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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: WHORE - Reinert Kiil
PostPosted: 23.06.2018 11:37 
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Hora
(Whore / The Whore)
Norwegen 2009 - Written, Directed, Edited & Produced by Reinert Kiil
Starring: Isabel Vibe, Kenneth Falkenberg, Eik Ommedal, Gaute Næsheim, Minken Tveitan, Cassandra Jacobsen, Beate Kletten...


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Ein großer finanzieller Erfolg war Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez' ambitioniertem Gemeinschaftsprojekt Grindhouse (2007) ja leider nicht beschieden, aber der Einfluß, den es vor allem auf junge, aufstrebende Filmemacher im Low Budget-Bereich hatte, war dennoch enorm. Sogar ein junger Norweger konnte sich der soghaften Wirkung des furiosen Retro-Doppelpacks nicht entziehen und drehte einen grimmigen Streifen, den es ohne Grindhouse vermutlich nicht gegeben hätte, zumindest nicht in dieser Form: Hora, auf gut Englisch Whore. Die große Inspirationsquelle für sein niederträchtiges Machwerk ist zweifellos Meir Zarchis berühmt-berüchtigter Schocker Day of the Woman (I Spit on Your Grave aka Ich spuck auf dein Grab) aus dem Jahre 1978, dessen groben Handlungsfaden er ohne allzu große Veränderungen frech übernommen hat.

Rikke (Isabel Vibe) kehrt nach langer Abwesenheit an den Ort ihrer Jugend zurück, ein kleines, gemütliches, abgeschiedenes Holzhäuschen am Rande eines Dorfes. Dort will sie in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen und die Probleme mit ihrem eifersüchtigen Ehemann, der sie - betrunken - schon mal als Hure beschimpft, hinter sich lassen. Eigentlich sollten zwei Freundinnen auf einen Kurzbesuch vorbeischauen, doch leider wartet Rikke vergeblich auf deren Ankunft. Die beiden liegen nämlich leblos in einem Waldstück. Die eine wurde getötet und anschließend vergewaltigt, die andere erst vergewaltigt und dann getötet, mit mehreren Stichen in die Vagina. Ob die Mädels den drei Tunichtguten des Ortes, Elektriker John (Kenneth Falkenberg), Polizist Rikkard (Eik Ommedal) und dem geistig behinderten Tankwart Ronny (Gaute Næsheim) zum Opfer fielen, ist sehr wahrscheinlich.

Dieses widerliche Trio fällt nämlich eines unschönen Tages in ihrer Hütte über Rikke her und schändet sie aufs abscheulichste, vaginal und anal. Damit nicht genug wird die hilflose Frau auch noch von Rikkard verprügelt, und zum krönenden Abschluß ritzt ihr John mit einem Stanley-Messer die Buchstaben HORA (= Hure) tief in die Stirn. Danach überläßt man die halbtote, blutüberströmte Frau ihrem Schicksal. Doch Rikke überlebt das Martyrium, und ihre Rache ist fürchterlich. Reinert Kiil heißt der am 28. April 1982 geborene Norweger, dem wir diesen ultrabrutalen Exploitation-Reißer, den er angeblich in zehn Tagen für etwa dreißigtausend Euro heruntergekurbelt hat, zu verdanken haben. Er schrieb das Drehbuch, führte Regie, übernahm die Produktion, besorgte den Schnitt und hatte auch noch hier (als Designer und Property Master) und da (eine kleine Rolle vor der Kamera) seine Finger im Spiel.

Wenn man sich an der billigen Digitalvideo-Optik nicht stört, dann kommt man hier als Fan von Rape/Revenge-Movies voll auf seine Kosten. Hora ist ein mehr als nur annehmbarer Vertreter dieser kontroversen Spielart des Exploitation-Kinos. Zwar macht der Streifen in Punkto Originalität keinen Stich, aber Kiil zieht sein Ding ungemein gnadenlos durch und scheut auch nicht davor zurück, den einen oder anderen Schritt weiter zu gehen als die Konkurrenz. So schneidet er z. B. bei der analen Vergewaltigung einige Frames einer blutverschmierten Rosette dazwischen, gerade lange genug, um wahrnehmbar zu sein, und auch blutige Geschlechtsteile schummeln sich ab und an mal ins Bild. Bei Rikkes Rachefeldzug hält sich Kiil ebenso wenig zurück. Blutspritzende Einschüsse, hervorgezerrte Gedärme, zerschundene Körper... die dargestellte Gewalt ist exzessiv, drastisch und selbstzweckhaft.

Die Schauspieler erledigen ihren Job gut. Porno-Aktrice Isabel Vibe kauft man ihre Wandlung vom geschundenen Opfer zum Rachedämon ebenso ab wie den drei Männern, die als Vergewaltiger glänzen. Die ziehen eine äußerst überzeugende Psychopathen-Nummer ab, lassen ihren sadistischen Neigungen freien Lauf und agieren schmierig, brutal und gewissenlos. Ein widerliches Pack, denen man ihre Bestrafung von Herzen gönnt. Und ja, es ist ungemein befriedigend, wenn das abartige Gesindel schmerzhaft ins Gras beißt; insofern hat Kiil vieles richtig gemacht, ist es ihm doch gelungen, den Zuschauer emotional ins Geschehen zu involvieren. Interessanterweise läßt uns der Regisseur erst viel Zeit mit der Protagonistin verbringen, ehe es ans Eingemachte geht. Er zögert das Unvermeidliche lange hinaus, sodaß in der ersten Hälfte des Filmes, sieht man von der Eröffnungsszene ab, nichts wirklich Aufregendes passiert.

Obwohl Hora überwiegend auf ausgetretenen Pfaden wandelt, kann man dem Film eine gewisse Eigenständigkeit nicht absprechen. Das verstörende Sound-Design ist z. B. phasenweise richtig stark und verleiht der entsprechenden Sequenz eine zusätzliche Wucht. Ebenfalls gelungen, trotz aller Billigkeit, ist die generell dreckige, düstere Ästhetik, zusätzlich verstärkt durch die recht gut getimten Wechsel zwischen Schwarzweiß- und Farbbild. Ansonsten zieht Kiil das volle "Grindhouse-Programm" ab. Bildverfremdung, Filmriß, durchgebranntes Zelluloid, flackerndes Bild, selbst den "Missing Reel"-Gag bekommt man einmal mehr (leider an einer eher unguten Stelle) geboten. Hora ist g'schmackig servierte, an die niederen Instinkte appellierende Rape/Revenge-Exploitation, die aufgrund ihrer rohen, direkten, unbarmherzigen Machart stark an das grimmig-nihilistische Genrekino der 1970er-Jahre erinnert. Quasi der Day of the Woman der 2000er-Jahre.

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