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 Betreff des Beitrags: FRAUENARZT DR. SIBELIUS - Rudolf Jugert
BeitragVerfasst: 31.01.2016 10:41 
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FRAUENARZT DR. SIBELIUS

● FRAUENARZT DR. SIBELIUS (D|1962)
mit Lex Barker, Barbara Rütting, Senta Berger, Sabine Bethmann, Anita Höfer, Harry Meyen, Ann Savo,
Berta Drews, Hans Nielsen, Gudrun Schmidt, Loni Heuser, Rudolf Platte und Elisabeth Flickenschildt
ein Alfa Film | im Gloria Filmverleih
ein Film von Rudolf Jugert


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»Deine Methoden widern mich an!«

Der angesehene Gynäkologe Dr. Georg Sibelius (Lex Barker) ist Arzt mit Leib und Seele, verbringt somit auch die meiste Zeit in seiner Sprechstunde und der Klinik. Seine schöne Frau Elisabeth (Senta Berger) ist aufgrund der beruflichen Einbindung ihres Mannes sehr einsam, sie fühlt sich vernachlässigt und zurückgestellt, bis sie sich schließlich in eine unbegründete Eifersucht hineinsteigert. Als Gitta Hansen (Ann Savo), Patientin bei Dr. Sibelius, eines Tages behauptet, sie erwarte ein Kind von ihm, wird das Zusammenleben mit Elisabeth immer schwerer, da Frau Sibelius nicht mehr weiß, was sie glauben soll. Die nächste Zielscheibe stellt die gemeinsame Freundin und Journalistin Sabine Hellmann (Barbara Rütting) dar und es kommt zu einer Reihe von impulsiven Fehlentscheidungen...

Betrachtet man den Titel von von Rudolf Jugerts Spielfilm, liegt zunächst die Vermutung nahe, dass es hauptsächlich zu einer Abhandlung des brisanten Themas Schwangerschaftsabbruch kommen wird, jedoch wird relativ schnell klar, dass "Frauenarzu Dr. Sibelius" keinen vollkommen mutigen Kurs einschlagen wird. Was man dem Zuschauer anfangs suggeriert, wird zwar durch die Titelperson und die aufgezeigte Arbeit präsent gehalten, doch weicht schließlich den immer wiederkehrenden Szenen einer Ehe an der Belastungsgrenze und entpuppt sich somit eher als Liebes-Melodram mit reißerischen Tendenzen. Dies soll lediglich als Anmerkung stehen bleiben, denn Routinier Rudolf Jugert lieferte einen soliden Unterhaltungsfilm ab, der mit viel Zeitkolorit angereichert ist. Überhaupt ist der Regie stets zu bescheinigen, dass ein gutes Fingerspitzengefühl und ein guter Sinn für die Ausstaffierung vorhanden war. Hergestellt durch die Alfa-Filmproduktion, sprich Artur Brauner, gleicht dieser Beitrag den etwa zur selben Zeit entstandenen Beiträgen sehr, was eine angenehme Verlässlichkeit aufkommen lässt. Auch ließ man es sich nicht nehmen, einige Szenen zu integrieren, die für damalige Verhältnisse ziemlich gewagt erscheinen, wie zum Beispiel die einkopierte Sequenz eines Kaiserschnitts im Operationssaal, oder so manche freizügige Szene mit den beteiligten Damen des Geschehens. Das Hauptthema nimmt immer mehr Formen eines Tauziehens an, die Eifersucht von Frau Sibelius nimmt dabei massivere Formen an, was den Zuschauer irgendwann zu irritieren beginnt, da die Titelfigur doch als ein Musterbeispiel an Tugenden dargestellt wird. Angereichert mit vielen bekannten und beliebten Stars, nimmt die Geschichte ihren vorgefertigten Verlauf und bei den Charakteren sind einige schablonenartige Zeichnungen zu finden, die allerdings in das Bild der damaligen Zeit passen.

Was sich eigentlich negativ anhört, entwickelt sich jedoch zur großen Stärke, da jede der Personen vollkommen mit der eigenen Aufgabe vertraut zu sein scheint und dadurch eine hohe Glaubwürdigkeit vermittelt. Lex Barker ist hier am Anfang seiner deutschen Karriere zu sehen und er ist vollkommen konträr zu seinen Auftritten in den zuvor abgedrehten Filmen im Kampf gegen "Dr. Mabuse" eingesetzt worden, was sich als angenehme Überraschung herausstellt. Barker transportiert eine nüchterne Sachlichkeit und gibt dem Mediziner, der von Frauen umgarnt wird, ein sehr gutes Profil. Seine bessere Hälfte Senta Berger spielt resolut gegen aufkommende Sympathien des Zuschauers an, ihr Temperament und ihre Eifersucht scheinen den allgegenwärtigen Pragmatismus zu untergraben. Zwischen den Fronten agiert Barbara Rütting in ihrer Paraderolle als selbstständige Alleingängerin, die ihren Einsatz als offensichtliches Pendant zu Frau Doktor findet. Genau aus dieser Tatsache begründet sich auch der Zündstoff dieser Dreier-Konstellation, denn Sabine Hellmann verkörpert eigentlich alles, was der Mann von Welt anziehend findet und die moderne Frau darstellen sollte. Außerdem reizt die Unabhängigkeit der um den Globus reisenden Journalistin, die nicht von der Zeit, Gunst und dem Geld eines Mannes diktiert wird. In Jugerts Film glänzen selbst die Nebenrollen durch facettenreiche Zeichnungen, wie beispielsweise die immer großartige Elisabeth Flickenschildt, Harry Meyen, Anita Höfer oder eine hier ungewöhnlich solide Sabine Bethmann, um nur einige zu nennen. Der einzige Kritikpunkt in diesem Zusammenhang stellt das Auftauchen von Loni Heuser und vielleicht Rudolf Platte dar, die es sich nicht nehmen lassen durch unsicheren Humor nach Art des Hauses aufzufallen, was dieser Verlauf jedoch erst gar nicht nötig gehabt hätte. Die langsam aufgebauten Reibungsflächen münden in große Konfrontation, um schließlich einem Balsam-für-die-Seele-Finale zu weichen, was durchaus als handelsüblich betrachtet werden kann. Insgesamt inszenierte Rudolf Jugert einen stilsicheren und fast ausnahmslos sehenswerten Beitrag, der zwar einiges an Potential der Geschichte ungenutzt verstreichen lässt, aber einen hohen Unterhaltungswert mit sich bringt.


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 Betreff des Beitrags: Re: FRAUENARZT DR. SIBELIUS - Rudolf Jugert
BeitragVerfasst: 28.11.2018 14:17 
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Geschlecht: weiblich
BEWERTET: "Frauenarzt Dr. Sibelius" (Deutschland 1962)
mit: Lex Barker, Senta Berger, Barbara Rütting, Sabine Bethmann, Harry Meyen, Anita Höfer, Berta Drews, Elisabeth Flickenschildt, Ann Savo, Hans Nielsen, Gudrun Schmidt, Rudolf Platte, Loni Heuser, Christine Gerlach, Lou Seitz u.a. | Drehbuch: Janne Furch und Sigmund Bendkover nach einer Idee von Artur Brauner | Regie: Rudolf Jugert

Chefarzt Dr. Georg Sibelius genießt das Vertrauen seiner Patientinnen, die den besonnenen Mediziner schätzen und bewundern. Elisabeth, seine Ehefrau, plagen Langeweile und Eifersucht. Sie sitzt den ganzen Tag über zuhause und wartet auf ihren Mann, der des öfteren bis spät in der Nacht in der Klinik bleibt. Verstärkt wird ihr Misstrauen, als die jüngere Schwester ihrer alten Freundin Sabine bei ihnen einzieht. Ihre heftigen Vorwürfe und Anschuldigungen entbehren zwar jeder Grundlage, aber ihr Mann ist zunehmend verzweifelt und fragt sich, wie er seine Frau beruhigen kann. Als bei seiner Jugendliebe Sabine Leukämie im letzten Stadium diagnostiziert wird, trifft er eine folgenschwere Entscheidung....

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Lex Barker überzeugt als Frauenarzt, der selbst im Umgang mit Hypochondern Milde und Verständnis ausstrahlt, obwohl seine Nerven gerade im Privatbereich seines Lebens häufig bis zum Anschlag gespannt sind, wenn ihm geballte Emotionen entgegenschlagen und er immer wieder die selben Anschuldigungen hören muss. Während er im Krankenhaus weibliche Loyalität und Vertrauen erfährt, bringt ihm seine Ehefrau weitaus zwiespältigere Gefühle entgegen, da ihre uneingestandenen Schuldgefühle und Minderwertigkeitskomplexe an ihrem Selbstverständnis nagen und deshalb in jeder potentiellen Konkurrentin die Bestätigung ihrer eigenen Wertlosigkeit sehen. Senta Berger überzeugt mit ihrem Wechselbad der Gefühle trotz ihrer eigenen Attraktivität, die eigentlich verhindern sollte, dass sie in jeder anderen Frau eine Rivalin sieht. In Gestalt von Barbara Rütting, die das weibliche Pendant zu Lex Barker verkörpert, scheint Berger ihre Meisterin gefunden zu haben. Rütting spielt die Reisejournalistin Sabine, deren berufliches Engagement ihr jedoch im Gegensatz zu Barker wenig Bewunderung einbrachte. Weiblicher Erfolg wird in "Frauenarzt Dr. Sibelius" dem zeitlichen Rahmen entsprechend mit Einsamkeit konnotiert. Sowohl die Journalistin, als auch der Humanmediziner schätzen ihren Beruf, moralisch honoriert wird allerdings nur jener des Arztes, während die Reporterin laut Drehbuch zur Einsicht kommen muss, das Glück verpasst zu haben. Solange sie unabhängig ist und keiner Gesellschaft bedarf, ist sie das Schreckensbild der gefährlichen Rivalin für Elisabeth Sibelius. Als sie jedoch erkrankt und Hilfe, Fürsorge und Wärme benötigt, wird die Keule der Geschlechterklischees geschwungen und ihr Lebensentwurf in Frage gestellt.

Die Finnin Ann Savo verdichtet gleich mit den ersten Schritten in Sibelius' Behandlungszimmer die Atmosphäre des Raumes, dem sie sich halb bedrohlich, halb vorsichtig nähert. Es scheint, als wäge sie jede ihrer Gesten und Worte ab und wie so oft benötigt sie keinen großen Anlauf, um ihr Gegenüber zu vereinnahmen und seine Aufmerksamkeit zu erringen. Die Charaktere in Savos Repertoire sind kraftvolle und unkonventionelle Vertreter des Typs eigenständige Frau, wobei ihre Ausstrahlung immer anrüchig und verletzbar zugleich ist. Sie bleibt exotischer Farbtupfer und Außenseiterin; nie wird man sie im Mittelpunkt einer Familie oder Freundinnengruppe antreffen, dafür ist sie zu eigenwillig und zu wenig angepasst. Sabine Bethmann leistet im Sinne ihres Berufs wertvolle Arbeit, sie ist eine verlässliche Stütze des verehrten Chefarztes und hat selbst keine Ambitionen nach Ruhm oder Aufstieg. Ganz anders Harry Meyen als unbequemer Aspirant auf den Posten des Chefs: Finster, ehrgeizig und unergründlich wie ein stilles Wasser spinnt er im Hintergrund subtile Intrigen, sobald er seine Chance gekommen sieht. Im Gegensatz zu Bethmann begnügt er sich nicht damit, einem erfolgreichen Kollegen zuzuarbeiten, sondern er will selbst an den Schalthebel der Entscheidungen. Die Klimax ergibt sich nach seiner Vorarbeit, die er ebenso kühl wie unpersönlich auch Elisabeth Sibelius präsentiert, die halb hoffend, halb zaudernd am Ende leidlich die Kurve kriegt, was zu einem halboffenen Finale mit Aussicht auf Besserung führt. Vorher muss sich die Arbeit ihres Mannes jedoch durch einen Eingriff auf Leben und Tod live rechtfertigen, um ihre Zweifel zu zerstreuen und sie zur demütigen Einsicht zu bringen.

Formidabel besetzt überzeugt die Produktion in erster Linie durch die prominenten Schauspieler, die sich empathisch mit den Sorgen und Nöten rund um eine prekäre Ehe befassen und die Produktion spannend und unterhaltsam gestalten, auch wenn man Rudolf Jugert ein bisschen mehr Mut zugestanden hätte, um gewisse Botschaften des Films nicht allzu konservativ zu vermitteln. 4 von 5 Punkten


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