikalische Untermalung weiß auch zu gefallen, ist jedoch nicht sonderlich abwechslungsreich. In einer größeren Nebenrolle findet sich ein bekanntes Gesicht des Genres wieder, nämlich Pierro Lulli der wie ich finde jeden Italowestern bereichern konnte.
Dennoch bin ich nicht so begeistert wie manch anderer von dem Film, auch wenn das Ende wirklich außergewöhnlich ist. Irgendwie hat mir das gezeichnete Gesamtbild nicht ganz zugesagt, da sich hier und da doch ein paar Schwächen eingeschlichen haben. Für 6,5/10 Punkte reicht es aber gut und gerne.

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BeitragVerfasst: 22.12.2018 18:22 
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#61 "Sabata" ist der Auftakt einer Trilogie um den gleichnamigen Helden, welcher von Lee Van Cleef verkörpert wird. Und was für einen unfassbar starken Film uns Gianfranco Parolini hier beschert hat ist eine wahre Freude. Lee Van Cleef dürfte jeder hier kennen und lieben. Ihn umgibt einfach eine Aura die jeder Figur etwas Unnahbares schenkt, jemand der allen immer einen Schritt voraus ist und dem nie etwas passieren kann. So auch bei seiner Darstellung des Sabata, eine Figur die ähnlich schon in den Sartana-Filmen vorkommt. "Sartana - Bete um deinen Tod" wurde übrigens ebenfalls von Parolini gedreht, von daher ist sein Erbe, welches er dem Italowestern-Fan vermacht hat schon gewaltig. Beide Figuren sind als Ikonen innerhalb des Genres zu bezeichnen! Helmut Berger ist bei "Sabata" ebenfalls mit von der Partie und kann als Banjo-spielender Quasi-Sidekick auf ganzer Linie überzeugen.
Sowieso stimmt bei diesem Film einfach so gut wie alles. Sei es nun die kurzweilig erzählte Story, die uns von einer coolen Szene zur nächsten jagt, die genialen Charaktere, die treibende Musik, die spitzen Actionszenen, die comicartige Übertreibung, die herrlichen Kulissen oder die allgemeine Leichtfüßigkeit die dieser Film beherbergt. Jedenfalls finde ich 9/10 Punkte durchaus angemessen für diesen mehr als nur unterhaltsamen Italowestern.


#62 "Adios Sabata" ist der Mittelteil der Sabata-Trilogie von Gianfranco Parolini. Auch hier haben wir es mit einem A-Klasse Italowestern zu tun, dem das hohe Budget jederzeit deutlich anzumerken ist. "Adios Sabata" enthält eigentlich alle Zutaten die schon seinen Vorgänger auszeichneten. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings schon, denn als Hauptdarsteller wurde anstatt Lee Van Cleef diesmal Yul Brynner ausgewählt. Ist vielleicht Geschmackssache, aber ich hätte mir lieber Van Cleef gewünscht. Ihm steht die Rolle des Sabata einfach besser zu Gesicht meiner Meinung nach.
Auch sonst bin ich der Meinung, dass diesem Film etwas von der Atmosphäre abgeht, die der Vorgänger ausgestrahlt hat. Der Film ist keinesfalls schlecht, mir gefällt Teil 1 allerdings noch etwas besser. Unterhaltsam ist "Adios Sabata" aber auf alle Fälle, denn auch hier haben wir es mit einem comichaften Action-Western erster Güte zu tun. Die Zeit vergeht wie im Fluge und nahezu jede Szene hat einiges an Schauwert zu bieten. Ein würdiger Nachfolger zu "Sabata" und ein Film der wahrscheinlich sehr beliebt ist bei den Italowestern-Jüngern. Ich vergebe daher sehr gute 8/10 Punkte für den 2ten Teil der Sabata-Reihe.


#63 "Todesmarsch der Bestien" wurde vom spanischen Regisseur José Romero Marchent ebenda produziert. Somit handelt es sich eher um einen Spano-Western. Sein Bruder Rafael Romero Marchent bescherte uns ebenfalls ein paar nette Western. Die Hauptrolle spielt hier Robert Hundar, der ebenfalls äußerst aktiv im Bereich des Italowestern war.
Es handelt sich hierbei um einen der eher seltenen Schneewestern. Von der Atmosphäre her kann man ihn daher mit "Leichen pflastern seinen Weg" vergleichen, welcher ebenfalls in eisiger Schneelandschaft spielt und eine düstere, kalte Stimmung besitzt die von der Gewalt und Boshaftigkeit der Charaktere noch unterstrichen wird.
In "Todesmarsch der Bestien" geht es um einen Sergeant, der eine Kutsche voller Kettensträflinge in ein anderes Gebiet umsiedeln soll. Nach einem Überfall von Banditen wird die Kutsche zerstört und die Gruppe muss sich zu Fuß auf den Weg durch das eisige Gelände machen. Dabei gibt es viele Faktoren, die dafür sorgen, dass die Handlung durchweg spannend bleibt, wie z.B. die unfassbar bösartig agierenden Kettensträflinge, der anstrengende Fußmarsch, der immer stärker werdende Hunger, der Hass auf den Sergeant, die besondere Kette, die Anwesenheit der Tochter des Sergeants, die Banditen und die allgemeine Ausweglosigkeit der Lage.
Langweile konnte ich keine ausmachen und die Gewaltspitzen waren mal etwas anderes, wenn auch nicht unbedingt in diesem Ausmaß notwendig, aber ich finde dadurch nimmt der Film eine gewisse Sonderstellung im Italowesternbereich ein.
Ich ziehe 8,5/10 Punkte bei diesem schaurig bösen Schneewestern. Mir gefiel vor allem das erste Drittel, da konnte man die Anspannung innerhalb der Gruppe förmlich spüren. Das 2te Drittel war auch sehr spannend, aber das letzte Drittel hat in mir keine Begeisterungsstürme verursacht. Dafür gibt es allerdings einiges an Gore zu bewundern.


#64 "Ein Loch in der Stirn" wurde von Giuseppe Vari inszeniert welcher z.B. noch "Mörder des Klans" & "Rocco - Ich leg dich um" zu verantworten hat. Beide stehen noch auf meiner To-Do-Liste. Die Hauptrollen mimen hier Anthony Ghidra & Robert Hundar, der ja zufällig auch die Hauptrolle im zuvor gesehenen "Todesmarsch der Bestien" hatte und das Unterfangen sehr gut gemeistert hat. Hier verkörpert er den Bösewicht und kann ebenfalls überzeugen. Unser Antiheld Ghidra wirkt dagegen etwas blass wie ich finde.
Die Story um drei Spielkarten die zusammen den Fundort eines Schatzes verraten sollen ist in Ordnung, aber die Umsetzung ist eher als durchschnittlich zu bezeichnen. Im Allgemeinen haben wir es hier mit einem billigen und in allen Belangen durchschnittlichen Vertreter zu tun, der dafür aber schnörkellos und mit einigen Brutalitäten aufgepeppt zum Ziel führt. Die ersten 20 Minuten sind dabei allerdings etwas störend, da dort eigentlich kaum etwas interessantes geschieht. Anschließend geht es allerdings bergauf. Die Szenen im Banditenlager und das Finale sind ganz gut gelungen. Dennoch muss man den Film eigentlich nicht in seiner Sammlung haben. Für 5/10 Punkte reicht es aber dann doch würde ich sagen.
Somit habe ich nun alle in meinem Besitz befindlichen großen Hartboxen durch und kann sagen, dass da 4 oder 5 dabei waren die nur in der Sammlung bleiben weil sie neben den anderen Hartboxen schön im Regal aussehen.


#65 "Um sie war der Hauch des Todes" wurde von Julio Buchs gedreht, der vorher schon "Sein Steckbrief ist kein Heiligenbild" geschaffen hat. Die Hauptrolle spielt George Hilton und sein Gegenspieler ist Ernest Borgnine. Storymäßig geht es um einen desertierten Soldaten, der sich aufmacht um seine Frau zu sehen, die zuvor ein Baby bekommen hat und der es gesundheitlich nicht gut geht. Nach einige Strapazen erreicht er sein Ziel um auf den Vater seiner Frau zu treffen der nur Verachtung ihm gegenüber empfindet. Von da an überschlagen sich die Ereignisse und unser Antiheld erfährt einen Schicksalsschlag nach dem anderen. Fortan wandelt er sich und kennt nur noch Hass und Rachegedanken. Er beginnt sich eine Bande bestehend aus Outlaws aufzubauen...
Vorweg muss gesagt werden, dass es sich hierbei um einen Italowestern handelt der durchaus auch als Tragödie gesehen werden kann und dem eine sehr düstere Atmosphäre anhaftet. Der Film zieht einen sofort in seinen Bann, was vor allem George Hilton zu verdanken ist, der den Zuschauer mit in die sehr gut erzählte Story hineinzieht. Man kann sich sehr gut in ihn hineinversetzen und kann seine Wandlung nachvollziehen. Überhaupt ist der Film eine ungewöhnliche Perle innerhalb des Genres, welche zurecht ein hohes Ansehen innerhalb unserer kleinen Gemeinschaft genießt.
"Ein Loch in der Stirn" den ich zuletzt angesehen habe bietet uns eine Szene in der jemand in einer Schale Bier ertränkt wird. Hier wird zufälligerweise jemand in einem Eimer Milch ertränkt.
Ein außergewöhnlicher Italowestern, der in allen Belangen überzeugen kann und mit einem grandiosen Finale daherkommt. Schön gefilmt in gut ausgewählten Locations, eine passend düstere Musik, ein gut aufgelegter George Hilton, ein starker Ernest Borgnine als Gegenpart und eine klasse Story welche in einem passenden Tempo erzählt wird. Definitiv ein Italowestern den man zur Oberklasse zählen kann! Schade, dass wir auch hier noch keine angemessene Auswertung von solch einem starken Film haben. Meiner Meinung nach sind 9/10 Punkte hierfür locker drin.

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BeitragVerfasst: 23.12.2018 14:18 
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#66 "Man nennt mich Halleluja" ist eine Italowestern-Komödie die während der mexikanischen Revolution spielt. Inszeniert wurde das ganze von Giuliano Carnimeo, der uns z.B. mit der Sartana-Reihe und "Django - Ein Sarg voll Blut" ein paar erstklassige Italowestern der besonderen Art geschenkt hat. Auch hier fällt einem die Carnimeo-Handschrift ab der ersten Sekunde auf. Diese Verspieltheit, die sich durch den ganzen Film zieht ist etwas ganz besonderes, was mir immer wieder Freude bereitet. Die ausgefallenen Ideen, die Kamera die ständig in Bewegung ist, die diversen lustigen Zeitgenossen, die man während des Films kennenlernt und die allgemein comichafte Stimmung sind ein wahres Fest an Unterhaltsamkeit. Getrübt wird das Ganze leider durch den teilweise schon etwas nervigen Humoranteil. Klar ein paar Sprüche sind schon echt lustig aber dennoch war es mir manchmal etwas zuviel des Guten. George Hilton passt super in die Rolle des Hallelluja, dennoch hätte ich mir lieber Gianni Garko gewünscht. Eine schöner kurzweiliger Italowestern der lustigen Art, den man sich ruhig öfter mal anschauen kann. Leider mit ein paar Durchhängern im Mittelteil. Der Anfang und das Finale sind dafür aber umso besser! 7,5/10 Punkte möchte ich erstmal vergeben.


#67 "Ein Halleluja für Camposanto" wurde von Giuliano Carnimeo gedreht. Carnimeo ist ja fast schon so etwas wie ein Garant für unterhaltsame Italowestern, die mit einer gewissen Leichtfüßigkeit und Verspieltheit daherkommen. So auch bei diesem Film, der zwar storytechnisch niemanden vom Hocker hauen wird, allerdings anderweitig überzeugen kann. Zum Beispiel ist die Musik wirklich super geraten und die Chemie zwischen den Darstellern, allen voran Gianni Garko und William Berger, sorgt für ein konstantes Freudengefühl beim Ansehen. Auch das Finale kann sich sehen lassen und eine Carnimeo-typische Wendung wird einem auch noch serviert. Etwas störend ist auch hier der teilweise flache Humor, was sich allerdings in Grenzen hält. Die beiden irischen Brüder hatten für meinen Geschmack etwas zu viel Screentime. Dafür hätte ich mir stattdessen etwas mehr Garko & Berger gewünscht. "Man nennt mich Halleluja" gefiel mir etwas besser als Camposanto, von daher vergebe ich erstmal 7/10 Punkte. Von den bisher von mir besprochenen Italowestern von Carnimeo hat dieser hier glaube so ziemlich die niedrigste Wertung bekommen, was aber keinesfalls heißen soll, dass der Film nicht unterhaltsam wäre.


#68 "Sando Kid spricht das letzte Halleluja" ist der letzte Film aus der schönen Halleluja-Box von Koch Media. Die beiden anderen Filme wurden von Carnimeo gedreht, während dieser hier von Sergio Bergonzelli realisiert wurde. Kenne von ihm ansonsten nur den durchschnittlichen "Pronto Amigo". Vorweg kann ich schon mal sagen, dass mir "Sando Kid" besser gefallen hat.
Die Story dreht sich um einen Ex-Nordstaaten Offizier (Aldo Sambrell), der aus Profitgier mit aller Gewalt das Land unschuldiger Rancher für sich beanspruchen will. Ihm stellt sich Peter Lee Lawrence entgegen, der schon im Krieg mit ihm in Berührung kam und dabei sein bösartiges Gemüt kennenlernen durfte.
Die Story ist nichts Neues und bietet auch keine großen Überraschungen, kann einen aber dennoch über die gesamte Laufzeit bei Laune halten. PLL spielt seine Rolle wie gewohnt ganz gut und hat mit "Dollar" einen äußerst coolen Helfer an seiner Seite. Positiv hervorzuheben ist außerdem, dass es hier einige schön inszenierte Actionszenen, sowie ein paar nette Brutalitäten zu sehen gibt. Außerdem ist der Anfang wirklich extrem gut gelungen, was meiner Meinung nach auch das Beste an dem Film ist. Das bleireiche Finale hat mich allerdings auch begeistert. Der Rest ist sicherlich ebenfalls fernab von schlecht und somit kann "Sando Kid" meiner Meinung nach die Durchschnittslinie des Genres nach oben hin locker durchbrechen. Ein unterhaltsamer, lockerer Film, der die Halleluja-Box schön abrunden kann. Ich denke 6,5/10 Punkte kann man hierführ ruhigen Gewissens vergeben.

Meine Sergio Bergonzelli-Rangliste:

1. Sando Kid
2. Pronto Amigo


#69 "Django - 10.000 blutige Dollar" ist der erste Film aus der wundervollen Koch Media Django-Box. Er wurde von Romolo Guerrieri gedreht, der auch "Johnny Yuma" inszeniert hat. Es geht in dem Film um Django, welcher nur Steckbriefe abarbeitet die ihm 10.000 Dollar einbringen. Dabei gerät er eines Tages an Manuel Vasquez und seinen Vater mit denen nicht gut Kirschen essen ist.
In den Hauptrollen sehen wir Gianni Garko als Django, Claudio Camaso als Manuel, sowie Fernando Sancho als Manuels Vater. Garko & Sancho sollten jedem hier ein Begriff sein und ich glaube auch, dass die beiden richtige Publikumslieblinge sind. Für mich sind sie das jedenfalls und ich war dementsprechend froh sie gemeinsam in einem Film zu sehen. Claudio Camaso ist der jüngere Bruder von Gian Maria Volonte und sollte im darauffolgenden Jahr auch in "Django - Der Bastard" mit von der Partie sein. Aber dazu komme ich später noch, denn der Film ist der 2te in der Django-Box. Jemand hier im Thread schrieb bereits, dass Camaso wie eine Mischung aus Volonte und Tomas Milian aussieht und rüberkommt. Das ist eine sehr treffende Beschreibung finde ich. Er macht seine Sache wirklich gut und wirkt gegenüber Garko auch nicht blass. Die beiden liefern sich ein Duell auf Augenhöhe und das will schon was heißen. Die Besetzung ist daher schon mal vom Feinsten.
Besonders interessant ist, dass ich eigentlich gar keine Schwächen ausmachen konnte und daher kann ich den Film als rundum gelungen bezeichnen. Die Locations, vor allem die Geisterstadt sind traumhaft und auch die Bilder die dadurch eingefangen werden konnten sind spitze. Das Ganze strotzt nur so von Atmosphäre und die äußerst passende Musik gibt dem Film dann noch den letzten Schliff. Allgemein haben wir es hier mit einem eher düsteren Vertreter des Genres zu tun und das gefällt mir eigentlich immer!
Ein erstklassiger Italowestern bei dem wirklich alles stimmt. Dennoch kann ich mich nicht dazu durchringen dem Film mehr als 9/10 Punkte zu geben. Woran das liegt kann ich nicht genau sagen. Vermutlich an der starken Konkurrenz die noch während meiner Retrospektive aussteht.


#70 "Sabata kehrt zurück" ist der Abschluss der Sabata-Reihe, wobei der Brynner-Sabata eigentlich kaum dazu gezählt werden kann. Gianfranco Parolini führte allerdings bei allen drei Filmen Regie. Außerdem verdanken wir ihm noch "Sartana - Bete um deinen Tod". Von daher kann man ihn als durchaus fähigen Regisseur bezeichnen.
Irgendwie weiß ich jedoch nicht so recht was ich von "Sabata kehrt zurück" halten soll. Von der ersten Minute an war mir das schon klar. Natürlich ist der Film unterhaltsam und hat auch ein ähnliches Feeling wie der erste Sabata-Film. Lee Van Cleef ist wieder in der Hauptrolle zu sehen, das Budget scheint gestimmt zu haben, die Action ist als sehr gut zu bezeichnen und Langeweile hat man beim Schauen definitiv auch nicht. Das Finale ist übrigens megastark!
Dennoch war ich nicht so richtig gefesselt und ich verstehe auch warum der Film bei einigen IW-Fans nicht so gut ankommt. Es gibt einige gute Szenen zu bestaunen aber das große Ganze mag nicht so richtig passen. Ich vergebe jedenfalls 6,5/10 Punkte für den dritten Sabata-Film.

Meine Gianfranco Parolini-Rangfolge:

1. Sabata
2. Sartana - Bete um deinen Tod
3. Adios Sabata
4. Sabata kehrt zurück

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 23.12.2018 18:02 
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#71 "Django - Der Bastard" wurde von Giovanni Fago gedreht, der uns auch "Django - Melodie in Blei" und "Viva Cangaceiro" beschert hat. Diese beiden Filme werde ich demnächst auch noch unter die Lupe nehmen. Der hier besprochene Film ist in Deutschland nur in der tollen Django-DVD-Box von Koch Media erhältlich, welche leider schon seit Jahren OOP ist und von daher meistens nur noch gebraucht für teures Geld zu erwerben ist. Der erste Filme der Box ist "Django - 10.000 blutige Dollar" welcher eigentlich keine Makel zu verzeichnen hat. Der hier besprochene 2te Film der Box ist eine tolle Ergänzung dazu auch was die filmische Qualität anbelangt. Beide Filme sind nämlich auf einem ähnlich hohen Niveau anzusiedeln, wobei "10.000 blutige Dollar" die Nase leicht vorn hat meiner Meinung nach. In beiden Filmen sehen wir Gianni Garko & Claudio Camaso in den Hauptrollen, die ihre Sache beide sehr gut machen, wie man es von ihnen gewohnt ist. Als Bonus sind beim "Bastard" noch Pierro Lulli & Fernando Sancho in kleineren Rollen zu sehen.
Der Film bietet uns eine tolle Story, die bis zum Ende hin spannend bleibt. Den Actionanteil würde ich als genau richtig dosiert bezeichnen. Außerdem ist der Film völlig von jeglichem Humor befreit und kommt daher auch äußerst hart rüber, was bei mir immer gut ankommt. 8/10 Punkte kann man für diesen Spitzenfilm gut und gerne vergeben. Schade, dass die beiden Filme nur in der teuren Box erhältlich sind, sonst würden die Filme garantiert mehr Beachtung bekommen.


#72 "Django - Die Bibel ist kein Kartenspiel" ist der dritte und letzte Film aus der Django-Box von Koch Media. Vorweg kann man sagen, dass der Film qualitativ deutlich hinter den beiden anderen Filmen hinterherhinkt. Dies macht sich vor allem bei dem wirren Storyaufbau und den Schauspielern bemerkbar. Ein kompletter Reinfall ist der Film allerdings nicht. Interessant ist z.B. dass der Film in Israel gedreht wurde, was mal eine willkommene Abwechslung ist. Irgendwie kommt mir der Film jedoch ein bisschen belanglos vor und somit kann ich mich nicht dazu durchringen ihm mehr als 4/10 Punkte zu geben. Man verpasst zwar nichts wenn man den Film auslässt, allerdings macht man auch nichts falsch wenn man ihn sich mal anguckt. Eine nette, kleine Beigabe zu den beiden anderen Django-Filmen der Box. Man sollte jedoch keine zu hohen Erwartungen haben.


#73 "Eine Flut von Dollars" wurde von Carlo Lizzani inszeniert. Lizzani war unter anderem auch für "Mögen sie in Frieden ruhen" verantwortlich, den ich als sehr brauchbar in Erinnerung habe. In der Hauptrolle sehen wir einen gewissen Thomas Hunter, der ansonsten nur in "Drei Pistolen gegen Cesare" im Bereich des Italowestern zu sehen war. Seine Leistung würde ich als durchschnittlich bezeichnen. Sein Kontrahent ist hier in erster Linie Henry Silva, der ja hinreichend bekannt sein sollte. Er spielt den Bösewicht recht ordentlich, löst allerdings auch keine Begeisterungsstürme bei mir aus.
Der Film kommt, wie einige vor mir schon erwähnten, eher rüber wie ein US-Western. Das ist zumindest für mich ein herber Kritikpunkt. Sowieso ist der Film viel zu durchschnittlich in allen Belangen. Vor allem die Story ist ermüdend auch wenn sie recht zügig erzählt wird. Das kitschige Ende setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Auch die Morricone-Musik konnte bei mir nicht wirklich punkten. Positiv hervorzuheben ist die gelungene Endschießerei und die Westernstadt gefiel mir auch recht gut. Erneut ein Italowestern den man meines Erachtens nach nicht unbedingt gesehen haben muss. Von daher halte ich 4,5/10 Punkte für eine angemessene Bewertung.


#74 "Yankee" von Tinto Brass landete eben spontan im Player. Tinto Brass ist eher in anderen schmutzigen Gefilden zuhause, aber auch der Italowestern steht ihm ganz gut. Auch der Hauptdarsteller namens Philippe Leroy ist mir nicht aus anderen Italowestern bekannt. Er passt aber bestens in die Rolle des Antihelden. Sein Gegenspieler im Film ist Adolfo Celi, der in der Rolle des großen Cancho richtig aufdrehen darf.
Von der Story her wird einem nichts Weltbewegendes geboten. Auch die Musik ist nicht besonders gut platziert und wirkt auf Dauer etwas nervig. Womit der Film allerdings stark bei mir punkten konnte ist die Bildkomposition, beziehungsweise die einfallsreiche Kameraarbeit, die den Film zu etwas ganz Besonderen innerhalb des Genres macht. Solche Filme, die sich von der Masse abheben, sind bei mir immer gern gesehen. Der Actionanteil ist meiner Meinung nach genau richtig gewählt und auch sonst kommt in dem Film eigentlich keine Langeweile auf. Die Inszenierung ist einfach klasse! Ein schöner Italowestern für Genießer die gerne mal über den Tellerrand hinausschauen, den ich mit 7,5/10 Punkten bewerten würde.


#75 "Django - Die Nacht der langen Messer" wurde von keinem geringeren als Enzo Barboni gedreht und stellt übrigens sogar sein Regiedebüt dar. Unter den Umständen kann man von einem rundum gelungenen Film sprechen, der schon erahnen lässt, dass Barboni ein fähiger Mann war.
Das Quartett welches zu Beginn des Films aus einer Anstalt fliehen kann besteht aus Leonard Mann, der zuvor schon in "Seine Kugeln pfeifen das Todeslied" die Hauptrolle inne hatte, George Eastman, Woody Strode & Peter Martell. Eine Besetzung die mir wirklich äußerst gut gefallen hat. Die Story entwickelt sich aus dem Kniff, dass Django hier unter Amnesie leidet und nach und nach immer mehr über seine Vergangenheit ans Licht gebracht wird. Dies ist in der Tat sehr ansprechend und vor allem auch spannend umgesetzt worden und hält den Zuschauer bei der Stange. Vor allem der Beginn mit der brennenden Anstalt, die Szene nachts auf dem Friedhof, sowie das mehr als unterhaltsame Finale stechen hier hervor. Der Film hat wirklich einiges zu bieten!
Barbonis späteres Schaffen sollte hier aber definitiv nicht zum Vergleich herangezogen werden, da wir es hier mit einem sehr ernsten und düsteren Vertreter des Genres zu tun haben. Das Einzige was an die späteren Werke erinnert ist die etwas zu fröhlich geratene Musik. Wie dem auch sein, der Film ist in meinen Augen als überdurchschnittlich zu bezeichnen und gehört in jede gut sortierte Django-Sammlung. Ich denke 8/10 Punkte sind hierfür eine zutreffende Bewertung.

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#76 "Mörder des Klans" von Giuseppe Vari habe ich mir eben mal angesehen. Von ihm kenne ich ansonsten noch "Ein Loch in der Stirn", den ich sehr durchschnittlich fand und "Rocco - Ich leg dich um". "Rocco" werde ich mir bei meiner Retrospektive natürlich auch noch anschauen. Was die beiden anderen Varis mit "Mörder des Klans" gemeinsam haben ist ein relativ geringes Budget.
Bei dem hier besprochenen Film beschränkt man sich auf zwei Schauplätze, nämlich die Hütte in der ersten Hälfte und die Reise durch die Wüste in Richtung Mexiko in der zweiten Hälfte. Die erste Hälfte hat mir dabei besser gefallen als die Zweite. Die dichte, äußerst intensive Atmosphäre in der Hütte, die gerade durch das Auftreten des allseits beliebten Klaus Kinski in Kombination mit dem engen Raum erzeugt wird ist schon sehr gut inszeniert. Die vielen Leute die sich in der Hütte tummeln und die diversen Zwischenfälle die unter anderem durch das Auftauchen der Ranger oder den neu eintreffenden Gästen entstehen sorgen für eine durchgehend hohe Spannung beim Zuschauen. Kinski ist einfach wie gemacht für solche Rollen. Der Typ war einfach wahnsinnig und das sieht man ihm in jeder Sekunde in jedem seiner Filme an. Die 2te Hälfte ist ebenfalls als gelungen zu bezeichnen. Es ist schön anzusehen wie die ungewöhnliche, interessante Story ohne Umwege voranschreitet, wobei das ganze eigentlich gar nicht so spektakulär ist. Wie John Webb die Bande gegeneinander ausspielt ist dabei schon interessant anzusehen. Man findet solch eine Handlung nicht in vielen Italowestern und schon gar nicht solch eine Art Kammerspiel wie in der ersten Hälfte. Diese erste Häfte erinnert übrigens unweigerlich an Tarantinos "Hateful Eight", der vermutlich seine Idee dazu aus diesem Film hier hatte.
Wie dem auch sei, der Film ist ein netter, kleiner Italowestern der aus dem niedrigen Budget viel herausholen kann. Der Storyaufbau und die Charaktere sind jederzeit interessant, die Inszenierung gekonnt und die Atmosphäre einzigartig. Auch die außergewöhnliche Musik und die dazu passende Geräuschkulisse wissen zu gefallen. Wer actionlastige Italowestern bevorzugt wird an "Mörder des Klans" allerdings wenig Freude haben, denn die Actionszenen sind äußerst rar gesät. Diese ruhige Herangehensweise tut dem Film aber sehr gut und hebt ihn vielleicht gerade dadurch von anderen Italowestern ab. "Mörder des Klans" verdient meiner Meinung nach mindestens 7,5/10 Punkte.


#77 "Rocco - Ich leg dich um" von Giuseppe Vari habe ich mir nun kurzerhand auch angesehen. Beim ersten Mal fand ich den Film nicht sehr unterhaltsam, aber diesmal war ich doch überrascht wie gut er mir gefallen hat. Zwar kommt er nicht an "Mörder des Klans" ran, aber "Ein Loch in der Stirn" kann er locker hinter sich lassen.
George Eastman sehen wir in der Hauptrolle des tragischen Helden namens Ramon, der vom unschuldigen Bauern zu einem Killer wird. Diese Wandlung kann man sehr gut nachvollziehen, da er schon einiges mitmachen muss im Laufe des Films. Eastman spielt die Rolle sehr überzeugend. Im Verlauf der Story trifft Eastman auf den alternden Killer Rocco, der von Anthony Ghidra verkörpert wird. Bei ihm lernt er wie man mit dem Colt umgeht. Rocco hat dabei einige Weisheiten parat, die er Ramon mitgeben kann, um aus einem Kampf als Sieger hervorzugehen.
Das Budget ist nicht sonderlich hoch gewesen, aber auch hier kann Vari erneut beweisen, dass dies auch gar nicht zwingend notwendig ist um einen guten Film zu drehen. Auch die Action hält sich in Grenzen, was dem Vergnügen ebenfalls keinen Abbruch tut. Die schöne Musik kann die gezeigten Bilder sehr schön untermalen und rundet das Ganze vorzüglich ab.
Die Vergleiche zu "Der Tod ritt Dienstags" kann ich nachvollziehen, jedoch finde ich diesen weitaus gelungener als "Rocco". Irgendwie kommt das Ganze dort nochmal wesentlich besser rüber. Dennoch denke ich, dass der hier besprochene Film gute 7/10 Punkte verdient hat.

Meine Giuseppe Vari-Rangliste:

1. Mörder des Klans
2. Rocco - Ich leg dich um
3. Ein Loch in der Stirn


#78 "An den Galgen, Bastardo" wurde von Rafael R. Marchent gedreht. Ihm haben wir unter anderem auch "Garringo - Der Henker", "...Und Santana tötet sie alle" und noch ein paar andere Italowestern zu verdanken. "Ein Schuss zuviel" habe ich nach der damaligen Sichtung sofort aus der Sammlung entfernt weil er mir überhaupt nicht gefallen hat.
In den Hauptrollen sehen wir Anthony Steffen und Mark Damon, die als Kopfgeldhäger-Duo den wilden Westen unsicher machen. Man merkt ihnen die Spielfreude jederzeit an, was dem Film sehr gut zu Gesicht steht. In einer größeren Nebenrolle gibt es Pierro Lulli zu bewundern, der eigentlich jeden Italowestern mit seiner fiesen Visage bereichert.
Die Story ist zwar nichts besonderes, kann jedoch ganz gut unterhalten. Am besten gefallen hat mir die Szene wo ein Farmer von den Lassiters dazu gezwungen werden soll einen Verkaufsvertrag zu unterschreiben durch den er sein Land abtreten wird. Sein Sohn bekommt die Schlinge um den Hals gelegt und letztendlich unterschreibt er notgedrungen den Vertrag. Dennoch werden Vater und Tochter kaltblütig erschossen und zum Schluss kriegt der Sohn auch noch das Fass unter seinen Füßen weggetreten und baumelt anschließend für ein paar Sekunden am Strick. Wie die gesamte Szene kameratechnisch eingefangen wurde, mit der dazu perfekt eingesetzten und vor allem passenden, düsteren Musik ist saustark geworden. Für solche Szenen liebe ich das Genre einfach.
Der Film beginnt und endet sehr stark und vor allem actionreich. Auch im Mittelteil wird man gut unterhalten, jedoch schleichen sich trotz der kurzen Laufzeit ein paar Längen ein. Außerdem sind die Sprüche die der deutschen Synchro entstammen etwas unpassend und nervig. Dennoch ein überdurchschnittlicher Italowestern, den man sich ruhig mal ins Regal stellen kann, da er einige tolle Szenen zu bieten hat. 6,5/10 Punkte erscheinen mir hier angemessen.


#79 "Garringo - Der Henker" habe ich mir gerade direkt nach "An den Galgen, Bastardo" angesehen. Auch hier führte Rafael R. Marchent Regie und ich muss sagen, dass mir "Garringo" noch ein ganzes Stück besser gefallen hat als "Bastardo". Dies liegt vor allem an der einfachen, aber stetig vorangetrieben, konsequenten Story, die durch zweit starke Kontrahenten ihre Stärke entfalten darf. In der Rolle unseres Anti-Helden haben wir erneut Anthony Steffen, der hier äußerst rabiat zur Sache geht um sein Ziel zu erreichen. Dieses Ziel stellt der Bösewicht, gespielt von Peter Lee Lawrence, dar den es auszuschalten gilt. Lawrence steht bei vielen in der Kritik, da er mit seinem Milchbubi-Gesicht etwas fehl am Platze wirkt in einem Genre, welches sonst von knallhart aussehenden Typen dominiert wird. Vor allem dann wenn er wie hier auch noch die Rolle des Bösewichts spielt. Ich hingegen sehe sowohl Steffen als auch Lawrence in dem Genre immer wieder gerne. Vor allem Lawrence spielt seine Rolle äußerst stark und kommt ziemlich kaltblütig herüber.
Ein toller Italowestern aus der 2ten Reihe, kurzweilig inszeniert, mit guten Schauspielern besetzt und zu keiner Zeit nahe am Durchschnitt. 7,5/10 Punkte kann man hierfür ruhig vergeben.


#80 "...Und Santana tötet sie alle" ist nun der 3te und letzte Marchent-Film aus meiner Sammlung. Die Hauptrolle spielt hier Gianni Garko, der wie immer eine klasse Vorstellung abliefert. Die Sprüche die ihm und seinem Partner in den Mund gelegt werden sind einfach der Wahnsinn. Kaum zu fassen was da für ein Blödsinn bei rauskommt. Der Film ist deshalb nochmal eine ganze Ecke unterhaltsamer. Dennoch hat der Film auch einige Härten zu bieten, vor allem die Szenen mit dem alten Mann und seinen Söhnen sind schon recht heftig geraten. Längen findet man hier definitiv keine und die Zeit vergeht daher wahrlich wie im Flug. Dies ist innerhalb des Threads nun schon meine dritte Meinung zum Film, deshalb fasse ich mich sehr kurz. Im vorletzten Post steht ja schon was ich von dem Film halte, nur die Wertung würde ich nicht mehr ganz so hoch ansetzen. 7,5/10 sind eine gute Wertung für den Film würde ich sagen.

Meine R. R. Marchent-Rangliste:

1. Und Santana tötet sie alle
2. Garringo
3. An den Galgen Bastardo

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BeitragVerfasst: 24.12.2018 14:52 
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#81 "Gott vergibt - Wir beide nie!" ist der erste von drei Italowestern die Giuseppe Colizzi inszeniert hat. Gleichzeitig ist dies auch der erste gemeinsame Film des allseits beliebten Duos "Bud Spencer & Terence Hill". Schon allein deswegen ist dieser Film ein Must-See. Außerdem mit von der Partie ist der von mir sehr geschätzte Frank Wolff, der hier den Bösewicht mimt.
Im Kern geht es darum, dass Terence Hill aka Cat Stevens sich das Gold aus einem Raubüberfall unter den Nagel reißen will. Der Überfall sieht stark nach der Handschrift von Bill San Antonio (Frank Wolff) aus, den Cat in der Vergangenheit allerdings ins Jenseits befördert hat. Cat stürzt sich ins Abenteuer und versucht die mysteriöse Geschichte aufzuklären. Ihm steht dabei sein alter Freund Hutch Bessy (Bud Spencer) zur Seite, von dem er auch vom besagten Raubüberfall erfährt...
Der Film beginnt schon mit einer unfassbar starken Szene, in der man sieht wie ein scheinbar unbesetzter Zug in den Bahnhof einfährt. Als sich die Türen öffnen sieht man, dass der Zug voll mit Leichen ist. Als Zuschauer wird man quasi mit aller Gewalt in die Handlung hineingetreten! Als nächstes lernen wir Cat Stevens und Hutch Bessy kennen, die dann auch schnell aufeinander treffen und beschließen Bill San Antonio und das Gold ausfindig zu machen. Die darauffolgende Rückblende in der Cat sich an sein Duell mit Bill in der brennenden Hütte erinnert ist ebenfalls sehr schön geworden. Überhaupt jagt hier eine klasse Szene die nächste. Die Szene in der Bills Männer in die Kneipe gehen und dem Marshall vor versammelter Mannschaft einen Drink spendieren ist atmosphärisch einfach genial und vor allem auch bösartig geworden. Auch die Szene in der Cat kletternd durch das feindliche Lager schleicht ist super und wie Cat & Hutch gemeinsam die Kiste transportieren lässt einen schon den späteren Ruhm des Duos erahnen. Die Chemie ist einfach bombig!
Die Handlung wird nicht überhastet erzählt, man wird schön an die interessante Geschichte herangeführt und erlebt die Reise Schritt für Schritt in genau dem richtigen Tempo mit. Die Inszenierung ist sorgfältig und die musikalische Untermalung jederzeit passend.
Ein nahezu perfekter Italowestern, der mit einer genialen Besetzung auftrumpft und zu keiner Sekunde langweilig wirkt. Man sollte jedoch keine Action-Orgie erwarten! Ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung wie saustark der Film eigentlich ist und von daher handelt es sich hierbei für mich um eine der größten Überraschungen während meiner Retrospektive. Man kann den Film gut und gerne mit 9/10 Punkten bewerten.


#82 "Für eine Handvoll Dollar" ist die Mutter aller Italowestern und wurde inszeniert vom Vater des Genres, nämlich Sergio Leone. In der Hauptrolle sehen wir den Urtyp des Anti-Helden namentlich Clint Eastwood. Der Film ist der erste Teil der Dollar-Trilogie, die anschließend noch "Für ein paar Dollar mehr" & "Zwei glorreiche Halunken" hervorgebracht hat. Die Dollar-Filme wurden immer größer, epischer und laut den meisten Fans auch besser, was für eine Trilogie definitiv untypisch ist. Aber schon der erste Film löste einen unvergleichlichen Boom aus und das ist auch nachvollziehbar bei so einem Brett, das man im Jahre 1964 auf die Menschheit losließ. Die Story wurde zwar von Akira Kurosawas "Yojimbo" geklaut, aber dennoch wurde etwas Einzigartiges erschaffen. Leone schuf mit seinem ersten Italowestern die Blaupause für alles was danach kam. Die Inszenierung, die Musik, der Anti-Held, die Kameraperspektiven und die Gewalt waren etwas völlig Neues für die Zuschauer.
Wahrlich ein Meilenstein innerhalb der Filmlandschaft und einer der Filme die ich mit am meisten gesehen habe. Immer wieder ein Genuss, auch wenn ich mittlerweile die anderen beiden Teile besser finde. Einer weiteren Sichtung bin ich erneut nicht abgeneigt und von daher sind hierfür 10/10 Punkte ein MUSS!


#83 "Knie nieder und friss Staub" wurde von Aldo Florio gedreht. Florio drehte nur wenige Filme, jedoch gibt es neben diesem hier noch einen weiteren Italowestern namens "Die unerbittlichen Fünf". "Knie nieder..." kann zum Einen mit gut aufgelegten Darstellern punkten. In der Hauptrolle ist Fabio Testi zu sehen, welcher eine sehr gute Vorstellung abliefert. Ihm gegenüber steht Eduardo Fajardo, der wie gewohnt als Bösewicht überzeugen kann. Zum Anderen sind besonders das starke Drehbuch und vor allem die spitzenmäßige Musik erwähnenswert. Die Musik stammt übrigens aus der Feder von Bruno Nicolai und kommt ziemlich episch rüber.
Dabei ist auffällig, dass wir es hier mit einem IW zu tun haben bei dem man bis zum Ende hin mitfiebern kann, da der Film über die gesamte Laufzeit eine gewisse Grundspannung halten kann, die sich im weiteren Verlauf immer weiter steigern kann bis hin zu einem sehr guten Finale. Diese Grundspannung vermisse ich übrigens bei einigen Italowestern. Außerdem wird bei dieser kleinen Perle hier auch nicht mit Brutalitäten gegeizt was ich immer begrüße. Die sorgfältige Inszenierung, die gut platzierten Actionszenen und die zuvor bereits erwähnten Kriterien sorgen dafür, dass der Film sich auch hinter großen Produktionen nicht verstecken brauch.
Mit dem Kauf der mittlerweile teuren DVD macht man nichts falsch wenn man seine Sammlung um einen super Italowestern erweitern möchte. 8,5/10 Punkte kann man hier schon vergeben.


#84 "Tepepa" ist der erste waschechte Revolutions-Western innerhalb meiner Retrospektive und ich freue mich schon auf die Nächsten die noch anstehen. Diese Art von Italowestern hat bei mir nämlich einen sehr hohen Stellenwert, da sie meistens sehr aufwändig produziert sind, ein ernstes Thema auf spannende Art und Weise aufgreifen und es oft großangelegte Schlachten zu bestaunen gibt. Außerdem sind die meisten Revolutions-Western in der obersten Liga des Genres anzusiedeln. Man denke neben "Tepepa" noch an Genre-Klassiker wie "Il Mercenario", "Zwei Companeros", "Töte Amigo" oder auch Leones "Todesmelodie".
"Tepepa" wurde von Giulio Petroni gedreht, der ansonsten noch "Von Mann zu Mann" oder auch "Amigos" gedreht hat. Man kann sagen, dass er ein fähiger Regisseur innerhalb des Genres war. Die Hauptrollen sind mit Tomas Milian als Revolutionär, John Steiner & Orson Welles sehr gut besetzt. Vor allem Milian ist wie eigentlich in jedem seiner Filme eine Wucht!
Inszenatorisch ist "Tepepa" allererste Klasse was auch am vermutlich hohen Budget liegen kann. Die Handlung ist sehr spannend erzählt was bei den Revolutions-Western eigentlich fast schon üblich zu sein scheint. Die Musik stammt aus der Feder von Ennio Morricone und hat absoluten Ohrwurm-Charakter. Auch das Thema der Politik wird hier sehr ernst genommen und dementsprechend oft aufgegriffen. Die Dialoge sind diesbezüglich sehr interessant geworden.
Ein Spitzen-Italowestern der mit seinen über 2 Stunden Lauflänge zu keiner Zeit langweilig ist. 9/10 Punkte sind hierfür durchaus angebracht.


#85 "Rocco - Der Mann mit den zwei Gesichtern" wurde von Franco Giraldi gedreht. Von ihm kenne ich sonst nur "Mehr tot als lebendig", von dem ich momentan überhaupt keine Szene im Kopf habe. Allerdings meine ich mich zu erinnern, dass es sich dabei um einen guten Vertreter des Genres handelt. In der Hauptrolle ist Jack Betts zu sehen, der mir nur aus "Ein Halleluja für Django" bekannt ist, eventuell auch aus einem der zahlreichen Fidani-Filme in denen er mitwirkte. In "Rocco" macht er jedenfalls eine sehr gute und vor allem wandlungsfähige Figur. Er spielt seine unterschiedlichen Rollen wirklich sehr glaubhaft und es macht Spaß ihm dabei zuzusehen. Auch die Story macht Laune, denn was wir hier geboten bekommen ist innerhalb des Genres auch recht einzigartig. Es geht nämlich um eine Gruppe entführter Soldaten, die Jack Betts ausfindig machen soll. Das Ganze ist schön verpackt und der Zuschauer wird gut unterhalten. Ab der Mitte des Films zeigt Rocco dann sein wahres Gesicht und es fliegen die Fetzen.
Gedreht wurde "Rocco" im schönen Spanien und das tut dem Film richtig gut. Die schönen Landschaften und sonstigen Locations allein machen den Film schon sehenswert. Was dem Film auch zu gute kommt ist eine gewisse Leichtigkeit die über die gesamte Laufzeit mitschwingt. Normalerweise bin ich kein Fan von solchen Spielchen, aber hierbei fand ich es ganz erfrischend. Das tolle Finale rundet den Film schön ab und ich frage mich gerade warum ich nur 7/10 Punkte ziehe. Ich glaube es liegt vor allem an der ersten Hälfte die mich nicht ganz überzeugen konnte. Zwar ist diese auch unterhaltsam, aber irgendwas hat mir da gefehlt. Dies liegt womöglich daran, dass zu Beginn etwas wenig Action vorhanden ist, bzw. der Storyaufbau etwas in die Länge gezogen wird bis es dann richtig losgeht.

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#86 "Auch Djangos Kopf hat seinen Preis" ist ein C-Italowestern wie er im Buche steht. Vom Regisseur Luigi Batzella habe ich noch nie etwas gehört und der Hauptdarsteller ist Jeff Cameron, der ja schon bei einigen Fidani-Streifen mitgespielt hat. Es gibt nicht viel was mir gefallen hat. Zum einen wäre da die Musik die eigentlich ganz in Ordnung war und auch die Locations hatten ihren Charme. Das Ende kommt mit ein paar kleinen Wendungen daher und außerdem sind die Frauenrollen recht ansprechend besetzt (zumindest von der Optik). Überforderte Darsteller die zu allem Übel auch noch eine unsägliche Synchro bekommen haben, eine Handlung die sehr wirr ist, einen scheinbar besoffenen Kameramann und viele und vor allem lange, unsinnige Reitszenen.
Einen gewissen Unterhaltungswert kann man dem Film jedoch nicht absprechen, allerdings verging die Zeit dennoch nicht gerade schnell während dem Anschauen. 3/10 Punkte gebe ich dieser Gurke aber trotzdem. Der Film bleibt vorläufig nur aus einem Grund in der Sammlung und zwar weil er als Double-Feature mit "Django tötet leise" daherkommt. Selbigen muss ich allerdings auch nochmal anschauen, weil ich mich kaum daran erinnern kann. Aber ich habe ihn besser in Erinnerung als den hier besprochenen Django-Verschnitt.


#87 "Mercenario - Der Gefürchtete" ist wie schon zuvor "Tepepa" ein Revolutions-Italowestern der Spitzenklasse, soviel schon mal vorweg. Dies liegt daran, dass einfach alles an dem Film stimmt. Egal was ich aufzählen könnte, wirklich alles ist erste Klasse. Schon allein, dass wir es mit einem Corbucci-Western zu tun haben und wir Franco Nero nebst Tony Musante in den Hauptrollen sehen dürfen ist ein Fest. Schade, dass Tony Musante sich meines Wissens nach nur 1x in unser aller liebstes Genre verirrt hat. Ihnen gegenüber stehen Eduardo Fajardo & Jack Palance. Gerade Jack Palance ist eine Wucht. Zum Gelingen des Films trägt natürlich auch der schöne Score von Ennio Morricone & Bruno Nicolai bei, die Kameraeinstellungen, die tollen Landschaften, das hohe Budget, die wuchtigen Actionszenen, eine Prise gut dosierter Humor und noch vieles mehr bei.
All dies beschert uns einen Revolutionswestern der kurzweiliger nicht sein könnte und der mit seiner schnörkellos erzählten Geschichte die Blicke des Zuschauers stets auf den TV ziehen kann. Wer den Film noch nicht kennt und sich gerade dem Italowestern nähern will sollte hier definitiv sofort zuschlagen. Als Einstiegsdroge eignet er sich vermutlich hervorragend! Ein wirklich toller Film den man getrost als Meisterwerk bezeichnen kann und der natürlich 10/10 Punkte verdient. Ich freue mich schon auf das Quasi-Remake "Lasst uns töten, Companeros".


#88 "Django tötet leise" stammt von einem mir unbekannten Regisseur namens Massimo Pupillo, kann dafür aber mit George Eastman in der Hauptrolle, sowie mit Luciano Rossi & Federico Boido auf gegnerischer Seite aufwarten. Eastman ist zwar kein Liebling von mir, aber gern gesehen ist er bei mir allemal. Rossi & Boido gehören zu meinen liebsten Nebendarstellern im Genre. Das liegt vor allem an ihrem gemeinsamen Auftritt in "Django & Sabata", wo sie in einer Szene in einen Saloon kommen und dort Stunk anfangen auf ziemlich rabiate Art und Weise. Ich mag die beiden Gesichter einfach gerne und finde, dass sie jeden Italowestern bereichern können durch ihr Mitwirken. Auch hier sind die beiden grandios, vor allem Boido, der hier einen Pistolero mit nervösen Zuckungen gibt!
Sonst konnte ich eigentlich kaum etwas bemerkenswertes am Film finden, bis auf die schönen Nachtszenen und das recht ansprechende Finale. Alles wirkt irgendwie recht billig und die Story ist auch nichts besonderes. Kann man sich mal an einem verregneten Sonntag nachmittag anschauen oder mal für kleines Geld aus der Grabbelkiste fischen im Double-Feature mit "Auch Djangos Kopf hat seinen Preis". Ein leicht unterdurchschnittlicher Italowestern, den ich mit 4,5/10 Punkten bewerten würde.


#89 "Drei gegen Sacramento" wurde von Ricardo Blasco verwirklicht, der laut Wikipedia unter anderem noch zwei Zorro-Filme gedreht hat, die mir jedoch nicht bekannt sind. Der Film liegt mir in einer schicken "Italo-Western-Holzbox" vor für die mit Klaus Kinski geworben wurde. Unter anderem sind dort noch "Sartana - Töten war sein täglich Brot" & "Sartana - Noch warm und schon Sand drauf", sowie "1000 Dollar Kopfgeld" enthalten. Andernfalls hätte ich mir diesen Film hier wohl kaum angeschaut.
Zu tun haben wir es nämlich mit einem Ur-Italowestern der im Jahr 1963 in Spanien gedreht wurde. Der Schinken kommt sehr amerikanisch daher, gewährt aber auch ein paar Einblicke in die Zukunft des Genres, welches damals noch in den Startlöchern steckte. Auch ein gewisser Ennio Morricone steuerte hier schon den Score bei, welcher jedoch noch nicht wirklich IW-typisch klingt, aber weit davon entfernt ist mies zu sein.
Auch die Drehorte stehen dem Film gut und hier und da gibt es schon ein paar gut gelungene Szenen, die erahnen lassen was mal aus dem Genre werden könnte. Dennoch muss man einfach zugeben, dass "Drei gegen Sacramento" kein richtiger Italowestern ist und auch als US-Western betrachtet würde er in der Masse untergehen. Nichts besonderes, aber interessehalber kann man mal einen Blick riskieren. Was mich sehr gestört hat war, dass es zwischendurch ziemlich viel Geschwafel gibt. Das Finale in dem schicken Western-Städtchen empfand ich jedoch als sehr gelungen. Mehr als 3,5/10 Punkte würde ich aber nicht vergeben.


#90 "Jetzt sprechen die Pistolen" ist der erste Italowestern von Edoardo Mulargia. Von ihm habe ich während meiner Retrospektive bisher nur "Shangos letzter Kampf" angesehen, welcher mir schon sehr gut gefallen hat. Der hier besprochene Film wurde bereits im Jahr 1965 gedreht und für diese Zeit kommt er vom Look her schon sehr IW-typisch rüber. Auch der Härtegrad und die geradlinige erzählte Story passen sehr gut ins Bild. Die spanischen Landschaften wurden toll eingefangen und die Musik ist ebenfalls als gelungen zu bezeichnen. Mir gefiel der Film sogar besser als bei meiner ersten Sichtung und ich denke 6,5/10 Punkte kann man mit gutem Gewissen vergeben. Übrigens ist hier Anthony Steffen auch in seiner ersten Hauptrolle zu sehen und es gibt zwei wunderschöne Frauen zu bestaunen. Schon deshalb sollte man mal einen Blick riskieren. Als Must-See würde ich den Film jedoch dennoch nicht bezeichnen, denn das Genre hat noch weitaus besseres zu bieten.

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Zuletzt geändert von Djabartana am 25.12.2018 20:41, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 25.12.2018 12:51 
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#91 "Spiel mir das Lied vom Tod" ist der König der Italowestern. Kein Italowestern ist derart groß, episch & einflussreich wie dieser Film. Es ist schwer in Worte zu fassen wie großartig der Film ist. Kein anderer Italowestern kann mit derartigen Bildern aufwarten. Perfekte Kameraeinstellungen, grandiose Settings vor herrlichen Landschaften. Dazu der unvergessliche Score von Ennio Morricone, das ist einfach eine perfekte Symbiose, die den Zuschauer in ihren Bann zieht und eine fast schon hypnotisierende Wirkung entfaltet. Szenen die man einmal sieht und nie wieder vergisst, wie die Bahnhofsszene, der erste Auftritt von Henry Fonda auf der McBain Farm oder die Schlüsselszene vor dem entscheidenden Duell.
Dennoch gibt es für mich persönlich zwei Mankos an dem Film für die mich vielleicht viele von euch hassen werden. Zum einen wäre da Charles Bronson. Ich mag sein Gesicht einfach nicht, warum auch immer. Wie gern hätte ich Eastwood in der Hauptrolle gesehen... Henry Fonda ist für mich der klare Gewinner, der Bronson locker an die Wand spielt und rüberkommt wie der Teufel in Person. Das andere Manko ist für mich die Länge des Films, die dadurch zustande kommt, dass in dem Film eigentlich alles in halber Geschwindigkeit passiert. Ich weiß, dass gerade diese langsame Inszenierung für die meisten Gold wert ist, aber ich empfand dies des öfteren als störend. Natürlich verstehe ich, dass diese langsame Inszenierung dafür verantwortlich ist, dass der Film eine derart unnachahmliche und unvergleichliche Wirkung erzielt, aber es hätte meiner Meinung nach nicht in jeder Szene so sein müssen. "Zwei glorreiche Halunken" hat mir diesbezüglich von der Herangehensweise einfach besser gefallen...
"Spiel mir das Lied vom Tod" ist ein absolutes Meisterwerk nicht nur innerhalb des Genres, sondern unter allen Filmen und es ist meiner Meinung nach nicht möglich den Film mit weniger als 10/10 Punkten zu bewerten. Ich werde jedoch vermutlich immer die Dollar-Trilogie vorziehen solange ich lebe.


#92 "Töte alle und kehr allein zurück" ist der erste Castellari-Film innerhalb meiner Retrospektive. Chuck Connors spielt die Hauptrolle in diesem Action-Western, den man auch getrost als Men-On-A-Mission-Film im Westerngewand bezeichnen kann. Connors sieht meiner Meinung nach ein bisschen wie ein Mischung aus Willem Dafoe & Dolph Lundgren aus, da musste ich während dem Anschauen die ganze Zeit dran denken.
Jedenfalls ist der Film äußerst temporeich und unterhaltsam was ich immer sehr gerne mag. Langeweile kommt dabei definitiv nicht auf und auch sonst habe ich kaum etwas zu bemängeln. Es ist einfach spaßig dem bunt zusammengewürfelten Haufen bei seiner Arbeit zuzusehen, bzw. direkt beim Abenteuer in der ersten Reihe zu sitzen und sich an den vielen schönen Einfällen zu erfreuen. Der ähnlich gelagerte "Sie verkaufen den Tod" von Valerii gefällt mir jedoch noch einen Tick besser. Was mir nicht so gut gefallen hat waren die zahlreichen Schlägereien, darauf hätte ich gerne verzichten können. Die anderen Actionszenen waren jedoch prächtig inszeniert und wirkten auch auf Dauer nicht ermüdend. Ich ziehe jedenfalls 7,5/10 Punkte für diesen unterhaltsamen Italowestern.


#93 "Zwei glorreiche Halunken" ist mein Lieblings-Italowestern und ich habe ihn schon verdammt oft gesehen, leider jedoch noch nie auf der großen Leinwand. Ich liebe einfach alles an dem Film, vor allem aber die Besetzung, die mit Eastwood, Van Cleef & Wallach einfach unschlagbar ist. Was auch einen großen Teil dazu beiträgt, dass mir der Film nie langweilig wird ist die Story, die einen auf eine wunderschöne, abwechslungsreiche Reise mit durch den wilden Westen nimmt. Man erlebt einfach soviel beim Anschauen des Films und kommt gar nicht aus dem Staunen heraus, weil eine tolle Szene die nächste jagt. Dafür sorgen unter anderem auch die tollen Locations, die wundervoll von der Kamera eingefangen wurden. Dazu kommt dann noch die geniale Musik von Morricone und somit hat man alle Zutaten für einen meines Erachtens nach perfekten Italowestern.
"Zwei glorreiche Halunken" ist einfach pure Kino-Magie und deswegen sollte meiner Meinung nach jeder, der sich halbwegs für Filme interessiert ihn mal gesehen haben, selbst wenn man kein Western-Fan ist. Für mich ist er wahrscheinlich sogar genreübergreifend mein Lieblingsfilm. Jedenfalls handelt es sich hier um einen unschlagbarer Film, der die vermutlich beste Trilogie die je gedreht wurde perfekt beendet. 10/10 Punkte sind eigentlich untertrieben für diese Granate von einem Film.


#94 "Navajo Joe" landete heute noch kurzerhand im Player, der 4te Corbucci während meiner Retrospektive. Nachdem "Django", "Leichen pflastern seinen Weg" & "Il Mercenario" die Höchstwertung bekamen war ich natürlich gespannt auf "Navajo Joe". Auch dieser Film ist ein prächtiger Italowestern, den man mal gesehen haben sollte. Aufgrund des von Burt Reynolds verkörperten Anti-Helden, der hier einen Indianer mimt kann man schon von einem besonderen IW sprechen. Eben habe ich bei Wikipedia gelesen, dass Corbucci eigentlich Marlon Brando für die Rolle haben wollte, das wäre auch sehr interessant geworden.
Ich bin eigentlich kein Fan von Indianern im Italowestern, aber hier hat es mir überhaupt nichts ausgemacht. Die Idee wurde klasse verwertet und der Charakter des Navajo Joe ist eine Wucht. Navajo Joe wütet geradewegs durch die knapp 90 Minuten feinste Unterhaltung. Der Film ist äußerst actionlastig, einfallsreich und geizt auch nicht mit Brutalitäten. Langeweile kommt so garantiert keine auf und die Zeit verging wie im Fluge. Auch hier steuerte Ennio Morrcione den Soundtrack bei und wie eigentlich immer bekommen wie ein paar tolle Stücke zu hören. Übrigens ist das Finale sehr bösartig geworden, was ich immer sehr gerne sehe. Corbucci ist schon ein genialer und vor allem auch vielseitiger Regisseur gewesen auch wenn er ein paar Filme gedreht hat die seinem Können nicht gerecht werden.
Dennoch gefiel mir "Navajo Joe" nicht ganz so gut wie die anderen drei zuvor gesehen Corbuccis. Dies ist jedoch keine Schande, da diese Italowestern nur schwer zu überbieten sind. Der Film reiht sich allerdings sehr schön in die Filmografie des Regisseurs ein und bekommt von mir dicke 8,5/10 Punkte.


#95 "Django - Dein Henker wartet" von Edoardo Mulargia war heute an der Reihe. "Shangos letzter Kampf" & "Jetzt sprechen die Pistolen" habe ich mir bereits angesehen und beide gefielen mir ganz gut. Zwar keine Überflieger aber durchaus schöne, kleine Italowestern. Auch "Django - Dein Henker wartet" ist ein routiniert gedrehter Italowestern der aus einem geringen Budget entstanden ist und für seine Verhältnisse schön atmosphärisch daher kommt. Die meiste Zeit verbringen wir nämlich in einem staubigen, kleinen Städtchen und warten mit Django, wie der Name des Film schon sagt. Dadurch muss man schon zugeben, dass sich ein paar kleinere Längen einschleichen. Dies ist aber nicht weiter schlimm, da wir andererseits mit einem herrlichen Score und einigen schönen Kameraeinstellungen verwöhnt werden. Vor allem die musikalische Untermalung bestimmter Szenen war wirklich klasse und ließ des öfteren Spannung aufkommen. Auch der Hauptdarsteller Ivan Rassimov und sein rundlicher Buddy füllen ihre Rollen schön aus und man kann letztendlich sagen, dass der Film knapp über dem Durchschnitt liegt und man mit einem Kauf eigentlich nicht viel falsch machen kann. 5,5/10 Punkte für diesen Italowestern aus der 2ten Reihe sind eine faire Bewertung finde ich.

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#96 "Django - Sein letzter Gruß" wurde von Roberto Mauri gedreht und die Hauptrolle spielt ein gewisser Tab Hunter. Beide kenne ich nur von diesem Film her. Piero Lulli ist als Bösewicht mit an Bord, das ist definitiv schon mal ein Pluspunkt. Geboten bekommen wir eine geradlinige Rachestory in der Django die Mörder seiner Verlobten jagt. Der Film ist wirklich nichts besonderes meiner Meinung nach. Erwähnenswert ist vielleicht, dass eine Spieluhr zum Einsatz kommt und dass Django recht kaltblütig seinem Ziel entgegen schreitet. Auch die besagte Szene in der Djangos Verlobte ermordet wird ist ziemlich finster und das Finale hält noch eine kleine Überraschung für uns bereit. Atmosphärisch ist der Film ja schon irgendwie, aber ansonsten plätschert er oftmals nur so vor sich hin. Ich würde ihn als soliden Durchschnitt bezeichnen und bewerte ihn daher mit 5,5/10 Punkten.
Übrigens ist die DVD die bei uns erhältlich ist eine echte Frechheit und ich bin wirklich nicht anspruchsvoll was die Qualität abgeht. Dazu ist sie noch grausam gekürzt. Ich habe zum Glück noch eine andere Fassung hier rumliegen gehabt.


#97 "Django - Kreuze im blutigen Sand" von Edoardo Mulargia habe ich mir heute noch angesehen. Auch hier bekommt man wieder einen Low-Budget Italowestern geboten der aus den geringen Mitteln relativ viel herausholen und daher auch ganz gut unterhalten kann. Das ist scheinbar wirklich Mulargias Ding gewesen. Die wenn ich mich recht erinnern kann besten seiner Filme stehen mir aber noch bevor, nämlich "Ein Fressen für Django" und "El Puro".
Wie dem auch sei, jedenfalls spielt erneut Ivan Rassimov die Hauptrolle und als Gegner steht ihm unter anderem Piero Lulli gegenüber. Ich sehe vor allem Lulli gern, mag hier aber Rassimov ebenfalls als wortkargen Anti-Helden. Wobei er in diesem Film nicht sonderlich wortkarg ist, da er zum Teil eine Kalauersynchro in den Mund gelegt bekam. Jedenfalls hat sich der Film bei der Story aus "Für eine Handvoll Dollar" bedient und kann so über die relativ kurze Dauer von 83 Minuten den gewillten Zuschauer bei Laune halten. Vor allem das bleireiche Finale gefiel mir und auch sonst war der Film relativ reich an Leichen und das ist im Genre für mich immer willkommen.
Sehr nervig ist allerdings das kleine Kind was doch ordentlich Screentime im Film bekommt und das Ganze zwischendurch schon mal recht kitschig werden lässt. Dennoch hatte ich meine Freude an dem Film und würde ihn etwas über den Durchschnitt heben und ihn sogar mit 6,5/10 Punkten bewerten.


#98 "Django - Die Totengräber warten schon" ist nach "Töte alle und kehr allein zurück" der 2te Castellari den ich innerhalb meiner Retrospektive geschaut habe. Auch dieser Film hat mir sehr gut gefallen und ist auch innerhalb des "Django-Kosmos" einer der besseren Vertreter. Natürlich ist dies kein echter "Django" sondern eine IW-Version von Shakespeare's "Hamlet". Die Story ist schön umgesetzt worden und Längen lassen sich eigentlich keine ausmachen. Auch die Besetzung ist äußerst stark geworden, denn wir sehen Andrea Giordana als Anti-Helden und Horst Frank als seinen Gegenspieler. Beide meistern ihre Rollen ohne Probleme. Vor allem Horst Frank kann sich hier wieder einmal richtig austoben. Sehr gut gefallen haben mir auch die beiden Killer die Horst Frank zur Seite stehen. Allerdings mochte ich Djangos Mitstreiter nicht wirklich. Negativ auffallend waren auch die unnötigen Schlägereien, die ich allgemein nur ungern in Italowestern sehe. Die Inszenierung ist einwandfrei, auch die Locations sind spitzenmäßig und die Kamera fängt das Ganze sehr schön ein. Vor allem der Friedhof innerhalb einer Höhle ist eine Augenweide. Erwähnen sollte man auch die teils sehr düstere Musik, die immer die richtige Stimmung vermitteln kann.
Wirklich ein prächtiger Film, den man sich ruhig öfter anschauen kann, denn man wird mit vielen einzigartigen Szenen und einer tollen Story belohnt, welche von der ersten bis zur letzten Minute fesseln kann. 8,5/10 Punkte sind für den Film schon angemessen denke ich.


#99 "Die im Staub verrecken" oder auch "Escondido" habe ich mir heute noch angesehen und lustigerweise spielt auch hier Andrea Giordana die Hauptrolle. Was für ein Zufall weil ich heute ja schon den "Totengräber-Django" geguckt habe wo er ebenfalls den Anti-Helden gemimt hat. Auch in diesem Film schafft er es seine Rolle stark auszufüllen und ich muss sagen, dass ich ihn gern noch öfter in Italowestern gesehen hätte.
Was mir an dem Film besonders gefallen hat ist, dass er wirklich alles in sich vereint was einen guten Italowestern ausmacht. Gerade was die Atmosphäre und den Härtegrad angeht kann "Escondido" auftrumpfen. Der Film ist wirklich ein sehr finsterer und vor allem sadistischer Vertreter des Genres. Die Story wird geradlinig vorangetrieben und auch eine gewisse Spannung ist nicht von der Hand zu weisen. Dies ist in vielen Italowestern nicht selbstverständlich. Schön ist auch, dass wir einen sehr dreckigen Vertreter des Genres geboten bekommen was darauf zurückzuführen ist, dass sich die Geisterstadt in der ein Großteil des Films spielt nach einem heftigen Regen in ein Schlammloch verwandelt.
Wir bekommen hier jedenfalls eine besondere Genreperle geboten die ich kaum noch auf dem Schirm hatte. Wer den Film länger nicht gesehen hat sollte ihn daher unbedingt mal wieder schauen. Ich vergebe gerne 8,5/10 Punkte für diesen dreckigen, kompromisslosen Italowestern.
Übrigens habe ich mir für morgen schon einen besonderen Italowestern parat gelegt, denn der 100ste IW meines Marathons sollte etwas ganz Spezielles sein.


#100 "Friedhof ohne Kreuze" wurde von Robert Hossein verwirklicht und ist einzigartig im Genre, denn eigentlich ist der Film mehr ein französischer als italienischer Western. Die Hauptrolle übernahm ebenfalls Hossein, der in der Rolle des Anti-Helden mehr als nur überzeugen kann. Die weibliche Hauptrolle übernahm Michele Mercier, die ihre Rolle ebenfalls kaum hätte besser ausfüllen können. Auch auf der Seite des Bösewichte gibt es keine Ausfälle. Die Besetzung passt demnach schon mal und auch sonst gibt es eigentlich kaum etwas zu bemängeln.
Die Landschaften Almerias wirken in dem Werk sehr düster, was auch durch die Musik vom Vater des Regisseurs Andre Hossein schön unterstrichen werden kann. Überhaupt wirkt der Film allgemein in allen Belangen düster, hoffnungslos und karg. Schon allein die Szene in der man Hosseins Charakter zum ersten Mal sieht ist genial geworden. Er lebt nämlich fernab von allem allein in einer Geisterstadt und wie das Ganze eingefangen wurde ist unglaublich atmosphärisch geworden.
Die schnörkellose Story deutet von Beginn an darauf hin in welche Stoßrichtung der Film führt und auch das Finale macht diesbezüglich keine Ausnahme. Die einzige Szene in der es etwas heiterer hergeht ist die Szene bei Tisch, die ja scheinbar Sergio Leone inszeniert haben soll. Manche sagen die Szene wirkt dort deplatziert, aber ich finde sie passt gut in den Film. Auch Dialoge werden nur sehr spärlich verwendet was meines Erachtens sehr passend zur ganzen Inszenierung ist.
"Friedhof ohne Kreuze" ist schon ein Ausnahmefilm, dennoch würde ich ihn nicht auf eine Stufe mit den Leone-Filmen oder den Vorzeige-Werken von Corbucci stellen. Allerdings war ich wirklich begeistert von der herrlich düsteren Atmosphäre und der Sogwirklung die der Film beim Zuschauer entfachen kann und ziehe 9/10 Punkte, die ich für sehr fair halte und freue mich schon auf das nächste Wiedersehen mit Robert Hossein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 25.12.2018 21:04 
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#101 "Django kennt kein Erbarmen" wurde von Leon Klimovsky begonnen und von Enzo Castellari fertig gestellt wenn ich richtig informiert bin. Castellari hat ja ein paar sehr gute IWs gemacht und auch Klimovski konnte den ein oder anderen interessanten IW hervorbringen. Der hier besprochene Film wird aber eher Castellari zugerechnet und stellt gleichzeitig auch seinen ersten Italowestern dar. Der Film wirkt gerade aufgrund der Story und auch der Inszenierung etwas amerikanisch, aber dennoch kann man ihn getrost dem Genre des Italowesterns zuordnen.
Die Hauptrolle spielt Anthony Steffen, der bei mir ja ein hohes Ansehen genießt und ihm zur Seite steht Frank Wolff welcher ebenfalls jeden Film durch sein Mitwirken bereichern kann. Die Story um einen Krieg zwischen Farmern und Viehzüchtern wird spannend erzählt und lässt die Spielzeit relativ schnell vorübergehen. Django gerät dabei als unechter Sheriff zwischen die Fronten und räumt infolgedessen gehörig auf. Jedoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich zwischendurch mal ein paar kleinere Längen einschleichen. Etwas unbegeistert bin ich außerdem von der Filmmusik, die nicht so richtig an mich wollte. Seine Sternstunde hat der Film direkt mit der ersten Szene, die wirklich klasse geraten ist. Auch das bleihaltige Finale gefällt mir ganz gut und zwischendurch gibt es ebenfalls immer mal wieder ein paar schöne Szenen zu bewundern.
Ich würde den Film schon als überdurchschnittlich bewerten, gerade auch unter dem Gesichtspunkt, dass es Castellaris erster Italowestern war und ziehe daher mal 6,5/10 Punkte.


#102 "Django und die Bande der Gehenkten" ist für mich nach dem sehr starken "Django - Der Rächer" der 2te Baldi-IW meiner Retrospektive. Auch hier bin ich bestens unterhalten worden auch wenn mir der "Rächer" etwas besser gefallen hat. Ich bin gespannt auf "Seine Kugeln pfeifen das Todeslied", welchen ich bisher nur 1x gesehen habe, den ich aber als spitzenmäßig in Erinnerung habe. "Blindman" mit Tony Anthony hingegen habe ich mehrmals gesehen und kann vorwegnehmen, dass mir selbiger Film sehr gut gefallen hat. Demnach ist Baldi meiner Meinung nach einer der sehr fähigen Italowestern-Regisseure gewesen.
Zurück zum "Gehenkten", welcher mit Terence Hill, Horst Frank & George Eastman fabelhaft besetzt ist. Hill spielt die Rolle des Django ganz gut auch wenn Franco Nero diesen Part vermutlich besser hätte ausfüllen können. Hill wirkt teilweise leicht überfordert kann das allerdings an anderen Stellen wieder in Ordnung bringen. Insgesamt eine ordentliche Leistung wie ich finde. Horst Frank ist wieder mal eine Wucht, er ist einfach wie gemacht für solche Rollen.
Die Story ist sehr schön ausgearbeitet und konnte mich von Anfang bis Ende bei Laune halten, denn sie ist doch vergleichsweise ungewöhnlich gewesen. Die Idee mit den Gehenkten ist schon etwas besonderes im Genre. Zu meinem Vergnügen haben auch die wundervolle Musik und die oftmals genial eingefangenen Bilder beigetragen. Vor allem das Finale auf dem Friedhof und die Feuer-Szene in der Stadt sind diesbezüglich saustark gewesen.
Aus meiner Sicht ist der Film als ein deutlich über dem Durchschnitt anzusiedelnder Italowestern zu bezeichnen, welchen ich mit 8/10 Punkten bewerten würde.


#103 "Für ein paar Dollar mehr" ist der 2te Film aus Sergio Leones Dollar-Trilogie. Im Vergleich zu "Für eine Handvoll Dollar" kommt der Nachfolger epischer, aufwändiger & handwerklich noch besser daher. Außerdem können wir neben Eastwood & Volonte diesmal auch noch Lee Van Cleef bewundern. Als kleines Schmankerl gibt es übrigens noch Klaus Kinski in einer Nebenrolle zu sehen. Somit ist die Darsteller-Riege ebenfalls vom Allerfeinsten. Das Duo Eastwood-Van Cleef ist an Coolness eigentlich kaum zu toppen. Schon allein deswegen ist der Film eine Wucht. Dazu kommt natürlich wieder eine geniale Morricone-Musik die einem tagelang nicht aus dem Kopf gehen will. Die Story ist ebenfalls sehr schön ausgearbeitet und führt uns letztendlich zu einem Schlussduell, welches kaum besser und vor allem spannender hätte inszeniert werden können.
Für mich gehört der Film in die Top 5 aller Italowestern und demzufolge kann ich nur 10/10 Punkte vergeben. Auch nach dem X-ten Mal ist der Film immernoch zu keinem Zeitpunkt langweilig und kann mit unzähligen einprägsamen Szenen begeistern, die bildgewaltig von der Kamera festgehalten werden. Es gibt einfach so viele tolle Kameraeinstellungen, dass man gar nicht weiß welche man am liebsten in einem Review hervorheben möchte. Ein Film für die Ewigkeit!


#104 "Verdammt zu leben - Verdammt zu sterben" wurde vom allseits beliebten Lucio Fulci inszeniert. Im Bereich des Italowestern bescherte er uns außerdem noch "Django - Sein Gesangbuch war der Colt" und "Silbersattel". Letzteren kenne ich allerdings nicht, deswegen kann ich dazu nichts sagen. Der "Django" hingegen ist einer der sehr starken Vertreter innerhalb des Genres wenn ich mich recht entsinnen kann.
Das hier vorliegende Werk entstammt einer Zeit in der die Blütezeit des Genres schon lange vorbei war. Man kann ihn daher in einem Atemzug mit Filmen wie "Mannaja", "Keoma" oder auch "Der Mann aus Virginia" nennen, auch aufgrund der ungewöhnlichen Inszenierung bzw. der endzeitartigen, unwirklichen Atmosphäre, welche teilweise fast traumartig erscheint. Untermalt werden die schönen Bilder dann auch noch von einem psychedelischen Soundtrack, der allerdings oftmals unpassend wirkt.
Wie dem auch sei, wir haben es hier mit einem Film zu tun, der nicht so richtig weiß wohin die Reise gehen soll. Er wirkt irgendwie etwas unrund, auch aufgrund der episodenhaften, zum Teil melancholischen Erzählweise. Wie in einem Roadmovie begleiten wir die vier Hauptdarsteller auf ihrer Reise und bekommen dabei einige denkwürdige Szenen geboten, die allerdings stellenweise etwas zu lang geraten sind. Die Darsteller machen ihrer Sache sehr gut, allen voran Tomas Milian als Bösewicht. Er mimt hier wirklich eine der bösartigsten Gestalten innerhalb des gesamten Genres und ist wirklich zum Fürchten. Auch sein äußeres Erscheinungsbild ist grandios geraten und so bleibt sein Charakter dem Zuschauer lange im Gedächtnis. Vor allem aber seine sadistischen Gewaltausbrüche sind unsagbar brutal geraten und verleihen dem Film noch etwas an Würze.
Ich habe mir heute nochmal die 20 Minuten längere Fassung angesehen, nachdem ich vorgestern die gekürzte deutsche Fassung im Kino sehen konnte. Diese Fassung ist für mich definitiv die rundere Version und konnte den Film für mich persönlich nochmal aufwerten.
7,5/10 Punkte würde ich hier schon ziehen auch wenn mir die Bewertung nicht leicht fällt. Mir hat er jedenfalls sehr gut gefallen. Ich kann es aber verstehen wenn man ihn nicht mag, denn er ist schon sehr speziell und ungewöhnlich auch im Vergleich zu anderen Spät-Italowestern.


#105 "Drei Pistolen gegen Cesare" von Enzo Peri ist ein in allen Belangen kurioser Italowestern. Zum Beispiel wurde er in Afrika gedreht was eine willkommene Abwechslung im Genre darstellt. Dann gibt es einen mehr als außergewöhnlichen Bösewicht der augenscheinlich einen Faible für Julius Cäsar hat und ebenfalls drei außergewöhnliche Hauptcharaktere. Von diesen Dreien gefiel mir eigentlich nur der von Thomas Hunter dargestellte Charakter, die beiden anderen haben mir absolut nicht zugesagt. Überhaupt kommt es mir so vor, als ob hier versucht wurde auf Teufel heraus etwas besonderes zu schaffen was meines Erachtens etwas zuviel des Guten war. Ein Lichtblick ist die Musik die wirklich hervorragend ist und auch sonst muss man schon zugeben, dass der Film recht kurzweilig ist. Dennoch gefiel mir der Film bei meiner 2ten Sichtung lange nicht so gut wie beim ersten Durchlauf. Jedoch ist es lobenswert, wie bereits von anderen hier schon erwähnt wurde, dass der Film für sein Entstehungsjahr seiner Zeit etwas voraus war. Ein interessanter Genrebeitrag der aufgrund seiner vielen Besonderheiten einige Fans hat, mich allerdings nicht sonderlich begeistern konnte. 4,5/10 Punkte würde ich jedoch schon vergeben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 25.12.2018 21:25 
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#106 "Im Staub der Sonne" wurde von Bruno Corbucci, dem jüngeren Bruder von Sergio Corbucci, verwirklicht. Insgesamt kann man den Film als sehr gelungenen Italowestern bezeichnen, der eine schöne und geradlinige Story erzählt. Man könnte auch sagen, dass es sich hierbei um ein temporeiches Katz-und-Maus-Spiel handelt. Ich mag es sowieso wenn im Laufe der Handlung ständig die Locations gewechselt werden und man eine Abenteuerreise miterleben darf. Wenn man solche Filme mag ist man mit der "staubigen Sonne" bestens bedient.
Die Darsteller sind nichts besonderes, machen ihre Sache aber ganz ordentlich. Peter Lee Lawrence wäre die perfekte Besetzung für die Rolle des Fidel gewesen meine ich. Zugesagt haben mir die schönen Landschaften gepaart mit der tollen Kameraarbeit, die einige schöne Perspektiven einfängt, sowie die gut gelungene Musik. Der Film hat auch einige heitere Momente zu bieten, welche schön in das Geschehen eingebunden werden. Allerdings kommt auch der Härtegrad zum Glück nicht zu kurz. Zum Beispiel werden zwischendurch ordentlich Peitschenhiebe verteilt. Es ist immer wieder schön anzusehen wenn Menschen minutenlang ausgepeitscht werden...
Im letzten Drittel kommt übrigens eine wunderschöne Wüsten-Szene vor was für mich im Genre immer äußerst willkommen ist. Dafür dass es sich um Western handelt kommen solche Szenen eigentlich etwas zu selten in unserem Genre vor. Ebenfalls schade ist, dass der Film so wenig Beachtung findet. Auch ich muss gestehen, dass ich mich an den Film kein Stück mehr erinnern konnte, was eigentlich nie gut ist. Hier war ich allerdings froh darüber, da ich so quasi einen neuen Film entdecken konnte. Ich habe den Film jedenfalls sehr genossen und freue mich auf die nächste Sichtung.
Eine kleine Warnung am Rande: Wer den Film nicht kennt sollte sich den Inhalt auf der Rückseite der DVD-Hülle nicht durchlesen, denn dort wird man gespoilert was das Ende des Films betrifft. Das Ende ist übrigens mehr als gelungen, hat einen gesunden Härtegrad und ist zudem noch sehr bleihaltig. Außerdem ist die Wendung gut gelungen und das Vorhaben von Fidels Vater ist mehr als boshaft und einzigartig im Genre.
Schade dass Bruno Corbucci nicht noch mehr Italowestern gedreht hat, denn ich habe mich nach kurzer Überlegung für 8/10 Punkte für diese kleine Genre-Perle entschieden.


#107 "Die unerbittlichen Fünf" ist der erste der beiden Italowestern von Aldo Florio. Im Vergleich zu "Knie nieder und friss Staub" schneidet der hier besprochene Film meiner Meinung nach allerdings um ein ganzes Stück schlechter ab. Das erste Drittel des Films wurde zwar temporeich und spannend inszeniert, doch die Mitte des Films wirkt dagegen dann doch äußerst fad. Im letzten Drittel kommt der Film dann allerdings wieder in Fahrt wenn er sich auf das Finale hinzu bewegt.
Allgemein wirkt der Film recht billig was natürlich am mageren Budget gelegen haben könnte. Dennoch bin ich der Meinung, dass hier viel Potential verschenkt worden ist. Andere Regisseure haben gezeigt, dass man mit einem geringen Budget Erstaunliches fabrizieren konnte wenn man einfallsreich war. Vor allem die Story ist sehr dünn was ja bei einem Italowestern nicht ganz so schlimm ist, aber hier wirkt das Ganze schon sehr belanglos. Zwischendurch werden wir dafür mit ein paar Szenen der härteren Gangart belohnt. Die Krönung ist diesbezüglich dann das Finale was wirklich äußerst brutal geworden ist, doch auch das konnte den Film für mich nicht retten.
Meiner Meinung nach verpasst man nichts großartiges wenn man den Film bisher nicht gesehen haben sollte. Ein kompletter Reinfall ist er natürlich auch nicht und für einen Sonntag nachmittag gibt es wesentlich schlechtere Italowestern die man erwischen könnte. Meine Wertung ist daher 5/10 Punkte für den hier besprochenen Film.

Meine Aldo Florio-Rangfolge:

1. Knie nieder und friss Staub
2. Die unerbittlichen Fünf


#108 "Ein Silberdollar für den Toten" oder auch "Der Einsame" wurde von Alberto Cardone gedreht. Cardone drehte unter anderem auch "Sartana" und "Django - Die Geier stehen Schlange" und daher kann man schon sagen, dass er sein Handwerk durchaus versteht. Auch mit dem hier besprochenen Film hat er einen schönen, düsteren Rache-Italowestern geschaffen.
Die Hauptrolle spielt Brett Halsey der mir schon in "Heute ich... morgen du" äußerst gut gefallen hat. Auch hier macht er eine gute Figur und hat wieder ein ähnlich cooles Outfit verpasst bekommen. So muss ein Django-Verschnitt aussehen! Hätte ihn gerne in mehr Italowestern gesehen, da ich ihn als willkommene Abwechslung empfinde. In einer Nebenrolle ist Fernando Sancho zu bewundern, der leider etwas wenig Screentime zur Verfügung hatte.
Besonders gut gefallen haben mir die gelungene Musik und die schön eingefangenen Bilder, die äußerst düster geraten sind. Der Film bietet außerdem ein paar echt coole Szenen, wie zum Beispiel ein Duell im Wald, eine schöne Wüsten-Szene und ein Finale welches in einer Höhle stattfindet. Im besagten Finale gibt es dann sogar noch eine gelungene Wendung zu sehen. Auch die Szene mit der Leuchtpaste ist sehr interessant gewesen und wurde schön umgesetzt.
Ein guter Beitrag zum Genre, der zwar kein Überflieger ist aber durchweg gut unterhalten kann und äußerst düster geraten ist. 7/10 Punkte gibt es dafür von mir.

Meine Alberto Cardone-Rangliste:

1. Sartana
2. Ein Silberdollar für den Toten
3. Django - Die Geier stehen Schlange


#109 "Die rechte und die linke Hand des Teufels" von Enzo Barboni ist nach den 3 Colizzi-Filmen die nächste Zusammenarbeit des dynamischen Duos Bud Spencer & Terence Hill. Dies sollte die Geburtsstunde des Comedy-Italowestern sein bei denen es hauptsächlich um lockere Sprüche und Prügeleien geht. Die Chemie zwischen den beiden Schauspielern ist einfach unvergleichlich und es macht eigentlich immer Spaß die beiden zusammen auf dem Bildschirm zu sehen. Allerdings bin ich einfach kein großer Fan von Comedy-IWs was ich ja schon an anderer Stelle erwähnt habe.
Der Film an sich ist einfach ein Gute-Laune-Werk welches man sich schön Sonntag nachmittags nebenher ansehen kann wie ich das auch eben gemacht habe. Man kann dabei sehr gut abschalten und sich wohlfühlen während man auf der Couch rumliegt und sich berieseln lässt. Der Anfang ist dabei das Beste am Film und ich war wirklich hellauf begeistert, aber die Begeisterung ließ dann bald etwas nach. Irgendwann beginnt der Film sich dann etwas zu ziehen was aber keinesfalls heißen soll, dass er schlecht ist. Die Locations sind allerdings sehr schön und die Musik ist sowieso ein absoluter Kracher. Auch die angenehme Leichtigkeit bzw. Lockerheit des Films ist sehr willkommen und kann einem schon eine angenehme Zeit bescheren wenn man sich darauf einlassen kann.
7,5/10 Punkte kann ich dafür vergeben, denn mir gefiel der Film definitiv besser als bei meiner Erstsichtung vor ein paar Jahren.


#110 "Das Gold von Sam Cooper" wurde von Giorgio Capitani inszeniert, von dem ich sonst keine Filme kenne. Auch hier ist es wieder schade, dass Capitani nur einen einzigen Italowestern gedreht hat, denn der Film ist wirklich ein schöner Genre-Beitrag. Angefangen bei dem gut geglückten Erzähltempo, den sehr schön ausgearbeiteten Charakteren, bis hin zur gelungenen Atmosphäre gibt es eigentlich nur positives zu berichten. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei eindeutig auf den Charakteren und ihrem Misstrauen untereinander. Über allem schwebt die Gier nach dem Gold und wenn es darum geht kann man eben keiner Menschenseele trauen. Die interessante Konstellation der vier Hauptdarsteller ist mehr als geglückt. Allen voran Klaus Kinski, der hier wieder einmal unglaublich zwielichtig rüberkommt. Auch die anderen drei Darsteller füllen ihre Rollen sehr gut aus. Meiner Meinung nach fällt nur Hilton etwas aus dem Raster, aber das ist Geschmackssache. Besonders hervorheben möchte ich noch den Spannungsbogen, der mir in vielen Italowestern nicht straff genug gezogen wird. "Das Gold von Sam Cooper" schafft es die Spannung konstant auf einem hohen Level zu halten.
Ein schöner, kleiner Italowestern aus der 2ten Reihe, den ich mit 8/10 Punkten bewerten würde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 26.12.2018 14:04 
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#111 "Eine Pistole für Ringo" wurde von Duccio Tessari gedreht. Tessari drehte auch den Nachfolger dazu, sowie "Zwei wilde Companeros" und eine IW-Komödie namens "Friss oder stirb" den ich jedoch noch nicht kenne. Den Nachfolger zu "Eine Pistole für Ringo" und den Comedy-Revolutions-IW "Zwei wilde Companeros" habe ich als sehr brauchbar in Erinnerung.
"Ringo" ist ein sehr früher Vertreter des Genres, er stammt nämlich aus dem Jahre 1965 und ist noch etwas an den US-Western angelehnt, was aber eigentlich kaum störend ist. Der Film kann durchaus zur Speerspitze des Genres gezählt werden, da er in allen Belangen äußerst ansprechend daherkommt. Die Story ist oberflächlich betrachtet nichts besonders, kann sich aber zu ihrem Vorteil entwickeln und bietet daher durchgehend solide Unterhaltung, die nie langweilig wird.
Den Antihelden gibt hier Giuliano Gemma, von dem ich bekanntlich kein großer Fan bin, allerdings auch keine Abneigung gegen ihn habe. Er spielt seine Rolle routiniert und bietet dem Bösewicht gekonnt die Stirn. Der Bösewicht wird von Fernando Sancho verkörpert, der hier so richtig die Sau rauslassen und viele Gräueltaten verüben darf, als wäre es für ihn das normalste von der Welt. Einfach herrlich ihm dabei zuzusehen.
Die Musik stammt aus der Feder von Ennio Morricone und weiß wie zu erwarten auch zu gefallen. Die Inszenierung ist sauber und die Dramatik, die die Story mit sich bringt ist als sehr gelungen zu bezeichnen. Wir bekommen einen klasse Western aus der ersten Reihe geboten, der in seiner Machart äußerst ruppig ist und einige wirklich sadistische Szenen enthält. Dennoch gibt es zwischendurch immer mal Platz für etwas Humor. Eine dicke Empfehlung von mir für diesen Pflichtfilm des Genres und ich denke 8,5/10 Punkte sind locker drin.


#112 "Drei Vaterunser für vier Halunken" wurde von Giancarlo Santi inszeniert, der so etwas wie ein "Zögling" von Sergio Leone war. Leider hat er nur bei dem hier besprochenen Film und zwei weiteren Filmen Regie geführt. Eigentlich schade, denn hierbei hat er schon sehr gute Arbeit geleistet und ich hätte gerne noch einen 2ten Italowestern von ihm gesehen.
Die Story wird spannend erzählt, dennoch hat der Film in der Mitte ein wenig Leerlauf was aber nicht wirklich tragisch ist. Dafür reißen der grandiose Anfang und das starke Finale alles wieder raus. Hervorzuheben sind die starken Schauspieler die den schön ausgearbeiteten Charakteren Leben einhauchen. Allen voran natürlich Lee Van Cleef der uns in der Hauptrolle begeistern darf. Ihm steht dabei ein gewisser Alberto Dentice zur Seite, der seinen Job ebenfalls recht ordentlich erledigt. Die Besetzung der Bösewichte ist sogar noch besser gelungen, denn wir bekommen einen wie immer stark aufspielenden Horst Frank zu sehen, der einen der drei Saxon-Brüder spielt. Ich glaube Klaus Grünberg ist der Schauspieler der ebenfalls einen Saxon spielt. Grünberg ist derjenige der aussieht wie eine Leiche und ein paar außergewöhnliche Male im Gesicht trägt. Ein ekelhaft schmieriger Bösewicht wie er im Buche steht, einfach perfekt! Schade, dass man ihn nicht noch in anderen Italowestern bewundern kann.
Die Musik ist zuletzt vor allem durch Kill Bill auch recht bekannt geworden und weiß zu gefallen. Allerdings gibt es auch ein paar Stücke die mehr an einen US-Western erinnern und irgendwie fehl am Platze wirken.
Was den Spaß jedoch etwas trübt ist die grottenschlechte DVD die ich mir anschauen musste. Ich hoffe wir bekommen den Film eines Tages in einer schönen Version zu sehen. 8/10 Punkte gibt es hierfür erstmal von mir.


#113 "Von Django mit den besten Empfehlungen" habe ich heute zum dritten Mal gesehen. Auch bei der neuesten Sichtung ist meine Begeisterung erneut stürmisch gewesen. Ein Jammer, dass Nick Nostro nur diesen einen IW gedreht hat, denn der Film ist in allen Belangen ein Kracher geworden. Mich würde es überraschen wenn ein Fan des Genres den Film nicht mögen würde oder ihn nicht zu den 30 besten Italowestern rechnet. Für mich persönlich ist er höchstwahrscheinlich sogar stark genug um es in meine Top 20 zu schaffen.
Der Film hat so viele Stärken, dass ich kaum weiß womit ich anfangen soll. Die Story wird gekonnt erzählt, bietet einige Überraschungen und interessante Ideen und bleibt durchgehend spannend. Die Spannung steigert sich immer weiter bis sie sich im Finale entladen darf, wirklich eine absolute Spitzenleistung was das betrifft. Dazu passend ist auch die sehr düstere Atmosphäre die ebenfalls mit fortlaufender Spielzeit immer düsterer wird. Untermalt wird das Ganze von einem genialen Score.
Auch auf der Seite der Darsteller gibt es keine Ausfälle, allen voran natürlich Richard Harrison, den ich schon in "Fünf blutige Stricke" gern gesehen habe. Er spielt den kompromisslosen Rächer äußerst stark und vor allem glaubwürdig. Man nimmt ihm die Rolle einfach ab, vor allem weil er rüberkommt wie ein richtiges Raubein, welches auch richtig böse und eiskalt sein darf. Passenderweise finden wir in dem Film dann auch einige herrliche Brutalitäten was ich immer wieder gerne sehe.
Ein rundum gelungener Django-Vertreter der zu keiner Sekunde langweilig wirkt. Die Inszenierung ist hervorragend und auch sonst finde ich nichts was ich nur als durchschnittlich bezeichnen würde. Ich bleibe bei meiner Punktvergabe und ziehe somit 9/10.


#114 "Mögen sie in Frieden ruhen" wurde von Carlo Lizzani gedreht, der unter anderem auch "Eine Flut von Dollars" zu verantworten hat, der meiner Meinung nach unterdurchschnittlich war. Dieser Film hier hingegen ist ein kleines Meisterwerk was ich beim ersten Mal damals nicht zu würdigen wusste.
Schon der Anfang bei dem uns ein Massaker geboten wird ist grandios geworden. Die musikalische Untermalung passt dazu wie die Faust aufs Auge und unterstreicht diese extrem düstere Szene. Dort lernen wir auch sofort Mark Damon kennen, der hier den Bösewicht mimt und dies meistert er äußerst gekonnt. Schon allein sein Äußeres ist ungewöhnlich, denn er sieht aus wie eine Leiche was seine Hautfarbe betrifft. Er ist die Boshaftigkeit in Person und das spürt man in jeder einzelnen seiner Szenen. Er ist das ultimative Dreckschwein, denn er ist ein Frauenhasser wie er im Buche steht, ein Rassist, ein Sadist und obendrein ein hundsgemeiner Mörder, dem ein Menschenleben rein gar nicht bedeutet.
Requiescant nennt sich der Hauptdarsteller und er wird gespielt von Lou Castel und auch er spielt seine Rolle absolut genial. Schade, dass man ihn nicht in viel mehr Italowestern zu sehen bekam. Sein Charakter eines Bibel zitierenden Revolverhelden, der auf der Suche nach seiner Pflegeschwester ist ist mehr als nur interessant.
Der Film strotzt nur so von coolen Ideen, bietet eine durchweg interessante Story, ist dabei sogar noch anspruchsvoll und weiß über die gesamte Laufzeit bestens zu unterhalten. Interessant ist auch, dass der Film recht politisch daherkommt und auch Religion zum Thema hat. Außerdem kriegen wir auch noch ein bärenstarkes Finale geboten!
Der Film sei jedem ans Herz gelegt, der ungewöhnliche und düstere Italowestern mag. 8,5/10 Punkte kriegt er von mir ohne dass ich großartig überlegen muss.

Meine Carlo Lizzani-Rangliste:

1. Mögen sie in Frieden ruhen
2. Eine Flut von Dollars


#115 "Django und die Bande der Bluthunde" wurde von Sergio Garrone gedreht. Garrone hat unter anderem noch "Andere beten - Django schießt" inszeniert der hier noch zur Erstsichtung bereitliegt, sowie "Django & Sartana - Die tödlichen Zwei" und "Django - Tag der Abrechnung", die ich ebenfalls noch reviewen werde.
Wie dem auch sei, "Bluthunde" bietet uns Anthony Steffen in der Hauptrolle als wortkargen, geisterhaften Rächer. Sein hölzernes Schauspiel hat nie besser gepasst als in diesem Film. Er verkörpert die Rolle des Django wirklich gekonnt und es bereitet sehr viel Freude ihm dabei zuschauen zu dürfen. Auch einer meiner liebsten Nebendarsteller, nämlich Luciano Rossi ist mit von der Partie und darf hier als psychopatischer Bösewicht richtig aufdrehen. Wirklich klasse!
Besonders hervorheben möchte ich die düstere, gruselige Atmosphäre die vom Kameramann perfekt eingefangen wurde. Die Atmosphäre die hier erzeugt wurde ist nahezu unschlagbar. Auch die Geräuschkulisse trägt dazu einen nicht gerade kleinen Teil bei. Die Vergleiche zu "Satan der Rache" kann ich nachvollziehen, finde aber, dass "Bluthunde" unterhaltsamer und besser ist. Zumindest für meinen Geschmack, jedoch kann ich auch nachvollziehen wenn jemandem "Satan der Rache" besser gefällt.
Für mich ist "Bluthunde" definitiv einer der besten inoffiziellen Django-Nachfolger und sollte daher auch in keiner Django-Sammlung fehlen. Auch im Bereich der Italowestern steht er bei mir hoch im Kurs und ist sogar ein Anwärter für die Top 20. Meiner Meinung nach ist der Film nämlich ein kleines Meisterwerk aus der 2ten Reihe des Genres und daher vergebe ich sehr gerne 9/10 Punkte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 26.12.2018 14:31 
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#116 "Blutiges Blei" ist der letzte Valerii-Western meiner Retrospektive. Valerii hat uns einige Spitzen-Italowestern beschert, wie zum Beispiel "Mein Name ist Nobody" oder "Der Tod ritt Dienstags".
"Blutiges Blei" ist definitiv ein Film, den man getrost als A-Klasse Italowestern bezeichnen kann. Das Budget war anständig und somit war auch die Voraussetzung für eine schöne Optik gegeben. Diese Voraussetzung wurde auch gekonnt in die Tat umgesetzt, denn sowohl die Locations, als auch die Kamera sind als erstklassig zu bezeichnen. Auch die musikalische Untermalung ist wahnsinnig stark geworden.
Von Seiten der Darsteller gibt es ebenfalls keine Ausfälle zu verzeichnen auch wenn ich zum wiederholten Male anmerken muss, dass ich mit Giuliano Gemma, der hier die Hauptrolle spielt, einfach nicht warm werde. Storytechnisch bekommen wir einen untypischen Film innerhalb des Genres geboten was ich immer als schöne Abwechslung empfinde. Es geht hier um eine Verschwörung bezüglich der Ermordung des US-Präsidenten. Dabei fallen einige Parallelen zu dem Kennedy-Attentat auf was wirklich toll umgesetzt wurde. Somit bietet uns der Film eine schön aufgebaute Story die zu keiner Zeit langweilig wird, jedoch meines Erachtens teilweise etwas rührselig daherkommt. Dieses Sentimentale innerhalb des Genres wirkt oft deplatziert was mich auch in diesem Film etwas gestört hat. Natürlich ist es angesichts der Story zwar passend, aber für mich war es etwas zuviel. Schwamm drüber denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Film auf alle Fälle überdurchschnittlich ist und man ihn mal gesehen haben sollte. 7,5/10 Punkte gibt es dafür von mir.

Meine Tonino Valerii-Rangfolge:

1. Mein Name ist Nobody
2. Der Tod ritt Dienstags
3. Sie verkaufen den Tod
4. Blutiges Blei
5. Lanky Fellow


#117 "Zeit der Geier" wurde von Nando Cicero realisiert von dem ich bisher keinen anderen Italowestern kenne. Vielleicht besteht dort Nachholbedarf, da mich "2x Judas" schon seit geraumer interessiert doch leider ist noch keine Veröffentlichung trotz Ankündigung erschienen.
Der hier besprochene Film hätte ein kleines Meisterwerk werden können, doch leider wird viel Potential verschenkt meiner Meinung nach. Zum einen hätte man mehr aus der Story machen können die zwar im Ansatz ganz interessant ist, aber doch einige Durchhänger hat. Gerade der Beginn ist wirklich keine Meisterleistung geworden. Außerdem werden die spanischen Landschaften nicht richtig gut genutzt und die Musik ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Auch die Figur des Schwarzen Tracy bietet sehr viel Potential. Die Figur ist zwar auch so sehr stark geworden, aber man hätte garantiert noch mehr daraus machen können.
Die Besetzung ist natürlich bombig, denn man kriegt hier Hilton, Wolff & Fajardo geboten. Vor allem Frank Wolff darf hier als Schwarzer Tracy so richtig die Sau rauslassen und gibt hier einen Bösewicht der besonders fiesen Sorte ab. Ich kann daher auch durchaus die 18er Freigabe nachvollziehen, denn hier wird nicht mit Brutalitäten gegeizt.
Insgesamt ist der Film trotz der vielen kleinen Makel ein überdurchschnittlicher Film, denn er bietet viele starke Szenen, die sich leider des öfteren mit weniger starken Szenen abwechseln. Besonders die Boshaftigkeit des Films hat mir zugesagt wenn ich ehrlich bin. 7/10 Punkte vergebe ich hierfür gerne.


#118 "Der Tod zählt keine Dollar" wurde von Riccardo Freda inszeniert, dessen einziger Genrebeitrag der Film auch bleiben sollte. Die Hauptrolle spielt hier Mark Damon, dem man die Spielfreude in jeder Szene ansehen kann. Er spielt seine Rolle wie gewohnt sehr unterhaltsam. Dennoch mag ich ihn nicht zu meinen liebsten IW-Darstellern zählen. Ihm gegenüber steht Nello Pazzafini, welchen ich eigentlich immer gerne sehe. Seine finstere Visage bereichert jeden Italowestern.
Storytechnisch bekommen wir Durchschnittsware geboten auch wenn hier und da ein paar Krimi- bzw. Giallo-Elemente eingestreut werden. Dafür kann man die Inszenierung als sorgfältig bezeichnen und man wird mit einem, wie in den meisten Italowestern, schönen Score belohnt. Der Film an sich ist recht kurzweilig geraten, hat aber zwischendurch dennoch ein paar Längen zu verzeichnen. Allerdings gibt es ein paar Szenen die wirklich sehr schön geworden sind. Lustig ist zum Beispiel die Szene in der Mark Damon Kautabak kaufen geht. Sowieso sind die Szenen am Anfang in denen wir Damon kennenlernen sehr cool geworden und er darf sich dabei nach Lust und Laune austoben. Auch das Ende ist als gelungen zu bezeichnen und so bleibt ein Italowestern zurück, den ich leicht über dem Durchschnitt ansiedeln würde. Irgendwie hat mir bei dem Film jedoch das gewisse Etwas gefehlt. Ich glaube 6/10 Punkte sind eine faire Bewertung für den Film.


#119 "Zeig mir das Spielzeug des Todes" stammt von Mario Gariazzo, von dem ich auch noch "Django - Gott vergib seinem Colt" im Regal bereitliegen habe. Wenn man sich die Besetzung zu Gemüte führt packt einen zuerst das blanke Entsetzen, denn hier sind Ty Hardin & Gordon Mitchell mit von der Partie. Wenn ich diese Namen lese denke ich sofort an schlechte Italowestern.
Die Story ist sehr dürftig, denn es wird eine Rachegeschichte erzählt wie sie einfacher gestrickt kaum sein könnte. Dabei gibt es auch kaum Überraschungen, jedoch mag ich die Geradlinigkeit die der Film dadurch an den Tag legt. Mir gefiel die Idee mit dem kleinen Trommler, der den Tod so wunderschön ankündigt. Auch wenn es sehr oft geschieht ist es dennoch immer wieder schön anzusehen, denn dadurch wird schon eine gewisse Spannung aufgebaut obwohl man jederzeit weiß wie die Duelle ausgehen werden.
Ein billiger, kleiner Italowestern aus der hinteren 2ten Reihe, der jedoch ganz gut unterhalten kann und es bei mir knapp über den Durchschnitt schafft. Ich mochte dabei vor allem die dreckige Atmosphäre und die schnörkellose Story, die dafür sorgt, dass der Film recht kurzweilig wirkt. Ich vergebe erstmal 5,5/10 Punkte an "Zeig mir das Spielzeug des Todes".


#120 "Django - Gott vergib seinem Colt" hat eine besondere Produktionsgeschichte hinter sich. Die Produktionsfirma ging während des Drehs im Jahre 1966 pleite und somit wurde der Dreh unter Mario Gariazzo abgebrochen. 1969 wurden die Dreharbeiten wieder aufgenommen und Leopoldo Savona übernahm dazu die Regie. Gariazzo drehte zum Beispiel noch "Zeig mir das Spielzeug des Todes" welchen ich leicht über dem Durchschnitt eingeordnet habe. Savona drehte unter anderem noch "Killer Kid" und "Spiel dein Spiel und töte, Joe" die mir beide sehr gut gefallen haben.
Die Story des hier besprochenen Films ist wirklich nichts besonderes, kann den Zuschauer aber über weite Strecken bei Laune halten. Von den Darstellern her bietet der Film ebenfalls nichts besonderes. Wayde Preston in der Rolle des Django bzw. Texas hat mir nicht sonderlich gut gefallen, denn er wirkt doch recht blass in seiner Rolle. Interessant sind aber die drei Ramirez-Brüder die im Verlauf der Story auf Django angesetzt werden. Auch die beiden Helfer von Django konnten bei mir Punkten, da sie schon eine gehörige Portion gute Laune verbreiten.
Meiner Meinung nach tat es dem Film gut, dass Gariazzo durch Leopoldo ersetzt wurde, denn mir gefiel der frische Wind den Leopoldo vermutlich eingebracht hat. Dies macht sich zum Beispiel daran bemerkbar, dass Django plötzlich Gimmicks benutzt und sich die ganze Zeit über in verschiedenste Verkleidungen wirft um seinen Widersachern immer einen Schritt voraus zu sein.
Dennoch ändern auch diese Neuerungen nichts daran, dass der Film die meiste Zeit über vor sich hinplätschert. Gegen Ende nimmt er dann nochmal etwas Fahrt auf und kriegt geradeso nochmal die Kurve. Mehr als Durchschnittsware ist er für mich jedenfalls nicht und daher ziehe ich hier 5/10 Punkte. Allerdings muss man sich dabei fairerweise die wirre Produktionsgeschichte vor Augen halten.

Meine Mario Gariazzo-Rangliste:

1. Zeig mir das Spielzeug des Todes
2. Django - Gott vergib seinem Colt

Die Savona-Rangliste folgt übrigens noch an anderer Stelle, denn ich muss noch "El Rojo" schauen.

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Zuletzt geändert von Djabartana am 29.12.2018 01:43, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 26.12.2018 17:16 
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#121 "Ich will deinen Kopf" aka "Adios Companeros" stammt von Demofilo Fidani dem wohl einzigen Regisseur der von der Qualität her die Leone-Filme toppen konnte. Spaß beiseite jeder weiß, dass Fidani ein Garant für Gurken im Genre war, denn er produzierte sehr billige Streifen und das konnte man zu jeder Zeit und bei jedem seiner Italowestern sehen. Ich kenne nicht viele und die die ich kenne passen definitiv in diese Schublade.
Auch dieser Film macht dabei keine Ausnahme und wenn ich richtig informiert bin soll er sogar einer der "schlechten" Fidanis sein. Von den Darstellern her bekommen wir es mit Hunt Powers, Gordon Mitchell & Jeff Cameron zu tun, die allesamt zumeist in weniger bekannten und vor allem auch weniger guten Italowestern vorzufinden sind. Als kleines Schmankerl gibt es allerdings Klaus Kinski zu sehen, der eigentlich in jedem seiner Filme sehenswert ist.
Einen gewissen Unterhaltungswert kann man dem Film zwar nicht absprechen, allerdings gibt es dennoch viel zu viel zu bemängeln als dass man den Film als guten Italowestern bezeichnen könnte. Am besten gefallen hat mir das Finale wo sich die Angreifer mit Hilfe von Büschen immer näher an das Versteck von Hunt Powers' Bande heranschleichen. Wie in einem schlechten Cartoon.
Ich werde mich jedenfalls in diesem Leben vermutlich nicht mehr mit Fidani anfreunden können, denn mir ist das ganze viel zu trashig. 2/10 Punkte kann man aber schon dafür vergeben finde ich. Ich werde den Film aber nie wieder anschauen!


#122 "Vier für ein Ave Maria" ist der mittlere Teil der Colizzi-Trilogie. Mit "Gott vergibt - Django nie!" hat Colizzi einen meiner liebsten Italowestern geschaffen was ja schon mal eine gute Voraussetzung für einen Nachfolger dazu ist. Auch "Vier für ein Ave Maria", der unmittelbar an die Handlung seines Vorgängers anknüpft bietet solide Unterhaltung.
Bud Spencer & Terence Hill sind hier wieder mit von der Partie was dazu beigetragen hat, dass ich direkt ein zufriedenes Grinsen im Gesicht hatte als der Film startete. Der Anfang macht nämlich richtig Laune wenn die beiden ihren ersten Auftritt haben. Im weiteren Verlauf der Handlung treffen die beiden dann auch noch auf Eli Wallach was mir ebenfalls große Freude bereitete. Hier im Thread kommt Eli gar nicht so gut weg wie ich angenommen habe und das kann ich absolut überhaupt nicht nachvollziehen, da ich seinen Charakter äußerst unterhaltsam finde. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Von der inszenatorischen Seite her ist das Niveau auf einem wirklich sehr hohen Level was im Genre sonst nur wenige Filme bzw. Regisseure erreichen konnten. Wirklich eine runde Sache was für mich auch dazu beiträgt, dass der Film im Großen und Ganzen ein Gewinner ist. Was allerdings ein großes Manko darstellt ist die Tatsache, dass "Ave Maria" viel zu lang geraten ist. Hätte man die Story etwas straffer erzählt und einige Szenen kürzer gehalten hätten wir hier vermutlich einen saustarken Vertreter des Genres vorliegen. Sagen wir mal 20 Minuten weniger wären vielleicht nicht schlecht gewesen.
Dennoch reicht es für mich für 7,5/10 Punkte, denn es gibt auch etliche starke Szenen zu bewundern. Außerdem ist die Inszenierung wie bereits erwähnt klasse und die Schauspieler sind eine Wucht!
Ich bin mir nicht sicher ob ich "Hügel der blutigen Stiefel" schauen werde, da ich die DVD damals aus Zorn verkauft habe weil ich den Film so unglaublich schlecht fand.

Meine Giuseppe Colizzi-Rangliste:

1. Gott vergibt - Django nie!
2. Vier für eine Ave Maria


#123 "Der Gehetzte der Sierra Madre" ist der erste Film der Sergio Sollima-Trilogie. Die Trilogie dürfte jedem bekannt sein, der sich mal etwas tiefer ins Genre gewagt hat. Für viele stellen die Italowestern von Sollima nach den Leones und einigen Corbuccis das Nonplusultra innerhalb des Genres dar. Vor allem der erste Teil erfreut sich bei Kennern äußerster Beliebtheit und taucht regelmäßig in Top 10-Listen auf. Ich habe ihn soeben zum dritten Mal gesehen und er hat nichts von seiner Faszination eingebüßt.
In den Hauptrollen treffen Lee Van Cleef & Tomas Milian aufeinander, die sich ein Katz-und-Maus-Spiel allererster Güte liefern. Van Cleef in der Rolle des Jonathan Corbett ist die Idealbesetzung, denn er strahlt einfach alles aus was einen gnadenlosen Kopfgeldjäger aus meiner Sicht ausmacht. Auch Milian als Cuchillo ist eine perfekte Wahl gewesen, denn er spielt den Messer werfenden Mexikaner, der scheinbar aus jeder noch so ausweglosen Situation fliehen kann unfassbar stark.
Auch die Story die sich aus der wilden Jagd entwickelt ist sehr gut und glaubhaft geschrieben und könnte kaum kurzweiliger sein. Das Finale krönt den ohnehin schon sehr guten Film dann noch. Es gibt so gut wie keinen IW, der mit solch einem starken Finale aufwarten kann. Auch die Morricone-Musik ist wiedermal allererste Sahne geworden und die starke Inszenierung sucht ihresgleichen. Was mir bei dem Film übrigens besonders gut gefällt und was ich allgemein an Filmen immer sehr schätze ist, dass es viele verschiedene Drehorte bzw. viele Landschaften zu sehen gibt. Der "Gehetzte" ist einfach ein rundum gelungener Italowestern, der eigentlich keine Schwächen zu verzeichnen hat. Etwas störend war vielleicht, dass viele Stellen leider nur auf italienisch sind, aber dafür kann der Film ja nichts. Auf jeden Fall sind hier 10/10 Punkte ein Muss!


#124 "Von Angesicht zu Angesicht" ist der 2te Teil der Sollima-Trilogie. Der Film ist anders gelagert als "Der Gehetzte der Sierra Madre", aber kommt genauso stark daher wie sein Vorgänger. Auch hier hat Sollima ein Meisterwerk geschaffen, welches zur Speerspitze des Genres gezählt werden darf. Als ich den Film vor Jahren das erste Mal gesehen habe war ich etwas enttäuscht und ich kann mir beim besten Willen nicht erklären wieso ich das damals so empfunden habe.
Der Film ist nämlich ebenfalls ein in allen Belangen mehr als überdurchschnittlicher Italowestern. Sowohl die Inszenierung, der Score, die Story und die Charaktere sind erstklassig! Langeweile ist hier keine zu finden, denn man wird mit einer starken Szene nach der anderen belohnt und es fällt mir wirklich schwer hierbei nach Kritikpunkten zu suchen. Das einzige was mir einfällt ist vielleicht die Feierlichkeit im Banditenlager, allerdings darf man dort Nello Pazzafini beim Tanzen zusehen und das ist ebenfalls sehr unterhaltsam. Jedenfalls fügt sich alles zu einem rundum gelungenen Werk zusammen welches in einem mehr als starken Finale gipfelt.
Am besten gefallen haben mir die Hauptcharaktere, die mit Tomas Milian, Gian Maria Volonte & William Berger besetzt wurden. Ich mag dabei auch gar nicht entscheiden wer nun besser ist, ob nun Milian oder Volonte. Beide Charaktere sind von solch unterschiedlicher Natur und beide Schauspieler meistern ihre Rollen mit Bravur. Die Charakterzeichnung stellt so ziemlich das Beste dar was im Genre zu finden ist!
Ein herrlicher Film und wirklich jeder Fan des Italowestern sollte die DVD sein eigen nennen und hin und wieder in den Player werfen. Ich bin nun mehr als gespannt auf "Lauf um dein Leben"! Für den hier besprochenen 2ten Teil ist ebenfalls eine Wertung von 10/10 Punkten Pflicht!


#125 "Ringo kommt zurück" ist der 2te Ringo-Film von Duccio Tessari. Der erste Teil ist für mich ein sehr starker Italowestern, der jedoch völlig anders gelagert ist als sein Nachfolger. Der hier besprochene Film ist viel mehr ein Drama als ein Action-Italowestern sofern man die finale Ballerorgie nicht berücksichtigt. Wir bekommen nämlich eine düstere, relativ traurige und vor allem ernste Geschichte erzählt. Es wird nicht ständig geschossen, sondern viel mehr eine tiefe, anspruchsvolle Story aufgebaut die den Zuschauer in seinen Bann ziehen soll. Das Ganze ist gekonnt inszeniert, zeigt schöne Bilder und wird mit einer wunderbaren Musik untermalt, die die Stimmung des Films sehr gut wiedergeben kann. Dennoch bin ich mit dem Film nicht ganz warmgeworden, vielleicht bin ich ja auch einfach zu abgestumpft.
Mir gefiel die Machart von "Eine Pistole für Ringo" wesentlich besser. "Ringo kommt zurück" ist zwar kein schlechter Film, wollte aber meinen Geschmack nicht so richtig treffen. Besonders störend fand ich die Gefühlsduselei, die an manchen Stellen doch ein wenig kitschig wirkt. Vor allem die Szenen mit der kleinen Tochter von Ringo fallen mir dabei ein. Hier mag es vielleicht zur Machart und Story des Films in gewisser Weise passen, dennoch hat es mich genervt.
Wie dem auch sei letztendlich gefiel mir der Film eigentlich ganz gut, aber ich sehe darin definitiv nicht das Meisterwerk wie manch Anderer. Man bekommt zahlreiche starke Szenen geboten, die in einem grandiosen Finale gipfeln. Auch Gemma spielt die Rolle des Ringo ordentlich und Fernando Sancho ist natürlich auch wieder stark als mexikanischer Bandenboss. Von Seiten der Darsteller gibt es also nichts zu bemängeln.
Mehr als 7/10 Punkte möchte ich aber nicht vergeben und das auch nur mit viel Wohlwollen. Ich hatte gehofft, dass es mir mit diesem Film hier genauso ergeht wie bei "Von Angesicht zu Angesicht". Beide Filme haben mir beim ersten Anlauf nicht 100%ig zugesagt. Ein paar Jahre sind vergangen und plötzlich gefällt mir der 2te Sollima-Western sehr gut, der 2te "Ringo" hingegen hat meinen ersten Eindruck dagegen bestätigt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 26.12.2018 17:37 
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#126 "Django - Eine Pistole für 100 Kreuze" wurde von Carlo Croccolo realisiert, der ansonsten nur noch "Black Killer" gedreht hat, bei dem es sich ebenfalls um einen Italowestern handelt. Der hier besprochene Film ist nichts Besonderes und kann an einem regnerischen Sonntag nachmittag für etwas Unterhaltung sorgen. Anzusiedeln ist er in der hintersten 2ten Reihe des Genres. Alles in allem wirkt er sehr billig was sich die gesamte Laufzeit über bemerkbar macht. Die Story ist simpel gehalten, kann den treuen IW-Fan aber bei Laune halten auch wenn es zwischenzeitlich mal ein paar Durststrecken gibt. Die Musik ist ganz gut geworden, ein paar schöne Kameraeinstelllungen sind ebenfalls zu finden und Tony Kendall als Django geht auch in Ordnung. Dazu bekommen wir einen peitschen schwingenden, weiblichen Bandenboss geboten was für etwas Abwechslung innerhalb des Genres sorgen kann. Auch die relativ lange Schießerei gegen Ende macht Laune. Dennoch reicht es meiner Meinung nach nicht dazu den Film über den Durchschnitt zu heben. 4/10 Punkte sind jedoch noch drin!


#127 "Für ein paar Leichen mehr" wurde von Alfonso Balcazar gedreht, der unter anderem noch "Die Todesminen von Canyon City" und "Ein Einsamer kehrt zurück" geschaffen hat. "Todesminen" gefiel mir schon mal und den "Einsamen" werde ich mir auch bald noch einmal zu Gemüte führen.
"Für ein paar Leichen mehr" ist als ein rundum gelungener B-Italowestern zu bezeichnen, der eine einfache Rachegeschichte erzählt. Vor allem die verspielte Kameraführung, die sehr gut gewählte Musik, die starken Darsteller und die düstere, dreckige Atmosphäre tragen dazu bei, dass der Film als kleine Genre-Perle bezeichnet werden darf. Den Antihelden spielt hier George Martin, der die Rolle des schwarz gekleideten Rächers sehr gut ausfüllt und dabei äußerst cool rüberkommt. Schade, dass man ihn nicht öfter in solchen Rollen sehen konnte. Ihm steht dabei Gilbert Roland zur Seite, der zwar kein Favorit von mir ist, aber Martin ganz gut zu unterstützen weiß. Den Bösewicht mimt hier Jack Elam, der eine perfekte Wahl für solche Rollen war. Sein Gesicht ist dafür einfach wie geschaffen, denn man vergisst es nie mehr wenn man es einmal gesehen hat.
Ein sehr guter Film für Leute die sich etwas tiefer ins Genre wühlen wollen und nach Geheimtipps suchen. Ein bitterböser, düsterer und vor allem unterhaltsamer Italowestern, den man sich als Fan definitiv ins Regal stellen sollte! Ich denke 8,5/10 Punkte passen hier ganz gut.


#128 "Von Mann zu Mann" aka "Die Rechnung wird mit Blei bezahlt" ist der erste Italowestern von Giulio Petroni. Anschließend inszenierte er dann den sehr guten Revolutions-Italowestern "Tepepa" und den unterhaltsamen Comedy-IW "Amigos". Seinen darauf folgenden IW "La Notte Dei Serpenti" besitze ich leider nicht, würde diesen aber sehr gern mal sehen.
"Von Mann zu Mann" ist ein Rache-Italowestern den man getrost zur ersten Reihe des Genres zählen kann. Die Inszenierung ist erstklassig und der Morricone-Score eine Wucht! Die Hauptrollen spielen Lee Van Cleef, der wie immer eine super Leistung vollbringt, sowie John Phillip Law, dem ein Eastwood-Outfit verpasst wurde. Dies war auch sein einziger Auftritt in einem Italowestern und ich muss sagen, dass ich auch lieber einen Franco Nero oder auch Gianni Garko in dieser Rolle gesehen hätte. Dies hätte den Film vermutlich noch eine ganze Ecke stärker werden lassen.
Der Film ist mit seinen knapp 2 Stunden Lauflänge für mein Empfinden etwas zu lang geraten und ich finde, dass er letztendlich doch nicht mit den ganz großen Fischen schwimmen kann. Er bietet zwar einige denkwürdige Szenen, aber hat zwischendurch dann doch ein paar kleinere Durchhänger zu verzeichnen, die man mit einer kürzeren Laufzeit vielleicht hätte glattbügeln können. Die einfache Rachegeschichte schafft es aber sehr gut zu unterhalten und hat am Ende sogar noch eine überraschende Wendung zu bieten.
Besonders gefallen haben mir der Beginn und das Finale, welche unterschiedlicher kaum hätten ausfallen können. Beide schaffen es auf ihre Art und Weise eine kaum zu toppende Atmosphäre aufzubauen. Der Beginn spielt in einer regnerischen Nacht und das Finale bietet staubig, stürmische Action in einem Mexikaner-Städtchen. Beides weiß durchaus zu gefallen. Auch die Szene in der Law bis zum Hals eingegraben wird und Van Cleef dann auf ihn trifft ist sehr schön geworden.
Für eine Höchstwertung reicht es bei aller Liebe aber dann doch nicht. 8,5/10 Punkte sind meiner Meinung nach die passende Wertung.

Meine Giulio Petroni-Rangliste:

1. Tepepa
2. Von Mann zu Mann
3. Amigos


#129 "Zwei wilde Companeros" ist ein Revolutions-Italowestern mit großzügigem Comedy-Einschlag gedreht von Duccio Tessari. Die Story wurde sehr kurzweilig und vor allem actionreich inszeniert und ich muss sagen, dass mich kaum ein Italowestern mehr unterhalten konnte als dieser hier. Eigentlich ist jede Szene ein Genuss, denn alles wirkt wie aus einem Guss. Seien es nun die sehr gut choreografierten Actionszenen, die tollen Landschaften oder der starke Score. Man merkt einfach, dass der Regisseur ein hohes Budget zur Verfügung hatte. Dies macht sich auch in der grandiosen Besetzung bemerkbar, denn die Hauptrollen spielen hier Franco Nero & Eli Wallach, die hier ein tolles Buddy-Duo abgeben. Es ist wirklich ein Fest den beiden zuzuschauen auch wenn viele dabei vermutlich die Kalauer-Synchro stören wird. Für mich verpasst gerade das dem Film den letzten Schliff und sorgt für ein rundum gelungenes Vergnügen. Übrigens konnte man als Bösewicht sogar noch Eduardo Fajardo gewinnen was einen weiteren Pluspunkt auf Seiten der Besetzung darstellt.
"Zwei wilde Companeros" ist ein A-Klasse Italowestern der den Zuschauer mit auf ein abwechslungsreiches Abenteuer nimmt welches zu keinem Zeitpunkt auch nur im Ansatz langweilig wird. Es ist meiner Meinung nach einer dieser Filme die auch nach dem X-ten Mal noch zünden können wenn man sich darauf einlässt. Eine echte Überraschung für mich, da ich den Film kaum noch auf dem Schirm hatte. Ich ziehe sogar fast die Höchstnote für diesen Kracher. Hierfür also 9,5/10 Punkte von mir!

Meine Duccio Tessari-Rangliste:

1. Zwei wilde Companeros
2. Eine Pistole für Ringo
3. Ringo kommt zurück


#130 "Töte Amigo" ist ein Revolutions-Italowestern gedreht von Damiano Damiani. Damiani drehte leider nur noch einen anderen Italowestern und zwar "Nobody ist der Größte", welcher sich jedoch nur mäßiger Beliebtheit erfreut. Hingegen handelt es sich bei "Töte Amigo" um einen absoluten Favoriten unter den Italowestern-Fans. Bei vielen findet er sich in den Top-10-Listen wieder und er wird auch von vielen als der beste Revolutions-Italowestern angesehen. Das will schon was heißen, denn in diesem Sub-Genre gibt es äußerst starke Konkurrenz, wie zum Beispiel "Il Mercenario", "Lasst uns töten Companeros", "Tepepa" und natürlich "Todesmelodie".
Der hier besprochene Film kann durchaus als anspruchsvoll, ernst und sehr politisch bezeichnet werden. Dies soll aber keinesfalls heißen, dass er nicht auch actionreich und unterhaltsam ist. Trotz der 2 Stunden Lauflänge bleibt dem Zuschauer nämlich kaum Zeit zum Durchatmen und man schafft es kaum den Blick vom Bildschirm abzuwenden. Die Handlung wird schwungvoll und zu jeder Zeit interessant erzählt und auch von der Inszenierung her darf der Film als erstklassig bezeichnet werden. Hervorheben möchte ich auch die tollen Dialoge, die wirklich mitreißend sind und einen zum Nachdenken anregen. Ich kann eigentlich nur eine Sache kritisieren und dabei handelt es sich um die Besetzung. Natürlich ist Gian Maria Volonte als Chuncho genial und sein Filmbruder Klaus Kinski, der hier eine größere Nebenrolle hat ist auch wieder spitze. Allerdings muss ich sagen, dass mir Lou Castel in dem Film einfach nicht gefallen wollte. In "Mögen sie in Frieden ruhen" war das noch ganz anders aber hier war er überhaupt nicht mein Fall. Sein Charakter ist aber dennoch interessant gezeichnet, nur mag ich eben nicht wie er diese Rolle spielt. Ich glaube auch hier, dass Garko oder Nero eine bessere Wahl gewesen wären, aber man kann nun mal nicht alles haben.
Wie dem auch sei, der Film ist schlichtweg als genial zu bezeichnen und wird es vermutlich auch in meine Top-10 schaffen und ich kann nicht anders als hier 10/10 Punkte zu vergeben. Wirklich ein Film der mir wieder gezeigt hat wieso ich das Genre des Italowestern so sehr liebe. Wer den Film nicht kennt sollte das schleunigst ändern auch wenn man kein Fan von Italowestern ist.

Meine Damiano Damiani-Rangliste:

1. Töte Amigo
2. Nobody ist der Größte

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 28.12.2018 02:00 
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#131 "Einladung zum Totentanz" wurde von Enzo Dell'Aquila gedreht und bietet uns einen soliden Italowestern, den man im oberen Mittelfeld ansiedeln kann. Mit Anthony Ghidra in der Hauptrolle, welcher einen versoffenen Sheriff spielen darf, hat sich der Film bei mir schon mal einen Pluspunkt verdient. Ihm steht dabei ein gewisser Jean Sobieski zur Seite, der sowas wie seinen Deputy darstellt. Die Handlung dreht sich um eine Stadt die von zwei rivalisierenden Banden terrorisiert wird. Der junge Deputy setzt alles daran dem Sheriff dabei zu helfen seinen Mut wieder zu erlangen um gemeinsam den beiden Banden das Handwerk zu legen.
Der Film beginnt in einem gemächlichen Tempo, so dass man anfangs denkt es könnte sich um einen zähen Genre-Vertreter handeln. Allerdings nimmt er sich nur etwas Zeit um die Story aufzubauen und uns an die Hauptcharaktere und die beiden Banden heranzuführen. Anschließend legt er etwas an Tempo zu und man bekommt einige starke Szenen geboten. Dabei geht es zum Teil doch recht ruppig zur Sache. So wird zum Beispiel die Tochter eines Bandenchefs vor den Augen ihrer Mutter von der rivalisierenden Bande vergewaltigt oder man überfällt eine Trauerfeier wobei sogar Kinder nicht verschont bleiben.
Handwerklich kommt der Film sehr solide daher. Die Locations wissen zu gefallen und auch die Musik ist sehr schön geraten. Die Charaktere, vor allem "Tequila Joe", haben mir ebenfalls gut gefallen. Auch die Story bleibt durchgehend interessant und man bekommt am Ende sogar noch eine kleine Wendung geboten.
Ein interessanter Genre-Beitrag, den ich nicht missen möchte. Zwar kein Überflieger aber durchaus unterhaltsam. Man macht nichts falsch wenn man sich die DVD ins Regal stellt! 6,5/10 Punkte gibt es dafür jedenfalls von mir.


#132 "Bandidos" wurde von Massimo Dallamano inszeniert, der leider auch sein einziger Italowestern war. Ich schreibe leider weil der Film absolut klasse ist! Geboten bekommen wir eine stark erzählte Story die sehr düster daherkommt und den Zuschauer über die gesamte Lauflänge bestens unterhält. Dabei legt der Film ein ordentliches Tempo an den Tag und liefert uns zahlreiche schön inszenierte Schießereien, welche stets sehr stark von der Kamera eingefangen werden. Die Kameraarbeit ist wirklich ein Genuss und die dazu passende Musik ist ebenfalls sehr gut geraten. Man bekommt viele Szenen geboten an die man sich lange erinnern wird. Schon der Anfang mit dem Zugüberfall ist grandios. Dabei merkt man sofort in welche Richtung der Film geht, denn er geizt keineswegs mit Brutalitäten. Auf eine gewisse Grimmigkeit lege ich sehr viel Wert denn ich mag es wenn der Italowestern eine bösartige Grundstimmung aufweist was hier definitiv der Fall ist. Übrigens durchzieht den Film die ganze Zeit über ein schöner Spannungsbogen und das Finale macht ebenfalls mächtig Laune.
Was die Darsteller angeht ist besonders Enrico Maria Salerno, der seinen Part einfach spitzenmäßig spielt, hervorzuheben. Sein Zögling Terry Jenkins als Ricky Shot macht seine Sache auch ganz gut, hat aber gegen Salerno kaum eine Chance. Venantino Venantini spielt den Bösewicht namens Billy Kane ebenfalls sehr stark und stellt ein schönes Gegengewicht zu Salerno dar.
Jedefalls ist "Bandidos" einer der besten Beiträge aus der 2ten Reihe und jeder der sich für das Genre interessiert sollte ihn mal gesehen haben. Ich habe eigentlich gar nichts zu bemängeln und ziehe hier 9/10 Punkte. Lediglich die DVD-Auswertungen lassen zu wünschen übrig. Ich besitze die Starmedia-Version und die White Pearl-Version. Wenn ich mich nicht täusche dürfte die White Pearl-Fassung identisch mit der von NEW sein. Ich würde jedenfalls die Starmedia-DVD meiden auch wenn die sich darauf befindende Fassung uncut ist.


#133 "Ein Fressen für Django" wurde von Edoardo Mulargia gedreht. Dies ist nun schon der 5te Mulargia-Italowestern innerhalb meiner Retrospektive und somit fehlt nur noch "El Puro" auf den ich mich schon richtig freue. Zurück zum "Fressen-Django", welcher standesgemäß mit einem niedrigen Budget gedreht wurde. Daraus schafft es Mulargia jedoch einen sehr unterhaltsamen, kleinen B-Italowestern zu machen, der mit vielen schönen Ideen punkten kann. Zum Beispiel verkleidet sich unser Django gern mal und hat auch sonst ein paar nette Gimmicks parat mit deren Hilfe er seine zahlreichen Gegner austricksen kann. Außerdem ist hier auch mächtig was los, denn die Leichenberge sind hier sehr hoch gewachsen und es gibt eine Menge Explosionen zu bestaunen.
Die Hauptrolle spielt hier der allseits beliebte Anthony Steffen, den ich immer gerne sehe und auch hier passt er sehr gut in die Rolle des Django. Es macht Spaß ihm bei seiner Rache beizuwohnen. Dabei verkommt die Story eigentlich zur Nebensache was aber auch nicht weiter schlimm ist. Steffen strahlt einfach eine gewisse Coolness aus, die für solch eine Rolle immer von großem Vorteil ist.
Für mich ist der hier besprochene Film der bisher beste von Mulargia, knapp vor "Shangos letzter Kampf". Ich ziehe hier mal 7,5/10 Punkte was mir recht fair erscheint. Eine Granate ist der Film natürlich dennoch nicht, aber er bietet kurzweilige Unterhaltung und man kann ihn definitiv zu den besseren Django-Vertretern zählen.


#134 "Django - Melodie in Blei" wurde von Giovanni Fago realisiert. Fago haben wir auch "Django - Der Bastard" zu verdanken der mir sehr gut gefallen hat. Außerdem drehte er noch "Viva Cangaceiro", den ich mir auch noch vornehmen werde.
Zurück zu "Melodie in Blei" oder auch "Melodie des Todes", denn unter dem zweiten Namen erschien er auf DVD. Der Film kommt zu Beginn recht albern daher und auch was die Story angeht sollte man nichts Weltbewegendes erwarten. Außerdem wird die Story recht lahm in Szene gesetzt und ich muss zugeben, dass ich mich teilweise schon gelangweilt habe. Mit voranschreitender Laufzeit wandelt der Film sich dann zum Besseren hin. Es wird ernster und auch etwas Spannung lässt sich nun wiederfinden was allerdings viel zu lange auf sich warten lässt. In der letzten halben Stunde bekommen wir dann jedoch noch ein paar coole Szenen geboten, die es schaffen einiges wieder herauszureißen.
Handwerklich ist der Film ganz gut geworden, hervorzuheben wäre dabei die gelungene Musik. Dies kann man jedoch über die meisten Italowestern sagen. Übrigens spielt die Hauptrolle George Hilton was dem Film ein wenig Klasse verleihen kann, denn Hilton ist nun mal ein beliebter Darsteller gewesen, den auch ich immer wieder gerne sehe. Gefallen hat mir auch der sadistische Widersacher von Django, der gerne mal Schießübungen mit Mexikanern veranstaltet zu seinem Vergnügen. Daher rühren auch die meisten Grausamkeiten die man im Film vorfindet. Eine feine Leistung von Gerard Herter.
Wie dem auch sei das letzte Drittel ist stark gewesen, jedoch schafft es der Film dennoch nicht über den Durchschnitt hinaus. Zuviel Belanglosigkeit geht dem letzten Drittel voran und auch Hilton & Herter können daran leider nichts ändern. 5,5/10 Punkte gibt es für diesen kleinen IW aus der 2ten Reihe wenn ich ein Auge zudrücke.


#135 "Ein Loch im Dollar" ist mein erster Italowestern von Giorgio Ferroni. Ferroni liefert hiermit auch den Auftakt seiner eigenen "Dollar-Trilogie" in der bei allen Teilen Giuliano Gemma die Hauptrolle spielt. Die Filme Ferronis sind meines Wissens nach alle noch relativ nah am US-Western gehalten, jedoch kann ich dies bisher nur für "Ein Loch im Dollar" bestätigen, da ich die anderen Teile nicht kenne.
Im Kern handelt es sich hierbei um einen Rache-Western, der sich Zeit nimmt die Story aufzubauen. Zwischendurch geht es auch mal etwas kitschiger zur Sache was meiner Meinung nach ein Manko darstellt. Sowieso wirkt der Film für meinen Geschmack etwas zu amerikanisch obwohl es auch einige italotypische Momente zu bestaunen gibt. In diesen Momenten ist der Film für mich dann auch am stärksten geworden. Zum Beispiel ist das Finale sehr überzeugend geworden und auch die Szene in der Gemma sich zur Ranch schleicht und einen Bösewicht nach dem anderen überwältigt hat mir durchaus gefallen. Dazu ertönt immer wieder der sehr schöne Soundtrack, welcher aber zum Teil ebenfalls etwas amerikanisch angehaucht ist.
Giuliano Gemma trägt hier eine Weile Vollbart was ihm gut zu Gesicht steht, jedoch trennt er sich zum Ende hin von selbigem. Gemma stand hier noch am Anfang seiner Karriere und man sieht noch nicht seinen routinierten, lockeren Stil in voller Pracht, was ich aber eigentlich ganz erfrischend finde. Er macht seine Sache jedenfalls recht gut. Im Film wirken unter anderem noch Ida Galli & Nello Pazzafini mit. Letzteren sehe ich immer gern in Italowestern und auch hier kann er den Film bereichern.
Insgesamt fand ich, dass der Film zwischendurch ein paar Längen hatte, aber dennoch ganz gut unterhalten konnte. Die Inszenierung war routiniert, jedoch waren die Locations nicht immer überzeugend. Außerdem störte mich die Nähe zum US-Western was meine Wertung auch stark beeinflusst hat. Der Film ist für Italowestern-Fans die sich auch im US-Western wohlfühlen vielleicht eine gute Wahl. Ich würde jedoch einen 100%-Italowestern dem hier besprochenen Film jeder Zeit vorziehen oder zur Not auch zu einem der großen US-Western greifen.
Von mir bekommt "Ein Loch im Dollar" erstmal 5,5/10 Punkte und ich werde die Nachfolger dazu auch sobald nicht antesten.

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BeitragVerfasst: 28.12.2018 13:49 
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#136 "Sein Steckbrief ist kein Heiligenbild" wurde von Julio Buchs inszeniert, der für uns später noch "Um sie war der Hauch des Todes" schaffen sollte. Dafür bin ich ihm sehr dankbar denn "Um sie war der Hauch des Todes" ist einer der besten Italowestern überhaupt. Auch der hier besprochene Film ist ein solider Vertreter des Genres und schlägt in eine ähnliche Kerbe.
Storytechnisch dreht es sich um den Revolverhelden Billy The Kid, der hier von Peter Lee Lawrence verkörpert wird. Die Story wird schön erzählt und hält den Zuschauer über die gesamte Laufzeit bei Laune. PLL zeigt hier eine seiner besten Leistungen wenn nicht sogar seine beste! Ich mag ihn jedenfalls in jedem seiner Western, von daher hatte der Film von vornherein schon ein paar Sympathiepunkte bei mir.
Auch die Inszenierung weiß zu gefallen, denn Buchs schafft es die herrlichen Landschaften schön in den Film einzubinden was natürlich ein Verdienst der Kamera ist, welche einige sehr starke Bilder einfangen kann. Der Film wird dazu noch von einem genialen Score begleitet der hervorragend zur bedrückenden Atmosphäre passt. Billy The Kid ist in einem Strudel von Gewalt gefangen dem er nicht entkommen kann. Diese Ausweglosigkeit spürt man den gesamten Film über und wird auch durch die Anfangsszene schon vorweggenommen. Seine Wandlung hin zu einem gefürchteten Outlaw ist schön in Szene gesetzt worden und gipfelt in einem spannenden Finale.
Ein starker, kleiner Italowestern aus der 2ten Reihe der zu jeder Zeit unterhalten kann und mit einem sehr guten PLL perfekt besetzt ist. Von mir bekommt der Film verdiente 7/10 Punkte.

Meine Julio Buchs-Rangliste:

1. Um sie war der Hauch des Todes
2. Sein Steckbrief ist kein Heiligenbild


#137 "Die fünf Gefürchteten" wurde von Don Taylor verwirklicht, der leider nur diesen einen Italowestern gedreht hat. Er drehte aber unter anderem noch "Omen 2" und den dritten Teil von "Planet der Affen", also eine bunte Auswahl an Filmen diverser Genres. Beide Filme waren recht solide Fortsetzungen und auch mit dem früher entstandenen Italowestern hier hat er einen starken Genre-Vertreter geschaffen, den man getrost als einen Italowestern aus der ersten Reihe bezeichnen kann. Schließlich war Enzo Barboni für die Kamera verantwortlich, Morricone lieferte den überragenden Score und sogar Dario Argento war am interessanten Drehbuch beteiligt. Die Inszenierung ist daher als erstklassig zu bezeichnen was man auch deutlich sehen kann, denn vermutlich stand ein recht hohes Budget zur Verfügung.
Die Story ist wie bereits erwähnt äußerst gelungen, denn wir kriegen einen Men-On-A-Mission-Film geboten bei dem es um das Ausrauben eines von Soldaten mit schweren Geschützen bewachten Zuges geht. Der Plan wurde schön ausgearbeitet und auch die bunte Truppe die ihn ausführt ist äußerst sympathisch geworden. Natürlich gibt es ähnliche Vertreter dieser Art, wie beispielsweise "Sie verkaufen den Tod" oder auch "Töte alle und kehr allein zurück", aber ich bin immer sehr angetan von Filmen dieser Art. Wenn man einen solchen Film in den Player legt wird man eigentlich so gut wie immer sehr gut unterhalten und die Zeit vergeht wie im Fluge. Übrigens spielt die Handlung während der mexikanischen Revolution was ebenfalls immer sehr unterhaltsam ist.
Ein wirklich starker Italowestern, der sich hinter seinen Artgenossen nicht verstecken brauch. Hierfür gibt es von mir dicke 8/10 Punkte.


#138 "Andere beten - Django schießt" ist ein kleiner Italowestern aus der hinteren 2ten Reihe des Genres und wurde von Sergio Garrone gedreht. Ihm stand dabei ein niedriges Budget zur Verfügung und das sieht man dem Film auch deutlich an. Garrone drehte unter anderem noch "Django - Tag der Abrechnung", den ich mir demnächst noch anschauen werde und den sehr starken "Django und die Bande der Bluthunde". Der hier besprochene Film ist das was man als Durchschnitts-IW bezeichnen könnte. Dabei kommt er aber unterhaltsam genug daher um sich einen gediegenen Abend auf der Couch zu machen. Die Story wird interessant aufgebaut und kann den Zuschauer daher auch bei Laune halten. Dennoch haben sich ein paar kleinere Längen und etwas Kitsch eingeschlichen.
Obwohl es der erste Film des Regisseurs war kommt einem die Inszenierung durchaus routiniert vor. Die Hauptrolle spielt hier Ivan Rassimov, der seine Rolle gut ausfüllen kann und daher eine gute Wahl für die Hauptrolle war. Man kann sagen, dass Rassimov grundsätzlich eine solide Leistung im Genre erbracht hat. Auch die Nebenfiguren wurden recht gut besetzt was auch nicht immer selbstverständlich in der Welt des Italowesterns ist.
Ein netter, kleiner Beitrag den man sich ruhig mal anschauen kann. 5,5/10 Punkte kann man ruhigen Gewissens vergeben.


#139 "Die Grausamen" wurde von Sergio Corbucci inszeniert und hat einen schweren Stand gegenüber seinen zahlreichen Meisterwerken. Er liegt zeitlich zwischen "Navajo Joe" & "Leichen pflastern seinen Weg" wenn ich richtig informiert bin. Dies wirkt etwas merkwürdig, da er sich doch im Vergleich zu diesen beiden Werken oder auch "Django" & "Il Mercenario" stark unterscheidet. Er wirkt weitaus amerikanischer als die von mir genannten Filme und kommt auch etwas ruhiger daher. Dennoch gefällt mir die Machart des Films sehr gut, wobei man erwähnen sollte, dass er Corbucci-typisch ebenfalls sehr düster und bösartig geworden ist. Sowieso lässt sich Corbuccis Handschrift in vielen Situationen erkennen auch wenn dies nicht so stark ausgeprägt ist wie in seinen anderen Filmen.
Die Story ist sehr interessant geraten, denn es geht um einen fanatischen Südstaatenoffizier, gespielt von Joseph Cotten, der mit seinen Söhnen einen Trupp von Nordstaatlern überfällt und ihnen die Kriegskasse stiehlt. In einem Sarg wird die Beute kurzerhand versteckt und soll in einer Kutsche weggeschafft werden. Dazu wird eine falsche Witwe angeheuert die ihren angeblich gefallenen Ehegatten begleitet. Die Geschichte ist daher sehr stark geworden und die Truppe um den Colonel muss einige sehr spannende Situationen meistern.
Joseph Cotten spielt die Hauptrolle mehr als stark und es ist eine Freude ihm dabei zuzusehen wie er wie ein wahnsinniger seine Pläne zur Rettung des Südens durchführen will. Die erste Witwe war unglaublich nervig und ich war froh als sie von der Bildfläche verschwand. Ich habe mich selten über einen Charakter in einem Italowestern so geärgert. Aber für ihre Rolle kann die Schauspielerin natürlich auch nichts. Zum Glück ist die Nachfolgerin nicht so nervig geworden und die Söhne des Hauptcharakters sind auch ganz gut besetzt.
Ein spannender, kleiner Western von Corbucci, der zwar nicht an seine Meisterstücke heranreichen, sich aber dennoch ganz gut in seine Filmografie einreihen kann. Übrigens hat der Film auch noch einen schönen Morricone-Score zu bieten. Ich denke 7,5/10 Punkte sind hier durchaus angemessen.


#140 "Requiem für Django" wurde von José Luis Merino inszeniert von dem sich noch "La muerte busca un hombre" in meinem Besitz befindet. Nach dem hier besprochenen Film bin ich auf diesen besonders gespannt, denn was man bei "Requiem" geboten bekommt ist eine Klasse für sich.
Die Hauptrolle des Django spielt hier Lang Jeffreis, der mir nicht bekannt war, jedoch spielt er seinen Part erstaunlich gut. Schon allein das Outfit welches man ihm verpasst hat ist ungewöhnlich, denn er trägt einen Leoparden-Poncho. Ihm stellt sich Bandenboss Fernando Sancho entgegen, der drei bösartige Revolverhelden um sich geschart hat, die allesamt ihre Rollen richtig gut ausfüllen. Die drei Pistoleros sind eine perfekte Ergänzung zu unserem Fernando Sancho, dessen Machtposition allmählich ins Wanken gerät.
Der Spannungsbogen der durch die Handlung aufgebaut wird ist richtig gut geworden, was ich bei Italowestern sehr schätze. Dazu trägt natürlich auch die gespenstisch, düstere Atmosphäre bei, die durch die außergewöhnliche Kameraarbeit, die tollen Locations und die erstaunlich packende Geräuschkulisse entsteht. Wirklich eine klasse Leistung was hier geschaffen wurde! Auch die im Genre vermutlich einzigartige Sonnenfinsternis, welche man im genialen Finale bewundern darf ist richtig nett anzusehen und passt zu der apokalyptischen Stimmung die der Film aufbauen kann.
Erwähnenswert ist auch, dass der Film völlig humorlos ist und mit Brutalitäten keineswegs geizt. Dabei gehen die Bösewichte, aber auch unser Anti-Held bei seinem Rachefeldzug äußerst kaltblütig und emotionslos vor.
Ein wirklich packender, ungewöhnlicher und einzigartiger B-Italowestern, der mir mal wieder bewiesen hat was für tolle Perlen sich innerhalb des Genres verstecken, wenn man etwas tiefer in die Marterie eintaucht. Ich bin wirklich richtig begeistert von diesem saucoolen Film und daher möchte ich eine ganz dicke Empfehlung aussprechen und ziehe 9/10 Punkte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 28.12.2018 23:58 
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#141 "Ein Einsamer kehrt zurück" wurde von Alfonso Balcazar verwirklicht, der mit "Für ein paar Leichen mehr" eine kleine Genre-Perle geschaffen hat. Auch "Die Todesminen von Canyon City" ist ein schöner B-Italowestern, der äußerst unterhaltsam daherkommt.
Der hier besprochene Film beinhaltet jedoch etwas was für mich ein K.O.-Kriterium ist und zwar Familienkitsch in hohem Ausmaß. Ein großer Teil der Spielzeit widmet sich nämlich der Familie des Hauptcharakters, der nach 5 Jahren Flucht auf seine Ranch zurückkehrt und dort nicht wirklich willkommen ist. Dazu werden die Farmer auch noch von Banditen tyrannisiert und unserem Helden sind die Hände gebunden, da er versprochen hat keine Gewalt mehr anzuwenden.
Die Hauptrolle des "Einsamen" spielt George Martin, den man bereits aus vielen anderen Italowestern kennt. Er spielt seine Rolle routiniert wird jedoch von einem Nebencharakter gnadenlos an die Wand gespielt. Diese Nebenrolle eines Kopfgeldjägers spielt nämlich kein Geringerer als Klaus Kinski. Und Kinski ist auf der Suche nach Martin, ahnt jedoch vorerst nichts von dessen Identität. Kinski spielt einfach überragend und es ist wahrlich ein Genuss ihm zuzusehen, denn nahezu jede Szene in der er vorkommt ist grandios. Kinski ist schon ein wahnsinnig guter Schauspieler gewesen! Die Banditen die die Farmer tyrannisieren sind eine richtige Saubande und das ist keinesfalls abwertend gemeint, denn solche Mistkerle bereichern einfach jeden Italowestern.
Die Inszenierung wirkt ebenfalls routiniert, aber man sollte keine zu hohen Erwartungen haben, denn alles bewegt sich nur im Durchschnittsbereich. Die musikalische Untermalung von Morricone hingegen ist richtig stark geworden, wurde aber bereits in "Die Grausamen" verwendet wenn ich mich nicht irre.
Alles in allem kann man sich den Film ruhig mal ansehen, vor allem wegen Klaus Kinski, aber der Familienkitsch wertet den Film ziemlich ab meiner Meinung nach. Auch was man sonst geboten bekommt reicht nicht über den Durchschnitt hinaus und ich denke eine Wertung von 4/10 Punkten ist hier angemessen.

Meine Alfonso Balcazar-Rangliste:

1. Für ein paar Leichen mehr
2. Die Todesminen von Canyon City
3. Ein Einsamer kehrt zurück


#142 "Arriva Garringo" aka "Galgenvögel sterben einsam" aka "Arrvia Sabata!" wurde von Tulio Demicheli gedreht. Demicheli hat zum Beispiel auch noch "Der Colt aus Gringos Hand" gedreht, den ich als ganz brauchbar in Erinnerung habe und den ich mir demnächst auch noch vornehmen werde.
Die Story ist nichts besonderes und man hat sowas in der Art schon oft gesehen. Es geht um Geld dem mehrere Parteien hinterherjagen und man betrügt sich dabei gegenseitig. Eigentlich immer eine recht spaßige Ausgangssituation. Auch hier wird man von Anfang bis Ende gut unterhalten und somit kommt eigentlich auch keine Langeweile auf. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen, denn wir kriegen gleich drei bekannte Gesichter aus dem Genre des Italowestern geboten. Das Trio besteht aus Anthony Steffen, Eduardo Fajardo & Peter Lee Lawrence was sich zunächst sehr gut anhört. Jedoch ist der Charakter den Fajardo verkörpert ziemlich nervig und dabei sieht er auch noch ziemlich bescheuert aus. PLL wirkt im Vergleich zu ein paar seiner anderen Rollen etwas blass. Anthony Steffen spielt seinen Charakter routiniert. Allgemein kann man den Film auch als Buddy-Western bezeichnen da er schon etwas Humor mit sich bringt. Gerade zu Beginn kann das schon etwas nervig sein, aber keinesfalls langweilig. Was hingegen äußerst nervig ist ist die Musik die mal so gar nicht zum Film passt. Die allgemein heitere Stimmung schwingt aber im Laufe der Spielzeit allmählich um in eine ernstere Gangart, die auch ein paar Gewaltspitzen bereithält und uns auch ein paar schöne Schießereien bietet. Vor allem das Finale ist dabei hervorzuheben welches nämlich äußerst gelungen daherkommt.
Ein spaßiger kleiner Italowestern, der gut unterhält, aber auch kein Glanzstück ist. Man kann ihn sich definitiv mal anschauen und mit 6/10 Punkten ist er für mich ein schöner Durchschnitts-IW.


#143 "1000 Dollar Kopfgeld" wurde von einem gewissen Lorenzo Gicca Palli inszeniert. Geboten bekommen wir einen Krimi-Western mit leichten Giallo-Anleihen. Das Drehbuch wurde in ähnlicher Weise bereits im Alfonso Brescia-Film "Stirb oder töte" verwendet wenn ich richtig informiert bin. Das Drehbuch stammt nämlich ebenfalls von Palli, als dessen Vorname übrigens auch öfter Vincenzo angegeben wird.
Der Film ist wie bereits angedeutet mehr ein Krimi im Westerngewand und von daher sollte man nicht allzu viel Action erwarten. Dennoch verging die Zeit für mich relativ schnell beim Anschauen, denn die Handlung wird interessant erzählt. "Stirb oder töte" gefiel mir im Vergleich dazu jedoch einen Ticken mehr, denn er ist meiner Meinung nach besser inszeniert und kommt auch spannender daher. Im Allgemeinen wirkt "1000 Dollar Kopfgeld" auch etwas billiger als "Stirb oder töte".
Was mir allerdings bei dem hier besprochenen Film besser gefällt ist die Besetzung, denn wir bekommen unter anderem Klaus Kinski in einer leider viel zu kleinen Nebenrolle zu sehen. Schade, dass er nicht mehr Screentime bekommen hat. Aber das beste an dem Film ist, dass Gianni Garko die Hauptrolle spielt der wie immer sehr unterhaltsam daherkommt. Schön ist auch, dass er im Prinzip einen Charakter spielt, der an die Figur des "Sartana" angelehnt ist und das ist mir immer sehr willkommen. Man muss jedoch leider sagen, dass "1000 Dollar Kopfgeld" gegen keinen der Sartana-Filme anstinken kann.
Den Film würde ich daher von der Bewertung her nur im Durchschnitt ansiedeln, da er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Zwar macht Garko wie immer Laune und die Story ist auch recht interessant geraten, aber irgendwie fehlt mir hier das gewisse Etwas. 5,5/10 Punkte erscheinen mir recht passend für den Film.


#144 "Eine Stadt nimmt Rache" aka "Kein Requiem für San Bastardo" stammt vom US-Regisseur Robert Parrish, der unter anderem auch die Bond-Parodie "Casino Royale" drehte. Auch hier im Forum wird sich darüber gestritten ob er nun im IW-Thread gut aufgehoben ist oder nicht. Natürlich ist der Film kein herkömmlicher IW, aber ich finde man kann ihn schon in diesem Thread lassen.
Die Story um den mysteriösen "Aguila" den Gott und die Welt sucht ist interessant geraten. Auch das Setting innerhalb der Mexikanischen Revolution weiß zu gefallen. Die verschiedenen Parteien die man in diesem Western zu Gesicht bekommt bieten massenweise starke Charaktere was für mich neben der düsteren, äußerst pessimistischen Atmosphäre das beste an dem Film ist. Richtig spitze ist natürlich Telly Savalas als Bandenboss Don Carlos, doch meine heimlichen Lieblinge waren die Witwe und ihr stummer Begleiter, der aussieht wie der Tod in Person. Die beiden haben wirklich etwas Gespenstisches und die Witwe ist dabei auch noch unsagbar hübsch anzusehen. Auch die Figuren des Priesters und des Colonel sind richtig gut geworden und die Schauspieler geben ihr bestes um ihnen Leben einzuhauchen.
Dabei ist der Film wunderschöne fotografiert und man bekommt wirklich grandiose Bilder zu sehen was auch an den gut ausgewählten Locations liegt. Ein wenig fehlte mir jedoch die Italowestern-typische Musik, denn der hier verwendete Score hat mir nicht 100%ig gefallen.
Der Film beginnt unglaublich stark und die Hoffnung war bei mir da, dass es den ganzen Film über in der Art weitergeht. In gewisser Weise tut er das auch, allerdings schleichen sich zwischendurch ein paar Szenen ein die man sich getrost hätte sparen können und die dem Film das bis dato schnelle Tempo rauben. Außerdem wirkt die Handlung teilweise etwas chaotisch was aber auch nicht sonderlich schlimm ist. Wie dem auch sei, wir haben es mit einem äußerst unterhaltsamen, extrem bösartigen Film zu tun bei dem sich die Leichenberge sehr hoch auftürmen. Die Brutalität die man hier vorfindet ist wirklich schon beachtlich. Ständig werden Leute hingerichtet, ob nun erschossen oder erhängt, einmal wird sogar jemand mit Stacheldraht erdrosselt, Savalas kriegt einen Finger weggeschossen und wird dann an ein Kreuz gehangen und viele weitere Nettigkeiten erwarten hier den abgestumpften Italowestern-Fan.
Ich ziehe hierfür 8,5/10 Punkte trotz der kleineren Schwächen. Der Film hat mir besser gefallen als viele waschechte Italowestern die ich in letzter Zeit gesehen habe und das waren nicht wenige.


#145 "Keoma - Das Lied des Todes" stammt von Enzo G. Castellari und stellt für nahezu jeden Fan des Genres das Highlight innerhalb seiner zahlreichen Italowestern dar. Der Film wurde im Jahre 1976 gedreht und zählt somit zu den Spät-Italowestern wie beispielsweise auch "Mannaja", "Der Mann aus Virginia" oder "Todesmarsch der Bestien". Allesamt übrigens meiner Meinung nach sehr sehenswerte Vertreter des Genres. "Keoma" ist innerhalb dieser kleinen aber feinen Nische für mich auf jeden Fall der beste von allen. Was Castellari hier geleistet hat ist schon erstaunlich, obwohl er ja schon ein paar schöne Beiträge zum Genre geleistet hat. Aber keiner seiner Italowestern kommt auch nur ansatzweise an "Keoma" ran.
Die Inszenierung ist einfach grandios und die dadurch geschaffene Atmosphäre ist an Trostlosigkeit und Düsterheit kaum zu schlagen. Das Prunkstück innerhalb der vielen Lobpreisungen meinerseits ist aber der Score, der einfach die Stimmung des Films dem Zuschauer nochmal so richtig in den Kopf hämmert und die enorm starken Bilder äußerst passend untermalt. Dazu bekommen wir eine interessante und dramatische Story geboten. Neben der Musik ist natürlich auch Franco Nero, der den Hauptcharakter des Keoma spielen durfte eine Wucht. Seine hier dargebotene Leinwandpräsenz ist kaum zu beschreiben, man muss den Film dafür gesehen haben und Nero auf sich wirken lassen. Ich denke hier sehen wir eine seiner besten schauspielerischen Leistungen. Keomas Vater wird übrigens von William Berger gespielt, den ich auch immer gerne sehe und seine drei Kotzbrocken von Söhnen machen den ganzen Film über den Stadtbewohnern und vor allem Keoma das Leben zur Hölle. Auch die Actionszenen sind richtig stark geworden und wir bekommen des Öfteren sogar schön eingebrachte Zeitlupensequenzen zu sehen.
Ich bin wirklich sehr froh, dass das Italowestern-Genre noch ein paar Nachzügler hervorgebracht hat, die dem Genre ein würdiges Ende bereitet haben. Für das hier besprochene Meisterwerk vergebe ich daher sogar fast die Höchstpunktzahl und ziehe somit 9,5/10 Punkte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Djabartanas Filmkunstakademie
BeitragVerfasst: 29.12.2018 00:23 
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#146 "Blindman" wurde von Ferdinando Baldi gedreht der hier vermutlich sehr eng mit Tony Anthony zusammenarbeitete. Tony Anthony, der den meisten hier durch die Stranger-Trilogie bekannt sein dürfte, spielt hier auch die Titelrolle des blinden Anti-Helden. Ich finde ihn immer sehr cool und sympathisch und daher zählt er auch zu meinen liebsten Darstellern innerhalb des Genres. Übrigens spielt hier auch der Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr eine größere Rolle als Bruder des Banditenbosses Domingo. Auch die Figur des Generals die Raf Baldassarre spielen darf ist herrlich unterhaltsam.
Schon allein die Idee mit dem blinden Hauptcharakter ist äußerst ungewöhnlich. Diese Idee wurde vermutlich der japanischen Figur des Zatoichi entliehen, die in zahlreichen Filmen und Fernsehserien vorkommt und die Geschichte eines blinden Samurai erzählt. In dem hier besprochenen Film benutzt unser Blindman zum Beispiel sein Pferd als Blindenpferd und seine Waffe als Blindenstock um sich zu orientieren. Dadurch entstehen zahlreiche Situationen die einfach nur unterhaltsam sind und beim Ansehen wirklich sehr viel Spaß machen. Dazu kriegen wir eine einzigartige Story geboten die sich darum dreht, dass Blindman versucht seine 50 Weiber wiederzubekommen. Diese sollten eigentlich an Minenarbeiter verkauft werden um sie zu heiraten, sind jedoch durch Blindmans Partner in die Hände von Banditen geraten, die diese wiederum an die mexikanische Armee verkaufen wollen.
Die Story wird derart schwungvoll erzählt, dass man die gesamte Laufzeit über nicht den Hauch eines Anflugs von Langeweile verspürt. Die Inszenierung und der schöne Score sind erstklassig, die Actionszenen aufwändig in Szene gesetzt und an sich ist die ganze Idee um die Figur des Blindman als sehr originell zu bezeichnen.
Erwähnenswert ist auch wie unglaublich brutal und frauenverachtend dieser Italowestern ist. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Film stets mit einem Augenzwinkern versehen ist und durchaus auch einen gewissen Comedy-Anteil beinhaltet. "Blindman" ist so ziemlich der überzogenste und comic-hafteste Film innerhalb des Genre des Italowesterns.
Der "gottverdammte, irre Gringo" Blindman ist eine in höchstem Ausmaß unterhaltsame Figur und ich bin froh, dass es diesen Film hier gibt. Ich denke kaum ein Italowestern macht mehr Spaß als "Blindman" und ich bin fast dazu geneigt die Höchstnote zu vergeben. Dennoch ziehe ich aufgrund der starken Konkurrenz nur 9,5/10 Punkte was aber auch gar nicht mal so schlecht ist.


#147 "Pistoleros" wurde von Giovanni Grimaldi gedreht, der auch für "Django - Schwarzer Gott des Todes" verantwortlich war. Der Film stammt aus der Frühphase des Genres um genau zu sein aus dem Jahre 1965. Daher ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass der Film noch an den US-Western angelehnt daherkommt.
Die Story um einen Pistolero der sich als Farmer zur Ruhe setzen will und von seiner Vergangenheit eingeholt wird ist altbekannt und auch deshalb erinnert der Film mehr an amerikanische Vorbilder. Auch die Inszenierung wirkt meiner Meinung nach etwas zu sauber und bunt. Dafür bekommen wir einen sehr schönen Score geboten der die herrlich eingefangenen Bilder bestens untermalt. Gerade die Locations zu Beginn des Films sind schön anzusehen, wie zum Beispiel das Mexikanerdorf.
Die Hauptrolle spielt ein gewisser Stephen Forsyth, der mir nicht bekannt ist und mir auch eigentlich nicht wirklich zugesagt hat. Sein ehemaliger Partner wird von Conrado San Martín gespielt der leider nicht viel Screentime bekommen hat, denn er gefiel mir wesentlich besser als Forsyth.
Richtig gut gefallen haben mir der Beginn und das mehr als starke Finale, denn wenn es mal Action gibt ist die Inszenierung vortrefflich geworden. Leider gibt es im Mittelteil doch schon einige Längen zu verzeichnen, die schwer ins Gewicht fallen und das obwohl der Film nur 80 Minuten lang läuft.
Der frühe Italowestern "Pistoleros" ist zumindest für meinen Geschmack zu amerikanisch geraten, hat einen lahmen Mittelteil und einen unsympathischen Hauptcharakter. Dennoch hat der Film auch einige Stärken wie die schönen Locations, den Score oder die gut gelungenen Actionszenen. Mehr als 5,5/10 Punkte möchte ich jedoch nicht vergeben, wobei das wirklich als rein subjektiv zu betrachten ist und ich glaube, dass es viele Fans gibt, die mit dem Film wesentlich besser zurecht kommen als ich.


#148 "Die Satansbrut des Colonel Blake" wurde von Enzo G. Castellari gedreht, der uns einige schöne Italowestern beschert hat. Auch der hier besprochene Film ist durchaus unterhaltsam und ich bin froh mir die DVD doch noch bestellt zu haben. Die Story um den Konföderierten-Offizier Blake und seine Bande die auf der Jagd nach einer Armeekasse sind wird schwungvoll erzählt und bietet uns einen Haufen interessanter Charaktere. Ich mag ja solche Men-On-A-Mission-Filme, sofern man den Film in diese Schublade stecken darf. Dafür, dass es sich nach "Django kennt kein Erbarmen" um seinen 2ten Film handelt wirkt die Inszenierung sehr solide, was aber auch schon beim Vorgänger der Fall war.
Guy Madison spielt die Rolle des Colonel Blake routiniert und der eigentliche Hauptdarsteller Edd Byrnes weiß ebenfalls zu gefallen. Auch ein heimlicher Favorit meinerseits taucht in der Satansbrut auf, nämlich Federico Boido. Auch hier ist er wieder mal sehr sehenswert, aber auch die restlichen Mitglieder der Satansbrut machen ihre Sache ordentlich.
Viele kreiden Castellari an, dass er selten einen Film dreht ohne unsinnige Faustkämpfe und Blödeleien einzubauen. Dies ist leider auch beim hier besprochenen Film der Fall, jedoch artet es nicht aus und daher empfand ich es nur als unwesentlich störend. Auch ansonsten sollte man keine allzu hohen Ansprüche an den Film haben, er soll unterhalten und das tut er auch. Die Zeit verging wie im Fluge weil ständig etwas passiert und unzählige Leichen produziert werden.
Meiner Meinung nach macht man mit dem Streifen nichts falsch wenn man ihn sich mal ansieht und für den Spottpreis, zu dem man sich die DVD momentan holen kann lohnt es sich allemal. Ich vergebe hierfür gute 6,5/10 Punkte.


#149 "Lasst uns töten, Companeros" ist ein Revolutions-Italowestern mit Comedy-Einschlag und wurde von Sergio Corbucci gedreht. Corbucci drehte zuvor schon den ähnlich gelagerten "Il Mercenario", der zur Speerspitze des Genres zählt. Auch "Companeros" ist ein rundum gelungener und mehr als unterhaltsamer A-Klasse-Western.
Die Story dreht sich um das Aufeinandertreffen des Basken (Tomas Milian) und des Schweden (Franco Nero) während der Mexikanischen Revolution. Beides sind Darsteller die zum besten gehören was der Italowestern zu bieten hat und davon profitiert der Film ungemein. Dazu gesellen sich weitere bekannte Gesichter, wie zum Beispiel Jose Bodalo, Eduardo Fajardo, Iris Berben, Fernando Rey und natürlich Jack Palance. Besonders Bodalo & Palance haben mir in ihren Rollen sehr gut gefallen!
Die Geschichte entwickelt sich zu einem spannenden und zu keiner Zeit langweiligen Abenteuer, welches immer wieder mit sehr stark inszenierten Action-Sequenzen begeistern kann. Sowieso ist die Inszenierung allererste Klasse. Dies liegt unter anderem auch an den sehr schön ausgewählten Locations und an dem grandiosen Soundtrack, den ich vermutlich ein paar Tage nicht aus dem Kopf kriegen werde.
Ich habe mir diesmal den Spaß erlaubt und den Film mit der Comedy-Synchro angesehen was meiner Meinung nach eine gelungene Wahl war, denn ich habe mich köstlich amüsiert bei den blöden Sprüchen. Dennoch würde ich dazu raten bei der Erstsichtung die Original-Version zu wählen.
Wie dem auch sei, der Film zählt zur Spitzenklasse innerhalb des kleinen Revolutions-Western-Genres, kommt aber meiner Meinung nach nicht ganz an "Il Mercenario" oder "Töte Amigo" heran. Auch der wunderbare Comedy-Revolutions-IW "Zwei wilde Companeros" hat mir noch etwas besser gefallen und ich bin gespannt wie sich Leones "Todesmelodie" dort einreihen kann. Für den hier besprochenen Film ziehe ich aufgrund der starken Konkurrenz erstmal "nur" 8,5/10 Punkte.


#150 "Den Geiern zum Fraß" wurde von einem gewissen Paolo Moffa gedreht, der scheinbar vorrangig als Produzent tätig war. Storymäßig handelt der Film von einer Kriegskasse die von Banditen gestohlen wird. Klingt relativ unspektakulär, aber die Geschichte wird sehr zügig erzählt und wird mit sehr viel Blei und hohen Leichenbergen serviert. Dafür bin ich immer zu begeistern, denn ich mag es meistens wenn Italowestern viel Action beinhalten. Vor allem wenn wir wie in diesem Film ein sympathisches Duo geboten bekommen, welches sich auf die Suche nach dem abhanden gekommen Geld begibt. Das Duo besteht aus Craig Hill, den ich immer sehr gerne in Italowestern sehe, und Ettore Manni, den man auch aus einigen Filmen dieser Art kennt. Die beiden ergänzen sich gut und es macht Freude ihnen bei ihrer Reise beizuwohnen.
Viele bemängeln die etwas holprig erzählte Geschichte und die Baugruben-Locations, die man hier sehr ausgiebig präsentiert bekommt. Ich kann jedoch darüber hinwegsehen, da der Film andere Qualitäten besitzt, wie zum Beispiel die spielfreudigen Darsteller, die äußerst kurzweilig erzählte Geschichte, einige sehr schön eingebaute Ideen, einer guten Portion Härte und vor allem den vielen ansehnlich inszenierten Schießereien. Okay dabei muss man natürlich sagen, dass hier auch ganz gut geklaut wurde. Jemand hatte vorher erwähnt, dass hier Szenen aus "Pistoleros" geklaut wurden und das fiel mir auch beim Schauen auf, denn "Pistoleros" habe ich ja erst gestern angesehen.
Ich habe "Den Geiern zum Fraß" eben zum ersten Mal gesehen und ich kann verstehen wenn man ihn nicht mag, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und mir gefiel er sehr gut. Daher ziehe ich für diesen kleinen, aber feinen Italowestern 7,5/10 Punkte. Ich bin froh, dass ich mir die Blu-Ray gegönnt habe, denn manchmal macht man immernoch sehr schöne Entdeckungen auch wenn man denkt man hätte die meisten starken Italowestern bereits abgeklappert.

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