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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER BLINDE FLECK - Daniel Harrich
PostPosted: 09.01.2018 23:32 
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Alternativer Titel: Der blinde Fleck
Produktionsland: Deutschland
Produktion: SWR, BR, arte
Erscheinungsjahr: 2013
Regie: Daniel Harrich
Drehbuch: Ulrich Chaussy, Daniel Harrich
Kamera: Tobias Corts und Walter Harrich
Schnitt: Georg Michael Fischer
Musik: Ian Honeyman
Länge: ca. 99 Minuten
Freigabe: FSK 12
Darsteller: Benno Fürmann, Nicolette Krebitz, Heiner Lauterbach, Jörg Hartmann, August Zirner, Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Walter Hess, Anna Grisebach

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In erster Linie sollte man beachten, dass DER BINDE FLECK, wie Führmann es auch im Interview wiedergibt, ein fiktionaler Politkrimi ist. Einige der realen Namen wurden geändert, aus Köhlers Brüdern wurde eine Schwester etc. Ungeachtet dessen hält sich der Regisseur an den Ermittlungsergebnissen des Ulrich Chaussy und transportiert dem Zuschauer eine Attentatsbewältigung, die mit vielen Fragezeichen versehen ist. Entscheidend ist, dass die ungeklärten Zusammenhänge endlich der breiten Masse vermittelt wurden.

Wer sich nicht (und das werden einige sein) mit der Thematik auskennt, dem werden einige Situationen, wie der der Selbstmord von Stefan Wagner, nicht schlüssig erscheinen. Beim Fall Heinz Lembke gestaltet sich die Sache einleuchtender, da der Film die Person etwas detaillierter vorstellt und zumindest Themen wie „Wolfszeit“ ins Gespräch bringt. Begriffe wie „Gladio“ werden nicht erwähnt, aber ihr könnt schließlich alle lesen und folglich in Eigenregie dazulernen, denn ein Recherchieren anhand von Büchern wie „Blut und Ehre“, „Der Rebell“, „Unsere Stunde, die wird kommen“, „Das Oktoberfestattentat“ (im Film bleibt einiges unerwähnt) etc lohnt sich definitiv.

Fazit: Sehenswert!


www.youtube.com Video from : www.youtube.com

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 Post subject: Re: DER BINDE FLECK - Daniel Harrich
PostPosted: 10.01.2018 18:12 
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Offenbar nur Blinde unterwegs, oder hat wirklich keiner den Fehler im Thread-Titel bemerkt?


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 Post subject: Re: DER BINDE FLECK - Daniel Harrich
PostPosted: 10.01.2018 18:22 
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Stimmt, da fehlt tatsächlich ein "N" :l_coffee:


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 Post subject: Re: DER BINDE FLECK - Daniel Harrich
PostPosted: 06.09.2018 18:29 
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Richie Pistilli wrote:
Stimmt, da fehlt tatsächlich ein "N" :l_coffee:


Das war mal - wenn ich mich richtig erinnere - ein running gag bei SCHMIDTEINANDER.

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So what!

Film anschauen! Lohnt! Fürmann ist klasse!

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 Post subject: Re: DER BINDE FLECK - Daniel Harrich
PostPosted: 06.09.2018 18:45 
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sid.vicious wrote:
Das war mal - wenn ich mich richtig erinnere - ein running gag bei SCHMIDTEINANDER.

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Stimmt!

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Eigentlich dachte ich, dass der Film DER BINDENFLECK heißt... ;)


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 Post subject: Re: DER BLINDE FLECK - Daniel Harrich
PostPosted: 30.03.2020 06:37 
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Der blinde Fleck – Täter. Einzeltäter. Attentäter?
Deutschland 2013
Regie: Daniel Harrich
Benno Fürmann, Nicolette Krebitz, Heiner Lauterbach, August Zirner, Jörg Hartmann, Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Anna Grisebach, Simone Kabst, Wowo Habdank, Tessa Mittelstaedt, Isolde Barth


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Als am 26. September 1980 eine Bombe am Eingang des Münchner Oktoberfests explodiert, ist es nach 2 Stunden bereits offiziell, dass Linksextreme dahinter stecken. Wenige Stunden später muss diese Meinung zwar revidiert werden, aber nachdem nicht sein kann was nicht sein darf, wird der als Attentäter identifizierte Gundolf Köhler kurzerhand zum Einzeltäter erklärt. Verbindungen zur erstarkenden rechtsextremen Szene und der aktiven und bekannten Wehrsportgruppe Hoffmann gibt es keine! Punkt.
Der Rundfunkjournalist Ulrich Chaussy kommt ein paar Jahre später darauf, dass Gundolf Köhler überhaut nicht so menschenfeindlich, bösartig und asozial war wie von der Presse und der Polizei dargestellt, sondern im Gegenteil 2 Wochen vor dem Attentat einen Bausparvertrag abgeschlossen und eine Woche später sogar eine Band gegründet hat. Beides Dinge, die Selbstmordattentäter eher selten tun. Chaussy stellt auch fest, dass an der Geschichte, die von der bayerischen Landesregierung verteilt, und vom Generalbundesanwalt Rebmann bestätigt wird, überhaupt nichts stimmt. Er scheint auf der Spur einer Verschwörung zu sein, und wähnt sich bereits als neuer Bob Woodward oder Carl Bernstein (die beiden Reporter hatten in den 70ern den Watergate-Skandal aufgedeckt). Selbst einen Deep Throat hat er als Informanten: Der persönliche Referent des obersten bayerischen Staatsschützers lässt Chaussy die kompletten und, für die Ermittlungsbehörden, ausgesprochen kompromittierenden Vernehmungsakten zukommen. Aber im Schlepptau dieser Akten kommt allmählich die Angst zu Chaussy: Drohbriefe im Briefkasten, Autos die nachts auf dem Heimweg hinter ihm herfahren ...

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Anstatt einer Rezension: *** The link is only visible for members, go to login. *** bzw.*** The link is only visible for members, go to login. ***. Aber nein, zum Film muss man dann schon auch ein wenig was sagen. Denn der hat es einigermaßen faustdick hinter den Ohren.

Prinzipiell kommt DER BLINDE FLECK ohne große Actionszenen aus. Die Originalaufnahmen vom Tatort hauen ziemlich rein, vor allem weil die Kamera der Tagesschau damals auch noch ziemlich auf die blutigen Leichen draufgehalten hatte. Und die einzige andere Sequenz, die kurze Verfolgungsjagd auf dem Heinweg, ist bewusst sehr vage gehalten, ist es doch zu keinem Zeitpunkt wirklich sicher, dass hinter Chaussy jemand her ist. Der Film gefällt sich mehr darin, eine Stimmung der Angst und der Paranoia zu erzeugen. Sicher nicht so grandios wie etwa in Damiano Damianis ICH HABE ANGST, aber unter Oberfläche lauert die ganze Zeit dieses Unterschwellige, dieser Gedanke das da gleich was passieren könnte. Das Damoklesschwert der rächenden Neonazis.

Und genau mit dieser Stimmung punktet DER BLINDE FLECK. Muss er auch, denn nach dem Film stellt man als Zuschauer erstmal fest, dass die Dynamik etwas ins Leere weht. Es gibt keine, in einer spannenden Verfolgungsjagd gestellten Attentäter, es gibt keine Verschwörung, es existiert überhaupt nichts Greifbares. Genauso wie in es in der Realität auch war (und in genügend Fällen auch immer wieder ist), verpufft das Komplott enfach irgendwie. Chaussy bekommt Angst und lässt die gefährlicher werdende Jagd sein. Zack aus. So wie es jeder normale Mensch tun würde. Warren Beatty in AUGENZEUGE EINER VERSCHWÖRUNG mag vielleicht als Idol einer Reportergeneration dienen, aber in der Wirklichkeit gibt es solche Männer halt einfach nicht. Oder zumindest nicht so oft. Auf Rudolf Augstein und die Spiegel-Affäre 1962 möchte ich hier explizit hinweisen ...

Das heißt DER BLINDE FLECK bleibt recht nah an der Wirklichkeit, zumindest so wie ich es im Artikel der Wikipedia lese. Einiges ist aus dramaturgischen Gründen gestrafft, anderes wird fortgelassen, das ist nichts Neues. Aber dass Ulrich Chaussy am Drehbuch mitgearbeitet hat, dies ist deutlich zu merken. Ein unbedingter Wille zur Realität durchzieht den Film, und hinterlässt gerade duch die Abszenz von Höhepunkten viel mehr Eindruck, als wenn solche künstlich eingebaut worden wären. Die handelnden Figuren, vor allem der oberste Landesschützer Hans Langemann (Heiner Lauterbach) und sein Referent Meier (August Zirner), sind geradezu perfekte graue Eminenzen hinter den Kulissen. Keine exaltierten Fantasiegestalten, sondern Menschen, die allen Ernstes denken, dass sie ihrem Lande dienen indem sie Lügengeschichten erfinden, offensichtliche Staasfeinde schützen, und dies gegen alle Widerstände durchboxen. Ganz stark ist auch der Auftritt von Udo Wachtveitl als Quick-Reporter Werner Winter, der ohne großen Aufwand und ohne temperamentvolle Exzesse sehr überzeugend das andere, das hässliche Gesicht des Journalismus zeigt. Desjenigen Journalismus, der Wahrheiten über die Nicht-Existenz des Klimawandels, die Gefahr von Impfungen oder die latente Kriminalität von Nicht-Weißen verbreitet ...

So oder so kämpft(e) Chaussy in Film und Wirklichkeit gegen Windmühlen. Auf diese Windmühlen wird dann auch am Ende des Films in einem eleganten Schlenker Bezug genommen, wenn ein Verweis auf die NSU-Morde eingebaut wird, der belegt, dass das rechte Auge des Staates schon immer ein gutes Stück blinder war als das linke. Und dass Zeugen auch in den 80ern bereits eingeschüchtert, nicht ernstgenommen oder gar verunglimpft wurden, wenn gute und solide Zeugenaussagen dem Staat gerade nicht in dem Kram passen. Die sogenannten Pannen der NSU-Ermittlungen werden als alte Bekannte gezeigt, die sich durch die Geschichte der Bundesrepublik (und nicht nur der) ziehen, und ein schales Gefühl von Hilflosigkeit und verzweifelter Wut erzeugen. Geschichte wiederholt sich eben doch ...

Ein Polit-Thriller der ruhigen und gefassten Art, der nach seiner Veröffentlichung viel zu unbeachtet blieb. Was unbedingt geändert werden sollte ...

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7/10

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Last edited by Schmutziger_Maulwurf on 31.03.2020 06:23, edited 2 times in total.

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 Post subject: Re: DER BLINDE FLECK - Daniel Harrich
PostPosted: 30.03.2020 22:12 
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Dann hat sich die Sichtung doch gelohnt! Bunderepublikanischer Terror ist in den 1970ern und 1980ern im Vergleich zum italienischen Terror recht gut überschaubar. Bei den Italienern waren mehr Gruppierungen aktiv, sodass ich absolut keinen Plan davon habe. Aber mit Sicherheit ein sauspannendes Thema.

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 Post subject: Re: DER BLINDE FLECK - Daniel Harrich
PostPosted: 31.03.2020 17:56 
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sid.vicious wrote:
Dann hat sich die Sichtung doch gelohnt! Bunderepublikanischer Terror ist in den 1970ern und 1980ern im Vergleich zum italienischen Terror recht gut überschaubar. Bei den Italienern waren mehr Gruppierungen aktiv, sodass ich absolut keinen Plan davon habe. Aber mit Sicherheit ein sauspannendes Thema.

Oh ja, ein absolut lohnender Film!
Rechtsterrorismus war in den 70ern und 80ern glaube ich genauso unübersichtlich wie in Italien. Von polemisierenden Absplitterungen der NPD bis zu militanten Gruppierungen à la Wehrsportgruppe Hoffmann dürfte das ganze Spektrum vorhanden gewesen sein. Deine gelegentlichen Buchtipps, die ich bisher sträflicherweise noch nicht angegangen bin :oops: , erzählen genau dieses Lied: Viele kleine und große Grüppchen, und der Verfassungsschutz immer mittendrin. Sauspannend bestimmt, aber garantiert auch angsteinflößend ...

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