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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: TRISTANA - Luis Buñuel
PostPosted: 04.01.2018 00:53 
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Produktionsland/Jahr: Spanien, Italien, Frankreich 1970
Darsteller: Catherine Deneuve, Fernando Rey, Lola Gaos, Franco Nero, Antonio Casas, Jesús Fernández, Vicente Soler, José Calvo, Fernando Cebrián, Mary Paz Pondal
Drehbuch: Luis Buñuel & Julio Alejandro
Produziert von: Luis Buñuel & Robert Dorfmann
Musik: Luis Buñuel

Nachdem die schöne junge Frau Tristana (Catherine Deneuve) ihre Mutter verloren hat, nimmt der Vater sie auf, mit dem sie bisher keinen Kontakt hatte. Don Lope (Fernando Rey) ist ein Freigeist, bekannt für seine Abneigung gegen kirchliche und bürgerliche Werte und beliebt aufgrund seiner Redegewandtheit und seinem Großmut. Obgleich der alternde Lebemann verheiratet ist, behandelt er seine Frau nicht besser als ein Dienstmädchen und macht keinen Hehl aus seinem fleischlichen Verlangen nach der eigenen Tochter. Schließlich nimmt Don Lope Tristana als zweite Frau. Mit der Zeit sinkt der Respekt, den Tristana für ihren Vater und Ehemann empfindet und als sie den Künstler Horacio (Franco Nero) kennen lernt, verlässt sie Don Lope...
(Ofdb)

Während seiner Frankreich-Phase kehrt Buñuel für TRISTANA - die Verfilmung des Romans von Benito Pérez Galdós - zum zweiten und letzten Mal nach Spanien zurück.
So wie ich das Ganze bisher aufgefasst habe, scheint der Film ja eher als Nebenwerk gesehen zu werden.
Daher mag folgendes vielleicht überraschend sein, aber: Ich halte TRISTANA (neben dem WÜRGEENGEL) für den besten, schönsten Buñuel.
Denn der Film ist zwar bei weitem nicht so surreal geprägt, wie viele der vorangegangenen und auch der noch kommenden drei Filme, dafür hat er aber andere Qualitäten, die ihn für mich zu einem Hochgenuss werden lassen.
In erster Linie sind dies die beiden Hauptfiguren Tristana und Don Lope.
Genauer gesagt, wie sie an sich gezeichnet sind, wie sie sich entwickeln und wie sich ihr Verhältnis zueinander entwickelt und im Laufe der Zeit verändert.
Darin liegt meiner Meinung nach die größte Stärke des Films, davon geht die meiste Faszination aus.
Tristana ist anfangs eine fast kindlich anmutende, feinfühlige, fragile Person, während Lope als Vater zuweilen überfürsorglich erscheint und manchmal auch sehr herrschsüchtig sein kann.
Sie leidet darunter, aber sie leidet still - in ihre Gefühlswelt bekommt einstweilen nur der Zuschauer Einblick.
Nur langsam schafft sie es, sich zu öffnen.
Als Lope ihr offenbart, dass er sie zur Frau nehmen möchte, wächst ihr Hass auf ihn von Tag zu Tag.
Es kommt der Zeitpunkt, wo sie nicht mehr schweigen kann und so vertraut sie sich der Haushälterin an, sagt ihr wie sie sich fühlt und wie sie wirklich über Lope denkt.
Dann trifft sie bei einem Nachmittagsspaziergang auch noch auf den jungen Maler Horacio (Franco Nero), was eine echte Wende mit sich bringt.
Von da an blüht sie auf, gewinnt an Selbstbewusstsein, beginnt sich gegen Lope aufzulehnen und zieht letztendlich mit Horacio weg.
Doch das Glück währt nicht lange, denn sie wird krank und möchte "nach Hause" zu Don Lope.
Der freut sich insgeheim darüber und denkt, er hätte sie jetzt wieder für sich, aber da irrt er sich.
Die Krankheit, die bis zur Blutvergiftung geht und in einer Beinamputation endet, macht sie nicht schwächer, sondern nur noch stärker.
Ab jetzt spielt sie mit ihm - und da ist sie wieder: Diese spürbare Freude Buñuels daran, die Oberschicht nach allen Regeln der Kunst durch den Dreck zu ziehen.
Mit einem - im übertragenen Sinne - diabolischen Lächeln lässt er Tristana Don Lope systematisch zu Grunde richten.
Meines Erachtens hervorragend gemacht, ich jedenfalls hatte meinen Spaß daran.
Bei TRISTANA braucht Buñuel gar nicht viel Surrealismus, er schafft Faszination auf andere Art und Weise.
Das finde ich aber diesmal, wie gesagt, mindestens genauso vergnüglich.
Auch sehr nett: Antonio Casas und José Calvo sind hier einmal abseits von Western zu sehen.
Also: Auch wenn es vermutlich eine ziemlich exklusive Position oder Meinung ist: TRISTANA ist einer der zwei besten Buñuels!
Mindestens 9/10.

Trailer:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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