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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 25.08.2012 12:27 
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Nekromantik
(NEKRomantik)
Deutschland 1987 - Directed by Jörg Buttgereit
Starring: Bernd Daktari Lorenz , Beatrice Manowski, Harald Lundt, Colloseo Schulzendorf, Henri Boeck...


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Robert Schmadtke (Daktari Lorenz) lebt mit seiner Freundin Betty (Beatrice M. aka Beatrice Manowski) zurückgezogen in einer kleinen Wohnung. Mit den Lebenden haben die beiden nicht viel am Hut; es sind tote Dinge, die sie faszinieren. Da Robert bei der Reinigungsfirma J.S.A. arbeitet, die darauf spezialisiert ist, Unfall- bzw. Tatorte zu säubern und die Leichen(teile) abzutransportieren, gelingt es ihm immer wieder, kleine Mitbringsel (Organe, Augen, etc.) abzuzweigen, um diese seiner umfangreichen Sammlung zu Hause hinzuzufügen. Eines Tages überrascht er seine Freundin mit einem besonderen Geschenk in Form eines arg ramponierten, sich bereits in Auflösung befindlichen Leichnams. Die Freude ist riesig, ein Penisersatz rasch gefunden, ein Kondom flugs übergestreift, der Tote zielstrebig bestiegen, die Ekstase schnell erlangt. Es wird geküßt, liebkost, gestreichelt, und auch schon mal lustvoll am aus der Höhle geflutschten Augapfel gelutscht. Ein flotter, leidenschaftlicher Dreier der etwas anderen Art, der Robert und Betty den tristen Alltag für einige Momente vergessen läßt und für Zufriedenheit sowie Befriedigung sorgt. Doch das Glück währt nur kurz.

Am Anfang war der "Film über die Liebe zum Menschen und was von ihm übrig bleibt". Bevor Andreas Schnaas, Olaf Ittenbach & Co den deutschen Amateurfilm in Unmengen von Blut ertränkten, sorgte der dreiundzwanzigjährige Berliner Jörg Buttgereit mit seiner so romantischen wie exzessiven Nekrophilie-Love-Story für (internationale) Furore. Buttgereit nahm sich eines ungewöhnlichen Themas an, das im Genrekino seit jeher ein Schattendasein fristet(e), und beeindruckt mit einer kompromißlosen, tabubrechenden Drastik, die kaum zu überbieten ist. Trotz aller Gore-, Schock- und Ekelszenen verliert Buttgereit die von ihm und Franz Rodenkirchen erdachte Geschichte nie aus den Augen, nimmt sein Publikum ebenso ernst wie seine Hauptfiguren, und schildert das sich abspulende Drama einerseits mit einer fast schon dokumentarischen Nüchternheit, andererseits aber auch mit einem gewissen Maß an kunstvoller Poesie und einem Hauch von Surrealität. Und trotzdem berührt einen das Scheitern des Protagonisten, der so verzweifelt wie erfolglos versucht, innerhalb der sozialen Normen die ultimative Befriedigung zu finden. Doch Splatterfilme lassen ihn kalt, und auch der Sex mit einer lebendigen Frau will einfach nicht funktionieren; erst als die Prostituierte leblos am Boden liegt, ist Robert zum Beischlaf bereit. Trotz der verstörenden Thematik ist Nekromantik nicht ohne Humor, auch wenn dieser meist finster wie die Nacht ist und einem das Lachen bisweilen im Halse stecken bleibt. Der Phantasie wird kaum etwas überlassen. Seien es zweigeteilte Menschen, eine Autopsie, eine Hasenschlachtung, die faulende, schleimige, von Jörg Buttgereit und Daktari Lorenz gebastelte Leiche, oder die Ejakulation von Sperma und Blut... Uwe Bohrers Kamera hält stets wie selbstverständlich drauf, wodurch viele der entsprechenden Sequenzen eine kraftvolle, intensive Wucht erlangen. Daß die grausigen Geschehnisse dann noch zum Teil mit einem eingängigen, zärtlichen, ja, bewegenden Piano-Thema untermalt sind, sorgt für einen ungeheuren Kontrast, der die Wirkung enorm verstärkt.

Ein Feel-Good-Movie ist dieses krude Low-Budget-Wunder ebenso wenig wie ein seichter Splatterspaß, ganz im Gegenteil. Nekromantik ist ein kleines, polarisierendes, schwer verdauliches Meisterwerk mit vielen Ecken und Kanten, das sich nicht scheut dahin zu gehen, wo es schmerzt. Tief unter die Haut, vorbei an den Sehnen, Muskeln und Knochen, direkt zu den Eingeweiden. Und das sich an diesem gemütlichen Plätzchen zärtlich aber bestimmt festkrallt, um für einige Zeit dort zu verweilen. 1991 drehte Buttgereit mit Nekromantik 2 eine achtbare wenn auch etwas zähe und nicht annähernd so effektive Fortsetzung.

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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 25.08.2012 13:25 
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Ich hab mal ne Filmsammlung ersteigert, da waren beide Teile mit dabei.....

Kunst hin oder her, für mich war das nur typische deutsche nicht auszuhaltende Amateurgrüze.

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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 25.08.2012 17:05 
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Dem:
1.)
reggie wrote:
Ich hab mal ne Filmsammlung ersteigert, da waren beide Teile mit dabei.....
Kunst hin oder her, für mich war das nur typische deutsche nicht auszuhaltende Amateurgrüze.


...und dem:
2.)
Randolph Carter wrote:
1991 drehte Buttgereit mit Nekromantik 2 eine achtbare wenn auch etwas zähe und nicht annähernd so effektive Fortsetzung.


...möchte ich energisch widersprechen!

1.) so sehr mir dieses Subgenre zuwider ist und ich alles andere aus diesem Bereich (genau wie du, schätze ich) unerträglich finde, so muss ich jedoch sagen, das Jörg Buttgereis Werke ganz klar aus diesem Rahmen fallen (warum das bei NEKROMANTIK so ist, hat Mr. Carter ja oben schon sehr gut erläutert: die Filme haben einen Sinn, es steckt Talent dahinter, ihre Machart ist ästhetisch und fast schon poetisch zu nennen). Also kurz um: unter all dem Blut und Gekröse gibt es einiges zu entdecken.

2.) ich fand die Fortsetzung wesentlich besser, da sie das Vorhandene des ersten Teils nochmals um mehrere Qualitätsstufen verfeinert und verbessert. Also die rein formalen Aspekte, wie zum Beispiel Kameraführung, Musik, FX etc. sind wesentlich besser beim zweiten Teil und auch der Story-Aufbau kam deutlich geschmeidiger rüber, während der erste doch etwas gröber in allem ist.

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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 25.08.2012 18:18 
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Bei dem Thema ansich das der Film beleuchtet, habe ich gar keine lust irgendwelche Ästhetik oder Poesie zu suchen.
Jeder kennt ja die story muss ich nicht gross erläutern...

Ps. Traxx deine neue Signatur ist der Hammer ;)

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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 25.08.2012 19:53 
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reggie wrote:
Bei dem Thema ansich das der Film beleuchtet, habe ich gar keine lust irgendwelche Ästhetik oder Poesie zu suchen.
Jeder kennt ja die story muss ich nicht gross erläutern...


Genau das ist das Interessante daran: diese Gegensätzlichkeit, auf der einen Seite die Thematik an für sich (Necrophlilie), die, auf der anderen Seite, allerdings in ein völlig ästhetisches Gewand gehüllt wird. Fand ich durchaus geschickt gelöst. Beim zweiten Teil kommt dieser Kontrast noch stärker zur Geltung.

Quote:
Ps. Traxx deine neue Signatur ist der Hammer ;)

Besten Dank! 8-)

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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 26.08.2012 08:30 
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TRAXX wrote:
2.) ich fand die Fortsetzung wesentlich besser, da sie das Vorhandene des ersten Teils nochmals um mehrere Qualitätsstufen verfeinert und verbessert. Also die rein formalen Aspekte, wie zum Beispiel Kameraführung, Musik, FX etc. sind wesentlich besser beim zweiten Teil und auch der Story-Aufbau kam deutlich geschmeidiger rüber, während der erste doch etwas gröber in allem ist.


Filmtechnisch ist Teil 2 wesentlich besser, keine Diskussion. Geschmeidiger, wie du sagst, trifft es ganz gut. Aber gerade dadurch geht die direkte In-Your-Face-Rohheit und damit die sensationelle Wirkung des Originals großteils verloren. Keine Frage, Nekro 2 ist ein guter Film, für die Thematik vielleicht ein zu guter Film. Da sind einige wirklich schöne Szenen drinnen, aber für mein Empfinden ist er zu lang, vor allem bestimmte Sequenzen, wie die nicht enden wollende Kunstfilm-Persiflage oder das Miterleben seines Jobs als Synchronsprecher von Pornos. Die Musik bzw. das Zusammenspiel von Musik und Bild fand ich beim Sequel schwächer; das wunderschöne, Gänsehaut verursachende Piano-Thema (zu finden auf YouTube unter dem Suchbegriff "Nekromantik 1987 theme") kommt leider überhaupt nicht mehr zum Einsatz, und einen adäquaten Ersatz, der so unter die Haut geht wie dieses, gibt es einfach nicht.

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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 29.10.2019 10:56 
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Nekromantik (BRD 1987, Regie: Jörg Buttgereit)

Rob (Daktari Lorenz) ist Mitarbeiter eines Säuberungsdienstes, der Unfallschauplätze von Leichen und Leichenresten säubert. Nebenbei hat er die Leidenschaft verschiedene Körperteile zu sammeln, die er in Einmachgläsern aufbewahrt. Als er eines Tages eine zwar vollständige erhaltene jedoch ziemlich verweste Leiche mit nach Hause bringt, beginnen er und seine Freundin (Beatrice Manowski) ihre nekrophile Leidenschaft an dieser auszuleben. (OFDb)

Mit seinem Langfilmdebüt, nahm sich Underground-Ikone Jörg Buttgereit nicht gerade eines leichten Themas an. Umso erstaunlicher, wie er es geschafft hat, trotzdem noch eine gewisse Unbedarftheit und Komik in die Szenerie einfließen zu lassen. Dies ist natürlich auch den semiprofessionellen Produktionsbedingungen geschuldet, die zwar begrenzte Mittel, aber dafür höchste künstlerische Freiheit gewährte. Im Grunde wussten Buttgereit und seine Mitstreiter selbst nicht so recht, was sie da eigentlich für einen Film drehten. Man packte also alles rein und setzte sich filmisch mit den elementaren Themen Tod, Sex und Liebe auseinander. Dass ein Film, wie "Nekromantik" polarisieren und provozieren würde, war den Machern natürlich klar und das war ja auch Sinn dieser Übung. Nach der Veröffentlichung erlebten die Macher, wie ihr Werk in alle möglichen Richtungen interpretiert wurde, von Kritikern zerpflückt wurde, von Fans verehrt wurde, von Moralaposteln verurteilt wurde und von der Obrigkeit strafrechtlich verfolgt wurde. Ganz schön spannend, was da plötzlich so alles auf die jungen wilden Underground-Filmer einprasselte. Und mit "Nekromantik" betrat Buttgereit sogar Neuland, denn etwas vergleichbares hat es in der Filmwelt noch nicht gegeben. Wie sollte man diesen Film nun einordnen?

Auch wenn manches immer noch unbeholfen und trashig wirkt, merkt man schon sehr deutlich, dass es den Machern eben nicht darum ging, einfach nur einen Partyfilm mit provokanten Geschmacklosigkeiten zu präsentieren. "Nekromantik" nimmt seine Figuren ernst. Die Einsamkeit und Verzweiflung der Protagonisten wird spürbar und drückt sich quasi in jedem Bild aus. Vor allem aber die wunderbare Musik von Daktari Lorenz, John Boy Walton und Hermann Kopp macht hier sehr viel aus und drückt dem Film einen unverwechselbaren Stempel auf. Alles passt hervorragend zusammen - der körnige Look des Filmmaterials, der raue und ungeschminkte Inszenierungsstil, die siffig aussehenden Locations und die (zwar durchaus als solche erkennbaren, aber sehr wirkungsvollen) Schmadder-Effekte, in denen das Kunstblut trieft. Wobei die Leiche schon verblüffend "echt" wirkt, da hat das Team wirklich tolle Arbeit geleistet. Auf der anderen Seite bringt Buttgereit aber auch einen ordentlichen Schuss Ironie mit ein und legt seinen Film eben nicht als bierernste Charakterstudie an, sondern lockert seinen Film immer wieder mit bewusst überzogenen Momenten auf.
Z. B. wenn Robert seinem Nachbarn mit der Schaufel den halben Schädel wegkloppt. :lol:
Stilbewusst rührt Buttgereit hier Ekel und Humor zusammen.

"Nekromantik" ist unverfälschtes Underground-Kino eines jungen wilden Filmrebellen. Frech, provokant und subversiv. In meinen Augen ein Meilenstein des deutschen Kinos.

8/10 (Tendenz nach oben)

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PHOBOS (Trailer - deutsch)


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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 04.12.2019 18:28 
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Warum zur Hölle guckt man sich zwei Filme über Leichen ficken an? Und wieso dreht jemand überhaupt gleich zwei Filme darüber? :D

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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 04.12.2019 20:02 
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Weil ein Film zu wenig ist.


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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 04.12.2019 20:25 
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Weil der zweite das Leichenficken wesentlich ästhetischer inszeniert.

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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 05.12.2019 21:54 
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 Post subject: Re: NEKROMANTIK - Jörg Buttgereit
PostPosted: 05.12.2019 22:50 
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Djabartana wrote:
Warum zur Hölle guckt man sich zwei Filme über Leichen ficken an? Und wieso dreht jemand überhaupt gleich zwei Filme darüber? :D


Also ich finds schön. Leider gibt's Teil 3 nur als Comic. Son of nekromantik...


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