Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 07.12.2019 13:36

All times are UTC + 1 hour




Post new topic Reply to topic  [ 319 posts ] Go to page  1, 2, 3, 4, 5 ... 11  Next
AuthorMessage
 Post subject: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 17.08.2012 23:56 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
So, nach etwas hin und her überlegen bin ich nun auch zu dem Entschluss gekommen, dass es ja eigentlich nicht schaden kann, mein Geschreibsel, das im Moment noch übers ganze Forum verstreut ist, hier mal zusätzlich noch an einem Ort zu bündeln.

Ich frage mich nur, warum ich damit nicht schon viel eher angefangen habe - dann hätte ich jetzt nicht diesen Riesenaufwand. :o Kann also auf jeden Fall ein Weilchen dauern, bis das hier alles komplett ist. Werde das jetzt mal nach und nach aufarbeiten (sofern mir nicht irgendwann total die Lust vergeht ;) ).

Zu Beginn wird's da jetzt erstmal viele ältere "Ultrakurzkommentare" (wie Blap sagen würde :lol: ) geben. Mit vielem davon bin ich zwar mittlerweile auch nicht mehr so zufrieden, oder ich würde es heute zumindest anders schreiben, aber ich will das jetzt auch nicht alles hinterfragen. Wird schon seine Richtigkeit gehabt haben, dass ich das damals so geschrieben habe, und wenn ich einen Film nun nochmal sehe, kann ich den älteren Kommentar ja immer noch durch einen neuen ersetzen oder ergänzen.

Ach ja, ich fang jetzt auch nicht an, den alten Kram zu überarbeiten oder korrektur zu lesen (ich weiß nicht mal, wie man "korrekturlesen" richtig schreibt :lol: ). Tippfehler und andere Inkonsistenzen gibt's also gratis dazu. :mrgreen:

Na denn, mal schauen, wie das hier vorangeht...

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 18.08.2012 09:49 
Offline
Moderator
User avatar

Joined: 06.2010
Posts: 10708
Location: Fuck You, I´m Millwall!
Gender: Male
Das ist eine sehr gute Idee. :jc_goodpost:

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 21:42 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
So, jetzt geht's hier gleich mal mit einem zünftig schmierigen Einstand los... :D


Dezember 2009



Flying Sex - Die kessen Stewardessen (OT: Sesso Profondo; Italien; 1980; Marino Girolami)

Es gibt doch immer wieder echte Kuriositäten zu entdecken.

Von der Cover-Aufmachung und Beschreibung her könnte man noch denken, man hat es hier mit einer handelsüblichen Erotik-Komödie zu tun, die Tatsache, dass es der Film in Deutschland zu einer Indizierung gebracht hat, macht dann aber schon etwas stutzig.

Und tatsächlich hat man abgesehen von ein paar flapsigen Dialogen auf Humor fast vollkommen verzichtet, ja teilweise macht der Film schon beinah einen ernsthaften Eindruck, was angesichts der Handlung allerdings nicht ganz einfach nachzuvollziehen ist, aber dazu später mehr.

Al Cliver soll wohl einen angehenden Schriftsteller darstellen, der ständig auf einer Insel hockt und da an seinem Manuskript werkelt, zwischendurch noch eine junge, halbwegs hübsche Frau heiratet,allerdings im Liebesleben große Probleme hat, da seine Gattin nur sexuell auf Touren kommt, wenn sie sich hoch in der Luft befindet. Da ist es natürlich das einzig sinnvolle Stewardess zu werden, also landet sie schon bald in einer Stewardessen-Schule, in der jede den Abschluss schafft, die sich mit dem Lehrer (Venatiano Venatiani) auf ein Abendessen und etwas mehr einlässt. Als dies erledigt ist, kann sie sich nun ständig während der Arbeit mit den verschiedensten Männern vergnügen (da müssen die Passagiere schon mal etwas länger auf ihre Aspirin warten).
Ihr Mann, der währendessen immer noch an seinem Buch, das der Konsumgesellschaft den Spiegel vorhalten wird, feilt, ist davon nicht gerade begeistert, beruhigt sich dann aber doch wieder. Und zum Happy-End, das spoiler ich jetzt einfach mal, eröffnet er ihr, dass er nun eine Ausbildung zum Steward gemacht hat, und sie so gemeinsam glücklich in die Lüfte steigen können.

Da auf Humor wie gesagt verzichtet wurde und die Handlung nun auch nicht so viel hergbit, gehts eigentlich ständig zu Sache, teilweise schrammt es schon knapp am Hardcore vorbei, leider ist die weibliche Besetzung nun aber nicht der Überhammer.

Zu Gute halten muss man dem Film allerdings, dass er gar nicht mal so billig wirkt, da gibts zum Beispiel auch etwas on-location-shooting in New York, ein paar Schauplatzwechsel und ich bilde mir auch ein, einige Drehorte aus D'Amatos PAPAYA wiederzuerkennen, überhaupt könnte der Film auch locker als D'Amato-Streifen durchgehen.
Ebenfalls gelungen ist die Musik und ich bin ja eh der Meinung, dass gute Musik jeden noch so schlechten Streifen noch etwas aufwerten kann, von daher macht das die Sache schon erträglicher.


Nachtrag von März 2011:


Nochmals gesehen und diesmal fast noch mehr genossen!

Das italienische Kino in seinem ganzen Facettenreichtum ist und bleibt das Beste! Wo sonst ist zwischen all den Derbheiten noch so viel herzerwärmender Charme zu finden? Wo sonst ist selbst die Schundigkeit noch so liebevoll inszeniert? Das ist die pure cineastische Faszination, fernab von selbstgefälligen Kunstansprüchen. Diese Mischung aus Unbekümmertheit und Können wird es wohl in dieser Form nie wieder geben - gerade deshalb sollte man den Filmen jetzt die Ehre erweisen, bevor sie noch mehr in Vergessenheit geraten. Denn merke: die wahre Kunst findet sich nicht selten im vermeintlichen Trash. Amen.

Echt, das Teil macht Spaß! Ein ganz typisches Beispiel für die Sex-"Komödien" aus den späten 70ern, bei denen der Humor meist kaum noch existent ist und wenn dann nur als schwacher Vorwand für möglichst viele Sexszenen. Ich mag beide Herangehensweisen, also sowohl den Fokus auf Klamauk als auch auf Nudity. Wenn das Ganze jedenfalls von so viel wohligem Charme umhüllt ist und - man kann es gar nicht oft genug erwähnen - mit so feiner Musik aufwartet, dann lasse ich mir das doch gerne gefallen.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 22:18 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Vier Mal heute Nacht (OT: Quante volte... quella notte; Italien; 1972; Mario Bava)

Das ist sie nun also, Mario Bavas einzige Erotik-Komödie, wie sie immer genannt wird. Allerdings hat der Film mit dem, was sonst so in dem Genre rumschwirrt nicht viel zu tun. Auch wenn natürlich etwas Erotik und Humor vorhanden sind, hat das Ganze trotzdem einen etwas stilvolleren Anstrich.

Die Story dreht sich, kurz gesagt, um den Verlauf eines Dates; die Idee, diese Geschichte nacheinander aus der Sicht verschiedener Personen zu erzählen, soll wohl von dem Klassiker RASHOMON inspiriert sein, da mirm dieser aber nicht bekannt, kann ich da auch keine Vergleiche ziehen.

Letzendlich kann man sagen, dass die Story nun nicht der große Wurf ist, der Humor auch nicht immer zündet, aber zumindest, wie von Bava gewohnt, die Ausstattung und die visuelle Gestaltung mal wieder exquisit sind und den Film damit deutlich hochziehen.

Ich bereue den Kauf der Flipper-DVD, auf der ebenfalls noch FIVE DOLLS FOR AN AUGUST MOON ist, zumindest keinesfalls.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 22:32 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Die Rache des Hauses Usher (OT: La chute de la maison Usher; Frankreich/Spanien; 1982; Jess Franco)

Es war mal wieder Zeit für einen Franco-Streifen und da habe ich mir diesen rausgesucht, der oft vernichtende Kritiken erhält.
Vielleicht lag es also auch an meinen niedrigen Erwartungen, dass ich ihn gar nicht so schlecht fand.

Dass das Ganze nun viel mit der Vorlage von Edgar Allan Poe zu tun hat, bezweifel ich mal, eher wirkt der Film wie eine Fortsetzung zu Francos 1962 entstandenen DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF. Denn auch hier geht es wieder um einen Wissenschaftler, der seine Tochter wieder zum Leben erwecken will und dafür frisches Blut benötigt.
Aus dem eben genannten Film wurden auch einige Szenen wieder hier verwendet, allerdings hat man sie zumindest einigermaßen passend in die Handlung eingefügt. Allerdings ist "Handlung" fast schon wieder zu viel gesagt, diese ist nämlich äußerst dünn, genauso wie man so etwas wie einen Spannungsbogen mit der Lupe suchen kann.
Aber das wird ja einen echten Franco-Fan nicht abschrecken.

Pluspunkte kann der Film dann mit der stimmigem Musik von Daniel White sammeln und das Schloss, in dem gedreht wurde, ist auch für einige tolle Aufnahmen gut.
Howard Vernon gibt mal wieder alles und ist damit der einzige, der mit seiner Leistung wirklich heraussticht.

Also doch nicht die große Enttäuschung und für Franco-Fans sicher einen Blick wert.

Die Image-Entertainment-DVD bietet gute Bildqualität und hat neben franz. u. engl. Ton auch engl. UTs mit an Bord, die nicht auf dem Cover erwähnt werden.
Ich empfehle die "Orloff Collection", die ebenfalls noch Francos Frühwerke DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF und DR. ORLOFF'S MONSTER sowie Piere Chevaliers IN DEN KRALLEN DES UNSICHTBAREN enthält.
Gibts bei einigen amerikanischen Ebay-Händlern schon für umgerechnet 15€.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 22:46 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Secrets of a Call Girl (OT: Anna, quel particolare piacere; Italien; 1973; Giuliano Carnimeo)

Gangster, Action, Romantik, Dramatik, Tragik - das alles und noch viel mehr hat dieser Film zu bieten und Giuliano Carnimeo hat mal wieder alles richtig gemacht. Was soll man auch weniger erwarten von einem Regisseur, auf dessen Konto einige der unterhaltsamsten Western und ein hervorragender Giallo gehen.

Zur Story:

Eine junge, naive Angestellte aus einer Kleinstadt gerät durch ihre Beziehung zu einem zwielichtigen Gangster immer mehr in kriminelle Kreise und diese Lage dramatisiert sich stark als sie feststellt, dass sie ein Kind erwartet.


Mag sein, dass sich die Geschichte nach einem langweiligen Millieu-Drama anhört, aber genau das ist eben nicht der Fall, denn der Film schafft immer eine exzellente Balance zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit.
Viele Szenen, vor allem in der ersten Hälfte, könnten genauso auch aus einem waschechten Crime-Streifen stammen. In der zweiten Häfte nimmt dann der Drama-Aspekt mehr Raum ein und dieser wurde auch ziemlich mitreißend ausgearbeitet und gerade das Ende ist echt ergreifend.

Wirklich hervorheben muss man dabei auch die Musik von Luciano Michelini; diese ist mit ihren streicher- und klavierlastigen Klängen nicht nur äußert gelungen, sondern ist auch in so gut wie allen Szenen präsent und untermalt so fast den kompletten Film.

Edwige Fenech war gerade zu dieser Zeit natürlich eine absolute Augenweide und hier darf sie auch mal mehr ihr Schauspieltalent unter Beweis stellen, was aber nicht heißt, dass auf Nudity verzichtet wurde.

Großes Kino, dass verschiedenste Stimmungen und Stile vereint, und dabei immer den richtigen Ton trifft. Sowas gibt's nur selten.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 22:55 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Planet der Vampire (OT: Terrore nello spazio; Italien/Spanien; 1965; Mario Bava)

Auch so ein Film, vor dem ich mich lange gedrückt habe, obwohl ich Bava zu meinen Lieblingsregisseuren zähle, aber mit solchen ScienceFiction-Stoffen konnte ich noch nie so viel anfangen.

Und so war es dann auch nicht das große Highlight.
Austattung, Kostüme und die Technik an Bord des Raumschiffes machen erstmal einen etwas lächerlichen Eindruck. Aber gut, dass kann man einem Film, der schon so viele Jahre auf dem Buckel wohl nicht übel nehmen.
Ganz groß auftrumpfen kann Bava dann aber als sich das Geschehen auf den Planeten verlagert. Wie da wieder die Farben leuchten und der Kunstnebel vorbeizieht, das sind Bilder in denen man förmlich versinken kann und die keiner so hinkriegt wie er.

Ansonsten ist's halt mal eine andere Variation der Vampir-Thematik, hier und da werden mal ein paar gesellschaftskritische Töne laut, aber für die meiste Zeit bleibts "business as usual".

Die fast vollkommene Abwesenheit von Musik hat mich etwas gestört und zu Beginn macht der Film auch erstmal einen eher amerikanischen Eindruck, bei genauem Hinsehen erkennt man dann aber doch noch Gesichter wie Ivan Rassimov oder Federico Boido.

Sicher kein wirklich schlechter Film, aber auf meiner Bava-Rangliste dürfte er einen der letzten Plätze belegen.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 23:08 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Mansion of the Living Dead (OT: La mansión de los muertos vivientes; Spanien; 1982; Jess Franco)

Noch so ein Franco-Film, der oft vernichtende Kritiken bekommt und der mich gerade deshalb gereizt hat.

Aber fangen wir mal von vorne an.
Vier junge Frauen aus München wollen ihren Urlaub in Spanien verbringen. Das das Hotel sehr billig war und im Prsopekt auch noch traumhaft aussah, muss es ja irgendeinen Haken geben. Und wie sich herausstellt gibt es im Hotel überhaupt keine anderen Gäste.
Daraufhin redet man sich natürlich erstmal ein, dass die bestimmt alle am Strand sind, oder als dort auch keiner ist, sie bestimmt gerade Tagesausflüge machen. Nun ja, wenig später taucht dann immerhin der mysteriöse Hotel-Chef auf, der den Damen die Zimmer zuweist, in denen es dann erstmal zu Sache geht. Die zweite anwesende Person ist der Gärtner, der auch eine Type für sich ist, z.B. springt er immer mal unvermutet hinter Büschen hervor oder singt zu den Blumen.

Weiter Details erspare ich mir jetzt mal, allerdings muss ich sagen, dass ich den Film bis dahin echt spaßig fand.

Was dann folgt, kann die Geduld des Zuschauers aber schon ganz schön strapazieren, da schlichtweg kaum was passiert, mit Ausnahme von ein paar wenigen Passagen.

Denn teilweise wirds schon beinah richtig abgründig: so hält z.B. der Hotel-Chef in einem abgelegenen Zimmer eine Frau angekettet gefangen. Das fand ich schon ziemlich heftig.
Und die Auftritte der Sekte sind auch reichlich absurd, so dass man nicht weiß ob man schreien oder lachen soll.

Fassen wir also mal zusammen:

- das menschenleere Hotel ist eigentlich ein tolles Setting, wird aber nicht genug genutzt
- ein Erzählfluss ist praktisch nicht vorhanden
- zumindest ein paar abgefahrene Charakter und Ideen konnte Franco einbringen
- und Lina Romay finde ich irgendwie auch ganz schnucklig (nieder mit dem Schlankheitswahn)

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 23:16 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Galgenvögel sterben einsam (OT: Arriva Sabata!; Italien/Spanien; 1970; Tulio Demicheli)

Das war mal wieder ein Western nach meinem Geschmack, ich weiß schon, warum ich die Western aus den 70ern favorisiere.

Story dreht sich mal wieder um die Beute eines Banküberfalls - nicht innovativ, aber unterhaltsam umgesetzt.
Das Trio Steffen, Fajardo (in kurioser Verkleidung) und Lee Lawrence ist eine klasse Besetzung für die Hauptrollen. Der Ton des Films ist durchweg locker-überdreht, auch wenn es hier und da mal etwas härter zugeht. Ansonsten gibts eine gute Mischung aus Action, schönen Außenaufnahmen und etwas Humor (nicht immer passend, aber auch keineswegs störend). Marcello Giombinis Score ist manchmal etwas schrill, im nächsten Moment dann aber schon beinah wieder grandios.
Das Ende ist dann überraschend hart und hat, wenn man so will, so gar noch eine kleine moralische Komponente zu bieten.

Man sieht also hier ist alles vertreten.
Mich als jemand, der mit allzu traditionellen Western noch nie was anfangen konnte, hat diese kunterbunte Sause bestens unterhalten.

Empfehlung!

Ich hab die DVD von MCP mit dem Titel SABATA - DER KILLER. Gibts bei Amazon zur Zeit für 5,99€, dort allerdings unter dem Titel ARRIVA SABATA gelistet. Ich schätze mal die dürfte qualitativ mit der X-Rated-Scheibe identisch sein.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 23:27 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
The Legend of Blood Castle (OT: Ceremonia sangrienta; Spanien/Italien; 1973; Jorge Grau)

Ja, die Spanier hatten's schon drauf, stimmungsvolle, im besten Sinne altmodische Gruselfilme zu drehen.
Nun hab ich ja eh schon so eine Grundsympathie für diese Filme, aber hier handelt es sich echt um ein besonders gelungenes Exemplar.

Einige meinen ja auch, dass es sich hier um die beste Verfilmung der Elizabeth-Bathory-Legende handelt, die auch schon bei HAMMERs zwei Jahre vorher entstandenem COMTESSE DES GRAUENS Thema war.

Wie auch immer man das nun sieht; der Film bietet alles was man von einem klassischen Grusler erwartet: ein eindrucksvolles Schloss in stimmiger Umgebung, passende Musik und eine dichte Atmosphäre. Gewaltmäßig gehts natürlich eher gemäßigt zu, alles andere wäre hier wohl auch fehl am Platz, wobei es gegen Ende dann teilweise doch überraschend blutig wird.

Ebenfalls überzeugen können die Darsteller, denn Ewa Aulin sehe ich sowieso immer gerne, Espartaco Santoni (bekannt aus LISA UND DER TEUFEL) hat den diabolischen Blick einfach perfekt drauf und Lucia Bose als Gräfin ist ebenfalls ein toller Anblick.


Definitv eine Empfehlung für Fans spanischer Horror-Filme.

Die MYA-DVD bietet sicherlich keine ideale Bildqualität, aber mangels Alternativen muss man sich damit wohl erstmal zufrieden geben, und der Film ist es, wie gesagt, wirklich wert.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 23:37 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Kampf um Atlantis (OT: Il conquistatore di Atlantide; Italien/Ägypten; 1965; Alfonso Brescia)

Da hat Alfonso Brescia aber mal wieder was Schönes zusammengeschustert.

Was noch anfängt wie ein normaler Monumental-Schinken, geht mit Ankunft in der "Stadt der Toten" immer mehr in Richtung Fantasy und kann dabei mit einer extragvaganten und bisweilen äußerst bizarren Ausstattung glänzen.
Diese visuelle Pracht und der unfreiwillige Humor sorgen dafür, dass es nicht mal stört, dass das inhaltlich natürlich größtenteils ein haarsträubender Kokolores ist.

Ich hab ja öfters das Gefühl, dass diese Sandalen-Streifen heutzutage doch schon etwas angestaubt wirken, aber dieser hebt sich angenehm von seinen Genre-Kollegen ab und ist daher echt einen Blick wert.

Eigentlich schon interessant wie Brescia von solchen Filmen bis zu BEAST IN SPACE gelangt ist. Letzteren kenne ich übrigens noch nicht, aber das wird sich bald ändern.

Die DVD von EMS geht für mich völlig in Ordnung: das Bild bietet kräftige Farben und Originalformat, was bei dem Film auch wirklich wichtig ist; ansonsten gibts ein paar typische Alterserscheinungen, aber damit kann ich gut leben.
Und außerdem wird sie einem für um die 5€ nachgeschmissen.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und m
PostPosted: 24.08.2012 23:57 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
The Devil's Wedding Night (OT: Il plenilunio delle vergini; Italien; 1973; Luigi Batzella)

Irgendwie ein recht sympatischer Gruselstreifen, den Luigi Batzella im Jahr 1973 gedreht hat, also gerade zwischen seinen Western und dem im darauffolgenden Jahr entstandenen, ebenfalls empfehlenswerten NUDE FOR SATAN.

Die Story dreht sich um die Schillerbrüder, von denen einer unbedingt den Ring der Nibelungen finden will und sich deshalb auf den Weg zum Schloss Dracula macht.
Den weiteren Verlauf erspare ich mir jetzt mal.

Den Anfang fand ich jedenfalls echt gelungen, betont altmodisch ist man da vorgegangen. Wie Franz Schiller (Mark Damon) so durch die bergigen Wälder zu dem Schloss reitet wurde wirklich stimmunsvoll umgesetzt, zwar nicht übermäßig aufwendig, aber mit so einem gewissen Low-Budget-Charme.
Als er im Schloss ankommt trifft er schon bald auf die Gräfin Dracula (Rosalba Neri) und es dauert auch gar nicht lange bis er mit ihr im Bett landet und kurz darauf folgt dann auch noch eine Lesbenszene (ebefalls mit Neri). Bis dahin also wunderbare Unterhaltung.
Was danach folgt strapaziert die Geduld des Zuschauers dann allerdings sehr stark, denn Mark Damon schleicht erstmal ewig im finsteren Schloss rum, ohne dass man so richtig weiß, was er denn eigentlich vorhat.
Dieser Teil nimmt fast den Rest der ersten Stunde des Films ein und obwohl ich vorher eigentlich putzmunter, bin ich dabei ein paar mal fast eingenickt.
Die letzte halbe Stunde hat mich dann allerdings fast schon wieder mit dem Film versöhnt, denn dann kommt doch nochmal Schwung in die Sache und es gelingen einige echt atmospährische Szenen, ein paar duchaus ansehnliche Frauen legen die Klamotten ab und auch ein wenig Blut fließt. Natürlich bleibt das inhaltlich alles sehr vage, aber wer wird sich darüber ernsthaft beschweren.

Irgendwie mag ich die Filmchen von Batzella und so hat auch dieser einen Sympathie-Bonus. Sicher, wird sein Schaffen, dem zugeordnet, was man so allgemeinhin unter Trash versteht, aber im Gegensatz zu manch anderen Regisseuren, haben seine Film das gewisse etwas und langweilen zumindest meist nicht, auch wenn das auf diesen nur bedingt zutrifft.

Wenn man nicht gerade im Besitz einer VHS ist, ist die einzige Möglichkeit, den Film zu sehen, wohl die US-DVD. Diese bietet akzeptable Qualität, das Bild ist gar nicht mal so schlecht, wird allerdings öfter durch komische Streifen gestört. Und leider hat die DVD auch nur die engl. Synchro.
Ich würde echt gerne mal sehen, wie der Film in besserer Qualität und mit Untertiteln wirkt, aber ich fürchte, darauf kann man lange warten.

Also insgesamt doch schon eine kleine Empfehlung, denn irgendwie kann ich mich dem Charme solcher Produktionen einfach nicht entziehen.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 21:18 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
So, ich muss das ganze Prozedere ein bisschen abkürzen, sonst geht das hier nie voran. ;)



Weihwasser-Joe (Mario Gariazzo, 1971)

Eins vorweg: Das ist so einer dieser Filme, bei denen ich einfach nicht verstehe, warum sie fast überall so schlecht wegkommen.

Ich hab ihn jetzt zum zweiten Mal gesehen und halte ihn immer noch für einen sehr unterhaltsamen Italowestern.

Das hat vor allem drei Gründe:

1. Das vergnügte Spiel von Lincoln Tate, Richard Harrison und Ty Hardin.

2. Man hat hier fast vollkommen auf Außenaufnahmen gesetzt, was das Ganze sehr viel lebendiger macht, als die Western, in denen nur die ganze Zeit in irgendwelchen Städtchen hin- und hergelaufen wird.

3. Die Musik von Marcello Giombini, die teilweise fast wie aus einem Crime-Film klingt, aber auch schön westerntypische Melodien zu bieten hat.


Die Story ist nicht weiter der Rede wert, es geht mal wieder um Geld, das abhanden gekommen ist und an dem nun einige interessiert sind. Doch es wird nicht langweilig, dafür sorgen der lockere Ton (der den Film aber trotzdem nicht zur reinen Komödie werden lässt) und die lebendige Inszenierung.
Und spätestens, wenn Weihwasser-Joe, sich dann am Ende auch noch Pfeil und Bogen schnappt und zu feinster Musik losreitet um den letzten Badguy zu erledigen, hat der Film gewonnen.

Für mich sieht so vielleicht ein fast perfekter B-Western aus.



Die Mörderbestien (Joe D'Amato, 1972)

Na, über diesen Film wurde hier im Forum ja noch gar nicht viel geschrieben. Ist der wirklich so unbekannt?

Ich halte ihn mit viel gutem Willen und Italo-Sympathie-Bonus schon fast für ein kleines Meisterwerk. Und zumindest von einer der ambitioniertesten Arbeiten D'Amatos kann man hier wohl zweifellos sprechen. Wird wohl auch kein Zufall sein, dass er hier mal kein Pseudonym vorgeschoben hat.

Dass man der Story, die auch von D'Amato stammen soll, nun nicht so leicht folgen kann (um es mal gelinde auszudrücken), stört dabei mal gar nicht.
Denn der Inszenierungsstil, der mehr oder weniger gekonnt zwischen Low Budget und inspirierten Ideen schwankt, hat dafür seinen ganz speziellen Charme. In dieses Bild fügen sich auch wunderbar die schrägen Charaktere ein, denn wirklich normal wirkt in dem Film nämlich rein gar nichts
Da gibt's Referenzen zu klassischen Gruselfilmen(schwarze Katzen, die Rückkehr von Totgeglaubten...) und im Kontrast dazu betont kitschige Szenen, wenn Greta und ihr Verehrer verliebt im Wald rumtollen und dazu die allerlieblichste Musik ertönt; und überhaupt ist Berto Pisanos Musik eine absolute Glanzleistung, ohne die der Film wohl stark an Wirkung einbüßen würde.
Wenn ich eine Top-10 meiner allerliebsten Italo-Scores erstellen müsste, wäre dieser sicher dabei.
Ebenso überzeugen kann die Besetzung:

Ewa Aulin ist schon äußerst nett anzuschauen, Klaus Kinski wurde scheinbar mal wieder nur rangeholt, damit man seinen Namen auf's Plakat schreiben kann, spielt seine Rolle als Arzt aber trotzdem mit Leib und Seele.
Luciano Rossi hat zumindest mal eine etwas größere und auch recht einprägsame Rolle und dem fleißigen Italo-Film-Gucker sollten Giacomo Rossi-Stuart und Attilio Dottesio auch keine Unbekannten sein.

Die DVD von X-Rated präsentiert den Film in solider Qualität, damit macht man also nichts falsch.

Also macht es wie ich: Nehmt den Film mal wieder aus dem Regal und vergesst nicht, gut auf Berto Pisanos hervorragenden Score zu lauschen.



Kopfgeld für einen Killer (Joe D'Amato, 1972)

Yes, ist immer schön, wenn ein Film genau die Erwartungen erfüllt. Denn hier handelt es sich um einen Trash-Western der besten Sorte.
Im Grunde alles so ähnlich wie bei Fidani, bloß dass hier deutlich mehr Drive drinsteckt und man auf eine unnötig komplizierte Story verzichtet hat.

Denn die Geschichte ist zwar simpel aber durchaus effektiv:
Ein Gangsterbande terrorisiert ein Städtchen, alle Versuche, dagegen vorzugehen sind fehlgeschlagen und so muss ein Kopfgeldjäger ran. Und dieser verrichtet dann nach großzügiger Bezahlung auch sein Werk und geht dabei unter anderem auch mit Armbrust auf Verbrecherjagd.

Wenn das mal nicht Comic-Style pur ist... 8-)

Das alles unterlegt mit einem erstklassigen Score von Vasili Kojucharov, an dem sich sogar einige A-Western ein Beispiel nehmen könnten, und von D'Amato in schön schrägen Bildern eingefangen.

Was die Entstehungsgeschichte angeht, gibts bei dem Film ein paar Widersprüche. In der IMDB werden Oscar Santaniello und Joe D'Amato (uncredited) als Regissseure genannt. Ich hab allerdings mal irgendwo gelesen, dass D'Amato wohl den Großteil gedreht hat, er aber den Film so schlecht fand, dass er als Regisseur nicht gennant werden wollte, um sich seinen Ruf nicht schon am Anfang seiner Karriere zu ruinieren.
Später war ihm das dann scheinbar egal, denn da hat er ja noch ganz andere Gurken gedreht und unter seinem Namen veröffentlicht.

Wie auch immer, ich mag diese billigen Western einfach und das ist ein fast perfektes Beispiel dieser Gattung.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 21:24 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
The Maniacs (Lucio Fulci, 1964)

Genauso muss ein gute italienische Komödie aussehen. Ich hab ja schon öfter geschrieben, dass ich mich manchmal auch über den dämlichsten Klamauk amüsieren kann, aber diese Komödien aus den 60ern sind einfach noch was ganz Anderes. Sicher ist das manchmal auch albern, aber auf viel geistreichere, feinsinnigere und charmantere Weise.
Der Film ist in verschiedene Episoden eingeteilt, die fast alle amüsante Einfälle und Pointen zu bieten haben. Hier zeigt Fulci wirklich, dass er auch ein echtes Talent für Komödien hatte. Die Musik von Morricone und die guten Darsteller hatte ich ja schon erwähnt und diese tragen ebenfalls zum Gelingen des Films bei. Besonders interessant fand ich es, den jungen Umberto D'Orsi zu sehen, der in zwei Epsioden dabei ist.

Der Film bietet praktisch alles, was die richtig guten Italo-Komödien ausmacht und daher empfehle ich ihn besonders auch Leuten, die mit dem Genre bisher nicht so viel anfangen konnten. Die Mya-DVD ist nun wirklich nicht so teuer und damit macht man echt nichts falsch.
Wer den Film nicht lustig findet, darf sich danach bei mir beschweren.



Die Nacht der Vampire (Leon Klimovsky, 1971)

Die Story bieten dem geneigten Gruselfan sicherlich kaum Neues, allerdings sehe ich das überhaupt nicht als Nachteil. Auf eine gewisse Weise ist es auch angenehm, so eine liebvolle Neuverarbeitung von Altbekanntem zu sehen. Natürlich merkt man, dass hier kein Riesen-Budget zu Verfügung stand, auch die Erzählweise erfordert etwas Geduld, aber es sind die Stimmung und der Charme, die den Film tragen.
Schön anzusehen ist schonmal die Umgebung, in der gedreht wurde, die Wälder, die Gruften, das verlassene Haus. Da gelingen schon atmosphärische Momente. Visuell sicher nicht auf dem Niveau eines Bavas, aber auf seine Weise trotzdem sympatisch. Für die Enstehungszeit geht es auch schon recht hart zu, allerdings beschränkt sich das nur auf wenige Szenen. Hier steht eindeutig die Atmosphäre im Vordergrund.
Mir fällt es bei solchen Filmen immer schwer, die darstellerischen Leistungen zu beurteilen, da diese ja doch eher Mittel zum Zweck sind und in der Inszenierung untergehen. Von daher sag ich einfach mal, dass die Rollen mit interessanten Typen besetzt sind, wobei Naschy, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, natürlich besonders erwähnt werden muss.
Insgesamt also ein Gruselfilm, der im Grunde alle bewährten Zutaten bietet, die man erwartet, und diese auf nicht perfekte, aber dafür sympatisch ambitionierte Art vermengt. Nicht ganz mein Lieblingsfilm von Naschy oder Klimovsky - Klimovskys DRACULA SAGA, der ebenfalls von BCI erschienen ist und den ich auch mal wieder gucken muss, hab ich z.B. noch besser in Erinnerung - aber sicher schon aufgrund seiner frühen Entsstehungszeit ein Werk, welches in diesem Genre wegweisend war und dafür auch etwas filmhistorische Anerkennung verdient hat.



Megavixens (Russ Meyer, 1970)

Die Story, welche, wen überraschts, eher nebensächlich ist, dreht sich um Marihuana-Schmuggel im Grenzgebiet. Der Sheriff (Charles Napier) hängt auch tief mit drin, allerdings vermiest ihm ein Indianer-Häuptling das Geschäft...

Der Schauplatz ist fast ausschließlich Wüste, an Action gibts ein paar Schießereien, Kämpfe und Verfolgungsjagden. Das Finale ist dann sogar ziemlich blutrünstig, allerdings ist das alles eher comichaft überzeichnet.

Die Haupattraktion sind hier natürlich mal wieder die Frauen, da kann man sich nur fragen: Wo hat Russ Meyer die immer gefunden? Und da der gute Mann scheinbar den gleichen Geschmack hatte wie ich, ist dass natürlich ein Fest für's Auge. :mrgreen:
Ebenso sehr gut gefällt mir die Musik, erinnert stellweise sehr an die italienischen Scores dieser Zeit. Überhaupt ist diese Inszenierungsart immer noch ein perfektes Lehrstück in Sachen Coolness.

Für Neulinge sicher ein guter Startpunkt, um ins Russ-Meyer-Universum einzusteigen, denn ich halte den Streifen für eines seiner gelungensten Werke.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 21:29 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Siegfried und das sagenhafte Liebesleben der Nibelungen (Adrian Hoven, 1971)

Nanu, was ist denn das für ein kurioses Stück deutscher Sexploitation?
Die Besetzung mit Raimund Harmstorf, Sybil Danning und Peter Berling klingt ja erstmal nicht schlecht. Umso überraschter war ich dann über die Explizität und Anzahl der Sexszenen, nicht ganz Hardcore aber nah dran. Und wenn da in einer Orgienszene die Kamera wild kreist und E-Gitarren-Riffs erklingen, dann hat das schon fast psychedelische Qualitäten.
Leider lässt die zweite Hälfte dann stark nach und für die meiste Zeit regieren müde Scherze, auch ist der Fim mit 96 Minuten etwas zu lang geraten.

Wer sich für Kulturgut dieser Art interessiert kann sicher mal reinschauen, denn einige Szenen haben mich echt erstaunt. Leider wirkt die zweite Hälfte dann so, als ob die Macher nicht mehr wussten, womit sie den Film füllen sollen.
Da hat man dann doch das Gefühl, da wäre noch mehr drin gewesen.



Dr. Orloff's Monster (Jess Franco, 1964)

Einer von Francos frühen Schwarweiß-Filmen, von 1964.

Ganz ähnlich wie DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF überezeugt auch dieser Streifen durch seine solide Machart, die noch deutlich weniger trashig ist als viele seiner späteren Werke. Auch gelingen ihm ein paar stimmungsvolle Momente und interessante Bildkompositionen.
Das hört sich vielleicht erstmal alles ganz gut an, hat dann aber in der Umsetzung doch seine Schwächen. Vielleicht liegt es an der Story, die sich mal wieder um die Experimente eines verrückten Wissenschaftlers und ein Familien-Drama dreht.
Hat man halt alles schonmal so ähnlich gesehen und kann daher auch nicht über die ganze Laufzeit fesseln.

Insgesamt haben da Francos bessere Werke aus den späten 60ern und frühen 70ern schon meist noch mehr zu bieten.

Wer trotzdem mal reinschauen will, dem empfehle ich die Image-Entertainment-DVD aus den USA. Diese bietet wahlweise enl. Ton oder franz. mit engl. UTs. Und die Quali ist ebenfalls zufriedenstellend.



Die Bestie aus dem Weltraum (Alfonso Brescia, 1980)

Das soll nun also der große Sleaze/Trash-Klassiker sein?
Nun werden sicherlich einige sagen, dass es daran liegt, dass ich nicht mit der dt. Synchro geguckt habe, aber ich kann mir nun wirklich nicht vorstellen, dass die nun so einen riesigen Unterschied macht. Der Film bleibt ja doch der gleiche.
Aber mal von Anfang an, vollkommen schlecht fand ich ihn ja auch nicht:

Der Anfang in dieser Weltraum-Bar ist schon sehr amüsant. Diese ganze Technik-Gelaber im Raumschiff fand ich dann allerdings schon wieder äußerst nervig. Da weiß ich mal wieder, warum ich so eine Abneigung gegenüber Sci-Fi-Filmen habe. Atmosphärisch am gelungensten sind eigentlich die Szenen, die in diesem Wald und in dem "Schloss" spielen, hat in den besten Momenten so ein bisschen was Surreales, so eine Faszination, die irgendwo zwischen bizarr und lächerlich schwankt. Leider wird diese Stimmung dann immer wieder durch trashige Einfälle gestört, die einfach nur billig wirken und nicht mal unterhaltsam sind.
Klar, Vassili Karis und Venantino Venantini sind schon Typen, die man irgendwie mögen muss und die Musik ist stellenweise auch gelungen, aber viel rettet das auch nicht.
Da kann man sich auch mal wieder fragen, wo der Film seinen berüchtigten Ruf her hat, denn zumindest in der Unrated Fassung, ist der doch für die meisten Zeit absolut zahm.
Naja, jedenfalls war mir das alles etwas zu lahm und billig, in anderen Genres stört mich das normalerweise nicht, aber bei Science-Fiction-Streifen fällt das mehr negativ auf. Auch wenn ich sicher bin, dass das für viele auch gerade den Reiz ausmacht, aber der hat sich mir hier nicht so ganz erschlossen.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 21:37 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Januar 2010


Das unheimliche Auge (Lamberto Bava, 1987)

Lamberto Bavas Filme haben ja nun nicht den besten Ruf, der einzige, den ich von ihm bisher kenne, ist DER MONSTERHAI. Ganz so schlecht wie der ist dieser 80er-Giallo zwar nicht, aber viel hat das nicht zu heißen. Schon komisch, wie es mit dem Giallo und auch mit vielen andere Genres ab Mitte der 70er so bergab gegangen ist.

Es dreht sich mal wieder um Morde im Umfeld einer Modehauses. Und so hat man natürlich einen guten Vorwand, um gleich zu Beginn ein freizügiges Foto-Shooting zu präsentieren. Bis auf die 80er-Optik also alles noch sehr typisch, wie man es auch aus früheren Genre-Vertretern kennt.
Ansonsten vermengt Bava Jr. hier diverse Einfllüsse, die Szenen am Filmset haben mich z.B. sehr an Brian De Palmas DER TOD KOMMT ZWEIMAL erinnert , ein bisschen FENSTER ZUM HOF gibts auch noch dazu. Nun muss da ja auch alles noch nicht zwangsläufig schlecht sein, aber die Hauptprobleme sind einfach, dass die Handlung nie so richtig in Fahrt kommt und sich auch keine stimmungsvolle Atmophäre einstellen will. Wirkt alles einfach zu bemüht, so als ob man aus dem Film schon was machen wollte, aber es einfach nicht gelungen ist.
Der große Lichtblick ist da Serena Grandi, wäre diese umwerfend schöne Frau nicht dabei, wäre der Film wohl noch weitaus schwerer erträglich. Das Finale spielt dann auch auf makabre Weise mit ihren Reizen, aber auch diese Szenen wirken dann schon wieder etwas grobschlächtig.
Und eins muss mal noch gesagt werden: Man sollte Spannungsszenen nie mit Rockmusik unterlegen. Wirkt einfach nur billig und hat schon bei PHENOMENA nicht funktioniert.

Ich hab die DVD von Shriek Show, geht qualitativ in Ordnung, aber wirklich weiterempfehlen kann ich diesen Film nicht.



Malabimba (Andrea Bianchi, 1979)

Wow, was Andrea Bianchi hier abgeliefert hat dürfte wohl einer der Sleaze-Knaller schlechthin sein.
Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, hier heißt es: selber ansehen und staunen.

Aber abgesehen vom Sleaze-Gehalt, auf den der Film in den meisten Reviews reduziert wird, möchte ich mal noch zwei Punkte erwähnen:

1. Sind dem kürzlich verstorbenen Franco Villa hier einige wirklich stimmungsvolle Aufnahmen des Schlosses, in dem der komplette Film spielt, gelungen und auch die Musik weiß zu gefallen, auch wenn Berto Pisano hier ein Stück aus DIE MÖRDERBESTIEN recycled hat.
Formal also durchaus mehr als nur Trash.

2. Bietet der Film überraschenderweise auch ein paar gelungene leisere Momente. Von Tiefgang zu sprechen wäre vielleicht übertrieben; aber wenn z.B. so langsam die Fassade der nur nach außen hin so respektablen Familie bröckelt, dann wir da schon auch Kritik deutlich.

Im Grunde ein Film, der genau das bietet was ich am Italo-Kino so faszinierend finde, nämlich dass nirgendwo sonst Trash, Sleaze und Kunst so nah bei einander liegen können.

Mit der DVD von Severin macht man nichts falsch. Sie bietet den Film in ital. mit engl. UTs, die Bildqualität ist nach meinem Empfinden für die meiste Zeit fantastisch und Interviews mit Andrea Bianchi u. Mariangela Giordano sind auch noch dabei. Des Weiteren, hat man noch die Möglichkeit, die Deleted Scenes in den Film zu integrieren, diese sind allerdings in deutlich schlechterer Qualität.



The Reincarnation of Isabel (Renato Polselli, 1973)

So, ihr werdet jetzt vielleicht denken, der Chet will mal wieder irgendwelchen Schund schönreden...

Bei diesem Film kommt man um den Begriff "Meisterwerk" (auf seine ganz eigene Weise) aber kaum drumrum, denn was Polselli hier geschaffen hat ist einfach der helle Wahnsinn.

Schon die Handlung ist ein echtes "Schmankerl", diese ist nämlich mal so wirr ausgefallen, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass da noch jemand folgen. Lediglich dass es um ein Schloss, Hexen und Vampire geht, habe ich mitbekommen. Um die Verwirrung perfekt zu machen, gibts dann auch noch ständig Rückblenden, die Charaktere sind eh alle sehr undurchschaubar angelegt und zusätzlich tauchen die selben Darsteller teilweise auch noch in verschiedenen Rollen auf.

Im Prinzip kann man den Film als psychedelischen Bilderbogen sehen, als dieser funktioniert er dann aber auch hervorragend. Denn Polselli hat hier ein wirklich gutes Auge für diese Gothic-Atmosphäre, an Kunstnebel und Farbspielen spart er auch nicht, und so gelingen ihm zusammen mit den tollen Locations seltsam-surreale und gleichzeitig hochgradig stimmungsvolle Szenen am laufenden Band. Der Mann hat definitiv ein Gespür für's Kino.

Das ist einer dieser Film, bei denen man spätestens nach der Hälfte nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht und man beinah schon an seinem eigenen Verstand zweifelt. Ich kann's nur nochmal sagen: Unglaublich!

Natürlich hat man es hier gewissermaßen auch mit Exploitation zu tun, so wurde an Nudity nicht gespart. Besonders bizarr ist in diesen Zusammenhang folgende Szene:
Zwei Schönheiten wälzen sich im Bett, ein komischer Typ legt sich dazu, auf unerklärliche Weise fahren die Damen kurz darauf schon total auf ihn ab und dazu läuft Musik, die wie aus einem alten Slapstick-Film klingt.
Muss man gesehen haben, um zu verstehen wie merkwürdig das im Film wirkt.

Die Musik von Gianfranco Reverbi (DJANGO UND DIE BANDE DER GEHENKTEN) ist insgesamt aber ebenfalls sehr passend, wenn auch nicht allzu auffällig.
Die Darsteller sind größtenteils eher unbekannt, das stört aber keineswegs, und zumindest von Mickey Hargitay hat so mancher hier sicher schon was gehört.

Wer wirklich mal Lust auf ein völlig unkonventionelles Seherlebnis hat, der liegt bei diesem Streifen goldrichtig.


Ich kann mal wieder nur zu dem Schluss kommen, dass ich unbedingt mehr Filme dieses Ausnahme-Regisseurs sehen muss. Leider dürfte sich das schwierig gestalten.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 21:42 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Der Oberst mit dem Dachschaden schlägt wieder zu (Andrea Bianchi, 1974)

Bei diesem Filmchen von Andrea Bianchi hab ich ja mit dem Schlimmsten gerechnet, letztendlich war's dann aber doch recht erträglich und sogar ein paar gelungene Lacher sind dabei.

Die "Story":
Ein Oberst bekommt Besuch von seinem Neffen und ist entsetzt als er feststellen muss, dass dieser sich nicht für Frauen interessiert und Priester werden möchte. Deshalb sollen seine Frau und das Dienstmädchen ihn nun mit all ihren Reizen aus der Reserve locken.

Ein großer Vorteil ist dabei, dass die Frau von Dagmar Lassander gespielt wird. Wer sich da aber nun viel erhofft, dem sei gesagt, dass der Film eigentlich nur andeutet und durchweg sehr zurückhaltend ist. Trotzdem schon ganz reizvoll ist.
Und wie so oft, hilft auch die ganz nette Musik über einige Dursstrecken hinweg.

Da hab ich doch schon deutlich üblere Italo-Komödien gesehen.



Die letzten Heuler der Marine (Michele Massimo Tarantini, 1981)

Total überdrehter Non-Stop-Klamauk, der aber irgendwie doch ziemlich gut funktioniert, da Gianni Ciardo und Alvaro Vitali einfach ein herrrlich bescheuertes Team sind. Der Film spielt in einem Hotel, was natürlich die perfekte Voraussetzung für verschiedenste Verwechslungen ist.
Gianni u. Alvaro (die Namen wurden im Film gleich übernommen) wollen eigentlich nur ihren Job als Fensterputzer machen, doch dabei beobachten sie einen Mord. Dieser geht auf das Konto eines Killers (Gordon Mitchell), der wohl einen Spion aus dem Weg räumen sollte. Zumindest sind die beiden für den Rest des Films dann auf der Flucht vor diesem Killer, da der die Zeugen erledigen will und die Leiche stellt sich ebenfalls als recht lebendig raus.
Daneben gibts noch einige Betrügereien, so hat sich z.B. der Kommandant der Marine eine Liebschaft (Paola Senatore) auf sein Zimmer eingeladen, worüber sein Frau (Marisa Mell) verständlicherweise keineswegs erfreut ist, als sie ihn ihm Hotel überraschen will.
Dazu gesellen sich dann noch ein paar Running-Gags, die wirklich so überstrapaziert werden, wie es nur geht.

Fans des typischen Italo-Klamauks sind hier an der richtigen Stelle, alle anderen würden wohl schlagartig die Flucht ergreifen.



Satan's Baby Doll (Mario Bianchi, 1982)

Hier handelt es sich um eine Art Remake von MALABIMBA, diesmal durfte der andere Bianchi ran.

Mein erster Eindruck war, dass hier nicht ganz so auf die schmierige Grundstimmung des Originals gesetzt wurde, sondern die Atmosphäre noch deutlicher in Richtung Horror geht, allerdings gibt's dann doch wieder einige Momente, denen es an Sleaze nicht mangelt. Auch dieser Film kann wieder mit seiner tollen Location punkten, welche auch oft in stimmungsvollen Bildern eingefangen wurde. Die Handlung wirkt dafür etwas planlos, Einiges erinnert natürlich an den Vorgänger, Manches ist wiederum anders. Aber solchem atmosphärisch umgesetzten Kuddelmuddel gebe ich ich manchmal gerne hin. Klar, kann man das nicht mit Kunst eines Mario Bava vegleichen, aber dieser etws rohere Charme hat auch seinen Reiz.


Auch der Cast ist recht interessant, Mariangela Giordano sieht auch mit 45 noch unglaublich gut aus und auf Aldo Sambrell ist auch immer Verlass.

Wirklich gut tut dem Film außerdem die kurze Laufzeit von gerade mal 73 Minuten, so entstehen erst gar keine Längen.

Also im Vergleich zu Manchem was Jess Franco (so sehr ich ihn auch schätze) in dem Genre fabriziert hat, ist das schon irgendwie die bessere Alternative.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 21:47 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
The Sexual Story of O (Jess Franco, 1984)

Ein weiterer interessanter Franco-Streifen. Und genau auf "interessant" liegt die Betonung, denn das sind Francos Filme meistens, selbst wenn sie nicht 100%ig gelungen sind.

Zur Story:

Eine junge Frau und ein Paar beobachten sich gegenseitig durch's Fenster. Das Paar nimmt zu ihr Kontakt auf und kurz darauf wird sie auch schon ins Liebesspiel mit einbezogen. Bis dahin alles noch recht harmlos. Doch als der Mann des Paares, dann davon redet, dass mit ihr nicht das gleiche geschehen soll, wie mit den anderen, merkt man schon dass da wohl nicht nur harmlose Absichten dahinterstecken. Der Zuschauer kann bsi da hin erstmal nur vermuten. Zu dritt fahren sie dann auf eine Insel, wo ein seltsamer Typ zusammen mit einer älteren Frau lebt. Schon bald erfährt man, dass das Päarchen vom Beginn den beiden wohl schon öfters Frauen "beschafft" hat. Zum Beispiel lassen sie sich beim Essen darüber aus, dass auch einmal eine Schwarze dabei gewesen war, mit der sie aber einfach nichts anfangen konnten, da sie fest davon überzeugt sind, dass die weiße Rasse überlegen ist.
Von da an wird der Film dann langsam aber sicher immer düsterer und abgründiger und mündet in einem wirklich heftigen Finale.


Kritik:

Wie bei den anderen Filmen auch, die Franco in den 80er für die Golden Films gedreht hat, fällt hier auf, dass die Inszenierung zwar sehr minimalistisch, aber gleichzeitig auch recht stimmungsvoll und professionel wirkt. Ich finde, man kann bei diesen Filmen fast von einem Mikrokosmos sprechen, da es nur wenige handelnde Personen gibt und ansonsten menschenleere, weitläufige Landschaften das Bild bestimmen, die wie völlig losgelöst von jeglicher Realität wirken. Das Erzähltempo ist dabei extrem langsam und auch wenn es viel Geduld erfordert, trägt auch das zur einzigartigen Atmosphäre bei.
Wie ich ja schon in der Inhaltangabe geschrieben habe, fängt alles noch recht harmlos wie ein handelsüblicher Erotik-Film an, schleichend wird es dann aber immer düsterer. Und die letzten zehn Minuten haben es dann wirklich in sich, wenn Franco in seltsam verfremdeten Bildern ganz finstere Abgründe menschlicher Perversionen ausleuchtet.
Nur so viel: Von den fünf handelnden Personen überlebt nur eine.

Sicherlich kein Film für jedermann, aber wer irgendwas für Jess Franco übrig hat, sollte vielleicht mal einen Blick riskieren

Ich kann an dieser Stelle nur nochmal die "Jess Franco Collection Volume 2" von Anchor Bay empfehlen, diese enthält außerdem u.a. noch die ebenfalls sehenswerten MACUMBA SEXUAL, THE INCONFESSABLE ORGIES OF EMMANUELLE und MANSION OF THE LIVING DEAD, alle in Top-Qualität. Das Teil gibts z.B. bei Ebay für um die 22€.

Ich als Verfechter von Francos Früh-70er-Streifen war echt überrascht, was er da in den 80er nochmal auf die Beine gestellt hat.



Churchills Leoparden (Maurizio Pradeaux, 1970)

Konnte nicht ganz meine Erwartungen erfüllen.
Die Story um die zwei Zwillingsbrüder, von denen sich einer, nachdem der andere stirbt, in die deutsche Armee einschleust, um einen Staudamm zu sprengen, ist anfangs noch etwas schleppend und wirr erzählt. Ein paar gelungen Szenen gibt's zwar aber insgesamt ist das sowohl story- als auch action-mäßig nicht wirklich überzeugend.
Die Besetzung ist da noch das Beste, denn Kinski bereichert einfach jeden Film und auch sonst gibt's neben Richard Harrison noch so einige bekannte Gesichter zu sehen.

Und was hat noch so manchen Italo-Film gerettet? Richtig, gute Musik oder attraktive Frauen, Ersteres ist nicht sonderlich prägnant, aber bei Letzterem kann deR Film umso mehr punkten.

Insgesamt also nicht wirklich empfehlenswert, aber auch nicht komplett misslungen.

Immerhin ist das Bild der BEST-DVD überraschend gut.



Die Hauslehrerin (Michele Massimo Tarantini, 1978)

Ist wirklich eine der gelungeneren Italo-Komödien. Viele bekannte Gesichter, besonders Alvaro Vitali mal wieder herrlich bekloppt unterwegs. Wie schon gesagt, Edwige Fenech hat hier wie öfter in dieser Zeit mal wieder ein etwas komisches Styling verpasst bekommen, aber eine schöne Frau entstellt halt nichts.
Ganz nett auch die Seitenhiebe auf Politik, dadurch geht der Film nicht komplett im Erotikklamauk unter.
Ansonsten rundum gefällig inszeniert und auch der Score bietet ein paar nette Stücke.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 21:53 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Die schöne Gefangene (Alain Robbe-Grillet, 1983)

Im Grunde so ziemlich genau das, was ich erwartet habe. Handlungsmäßig alles sehr ungewiss, nichts ist wie es scheint, Szenen werden immer wieder als Träume aufgelöst (oder auch nicht). Getaucht in glatt polierte, irreal wirkende Bilder, ist es vor allem die atmophärische Seite des Films, die überzeugt, wenn man sich darauf einlassen kann.
Sicher kein ganz einfacher Film, stellenweise sehr ungewohnt, wenn man "normale" Sehgewohnheiten als Maßstab heranzieht, aber im nächsten Moment wird man dann dafür auch wieder mit faszinierenden Szenen belohnt.

Man braucht aber nicht zu befürchten, dass es sich hier um völlig unzugängliches Arthouse-Kino handelt.

Mag sein, dass das jetzt alles recht kryptisch klingt, aber ein Film, der den Großteil seiner Wirkung aus seiner Atmosphäre und dem unmittelbaren Miterleben zieht, kann man halt schlecht in ein paar Sätzen zuammenfassen.

Für Leute, die den Stil von David Lynch oder vergleichbaren Regisseuren interessant finden, würde ich aber definitiv eine Empfehlung aussprechen.


Februar 2010



Images in a Convent (Joe D'Amato, 1979)

Vielleicht der beste Nunsploitation-Streifen, den ich bisher gesehen habe. Wobei ich sagen muss, dass ich in dem Genre bisher kaum was kenne.

Dass D'Amato mit einer Kamera umgehen kann, sollte ja bekannt sein. Und so ist es auch erstmal die solide, hier und da auch inspirierte Machart, mit der der Film punkten kann. Nach einer kurzen Einleitung, steigt das Sleaze-Barometer dann auch schnell. Anfangs noch eher zurückhaltend, mit einigen schön anzusehenden und durchaus ästhetischen Lesbenszenen. Man kann sagen was man will, aber für sowas hatte D'Amato ein Auge, in seinen besten Momenten vielleicht sogar mehr als manche der anerkannten, namenhaften Erotik-Regisseure. Ab und zu driftet der Film auch in den Hardcore-Bereich ab, aber hier handelt es sich nicht um billige Inserts, sondern diese Szenen wurden damals scheinbar gleich mitgedreht, von daher passt das ins Gesamtbild.
Allzu viel gibt die Story sicher nicht her, z.B. wird dann noch ein verletzer Mann im Kloster untergebracht, der die Nonnen schon nach kurzer Zeit ganz wuschig macht. Um diesem Treiben ein Ende zu machen, wird ein Exorzist gerufen, doch dieser scheint auch eher das Gegenteil zu bewirken. Eine Statue im Garten, von der wohl irgendein böser Einfluss ausgehen soll, spielt auch noch eine Rolle.

Abgesehen von einer Vergewaltigungsszene, inszeniert D'Amato hier fast schon zurückhaltend und mit ungewöhnlich viel Sinn für Atmosphäre. Nun muss man aber nicht Angst haben, dass D'Amato sich untreu wird, denn an nackter Haut mangelts dem Film nun wirklich nicht, aber das Gesamtergebnis wirkt diesmal irgendwie stimmiger. Und zu guter Letzt muss auch noch die vorzügliche Musik erwähnt werden - auf Nico Fidenco ist Verlass.



Die Strickmütze (Bruno Corbucci, 1976)

Die Story kann man schnell zusammenfassen. Rom wird von immer mehr Räubern u. Taschendieben heimgesucht, Nico Giraldi (Milian) will aber nicht an die kleinen Fische ran, sondern an die Drahtzieher im Hintergrund.
Wirklich ernstnehmen kann man das alles nicht, die Stimmung ist größtenteils locker, nur ein paar ruppigere Szenen gibt es. Trotzdem ist das angenehmerweise nicht ganz so arg auf Klamauk getrimmt wie die meisten anderen SUPERBULLEN-Filme. Natürlich steht und fällt der Film mit Tomas Milian, was der hier für eine Show abzieht ist schon beachtlich. Alleine schon diese Outfits (unter anderem gibt's da so eine nette Szene, in der er sich etwas halbherzig den Dreck aus der Jacke bürstet :lol: ), im Bett liegt er mit drei Pullovern und mehreren Ringelsocken übereinander, in seiner Wohnung hängt ein riesiges Serpico-Poster, außerdem hat er immer eine weiße Maus namens Heroinchen dabei. Irgendwie ist der Film mit seiner gammeligen Art teilweise schon wieder richtig liebenswert. Und das Ende macht dann auch deutlich, dass es hier eigentlich völlig egal ist, wer nun Polizei und wer Gauner ist, hier geht's darum mit dem Motorrad Treppenhäuser hochzubrettern. :mrgreen:
Die Musik der bewährten De-Angelis-Brüder ist ebenfalls nett ausgefallen (ok, das eine Stück wird vielleicht ein bisschen zu oft wiederholt) und Jack Palance brauchte scheinbar mal wieder Geld.
Sicher gibt's lustigere Komödien und spannendere Crime-Filme, aber für mich war das einfach gelungenes Late-Night-Entertainment. Genau diese Unbeschwertheit, die der Film ausstrahlt, fehlt mir beim aktuellen Kino.

Also definitiv eine Empfehlung meinerseits!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 21:57 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
März 2010


Nebraska Jim (Mario Bava, 1966)

Allemal besser als DER RITT NACH ALAMO.
Klar, die Story gibt nun nicht so viel her, aber die Inszenierung und die Figuren reißen's raus. Ken Clark hält sich mit Mimik zwar auffällig zurück, ist aber trotzdem passend in der Rolle und Piero Lulli ist eh perfekt als Bad Guy. Selbst die Frauenrolle und die sich ankündigende Liebesgeschichte haben hier etwas mehr Tiefe und wirken nicht deplaziert. Für die Musik war diesmal der mir völlig unbekannte Nino Oliviero zuständig, der macht seine Sache aber außerordentlich gut: schöne Gitarrenklänge und auch ansonsten immer passend und abwechslungsreich eingesetzt. Sicher, wie zu erwarten war, merkt man hier von Bavas Handschrift nicht viel, einzig bei den auffallend häufigen Aufnahmen des düstern, wolkenverhangenen Himmels könnte man meinen, er hatte da vielleicht seine Finger mit im Spiel.

Also ich kann nun mit US-Western überhaupt nichts anfangen, aber wenn der Film selbst mich schon so gut unterhalten hat, dann will das schon was heißen.



Der Sexbaron von St. Pauli (Jürgen Enz, 1980)

Story:
Kaum aus dem Knast entlassen versucht sich ein Gauner schon wieder in verschiedenen Verkleidungen an diversen Betrügereien, allerdings fällt er dabei selbst immer wieder auf eine Trickbetrügerin rein.

Ja, bei manchen Filmen kann man die Handlung problemlos in einem Satz zusammenfassen. Ansonsten ist der Streifen für Enz-Verhältnisse aber gar nicht mal so übel. Der Humor ist zwar nie so wirklich lustig, aber trotzdem macht das hier alles einen etwas vergnüglicheren Eindruck, ist nicht ganz so lahm und die Darsteller zeigen zumindest etwas Spielfreude. Ganz nett fand ich auch die Aufnahmen, in denen man ein bisschen von der Stadt und vom Nachtleben sieht, teilweise auch mit cooler Musik unterlegt. Leider gibt's von diesen Szenen nur sehr wenig.
Und das Lied "Lass knacken, mein Schätzchen" kriegt man auch nicht so schnell wieder aus dem Ohr. Aus unerfindlichen Gründen spielen auch Knacker immer wieder eine Rolle im Film, so hat zum Bsp. ein Typ immer eine Knacker in der Hemdtasche und verwechselt die dann auch schonmal mit seinen Zigarren.



Schneller als 1000 Colts (Guido Zurli, 1966)

Vom Look her sieht das erstmal sehr nach typischen Früh-Italo/US-Western aus, immerhin ist aber der Vorspann schon ganz interessant gemacht. Dieser etwas biederen Art stehen dann durchaus ungewöhnliche Einfälle gegenüber. Das fängt schon beim Helden an, der überhaupt nicht schießen kann und in einem zerrissenen Hemd auf einem Esel dahergeritten kommt. Als er dann nicht mal sein Bier bezahlen kann handelt er sich schnell Ärgern mit ein paar Gangstern ein, die die ganze Stadt unter Kontrolle haben. Unkonventionell und vielleicht etwas gewöhnungsbedüftig auch, dass eine toughe Frau hier so im Mittelpunkt steht. Hier und da zeigt der Film auch etwas Humor, zum Bsp. gibt's einen besoffenen Richter, der ständig diverse literarische Größen zitiert und seine Urteile am Billardtisch spricht. Aber selbst dieser Charakter bekommt im weiteren Verlauf noch eine tragische Dimension, von einer Komödie kann also keine Rede sein. Auch Gordon Mitchells Auftritten sind gelungen, er spielt einen armen Typen, dem alle Finger gebrochen worden und der jetzt nur noch auf Rache sinnt, allerdings kaum seinen Colt halten kann.
All diese Einfälle machen den Film erträglich, können dann aber doch nicht ganz von den Schwächen ablenken. So ist zum Bsp. schon die Handlung an sich nicht besonders spannend, die Musik bleibt auch sehr blass und das Finale fand ich auch eher enttäuschend. Und dieser Sprung in die Gegenwart ganz zum Schluss ist einfach nur deplaziert, denn hätte man sich lieber sparen sollen.

Alles in allem ein Western, der ein paar gelungene Ideen zu bieten hat und den man sich deshalb vor allem in so guter Qualität schonmal ansehen kann, aber insgesamt kommt er dann doch nicht über gerade noch soliden Durchschnitt hinaus.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 22:02 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Die gnadenlosen Sieben (Bruno Fontana, 1982)

Story:

Ein Gruppe von Söldnern soll eine hohe Persönlickeit ausschalten. Nachdem sie ihren Auftrag erledigt haben, werden sie in eine Falle gelockt und müssen sich von da an alleine durchschlagen. Nach langer Wanderung durch die Wildnis finden sie dann eine Farm und werden dort auch aufgenommen und versorgt, doch anstatt sich dankbar zu zeigen, saufen sie sich voll und drehen vollkommen durch, töten einen alten Mann und ein junges Mädchen, und machen sich dann wieder aus dem Staub. Doch schon bald heftet sich eine geheimnisvolle Frau an ihre Fersen (Laure Gemser), die scheinbar ihre ganz eigenen Pläne hat...

Kritik:

Es fängt an wie viele Söldner-Streifen, doch schon bald merkt man, dass Regisseur Bruno Fontana (übrigens sein einziger Film) hier etwas mehr im Sinn hatte. Gleichzeitig hat man aber auch das Gefühl, dass Potential verschenkt wurde. Ist so ein typisches Beispiel für einen Film, der sich nicht ganz entscheiden kann: Teilweise geht er schon eher in Richtung sinnfreie, auch etwas sleazige Unterhaltung, andererseits gibt es aber auch ein paar kritische, hinterfragende Kommentare. Diese Mischung gibt's ja aber im Italo-Kino desöfteren und würde ich jetzt auch gar nicht mal als großen Nachteil ansehen. Schon eher stört da, dass der Films streckenweise auch einfach etwas lahm daherkommt, aber es folgen dann auch doch immmer wieder gut gemachte Szenen. Wie man sieht hier gibt's von allem was.
Unter den Söldnern finden sich größtenteils äußerst wiederliche Charaktere, was die Darsteller auch recht überzeugend rüberbringen. Der Cast bietet ein paar bekannte Namen, zuordnen konnte ich aber nur Gabriele Tinti und Vassili Karis (BEAST IN SPACE). Die Inszenierung ist eher unauffällig, die Locations aber passend gewählt (keine Ahnung, wo das wieder gedreht wurde, soll aber Afrika darstellen) und was die Action angeht, ist vor allem das Finale spannend umgesetzt, hat was sehr Western-mäßiges.

Wer sich für das Genre interssiert, macht hier also nicht so viel falsch. Und ein paar ungewöhnliche Ideen heben den Film dann doch etwas aus der Masse vergleichbarer Werke heraus.



Unheimliche Begegnung in der Tiefe (Tonino Ricci, 1978)

Die Tochter eines reichen Unternehmers wird nach einer Boots-Tour im Bereich des Bermudadreiecks vermisst. Ihr Vater will die Hoffnung aber nicht aufgeben und macht sich trotz aller Warnungen zusammen mit einem Team auf die Suche...

Von dem Film hab ich vorher kaum was gewusst, hier und da hab ich ein paar Reviews gelesen (größtenteils vernichtend), aber die Namen Gianni Garko und Stelvio Cipriani haben mich dann doch neugierig gemacht. Also hab ich die 5€ für die dt. DVD mal investiert (was die DVD-Qualität angeht, Ansprüche am besten gleich runterschrauben).
Nun ja, bis der Herr Garko zum ersten Mal auftaucht dauert es eine Weile und er hat auch sicher schon bessere Tage gesehen. Trotzdem ist es seine Rolle fast schon wert, sich den Streifen anzusehen: Wie er so unrasiert durch den Film schlurft und seine Sätze wie in Trance runterleiert (keine Ahnung, ob so beabsichtigt oder die Schuld des Synchronsprechers), das hat schon was. Später wird er dann während eines Tauchgangs ohnmächtig und muss anschließend erstmal ne Weile unter Deck liegen und auch der Hund, der ihm vorher noch ganz brav aus dem Mund gefressen hat (er steckt sich da wirklich die Kekse zwischen die Zähne und lässt sie dann vom Hund rausschnappen :lol: ), fletscht auf einmal bedrohlich die Zähne.
Ja, der Film bietet schon recht abenteuerliche Einfälle. Eine mysteriöse Puppe spielt auch mal wieder eine undurchschaubare Rolle. Was so viel heißt wie, dass sie ab und zu begleitet von dramatischer Musik ins Bild gerückt wird. Während sie dann so über die See schippern werden auch so einige wilde Theorien präsentiert, zum Bsp.von Aliens, die auf dem Meeresgrund leben. :? Wer des Rätsels Lösung wissen möchte, muss bis zum Ende dranbleiben.
Bevor jetzt aber alle denken, klingt ja nach einem netten Trash-Feuerwerk, muss fairerweise auch gesagt werden, dass der Film streckenweise auch einiges an Leerlauf zu bieten hat. Am Anfang stört das noch nicht weiter, da kann man sich noch an den wirklich ausgesprochen klischeehaften Figuren erfreuen, aber teilweise wird's dann auch etwas ermüdend. Immerhin hat der Film dann in den letzten 30 Minuten vielleicht seine besten Momente, wenn auf einmal mitten auf dem Meer ein Geisterschiff treibt oder die Crew-Mitglieder auf eine geheimnisvolle Grotte stoßen, dann sorgt das endlich für den schon lange erwarteten Anflug von Atmosphäre. Das Ende ist dann auf seine Weise auch gar nicht so schlecht, zu sehr sollte man seinen Kopf aber sicher nicht anstrengen, um es zu verstehen.
Nun hab ich ja am Anfang schon Stelvio Cipriani erwähnt, normalerweise schon fast ein Garant für gelungene Scores, und auch wenn dieser bei Weitem nicht zu seinen besten zählt, so schafft er es auch hier, zumindest in ein paar Momenten dem Film so etwas wie Klasse zu verleihen. Und das Liedchen am Anfang, als die Stimmung noch fröhlich ist, groovt auch ganz nett.

Nach normalen Maßstäben (was auch immer das ist) sicher kein besonders guter Film, aber die kauzige Art verbunden mit ein paar wenigen, atmosphärisch gelungenen Szenen haben mir dann doch ganz brauchbare Unterhaltung beschert.



Bandidos (Massimo Dallamano, 1968)

Ich glaube es ist wirklich Zeit, dass Dallamano als der Ausnahme-Regisseur gewürdigt wird, der er war. Auch bei seinem einzigen Ausflug ins Westerngenre schafft er es mühelos, eigene Akzente zu setzen und verbindet eine erfrischende Herangehensweise mit neuen sowie altbekannten Ideen. Und heraus kommt dabei ein Western, der sich auf angenehme Weise von unzähligen anderen Genre-Vertretern unterscheidet. Besonders hevorzuheben: Die tolle Schauspielleistung von Enrico Maria Salerno, Venantino Venantini als diabolischer Bösewicht, der vor nichts und niemand zurückschreckt (überhaupt ist die Gangart des Film alles andere als zimperlich), die lebendige Kamera-Führung und ein paar Szenen, die spannungsmäßig schon Leone-Niveau erreichen.

Sehr empfehlenswert!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 22:07 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Zwei knallharte Profis (Stelvio Massi, 1980)

Merli fand ich hier sogar ganz erträglich, teilweise auch amüsant wie er da so am Anfang frohgemut durch Wald und Wiese joggt. Ein Italo-Film, der in Deutschland spielt, klingt ja im ersten Moment vielleicht noch interessant. Aber einen besonderen Unterschied macht es auch nicht, der Film hätte wahrscheinlich auch genauso in Italien gedreht werden können und wäre auch nicht besser oder schlechter. Hauptproblem bleibt dabei die Handlung, denn diese macht den Eindruck, als ob man altbekannte Versatzstücke planlos aneinander gereiht hat - Spannung kommt dabei zumindest nur höchstselten auf. Ciprianis Score kann diesmal auch nicht viel retten und so bleibt ein Film, dem ich nur zu Gute halten kann, dass ich mich manchmal schon noch mehr gelangweilt habe.



Dracula Saga (Leon Klimovsky, 1973)

Graf Dracula macht sich Sorgen über den Fortbestand seiner Familie. Deshalb lädt er eine entfernt lebende Enkelin zusammen mit ihren Mann auf sein Schloss ein. Da diese gerade schwanger ist, soll sie nun für den lange erwarteten Nachwuchs sorgen. Doch im Schloss herrscht eine seltsame Stimmung vor und ihr Mann wir schon bald in den Bann der Frau des Grafen gezogen.


Freunde des spanischen Horror/Grusel-Films aufgepasst - hier haben wir es mit einem ganz besonderen Schmuckstück des Genres zu tun! Gleichzeitig mein persönliches Highlight in der Collection von BCI.
Was Setting und Machart angeht werden sich Fans des Genres gleich heimisch fühlen: Geheimnisvolle Wälder, bergige Landschaften, ein altes Schloss, abergläubische Einheimische, die Ankunft von Fremden, eine Kutschenfahrt - praktisch alle Zutaten sind dabei. Doch während sich viele Regisseure darauf verlassen haben, geht Klimovsky hier noch ein Stück weiter und sprüht teilweise fast schon vor Einfallsreichtum.
Da bekommt man z.B. bizarre Traumsequenzen präsentiert, die Anwesenheit von diversen Frauen, die nicht mit ihren Reizen geizen ist ebenfalls nicht unangenehm ( ;) ) und dazu kommt stellenweise auch noch ein recht schräger Humor zum Vorschein. Zum Teil hat man das sicher auch der Besetzung zu verdanken, denn Tony Isbert ist eh eine Erscheinung für sich und Helga Line ist dafür umso schöner. Doch was hier wirklich zählt sind die ungewöhnlichen Einfälle, mit denen der Film immer wieder über ausgetretene Genre-Pfade hinausgeht. Wirklich creepy ist z.b. die Idee mit Valerio, bei ihm handelt es sich um einen missratenen Nachfahren der Dracula-Familie, der natürlich nicht als Tronfolger in Betracht kommt und stattdessen eingesperrt in einem Zimmer sein Dasein fristet. Da folgen dann einige echt abgefahrene Szenen. Auch sonst wird es manchmal recht rabiat, teilweise kann man schon von Splatter sprechen, aber für die meiste Zeit ist das natürlich trotzdem Gothic-Horror, der aber ungewöhnlich ideenreich und erfrischend daher kommt und genau diesen Kombination macht den Reiz aus. Da stört es auch nicht, dass der ansonsten immer gern gesehene Paul Naschy hier nicht dabei ist.



Und Santana tötet sie alle (Rafael Romero Marchent, 1970)

Ich hab ihn gestern nach längerer Zeit mal wieder geschaut und find ihn immer noch recht brauchbar. Im Grunde ein typischer Buddy-Western aber mit überraschenden Härten. Und diese an sich schon gewöhnungsbedürftige Mischung wird von der dt. Klamauk-Synchro, die sich nicht hinter der von SARTANA - NOCH WARM UND SCHON SAND DRAUF verstecken zu braucht, noch auf die Spitze getrieben. Das wirkt dann schon machmal befremdlich, wenn auf eine sadistische Szene gleich wieder irgendwelche Albernheiten folgen. Aber gerade diese kuriose Mixtur ist es, was hier den Unterhaltungwert ausmacht, so fragwürdig es auch manchmal ist. Die Story plätschert dafür episodenhaft und holprig vor sich hin, von daher ist es schon fast erstaunlich, dass der Film trotzdem gar nicht so schlecht funktioniert.
Am einprägsamsten sind vielleicht die Szenen mit dem alten Mann und seinen Psycho-Söhnen, die auch hinter dem Geld her sind, und auch hier vermischen sich schnell wieder Sadismus und grotesker Humor.
Inszenierungstechnisch ist das auch alles im grünen Bereich, genau wie der Score von Marcello Giombini, der schön gefällig daherkommt.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 23:25 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Tragic Ceremony (Riccardo Freda, 1972)

Eine Gruppe von jungen Leuten wird bei einem Camping-Ausflug von einem Unwetter überrascht und flüchtet sich in eine nahegelegene Villa. Doch dort scheint Düsteres vor sich zu gehen...

Dieser scheinbar relativ unbekannte Film von Riccardo Freda ist echt ein feines Stück Italo-Horror. Sicher ist das nichts für Leute, bei denen in Filmen pausenlos was los sein muss. Hier baut sich die Atmosphäre daraus auf, dass eine Weile erstmal kaum was passiert, aber dass hier irgendwas nicht stimmt, wird schnell klar. Und diese ungewisse Spannung entlädt sich dann auch in einer wahrlich furiosen Sequenz: einer schwarzen Messe mit anschließendem Massaker, inklusive: psychedelischer Bildeffekte, total überzogenen Splattereinlagen und superber Musik von Stelvio Cipriani. Wirklich, allein schon wegen dieser Szene sollte man den Film nicht missen. Danach beruhigt sich das Geschehen erstmal etwas, doch die mysteriöse Grundstimmung bleibt und es folgen weitere wirkungsvoll gesetzte Schocks.
Auch ein Blick auf den Cast lohnt sich: Da hätten wir z.B. Luigi Pistilli und Luciana Paluzzi perfekt besetzt als Lady und Lord Alexander, Jose Calvo (FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR) als geheimnisvoller Tankwart sowie Camille Keaton und Paul Müller.

Nicht perfekt, aber ein Film mit so vielen Eigenheiten und gelungenen Einfällen, dass man ihm seine Schwächen gerne verzeiht.



April 2010


Tedeum - Jeder Hieb ein Prankenschlag (Enzo G. Castellari, 1972)

War echt überrascht - locker eine der besseren Westernkomödien.
Gerade der Anfang mit der beknackten Sippe, die dann im Filmverlauf immer mal wieder auftaucht, macht wirklich Spaß. Dieses ganze Hin und Her mit den Mienenplänen, wird zwar irgendwann etwas ermüdend und so mancher Gag wird dann auch überstrapaziert, aber es folgen auch immer wieder gute Einfälle, so dass ich doch größtenteils bei Laune gehalten wurde. Zum Beispiel den Showdown im Badehaus fand ich ganz spaßig, ist zwar auch gnadenlos albern, aber zumindest mal was Anderes.
Jack Palance als falscher Priester ist auch ein lustiger Anblick, und hier hat er sogar mal richtig viel Screentime, nicht so wie in vielen anderen Italo-Filmen, wo er nur mal kurz auftaucht. Auch sonst kann sich die Besetzung sehen lassen, da wären z.B. noch Eduardo Fajardo, Lionel Stander und Riccardo Garrone. Musik von den De-Angelis-Brüdern ist stellenweise auch ganz nett, genug Locationwechsel, so dass der Film nie zu träge wird, sind ebenfalls vorhanden.
Zugegebenermaßen gibt's hier und da auch ein paar Momente, die ewas an den Nerven zerren, aber im Großen und Ganzen passt das schon alles recht gut zusammen.

Da hab ich schon viel lahmere Western-Komödien gesehen, denn im Gegensatz zu vielen anderen, die wirklich nur ganz offensichtlich Spencer/Hill kopieren, hat man hier schon das Gefühl, das versucht wurde, was Eigenes zu kreieren.



The Hand that Feeds the Dead (Sergio Garrone, 1974)

Der Baron Ivan Rassimov (!) stirbt bei einem Feuer, doch sein eifriger Student (Kinski) setzt die Experimente fort und auf diesem Weg will er auch gleich das entstellte Gesicht seiner Frau wiederherstellen.

Ich könnte jetzt sagen, war besser als erwartet, aber das lag dann auch nur daran, dass meine Erwartungen wirklich niedrig waren. Wie bei vielen Filmen dieser Art, gefällt mir auch hier die betont altmodische Inszenierung. Der Rest geht dann aber schon in Richtung gepflegte Langeweile. Was ja trotzdem nicht zwangsläufig komplett schlecht sein muss. Wie gesagt, dass macht alles einen ganz passablen Eindruck, die bloße Anwesenheit von Kinski ist eh schon ein Pluspunkt, eine sehr typische Szene, ist die, wo er wütend ein paar Bücher aus dem Regal schmeißt( :mrgreen:). In Punkto Sleaze serviert Garrone zumindest eine kurze Lesbenszene und Carlo Rambaldi (der später u.a. für Filme wie E.T. gearbeitet hat) hat für die Operationsszenen auch ein paar blutige Effekte entworfen. Die Szenen mit der Frau, die immer einen Schleier über ihrem Gesicht trägt und ständig eine gruselige Puppe bei sich hat, sorgen da am ehesten noch für Gruselstimmung.

Also keine komplette Enttäuschung, aber unbedingt gesehen haben muss man ihn auch nicht.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 23:30 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Der Teufel in Miss Jonas (Erwin C. Dietrich, 1974)

Es dreht sich um eine Frau, die hingerichtet wird, doch in der Hölle stellt man fest, dass sie zu früh dran ist, so schickt man sie für ein paar Tage wieder zurück auf die Erde, wobei sie fest entschlossen ist, ihr ausschweifendes Leben weiterzuführen.

Und so ist dann auch der Hauptinhalt, dass es Christa Free mit diversen, meist unansehnlichen Männern treibt. Die Christa ist dafür schon eine Frau nach meinem Geschmack ( :mrgreen: ), das macht den Film etwas erträglicher. In dem OFDB-Review behauptet doch tatsächlich jemand, sie sei übergewichtig - also manchmal muss ich mich doch echt wundern. Aber auch schöne Brüste können nicht jeden Film retten und so bleibt's letztendlich ein ziemlich lahme Angelegenheit. Und dass obwohl Herbert Fux den Teufel spielt. Die Kulissen sind teilweise schön in Szene gesetzt, aber leider ist überhaupt nicht für Abwechslung gesorgt, so dass sich auch das schnell ausreizt. Einige Szenen, die in einem Wäldchen spielen und wohl einen surrealen Touch haben sollen, werden sogar so unendlich in die Länge gezogen, dass man entweder einschläft oder an seinem Verstand zweifelt. :?

Alles in allem zwar irgendwie schon ein Kuriosum, aber bei weitem kein gelungener Film. Wirklich weiterempfehlen kann man sowas nicht, aber falls den jemand hier kennt, würde mich schonmal eure Meinung interessieren.



Up! (Russ Meyer, 1976)

Eigentlich nützt es gar nichts, viel zu schreiben, da Worte diesem Geniestreich kaum gerecht werden können. Aber ich versuche es trotzdem mal kurz.
Schon der Beginn mit Adolph Schwartz treibt Meyers skurillen Humor so auf die Spitze, dass man sich fragt: Ist das gelungene Satire oder einfach nur herrlich bescheuert? :lol: Nachdem besagter Herr in seinem SM-Dungeon voll auf seine Kosten gekommen ist, möchte er ein Bad nehmen, dieses ist aber nur von kurzer Dauer, da eine schwarzbehandschuhte Gestalt einen Piranah ins Wasser wirft. Die Frage ist also: Wer hat ihn ermordet? Doch diese Rahmenhandlung kann man schnell mal vergessen, bei all der Ablenkung, die der Film sonst zu bieten. Die Oberweiten der holden Weiblichkeit sind mal wieder gigantisch, die Typen entweder simpel gestrickt oder aggressiv. Und überhaupt ist in dem Film alles überlebensgroß. Auch bei den Sexszenen war man mit großen Einfallsreichtum am Werk, da lieben sich die Paare schonmal mitten in einem Fluss oder hoch oben auf Bäumen. :shock: Und das Ende hält dann auch noch ein paar haarsträubende Überraschungen bereit.
Das schmissige Main Theme gefällt und auch die comichaften Schnittfolgen werden hier wieder perfekt eingesetzt. Denn was man bei Russ Meyer immer wieder anerkennen muss, ist, dass er eben nicht nur ein filmemachender Busenfetischist war, sondern gleichzeitig auch ein talentierter Regisseur.

Wer ihn noch nicht kennt, unbedingt anschauen. Denn das ist ein so unglaublicher Film, dass man ihn im Leben mindestens einmal gesehen haben muss.



The Sinful Nuns of Saint Valentine (Sergio Grieco, 1974)

Ein junger Mann wird verfolgt und findet verletzt gerade noch in einem Kloster Unterschlupf. Dort hat er, wie man kurz darauf erfährt, eine heimliches Verhältnis mit einer Nonne. Und die Feindschaft der beiden angehörigen Familien erschwert die Beziehung zusätzlich. Als seiner Angebeteten dann im Kloster ein Mord in die Schuhe geschoben werden soll, eskaliert die Situation...

Nun ja, besonders berauschend war der erste Eindruck nicht, da schleichen sich zu Beginn gleich mal ein paar Längen ein. Dieses Versteckspiel, die heimliche Beziehung - das gibt nun alles nicht so viel Spannung her. Sleaze ist auch eher rar gesät, aber als wirklich ernstzunehmender Film funktioniert er halt auch nicht immer 100%ig - das ist das Problem. Doch jetzt kommt das große ABER: Gerade gegen Ende nimmt die Dramatik stark zu, teilweise kommt sogar echte Spannung auf und man bekommt noch eine recht krasse Sequenz serviert: Als nämlich das fanatischste der Kirchenoberhäupter von dem sündigen Treiben im Kloster Wind bekommt, beschließt es, die Nonnen im Kloster eimauern zu lassen - wie diese dann langsam durchdrehen, das wurde schon ziemlich beklemmend umgesetzt.
Und das Ende ist dann schlicht, aber doch gelungen. Ganz vergessen machen kann das den trägen Beginn aber auch nicht.

Bleibt noch zu sagen, dass das handwerklich alles solide umgesetzt ist - Ausstattung, Drehorte und Kulissen wurden stimmig gewählt und machen auch nicht den billigsten Eindruck und ein paar Gesichter wie z.B. Franco Ressel, dürften einem auch bekannt vorkommen. Lallo Goris Musik geht auch in Ordnung, setzt aber keine besonderen Akzente, da hab ich mir etwas mehr versprochen, wenn man bedenkt, dass selbst seine Scores zu den Fidani-Filmen oft gar nicht so schlecht sind.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 23:35 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Die fröhlichen Holzfäller der nickenden Fichten (Jean-Marie Pallardy, 1974)

Der Inhalt ist schnell erzählt: Ein Wissenschaftler ist es leid, ständig in der Öffentlichkeit zu stehen, deshalb setzt er sich auf's Land ab und gründet mitten im tiefsten Wald ein Vergnügungsparadies für Männer. Sein Sohn ist davon anfangs jedoch gar nicht begeistert und auch die Polizei will dem Treiben ein Ende bereiten...

Man hat hier das Gefühl, hier hatte ein Regisseur einfach seinen Spaß, dieser überträgt sich allerdings nicht immer auf den Zuschauer, was aber nicht heißen soll, dass der Film sich überhaupt nicht lohnt.
Die Grundidee finde ich ja ganz putzig, an Nudity und Sexszenen mangelts dem Film auch nicht. Was das betrifft, sind mir übrigens gleich Parallelen zu Russ Meyers Stil aufgefallen (allerdings ohne die großen Oberweiten). Ich kann mich dem Eindruck nicht erwehren, dass entweder Pallardy einiges von Meyer gesehen hat oder Meyer sich für seine späteren Filme bei Pallardy inspirieren lassen hat, wobei Ersteres sicher wahrscheinlicher ist. Der Humor ist eher merkwürdig, stellenweise sogar überraschend bizarr (eine der Frauen bevorzugt es, Sex mit einem Skelett zu haben! :o ), für etwas Action ist auch gesorgt zum Glück nehmen die sinnfreien Prügelszenen aber nicht überhand. Ab und an wird die Stimmung auch etwas grimmiger, dann folgt schnell wieder Klamauk und auch etwas Romantik ist dabei. Doch irgendwie funktioniert diese seltsame Mixtur doch ganz brauchbar.
Die Inszenierung ist eher grob und wenig durchgestylt, was in dem Fall aber gut passt. Die musikalische Untermalung ist sehr abwechslungsreich geraten und daher nicht immer, aber meist doch gelungen.

Wer also ein Faible für obskure Erotikfilmchen hat, kann ruhig mal einen Blick reinwerfen.



The Lickerish Quartet (Radley Metzger, 1970)

"So where does that leave us? In the dark - that's where we start and that's were we finish. In between is just a game of hide and seek."

Diese Sätze fallen gegen Ende des Films und gleichzeitig beschreiben sie ihn auch gut.

Ein Ehepaar schaut sich mit seinem Sohn einen Erotikfilm an, dabei unterhalten sie sich interessiert darüber, ob die Darsteller es wohl genießen und was für Frauen in solchen Filmen mitspielen. Kurz darauf auf einem Jahrmarkt, sehen sie eine Frau, die, wie sie meinen, der Darstellerin im Film zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie überreden sie mit auf ihr Schloss zu kommen und wollen sie dort mit dem Film konfrontieren. Doch der Film scheint nicht mehr der gleiche zu sein oder ihr Gedächtnis hat ihnen einen Streich gespielt...

Was dann folgt lässt schnell die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit sowie Realität und Illusion verschwimmen. Schon die Film-im-Film-Thematik finde ich sehr fasziniernd angelegt, doch auch sonst ist der Film so elegant in Szene gesetzt und von einer solchen bezaubernden Schönheit, dass es eine wahre Freude ist. Hier war unverkennbar ein echter Meister am Werk. Von Radley Metzger kenne ich ansonsten bisher nur die KAMELIENDAME, doch THE LICKERISH QUARTET scheint mir in so fern schon besonders interessant, da er hier mit einer größtenteils italienischen Crew gearbeitet hat. So muss man auch auf einen traumhaften und für ihn sehr typischen Score von Stelvio Cipriani nicht verzichten und darf Frank Wolff in einer Hauptrolle sehen. Sehr gut gefallen mir auch die Drehorte, denn fast der ganze Film spielt in und um dem Schloss, das mir in letzter Zeit schon in einigen Filmen aufgefallen ist. Wenn ich mich recht erinnere sieht man es auch in REINCARNATION OF ISABEL, DEVILS'S WEDDING NIGHT, MALABIMBA und sicherlich noch einigen mehr.

Ansonsten kann ich nur mal wieder sagen, dass das so ein Film ist, dem man mit Worten nur schwer gerecht werden kann. Hier zählen Atmosphäre, Stimmung und Bilder und wer bei Schlagwörtern wie Mystery, Erotik und Surrealismus hellhörig wird, der liegt hier goldrichtig.



Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein (Ramiro Oliveros, 1973)

Ich kann mich nur wiederholen, Italo-Horror aus den frühen 70ern ist immer wieder was feines. Als die Zombie-Welle noch etwas entfernt war, aber die Gothic-Masche auch schon abgenutzt war, sind einige herrliche abgefahrene Streifen entstanden. Schön klassisches Grusel-Ambiente, stellenweise durchaus stilvoll inszeniert, aber gleichzeitig mit total abstrusen Einlagen garniert, die man sich bei Hammer nie getraut hätte - genau diese Kombination macht den Reiz aus.

Einer der engl. Titel lautet FRANKENSTEIN'S CASTLE OF FREAKS. Und von Freaks wimmelts in dem Film wirklich nur so. Da bastelt Frankenstein an einem Monster, im Wald treibt sich ein Neandertaler (!) rum und sämtliche Bedienstete im Schloss haben auch ihre Macken. Diese Aufzählung beschreibt eigentlich auch schon grob die Handlung. Doch der Film hat genug Exzentrik zu bieten und es sind diese sympathisch-bescheuerten Einfälle, die das Ganze nicht langweilig werden lassen. Sehr liebenswert z.B. die Szene, als der kleinwüchsige Diener im Wald ausgesetzt wird, weil er mal wieder irgendwelchen Unsinn angstellt hat, und er kurz darauf den Neandertaler trifft, sich mit ihm anfreundet und ihm dann erstmal beibringt wie man Fleisch über dem Feuer röstet. Wer denkt sich sowas aus??? - einfach herrlich.
Ein Blick auf den Cast lohnt auch: Da ist z.B. Gordon Mitchell mit dabei, Luciano Pigozzi darf auch nicht fehlen und dass Fidanis Tochter Simonetta Vitelli eine echte Augenweide ist, muss auch mal gesagt werden.

Stimmungsvoll in Szene gesetzter Unfug, der jedem trash-erprobten Italo-Fan eine Menge Spaß bereiten sollte.

Die Raro-DVD hat erfreulicherweise engl.Ton mit an Bord und auch wenn die Sprecher teilweise kaum zu verstehen sind, dürfte man keine Probleme haben, der Handlung zu folgen.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 23:45 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Die Rache des Paten (Andrea Bianchi, 1974)

Gestern zum ersten Mal gesehen. Und was soll ich sagen - so lange es noch solche Filme zu entdecken gibt, bleibe ich dem Italo-Kino treu.
Zu Beginn hatte ich ja noch leichte Zweifel, da diese Geshichte erstmal recht unübersichltich wirkt, wer da nun zu welcher Familie gehört usw. Doch sobald Tony Aniante loslegt, merkt man, dass das alles eher nebensächlich ist, und spätestens beim ersten Auftritt von Barbare Bouchet, war ich mir sicher, hier hat Andrea Bianchi wieder alles richtig gemacht. Wie er hier Genre-Klischees auf die Spitze treibt, das mit einer Drastik würzt und nebenbei noch ein paar total behämmerte Einfälle aus dem Ärmel schüttelt - das ist einfach unvergleichlich.

Ein Regisseur wie Andrea Bianchi ist ein perfektes Beispiel dafür, wie verdammt gut das Italo-Kino sein kann. Der Mann hat ja durchaus handwerkliches Talent und Stilempfinden, ist sich aber gleichzeitig für keinen noch so überzogenen Einfall zu schade. Genau das gibt seinen Filmen so ein erfrischende Note und wer das alles ernst nimmt, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Das ist eine in sich abgeschlossene Genre-Kino-Welt, aufs Wesentliche reduziert und dann ins Extreme gesteigert.

Und da es noch keiner getan hat, möchte ich mal noch die tolle Musik von Sante Maria Romitelli erwähnen.


Mai 2010


Der schwarze Tag des Widders (Luigi Bazzoni, 1971)

Was den Film wirklich aus der Masse heraushebt ist der visuelle Stil. Schon die Sequenz vor dem Vorspann fand ich in dieser Hinsicht sehr gelungen und die Art wie hier Architektur mit eingebracht wurde, ist schon für einige einzigartige Aufnahmen gut. Trotz oder vielleicht auch wegen dieser technischen Brillanz, entwickelt sich aber auch eine eher "kalte" Atmosphäre. Und so hat mich das inhaltlich auch eher kalt gelassen. Klar gibt es immer wieder gelungene Spannungszenen, aber so richtig in seinen Bann ziehen, wie das viele andere Gialli schaffen, konnte mich der Film nicht.



Der große Schwarze mit dem leichten Knall (Giorgio Capitani, 1972)

Das war mal wieder die volle Dröhnung Italo-Humor: Überdreht, nicht immer geschmackssicher, aber doch teilweise ganz lustig. :lol:

Lando Buzzanca (meist erträglicher als Lino Banfi) spielt hier einen Mann, der von diversen Frauen in den Wahsinn getrieben wird und nun als einzige Lösung sieht, sich eine Sklavin aus Brasilien zu holen...

Sehr abstrus dabei mal wieder der Auftritt von Gordon Mitchell, der hier einen deutschen Sklavenhändler spielt, der die Einheimischen mit "Heil Kräuter" begrüßt und eine künstliche Hand hat, die ständig abfällt. Argh! :roll: :lol:
Wenn man nun die kurze Inhaltszusammenfassung gelesen hat, dann ist das vielleicht nicht gerade ein Film, den man mit einer Gruppe von Feministinnen gucken möchte. Aber wer Italo-Komödien kennt, der weiß, so derb und geschmacklos sie auch manchmal sein mögen, im Grunde sind sie doch gutherzig. Und so folgen auch bald ein paar Wendungen, die das alles wieder etwas relativieren bzw. einfach in alle Richtungen so auf die Spitze treiben, dass man hier kaum einen ernsthaften Vorwurf machen kann.
Trotzdem kann ich mir kaum vorstellen, dass sowas heutzutage noch gedreht werden könnte, daher hat der Streifen als Bonus noch einen nicht zu unterschätzenden Kuriositätenwert.

Was die Production Values angeht, wirkt das etwas höherwertiger als es ähnliche Produktionen meist sind. Da kriegt man z.B. auch ein paar Luftaufnahmen von Brasilien (?) zu sehen. Könnte aber auch Stock-Footage sein, ich bin mir da nicht so sicher. Die Musik von Piero Umiliani ist ebenso schrill wie das Geschehen, passt aber daher auch recht gut und erinnert teilweise sehr an das ebenfalls ursprünglich von ihm stammende "mah na mah na".

Eine Empfehlung verkneife ich mir mal, Italo-Komödien sind ja hier nicht ganz so beliebt. :lol: Hab mich aber schon schlechter amüsiert. Giorgio Capitani schien ein ganz gutes Händchen für Komödien zu haben, sein 1980 gedrehter ICH HASSE BLONDINEN ist einer meiner Favoriten.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 23:50 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Kleinhoff Hotel (Carlo Lizzani, 1977)

Eine Frau ist mit ihrem Mann geschäftlich unterwegs. Er steigt in seinen Flieger, sie verpasst ihren und ist daher gezwungen, die Nacht in Berlin in einem Hotel zu verbringen. Dort angekommen fällt ihr schnell ein geheimnisvoller Mann im Nebenzimmer auf, der irgendwelchen undurchschaubaren Machenschaften nachgeht...

Was sich in der Theorie noch interessant anhört, entpuppt sich leider als sehr schwerfälliger Film, der im Grunde all das bietet, was man oft im negativen Sinne mit dem Arthouse-Kino assoziiert. Ein paar Sex-Szenen gibt es, von radikalen politischen Gruppen ist die Rede, allerdings passiert im ganzen Film kaum was und so verfliegt auch das Interesse sehr schnell. Insgesamt eine sehr mühsame Angelegenheit und selbst der düstere Look wirkt irgendwann nur noch ermüdend.

Schade, der Film klang durchaus interessant, aber für mich war das nichts.



Die tolldreisten Kerle vom Löschzug 34 (Bruno Corbucci, 1968)

Was für ein Film! Das Duo Franco und Ciccio hat mal wieder zugeschlagen. Ich frage mich ja manchmal ob die auf italienisch lustiger sind, denn wenn man sich anguckt in wie vielen Filme die auftauchen (darunter auch unzählige Parodien, die es nie nach Deutschland geschafft haben), dann muss man ja davon ausgehen, dass sie zumindest in Italien mal recht populär waren. Naja, wie auch immer, in den dt. Fassungen bewegt sich der Humor zwischen absolut nervtötend und für Italo-Komödien-Fans (eine rare Spezies :mrgreen: ) gerade noch erträglich.
Auf diesen Film trifft sogar eher Letzteres zu, zwar Klamauk pur, aber wie hier abstruse Situationen auf die Spitze getrieben werden, das ist schon manchmal so dämlich, dass es schon wieder gut ist. Gelangweilt hab ich mich zumindest nicht und das ist ja auch schonmal was. In Nebenrollen kann man u.a. Lino Banfi und Enzo Andronico entdecken und die Inszenierung wirkt auch ganz kompetent.

Trotzdem nur für ganz Hartgesottene.



Mit Damenbedienung (Lucio Fulci, 1962)

Die Story dreht sich um diverse Verwicklungen im Umfeld eines Massage-Salons und auch einige Seitenhiebe auf christliche Parteien und Doppel-Moral lässt Fulci sich nicht nehmen. Zumindest in so fern ein Fulci-typischer Film, denn Kirchenkritik war ja oft in seinen Werken präsent.

Was die Komik betrifft, macht das am Anfang noch einen etwas lahmen Eindruck, aber dann steigert sich der Film immer mehr und hat letztendlich doch einige sehr schöne Momente zu bieten. Die Besetzung macht ihre Sache auch gut und in dieser Hinsicht ist mir mal wieder aufgefallen, dass selbst Franco und Ciccio ganz lustig sein können, wenn sie nur einen kurzen Auftritt haben. Für Eyecandy ist natürlich schon aufgrund des Schauplatzes gesorgt und wenn Damen vom Kaliber einer Sylva Koscina leichtbekleidet durchs Bild huschen, dann gibt's doch keinen Grund, sich zu beschweren. :lol:

Irgendwie gefällt mir die Vorstellung, dass Fulci, der den meisten Leuten nur für seine Zombie-Filme bekannt ist, auch mal solche harmlosen, aber doch sehr netten Komödien gedreht hat.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.10.2012 23:58 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Das Biest (Walerian Borowczyk, 1975)

Merkwürdiger Film!
Schon mit Stil und Einfallsreichtum inszeniert, gut gefallen haben mir auch die humorvollen Untertöne, da merkt man schon, dass sich der Film nicht zu ernst nimmt. Aber ich weiß nicht, was ich von den Szenen mit der Bestie halten soll. Einerseits bieten sie in ihrer Direktheit einen interessanten Kontrast zur sonst eher zurückhaltenden Art des Films, aber andererseits waren sie mir auch einfach ne Spur zu trashig. Da wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen. ;) Gleichzeitig hätte man dafür die mystischen Elemente der Story ausbauen und die Inszenierung mehr stilisieren können.

Der Vergleich zu Jean Rollin ist schon ganz passend, allerdings haben sich dessen Werke mir bisher auch nicht wirklich erschlossen. Normalerweise mag ich Filme, die sich nicht unbedingt an gängigen Mustern orientieren und stattdessen z.B. Traumwelten mit einbeziehen, aber für diese Art von Film ist mir das einfach zu nüchtern abgefilmt. Da fehlt mir die Atmosphäre, das Rauschhafte.



Unternehmen Wildgänse (Mario Siciliano, 1978)

Die Handlung ist schnell erzählt:
Ein Typ vermasselt ein Drogengeschäft und muss deshalb untertauchen. Kurzfristig entschließt er sich, seinen Bruder aufzusuchen, der sein Geld als Söldner verdient und angeblich auch Diamanten bei sich haben soll. Dort angekommen, wird sein Bruder allerdings von Rebellen gefangen genommen...

Ok, die Handlung bringt's jetzt nicht wirklich. Ansonsten dürfte das aber einer der sleazigsten Söldner-Streifen überhaupt sein. Man kennt da ja aus solchen Filmen, dass die Charaktere oft eine Ansammlung von Unsympathen sind, aber mit diesen Widerlingen, die einem hier präsentiert werden, treibt es Siciliano echt auf die Spitze. Da kann man wirklich lange suchen, um mal ein Fünkchen Menschlichkeit zu finden. Die Söldner scheinen einzig und allein von Habgier getrieben zu sein und betrügen sich sogar gegenseitig. Der Rassismus-Vorwurf, der dem Film öfters gemacht wird, ist allerdings mal wieder Unsinn, denn als Helden und Identifikationsfiguren taugt diese Truppe nun wirklich ganz und gar nicht. Wenn man will, kann man vielleicht sogar sagen, dass so ein Film ehrlicher ist, als so manches, was sich scheinheilig Anti-Kriegsfilm nennt. Denn auch von Verherrlichung kann hier keine Rede sein. Lediglich das Ende hat einen etwas merkwürdigen Beigeschmack.
Versteht mich nicht falsch, zu edle Absichten will ich dem Film auch nicht unterstellen. Sicher gibt's genug Szenen, die nicht unbedingt nötig gewesen wären und in denen Siciliano einfach die Sau rauslässt, aber die Botschaft, die da insgesamt mitschwingt, würde ich nicht als moralisch verwerflich bezeichnen (das merkwürdige Ende mal ausgenommen).

Pluspunkte sammeln kann auch einmal mehr die Musik von Cipriani, in den paar gefühlvollen Szenen schön dick aufgetragen und auch ansonsten ziemlich lässig. Bei den Darstellern sticht vor allem Giuseppe Castellano heraus und die Inszenierung wirkt zwar angenehm billig, aber trotzdem kompentet. Ja, auch das muss kein Widerspruch sein.

Und ein Faible für Sleaze und Trash kann bei so einem Film natürlich nicht schaden.


Gesehen via der DVD von Best EntertainmenT, die die Aufschrift "Uncut Version" trägt. Laut OFDV liefen im ital. TV zwar noch längere Fassungen, aber besser als die auf - man glaubt es kaum - 61 Minuten gekürzte DVD-Fassung (ebenfalls von Best) dürfte das allemal sein.



Die schwarze Nymphomanin (Guido Zurli, 1976)

Bei diesen Erotik-Streifen weiß man ja nie, manchmal sind sie schrecklich öde, aber manchmal bieten sie auch echt gute Unterhaltung. Dieser hier ist schon eher von der kurzweiligen Sorte.

Ajita Wilson spielt eine Reporterin, ganz ähnlich wie Laura Gemser als Black Emanuelle. Gerade ist sie an einer hohen Persönlichkeit dran, die irgendwelche ominösen Orgien veranstaltet. Nebenbei hat sie aber auch noch mit einem Trauma zu kämpfen, was bedeutet, immer wenn sie ein bestimmtes Lied hört, zerrt sie den nächstbesten Typen ins Bett. Daher wohl die Nymphomanin im Titel. ;)

Wirklich aufregend ist das alles nicht, aber der Film bietet wie gesagt doch ganz brauchbare Unterhaltung. Hier und da wird ein bisschen rumgemacht, Ivano Staccioli (bekannt aus unzähligen Western) als dekadenter Lüstling und Attilio Dottesio als Guru sind auch einen Blick wert. Ajita Wilson ist nun nicht gerade meine Traumfrau, aber sie ist ja nicht die einzige Darstellerin hier, Patrizia Webley ist da schon eher mein Fall, die bleibt diesmal aber leider angezogen. ;) Der Score ist auch nicht übel, widerholt sich aber zu oft. Und in der dt. Fassung (hab keinen Vergleich) sind auch zwei Stücke vom SHAFT-Soundtrack zu hören. Die Sleaze-Schraube wird dann lediglich gegen Ende mal etwas angezogen, aber besonders ausufernd wird es nie.

Ich sag mal, gediegene Unterhaltung für Erotik-Schund-Nostalgiker und allemal besser als Zurlis öder Western SCHNELLER ALS 1000 COLTS.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.10.2012 00:02 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Fäuste wie Dynamit (Juan Bosch, 1974)

Anthony Steffen und Fernando Sancho als ungleiches Buddy-Paar klingt ja erstmal nicht ganz schlecht. Leider wird schnell klar, hier hat man es mit einem ganz üblen Genre-Vertreter zu tun.
Der Anfang erinnert an SHANGOS LETZTER KAMPF, hier ist es allerdings Sancho, der in einem Käfig am Baum hängt und Steffen rettet ihn. Die Handlung plätschert dann relativ planlos vor sich hin. Steffen taugt als humorvoller Sidekick kaum, auch sonst ist der Humor äußerst dürftig. Die allgemein sehr billige Machart stört mich da noch am wenigsten. Ein paar ungewöhnliche Einfälle sorgen dafür, dass der Film nicht vollkommen unerträglich wird, aber viel retten können sie auch nicht. Zur Musik muss auch noch was gesagt werden: Normalerweise mag ich Marcello Giombinis experimentelle Scores (z.B. bei WEIHWASSER-JOE), aber hier übertreibt er es echt mit seinem Elektronik-Gedudel, schon im Vorspann dachte ich, ich hör nicht richtig.



Angelina - Von allen begehrt (Piero Schivazappa, 1985)

Serena Grandi - was für eine Frau! Und gleichzeitig auch der einzige Grund, sich diesen Film anzusehen.

Regisseur Piero Schivazappa hat ja auch den interessanten FEMINA RIDENS gedreht und ganz ähnlich wie in diesem Film geht es auch hier wieder um Geschlechterrollen und Machtfantasien. Serena Grandi spielt eine gelangweilte Ehefrau, die teils gewollt, teils ungewollt, in diverse sexuelle Abenteuer gerät. Wenn man den Inhalt jetzt näher analysieren wöllte, könnte man sich ein paar fragwürdige Stellen finden, aber darauf näher einzugehen scheint es mir in diesem Fall echt nicht wert zu sein.

Denn insgesamt wirkt dieses Filmchen einfach furchtbar uninspiriert und wird lediglich, wie schon erwähnt, durch die Präsenz von Serena Grandi gerade noch erträglich. Was den 80er-Look angeht bin ich zwiegespalten: einerseits bevorzuge ich ganz klar die 70er, aber andererseits hat manchmal auch dieser schmierige, geschmacklose 80s-Style was. Diese Aerobic-Kurse, diese Klamotten, die selbst die schönsten Frauen, fast schon hässlich aussehen lassen - einfach herrlich scheußlich. Der Score der De-Angelis-Brüder passt sich dem gut an, auch wenn er natürlich weit hinter ihren besten Arbeiten zurückbleibt.

Die DVD von X-Rated ist schon ewig erhältlich, von daher wundert's mich schon etwas, dass ich bisher kaum was über den Film gelesen hab, aber wenn man nicht gerade riesiger Fan der 80er oder von der Hauptdarstellerin ist, dann ist er auch wirklich verzichtbar.



Die liebestolle Sexboutique (Lorenzo Onorati, 1989)

Puh, warum sehe ich mir solchen Spät-80er-Schund überhaupt an? Soll ich wirklich was zur "Handlung" schreiben? Na gut:

Im Mittelpunkt steht ein Modegeschäft, welches allerlei scheußliche Klamotten verkauft (80er halt), allerdings werden im Hinterzimmer noch andere Dienstleistungen angeboten. Und überhaupt scheint in der Kleinstadt jeder jeden zu betrügen. Die Möchtegern-Casanovas werten ihre Eroberungen und die neuesten Gerüchte dann immer in der Kneipe aus und am Ende wird geheiratet...

Was ich mal wieder feststellen musste, ist, dass Filme aus den 80ern oft viel mehr gealtert wirken als die aus den 60ern oder 70ern. Aber das kann ja auch amüsant sein. Gar nicht amüsant sind dafür die müden Scherze, die einem hier präsentiert werden. Immerhin in den Erotik-Szenen blitzt ab und zu mal ein kleines bisschen Sinn für Atmosphäre auf. Und die schwülstige Musik passt auch dazu. Die Frauen widerum sind größtenteils keine besonderen Schönheiten.
Wirklich überzeugend ist das alles also nicht, aber da ich mit niedrigen Erwartungen rangegangen bin, waren die 80 Minuten doch gerade noch erträglich. Und selbst schlecht gealterte Filme aus den 80ern sind noch interessanter als das Meiste was heutzutage produziert wird.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.10.2012 00:08 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3740
Gender: Male
Zorro gegen Maciste (Umberto Lenzi, 1963)

Schön altmodischer Abenteuer-Schinken, der praktisch alle typischen Zutaten bietet: tapfere Helden, schöne Frauen, diverse Intrigen, scheppernde Musik, und ein zuckersüßes Happy-End darf natürlich auch nicht fehlen. Klar ist das nichts wirklich Weltbewegendes, aber solide in Szene gesetzt und einigermaßen unterhaltsam.
Pierre Brice spielt den Zorro und der geübte Italo-Fan wird auch gleich Massimo Serato entdecken, sowie Nello Pazzafini, der mal kurz in einer Kampfszene auftaucht.

Wer also mal sehen will mit was für Filmen der werte Herr Lenzi seine Karriere begonnnen hat, der trifft hier keine so schlechte Wahl.

Erfreulicherweise ist die DVD von e-m-s im Originalformat!



Ghosthouse 3 - Haus der verlorenen Seelen (Umberto Lenzi, 1989)

Diese spätern Filme aus Lenzis Schafffen habe ich bisher gar nicht weiter beachtet, bei dem bin ich allerdings vor kurzem über die Inhaltsangabe gestolpert und die hat doch mein Interesse geweckt:

Eine Gruppe von Studenten sitzt aufgrund eines Erdrutsches im Gebirge fest und kommt in einem alten Hotel unter, das, wie sie bald erfahren, eine düstere Vergangenheit hat...

Erstmal machen die Figuren und die Dialoge einen reichlich nervigen Eindruck, doch daran hab ich mich recht schnell gewöhnt. Die Machart wirkt oft etwas plakativ, doch wenn der Film nicht gerade irgendwelche Axt-schwingenden Typen präsentiert, dann gelingen ihm sogar auch ein paar wirkungsvolle, subtilere Schocks. Punkten kann auch die Location, solche Hotels finde ich als Kulisse meist sehr stimmungsvoll, und zumindest teilweise gelingt hier auch eine recht morbide Atmosphäre. Diese wird dann leider immer wieder durch jahrmarkthafte Mätzchen unterbrochen, welche sich vor allem gegen Ende steigern und dann schon langsam etwas lächerlich werden. Gleichzeitig gibt es aber auch immer wieder Szenen, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

Im Grunde könnte man den Film wahrscheinlich als THE SHINING für Arme oder bessser gesagt, als THE SHINING für Italo-Fans, die sich für keinen Schund zu schade sind, bezeichnen, doch einen gewissen Charme will ich dem Werk dann doch nicht absprechen. Mag sein, dass ich da anderer Meinung wäre, wenn als Produktionsland nicht Italien und als Regisseur nicht Lenzi draufstehen würden. Aber als Italo-Fan kann man an solche Filme nun mal kaum ganz unvoreingenommen herangehen.



Wehe, wenn die Lust uns packt (Mariano Laurenti, 1972)

Auch ein sehr schönes Beispiel für eine gelungene Italo-Komödie. VOm gleichen Regisseur, der auch den wunderbaren UBALDA, ALL NAKED AND WARM gedreht hat.
Hier hat man es mit einer sogenannten Decamerotica-komödie zu tun. Wer diesen Begriff nicht kennt: Die Bezeichnung geht auf Giovanni Boccaccios DECAMERON zurück, diese Einflüsse sollte man aber sicher nicht überbewerten, viel eher hat man sich wahrscheinlich nach Pasolinis DECAMERON gedacht, was der kann, können wir auch. Klar, ist man dabei etwas anders vorgegangen, diese später entstandenene Filme sind sicher leichter und eher dem Klamauk verschrieben, aber gleichzeitig sind sie damit auf ihre Weise vielleicht sogar unterhaltsamer. Viel hab ich aus diesem Sub-Genre leider noch nicht gesehen, aber was man aus den spärlich vorhandenen Reviews ablesen kann, ist, dass einige Leute sie zu den besten Italo-Komödien zählen.

Aber genug der Vorrede.

Bei dem Film fällt gleich von Anfang an auf, dass die ganze Machart viel hochwertiger wirkt als man das von solchen Erotik-Komödien üblicherweise kennt. So ziehen sich z.B. schöne Landschaftsaufnahmen durch den Film, Kostüme und Ausstattung sind natürlich nicht übermäßig aufwändig, aber ebenfalls passend gewählt. Alles in allem also erstmal ein Film, der wirklich ansprechend aussieht.

Der typische überdrehte Humor ist hier gar nicht mal so präsent, sicher hat man bei der Synchro den ein oder anderen Spruch hinzugedichtet, aber es hält sich glücklicherweise in Grenzen.
Die Besetzung muss natürlich auch erwähnt werden, da wäre vor allem erstmal die bezaubernde Edwige Fenech, und ich möchte nur soviel sagen: für ihre Fans bietet der Film ein paar sehr schöne Szenen. Überhaupt geht es stellenweise überraschend freizügig zu, gleichzeitiG sind diese Szenen trotzdem noch mit Stil und sehr reizvoll gemacht. Diese Balance haben nur wenige Regisseure in dem Genre gefunden, da gehört schon etwas Talent dazu! Und als ob das noch nicht genug wäre, sind auch noch Malisa Longo und Lucretia Love mit von der Partie, neben anderen attraktiven Damen, deren Namen ich nicht zuordnen kann. Und auf männlicher Seite kann man Umberto D'Orsi und Riccardo Garrone entdecken.
Unbedingt Erwähnng finden muss auch Berto Pisano, der dazu einen exzellenten Score komponiert hat.

Ja, Anfang der 70er hatten die Italo-Komödien noch Qualität, und wenn dann auch noch Edwige Fenech dabei ist und das Ganze so schön in Szene gesetzt ist, dann bleiben doch keine Wünsche offen.

Wirklich empfehlenswert, auch für Leute die sonst nicht die größten Komödienfans sind.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 319 posts ] Go to page  1, 2, 3, 4, 5 ... 11  Next

All times are UTC + 1 hour


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker