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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: GESTEHEN SIE, DR. CORDA - Josef von Báky
PostPosted: 10.11.2014 13:49 
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Hardy Krüger


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● GESTEHEN SIE, DR. CORDA! / GESTEHEN SIE, DR. CORDA (D|1958)
mit Elisabeth Müller, Hans Nielsen, Lucie Mannheim, Fritz Tillmann, Siegfried Lowitz, Eva Pflug, Paul Edwin Roth,
Alfred Balthoff, Werner Buttler, Albert Bessler, Reinhard Kolldehoff, Lore Hartling, Roma Bahn und Rudolf Fernau
ein Produktion der cCc Filmkunst | im Europa Filmverleih
ein Film von Josef von Báky


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»Die Wahrheit ist es ja gerade, die gegen mich spricht!«

Der Anästhesist Dr. Corda (Hardy Krüger) hat ein Verhältnis mit seiner Kollegin, der Krankenschwester Gabriele Montag (Eva Pflug). Als sich beide eines Abends treffen wollen, findet Dr. Corda seine Geliebte ermordet auf. Sie wurde erschlagen und in einem kleinen Waldstück abgelegt. Um einen Skandal zu vermeiden und um nicht unter Verdacht zu geraten, meldet der Arzt den Mord nicht bei der Polizei und fährt nach Hause, wo er von seiner Frau Beate (Elisabeth Müller) erwartet wird. Am nächsten Tag macht sich das Ärzte-Kollegium auf die Suche nach der Vermissten, da in der Gegend ohnehin ein Frauenschreck sein Unwesen treiben soll. Die einseitigen Ermittlungen der Polizei lassen im Endeffekt nur einen Schluss zu: Dr. Corda ist der mutmaßliche Mörder und er kommt in Untersuchungshaft, wo er peinlichen Verhören unterzogen wird. In der Öffentlichkeit wird der Fall mit Entsetzen aufgenommen und es kommt zu schnellen Vorverurteilungen, die alle Beteiligten an den Rande ihrer Kräfte bringt. Wird Dr. Corda trotz seiner Unschuld tatsächlich gestehen..?

Bereits die sehr düster wirkende Europa-Verleihmarke und die beinahe schwermütig wirkende Musik läuten gleich zu Beginn die beachtliche Atmosphäre und den eindeutigen Charakter von Josef von Bákys Kriminal-Drama ein und es bleibt insgesamt zu betonen, dass sich das hohe Niveau der Produktion in allen Bereichen auf einem konstant hohen Level abspielen wird. Der Titel lässt im Vorfeld viele Schlüsse auf den Verlauf zu und die Geschichte orientiert sich zwar deutlich in eine ganz bestimmte Richtung, lässt dabei aber viel Spielraum für alternative Inhalte, die jeweils eine geschickte Verstrickung mit dem Hauptthema erfahren. Die angesprochene Atmosphäre offenbart sich dem Zuschauer als genau so kalt wie der Operationssaal in dem man Dr. Corda bei der Arbeit sehen kann. Auch der Mord selbst, die bedrohten Existenzen, die erdrückenden Rahmenbedingungen, die facettenreichen Zeichnungen der Beteiligten und der feste Würgegriff der Polizei, wirken in ihren Schilderungen prosaisch und sehr authentisch. Von Báky erreicht mit subtilen Mitteln einen angemessenen Spannungsaufbau, der spielend ohne Whodunit auskommt und sich glücklicherweise nicht allzu vieler Schablonen bedient. Auch die empfundene Vorhersehbarkeit kann durchaus als Baustein dieser Arbeit angesehen werden, denn es kommt auf andere Komponenten an. Die zur Verfügung stehende Besetzung ist hochkarätig und staffiert "Gestehen Sie, Dr. Corda" präzise und nahezu spektakulär aus, insbesondere die auffällige Abgrenzungstaktik von Regie und Drehbuch bezüglich der Charaktere untereinander erweist sich als Aushängeschild der Produktion.

Hardy Krüger beschert dem Zuschauer in der Titelrolle besonders glaubhafte Momente, da die zu interpretierende Figur und sein Wesen miteinander übereinzustimmen scheinen. Das Fehlen von Emotion und Temperament bestätigt das allgemein bestehende Bild des Arztes, der selbst im Umgang mit seiner Geliebten medizinisch-sachlich wirkt. Von seinem Chef und den Kollegen wird er geschätzt, doch die Solidarität ihm gegenüber wird auf eine Zerreißprobe gestellt. Hardy Krüger macht seine Sache jedenfalls hervorragend, genau wie seine Film-Ehefrau Elisabeth Müller, die überraschend präzise und überzeugend zu sehen ist. Gerade sie wurde seinerzeit gerne für biedere und temperamentlose Frauenrollen gebucht und wirkte im Rahmen des Geforderten oftmals blass. Hier sieht man eine sehr ausgewogene Leistung der Schweizerin, die den Gemütszustand einer Frau in dieser Situation glaubhaft und vielleicht sogar exemplarisch darstellt. Die gehörnte Ehefrau hält zu ihrem Mann, da sie ihn von allen Beteiligten am besten kennt und an die gemeinsame Tochter denkt. Doch langsam aber sicher schlägt ihre Stabilität in Labilität um, denn sie hält der Schar von Freunden, die zu Feinden werden und der gesellschaftlichen Vorverurteilungen nur noch schwer Stand. In diesem Zusammenhang sieht man eine ähnlich angelegte Rolle von Lucie Mannheim, die zahlreiche Gesichter des mentalen Verfalls in dieser unerträglichen Situation ebenso sicher heraus arbeitet. Des Weiteren gibt es hervorragende Leistungen aus Dr. Cordas Kollegium, wie beispielsweise von Rudolf Fernau als väterlichen Vorgesetzten, oder von Eva Pflug als mittlerweile desillusionierte Frau, die die zweite Rolle in seinem Leben nicht länger spielen kann. Die Vertreter von Justiz und Gerechtigkeit fanden mit Fritz Tillmann und Siegfried Lowitz sehr glückliche Besetzungen und inszenieren eine Hexenjagd par excellence.

Da es sich nicht um den ersten Mord dieser Art handelt, sitzt den ausführenden Armen der Gerechtigkeit nicht nur die übergeordnete Stelle im Nacken, sondern vor allem die Öffentlichkeit verlangt, dass so schnell wie möglich ein Täter präsentiert wird. Mit Dr. Corda ist schließlich der geeignete Kandidat gefunden, den man den Leuten bedingungslos zum Fraß vorwerfen kann und dabei ist der Angeklagte so lange schuldig, bis zum Beweis seiner Unschuld. Diese umgekehrten Voraussetzungen und die eindringlich geschilderten Machenschaften der Polizei werden unter ein recht kritisches Licht gestellt, man braucht einen Schuldigen und wenn er es eben selber nicht zugibt, muss mit außerordentlichen Mitteln nachgeholfen werden. Hierbei glänzen Fritz Tillmann und insbesondere Siegfried Lowitz in hervorragender Schauspiellaune und sie kreieren dabei beinahe abstoßende Steigbügelhalter der Ungerechtigkeit. Als Kontrast dazu sieht man Hans Nielsen als Dr. Cordas Anwalt, der nicht lange herum fackelt und sich hervorragend mit seinen Pflichten auskennt, aber eben noch besser mit seinen Rechten und denjenigen seines Mandanten. Er reagiert ungeduldig, verschwendet keine Zeit an unnötige Diskussionen und unangebrachte Höflichkeiten, aber hält dennoch immer wieder zum Durchhalten an. Eine optimale Besetzung, die bis in die Kleinstrollen überzeugend wirkt. In "Gestehen Sie, Dr. Corda" wurde ein guter Weg zwischen kritischer Abhandlung und Unterhaltungsfilm eingeschlagen. Die solide Spannung entsteht durch ein straffes Zeitdiktat, in dem man suggeriert bekommt, dass der Angeklagte trotz seiner Unschuld jederzeit gestehen, oder schuldig gesprochen werden könnte, weil ihn die Polizei immer härter anfasst, sich die Zahl seiner Unterstützer immer schneller dezimiert und er einfach vor dem Ende seiner Kräfte steht. Auch die Gestaltung der Rahmenbedingungen wirkt sehr authentisch, viele Ortswechsel begünstigen das Tempo, die Musik arbeitet positiv ins Negative hinein und schließlich wird die Frage zufriedenstellend geklärt, was passieren muss, wenn Justitias Augenbinde mal wieder etwas zu straff sitzt. Insgesamt weiß Josef van Bákys Kriminal-Drama aufgrund seiner Ausgewogenheit, aber auch wegen der nachdenklichen Tendenzen sehr gut zu unterhalten.


Last edited by Prisma on 17.08.2020 14:03, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: GESTEHEN SIE, DR. CORDA - Josef von Báky
PostPosted: 10.08.2015 22:49 
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Basierend auf tatsächlichen Ereignissen entstand dieses Krimaldrama um einen Narkosearzt, der des Mordes an seiner Geliebten beschuldigt wird. Rasch muss Dr. Corda erkennen, dass man seinen Unschuldsbeteuerungen keinen Glauben schenkt. Es lässt sich dabei nicht leugnen, dass Corda sich selbst durch das Verleugnen seiner Beziehung zum Opfer und der Tatsache, dass er den Fundort der Leiche bereits kannte, verdächtig machte.

Die Polizei ist jedoch offenbar so sehr von Cordas Schuld überzeugt, dass entlastenden Hinweisen nicht nachgegangen wird. Cordas Frau hält zwar zu ihrem Mann, doch die Situation zerrt massiv an ihren Nerven. Der Mann in U-Haft, die Leute wenden sich ab und das "gesunde Volksempfinden" eskaliert in anonymen Anrufen, Schmiererien an der Haustür und eingeworfenen Fensterscheiben.

Während an den Darstellerleistungen nichts auszusetzen ist, erweist sich das Ende als aus dem Hut gezaubert und zu dick aufgetragen. Ein Problem hab ich auch mit der Figur der Frau Corda, die zunächst, nachdem sie von der Affäre ihres Mannes erfährt, einen Selbstmordversuch unternimmt und dann für ihren Mann (bzw. ihre Familie) wie eine Löwin kämpft, ohne dass dieser Sinneswandel erklärt würde. Und mal ehrlich, bei ihrer Biederkeit und ihrer Gottgläubigkeit ist es doch kein Wunder, dass der Gatte aushäusig Abwechslung sucht...


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 Post subject: Re: GESTEHEN SIE, DR. CORDA - Josef von Báky
PostPosted: 12.08.2015 09:44 
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ugo-piazza wrote:
Und mal ehrlich, bei ihrer Biederkeit und ihrer Gottgläubigkeit ist es doch kein Wunder, dass der Gatte aushäusig Abwechslung sucht...

Wobei man auch sagen muss, dass es sich für Elisabeth Müllers Verhältnisse hier beinahe schon um eine unkonventionelle Leistung handelt, aber eben nur vergleichsweise. Sie habe ich wesentlich temperamentloser und uninteressanter in Erinnerung, oder noch enger in gängige Frauenbilder geschnürt gesehen. Nimmt man keinen Vergleich, so hast Du aber natürlich vollkommen Recht.


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 Post subject: Re: GESTEHEN SIE, DR. CORDA - Josef von Báky
PostPosted: 17.08.2020 22:01 
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Josef von Bákys Spielfilm "Gestehen Sie, Dr. Corda!" verfügt über die typischen Zutaten damaliger Genre-Beiträge, transportiert allerdings etwas mehr Drama als Krimi, was bei der durch und durch sorgsamen Ausarbeitung aber sehr gut ankommt. Der Verlauf ist klar aufgebaut und läuft recht früh in die angekündigte Richtung, sodass sich die Schlinge um den Hals der Titelfigur immer enger zuzieht. Der Mord an einer Krankenschwester, und gleichzeitig Geliebten Dr. Cordas, schockiert nicht nur aufgrund der offensichtlichen Wahllosigkeit, sondern auch wegen der kaltblütigen Mechanik. Interessant ist die Ermittlungsarbeit der Polizei, die unter dem Druck der Öffentlichkeit einseitige Erhebungen anstellt, um endlich einen Täter präsentieren zu können - koste es, was es wolle. Die Geschichte verfügt des Weiteren über zahlreiche bekannte Stars dieses Zeitfensters, und unterm Strich werden kaum strahlende Helden in die Manege geschickt, sondern Figuren mit Ecken und Kanten. Der Inszenierungsstil des Regisseurs ist betont prekär und teils melodramatisch, allerdings bietet er auch spannende und atmosphärisch dichte Phasen an, die "Gestehen Sie, Dr. Corda!" zu einem abwechslungsreichen End-50er werden lassen. Im Besonderen stechen die Leistungen von Hardy Krüger, Hans Nielsen, Rudolf Fernau oder Siegfried Lowitz hervor, sodass man es obendrein mit einem bemerkenswerten Schauspielerfilm zu tun hat, dessen Dialogarbeit ebenso überzeugt.


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 Post subject: Re: GESTEHEN SIE, DR. CORDA - Josef von Báky
PostPosted: 13.09.2020 20:20 
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"Gestehen Sie, Dr. Corda!" (Deutschland 1958)

mit: Hardy Krüger, Elisabeth Müller, Hans Nielsen, Rudolf Fernau, Lucie Mannheim, Fritz Tillmann, Siegfried Lowitz, Eva Pflug, Jochen Blume, Alfred Balthoff, Emmy Burg, Lore Hartling, Paul Edwin Roth, Albert Bessler, Reinhard Kolldehoff, Ernst Sattler, Harry Wüstenhagen, Hans Binner, Werner Buttler, Marianne Prenzel, Roma Bahn u.a. | Drehbuch: Robert A. Stemmle | Regie: Josef von Báky

Die Krankenschwester Gabriele Montag und der verheiratete Anästhesist Dr. Fred Corda kennen sich seit ihrer Studienzeit. Nun begegnen sie sich im Krankenhaus wieder und beginnen ein Verhältnis miteinander. Als Gabriele im nächtlichen Park auf Fred wartet, wird sie von einem Unbekannten erschlagen. Fred findet ihre Leiche wenig später, meldet dies jedoch nicht, sondern veranstaltet am nächsten Morgen eine Suchaktion. Bald jedoch verstrickt er sich gegenüber der Polizei in Widersprüche und wird deshalb unter Mordverdacht festgenommen. Während seine Frau Beate versucht, ihm zu helfen, fordern Kriminalpolizei und Öffentlichkeit das Geständnis Dr. Cordas und seine Verurteilung scheint bereits festzustehen.....

Leise beginnt der Film, sachlich und nüchtern. Der Vorspann zeigt das Blättern einer unsichtbaren Hand in der Gerichtsakte Dr. Corda. Keine Musik, nur das Geräusch der umgeblätterten Seiten schweren Kanzleipapiers. Der Wechsel in die Klinik, an den Arbeitsplatz von Fred und Gabriele, deren Beziehung schwierig ist, weil sie geheim bleiben muss, zeigt ein hohes Pensum an Aufgaben, die erledigt werden müssen und die ständige Beobachtung durch Kollegen und Vorgesetzte. Man ahnt, dass die Freundschaft zum Scheitern verurteilt ist, nicht jedoch, dass sie so abrupt durch eine Gewalttat beendet werden wird. Im Gegensatz zum klassischen Kriminalfilm stehen hier weder das Opfer (für das nicht einmal der Geliebte tief empfundenes Mitleid aufbringt - Corda bleibt seltsam unberührt vom Leichenfund), noch der Täter im Mittelpunkt der Handlung. Das Sujet konzentriert sich auf den zu Unrecht Beschuldigten und dessen Kampf gegen Polizeiroutine und öffentliche Anfeindungen. Geschickt verlagern sich die Sympathien vom verbotenen Liebespaar über das Mordopfer hin zu Fred Corda und seiner Frau Beate. Die Auswirkungen einer Festnahme, einer Inhaftierung und der damit verbundenen Ächtung, das Misstrauen und der Verlust der Souveränität des Alltags werden im allgemeinen höchstens am Rande erwähnt. Während zu Beginn noch die Gegensätze zwischen dem Täter und Dr. Corda betont werden (in Status, Aussehen und Benehmen), so verharrt die Kamera im weiteren Verlauf konsequent auf dem Verlust des sozialen Lebensraums der Hauptperson, die nicht nur von Familie und Arbeit abgeschlossen, sondern auch der Willkür der Ermittler und der Anfeindung durch eine mit Halbwahrheiten ausgestattete Öffentlichkeit ausgeliefert ist. Während der Bauarbeiter die Schuld trägt, quält sich der Arzt mit Schuldgefühlen. Hardy Krügers Rolle ist ähnlich angelegt wie in "Alibi" (1958), wobei er hier ein hohes Maß an Verantwortung trägt: gegenüber den Patienten, dem Chefarzt, seiner Ehefrau und seiner sechsjährigen Tochter. Fritz Tillmann und Siegfried Lowitz zeigen ihr hässliches Gesicht als garstige Beamte, deren Erfolg nicht auf akribischer Recherche, sondern auf dem schnellen Zugriff und der Anwendung von Stereotypen beruht. Den Gegenpol als 'gute Ermittler' bilden Alfred Balthoff, dessen pensionierter Kriminalbeamter private Nachforschungen anstellt, sowie Hans Nielsen, der sehr spät, aber gewohnt dynamisch auftritt, um einen energischen Verteidiger darzustellen, eine Rolle, für die der charismatische Mime wie geschaffen ist.

Der Fokus ruht jedoch auf Elisabeth Müller und ihrer Wandlung von der verlässlichen Ehefrau, die ruhig im Hintergrund agiert, zur aufbegehrenden Akteurin, die sich nicht geschlagen geben will, wenn es darum geht, sich in das Unvermeidliche zu fügen. Ist sie zunächst vom Betrug und Vertrauensbruch des Ehemanns gekränkt, dessen Auswirkungen sie zu einem unwiderruflichen Schritt bewegen, so kämpft sie nachher umso verbissener um die Rehabilitierung des Unschuldigen und den Ruf und die Sicherheit ihrer Familie. Sie geht Wagnisse ein und stellt sich gegen das, was man von ihr erwartet. Bevor ihre psychische Gesundheit daran zu zerbrechen droht, wendet sich der Fall in einem Finale, das den Kreis schließt und die Unberechenbarkeit menschlichen Handelns zeigt. Die Kamera von Göran Strindberg fängt in allen Szenen, die den Täter und seine Verbrechen zeigen, sehr stimmige Bilder ein. Die Minuten, welche der Ermordung von Eva Pflug vorangehen, erzeugen unheimlichen Grusel, der bei der Erwartungshaltung des Zuschauers ansetzt und dessen Urangst anspricht. Der Kontrast zwischen der Einsamkeit der unglücklich Liebenden und der ausgelassenen Teilnehmer am Fasching in der Altstadt spiegelt sich in der Haltung gegenüber Dr.Corda. Die guten und die schlechten Seiten einer Voreingenommenheit im Umgang mit einem Menschen werden durch die loyale Ehefrau und die unerbittlichen Polizeibeamten aufgezeigt. Wo sich die eine Partei auf Erfahrungswerte im Umgang mit Kriminellen verlässt und keine Abweichungen von der Norm zur Kenntnis nimmt, wägt die andere Seite ab, reflektiert und revidiert das eigene Urteil, das impulsiv und aus persönlicher Betroffenheit gefällt wurde. Josef von Báky inszeniert ähnlich düster wie drei Jahre später bei "Die seltsame Gräfin". Man merkt, dass ihm die Schauspielerführung ein Anliegen ist und er ihre Verdienste über jene des Drehbuchs stellt. Emotionen werden stark herausgearbeitet und übertünchen manche dramaturgische Schwäche, die gerade gegen Ende ersichtlich wird. Da die Identität des Täters von Anfang an feststeht, entfällt der Rätselfaktor zugunsten einer Studie über die Fragilität von Bindungen und die Belastbarkeit des Einzelnen. Krüger und Müller meistern ihre Aufgabe mit Bravour, ebenso überzeugen Fernau und Pflug. Nielsen kann sich in Ermangelung einer Gerichtsverhandlung nicht so profilieren wie sonst, sorgt aber für die Beruhigung des Zusehers. Der spannende Film aus der CCC-Schmiede von Artur Brauner sorgt für Anteilnahme und Beklemmung. Sehenswert!


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 Post subject: Re: GESTEHEN SIE, DR. CORDA - Josef von Báky
PostPosted: 14.09.2020 13:59 
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Percy Lister wrote:
Da die Identität des Täters von Anfang an feststeht, entfällt der Rätselfaktor zugunsten einer Studie über die Fragilität von Bindungen und die Belastbarkeit des Einzelnen.

Normalerweise habe ich diesen Rätsel-Faktor bei Krimis schon lieber, allerdings passt der hier gewählte Weg wirklich sehr gut, da er - wie du erwähnst - auch eine Urangst thematisiert. Ein Mörder erschlägt wahllos eine wartende Frau und legt sich anschließend wieder beruhigt zu Bett. Es lassen sich keine Verbindungen zwischen Opfer und Täter herstellen, was suggeriert, dass es jede wartende oder gehende Frau am Straßenrand hätte treffen können. Das ist von Regisseur von Báky schon sehr gut, außerdem atmosphärisch dicht gelöst worden. Interessant ist in diesem Verlauf auch, dass quasi jeder vor die Frage der persönlichen Belastbarkeit gestellt wird, auch die Kriminalpolizei, die eigentlich ziemlich schnell ans Limit gebracht wird, da der Druck der Öffentlichkeit immens wird, bis man ihn schließlich abverteilt. Ein sehr interessanter und zupackender Film, den man sich bei Interesse für den deutschen Krimi wirklich einmal anschauen sollte.


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