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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER - Werner Klingler
PostPosted: 26.05.2012 09:53 
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Alternativer Titel: Ein Toter packt die Koffer
Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
Produktion: CCC Filmproduktion GmbH
Erscheinungsjahr: 1962
Regie: Werner Klingler
Drehbuch: Percy Allan
Kamera: Richard Angst
Schnitt: Walter Wischniewsky
Musik: Gert Wilden
Länge: ca. 85 Minuten
Freigabe: FSK 16
Darsteller:
Joachim Hansen: Inspektor Robert Finch
Senta Berger: Susan Brown
Hans Reiser: Humphrey Curtis, Kriminalwissenschaftler
Leonard Steckel: Dr. Daniel Bransby, Arzt
Peter Carsten: Ponko, ein Bettler
Chris Howland: Arnold Wickerley
Helga Sommerfeld: Lissy, Sängerin
Stanislav Ledinek: Kudernacz
Elfriede Irrall: Diana
Kurt Waitzmann: Geschäftsführer der Soho-Bar
Heinrich Gies: Chefinspektor Ellison
Hans W. Hamacher: Sergeant Cannings



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Sobald die gepackten Koffer bereit stehen, heißt das für den Jenigen, der sie vorgesetzt bekommt, dass er in den nächsten Minuten getötet wird. Dieses wird mit einem Messerwurf praktiziert. Scotland Yard findet heraus das die Morde mit der Droge Meskadrin zusammenhängen. Die Spuren führen von London nach New York.

Werner Klingler drehte „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ in West-Berlin. Dieses war die erste von insgesamt zehn Bryan-Edgar-Wallace-Verfilmungen.

Mit einer schönen Akustik, nämlich dem Einsätzen von Paukenschlägen wird dem Zuschauer der erste Mord angekündigt. Die verheißungsvolle Ouvertüre lässt jedoch eher ein durchschnittliches Werk folgen, dem es vereinzelnd an Logik mangelt.

Natürlich muss man nicht auf die klassischen Werte verzichte. Somit bekommt der Zuschauer in einigen der Außenaufnahmen, den stets geliebten Nebel zu sehen und auch der ominöse blinde Rollstuhlfahrer durchkreuzt mit den Worten: „Streichhölzer, Rasierklingen, Streichhölzer, Rasierklingen“, die Straßen von „London“. Das diese Straßen allerdings auch von Chris Howland in der Rolle des „Tonjägers“ Arnold Wickerley betreten werde, ist eine ziemlich gemeine Absicht von Werner Klingler. Das was Chris Howland in dieser Rolle abliefert, geht ehrlich gesagt überhaupt nicht. Von Humor ist dieser Part äußert weit entfernt und sein penetrantes Aussprechen des Wortes „Ende“ treibt den/ die vor dem Bildschirm/ Leinwand Sitzende/n fast zur Weißglut, denn Howland ist alles andere als lustig.

Weg vom gebürtigen Londoner hin zu Joachim Hansen in der Rolle des Inspektor Robert Finch. Dieser zeigt sich zu Anfang eher zurückhaltend. Finch ist auf die Eingebungen Anderer angewiesen und versucht so das Rätsel zu entschlüsseln. Nachdem er allerdings auf Susan Brown (gespielt von Senta Berger) trifft, driftet Finch in ein ungesundes Selbstbewusstsein ab. Dieses wird von Taktlosigkeit und Unkonzentriertheit begleitet. Joachim Hansen die Rolle des Inspektors abzunehmen fällt wirklich nicht leicht.

Senta Berger macht ihre Sache als Susan Brown recht ordentlich, kann allerdings nicht ansatzweise mit Karin Dor konkurrieren.

Hans Reiser hat in der Rolle des Humphrey Curtis ein paar gute Momente zu verbuchen. Man freut sich zumindest wenn er ins Bild kommt, da Curtis ein zwielichter und unberechenbarer Charakter ist.

„Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ hat unter dem Strich das Problem, dass der Film zu langsam in die Gänge kommt. Wenn es dann endlich soweit ist und die Spannung aufgebaut wurde, verliert der Film sich in Hektik und Unlogik. Die Ereignisse überschlagen sich förmlich und es wird somit einiges an Potential verschenkt.

Fazit: Ein durchschnittlicher deutscher Kriminalfilm, der mit einem überflüssigen Chris Howland und unfreiwilligem Humor nicht richtig zu überzeugen weiß.

6/10

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER - Werner Klingler
PostPosted: 26.05.2012 14:47 
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Habe den Film schon ewig nicht mehr gesehen und er hat keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Fand ihn auch etwas langweilig. An Chris Howlands Auftritte kann ich mich gar nicht mehr erinnern.

In Frankreich hatte er 634.200 Besucher. Für einen Krimi aus Deutschland kein schlechtes Ergebnis.
In Spanien wurde immerhin die 100.000-Marke überschritten.
Irgendwas muß der Film dann ja wohl haben.

Klingler hat dann im Anschluss "Das Testament des Dr. Mabuse" gedreht. Der ist um Klassen besser.


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER - Werner Klingler
PostPosted: 31.05.2012 22:47 
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Ein offenbar sehr günstig abgedrehter Testballon um die Möglichkeit zu prüfen mit dem Namen von Edgar Wallace' Sohn Bryan Edgar Wallace Erfolge im Kino feiern zu können. Obwohl 1962 produziert, sieht der Film altmodischer aus, als der 1959 gedrehte Erstling der Edgar Wallace-Reihe der Rialto "Der Frosch mit der Maske". So schön es auch ist, dass hier mal Alternativen zu Fuchsberger und Co geboten werden, so schade ist es auch, dass Hansen ein farbloser Akteur ist und das Ganze unheimlich dröge und holprig inszeniert wurde. Kann in keinster Weise den offiziellen Wallace-Filmen das Wasser reichen. Dass Howland keine ernsthafte Arent-Konkurenz ist braucht man da gar nicht erwähnen. ;)
Kann da nicht mehr als 4 von 10 Punkten zücken!
Nach dem zufriedenstellenden Erfolg des Films griff Brauner dann aber für den zweiten Teil der Reihe, zumindest für seine Verhältnisse, richtig tief in die Tasche und konnte so mit "Der Würger von Schloss Blackmoor" qualitativ zu den Rialto-Filmen aufschließen, auch wenn das Ergebnis dann eher als geglückte Kopie denn als gute Alternative funktionierte.


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER - Werner Klingler
PostPosted: 01.06.2012 09:33 
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Kurzkommentar aus der Gruft:



Das Geheimnis der schwarzen Koffer (Deutschland 1962, Originaltitel: Das Geheimnis der schwarzen Koffer)

Inspektor ohne Durchblick

London wird von einer merkwürdigen Mordserie in Atem gehalten. Reisende finden ihre Koffer gepackt vor, wenig später werden die Herrschaften durch einen gezielten Messerwurf ins Jenseits befördert. Der leitende Ermittler, Inspektor Robert Finch (Joachim Hansen), ist sich zwar durchaus bewusst, dass er es mit einen Serienkiller zutun hat, doch es scheint keinerlei Verbindung zwischen den Opfern zu existieren. Selbst der erfahrene Kriminalexperte und Schriftsteller Humphrey Curtis (Hans Reiser), kann dem Inspektor keine hilfreichen Hinweise geben. Eine erste Spur führt Finch in die Praxis des Mediziners Dr. Bransby (Leonard Steckel), wo er auf dessen attraktive Mitarbeiterin Susan Brown (Senta Berger) trifft. Während der Doc offenbar nur zufällig mit zwei Opfern der Mordserie in Kontakt kam, erregt Susan zumindest die privaten Interessen des Kriminalisten. Weitere Morde geschehen, der öffentliche Druck auf Scotland Yard wächst. Finch unternimmt gar einen kurzen Abstecher in die USA. Er hofft auf die Hilfe des FBI, denn die Amerikaner halten einen brisanten Fall unter Decke, den man am liebsten totschweigen würde. Zurück in London, erweist sich der Vetter des Inspektors als unerwartete Unterstützung. Arnold Wickerley (Chris Howland) -besagter Vetter- läuft ständig mit einem Mikrofon durch die Gegend, er nimmt mit grosser Leidenschaft alle erdenklichen Geräusche auf. Eine dieser Aufnahmen lässt Finch die Ohren spitzen...

Der grosse Erfolg der Edgar Wallace Filme aus dem Hause Rialto, veranlasste den Mitbewerber Artur Brauner dazu, sich den Namen Bryan Edgar Wallace zu sichern, immerhin der -ebenfalls schreibende- Sohn des legendären Edgar Wallace. "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" ist der erste Film aus dieser Reihe, die von Brauners CCC-Film produziert wurden. Wirklich rund läuft die Maschine noch nicht, im Vergleich zu den Rialto Produktionen, haben die schwarzen Koffer ganz klar das Nachsehen. Dabei ist die Handlung keineswegs schlecht erdacht, nur hapert es immer wieder an der Umsetzung, teils schwächelt die blasse Besetzung. Ein paar herrliche, atmosphärisch dichte Szenen erfreuen den Fan, doch selbst diese Momente kranken an Detailmängeln, wie z.B. der oft nach "Kirmes" tönenden Musik.

Filme dieser Machart, leben in erster Linie von ihrer Atmosphäre und interessanten Charakteren. Dem Ermittler kommt dabei eine -in jeder Hinsicht- tragende Rolle zu. Während uns Rialto mit Schauspielern wie Joachim Fuchsberger verwöhnt, wirkt Joachim Hansen wie ein müder Abklatsch von Blacky, selbst Heinz Drache versprührt mehr Charme. Es mangelt Hansen an Profil und Ausstrahlung, da hilft es auch nicht, wenn Senta Berger als Love Interest herhalten muss. Die Chemie zwischen den Hansen und Berger gibt kaum mehr als eine leichte Verpuffung her. Noch schwerer wiegt allerdings, dass der Inspektor als Kriminalist ein Versager ist. Ständig stellt sich die Frage, wieso der Bursche es nicht schafft, die Fäden endlich zusammenzufügen. Da bietet die von Hans Reiser gespielte Figur weitaus mehr Unterhaltungswert und Griffigkeit, gleiches gilt für den zwischen knurrig und freundlich schwankenden Leonard Steckel. Chris Howland muss als Eddi Arent Ersatz herhalten, was ihm leider zu keiner Zeit gelingt. Sicher, auch Arent wurde in manchen Rialto Filmen zur Last, war jedoch meist für einige Schmunzler gut. Howland kommt in zu debiler Verfassung daher, seine Anwesenheit halte ich für absolut verzichtbar. Aaaaber... Immerhin schenkt uns Brauner ein Date mit Senta Berger. Frau Berger spielt ihren Part unaufgeregt und solide runter, sticht nicht wirklich hervor. Zu voller Schönheit erblühte sie erst in den Folgejahren, ähnliches gilt für ihre schauspielerischen Möglichkeiten.

Wer von den Edgar Wallace Streifen nicht genug bekommen kann, findet in den Epigonen eine -mehr oder weniger- gelungene Ergänzung. "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" lohnt sich nur für unersättliche Fans der Filme, Einsteigern möchte ich von diesem Werk eher abraten. Universum bietet den Film im Rahmen der "Bryan Edgar Wallace DVD Collection 1" an, dort liegt der Film ungekürzt und in schöner Qualität vor. Im Bonusmenü findet man eine kleine Featurette, in der Artur Brauner, Chris Howland und Eva Ebner zu Wort kommen. Die Box enthält zwei weitere Filme aus der Reihe:

• Der Würger von Schloss Blackmoor
• Das siebente Opfer

Als Ausfall möchte ich "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" nicht abtun, doch zu Begeistungsstürmen kann mich der Film zu keiner Zeit hinreissen. Gute Ansätze sind vorhanden, zumindest der geneigte Fan, sollte diverse "Wohlfühlmomente" für sich entdecken können.

Selbstverständlich möchte ich auch diesen Streifen nicht missen, doch bis zur nächsten Sichtung wird einige Zeit vergehen. Letztlich reicht es für knappe 5/10, die bereits einen kleinen Sympathieaufschlag beinhalten.

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Blap V 3.0 regaining paradise

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Vom Ursprung her verdorben


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER - Werner Klingler
PostPosted: 28.04.2014 15:00 
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DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER

● DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER (D|1961)
mit Joachim Hansen, Senta Berger, Hans Reiser, Leonard Steckel, Helga Sommerfeld, Stanislav Ledinek sowie Chris Howland und Peter Carsten
eine Produktion der cCc Filmkunst | im Gloria Filmverleih
nach Motiven von Bryan Edgar Wallace
ein Film von Werner Klingler


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»Wie es einem so geht wenn man im Leichenschauhaus liegt...«

Eine beunruhigende Mordserie hält London in Atem. Ein Serienkiller geht stets nach dem gleichen Strickmuster vor, indem er seine Ofper warnt, und deren Koffer packt. Sein Markenzeichen ist ein exotisches Wurfmesser, das er mit hoher Präzision bedient, und den Todeskandidaten genau ins Herz trifft. Die Polizei tappt im Dunkeln da es zwischen den Toten keine Gemeinsamkeiten zu geben scheint, und die Zusammenhänge fehlen. Inspektor Finch (Joachim Hansen) arbeitet sich in Kleinstarbeit durch den mysteriösen Londoner Nebel und gelangt langsam aber sicher zu wichtigen Erkenntnissen. Hinter der Mordserie scheint die synthetische Droge Meskadrin zu stehen, die ihn zu dem undurchsichtigen Arzt Dr. Bransby (Leonhard Steckel) führt. Hat dieser tatsächlich mit den Verbrechen zu tun, oder befindet sich Finch auf einer vollig falschen Fährte..?

Man darf es ja sagen wie es ist. Zwar ist der Grundstein mit "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" ein richtiggehend langweiliges Kapitel für die Bryan Edgar Wallace-Reihe, und entstanden ist ein durch und durch unspektakulärer Film, aber es kam ja glücklicherweise zu deutlichen Steigerungen, die nicht lange auf sich warten lassen mussten. Egal wie es Artur Brauner im Endeffekt auch machte, der Impuls zu Kritisieren startet immer wieder gerne ein Überholmanöver. Einerseits kam es oft zu dem Vorwurf, man würde die echte Wallace-Reihe nur kopieren, ließ man diesen Aspekt außen vor und kam mit einem eigenständigen Konzept daher, war es nicht gut. Ich schätze seine Experimentierfreudigkeit zwar sehr, muss aber dennoch zugeben, dass ich mir in diesem Fall eine hemmungslose Kopie lieber gewünscht hätte, vor allem in Sachen Darsteller und Regie. Als direktes Konkurrenzprodukt, aber auch als eigenständige Version, ist Werner Klinglers Arbeit jedenfalls nahezu unbrauchbar, da es trotz neuer Impulse keine wirklichen Inspirationen gibt, und man im Rahmen des Aufwindes offensichtlich ein, zwei Schritte zurück ging, um wesentlich altmodischer und noch zäher zu inszenieren, als es oft zur Entstehungszeit noch üblich war. Aber Werner Klingler lieferte ja bereits mehrere Expertisen dieser Art ab, oder es kamen noch weitere hinzu. Es ist mehr als erstaunlich, dass dieser Plot, den ich für einen der interessantesten Varianten dieser Reihe halte, eine so unterdurchschnittliche Bearbeitung, und ein so schwaches Ergebnis erfahren musste, denn Kapazitäten wurden hier am laufenden Band liegen gelassen, oder erst gar nicht registriert.

Umstritten bleibt die Liste der beteiligten Darsteller, die für meinen persönlichen Geschmack kaum erbauliche Leistungen präsentiert. Unter Werner Klinglers Regie glaubte ich diesbezüglich immer wieder einen besonders fatalen Fall von entgleistem in Szene setzen seiner Protagonisten zu verspüren, besonders was die Darstellerinnen anbelangt. In diesem mehr als wichtigen Bereich fehlte ihm offensichtlich komplett das Gespür, denn die meisten Frauenrollen wirken wie biedere Karikaturen aus einer Zeit, die dem Vernehmen nach doch längst vorbei gewesen sein sollte. Als Bestätigung der Regel sind hier unbedingt seine Versionen von "Das Testament des Dr. Mabuse" (1962) oder die völlig misslungene Verfilmung von "Lebensborn" (1961) zu nennen, die sowohl Senta Berger erneut, als auch beispielsweise Maria Perschy oder Marisa Mell absolut uninteressant präsentieren. Die weibliche Hauptrolle mit Senta Berger wirkt hier jedenfalls beinahe uninteressant, und hätte meines Erachtens von Kollegin Helga Sommerfeld ebenso gut interpretiert werden können. Es ist nicht nachzuvollziehen dass man die Möglichkeiten einer Senta Berger, die ohne jeden Zweifel eine der interessantesten und ansprechendsten Darstellerinnen dieser Zeit war, einfach nicht wahrnimmt. Dass ihre mutmaßliche Liaison in diesem Film nicht im Geringsten funktioniert, möchte ich gar nicht einmal Partner Joachim Hansen in die Schuhe schieben, es liegt einfach an einer der uninteressantesten Frauenrollen, die ich von Berger, oder womöglich überhaupt gesehen habe.

Joachim Hansen hat schon viel Kritik einstecken müssen, was für mich allerdings kein Grund ist, nicht genau dort weiter zu machen. Der Eindruck der Erst-Ansicht bleibt leider bestehen, denn die Inspektor-Figur ist ihm einfach nur sehr schwer abzunehmen. Dass er inkompetenterweise einen Fall nach Zufallsprinzip lösen kann, ist dabei gar nicht so schlimm, denn diese Variante hat es ja in derartigen Produktionen dutzendfach gegeben. Nein, es liegt tatsächlich und ausschließlich an seiner Ausstrahlung, die quasi nicht vorhanden ist. Er hat nicht den Charme, eine Senta Berger zu beeindrucken, die es jedoch nach Drehbuch vorgaukeln muss, er besitzt nicht den Witz und transportiert keine wache Kombinationsgabe, um einen schwierigen Fall zu lösen, kurz und schlecht, er liefert keinerlei Identifikationspotential für den Zuschauer. Aber genau so verhängnisvoll geht es mit den übrigen Darstellern weiter. Die oft gelobten Hans Reiser und Leonard Steckel wirken auf mich so, als seien sie direkt einer angestaubten Theater-Mottenkiste entsprungen, sie bedienen die Vorhersehbarkeit und passen sich einem überaus altmodisch wirkenden Gesamtbild nahezu perfekt an. Auch Peter Carstens Schlüsselrolle wirkt leider belanglos, und Chris Howland als "Tonjäger" hinterlässt einen schrecklich Nerven aufreibenden Eindruck. Als Expertin für eine Horror-Darbietung aus dem Schreckenskabinett erweist sich neben ihm jedoch Elfriede Irral als diesbezügliche, ungekrönte Königin, und ihre Show konnte sich auch nach all den Jahren nicht beruhigend setzen. Stanislav Ledinek ist einer der wenigen, der hier mit einer zwar dick aufgetragenen, aber interessanten Leistung für etwas Freude sorgen kann, doch die insgesamt konservative Besetzung sorgt bei Weitem nicht für Freudensprünge und wirkt schlussendlich ermüdend und in vielen Fällen sogar austauschbar. Lediglich bei den kleineren Nebenrollen gibt es durchweg ganz annehmbare Leistungen.

Schön, dass es kaum Filme gibt, die nicht auch positive Aspekte zu Tage bringen. Die Musik von Raimund Rosenberger unterstützt die wirklich gelungene Bildgestaltung mit ihren schweren Klängen, die bei einsetzendem Spinett sogar leicht hysterische Formen annimmt, sehr gut, und bestärkt das Gezeigte durchaus adäquat, obwohl man es sicherlich nicht mit einem Ohrwurm zu tun bekommt. Überhaupt kam es in dieser Produktion zu einigen Veranschaulichungen, die Zeit bezogen nicht unbedingt Alltäglichkeit vermitteln, wie etwa der Club mit passender erotischer Nummer, auch das Laboratorium stellt einen adäquaten Kontrast zu den oftmals spartanischen Innen-Schauplätzen dar, die Verfolgungssequenz durch den nebligen Park vermittelt vertiginöse Zustände, die gepackten Koffer und die damit verbundene Warnung des Mörders zelebrieren eine bemerkenswerte Atmosphäre. Auch das aufblitzende Messer des zunächst Unbekannten sorgt für Kopfnicken, wobei die Ausarbeitung der Todesszenen ebenso einen Tribut an den Trash darstellt, wie die fast zehn Jahre später entstandene Version des Spaniers Jess Franco. Als bescheiden zu bezeichnen sind hingegen die aufgesetzt wirkenden Dialoge, die weder eine Note von Situationskomik, noch doppeltem Boden vermitteln können, auch, oder vor allem der Umgang der Personen miteinander, bleibt schrecklich oberflächlich. Als sich beispielsweise die Tänzerin aus dem Fenster stürzt, hört man eine unbeteiligt wirkende Helga Sommerfeld lediglich sagen: »Sie hat sich aus dem Fenster gestürzt!« Man geht wieder in die Garderobe und diskutiert zügellos über die eigenen Probleme weiter. Die Droge, die aus dem halluzinogenen Alkaloid Mescalin gewonnen wird, ist mal etwas anderes als die üblichen Stoffe aus dem Substanzen-Karussell, zeigt aber keinen der Süchtigen wirklich authentisch in gewissen Zuständen, und man glaubt eher, alle hätten lediglich starke Schlafmittel eingenommen. Brauners fortschrittliche Geschäftsideen in einem rückständigen Film, das passt (wie man in dieser holprigen Premiere leider erfahren muss), definitiv nicht zusammen! Jess Francos Alternative mit "Der Todesrächer von Soho" werde ich dieser Version jedenfalls stets vorziehen. Die in vielen Teilen zwar schlampige Inszenierung wirkt nämlich für meinen Geschmack wenigstens nicht wie ein Schlafmittel aus der Hausapotheke. Möglicherweise wurde dieser interessante Stoff auch nur noch einmal neu verfilmt, um eine adäquate Unterhaltungsversion zu präsentieren.


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