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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
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Marketa Lazarová -Tschechoslowakei 1967 - Regie: František Vláčil
Darsteller: Magda Vášáryová, Josef Kemr, František Velecký, Naďa Hejná, Jaroslav Moučka
Musik: Zdeněk Liška
Nach Motiven von Vladislav Vančura


So, ich wollte eigentlich Bergmans Jungfrauenquelle sehen aber ich wollte erst einmal mit dem Superlativ beginnen: Marketa Lazarova. Ein 160 Minütiges S/W Monument das den zeitgenössischen tschechischen Filmen wie ein Monolith entgegenstand. Der beste tschechische Film aller Zeiten, offiziell. Und einer der besten Filme der Welt, inoffiziell. Vergleiche, wenn sie denn gezogen werden orientieren sich an Kurosawas 7 Samurai, Pardjanovs Shadow of forgotten Ancestors und eben Bergman.
Der Film basiert auf einem Roman von Vancura, einer der Wortführer der Devetsil und Drehbuchautor des supergeilen Marijka nevernice [den ich hoffentlich noch bald vorstellen kann]. Von ihm auf Deutsch leider nur der Roman: Der Bäcker Jan Marhoul.

Aber es ist ja wieder nicht der Film:
Was ist passiert? Warum ist er so gut. Es steht ja die Vermutung im Raume, das Vlacil einfach in der Zeit zurückreiste, ins 13. Jahrhundert um die Szenen einfach abzufilmen. (Regisseur: Ich wollte Zeugnis ablegen, wie die Menschen vor 700 Jahren lebten, als wären sie unsere/als wären wir ihre Zeitgenossen. Ich wollte sie verstehen, mit ihren Augen sehen, ihre Sehnsüchte erleben, ihre Fehler.). Das bekamen auch die Schauspieler zu spüren. Der Dreh dauerte 2 Jahre, sie lebten 2 Jahre in den Wäldern Sumavas.
Erst einmal die Grundzüge:Ein Konflikt besteht zwischen den beiden Familien/stämmen: Kozlik und Lazar. Dazu noch eine Gruppe um einen sächsischen König. Liebe zwischen Marketa (Lazar[ova]) und ihrem Vergewaltiger Mikolas (Kozlik).
Dazu die Polaritäten: Christen/Heiden.

Aber der Plot: Es geht nicht von hinten nach vorn, Hauptteilung in der Mitte, also insgesamt 2: Straba und das heilige Lamm (Das von einem Mönch begattet wird). Dazu viele Texttafeln, die die Geschichten versuchen zu gliedern.
Es fängt an mit einer deutschen, reitenden Delegation. Sie kommen an einem Einarmigen vorbei, der Adam Kozlik.Den Arm verlor er durch einen Schlangebiss nach Sex mit seiner Schwester). Die deutschen werden getötet, der Sohn eines Kirchlichen (Christian der Junge: wunder-schön) am Leben gelassen und entführt. Der sächsische König ist wütend und lässt Pivo mit einer Horde Kriegern anreisen. Kozlik kann den Krieg nicht allein gewinnen und versucht die Lazars auf seine Seite zu ziehen.
Es...klappt alles nicht wie vorgestellt.
Das heilige Lamm beginnt mit einem umherwandernden Mönch, er war auch schon im ersten Teil kurz zu sehen. Er spricht mit dem Sprecher im Off. Der Sprecher spricht ihn auf sein Liebesverhältnis zu dessen Lamm an.
Sonst: Mitleid gibt es keines. Im Kampf wird getötet, es wird fies getötet.
Das Christentum ist die Form, nach Vlacil sind Analogien zum dogmatischen Sozialismus zu ziehen.
Insgesamt ist es alles nicht so klar, also ich glaube, es ist leichter zu verstehen, wenn der Film öfter gesehen wird, es ist nichts lineares.

Wunderbar die Musik: Wunderbar die Landschaften. Wunderbar die Kamera. Jedes Standbild wäre es wert hier online gestellt zu werden.

Was sagt Peter Hames:
The castle gives the sense of a lived enviroment with women, children and dogs moving around in the snow like a Breughel painting.

Wer den Film nicht sieht, verpasst WAS.
Toll.


Texte zum Film eigentlich nur von Peter Hames:
IN
-Cinema of central europe (Wallflower)
-czech and slovak cinema - theme and traditiond (Edinburgh)

Hier von DVD Beaver der Vergleich zw. der Criterion Blu-ray und der DVD von Secondrun.
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Der Schöne.
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Es gibt auch noch einen 2. Christen-Film von Vlacil, der superschwulen: Valley of the bees. Auch voN Second Run.

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Last edited by ultrastruktur on 11.09.2013 20:22, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA -Frantisek Vlacil
PostPosted: 11.09.2013 15:36 
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Wenn mich jemand nach dem bildgewaltigsten Film schlechthin fragt, so lautet meine Antwort stets: Marketa Lazarova.

Ich habe ihn vor ca. 5 Jahren zum ersten Mal gesehen und war damals so von den Bildern eingenommen, das ich für die Handlung ohnehin nichts übrig hatte.
Erst bei der Zweitsichtung habe ich davon was mitbekommen.

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme - ewige Top 10 !!
Ich kann meine Begeisterung für diesen Film kaum in Worte fassen.

So einen Film sollte man unbedingt auf Blu Ray sehen !!
Sollte jemand keinen Codefree-BD-Player, kann man auch zur tschechischen Blu Ray greifen. Die ist fantastisch und hat englische Untertitel!

Andere Filme von Vlácil wie etwa Valley of the Bees oder The Dove finde ich auch sehr gut, aber Marketa ist einfach sein Monument!


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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 08.04.2016 22:03 
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Bildstörung wird ihn nun veröffentlichen. Es ist erfreulich, dass sie sich wieder eines tschechischen Klassikers annehmen, bin sehr gespannt!

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 10.04.2016 18:25 
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Schöner Film, vielleicht kaufe ich ihn mir auf Blu nochmal.
Es sollte mal mehr von Vlacil veröffentlicht werden! Der Mann ist genial!

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 10.04.2016 18:38 
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Da bin ich gespannt und will mir den dann auch im Kino anschauen.

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 21.06.2016 21:07 
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kommt bald bei Bildstörung als deutsche Veröffentlichung.
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


*edit* ohh wurde schon gepostet.. Man sollte auch alles lesen. Nun hier der Bildstörung - Teaser

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 20.07.2016 20:55 
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Mir fiel gerade die deutsche Übersetzung des Buches von Vladislav Vančura in die Hände, auf dem das Buch basiert. Und was für eine Überraschung! Der 160-minütige Film entstand aus einem schmalen Büchlein von kaum 120 Seiten länge. Dachte also, dass es eine Angelegenheit wäre von vielleicht einem Nachmittag, das Buch zu lesen um dem Plot des Filmes besser folgen zu können. Aber weit gefehlt. Obwohl ich ein sehr geübter Leser bin saß ich knapp zwei Tage daran, das Buch zu beenden. Es ist so gehaltvoll, jeden Satz musst du lesen um den folgenden zu verstehen. Die Mühe hat sich gelohnt, aber ich denke, es ist nichts für Gelegenheitsleser.

Was gibt es zu sagen? Habe nun auch den Film nochmals angesehen und während ich während des ersten Mals recht hilflos war, was das Verständnis angeht, ging es mir nun deutlich besser damit. Die Handlung ist in die Wälder um Jungbunzlau/ Mladá Boleslav an der Grenze zwischen Mittel- und Nordböhmen, an der Iser/ Jizera gebettet. Das Buch ist zu keiner bestimmten Zeit angelegt, wobei ich es als Laie ins Hochmittelalter setzen würde. Der Roman ist auch abseits dieser bizarren Handlungsdichte ein harter Brocken. Es fühlte sich anfangs, als wäre ich in Alexej Germans Es ist schwer, ein Gott zu sein geworfen worden. Das Buch hat nichts von Adalbert Stifters Böhmen-Epos: Witiko. Stifters Tausendseiter hat sicher sogar weniger Handlung als Vančuras Stück. Da werden den Personen die Köpfe gespalten und es wächst irgendwie schief zusammen. Es sind ganz rohe Barbaren, die nach blutigen eigenen Gesetzen leben. Nehmen wir den Klanchef Kozlík. Methusalem`sche 71 Jahre alt, dutzende Kinder, die auch miteinander Sex haben. Er spricht mit den Töchtern erst, wenn "zwischen ihren Schenkeln Kinder wimmern". Lebt im tiefsten Wald, umgeben von Sümpfen, ihr Handwerk ist das Rauben und das Todverachten. Das ist eine Welt ohne Lämmer. Nur Krähen und Wölfe und blutfetzige Pferde. Als würdest du durch die Bilder Chaim Soutines waten. Im Buch werden sogar 12-jährige Mädchen geköpft.
Der Roman arbeitet die Konflikte deutlicher heraus. Auf der einen Seite die Gottgläubigen, rohen Wilden. Auf der anderen Seite der Hejtmann Pivo (Wie cool ist ein Mann, mit Schnurrbart von einem Ohr zum anderen, der Bier heißt?), der vom König gesandt wurde die Räubernester auszumerzen. Der bekommt lediglich Bauern an die Backe, mit der er gegen diese Blutrauschberserker ankämpfen muss. Bauernsoldaten, die sich im Wald um die Kozlíks kaum auskennen und sofort Nasen und Augen verlieren, wenn sich sich fünf Meter von der Gruppe entfernen.

Auch die ganzen Figuren, auch wenn sie nur kurz auftauchen nur um dann wieder zu versanden, sind aufregend. Die Protagonistin ist ja die titelgebende Marketa Lazarová, die aber nur ein Teil des Gewimmels ist und auch nicht soviel Raum bekommt, weder in Vorlage noch in Film. Sie liebt den Mann aus dem Feindesklan, Miklas, der sie vergewaltigte. Eine Frau, die der Vater ursprünglich ins Kloster steckte und der sie dann verstößt. Wie viel Leid muss sie ertragen! Und auch die anderen Personen des Kozlík-Klans. Alexandra. Eine Amazone. Im Film sieht sie aus wie ein Predator. Eine wilde Furie, die vernichtet, wie andere Männer küssen. Nachdem die Beziehung mit ihrem Bruder endet, nimmt sie sich den Gefangenen Jüngling Christian. Kaum 18, Deutscher. Gute Erziehung mit schicken Oberteil, der nichtmal Tschechisch spricht. Sie verlieben sich! Aus was für unterschiedlichen Welten stammen sie! Es ist als würde Barack Obamas Tochter mit einem serbischen Auftragskiller gehen. Christian, jedenfalls, gespielt von Vlastimil Harapes übernimmt zehn Jahre später die Rolle des Ungeheuers in Juraj Herzens: Die Jungfrau und das Ungeheuer

Den Film habe ich durch das Buch viel besser verstanden. Es ist, als hätte Vlacil einen Hammer genommen und den Plot zerschlagen und aus den einzelnen Splittern eine Geschichte gesetzt. Es ist witzig, dass der Film offiziell, von tschechischen Kritikern, zum besten Film gekürt wurde, er aber vom normalen Zuschauer, laut tschechischer Filmdatenbank csfd nichtmal im Ranking drin ist, mit 81 von 100 Punkten.
Das Buch von Vlačil gibt es in drei verschiedenen Übersetzungen. Einmal 1937 als Die Räuberbraut Margarete Lazar, dann 1966 als Marketa und Miklas und 1962 als Räuberballade. Das Vorkriegsbuch ist für mich unauffindbar, die anderen beiden kosten soviel wie eine Dose Bier. Der Autor folgte damals einem sowohl tschechischen als auch internationalem Trend an Räubergeschichten. Das könnt ihr in Eric Hobsbawms Räuber. Die Banditen als Sozialrebellen nachlesen. Vom gleichen Autoren erscheint auch im November vom Arco Verlag das erste Mal auf Deutsch sein Buch über den Ersten Weltkrieg: Felder und Schlachtfelder

Er trat auch als Regisseur in Erscheinung, u.a. von dem tschechischen Klassiker: Die untreue Marijka Sein Leben war relativ bewegt, er war Arzt (gab er auf), Kommunist (Und Antistalinist), Vorsitzender der führenden tschechischen Kunstgruppe der Zwischenkriegszeit Devětsil und schaffte es weder, dem späteren Nobelpreisträger Jaroslav Seifert Schwimmen, Radfahren noch Schießen beizubringen. Sein Leben fand dann im Zweiten Weltkrieg sein Ende. Als die Naziratte Heydrich durch ein Attentat den wohlverdienten Weg in die Hölle antrat, ließen es sich dieNationalsozialisten nicht nehmen, eine der führenden, noch lebenden, kulturellen Figuren der Tschechoslowakei zu vernichten. Das war Vančura.


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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 18.11.2016 17:54 
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Kannte den Film überhaupt nicht, aber der Trailer sieht obergeil aus. Will den sehen, verdammt!

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 18.11.2016 19:31 
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musst mal gucken vll läuft der bald in einem Kino bei dir um die Ecke. Das ist zumindest mein Plan. Bin schon gespannt wie ein Flitzebogen.
Gibt bald einige Wiederaufführungen:

gerde gefunden:

Bamberg Lichtspiel ab 01.12.2016
Berlin Brotfabrik ab 01.12.2016
Berlin Z-inema nur am 6.12.2016
Berlin Ladenkino ab 1.12.2016
Dortmund SweetSixteen ab 17.12.2016
Düsseldorf Filmmuseum ab 01.02.2017
Frankfurt a.M. Mal sehn-Kino nur am 4.12.2016
Hamburg Metropolis ab 14.12.2016
Karlsruhe Kinemathek tba.
Kiel KoKi - Kino in der Pumpe ab 22.12.2016
Köln Filmpalette
nur am 06.12.2016
Leipzig Luru-Kino ab 01.12.2016
Mannheim Cinema Quadrat tba.
München Werkstattkino "Dezember" (tba.)
Nürnberg Kommkino ab 08.12.2016
Rostock Lichtspieltheater Wundervoll tba.
Saarbrücken Filmhaus ab 22.12.2016
Wien (A) Stadtkino im Künstlerhaus tba.
Quelle: dropoutcinema

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 06.12.2016 18:12 
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Ja, er läuft heuet in der Kölner Filmpalette, werde ihn mir da auf jeden Fall anschauen.

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PostPosted: 06.12.2016 18:22 
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Lesotho wrote:
Ja, er läuft heuet in der Kölner Filmpalette, werde ihn mir da auf jeden Fall anschauen.

Bin auch gleich da. ;)

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 07.12.2016 10:31 
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Ihr elenden Fucker. Das einzige, was die Kinos in der hiesigen Region zustande kriegen bei Marketa Lazarová ist ein TBA. Freu mich auch riesig, den Film bald mal abseits meines quadratischen Röhrenfernsehers anschauen zu können. :mrgreen:

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 07.12.2016 10:57 
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Lonestarr102 wrote:
kommt bald bei Bildstörung als deutsche Veröffentlichung.
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


*edit* ohh wurde schon gepostet.. Man sollte auch alles lesen. Nun hier der Bildstörung - Teaser


Egal, kann nicht oft genug gepostet werden. Der Film hat Werbung verdient.

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 07.12.2016 11:20 
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Hier noch die Termine für München (bissl runter scrollen)


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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 07.12.2016 18:33 
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In der Taz erschien in der Kommentarspalte die mit Abstand beste Wertung des Filmes. Leider hat der Kritiker den Film nicht gesehen aber das tut dem Lesegenuß ja keinen Abbruch:

Quote:
Ob dieser Film den Bechtel-Test bestehen würde? Ich zweifle sehr, habe allerdings nicht vor, mich "sieben Jahrhunderte in der Zeit zurückfallen" zu lassen um die Gefühle der Akteure dieses Fell-und-Eisen-Epos meinem Kopf "so naturalistisch wie möglich zu reproduzieren". Ich werd' ja schon beim Zeitunglesen ständig wütend.

Es muss also jemand anderer nachsehen. Oder auch nicht. Mit dem Bechtel-Test wird schließlich "nicht die filmische Qualität beurteilt", wie das Lexikon erklärt, sondern nur der "Status von Frauenrollen in Spielfilmen". Unter den "Kritikern und Filmmenschen", die 'Marketa Lazarová' 1998 zum "besten tschechischen Film aller Zeiten gewählt" haben, muss also keine Feministin sein. Nicht einmal eine Frau, denn Frauen haben ja mit Qualität gar nichts zu tun.

Dies ist ein Männer-Film. Einer für solche Männer, die sich ins 13. Jahrhundert zurück versetzen wollen. Da hin, wo sie als "echte Kerle" angeblich umso "verführerischer wirken" konnten, je "wilder und gefährlicher" sie anzusehen waren – Inzest und Vergewaltigung gern inklusive. "Eine gewisse Desorientiertheit" tut dem natürlich keinen Abbruch. Je fragmentarischer und subjektiver die Wahrnehmung, um so plausibler ist es, wenn Mann sich nicht beherrscht und zur Gewalt greift, die ihn endlich "great again" macht. Wenigstens für 165 kostbare Minuten.

Dass dieser Film von 1967 erst heute und mit Verweis auf seine angeblich grandiose Schnitttechnik in deutsche Kinos kommt, ist sicherlich kein Zufall. Tschechien ist nicht mehr das Land des Prager Frühlings. Es ist ein Land unter vielen in einem Europa, das die Rolle Rückwärts übt. "Botschaften aus einer vergangenen politischen Epoche" will heute niemand mehr "bestaunen". Und allgegenwärtige, allwissende Erzähler sind nicht mal mehr dann angesagt, wenn sie sardonisch grinsen. Heute muss Chaos sein, Hilflosigkeit und Brutalität. Blutige Schlachten? Haben wir gern auf unsern Leinwänden. Hauptsache, kein gutes Ende.

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 07.12.2016 18:53 
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Völlig weggeblasen hat mich der Film nun nicht, mir hat er aber gefallen, bewgt sich irgendwo zwischen Durchschnitt und Meisterwerk.
Unheimlich gestört haben mich hier die Untertitel! Generell eine Pein beim Filmgenuss - hier bei MARKETA LAZAROVA in exorbitantem Maße! Ein audiovisueller Wirk-Film, der nicht (voll) wirken konnte, weil man dauernd mit seinen Augen am unteren Drittel der Leinwand klebte, anstatt die gesamte wunderschöne Bildkomposition zu erfassen.
Schade.

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 Post subject: Re: MARKETA LAZAROVA - Frantisek Vlacil
PostPosted: 05.03.2017 15:19 
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Durfte den Film nun endlich auf der BD von Bildstörung bewundern.
Ein faszinierendes Werk! Wunderschön gefilmt! Dieses tiefe Bild! Die Ausleuchtung! Die Wölfe/Hunde! Die Gesichter!
Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so ein beeindruckendes Werk gesehen habe. Wird wohl "The Revenant" gewesen sein, dessen Dreharbeiten 2015 ein enormer Kraftakt gewesen waren. Vláčils vor über 50 Jahren gedrehter Film muss im Vergleich dazu ein unvorstellbarer, unmenschlicher Gewaltakt gewesen sein. Ohne CGI, ohne riesen Logistik in des Böhmerwalds Unterholz - heute so nicht mehr realisierbar und deswegen ein umso wewrtvolleres filmisches Zeitdokument.
Die Handlung war nicht so schwer verständlich, wie ich wegen einiger Kommentare erwartet hatte, wenn ich erst einmal die Familienverhältnisse der "Nachbarn" innerlich geordnet hatte.


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