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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: GRISELDIS - Peter Beauvais
PostPosted: 30.11.2019 16:19 
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"Griseldis" (Deutschland 1974)

mit: Sabine Sinjen, Klaus Barner, Tatjana Iwanow, Marlene Riphan, Kathrin Schaake, Andrea Schober, Heinz Ulrich, Claudia Rieschel, Friedrich von Thun, Petra Gerhardt, Betina Kalka und als Erzähler: Gert Westphal | Fernsehbearbeitung und Regie: Peter Beauvais (nach dem gleichnamigen Roman von Hedwig Courths-Mahler)

Die verarmte Adelige Griseldis von Ronach kommt als Erzieherin der jungen Gilda in das Schloss ihres Vaters, des Grafen Harro von Treuenfels. Dieser steht im Verdacht, seine Frau vergiftet zu haben und wird - obwohl mangels an Beweisen freigesprochen - von seinen Standesgenossen geschnitten. Doch Griseldis, die sich leidenschaftlich in Harro verliebt, will um jeden Preis seine Unschuld beweisen. Der jungen tapferen Frau hilft unverhofft ein seltsamer Traum, der sie auf die Spuren der dunklen Tat führt. Mit ihrer Absicht, dem Grafen uneigennützig zu helfen, begibt sie sich in größte Gefahr, denn sie durchkreuzt die hinterlistigen Pläne der eifersüchtigen Komtesse Beate....

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Hedwig Courths-Mahler, eine der meistgelesenen deutschen Autorinnen, hat über zweihundert Romane verfasst. Ihre in adeligem Milieu angesiedelten Liebesgeschichten veröffentlichte sie in der Familienzeitschrift "Die Gartenlaube", einem Blatt, das der liberal-demokratische Buchhändler und Publizist Ernst Keil im Jahr 1853 ins Leben rief. Bis zur Einstellung im Jahr 1944 trug die Zeitschrift "durch Unterhaltung und Belehrung zur Stärkung des bürgerlichen Selbstwertgefühls bei". Welchen hohen Stellenwert der Roman genießt, zeigt sich daran, dass das Hörbuch mit der Stimme einer renommierten Schauspielerin wie Christiane Hörbiger aufwartet. Die Geschichte bietet alles auf, was sich ein romantisches Herz wünscht: Düstere Elemente des klassischen Schauerromans vermengen sich gekonnt mit der gefühlvollen Schilderung einer sich anbahnenden Freundschaft zwischen der Lichtgestalt Griseldis von Ronach und dem enttäuschten Harro von Treuenfels. Der Film beginnt mit der Heimkehr Harros aus der Untersuchungshaft. Er wurde angeklagt, seine Frau Alice heimtückisch getötet zu haben. Ohne ausreichende Indizien konnte die Anklage jedoch nicht aufrecht erhalten werden, weshalb er freigelassen werden musste. Das Urteil ist für ihn wie ein gesellschaftlicher Todesstoß. Um wenigstens für seine Tochter Gilda Normalität zu schaffen, holt er eine neue Erzieherin nach Treuenfels. Griseldis von Ronach lebt seit dem Tod ihres Vaters in einem Damenstift und hat dort durch ihr sonniges Wesen bereits viel Freude ins Haus gebracht. Der Kriminalfall ist ihr aus den zahlreichen Presseberichten bekannt. Als sie nach Treuenfels kommt, gewinnt sie die Sympathien des Grafen und seiner Tochter, was der im Schloss lebenden Beate, einer unverheirateten Base des Grafen, missfällt. Griseldis zweifelt allmählich an der These, die Gräfin Alice habe Selbstmord begangen. Sie studiert die Familienchronik, besteigt einen seit vielen Jahren abgeschlossenen Turm, untersucht das Sterbezimmer der Gräfin und lässt sich ein Giftfläschchen zeigen. Ihre Nachforschungen laufen parallel zur sich steigernden Zuneigung des Grafen, dem sie jedoch vorerst nichts von ihrem Verdacht erzählt.

Sabine Sinjen ist die Identifikationsfigur für den Zuschauer. Durch ihre erfrischende Natürlichkeit, ihre ungekünstelte Heiterkeit, aber auch ihre Würde und ihr Verständnis traut man ihr nicht nur zu, das freudlose Leben in Treuenfels zu beenden, sondern auch das Rätsel um den Tod der Gräfin zu lösen. Der Liebreiz und die Anmut ihrer Erscheinung lassen sie jünger wirken als sie ist und tauchen die Schauspielerin in einen Lichterschein, der ihr eine weiche Aura verleiht, wodurch sie sich klar von ihren Konkurrentinnen Kathrin Schaake und Tatjana Iwanow unterscheidet. Sie ist der personifizierte Glücksfall, der über das herrschaftliche Anwesen gekommen ist und zerstreut alle Zweifel an der Möglichkeit einer zweiten Chance, die das Leben bieten kann. Klaus Barner überzeugt als Witwer, dem von seiner ersten Frau Hörner aufgesetzt wurden und der den Wunsch verspürt, wieder ein normales gesellschaftliches Leben zu führen. Seine unaufdringliche Art verströmt den gleichen natürlichen Charme wie seine Partnerin. Den dunklen Gegenpol dazu bildet Tatjana Iwanow als verbitterte Komtesse Beate. Sie erinnert an die bösen Frauen aus den zahlreichen Märchen der Gebrüder Grimm. Von ihrem Standpunkt aus betrachtet, sind ihre schroffe Art und ihre Angst durchaus verständlich. Ihre Ablehnung des Neuen, ihre Furcht vor dem Verlust ihrer Position, der Neid, die Eifersucht - all dies steigert sich in Hass und Mordgedanken. Ihre Verzweiflung lässt sie ihre Haltung und ihren Stolz verlieren und sie zu drastischen Maßnahmen greifen. Die Schauplätze verheißen unendliche Weite; das alte Schloss inmitten grüner Wälder verspricht ein angenehmes Leben abseits hektischen Geschäftstreibens. Die vielen Außenaufnahmen verleihen dem Film Leichtigkeit, die in den spannenden Erkundungen des alten Gemäuers ihren Gegensatz finden. Die Rückblenden in Sepia, die Filmtricks, die den Mordhergang zeigen und die gehobene, aber nie geschraubt klingende Sprache lassen die Entstehungszeit des Romans aufleben. Der Aufwand, den man Kostümen, Frisuren und Dekorationen angedeihen ließ, ist bemerkenswert und lässt das hohe Budget, das dem Film zur Verfügung stand, erahnen.

Der Film kann und will sich nicht entscheiden, ob er düstere Kriminalgeschichte oder romantische Schmonzette sein möchte. Kunstvoll greifen beide Genres ineinander und bauen unabhängig voneinander zwei Schicksale auf, die durch eine Fügung des Lebens miteinander verknüpft werden. Der Gifttod der Alice von Treuenfels hat in Adelskreisen für einen Affront gegen ihren Gatten gesorgt und liegt wie ein schwarzer Schatten auf der Familie. In Rückblenden wird das schwierige Verhältnis der Eheleute gezeigt, während parallel die junge Griseldis von Ronach frei von Gespenstern der Vergangenheit auf einem Damenstift lebt und nur darauf zu warten scheint, zu einer lohnenden Aufgabe abberufen zu werden. Die Balance zwischen den verschiedenen Stimmungen der beiden Lebenswelten wird gekonnt gehalten und bietet einen idealen Hintergrund, um die Schwächen und Stärken der Charaktere herauszuarbeiten. In Umkehrung des klassischen Musters aus dem Märchen, in dem eine hübsche Prinzessin durch einen edlen Prinzen erlöst wird, ist es nun an der Frau, heldenhaft, klug und mutig zu sein, um den Mann von einem falschen Verdacht zu erlösen und die Umstände des Todes der Schlossherrin aufzuklären. Der kriminalistische Gehalt der Geschichte ist eng mit den Gefühlen der Protagonisten verwebt und löst sich nicht nur anhand von Indizien, sondern von Verdachtsmomenten, welche bestimmte Personen in ein schiefes Licht rücken. Da Griseldis nur Gast auf Treuenfels ist und im Gegensatz zu der Polizei keine offizielle Befugnis für Ermittlungen hat, gehen ihre Nachforschungen zwar zielstrebig, doch weitaus bedächtiger voran. Immer wieder wird die Präsenz des Bösen für Augenblicke heraufbeschworen, sei es durch einen lockenden Geist aus der Familiengruft oder den glühenden Neid und die Eifersucht einer Rivalin. In satten, ausladenden Bildern schwelgt der Film in den Vorzügen seiner Schauplätze und seiner fein abgestimmten Figuren. Musik und Timbre der Erzählerstimme tragen viel zum Gelingen seiner emotional eindrucksvollen Szenen bei und sorgen für ein rundes Gesamtbild, bei dem kaum Wünsche offen bleiben. Der märchenhafte Charakter des Films wird in moderner Frische gewahrt und schwemmt Sturzbäche von Glückseligkeit über die Leinwand.


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