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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: AUFTRAG: MORD - Dieter Lemmel
PostPosted: 11.11.2018 10:19 
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"Auftrag: Mord" (Deutschland 1970)
mit: Walter Wilz, Friedrich G. Beckhaus, Hannelore Schroth, Reinhard Kolldehoff, Fritz Suppan, Frank Straass, Werner Schumacher, Susanne Beck, Manfred Reddemann, Renate Schubert, Heinz Rippert, Anke Kröning u.a. | Drehbuch: Bruno Hampel | Regie: Dieter Lemmel

Otto Grolbek hat vor ein paar Monaten das Lokal von Vera Zinn übernommen, die nach Portugal ausgewandert ist. Dafür soll der junge Mann ihr monatlich DM 3000 auf Leibrente bezahlen. Mittlerweile bereut er die Vereinbarung, weil er unterm Strich draufzahlen wird, wenn Frau Zinn ein hohes Alter erreichen sollte. Grolbek wendet sich an seinen alten Bekannten Janos Klewe, den er schon einmal in einer Strafsache gedeckt hat. Nun soll er für ihn Vera Zinn ermorden und ihren Tod wie einen Selbstmord aussehen lassen. Klewe reist nach Portugal und sucht die Frau in ihrem Haus auf. Doch dann kommt es zu einer Wendung, mit der Otto Grolbek nicht gerechnet hat....

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Walter Wilz steht im Mittelpunkt des Fernsehkrimis, der eine seiner letzten Arbeiten als Schauspieler war. Zur ZDF-Ausstrahlung im September 1970 berichtete das "Hamburger Abendblatt", dass Wilz im Mai 1970 eine eigene Fernseh- und Theaterproduktionsfirma namens "Zero" in München gegründet hatte und eine siebenteilige Dokumentarfilmserie über Afrika drehte. Der Schauspieler war also dabei, sich ein zweites Standbein zu schaffen und verlagerte seine Arbeit hinter die Kamera. "Auftrag: Mord" sollte ursprünglich der Pilotfilm zu einer ganzen Serie werden, ermittelnder Beamter war Reinhard Kolldehoff als Kommissar Mungowski. Der TV-Sender wollte seinem Erfolgsformat "Der Kommissar" mit Erik Ode wohl nicht Konkurrenz machen und setzte deshalb die bereits vorhandenen Bücher von Autor Bruno Hampel nicht um. Dabei handelt es sich bei dem vorliegenden knapp neunzig Minuten langen Kriminalfilm um eine spannende, schnörkellose Mordgeschichte, die neue Facetten der Darsteller zeigt, die hier gegen ihr Image besetzt worden sind. Sympathieträger Walter Wilz zeigt einen eiskalt berechnenden Charakter ohne Skrupel, der sich finanziell verspekuliert hat und nun nach einem eleganten Ausweg sucht. Geschickt schafft es das Drehbuch, Otto Grolbek zur Identifikationsfigur aufzubauen, wobei auch die Kameraführung nicht unwesentlichen Anteil hat. Walter Wilz' Gesicht wird häufig in Nahaufnahme gezeigt, sein Profil ist kantiger und männlicher geworden ist. Die düstere Rolle steht ihm gut und entlockt seinem Repertoire morbide Akzente, die ihn reifer und überlegener wirken lassen. Sein Otto Grolbek ist ein Mann, der unnahbar und unbequem agiert und keine Freundschaften, sondern Zweckbündnisse schließt.

Eröffnet der Krimi noch unter den Vorzeichen von Rebellion und Vandalismus, so zeichnet sich bald ab, dass der Geschädigte dabei ist, den Spieß umzudrehen und seinerseits jemandem zu schaden. Das Drehbuch hält mehrere solcher ausgeklügelter Schachzüge bereit und hält das Publikum mit einigen überraschenden Wendungen bei Laune. Die Konzentration auf das Vertuschen und Spurenverwischen macht den Zuschauer zum Komplizen, der sich recht bald mit dem männlichen Hauptdarsteller identifiziert. Reinhard Kolldehoff hat es zunächst schwer, sich gegen den charismatischen Täter zu profilieren, überzeugt dann aber durch hartnäckiges Hinterfragen jedes Details und elegantes Auslegen von listigen rhetorischen Fallen. Gab es im Mittelteil einen kleinen Durchhänger, der vor allem der Ratlosigkeit nach dem missglückten Anschlag geschuldet war, so messen sich Wilz und Kolldehoff bald offen miteinander und zeigen dabei ein Katz- und Mausspiel, wie man es sich für ein intelligentes Verhör wünscht. Hannelore Schroth inszeniert ihre Vera Zinn als kurzfristig verunsicherte Frau, die gern glauben würde, dass alles ins Lot kommt, aufgrund schlechter Erfahrungswerte jedoch misstrauisch und vorsichtig geworden ist. Dennoch kommt sie weitgehend den Vorgaben ihrer Umgebung nach, weil sie keine Fehler machen und vor allem nicht auffallen will. Susanne Beck hat eine kleine Rolle als schusselige Autofahrerin, deren zufällige Beobachtung später ein wichtiges Indiz liefert. Die Stimmung ist vergleichbar mit "Der Kommissar" und "Das Kriminalmuseum", wobei die Aufnahmen in Portugal für einen abstrakten Gegenpol sorgen, der das potenzielle Mordopfer noch mehr isoliert und der Anonymität aussetzt.

Vielversprechender Auftakt zu einer nie realisierten Krimiserie, die mit dem schwerfälligen Reinhard Kolldehoff einen Ermittler bietet, den man nicht unterschätzen sollte und mit Walter Wilz einen enigmatischen Schauspieler in die Waagschale wirft, dessen Auftritte stets gern gesehen sind.


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