Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
Aktuelle Zeit: 22.07.2018 16:27

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 13 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 22.08.2017 17:20 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
DIE ANDEREN HAMMER FILME


Um diesem spezielen Thema gerecht zu werden, ist es nötig einen Blick in die Historie der Hammer Productions Ltd. bzw. auch in die britische Filmwirtschaft damaliger Zeit zu werfen, um das Ganze in einem gewissen Kontext zu betrachten und wie alles seinen Anfang nahm. Ein gewisser Enrique Carreras, ein Spanier der nach England kam, eröffnete im Londoner Stadtteil Hammersmith im Jahre 1913 sein erstes Lichtspieltheater. Hammersmith liegt innerhalb Londons am Nordufer der Themse. Da das Kino gut lief, konnte E. Carreras in den folgenden Jahren weitere Kinos eröffnen und es entstand eine ganze Kette von Lichtspielhäusern. Aber Großbritannien hatte damals seit ca. 1910 ein Problem. Die nationale englische Filmproduktion war durch die Vorherrschaft der USA so ziemlich eingeschränkt und machten in etwa nur 10 Prozent der britischen Eigenproduktionen aus. Dies verstärkte sich im ersten Weltkrieg (1914-1918). Der britische Staat versuchte dem entgegen zuwirken, indem man 1915 und 1916 eine Import- und Vergnügungssteuer einführte, die aber eine ganz schlechte Wirkung auf die Kinos in den besonders ärmeren Regionen Englands hatten. Eine Art Blocksystem war nun erstmal die Regel, wodurch der Filmmarkt nicht mehr offen war. Aber es brachte nicht viel ein und die wenigen britischen Filme litten häufig an ihrer Qualität. Wie in jedem Land Europas, so war es in der Nachkriegszeit auch für die englische Filmindustrie hart und es dominierten wieder die amerikanischen Filme auf dem Markt. Selbst einige Filme aus britischer Produktion, die innerhalb Englands erfolgreich waren änderten nichts an der Situation, da diese widerum in den USA Misserfolge waren. Innerhalb der Stummfilmzeit verkam der britische Film immer mehr zur Bedeutungslosigkeit, denn es entstanden kaum Filme. Überwiegend zeigten die britischen Kinos Filme aus den USA und teilweise aus Frankreich, weil sich hauptsächlich mit importierten amerikanischen Filmen offensichtlich mehr Geld verdienen ließ. Auch die Kinokette von E. Carreras machte da keine Ausnahme und das ganze hielt in etwa bis zum Ende der 1920er Jahre an. Es ging auch soweit, das in den Jahren 1925/26 festgestellt wurde, das 95 Prozent der in England gezeigten Filme aus den Produktionsstätten der USA stammten und nur 5 Prozent Filme aus eigener Produktion. 1926 befand sich England im Grunde auf dem Tiefpunkt seiner filmproduktiven Entwicklung und es wurden fast alle Filmateliers geschlossen und die Briten inkl. der Presse, sah das Ende ihrer nationalen Filmproduktion kommen und äußerten öffentlich ihren Unmut. Die Briten mußten was dagegen unternehmen und das taten sie auch. Es griff der Staat per Gesetzgebung ein, denn das britische Parlament beschloß 1926/27 die nationale Filmproduktion durch eine Kontingentregelung zu schützen. Diese verpflichtete die Kinobesitzer dazu einen festen Prozentsatz eigenheimischer Filmproduktionen vorzuführen. Gleichzeitig wurden drei große Firmen gegründet. Die BRITISH INTERNATIONAL PICTURES, die GAUMONT BRITISH PICTURE CORPORATION und die BRITISH LION FILM CORPORATION. Diese Filmfirmen kauften die englische Filmindustrie auf, um diese in Vertikalkonzerne zusammen zufassen. Ferner wurden neue Studios und Verleihbüros gegründet. Grossbritannien befand sich nun in jener Entwicklungsphase bzw. in einem Prozess, der schon längstens in den USA und Frankreich seit 1916, also seit 10 Jahren bereits abgeschloßen war. Durch diese staatliche Regelung wurde der amerikanische Film z.T. zurückgedränkt. Die britischen Produktionen erhöhten sich nun ab dem Jahre 1927 auf ca. 8 Prozent und stiegen langsam aber stetig weiter an. Ungefähr im gleichen Jahr solidarisierte sich Europa auf dem Filmsektor, denn ab dieser Zeit erhöhte sich die Bereitschaft europäischer Länder zur filmischen Kooperation und es entstanden coproduzierte Filme zwischen den Nachbarländern. Eine ähnliche Idee wurde bereits im Jahre 1922 zwischen Frankreich, Deutschland und Italien aufgegriffen, weil viele europäische Filme ihre Produktionskosten nicht mehr einspielten, aufgrund des übermächtigen Konkurrenten aus den USA. Schon damals trafen sich die führenden Persönlichkeiten des europäischen Films und berieten über Möglichkeiten, wie man am besten Filme untereinander austauschen könne. Die Sache wurde damals wohl zu halbherzig angegangen und das US-Kino beherrschte weiter den europäischen Markt. Hintergrund dieser nun ab 1927 geführten gemeinsamen Europa-Filmpolitik und Coproduktionen war der, sich der Überflutung von USA-Produktionen auf den einheimischen Filmmärkten entgegen zustellen und einzudämmen.

Aufgrund der Kontingentregelung und weil er wohl darin ebenso eine positive Entwicklung sah, gründete Enrique Carreras im Jahre 1928 seine EXCLUSIVE FILMS Ltd., eine Verleihfirma für den britischen Filmmarkt. 1932 traf Carreras auf einen gewissen William Hinds, der als Schauspieler im Theater unter dem Namen Will Hammer auftrat, aber auch angeblich Juwelenhändler war. Sein Pseudonym Hammer muß Hinds von jenem Stadtteil Londons, Hammersmith abgeleitet haben. Aus Hammersmith wurde einfach nur Hammer. Carreras und Hinds/Hammer taten sich nun zusammen und bildeten eine Partnerschaft und gemeinsam sicherten sie sich die Vertriebsrechte für Filme aus der British Lion Productions. Es schien so gut zu laufen, das Hinds zum Ende des Jahres 1934 die HAMMER PRODUCTIONS Ltd. gründete. Schon 1935 beschloßen Hinds und Carreras gemeinsame Vertriebspartner unter der EXCLUSIVE FILMS Ltd. zu werden, wobei beide Firmen, also Hammer und Exclusive stark mit- und ineinander verbunden blieben. Hammer veröffentlichte im gleichen Jahr ihren ersten Spielfilm THE PUBLIC LIFE OF HENRY THE NINTH (1935) und darin geht es um den Aufstieg und Fall einens Komödianten auf den Strassen von London. Film wurde von den Briten und der Presse wohlwollend aufgenommen. Ein zweiter Film mit Bela Lugosi als Starbesetzung folgte im Jahre 1936. THE MYSTERY OF THE MARY CELESTE. Hier geht es um den seltsamen Fall eines Schiffes namens Mary Celeste, das man völlig verlassen im Jahr 1872 im Atlantik vorgefunden hatte. Hammer hatte hier eine Art Mystery-Krimi geschaffen, ohne übernatürliche Elemente. Auch dieser Film wurde positiv von den Briten aufgenommen. Der dritte Hammerfilm, um noch ein weiteres Beispiel zu geben, war der im gleichen Jahr entstandene Film THE SONG OF FREEDOM (1936), wobei Hammer sich aus damaliger Sicht auf dünnes Glatteis begab und einen Tabubruch beging. Die Hauptrolle wurde nämlich mit Paul Robeson, einem schwarzen Opernsänger besetzt. Im Film geht es um einen schwarzen Londoner Dock-Arbeiter, dessen Stimme als Gesangstalent entdeckt wird. Er macht als Sänger Karriere und erfährt später, das er König eines afrikanischen Stammes ist. Daraufhin kehrt er nach Afrika zurück, um seinen Leuten zu helfen, wobei er sich den Medizinmann des Stammes zum Feind macht. Hammer bewies mit diesem Film einen gewissen Mut, weil die öffentlichen Reaktionen nicht absehbar waren, zumal Robeson öffentlich immer wieder gegen Rassenhass kämpfte. Offensichtlich zu lautstark, denn angeblich ruinierte er sich dadurch seine Karriere. Hammers Film wurde dennoch vom britischen Publikum und der Presse gut aufgenommen. 1936 war auch das Jahr, wo die britische Filmindustrie nun weitaus besser lief, als noch vor 10 Jahren und man konnte ca. knapp über 200 eigenheimische Filme verbuchen. Die Kontingentregelung hatte seine volle Wirkung erreicht und die Kinos zählten inzwischen wöchentlich ca. 20 Millionen Zuschauer. In der Produktionsrangliste stieg England auf, blieb zwar immer noch hinter den USA zurück, überholte allerdings Deutschland und sogar Frankreich. Natürlich profitierten Hammer und Exclusive in der Zeit des neuen britischen Filmaufschwungs.

Bild Bild Bild

1936 und 1937 produzierte Hammer zwei weitere Filme, THE BANK MESSENGER MYSTERY, eine Mischung aus Drama und Krimi und SPORTING LOVE, eine Musicalkomödie. Ende 1937 lief dann die vor 10 Jahren per Gesetz beschlossene Kontingentregelung aus und an dessen Stelle trat mit dem Beginn des Jahres 1938 per Gesetz das QUOTA ACT in Kraft. Der sah nun für britische Filme in den Kinos einen Pflichtanteil von ca. 13 Prozent vor, der dann stetig ansteigen sollte. Hammer drosselte jedoch seine Produktionen bis auf einige wenige Kurzfilme und stellte diese im Jahre 1939 erstmal ein, während Exclusive Films weiter andere Filme vertrieb. Aufgrund der ziemlich engen Verflochtenheit von Hammer und Exclusive, wurden aus dieser Zeit so einige Filme Hammer zugeordnet, die aber nicht von Hammer waren. Die Filme hatte Eclusive nur im Vertrieb und stammten aus britischen und möglicherweise anderen ausländischen Produktionsfirmen. Es folgte der zweite Weltkrieg und Hammer ruhte zur Zeit, so als ob man den berühmten Riecher gehabt hatte. Zu Beginn des Krieges am 1. September 1939 machte es in Grossbritannien erstmal keinen Sinn, Filme im Kino zu präsentieren, da die Briten aus Angst vor deutschen Luftangriffen alle geschlossen hatten. Da diese aber erstmal ausblieben, öffneten die Kinos Ende September 1939 wieder ihre Pforten. Aber schon ein knappes Jahr später, im August 1940 begann die sogenannte Luftschlacht um England, wo die deutsche Luftwaffe u.a. einige Stadtteile Londons bombardierte. In diesen Kriegszeiten hatte natürlich kein Kino geöffnet und stattdessen führte das britische Ministerium für Information ab September 1940 Wanderkinos ein, die häufig in Fabriken Dokumentarfilme und Nachrichten in Form von Wochenschauen zeigten. Das ganze hielt dann bis Kriegsende an und laut Statistik sahen bis dahin ca. 23 Millionen Briten diese Doku.-Filme der Wanderkinos.

Nach dem 2. Weltkrieg verzeichneten die Kinobesitzer Grossbritanniens einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen, die wöchentlich nun bei ca. 30 Millionen lag. Das waren 10 Millionen mehr, als vor dem Krieg und bedeutete einen Anstieg von knapp über 50 Prozent. Der Quota Act von 1938 war immer noch gültig und somit wurden auch wieder mehr Filme aus eigenheimischen Produktionen gefordert. Das führte u.a. auch wieder dazu, das im Jahre 1947 Hammer Productions Ltd. sozusagen reaktiviert wurde. Allerdings erstmal nur als Subunternehmen von Exclusive Films. Der Sohn von W. Hinds, Anthony Hinds und der Sohn von E. Carreras, James Carreras waren inzwischen in beiden Firmen mit von der Partie. J. Carreras leitete nun die Exclusive Films Ltd. und A. Hinds zusammen mit seinem Vater die Hammer Productions Ltd. Der Sohn von J. Carreras, Michael Carreras widerum, übernahm für beide Firmen erstmal die Öffentlichkeitsarbeit.

Bild

Schon 1948 kam nach dem Krieg der erste Hammerfilm mit dem Titel RIVER PATROL heraus. Es ist ein Krimi, wo es um die Londoner Wasserschutzpolizei geht, die hinter einer Schmugglerbande her ist, die auf der Themse ihre Waren transportiert. Danach folgte der Film WHO KILLED VAN LOON? (1948). Hier geht es um einen Diamantenhändler, der aus einem deutschen Gefangenenlager befreit werden kann. Der Befreier entpuppt sich jedoch als Verbrecher, der vorher den Partner des Händlers umbrachte und nun droht dessen Tochter zu töten, wenn dieser die Diamanten nicht heraus rückt. Auf der Spur ist ihm aber ein Scotland Yard Inspektor. Der Film war wohl auch die erste Produktion von Anthony Hinds für Hammer. Im gleichen Jahr folgte nun der Film DICK BARTON - SPECIAL AGENT (1948). Zu diesem Film später ein wenig mehr. Der Erfolg dieses Films führte nun dazu, das sich Hammer Productions Ltd. wieder als eigenständige Firma registrieren ließ und diese als solche nun fortan auch wieder geführt wurde, wobei man mit der Exclusive Films Ltd. erstmal weiterhin sehr eng verbunden blieb. Es war im Grunde der Startschuß für ein kleines Familienunternehmen, das bis in die 1970er Jahre hinein zu einer der erfolgreichsten Produktionsfirmen in der Filmgeschichte Grossbritanniens wurde.

Hammer Productions Ltd. war es auch, die damals in den 50er Jahren dem britischen Film/Kino neue Impulse gaben, besonders im Genre des Horror- und Science Fiction Films. Aufgrund ihres unverwechselbaren Stils, den liebevollen Austattungen, viktorianischen Inneneinrichtungen, der Gothic Horror Atmosphäre, tolle Darsteller ect. usw. wurde Hammer zum Inbegriff für diese Art von Filmen. Bis heute sind Hammers Phantastik Filme Aushängeschilder dieser Produktionsfirma und immer noch ihr sogenanntes Markenzeichen. Wo Hammer draufstand, war auch Hammer drin. Viele sind und werden immer Klassiker des Genres bleiben, geniessen bei den Fans hohes Ansehen und sind auch beim Publikum jüngerer Generation beliebt.

Aber Hammer war nicht nur im Genre des Phantastikfilms zugange, sondern produzierten auch Filme aus anderen Genres, wie z.B. Thriller, Abenteuer- und Historienfilme, Kriegsfilme ect.. Gerade diese anderen Hammerfilme sollen nun hier auch mal zu ihrem Recht kommen. Diese werden offenbar bis heute gegenüber den Phantastikfilmen vernachlässigt. Leider scheint das auch auf Hammerfilm-Fans zu zutreffen, die Hammer in der Regel nur mit ihren Horror- und SF Filmen in Verbindung bringen und darüber hinaus alles andere stiefmütterlich behandeln oder dafür erst gar kein Interesse aufbringen. Dies betrifft auch deutschsprachige Publikationen in der Filmliteratur, wie z.B. das Buch zu Hammerfilmen aus dem MPW Verlag. Ich habe das Buch zwar selbst nicht, aber ich konnte mir dennoch einen kurzen gewissen Eindruck verschaffen. Dort ging der Autor Peter Osteried ebenso wenig auf die anderen Hammerfilme ein, wie auch die vor nicht zu langer Zeit gezeigte Hammer-Doku. auf Arte, wobei man festhalten muß, das die Laufzeit von nur knapp einer Stunde eh zu kurz für diese spezielle Art filmgeschichtlicher Abhandlung war. Ich widerum will nun versuchen, dies mit dieser speziellen Hammerfilm-Thematik ein wenig zu ändern. Es können sich nämlich so einige andere Hammerfilme bis heute absolut sehen lassen und sogar gleichberechtigt neben so manchen Hammer-Klassiker stehen. Von genau jenen anderen Hammerfilmen vergangener Zeiten soll hier die Rede sein, wobei ich an dieser Stelle hinzufügen muß, das ich einige bis heute nicht gesehen habe. Im Laufe des Threadgeschehens werde ich das aber kundtun. Ferner soll es hier nur um die Filme gehen, die auch im deutschsprachigen Raum im Kino und/oder TV gezeigt wurden. Es lief so einiges, als vielleicht im allgemeinen angenommen wird. Im Zeitraum 1948 - 1956 existieren Hammer-Filme, die als solche nicht erkennbar waren. Das lag u.a. an der engen Verstrickung mit Exclusive Films Ltd., die die Hammerfilme widerum in ihrem Vertrieb gehabt haben. Hammer produzierte Filme und global wurden sie von Eclusive vermarktet/vertrieben. Hinzu kam noch, das auf den Filmplakaten der Name Hammer nicht auftauchte, was selbst noch beim Film SCHOCK der Fall gewesen ist. Stattdessen war meistens Exclusive Films vermerkt, aber auch der Name Anthony Hinds, als Produzent. Hinzu kamen noch diverse USA-Titel, die man im deutschsprachigen Raum als Originaltitel angab, was definitiv falsch war. Die britischen Originaltitel waren anders und unterschieden sich von den amerikanischen. All das führte vor Jahren zumindest in Deutschland zu Verwirrnissen, aber inzwischen dürfte es anders sein. Zumindest sollte es sein, denn es kommt immer noch zu Originaltitel-Verwechslungen, wie ich feststellen mußte und einigen Zuordnungsproblemen, was nun von Hammer war und was nicht. Zeit hier mal ein wenig Abhilfe zu schaffen, denke ich.

Wie bei meiner 1930er Phantastischen-Filmthematik, werde ich bei den folgenden Hammerfilmen auch wieder chronologisch nach den Herstellungsjahren vorgehen. Ferner werden die Filme immer zuerst mit ihren deutschen Erstaufführungtiteln genannt, danach folgt immer zuerst der britische/englische Originaltitel und dann erst gesondert der amerikanische Titel. Damit sollte gewährleistet sein, das es hier nicht zu solchen Verwirrnissen kommt. Kino- und TV Erstaufführungsdaten werden ebenso berücksichtigt, wie auch mögliche andere deutsche Titel und Wiederaufführungstitel. Auch werde ich wieder schönes Bildmaterial mit einbringen. Die meisten Bilder stammen aus selbst eingescannten Filmprogrammen, Plakaten bzw. Plakatabbildungen. Lediglich einige Plakate stammen vor einigen Jahren irgendwo aus dem Internet und können qualitativ von den anderen abweichen.

Es geht dann bald weiter mit dem ersten Hammer Film.....! :)
Bitte hier nichts reinschreiben, denn dafür ist der Diskusionsthread da,
den ich auch gleich eröffnen werde :)

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 24.08.2017 15:35 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
01. Film


DICK BARTON - GEHEIMAGENT
(Ot: Dick Barton - Special Agent)
GB 1948

Eine Hammer/Marylebone Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films


(USA Titel: Dick Barton - Detective)

deutsche Kino EA: -

TV EA: 1. Dezember 1992 Tele 5


Laufzeit: 66 min

Inhalt:
Der Wissenschaftler und Insektenforscher, Dr. Caspar will in England die Gewässer mit bakteriologischen Bomben verseuchen, um den britischen Staat in die Knie zu zwingen. Gleichzeitig will er deren besten Agenten, Dick Barton ins Jenseits befördern. Dieser befindet sich jedoch gerade im Urlaub, aber schon wird ihm nach dem Leben getrachtet, was erstmal misslingt. D. Barton will nun wissen wer dahinter steckt und kommt dem Wissenschaftler auf die Spur. Allerdings tickt inzwischen die berühmte große Zeitbombe.

Nach den Filmen River Patrol und Who Killed Van Loon? (in GER und AUT nicht gezeigt / siehe Einführungstext), war dies die dritte Hammer Produktion nach dem Krieg. Hammer griff hier die damalige ziemlich populäre Agentenfigur Dick Barton auf, deren Erfinder Edward A. Mason war und die sehr erfolgreich in den 1940er Jahren in England als Radioserie lief. Hammer wollte nun an den Riesenerfolg des Radio-Serials anknüpfen und verhalf Dick Barton zum Leinwandleben. Das Drehbuch verfassten Alan Stranks und Alfred Goulding, der auch Regie führte. Aufgrund des Drehbuchs, soll sich diese Verfilmung eng an den comicstriphaften Abenteuerstil des Radio-Serials halten. Don Stannard spielt D. Barton und Geoffrey Wincott mimt den bösen Gegner Dr. Caspar. Dick Barton hat auch zwei verdrehte und kauzige Helfer namens Snowey und Jock, die von George Ford und Jack Shaw dargestellt werden.

Laut Kritik soll der Regiestil von Goulding schwerfällig sein und den ganzen Film unbeholfen aussehen lassen. Das Filmlexikon bezeichnet ihn als langatmigen Agentenfilm. Der Film hatte seine deutsche Premiere nur im Fernsehen. Hammer hatte aber guten Erfolg mit dem Film, so gut, das man sich dazu entschloß Dick Barton in ein zweites filmisches Abenteuer zu schicken. Dick Barton - Geheimagent habe ich selbst nie gesehen.

Wird fortgesetzt.....!

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 25.08.2017 16:07 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
02. Film


GEHEIMWELLE 505
(Ot: Dick Barton strikes back)
GB 1949

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films


Bild

deutsche Kino EA: 15. März 1951

Verleih: Panorama Film
Länge: 1997 Meter = 73 min
später 1899 Meter = 69 min


TV WA: 1. Dezember 1992 Tele 5
TV Titel: Dick Barton: Geheimwelle 505


Inhalt:
In einem Übersee-Flugzeug
Kommissar Creston beschattet seit längerer Zeit den Südamerikaner Fouracada, den man auch den dunklen Ehrenmann nennt. Nach der Landung und Zollabfertigung hat es Fouracada eilig, aber Creston folgt ihm. Der Kommissar hatte auch inzwischen den Agenten Dick Barton in die Sache mit eingeweiht und zusammen mit seinem Gehilfen verfolgen sie die Spur des dunklen Ehrenmannes. Spät Abends durchsuchen die beiden einen Nachtclub und finden einen Toten. Es ist Creston, der offensichtlich von Fouracada umgebracht wurde. Barton und sein Gehilfe werden von Fouracada und seinen Leuten überwältigt, in einen Raum gebracht, gefesselt und geknebelt. Dann wird der Gashahn aufgedreht, Licht angelassen und die Tür verschlossen.

Nur durch Zufall kommen Barton und sein Gehilfe mit dem Leben davon, ein ganzes Dorf jedoch nicht, denn sämtliche Bewohner starben über Nacht. Ein rätselhaftes und phänomenales Verbrechen wurde begangen. Barton untersucht den Fall und einziger Anhaltspunkt ist eine Art merkwürdiger Gehörschutz, den er findet. Barton vermutet, das es sich um irgendein technisches Machtinstrument handelt, bei dessen Test alle Dorfbewohner umkamen. Im weiteren Verlauf seiner Ermittlungen gelingt es dem Agenten sich in einem Schloß einzuquartieren, dessen Besitzer ein geheimnisvoller Lord ist. Mit dessen Sekretärin Tina, macht Barton Bekanntschaft. Später findet er eine Nachricht aus der er entnimmt, das eine weitere Aktion der Unterweltkolonne bevorsteht. Schon in folgender Nacht, vernimmt Barton jenes seltsame leise Geräusch in den Lüften, wie er es schon mal hörte. Die Meldung einer zweiten Katastrophe erreicht Barton, denn diesmal traf es eine Kleinstadt, die in der Nähe des Schloßes liegt. Hier ist eine Geheimorganisation am Werk, die auf atomarer Basis eine akustische Apparatur entwickelt hat, die Ultraschallwellen von ziemlicher hoher Frequenz aussendet und als Waffe eingesetzt wird. Barton will diese Organisation stoppen, was leichter gesagt, als getan ist. Auch bekommt er es erneut mit Fouracada zu tun, der sich als Kopf der Geheimorganisation erweist.

Bild
Altes Filmprogramm aus Deutschland

Für Hammer Productions Ltd. wurde ihr erster Dick Barton Film (siehe 01. Film), trotz mäßiger Kritiken dennoch ein großer Erfolg. Das lag wohl daran, das diese Agentenfigur besonders in England damals äußerst populär und beliebt war. Es war naheliegend, das Hammer den Agenten in ein zweites Kinoabenteuer schickte. Ursprünglich sollte sich der zweite Film im Original DICK BARTON AND THE SILENT PLAGUE nennen, was sich meiner Meinung nach geheimnisvoller gelesen und vom Titel her ein wenig besser geklungen hätte. Gemessen am Inhalt, wäre es sehr passend gewesen. Wie schon der vorige Dick Barton Film, so ist auch dieser hier im Genre des Science Fiction Films ansässig. Und wenn man sich die Inhalte betrachtet, so verwundert es absolut nicht, das Dick Barton im Grunde als legitimer Vorläufer von James Bond angesehen wird. Hier ein Spezialagent und dort Gegner, die mit diversen Erfindungen gleich ganze Regionen auslöschen wollen, um Staaten zu erpressen und/oder in die Knie zu zwingen. (Der Bond-Autor Ian Flemming veröffentlichte seinen ersten Bondroman im Jahre 1951, Anmerk.) Der Film wurde ein noch größerer Erfolg für Hammer in England und wird im allgemeinen als der beste angesehen, der laut Kritik auch wesentlich actionreicher war. Besonders gelobt wurde die Szenerie im Zoo, wo Barton zusammen mit giftigen Schlangen in einen Käfig gesperrt wird und wo sich der Agent innerhalb des Blackpool Towers nach oben kämpfen muß. Die Rolle des Agenten übernahm wieder Don Stannard, dem die Kritik bescheinigte, das er einen guten athletischen Dick Barton abgab. Als sein Gehilfe Snowey agierte diesmal Bruce Walker und desweiteren mit Sebastian Cabot (Fouracada), James Raglan (Der Lord), Jean Lodge (Tina) u.a. Regie führte Godfrey Grayson. Die Kritik war ferner der Ansicht, das Grayson den Film temporeich in Szene setzte.

In Deutschland war es im Grunde der erste Hammer Film, der damals im Kino angelaufen war, der aber als solcher nicht erkennbar gewesen ist. Mal abgesehen davon, das der Name Hammer in dieser Zeit eh auf den Plakaten nirgends zu lesen war, gab der damalige Verleih Panorama den Film als ein Exclusive Film aus. Anthony Hinds/Hammer hatte den Film produziert und Exclusive übernahm den Vertrieb.

Die Werbung ließ u.a. auch verlauten, Zitat: "Ein Kriminalfilm der technischen Sensationen"
Ich finde, das sich das filmnostalgisch sehr gut anhört. Unter der Rubrik Personen und Darsteller findet sich im alten Filmprogramm was amüsantes, Zitat:

Ein höriger Sendbote des Ultraschalls: Schäferhund Flash :mrgreen:

Was die beiden Meter- und Minutenangaben betrifft, so war der Film mal länger. Vermutlich bei einer Wiederaufführung wurde der Film dann von FSK 16 auf 12 Jahren herunter gestuft und demnach fehlten ca. 4 - 5 min. Welche Länge widerum die TV Ausstrahlung hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. Ebenso, ob der möglichereise mit einer Neusynchro lief bzw. die alte überhaupt noch vorhanden ist. Leider habe ich den Film bisher nicht sehen können.

Wird fortgesetzt.....!

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 26.08.2017 15:38 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
03. Film


DICK BARTON GREIFT EIN
(Ot: Dick Barton at Bay)
GB 1950

Eine Hammer/Marylebone Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films


Bild

deutsche Kino EA: -

TV EA: 1. Dezember 1992 Tele 5


anderer TV Titel: Dick Barton und der Todesstrahl

Länge: 60 min

Kurzinhalt:
Diesmal bekommt es der Spezialagent Dick Barton mit einer Bande von internationalen Verbrechern zu tun. Diese bringen den Wissenschaftler, Professor Mitchell und dessen Tochter Anna in ihre Gewalt. Der Professor hatte eine Strahlenwaffe entwickelt und die Bande zwingt ihn nun, diese heraus zugeben. Von einem Leuchtturm aus drohen die Verbrecher damit, Grossbritannien mit einem Todesstrahl zu vernichten, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

Nach den beiden anderen Dick Barton Filmen (siehe Filme 01 & 02), war dies der dritte Film von Hammer um diesen Spezialagenten. Als Originaltitel sollte der Film ursprünglich DICK BARTON AND THE RAY OF DEATH heißen, was aussagekräftiger gewesen wäre, als der nun etwas harmloser klingende Titel, denn das Plakat widerum, spricht eine andere Sprache. Don Stannard ist wieder Dick Barton und George Ford stellt wieder seinen Gehilfen Snowey da. Desweiteren mit Tamara Desni (Anna), Percy Walsh (Prof. Mitchell) u.a. Regie führte Godfrey Grayson. Auch dieser Film kam beim Publikum gut an. Hammer hätte sehr wahrscheinlich ein oder zwei weitere Filme gemacht, wenn der Hauptdarsteller nicht gestorben wäre. Laut Info. starb D. Stannard bei einem Autounfall. Somit war es der letzte Dick Barton Film einer im Grunde sehr kurzlebigen Filmserie. Auch diesen Dick Barton Film sah ich nie.

Wird fortgesetzt.....!

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 27.08.2017 15:58 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
04. Film


CLOUDBURST
(Ot: Cloudburst)
GB 1951

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films


Bild

deutsche Kino EA: -

TV EA: 6. Dezember 1992 Tele 5


Länge: 87 min


Kurzinhalt:
John Graham ist für das britische Außenministerium tätig und ist ein kanadischer Veteran, der sich im 2. Weltkrieg ausgezeichnet hatte. Als John Abends mit seiner Frau spazieren geht, stolpert sie und fällt auf die Strasse. Ein heran rasendes Auto überfährt sie, landet dabei seitwärts im Strassengraben. John versucht zusammen mit dem Fahrer (der es ziemlich eilig zu haben scheint) das Auto von seiner darunter liegenden Frau weg zu bekommen. Dessen Beifahrerin jedoch, sticht mit einer kleinen Schere auf John ein, so das er aus dem Wagen fällt. Der Wagen rast davon. Ein schwerer Schlag für John, denn seine Frau ist nun tot. Da John der Polizei nicht sonderlich zutraut die Täter ausfindig zu machen, will er es selbst tun. John hat Rache geschworen und er nutzt nun seine militärischen und logistischen Fähigkeiten dazu, in Grossbritannien nach den Verbrechern zu suchen, diese zu stellen und sich an denen zu rächen. John gerät durch seinen ihm eigenen Stil aber auch ins Visier der Polizei, denn die ist nicht untätig.

Bild

Dieser Hammer-Kriminalfilm lief leider damals nicht in den deutschen Kinos, obwohl der sich vom Inhalt her dafür bestens geeignet hätte. Aber er lief damals natürlich in England und wurde auch in den USA gezeigt, wobei United Artists den dortigen Vertrieb für den amerikanischen Markt übernahm. Somit stimmt z.B. die Angabe im deutschen Filmlexikon nicht, wo behauptet wird, das es eine United Artists Produktion sei. Anthony Hinds produzierte den Film zusammen mit Alexander Paal für Hammer Productions Ltd. In dem Zusammenhang ist es auch ein wenig verwirrend, das Produzent A. Hinds auf den Plakaten nicht zu lesen ist, warum auch immer und stattdessen nur A. Paal vermerkt ist. Im Film selbst ist widerum umgekehrt und nur A. Hinds angegeben. Möglicherweise basierte sowas auf einer Einigung zwischen den beiden, denn eine andere Erklärung fällt mir dazu derzeit nicht ein.

Eine Kritik aus dem Filmlexikon, Zitat:
"Rache-Melodram in sehr verhaltenem Tempo, das seinem Thema wenig aufregende Aspekte abgewinnt."

Fortsetzung folgt.....!

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 30.08.2017 17:29 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
05. Film


ERPRESSERIN
(Ot: The Last Page)
GB 1952

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films
und der Lippert Pictures (USA)


Bild

deutsche Kino EA: 30. Januar 1953

Verleih: Döring-Film GmbH.
Länge: 2136 Meter = 78 min


(USA Titel: Man Bait)


Inhalt:
Schauplatz: London
John Harman ist Verleger und Inhaber eines Buchladens. Dessen Angestellte Ruby beobachtet, wie ein Kunde versucht ein Buch zu stehlen. Bei dem Mann handelt es sich um Jeff Hart und anstatt den Diebstahl ihrem Chef zu melden, zieht es Ruby jedoch vor sich mit Jeff am nächsten Abend in einem Club zu verabreden. Ruby muß am nächsten Tage ein wenig länger im Laden sein und aufgrund ihres reizvollen Aussehens, küßt ihr Chef sie, der sich daraufhin bei ihr entschuldigt. Ruby berichtet Jeff von dem Vorfall und der will daraus nun Kapital schlagen, indem er nun die ihm hörige Ruby dazu bringt, ihren Chef danmit zu erpressen. Der hatte nämlich Post bekommen mit der Nachricht von einer Versicherungspolice, die ihm 300 Pfund ausbezahlt. Das Geld will John dazu verwenden, um seiner kranken Frau May den Klinkaufenthalt zu ermöglichen, damit sie wieder gesund wird. Somit weigert sich Mr. Harmann zu bezahlen. Ruby schreibt einen Brief an Harmans schwerkranke Frau und läßt ihr diesen zukommen. Als die Frau den Brief liest, stirbt diese vor Aufregung an einem Herzanfall. Niedergeschmettert vom Tod seiner Frau und um endlich seine Ruhe zu haben, übergibt Harman die 300 Pfund an Ruby, als diese abermals Geld fordert. Als Ruby versucht einen Teil des Geldes zu verstecken, um es für sich zu behalten, wird sie dabei von Jeff überrascht. Im Keller der Buchhandlung bringt er Ruby um und versteckt die Tote in einer Bücherkiste. Am nächsten Tag entdeckt Harman die tote Ruby und er weiß, das der Verdacht nur auf ihn fallen kann. Hals über Kopf flüchtet er sich in ein Versteck. Zusammen mit Stella, seiner Sekretärin versucht er nun den wahren Mörder zu fassen, wobei die Polizei hinter ihm her ist.

Hatte Hammer von 1947 bis ca. 1950 nur Filme produziert, die in erster Linie auf den eigenheimischen Markt in Grossbritannien und der Kinokette von E. Carreras abgestimmt war, so sollte sich dies mit -The Last Page- ändern. Die Hammer Productions Ltd. ging eine Kooperation mit dem amerikanischen Produzenten und Filmvertreiber Robert Lippert ein, um auf dem Filmmarkt der USA zu expandieren. Damit begann Hammers Film Noir Phase, die mit diesem Film hier ihren Anfang nahm. Diese Partnerschaft mit Lippert ermöglichte Hammer zusätzlich, einige amerikanische Filmstars zu engagieren, auch wenn diese zum damaligen Zeitpunkt selbst nicht mehr so ganz aktuell gewesen sind. Hammer produzierte die Filme und Lippert sorgte für eine gewisse amerikanische prominente Besetzung. Exclusive übernahm den Vertrieb, den widerum Lippert für den amerikanischen Markt übernommen hatte. Aufgrund der verschärften Zensur in den USA der frühen 1950er Jahre durch die McCarthy-Ära, war es um den amerikanischen Film Noir sehr schlecht bestellt. England bzw. Hammer konnte dadurch eine Lücke, auch in den USA füllen. Die Hammer Noirs, die im Grunde alle B-Produktionen sind, sollen dabei allerdings von unterschiedlicher Qualität und das Niveau ihrer Filme mal im oberen, mal im unteren Bereich sein.

Bild / Bild
Zwei alte Filmprogramme

Der Film ERPRESSERIN wird laut einiger Kritiken irgendwo im mittleren Bereich angesiedelt. Filmlexikon z.B. spricht von einem konventionellen Kriminalfilm mit gemäßigtem Nervenkitzel. Der Film wurde von Lippert auch in Deutschland vertrieben und der damalige Verleih Döring brachte ihn ins Kino. Es wurde mit einem -Lippert Film- geworben und Lippert teilweise als Produzent angegeben, was nicht richtig ist. Zur völligen Verwirrung trug anscheinend auch der Verleih bei, der diesen Film als eine Capital-Pictures-Produktion angab, was ebenso falsch war/ist. Anthony Hinds/Hammer produzierte den Film, Exclusive Films vertrieb ihn in England, Lippert in den USA und anscheinend zumindest auch in Deutschland/Österreich. Als vermeintlicher Originaltitel wurde nur der USA-Titel genannt (siehe auch dazu Vorderseite des Filmprogramms). George Brent, der schon auf eine 22jährige Filmkarriere zurück blicken konnte, spielt hier John Harman (laut deutscher Rollenangabe: John Howarth). Desweiteren mit Diana Dors, als Ruby (laut deutscher Rollenangabe: Gaby), Marguerite Chapman (Stella), Peter Reynolds (Jeff Hart) u.a. Regie führte Terence Fisher. Es scheint so, als ob der Film seit damals nie wieder im deutschsprachigen Raum gezeigt worden ist, jedenfalls konnte ich keine weiteren Aufführungen ausfindig machen. Kenne den nicht und würde ihn gerne mal sehen wollen.

Fortsetzung folgt.....!

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 01.09.2017 17:26 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
06. Film


VOM TÄTER FEHLT JEDE SPUR
(Ot: Lady In The Fog)
GB 1952

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films
und der Lippert Pictures (USA)


Bild

deutsche Kino EA: 10. September 1953

Verleih: Matador Film
Länge: 2117 Meter = 77 min

späterer Verleih: Accord-Film-Verleih GmbH.


(USA Titel: Scotland Yard Inspector)


Inhalt:
Schauplatz: London
Phil Odell, ein amerikanischer Journalist sitzt in London fest und kann erstmal nicht zurück in die USA fliegen, da ein dichter Nebel dies verhindert. Unternehmungslustig und ständig nach einer guten Story ausschau haltend, wie er nun mal ist, begibt sich Phil in die Milieus der Nachtlokale und Bars. Dort lernt er die junge Dame Ellen McMara kennen, die dort auf ihren Bruder wartet. Der erscheint jedoch nicht und stattdessen kommt ein Polizist und berichtet Ellen, das ihr Bruder Danny tot ist, da er von einem Auto überfahren wurde. Ein Verkehrsunfall?, nein, denn Ellen ist überzeugt davon, das ihr Bruder absichtlich umgebracht worden ist. Sie weiß, das er in einer merkwürdigen Sache verwickelt war. Scotland Yard kann sie mit ihrem instinktiven Verdacht nicht aufsuchen, denn man würde ihr dort nicht glauben. Ein Auto als Mordwaffe? Als Kavalier und weil er Ellen damit nicht alleine lassen will, bietet Phil nun seine Dienste an. Beide gehen der Sache auf eigene Faust nach und suchen zuerst das Hotelzimmer auf, in dem Danny derzeit wohnte und finden ein Magnetophonband. Weitere Spuren führen über der zwielichtigen Barbesitzerin Peggy, dem Filmstudio von Mr. Hampden bis zu einer Irrenanstalt, in der angeblich ein unheilbarer Psychopath namens Sorrowby einsitzt. Der soll vor einigen Jahren an einer technischen Erfindung mitgearbeitet haben, dessen Erbauer George Maybrick bei einem Garagenbrand ums Leben kam. Der Fall wird immer mysteriöser, zumal das Auto wieder als Mordinstrument benutzt wird und sein nächstes Opfer findet.

Nach den Filmen GEHEIMWELLE 505 und ERPRESSERIN (siehe 02 & 05 Film), war dies der dritte Hammer-Film, der damals in Deutschland/ Österreich im Kino gezeigt wurde. Auch dieser Film war damals als Hammerfilm nicht erkennbar, da der Verleih ihn fälschlicherweise mit -Ein Lippert Film- bewarb (siehe obiges Plakat) und zudem diesen als eine -Lippert Produktion- und ferner als US-Film angab. So steht dies beispielsweise auch immer noch im Filmlexikon geschrieben. Anthony Hinds produzierte wieder diesen Film, der auch in Grossbritannien hergestellt worden ist und Sam Newfield führte Regie. Jener Regisseur, der z.B. in den 1940er Jahren etliche Western inszeniert hatte und dessen deutsche Titel meistens mit dem Namen Fuzzy begannen. Diese sogenannten "Fuzzy-Western" müßen damals sehr populär gewesen sein, denn es gab sehr viele davon. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Bild / Bild
Zwei alte Filmprogramme

Lady in the Fog wurde in England von Exclusive Films vertrieben. Lippert vertrieb ihn in Amerika und zumindest auch wieder in Deutschland/Österreich. Die Hauptrolle des Phil Odell wurde hier vom Latino-amerikanischen Schauspieler Cesar Romero dargeboten. Ein Darsteller, der so manchen Film und auch Serie allein schon mit seiner Mimik und z.T. Overacting bereicherte. So spielte er z.B. einen wahnsinnigen Wissenschaftler im Japan-Scifi U 4000 - PANIK UNTER DEM OZEAN oder den Joker in der damals äußerst populären Serie BATMAN, als Gegenspieler des Titeldarstellers Adam West. Als Peggy ist hier Lois Maxwell zu sehen. Jene Schauspielerin, die später in vielen James Bond Filmen, als Miss Moneypenny zu sehen war und international bekannt wurde. Wenn man es rückblickend betrachtet, so hat man es hier zumindest mit einer frühen prominenten Besetzung zu tun. Desweiteren mit Bernadette O'Farell als Heather (laut deutscher Rollenangabe: Ellen), Geoffrey Keen (Mr. Hampden) u.a.

Zitat aus dem Katholischen Filmdienst:
"Ein reißerischer Kriminalfilm der B-Kategorie, arg konstruiert und nur wenig spannend."
Wenn ich den Originaltitel mir ins deutsche denke, also DIE DAME IM NEBEL (hört sich schön und geheimnisvoll an), mir dazu London im Nebel vorstelle (macht sich immer gut), dazu den Inhalt des Films ect., dann könnte man es hier mit einem guten atmosphärischen Hammer Film Noir zu tun haben, der mir so unspannend erstmal nicht erscheinen will. Der Film könnte später in den 1960er Jahren vielleicht noch mal im Kino gelaufen sein, aufgrund des späteren/anderen Verleihs (siehe oben). Aber ich habe nichts ausfindig machen können und der Film ist seitdem anscheinend nirgendwo mehr im deutschsprachigen Raum gezeigt worden. Kenne den leider bis heute nicht, aber vielleicht ändert sich das auch mal.

Fortsetzung folgt.....!

Graf von KarnsteinBild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 03.09.2017 18:01 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
07. Film


TEUFEL IN BLOND
(Ot: The Flanagan Boy)
(At: The Woman is Trouble)

GB 1953

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films
und der Lippert Pictures (USA)


Bild

deutsche Kino EA: 7. Juli 1954

Verleih: Tempo-Film
Länge: 2188 Meter = 80 min

späterer Verleih: Accord-Film-Verleih GmbH.
Länge: 2149 Meter = ca. 78:30 min


(USA Titel: Bad Blonde)


Inhalt:
Schauplatz: London
Auf einem Jahrmarkt betreibt der ehemalige Boxtrainer Sharkey eine Schaubude, wo Männer aus dem Publikum die Chance erhalten 5 britische Pfund zu bekommen, wenn diese gegen einen von Sharkeys Boxern antreten und gewinnen. Johnny Flanagan, ein ehemaliger Matrose meldet sich und kann den Kampf für sich entscheiden. Sharkey ist nun am neuen Boxtalent interessiert und sieht dabei auch seinen alten Kumpel Charlie wieder, der Johnny bisher trainiert hat. Beide wollen zusammen wieder ins große Boxgeschäft einsteigen, indem sie Flanagan weiter trainieren und groß rausbringen wollen. Aber sie brauchen einen Manager und Boxpromoter, der das ganze finanziert. Den finden sie in dem alten Giuseppe Vecchi, der seinen Landsitz am Rande Londons hat. Dort wird nun das Trainingslager eingerichtet. Der alte Vecchi ist mit der weitaus jüngeren Lorna verheiratet. Johnny lernt Lorna kennen und beide begegnen sich in beleidigender Ablehnung. Als es dem alten Vecchi zuviel wird, ist er es, der die Spannungen zwischen den beiden löst und freundschaftlich zusammenführt. Aber dabei bleibt es nicht, denn Johnny und Lorna sind voneinander angezogen und es ist Lorna, die Johnny mehr und mehr in ihren Bann zieht. Eines Tages teilt sie Johnny mit, das sie ein Kind von ihm erwarte und ihren Ehemann los werden wolle. Johnny will dies nicht, aber da Lorna zusätzlich mit Selbstmord droht, ist er bereit dazu. Als der betrunkene Giuseppe zusammen mit Johnny auf dem Boot ist, bringt dieser es zum kentern und der alte Vecchi, der nicht schwimmen kann ertrinkt. Die Polizei hält es für einen Unfall. Nur Charlie scheint etwas zu ahnen, als er Johnnys Armbanduhr im Bootshaus findet, aber auch Lorna erweist sich noch boshafter, als angenommen.

Wenn ich mir die Geschichte so betrachte, so scheint Hammer ein wenig auf den Spuren des Klassikers IM NETZ DER LEIDENSCHAFTEN/THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE USA 1946 (damals mit Lana Turner & John Garfield) zu wandeln. Jener Film, dessen Romanvorlage von James M. Cain vorher schon dreimal verfilmt wurde und später mit dem 1980 inszenierten Film WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT eine weitere Neuverfilmung hinzu kam. Offenbar verband Hammer damit noch zusätzlich das Motiv eines aufstrebenden Boxers bzw. vermischte dies mit irgendwelchen Boxerfilmgeschichten, so das am Ende ein weiterer Hammer Noir dabei heraus kam. Den Eindruck habe ich zumindest, obwohl ich den auch nicht kenne, ihn aber ebenso gerne mal sehen möchte. Ich denke, die Mischung machts und ich konnte mir zumindest anhand eines Trailers und eines längeren Filmszenen-Ausschnitts, einen gewissen Eindruck verschaffen. Das was ich sah, hat mir zumindest gefallen. Vom Inhalt her, macht der Film auch noch einige Kehrtwendungen und müßte sich demnach eh von seinen filmischen Vorbildern entfernen. Mit Barbara Payton (Lorna) scheint man hier eine besonders böse Femme Fatale zu haben. Desweiteren mit Tony Wright (Johnny), Frederick Valk (Giuseppe), Sidney James (Sharkey), John Slater (Charlie) u.a. Regie führte Reginald LeBorg.

Bild / Bild
Altes Filmprogramm und Plakat

Dies war der dritte Hammer Noir und gleichzeitig der vierte Hammerfilm, der damals in Deutschland/Österreich im Kino lief. Auch diesen Film verkaufte man damals als einen reinen amerikanischen Film und man gab ihn zusätzlich als eine Lippert Film Hollywood Produktion an. Und natürlich wurde auch hier wieder nur der vermeintliche US-Titel als Originaltitel angegeben. A. Hinds war der Produzent und der Film wurde in Grossbritannien bzw. in London gedreht und hergestellt. Die US-Plakate weisen den Film als eine Exclusive Production aus. Es ist zwar dennoch ein Hammerfilm, aber wenn man es genauer nimmt, so ist dies nicht verkehrt. Hammer selbst steckte zu jener Zeit in einer finanziellen Krise, denn die Filme liefen mit mäßigem Erfolg. Die berühmte Schützenhilfe kam von Exclusive Films, da die Carreras Brüder, James und Michael die Mehrheit der Anteile von Hammer erwarben. Da beide Firmen, Hammer und Exclusive von je her sehr eng zusammen waren, wurden die nächsten Hammer-Filme von Anthony Hinds unter der Schirmherrschaft von Exclusive produziert, so auch dieser hier. Inoffiziell waren es Hammerfilme und offiziell eben Exclusive Produktionen, wenn man so will. Den Vertrieb für die USA und Deutschland/Österreich übernahm wieder R. Lippert. Der Film muß später, aus welchen Gründen auch immer, bei seiner Wiederaufführung in Deutschland gekürzt worden sein (siehe obige Verleihangaben). Wann der nochmal lief, konnte ich bisher nicht ermitteln. Der Film erschien zusammen mit ERPRESSERIN (siehe 05. Film) in Amerika auf einer DVD und soll laut Angabe regionfree sein.

Fortsetzung folgt.....!

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 07.09.2017 16:50 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
08. Film


TODESROULETTE
(Ot: The Saint's Return)
GB 1954

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films
und Julian Lesser (USA)


Bild

deutsche Kino EA: 30. August 1957

Verleih: RKO Radio Film
Länge: 1867 Meter = 68 min


(USA Titel: The Saint's Girl Friday)

Inhalt:
Simon Templer befindet sich in New York, als er ein Telegramm aus England erhält. Eine alte Freundin bittet ihn dringend um Hilfe und er fliegt nach London. Dort angekommen, muß Mr. Templer erfahren, das die Freundin tot ist, angeblich ein Autounfall. Templer wird misstraurisch, da ihm das zu plötzlich erscheint und er geht der Sache nach. Es stellt sich heraus, das die Tote zu den oberen Zehntausend gehörte und keine Unbekannte war. Aber sie spielte und verlor dabei eine große Summe. Der Saint/Heilige sucht einen Kunstmaler auf, von dem er genau weiß, das dieser einen lukrativen Handel mit Falschgeld betreibt. Von diesem verschafft er sich einen ganzen Haufen sogenannter Blüten und begibt sich ins Nachtleben gewisser Bars und Spielclubs. Dort lernt er die junge Dame Carol kennen, die ihn in einen der Spielclubs einführt. Es dauert nicht lange und Simon ist sein Falschgeld wieder los. Offenbar hat ihn die Spielclubleitung erkannt und will ihm den Verlust ersetzen, wenn er verschwindet. Templer läßt sich darauf nicht ein und Carol verschafft ihm eine Gästeliste mit den Leuten, die dort ebenfalls Geld verloren haben. Darunter ein gewisser Lord Merton, den Templer aufsucht und mit ihm eine längere Unterhaltung hat. Tags darauf ist der Lord jedoch tot und ein angeblich hinterlassender Brief spricht von Selbstmord. Im Haus des Toten kann der Heilige zwei Verbrecher unschädlich machen. Einen Mordanschlag auf sich kann Templer verhindern, indem er den Attentäter einfach niederschießt. Templer hat es hier mit einer skrupellosen Falschspielerbande zu tun.

Anhand der Hauptfigur werden viele Leute gemerkt haben, das man es hier mit einem weltbekannten und berühmten Namen aus der Kriminalliteratur zu tun hat, dem Saint. Der Saint/Heilige, dessen bürgerlicher Name Simon Templer lautet ist jemand, der darauf spezialisiert ist anderen in Not zu helfen. Ob schönen Frauen, ehrbaren Männern oder auch Leuten, die widerum der Polizei verdächtig erscheinen. Deshalb mag die Polizei den Saint nicht sonderlich, weil er ihnen ständig ausweicht und meistens allein arbeitet. Wann immer der Saint ein Handlungsort nach seinem Eingreifen verläßt, so hinterläßt er eine Visitenkarte, auf der ein Mann mit Heiligenschein abgebildet ist. Das ist sein Wahrzeichen und wird deshalb Saint genannt. Für gewöhnlich ist er vor der Polizei am Ort eines Verbrechens und hinterläßt seine Karte. Sein Erfinder und Autor war Leslie Charteris, dessen erste Bücher in den 1930er Jahren veröffentlicht wurden und einen außerordentlichen Bekantheitsgrad erreichten. So blieb es nicht aus, das der Saint auch im Film und Fernsehen auftauchte. Der erste Saint-Darsteller war Louis Hayward im Film THE SAINT IN NEW YORK (USA 1938). George Sanders und Hugh Sinclair spielten ihn danach bis 1942. Richtig populär und erfolgreich wurde der Saint erst mit der Darstellung von Roger Moore in der britischen TV-Serie SIMON TEMPLER (GB 1963-1969), die 118 Folgen umfasst, von denen jedoch in Deutschland nur 55 Folgen gezeigt wurden. SIMON TEMPLER - EIN GENTLEMAN MIT HEILIGENSCHEIN war der Titel einer 15teiligen USA Miniserie von 1978-1980 mit Ian Ogilvy in der Titelrolle. Eine weitere 6teilige TV Miniserie folgte danach wieder aus Grossbritannien. SIMON TEMPLER, so der Titel entstand 1989 mit Simon Dutton. 1996 spielte Val Kilmer den Heiligen im Kinofilm THE SAINT - DER MANN OHNE NAMEN.

Bild
Altes Filmprogramm

Nun zu dieser Saint-Verfilmung, einem weiteren Hammerfilm hier, der meines erachtens offenbar irgendwie in Vergessenheit geraten ist. James und Michael Carreras gingen eine Kooperation mit dem Produzenten Julian Lesser ein, dem Sohn des damaligen berühmten Tarzanfilm-Produzenten Sol Lesser. Gemeinsam hatten sie schon vorher im Jahre 1951 zwei Filme auf die Beine gestellt, WHISPERING SMITH HITS LONDON & DEATH OF AN ANGEL. Beide Hammerfilme sind bisher im deutschsprachigen Raum nicht gezeigt worden. Eine dritte Zusammenarbeit beim Film BLOOD ORANGE 1953 scheiterte und mußte von J. Lesser einseitig beendet werden, da sein Vater Sol Lesser dies bestimmte, weil ihm das Drehbuch von Michael Carreras zu schlecht war und er es ablehnte. Der Film wurde dann in Kooperation mit Astor Picture Corporation (USA) hergestellt, wurde aber hierzulande bis heute ebenfalls nicht gezeigt. Die Beziehung zwischen den Carreras und Lessers war dadurch nicht besonders positiv. Das es dennoch wieder zur Zusammenarbeit bei diesem Film hier kam, war im Grunde Senior Lesser zu verdanken, der den Kontakt durch seinen Manager in London wieder herstellen konnte. Carreras sagte schließlich zu und schickte Lesser ein Krimi-Drehbuch nach Amerika. Junior Lesser hatte nun die Idee, einfach den Saint in dieser Geschichte als Hauptfigur einzubauen. So entstand ein überarbeitetes Drehbuch, das sich nach den Figuren aus den ganzen Saint-Romanen orientierte. Da es sich um eine britische- bzw. Hammer Filmproduktion handelte, mußte sich J. Lesser bei jeder Änderung erstmal die Zustimmung von Carreras einholen. Dies betraf auch die Wahl des Hauptdarstellers und Regisseurs. Lesser wählte Louis Hayward aus, der Jahre zuvor den Saint als erstes im Film dargeboten hatte. Carreras stimmte zu, was u.a. gerade deswegen zum britischen Originaltitel, The Saint's Return geführt haben mag. Ferner wählte man für die Regie Seymour Friedman aus. Nun war es in Grossbritannien so, das laut einer per Gesetz auferlegten Quote, die Beteiligung von Ausländern (in dem Falle Amerikaner) an einer britischen Filmproduktion nicht mehr als zwei Leute betragen durfte, was ebenso auf die vorigen Hammerfilme zutraf, die in Kooperation mit den USA entstanden sind. Man hatte also bereits Hayward und Friedman. Lesser Junior wollte aber dabei sein und trug sich einfach als Importeur von britischen Filmen mit in die Liste ein. Das wurde dann von den Briten akzeptiert und Lesser war somit am Filmset dabei.

Der Film wurde ohne größere Schwierigkeiten fertig gestellt. Obwohl Anthony Hinds auch hier wieder die Produktion übernahm und er auch als solcher beim Verleih mit aufgeführt wurde, wurde das ganze wieder als US-Film und als eine Julian Lesser Produktion in Deutschland/Österreich verkauft, was aber nicht richtig ist. Den Vertrieb für Grossbritannien übernahm wieder Exclusive Films, den für die USA und Deutschland/Österreich, Julian Lesser. RKO verlieh den Film hierzulande und in den USA. Desweiteren wirken mit, Naomi Chance (Carol), Diana Dors (Margie), Sidney Tafler (Max Lennar) u.a. Da der Saint dem Publikum durch Romane und den vorigen Filmen sehr bekannt war, konnten Hammer/Exclusive und auch Julian Lesser mit den finanziellen Einspielergebnissen zufrieden sein. Diese Hammer/Saint-Verfilmung scheint vergessen, denn der lief seitdem in Deutschland/Österreich nirgendwo mehr.

Fortsetzung folgt.....!

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 01.10.2017 15:48 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
09. Film


DAS GANGSTER-SYNDIKAT
(Ot: 36 Hours)
GB 1954

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films
und der Lippert Pictures (USA)


Bild / Bild

deutsche Kino EA: 21. Oktober 1955

Verleih: Panorama Film
Länge: 2325 Meter = 85 min
später: 2277 Meter = ca. 83:20 min


Titel in Österreich: STRASSE DES TERRORS

(USA Titel: Terror Street)

Inhalt:
Captain Bill Rogers entfernt sich einfach aus der Armee und begibt sich von Amerika nach London, ohne jedoch einen Beurlaubungsschein dafür zu haben. Er will seine Frau Katie mal wiedersehen. Für diese unerlaubte Aktion hat er nur 36 Stunden Zeit, dann muß er wieder zurück nach USA. Als er Katie wiedersieht, stellt er merkwürdige Veränderungen um seine Frau fest. Bevor sie ihm diese erklären kann, wird Bill von einem Unbekannten bewußtlos geschlagen. Als er wieder aufwacht, muß er feststellen, das seine Frau tot neben ihm liegt. Sie wurde erschossen. Bill ist verwirrt, aber schon kündigen sich Polizeisirenen an und in seiner Ratlosigkeit und Verzweifelung, flieht er durchs Fenster. Von den ankommenden Polizisten bleibt dies nicht unbemerkt und als Tatverdächtiger wird Bill nun für den Mörder gehalten und verfolgt. Bill entkommt durch ein anderes offenstehendes Fenster in eine Wohnung, die von der jungen Frau Jenny bewohnt wird. Sie ist überrascht, aber dann doch hilfsbereit, als Bill ihr seine Situation schildert. Erfolgreich kann sie Bill vor den Polizisten verbergen und will ihm nun dabei helfen, den Mord an seiner Frau aufzuklären. Bills Nachforschungen ergeben, das Katie mit dem zwielichtigen Orville Hart eng befreundet war, der sich zudem als Zollinspektor ausgibt, aber keiner ist. Orville will Bill aus dem Weg räumen und hetzt den jungen Henry Slauson auf ihn. In ihm findet Bill jedoch unerwartet einen neuen Freund und der weiht ihn in diverse Vorgänge von Londons Unterwelt ein. Zwischen gejagt werden und selbst den Mörder seiner Frau jagen, wird die Zeit für Bill immer enger, denn die 36 Stunden nähern sich unaufhaltsam ihrem Ende.

Bild / Bild
Zwei alte Filmprogramme

Der Schauspieler Dan Dureya hatte in amerikanischen Kriminal- und Western Filmen meistens Gangster und Schurken dargestellt. Er war der sogenannte Bad Guy in vielen Filmen, mit denen er bekannt wurde. Hammer und R. Lippert besetzten ihn im Grunde gegen den Strich, indem er hier mal einen guten unschuldig von der Polizei Verfolgten darstellt. Der Film wurde in England/London gedreht. Die Geschichte wurde von Steve Fisher verfasst, der auch das Drehbuch dazu schrieb. Hammer bzw. Anthony Hinds produzierte diesen für Exclusive Films, weshalb auf den Plakaten vermerkt ist, das dies eine Exclusive Film Produktion ist, was nicht verkehrt ist. Exclusive vertrieb ihn in England, Lippert wieder in Amerika und Deutschland/Österreich. Auch dieser Film wurde damals fälschlicherweise als eine reine USA-Produktion angegeben und vermarktet. Als Originaltitel gab man auch wieder nur den USA-Titel an, was ebenso nicht richtig war/ist. Ferner wirken mit: Elsy Albiin (Katie), John Chandos (Orville), Ann Gudrun (Jenny), Kenneth Griffith (Henry) u.a. Die Regie übernahm Mongomery Tully. Der Film muß später bei einer Wiederaufführung gekürzt gelaufen sein (siehe obige Längenangaben) und das trotz gleichbleibender FSK-Einstufung, denn er war immer ab 16 Jahren freigegeben. Wann der nochmal lief, war leider bisher nicht zu ermitteln. Der Film hatte in Österreich einen ganz anderen Titel (siehe oben bzw. auch die Programmabbildung) und wie man sieht, orientierte man sich an den vermeintlichen originalen US-Titel, den man einfach übersetzte.

Dies war auch der letzte in Deutschland/Österreich gezeigte Hammerfilm, der in Kooperation mit Robert Lippert entstanden ist. Die Hammer-Lippert-Phase umfasst immerhin 14 Filme, von denen nur vier damals im deutschsprachigen Raum im Kino gezeigt worden sind. Das war noch nicht mal die Hälfte. Angeblich sollen es 17 Filme sein, aber nach meiner Zählung komme ich zumindest nur auf diese 14 Filme. Mehr sehe ich da nicht. Nach 36 Hours folgten noch drei weitere kooperative Hammer/Lippert Filme. Im Jahre 1955 mußte laut Info. R. Lippert seine Lippert Pictures verkaufen. Die Filmfirma 20th Century Fox kaufte sie ein. In den 1960er Jahren gab es dann aber doch noch einige Filme, die R. Lippert mitproduziert hat, wie z.B. den Phantastikfilm CURSE OF THE FLY und einige wenige andere. Danach zog er sich wohl aus dem Filmgeschäft zurück. Eine Auflistung der nicht gezeigten Hammerfilme in Deutschland, folgt am Ende des Themas. Ist besser und übersichtlicher, als wenn ich dies hier nun mittendrin machen würde.

DAS GANGSTER-SYNDIKAT befand der Katholische Filmdienst eher als mittelmäßig, der sich in der Unterwelt von London abspielt. Ich kenne den nicht und würd ihn auch gerne mal sehen. Der Film lief seit seiner Auf- bzw. Wiederaufführung nirgendwo mehr und scheint in der Versenkung verschwunden zu sein.

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 20.10.2017 16:27 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
10. Film


ROBIN HOOD, DER ROTE RÄCHER
(OT: The Men Of Sherwood Forest)
GB 1954

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films
und der Astor Pictures (USA)


Bild

deutsche Kino EA: 26.Juli 1957

Verleih: Prisma
Länge: 2092 Meter = 76:40 min

England im Jahre A.D. 1194

"In England herrscht eine unruhige Zeit.
König Richard Löwenherz wird in Deutschland gefangen gehalten
und das Lösegeld für ihn ist nur zur Hälfte bezahlt.
Und in der Heimat versucht Prinz John den Thron an sich zu reissen.
In Nottingham erleichtern Robin Hood und seine Bande wohlhabende Reisende.
Und es muß schon ein mutiger Reisender sein, der es wagt durch den Sherwoodwald zu reiten."

(Prolog des Films)

Ein Reiter wird im Sherwoodwald von zwei Dieben überfallen und mit einem Pfeilschuss getötet. Die Diebe erbeuten ein Säckchen Geld und eine kleine Ritterstatue. Bei dem Toten handelt es sich um Fitzroy, einem Boten des Königs, der eine Botschaft an Moraine überbringen sollte. Für Moraine und Sir Nigel Soltire steht fest, das Robin Hood hinter dem Überfall steckt und suchen ihn auf, weil sie wissen, das Robin ein Königstreuer ist. Es stellt sich heraus, das Robin Hood und seine Männer mit dem Überfall nichts zu tun hatten. Die Ritterstatue muß aber gefunden werden, weil sich in ihr die wichtige Nachricht befindet. Robin verspricht zu helfen und es dauert nicht lange, bis er die zwei Diebe gefangen nimmt. Die gestehen nun, das sie den Auftrag von einem ihnen unbekannten Ritter bekommen haben, auf dessen Schild ein weißer Adler auf schwarzen Feld zu sehen ist und dem sie diese Ritterstatue übergeben haben. Das Wappen gehört aber zu der Grafschaft Moraine. Robin weiß nun, das es sich um eine Fälschung handeln muß und die Spur führt zur Burg Belton. Robin begibt sich unter dem Namen Gilbert und als Minnesänger verkleidet in die Burg von Guy Belton. Dort macht er u.a. die Bekanntschaft mit Lady Alys. Guy Belton plant die Ermordung von König Richard, bei dessen Rückkehr. Zu Prinz Johns Mitverschwörern gehört auch Sir Nigel Saltire, was Robin widerum nicht weiß. Es kommt zu kämpferischen Auseinandersetzungen.

Bild
Plakat aus Dänemark

Die Figur Robin Hood ist das Urbild eines Volkshelden, vor allem in England und der Ursprung reicht bis in die angelsächsischen Balladen und Folkloren des 14. Jahrhunderts zurück. Obwohl bis heute kein Beleg dafür existiert, das Robin Hood je gelebt hat, so wurde er dennoch immer wieder mit historischen Personen in Verbindung gebracht, die es tatsächlich damals gab. Ebenso die historischen Ereignisse und Hintergründe, in denen die Geschichten um Robin Hood spielten. Anfangs wurde er einfach nur als Wegelagerer und Anführer einer Banditenhorde dargestellt, die sich das nahmen, was sie brauchten und deren Verstecke in den Wäldern waren. Auch die Schotten hatten "ihren Robin Hood", indem sie ihn in einer ihrer Volkserzählungen zwischen den Jahren 1297 und 1303 ansiedelten und diesen somit zu einer Art William Wallace machten, der die Engländer bekämpfte und ausraubte. Wallace widerum hat in dieser Zeit gelebt und wurde durch seinen Kampf gegen die Engländer zum schottischen Nationalhelden, der er bis heute ist. (Regisseur und Schauspieler Mel Gibson setzte diesem Volkshelden mit seinem Film BRAVEHEART definitiv ein Denkmal. Anmerk) Die bis heute am meisten verbreitete Geschichte um Robin Hood ist die, wo er zum edlen Räuber wird und sich an seiner Seite die nicht weniger berühmten Figuren wie z.B. Little John und Bruder Tuck befinden. Und nicht zu vergessen, seine Geliebte namens Marian. Robin und seine ganzen Gefolgsleute haben sich in den Sherwoodwald zurückgezogen, wo man sich sehr gut verstecken kann, zumal der Wald groß und sehr unübersichtlich erscheint. Vom Wald aus führt Robin seine Raubzüge und Überfälle aus, die vornehmlich auf Adelige, reiche Kaufleute und ausbeuterische Kleriker ausgeübt werden. Den Reichen genommen, den Armen gegeben. Eines der Hauptmotive, das sich im grunde durch sämtliche Erzählungen zieht. Robins ärgster Widersacher und Gegner ist der nicht minder berühmte Sheriff von Nottingham, der mit seinen Leuten ständig versucht, Robin und seine Leute zu erwischen. Der Kern dieser Erzählung stammt aus einer englischen Volksballade des 15. Jahrhunderts, deren Titel LYTELL GESTE OF ROBIN HOOD lautet und aus dem Jahre 1495 stammen soll. Zusätzlich wurde irgendwann im 19. Jahrhundert die Geschichte erweitert, indem man Robin eine adelige Abstammung andichtete und er zum Räuber wider Willen wurde. War Robin anfangs noch ein gefährlicher Wegelagerer, der Geistliche und Adelige ausraubte und mit seinen Feinden die im Mittelater üblichen rauhen und brutalen Kämpfe austrug, so wurde er später immer positiver dargestellt. Das beinhaltete auch, das er treu zum rechtmäßigen König hielt, gemeint ist König Richard Löwenherz. In Folge dessen spielten sich gerade die meisten Geschichten um Robin Hood zwischen den Jahren 1192 und 1194 ab. Jenen zwei Jahren in denen Löwenherz vom deutschen König Heinrich VI gefangen gehalten wurde und somit England in der Zeit praktisch ohne König war, was historisch korrekt ist. Der Bruder des Königs, Prinz John (auch Johann ohne Land genannt, da er als einziger kein Herzogtum vom Vater erbte. Anmerk.) regierte solange, versuchte aber nun durch Intrigen sich Englands Thron zu bemächtigen und die Rückkehr Richards zu verhindern, indem er u.a. die Lösegeldzahlungen für seinen Bruder massiv hintertrieb. Da Robins Treue Richard galt, wurde er mit seinen Leuten von Prinz John zu Gesetzlosen erklärt und von seinen Soldaten verfolgt. Was all diesen Geschichten ebenso gemein ist, ist das per Gesetz angeordnete Jagdverbot, das es auch tatsächlich gab und bei den meisten Bürgern Englands extrem verhasst gewesen ist. Da Robin und seine Leute dies missachteten, wurden sie auch deswegen zusätzlich zu Vogelfreien erklärt und fanden bei der englischen Bevölkerung Zustimmung und Unterstüzung. Robin wird häufig gerade wegen dieses Jagdverbots mit einem Langbogen dargestellt und als unübertrefflicher Schütze beschrieben. Der Langbogen hatte eine Durchschnittsgröße, die ca. zwischen 1,70m und 1,80m maß. Nun soll man es bei solchen Volkserzählungen widerum mit der Historie nicht so genau nehmen, aber da die Robin Hood Geschichten häufig in den Jahren 1192/93/94 spielen, also während König Richards Gefangenschaft, so will ich trotzdem nicht unerwähnt lassen, das der Langbogen zu dieser Zeit noch gar nicht erfunden war. Die Waffe soll ihren Ursprung in Wales haben und soll ferner erstmals im Jahre 1277 bei diversen walisischen Feldzügen eingesetzt worden sein. Die Bedeutsamkeit des Langbogens wird jedoch in der Regel auf das Jahr 1298 datiert, als es zur Schlacht zwischen Engländern und Schotten bei Falkirk kam. Edward I., König von England setzte walisische Bogenschützen mit ihren Langbögen gegen das Heer von William Wallace ein und konnte die Schlacht dadurch u.a. für sich entscheiden (auch im bereits erwähnten Film Braveheart zu sehen. Anmerk.) Ab diesem Zeitpunkt übernahmen die Engländer den Langbogen und bildeten ihre eigenen Bogenschützen daran aus. Der Langbogen, dessen Pfeil sein Ziel auf bis zu 400 Meter traf, sollte lange Jahre die Schlachtfelder beherrschen. Robin Hood kam auch in Sir Walter Scotts Erzählung IVANHOE vor, die den gleichen Bekanntheitsgrad genießt, wie Robin Hood. Auch der Ritter Ivanhoe hält treu zu König Richard und stellt sich gegen Prinz John und seine Mitverschwörer. In Ivanhoe jedoch, wird der Konflikt zwischen den Normannen und den Angelsachsen deutlicher heraus gestellt. Die Normannen besiegten die Angelsachsen in der Schlacht bei Hastings im Oktober des Jahres 1066 und eroberten England. Herzog Wilhelm von der Normandie, auch Wilhelm der Eroberer genannt, herrschte mit seinen Normannen über England und wurde im Dezember 1066 in Westminster zum König gekrönt. Immer wieder kam es zu Konflikten mit den Angelsachsen und Wilhelm mußte einen 9jährigen Kampf führen, der in einen Aufstand im Jahre 1075 gipfelte und der angelsächsische Adel geschlagen wurde. Immer mehr normannische Landsleute kamen nach England und deren Einfluß auf das geistige Leben Englands nahm stetig zu, was den Angelsachsen gar nicht gefiel und die Konflikte weiter gingen. Die normannische Feudalmonarchie verband sich mit dem angelsächsischen Königstum, was dann die Grundlage für eine dauerhafte monarchische Zentralgewalt schuf. Zu einer Versöhnung mit den Angelsachsen kam es erst, als Heinrich I. (Sohn von Wilhelm) im Jahr 1100 König von England wurde und eine Krönungsproklamation festlegte, die als CHARTA LIBERTATUM in die Geschichte eingegangen ist und als das erste Verfassungsgesetz Englands angesehen werden kann. Aus dem Geschlecht Wilhelms ging später die Königsdynastie PLANTAGENET hervor, so auch HEINRICH II., der von 1154-1189 König von England und gleichzeitig der mächtigste Herrscher Europas war. Seine Söhne waren u.a. Richard Löwenherz und Prinz John. Hier schließt sich ein kleiner Kreis englischer Geschichte und historischer Personen. In der Geschichte um Ivanhoe würde der normannische Adel lieber Prinz John auf dem Thron sehen, als König Richard, der bald aus seiner Gefangenschaft entlassen werden wird. Demzufolge kämpft auch Sir Ivanhoe, als schwarzer Ritter gegen die Normannen, um deren Komplott zu verhindern. Als es später fast kein Ausweg mehr gibt und Ivanhoe sich gefangen nehmen ließ, um seine Familie zu retten, greift eine Streitmacht der Angelsachsen und auch Robin Hood (hier auch Robin Locksley genannt) mit seinen Gefolgsleuten die Burg der Normannen an (alles in einem der besten Ritterfilme der 1950er Jahre, IVANHOE DER SCHWARZE RITTER zu sehen. Anmerk.) Wie man sieht, so spielte sich auch hier die Ivanhoe-Erzählung zwischen den Jahren 1192-1194 ab. Richard Löwenherz wird in allen Erzählungen positiv und bei seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft fast schon als eine Art Heilsbringer dargestellt, der das Land England in eine neue Blütezeit führen würde, was jedoch geschichtsverklärend ist. Ein guter Staatsmann und König war er nicht. Er war aufbrausend, schnell wütend und es bedurfte bei ihm eines eher nichtigen Anlasses um mal wieder irgendeinen Krieg zu führen. Um seine Feldzüge finanzieren zu können, presste er das Volk in Form von Steuern aus. König von England war Richard von 1189-1199, aber in dieser Zeitspanne war Richard nur ca. 8-10 Monate selbst in England anwesend. Die meiste Zeit war er wegen seiner Feldzüge außer Landes. Wie Richard in etwa gewesen ist, kann man im Film von Richard Lester ROBIN UND MARIAN aus dem Jahre 1975 sehen, wo er alles andere als positiv vom Schauspieler Richard Harris dargeboten wird. Der Film ist eh ein malancholischer Abgesang auf die Robin Hood Filme, dessen eigentliche Handlung 20 Jahre später einsetzt, also nach den ganzen üblichen Geschichten. Soweit erstmal zu der Figur Robin Hood und in leicht groben Zügen zu Englands historischen Hintergründen.

Bild / Bild
Zwei alte deutsche Filmprogramme

Mit der Erfindung des Films, erblickte Robin Hood natürlich auch das Licht der Leinwände und seit der Stummfilmzeit ab 1908 bis heute wurden immer wieder Filme über diesen englischen Volkshelden gedreht. In jedem Jahrzehnt gab es immer ein oder gleich mehrere Robin Hood Filme. Rückblickend war es nur eine Frage der Zeit, wann auch die Hammer Production Ltd. ihren Robin Hood präsentierte. 1954 war es dann soweit. Michael Carreras, der vorher schon ab 1951 für einige Hammerfilme als Produzent tätig war, die hierzulande bis heute nicht zu sehen waren, produzierte auch diesen hier und war zumindest die erste Produktion seinerseits, die damals in Deutschland und Österreich in den Kinos gezeigt wurde. Zugleich war es auch der erste Farbfilm von Hammer, was diesem Historienfilm auch zugute kommt und alles im schönen Eastmancolor zu sehen ist. Nach dem Hammerfilm LIFE WITH THE LIONS 1954 (in Deutschland/Österreich nicht gezeigt), war dies der zweite Hammerfilm von Regisseur Val Guest, der in den folgenden Jahren noch weitere Filme für Hammer inszenieren sollte. Don Taylor stellte hier den Titelhelden dar und er schien sich auch ein wenig an Erol Flynns Darbietung im Klassiker ROBIN HOOD, KÖNIG DER VAGABUNDEN (USA 1938) orientiert zuhaben. Wenn man ihn so agieren sieht, mit seinen leicht rötlichen Bärtchen und den Haaren, die hier ein weniger kürzer sind, als die von Flynn, dann gewinnt man den Eindruck, das er schon versucht hat, E. Flynn ein bisschen zu immitieren. Er kommt natürlich nicht an Flynns Darstellung heran, aber hierfür reichte es allemal und er gab im Grunde einen eher leichten und witzigen Robin Hood ab. Überhaupt ist der Film mit seiner ganzen Geschichte eh auf Parodie angelegt, wozu auch die wohlbeleibte Gestalt des Bruder Tuck beiträgt, der hier von Reginald Beckwith gespielt wird und die witzigste Figur von allen abgab. Tuck isst, trinkt und spielt gerne. So spielt er mit den Wachen der Burg ein Spiel, bei dem alle Wachposten so nach und nach ihre Waffen und Kleidung an ihn verlieren. R. Beckwith stiehlt in so einigen Szenerien anderen die berühmte Show. Als hinterhältiger mieser Intrigant ist hier Douglas Wilmer, als Sir Nigel Soltire zu sehen. Der Darsteller hat ein markantes Gesicht und ist hier als Schurke sehr gut besetzt. Als Lady Alys ist hier Eileen Moore zu sehen, die hier nicht als pinkfeine Adelige auftritt, sondern sich als sportlicher und robuster erweist, als es anfangs den Anschein hatte. Das Drehbuch schrieb Allan MacKinnon und was auffällt ist, das hier weder der Sheriff von Nottingham, noch Lady Marian vorkommen. Hammer wollte mal einen etwas anderen Robin Hood machen. Wie man auch am britischen Originaltitel sieht, wird der Name Robin Hood gar nicht genannt, sondern übersetzt DIE MÄNNER VOM SHERWOOD WALD. Robin ist hier zwar eine Leitfigur, aber nicht unbedingt immer die Hauptfigur, zu dem ihn widerum der deutsche Titel machte, was allerdings nicht weiter ins Gewicht fällt. Die Charaktere sind hier irgendwie fast gleichmäßig verteilt, wobei Bruder Tuck und die Schurken schon einen gößeren Raum einnehmen. Die Farben und die Kamera von James Harvey wissen zu gefallen, ebenso die inszenierten Kämpfe. Diese sind nun etwas weniger rauh ausgefallen, dennoch ist man mit einem gewissen ernst bei der Sache. Hammers Robin Hood war und ist eh für ein jüngeres Publikum gemacht worden und somit lockte es damals vor allem Kinder und Jugendliche ins Kino. Das ließ dann auch die berühmten Kassen klingeln und somit konnte Hammer nach TODESROULETTE (siehe 8. Film) einen weiteren Erfolg für sich verbuchen. Exclusive Films vertrieb den Film in England und Astor Pictures in den USA, der dann auch von denen in Deutschland/Österreich vertrieben wurde. Das führte wahrscheinlich auch dazu, das Astor anstatt Hammer als Produktionsfirma angegeben wurde, was falsch ist. Aber auch auf dem britischen Plakat wird Hammer nicht genannt. Es sollten noch so einige Monate vergehen, bis Hammer Production Ltd. dann so richtig eigenständig und Hammer zu einer Art Markenzeichen/Gütesiegel werden sollte.

Der Film erschien damals vor Jahren in der Hammerfilmreihe bei Anolis auf DVD. Diese bietet ein gutes 4:3 Bild. Der Ton ist ebenso gut und liegt in deutsch und englisch mit Untertiteln vor. Der Film ist leichte kurzweilige vergnügliche Unterhaltung für jung und alt.

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 30.10.2017 16:51 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
11. Film


SPIONAGENETZ HAMBURG
(Ot: Break In The Circle)
GB 1955

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb von Exclusive Films
und der RKO Radio Film (USA)


Bild

deutsche Kino EA: 4. Oktober 1957

Verleih: RKO Radio Film
Länge: 2503 Meter = 92 min


Inhalt:
Skip Morgan ist der Polizei von Scotland Yard kein Unbekannter, da er mit seinem Schiff Bonaventure diverse Schmugglerfahrten macht und damit sein Geld verdient. Nur richtig beweisen konnte man ihm direkt noch nichts. Morgan lernt derweil den zwielichtigen Baron Keller kennen, der widerum in internationalen kriminellen Geschäften und illegalen Transaktionen beteiligt ist. Morgan soll nun für den Baron den Wissenschaftler Kudnic ausfindig machen und diesen heimlich aus dem besetzten Deutschland nach England bringen. Kudnic wäre ihm geschäftlich verpflichtet, meint der Baron. Für eine hohe Summe nimmt Morgan den Auftrag an. Bevor er in See sticht, will er schnell noch ein Problem beseitigen. Und das Problem ist eine Frau namens Lisa. Die hatte Morgan vor einigen Tagen kennen gelernt und sie gab sich ihm gegenüber als Feriengast aus. Tatsächlich wurde Lisa von Scotland Yard auf Morgan angesetzt und der hatte das irgendwie heraus bekommen. Lisa lockt er unter einem Vorwand auf sein Schiff und sie muß mit nach Deutschland reisen. In Hamburg angekommen, bekommt Morgan schnell heraus, das der Wissenschaftler bereits von der Gegenseite entführt worden ist. Als er Kudnic befreien will, gerät Morgen in die Falle, die ihm gestellt worden ist und findet sich gefesselt in einem Keller wieder. Lisa erscheint als Retter in der Not und befreit Morgan. Die Interessenten der Gegenseite sind mit Kudnic bereits zur Grenze unterwegs, um mit dem Wissenschaftler von dort in Richtung Osten zu fliegen. Als Morgan mit einigen Freunden gerade noch rechtzeitig zur Grenze gelangt, kommt es zum Kampf. Morgan kann mit Kudnic im Auto zum Hafen fliehen. Auf dem Schiff will Morgan nun endlich erfahren, um was es eigentlich geht. Kudnic erzählt ihm nun, das er einen neuartigen Treibstoff entwickelt habe, das die Industrie revolutionieren und global eine Umwälzung für die Industrienationen bedeuten würde. Das macht Kudinc widerum so wertvoll für den Baron und seiner Organisation. In England angekommen, erhöht Morgan einfach den Preis für Kudnic, aber damit macht er sich den Baron zum Feind und legt sich mit dessen Gangstern an. Aber auch Scotland Yard hat mittlerweile durch Lisa Wind von der ganzen Sache bekommen und ist nun sowohl hinter Morgan, als auch hinter dem Baron her.

Bild / Bild
Zwei alte deutsche Filmprogramme

Hier haben wir einen Hammer Film, der eine Mischung aus Kriminal- und Agentenfilm ist. Nach Robin Hood, der rote Rächer (siehe 10. Film) und THE LYONS IN PARIS 1954 (in Deutschland/Österreich nicht gezeigt), war dies die vierte Regiearbeit von Val Guest für Hammer. Nach einem Roman von Philip Lorraine, verfasste der Regisseur zusätzlich das Drehbuch. Gedreht wurde in England (London) und Deutschland (Hamburg), womit der deutsche Titel u.a. auch Programm ist und Michael Carreras produzierte das Ganze. Exclusive Films übernahm den Vertrieb für England, die RKO Radio Film für die USA und Deutschland/Österreich. Mit Forrest Tucker (Skip Morgan), Eva Bartok (Lisa), Marius Goring (Baron Keller), Arnold Marle (Kudnic) u.a. Kenne den Film nicht und der scheint seit damals auch nicht wieder irgendwo im deutschsprachigen Raum gezeigt worden zu sein. Das RKO angeblich an der Produktion beteiligt gewesen sein soll und z.B. im Filmlexikon diese mit als Produktionsfirma angegeben wird, dürfte falsch sein. Schon im Jahre 1953 hatte RKO aufgehört Filme zu produzieren. Der Hauptgrund war der, weil sich das Fernsehen seit 1947 immer mehr durchsetzte, die Einnahmen gesunken waren und nun besonders 1953 in den USA die Auswirkungen zu spüren waren. Es mußten ca. 6000 Kinos schließen und die Filmindustrie machte Verluste. RKO vertrieb und verlieh nur noch Filme und wurde dann aber 1955 an zwei Gesellschaften, General Tire & Rubber Company verkauft, die diese widerum umgehend ans Fernsehen verkaufte. Später, 1957 wurde der Rest wie z.B. das RKO-Studioatelier an die TV-Produktionsfirma Desilu Productions verkauft und RKO war somit Kinogeschichte. Aber um mal in England zubleiben;... Auch dort mußten später, wegen des Fernsehens im Jahre 1956 knapp 100 Kinos schließen, da die Besucherzahlen so ca. zwischen 7% - 9% zurück gegangen waren. Die eigenen britischen Filmproduktionen beliefen sich damals auf knapp 100 Filme. In dieser ganzen Phase war es auch für die Hammer Produktions Ltd. nicht leicht, sich über Wasser zuhalten. Im Jahr 1955 produzierte Hammer den Science Fiction Film SCHOCK (The Quatermass Experiment), der eine positive Wende für Hammer bedeutete und alles änderte. Der globale Erfolg dieses Films war so ausschlaggebend, das Hammer ihren Fokus nun vermehrt auf den Phantastischen Film (Horror und Science Fiction) legte. Mit den klassischen Geschichten und deren Gestalten, wie Dracula, Frankenstein und der Mumie, sollte Hammer mit ihren Filmen weltberühmt machen. Hammer machte dennoch auch weiterhin Filme aus anderen Genres und mit solch einem geht es demnächst weiter.

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE ANDEREN HAMMER FILME
BeitragVerfasst: 09.11.2017 16:04 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2014
Beiträge: 1740
Geschlecht: männlich
12. Film


STAHLBAJONETT
(Ot: The Steel Bayonet)
GB 1957

Eine Hammer Film Produktion
im Vertrieb der United Artists (USA)


Bild / Bild

deutsche Kino EA: 7. März 1958

Verleih: United Artists
Länge: 2284 Meter = 83:40 min

Inhalt
Schauplatz: Nordafrika, Tunesien (Tunis) 1943 während des 2. Weltkriegs
Nach einigen Kämpfen muß eine mittlerweile kampfmüde englische Kompanie wieder an die Front ausrücken. Sie sollen das von deutschen Afrikakorps besetzte Tunis zurück erobern. Major Gerrard führt die Truppe und man will ein Farmerhaus besetzen, das als Beobachtungsposten für die britische Artillerie dienen soll. Der Artillerieoffizier Captain Mead übernimmt den Posten und er soll die Feindbewegungen vom Turm einer Wasserpumpe aus an den englischen Befehlsstand weitergeben. Das Vorhaben gelingt, weil eine deutsche Patrouille niedergemacht wird. Später wird Captain Mead von deutschen Beobachtern bemerkt und es folgt ein Angriff, den die Engländer abschlagen können. Obwohl die Briten zahlenmäßig unterlegen sind, wollen sie diese Stellung nun halten, da ein weiterer Angriff der Deutschen ziemlich sicher ist. Und während sie darauf warten und ihre Stellung ausgebaut haben, kündigt sich die Offensive der Alliierten auf Tunis an. Das deutsche Afrikakorp bläst nun zum weiteren Angriff und setzen diesmal Panzer dazu ein, was den Widerstand der Engländer nun zusammenbrechen läßt. Das britische Oberkommando erteilt derweil die Erlaubnis zum Rückzug, aber Major Gerrard will nicht aufgeben.

Nach dem 2. Weltkrieg begann man einige Jahre später diesen Krieg filmisch darzustellen in Form von reinen Kriegsfilmen, aber auch Kriegsdramen. In den USA ging das schon in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre los, die so einige Filme produzierten. In Deutschland tat man sich verständlicherweise etwas schwer damit, da die Erinnerungen an den Krieg noch zu frisch waren und man besann sich eher auf andere Filmgenres. Der Kriegsfilm gewann erst ab ca. mitte der 1950er Jahre wieder mehr an Popularität. In Deutschland beispielsweise ausgelöst durch die drei 08/15-FILME (1954/55), DES TEUFELS GENERAL (1955) oder HAIE UND KLEINE FISCHE (1957), die allesamt damals einen Riesenerfolg hatten. In England sah es ein wenig anders aus, auch was die Filmwirtschaft betraf. Die Briten hatten zwar zusammen mit den Alliierten das Hitler-Deutschland besiegt, aber dennoch gehörte England nicht zu den Siegern des zweiten Weltkriegs. Für den Wiederaufbau in Europa profitierten in erster Linie nur Frankreich und Deutschland vom Marshalplan und waren die Hauptnutznießer, jedoch nicht England. Somit litten die Briten in der Nachkriegszeit auch unter einer gewissen Mangelwirtschaft und hatten erstmal andere Sorgen. Das Ganze hatte schon diverse Auswirkungen, so das sich alles erst langsam so nach und nach stabilisieren konnte. Die Briten schufen dennoch so einige Kriegsfilme, wenn auch nicht in der Menge, wie in Amerika. So enstand 1950 z.B. das britische Kriegsdrama THE WOODEN HORSE (in Deutschland/Österreich nicht gezeigt), wo es um drei britische Soldaten geht, die aus einem deutschen Gefangenenlager flüchten. 1952 folgte der Kriegsfilm ANGELS ONE FIVE (in Deutschland/Österreich nicht gezeigt), der die sogenannte Luftschlacht um England zum Thema hatte. Im gleichen Jahr folgte EIN FRESSEN FÜR DIE FISCHE (Ot: The Gift Horse), der den Seekrieg thematisierte. Ebenso ein weiterer Film von 1953, DER GROSSE ATLANTIK (Ot: The Cruel Sea). Da sich ab mitte der 1950er Jahre immer mehr Kriegsfilme und Kriegsdramen größerer Beliebtheit erfreuten, so sprang auch die Hammer Productions Ltd. mit auf den filmischen Kriegszug und präsentierten 1957 ihren ersten Kriegsfilm, STEEL BAYONET.

Im 2. Weltkrieg gab es global die verschiedensten Orte, wo Kampfhandlungen zwischen den Gegnern stattfanden, so auch in Nordafrika bzw. hier in dem Falle, in Tunesien bei der Stadt Tunis. Die Kämpfe zwischen den Deutschen und Engländern inkl. den Alliierten fanden tatsächlich von Januar bis ca. ende Mai 1943 dort statt, wobei hier noch zusätzlich die Italiener und Franzosen (Vichy-Regierung) an der Seite der Deutschen beteiligt waren. Die Engländer und die alliierten Verbündeten siegten. Die britische Presse, die Daily Mail meldete dann auch am 13. Mai 1943: "Tunesien hat kapituliert!"

Bild / Bild
Zwei alte deutsche Filmprogramme

Die Hammer Productions Ltd. griff diese historische 2. Weltkriegsepisode auf und drehten ihren Film wahrscheinlich aus Kostengründen oder um ihn authentischer erscheinen zu lassen in schwarzweiß. Nach den beiden Spielfilmen A MAN ON THE BEACH & WOMAN WITHOUT MEN (beide von 1956 und in Deutschland/Österreich nicht gezeigt), war Stahlbajonett der dritte Hammer Film in Cinemascope, wohl aber der erste, der damals im deutschsprachigen Raum in den Kinos lief. Nach dem internationalen Erfolg ihres Films Schock, wurde Hammer nun eigenständiger. Auf den Plakaten zum Kriegsfilm wurde nun auch mit -Eine Hammerscope Produktion- geworben (siehe obige Plakate). Michael Carreras, der vorher schon nur bei einigen Dokumentarkurzfilmen Regie führte, produzierte Stahlbajonett nicht nur, sondern führte auch zum ersten mal Regie bei einem abendfüllenden Spielfilm. Gedreht wurde in England, u.a. auch in Aldershot, einem Militärgelände der britischen Armee, die auch dort ihre Übungen machten. Angeblich hatten sich so etliche Soldaten freiwillig für den Kriegsfilm als Statisten zur Verfügung gestellt, was natürlich Kosten sparte. Laut meiner Notiz, die ich dem MPW Hammer Filmbuch entnahm, sollen die Dreharbeiten mitte August 1957 begonnen haben. Auch konnten die britischen Soldaten im Film nicht mehr mitwirken, weil sie wegen der ganzen Suez-Krise abgezogen und nach Ägypten marschierten. Zeitmäßig kann hier definitiv was nicht stimmen. Erstens, die Suez-Krise war von Ende Juli bis Ende Dezember 1956. Und zweitens, Steel Bayonet hatte seine Premiere in England Anfang Juni 1957. Sehr wahrscheinlich wird sich beim Autor P. Osteried der berühmte Fehler bei den Datenzahlen eingeschlichen haben. Demnach können/müßten die Dreharbeiten im August 1956 ihren Anfang genommen haben. Dadurch das die Soldaten nach Ägypten mußten, mußte Hammer selbst für Statisten sorgen. Laut einer Info. soll hier Michael Caine in einer Statistenrolle als Soldat dabei gewesen sein. Ob das stimmt, weiß ich derzeit nicht. In seiner Filmographie findet sich ein anderer britischer Kriegsfilm aus dem Jahre 1956 wieder, dessen Titel AN VORDERSTER FRONT (Ot: A Hill in Korea) lautet. Dort hat er eine Soldaten-Statistenrolle. Ansonsten konnte Hammer für die Hauptrolle des Major Gerrard einen guten hochkarätigen Schauspieler gewinnen, nämlich Leo Genn. Der Brite L. Genn war ein guter und sehr versierter Charakterdarsteller, der schon in der 1930er Jahren im Theater in London auf der Bühne stand und später in guten Filmen wie z.B. QUO VADIS oder MOBY DICK glänzte. Desweiteren wirken mit, Kieron Moore (Captain Mead), Michael Medwin (Leutnant Vernon), Michael Ripper (Middleditch) u.a. Was Michael Ripper anbelangt: Er war sozusagen Hammers Haus- und Hofdarsteller und im Grunde die heimliche Nr. 1 bei Hammer, der in sehr vielen Filmen von Hammer mit dabei war. Mal in Kurzauftritten, mal in kleinen, mal in größeren Rollen. Hammer Filmfans wissen natürlich bescheid und Mr. Ripper hat bis heute einen gewissen unangefochtenen Beliebtheitsstatus. Interessant ist es auch, das Michael Ripper als Darsteller auf den Plakaten von Stahlbajonett mit vermerkt ist, was meines erachtens nicht häufig vorkam. Ja, er hat hier eine größere Rolle. Bei bestimmten Filmen wird Michael Ripper hier im Thema auch noch weiter präsent sein.

Ich sah Stahlbajonett damals auf einem der Pausenkanäle, könnte Pro7 oder Sat1 gewesen sein. Es ist leider viel zulange her und meine Erinnerungen an den Film sind somit auch nicht mehr die aktuellsten. Was ich noch weiß ist, das die Kämpfe für damalige Zeiten ziemlich rauh in Szene gesetzt waren. Das lag auch daran, weil die Briten im Nahkampf vermehrt ihre Bajonette einsetzten, um Schüsse zu vermeiden, was widerum nur die Aufmerksamkeit der gegnerischen Armee erregt hätte. Der Filmtitel ist somit gut gewählt. Auch fand ich die Schwarzweiß-Fotografie gelungen und atmosphärisch. Für mich rückblickend kein Wunder, hatte Hammer doch mit Jack Asher einen ihrer besten Kameramänner in die Produktionsfirma geholt, der später eh noch ganz wundervolle farbige starke atmosphärische Bilder z.B. für Dracula und die beiden ersten Frankenstein Filme auf die Leinwände zaubern sollte. Laut einer englischen Filmkritik soll die Schwarzweiß-Fotografie eine gute Authentzität vermitteln, die an alte Wochenschauen erinnert. Mit Kriegsfilmen ist das häufig so eine Sache, da sehr viele ein sehr fragwürdiges Heldentum pflegten und den Krieg häufig als Männer-Abenteuer darboten, indem man sich auch öfters zusätzlich für die gute Sache opferte. Da macht der Hammer Film hier keine große Ausnahme und so urteilte damals auch der Filmdienst kurz und bündig, Zitat: "Ein Kriegsfilm, wie viele andere auch!" Hammer sollte sich jedoch danach im Kriegsfilmgenre etwas differenzierter mit dem Krieg auseinandersetzen, aber dazu später mehr. Stahlbajonett könnte man auch mal digital veröffentlichen, denn seit ich den damals im TV so ca. 1990/91 sah, lief der anscheinend nicht wieder.

Fortsetzung demnächst...!

Graf von Karnstein Bild

_________________
BildBildBild


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 13 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker