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DER SCHLACHTER - Claude Chabrol
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Author: Prisma [ 26.06.2018 23:30 ]
Post subject: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol



DER SCHLACHTER

● LE BOUCHER / IL TAGLIAGOLE / DER SCHLACHTER (F|I|1970)
mit Stéphane Audran, Jean Yanne, Antonio Passalia, Pascal Ferone, Mario Beccara, William Guérault und Roger Rudel
eine Produktion der Les Films de la Boétie | Euro International Film | im atlas Filmverleih
ein Film von Claude Chabrol


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»Die Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Metzger«

Die Lehrerin Hélène Daville (Stéphane Audran) arbeitet in einem kleinen Dorf im Périgord. Der Schlachter Paul Thomas (Jean Yanne), genannt Popaul, ist seit Monaten heimlich in die aparte Frau verliebt und auf einer Hochzeitsgesellschaft lernen sich beide näher bei Tanz und Ausgelassenheit kennen. Wenige Tage später wird das verschlafene Dorf von einem schrecklichen Zwischenfall heimgesucht, denn eine junge Frau aus dem Dorf wurde ermordet aufgefunden. Bei einem Schulausflug mit ihrer Klasse macht Hélène selbst die nächste grausige Entdeckung und findet den gepeinigten Körper des nächsten Opfers. Neben der Leiche liegt das Feuerzeug, das sie vor gar nicht allzu langer Zeit Popaul geschenkt hatte. Bestätigt sich nun ihr schrecklicher Verdacht, dass es sich bei dem Fleischer um den gesuchten Frauenmörder handelt..?

Aufgrund des ungemütlich klingenden Filmtitels macht sich bereits im Vorfeld das unbestimmte Gefühl breit, dass Claude Chabrol den Zuschauer strapazieren will, doch es ist fraglich, wer hier letztlich zur Schlachtbank geführt werden wird. Bereits der Einstieg setzt auf herbe Kontraste und man findet sich auf einer provinziellen Hochzeit wieder, bei der sich die Hauptpersonen in aller Ausgelassenheit selbst vorstellen dürfen. Es entstehen heitere, aber genauso eigenartige Momente der Einfalt, bis gegensätzliche Einstellungen aufeinandertreffen, die im Rahmen der Möglichkeiten von offen über modern, bis konservativ zu starr wechseln. Aus heiterem Himmel schießt plötzlich das Hauptthema Frauenmord in das Szenario ein, wenngleich man hinsichtlich bestialischer Veranschaulichungen insgesamt kaum etwas Exemplarisches angeboten bekommt. Dieser Vorfall bleibt zugunsten der weiteren Vorstellungen der Personen und des Umfeldes zunächst nur als Randnotiz im Raum stehen und es wird mit einfachen Mitteln geschildert, dass das normale Tagesgeschäft weitergeht, einige Herrschaften beim Thema Tod und Mord sogar immer nur wieder von sich berichten. Die Uhren gehen nach den eigenen Gesetzen des Dorfes weiter. Idyllische Situationen und malerische Bilder an schönen Außenschauplätzen sind mit einer verheißungsvollen Musik untermalt, die dem Anschein nach weitere Abgründe ankündigen will, doch es kommt auch zu sehr intimen Momenten, in denen ein interessantes Wechselspiel zwischen Banalität und Poesie entsteht. Fernab des kriminalistischen Inhalts wird ein gerne und häufig verwendetes Motiv angeboten, das den Filmtitel normalerweise entschärfen würde, jedoch hier perfide, beziehungsweise in klassischer Tragik umgekehrt wird: Liebe unter diametralen Voraussetzungen, die thematisch gesehen nur die Spitze des Eisbergs hervorbringen.

Wenn man also so will, geht das Böse in der Provinz um, in der es schon bei viel weniger zu einem waschechten Stadtgespräch gereicht hätte. Heimtückischer Mord und ein Phantom hebt die bestehende Weltordnung bei Menschen aus den Angeln, die es schon nicht begreifen können, wenn beispielsweise eine Frau eine Zigarette auf offener Straße raucht. Hierbei entstehen gute Voraussetzungen für den Verlauf, der sich trotz irritierender Ruhe und verschlafener Wirklichkeit zuspitzen kann. Claude Chabrol verbannt Spektakel, Unruhe und Hysterie komplett aus seinem Film, der offensiv auf der Realitätsebene ansprechen und beunruhigen möchte. Mit einfachsten Mitteln werden Psychogramme der Hauptpersonen gezeichnet, die die Bühne frei machen für eine Art der Tragödie, die angreift, weil sie so greifbar erscheint. In "Der Schlachter" wird des Weiteren akribisch darauf geachtet, dass es zu keiner Denunziation der Opfer und gleichzeitig des Täters kommt, sodass die quasi nicht vorhandene Wertung als ungemütliche Strategie vollkommen und überaus beklemmend aufgeht. Maßgeblich daran beteiligt sind ebenfalls die beiden Hauptdarsteller Stéphane Audran und Jean Yanne, die nach und nach an einem hervorragenden Aufbau der Geschichte mitarbeiten und einen diffusen Kollisionskurs begünstigen. Audran, die seinerzeit mit Regisseur Claude Chabrol verheiratet war, ist vielleicht als eine der eher unscheinbaren französischen Stars zu beschreiben, die aufgrund ihrer Art zu spielen und dieser eigensinnigen, manchmal spröden Aura weniger Berührungspunkte anbietet, als viele ihrer Kolleginnen. Generell lässt sich jedoch sagen, dass die aus Versailles stammende Interpretin auch hier eine beachtliche Präzisionsleistung zum Besten gibt, die der Geschichte einen besonderen Schliff und rückblickend sehr viel mehr Tiefe mitgibt, als zunächst angenommen.

Die Grundschullehrerin Hélène umweht gleich zu Beginn eine Art Exotik, die sie allerdings nur von ihrem provinziell angehauchten Umfeld verliehen bekommt. Unter normalen Umständen würde man die attraktive Frau vielleicht eher als leicht bieder einschätzen. Sie ist kultiviert in ihrem Auftreten und zeigt in zahlreichen Momenten, dass sie eine verträumte Denkerin ist, die gleichzeitig musisch veranlagt, aber auch pragmatisch ist. Außerdem wirkt es geradezu so, als halte sie alle, die keine Kinder mehr sind, auf Sicherheitsabstand. Von ihren jungen Schülern erwartet sie sehr viel, genau so wie sie es von sich abverlangt. Ihr Verehrer, der Schlachter Popaul, stellt nicht unbedingt das dar, was sie sich unter einem Mann für sich vorstellt. Er ist einfach gestrickt, gibt unbedachte Antworten und stellt noch unbeholfenere Fragen, doch irgend etwas spielt sich zwischen den beiden ab, das man vielleicht Intimität ohne Berührungen nennen könnte. Um seiner Zuneigung Ausdruck zu verleihen, bekommt sie in einer Szene eine Lammkeule gebracht, die wie ein Blumenstrauß überreicht wird und auch durch ihre herben Abwehrreaktionen lässt sich der Mann nicht in die Flucht schlagen. Bei allem was man geboten bekommt, ist es überraschend, dass sie ihm niemals Hörner aufsetzt, ihre Position ausnutzt oder ihn abqualifiziert. Der Fokus, der auf den beiden Hauptpersonen liegt, ist das Elixier dieser Geschichte, sodass alles andere mutmaßlich zur Randerscheinung wird. Claude Chabrol beweist ein besonderes Geschick beim Austarieren und Verbinden der verschiedenen Inhalte und alles mündet vollkommen determiniert in ein verstörendes Finale. "Der Schlachter" vereint psychologische Elemente mit konventionellen Krimi-Strukturen, bei denen es die unbegreifliche Ruhe sein wird, die wirklich irritiert und verstörend wirkt. Mit hochklassigen darstellerischen Leistungen versehen, bleibt ein Beitrag zurück, der beste Prädikate für sich beanspruchen darf.


— ITALO-CINEMA —

Author: Bizarro [ 27.06.2018 10:26 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Ich bin mit dem Œuvre Chabrols nicht wirklich firm, den Schlachter habe ich allerdings als Jugendlicher ein- oder sogar zweimal im Fernsehen gesehen und er ist mir in denkwürdiger Erinnerung geblieben.
Der Film verströmt eine sehr seltsame bis verstörende Atmosphäre und tatsächlich passt die teils morbide Story so gar nicht zu den sonnenlichtdurchfluteten, gar an die Romantik erinnernden Bildern.
Eine wichtige Threaderöffnung, da der Film ein klassisches dirty picture ist, waschecht und lupenrein.
Würde sofort zuschlagen, wenn hierzulande irgendwann mal eine schöne BD des Streifens erscheinen würde.

Author: Prisma [ 29.06.2018 20:06 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Bizarro wrote:
Der Film verströmt eine sehr seltsame bis verstörende Atmosphäre und tatsächlich passt die teils morbide Story so gar nicht zu den sonnenlichtdurchfluteten, gar an die Romantik erinnernden Bildern.

Genau das hat mich bei dem Film auch so irritiert und die Strategie, dass man als Zuschauer wenig bis gar keine Reaktionen geboten bekommt, die vielleicht üblich oder zu erwarten gewesen wären. Darüber wird der Schockmoment nur noch mehr verschärft, der ja ohnehin schon ausgefallen deftig ist. Mich hat der Film auch sehr beeindrucken können. Den hatte ich mir übrigens auch weniger wegen Claude Chabrol an sich, sondern der Hauptdarstellerin Stéphane Audran zugelegt, die ich immer sehr gerne sehe, da sie im Charakterfach wirklich hervorragend ist. Chabrols Arbeiten sehe ich aber genauso gut wie immer gerne.

Author: Sbirro Di Ferro [ 18.02.2019 23:58 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Provinzkrimi a la Chabrol.
Im Gesamtschaffen Chabrols ist ja alles abgedeckt, von anerkannten Meisterwerken, über relativ Durchschnittliches, bis hin zu absoluten Flops.
Im Allgemeinen wird DER SCHLACHTER ja, soviel ich weiß, zu den großen Werken gezählt, ich persönlich finde ihn aber nicht gar so besonders.
Woran das genau liegt, kann ich gar nicht sagen, aber ich hatte eigentlich die ganze Zeit über ein ziemliches Gleichgültigkeitsgefühl in mir.
Ich glaube, die zu der Zeit übliche Chabrol-Art der kühlen Distanziertheit und wertungsfreien Schilderung der Dinge hat hier nicht gut getan.
Das schien mir alles ziemlich flach dahingleitend, wenn ich ehrlich bin.
Von Spannung nicht die Spur, 1 1/2 Stunden sind vergangen und ich kann nicht behaupten, dass mir das viel gegeben hätte.
Da war an fast allen anderen von mir bisher gesehenen Chabrols mehr dran.
Es ist natürlich nur ein Wunschgedanke von mir oder ein Vorschlag, aber: Wäre das nicht besser gewesen, hätte das nicht besser funktioniert, wenn Chabrol ausnahmsweise einmal von seinem Hochstand, von dem aus er von weitem die Dinge normalerweise beobachtet, heruntergekommen wäre und das Ganze etwas direkter als schwarzhumorige Groteske angegangen wäre?
So wäre es mir vielleicht auch nicht so negativ aufgefallen, dass bis kurz vor Schluss nie eine konkrete Bedrohung im Raum steht.
Das, was normalerweise in einem solchen Film im Mittelpunkt stehen würde (die Morde), umgeht Chabrol konsequent, billigt dem höchstens kleine Randnotizen zu.
Er weicht der eigentlichen Hauptsache aus, was auch gar nicht unbedingt falsch sein muss, aber hier hat es mir nicht wirklich zugesagt.
Da können Stéphane Audran und Jean Yanne noch so gut sein, mir fehlt hier einfach was bzw. ist hier m.E. die Thematik falsch angegangen worden.
So gehen sich jetzt, nach dem ersten Mal, nur knappe 7/10 aus.

Author: Prisma [ 19.02.2019 18:05 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Sbirro Di Ferro wrote:
hätte das nicht besser funktioniert, wenn Chabrol ausnahmsweise einmal von seinem Hochstand, von dem aus er von weitem die Dinge normalerweise beobachtet, heruntergekommen wäre

Denke ich nicht, zumal die Geschichte und darüber hinaus jedes einzelne Zahnrädchen einwandfrei funktioniert.
Die Geschichte ist doch so viel mehr als nur ein "Provinzkrimi".


Sbirro Di Ferro wrote:
und das Ganze etwas direkter als schwarzhumorige Groteske angegangen wäre?

Dann hätten wir aber eher einen Buñuel! :mrgreen:
Eine Bearbeitung in Form einer Groteske wäre hier für meine Begriffe fatal gewesen und hätte dem kompletten Film seine Identität genommen.


Sbirro Di Ferro wrote:
ist hier m.E. die Thematik falsch angegangen worden [...] 7/10

Für eine falsch angegangene Thematik bepunktest Du den Film aber dennoch sehr hoch.
Es kann also nicht so viel falsch gelaufen sein.

Author: Sbirro Di Ferro [ 19.02.2019 18:44 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Prisma wrote:
Sbirro Di Ferro wrote:
ist hier m.E. die Thematik falsch angegangen worden [...] 7/10

Für eine falsch angegangene Thematik bepunktest Du den Film aber dennoch sehr hoch.
Es kann also nicht so viel falsch gelaufen sein.

Naja, es ist knapp über dem Durchschnitt und dafür, wie diese Phase seines Schaffens im Allgemeinen bewertet wird und auch für den Ruf den er üblicherweise genießt, scheint mir das doch eher wenig.
Er hat ja bei aller Kritik schon auch seine guten Seiten, war bspw. trotz allem recht kurzweilig (da gab's schon andere Chabrols, die eigentlich nicht viel länger [wenn überhaupt] sind, mir aber doch deutlich länger vorgekommen sind).
Stéphane Audran dürfen wir auch nicht vergessen.
Also weniger als 6/10 wollte ich schon alleine aufgrund der empfundenen Kurzweil nicht vergeben und den einen noch drauf für Stéphane Audran, das kommt schon hin auf 7/10.
Auch wenn es mich gestört hat, dass Chabrol dem eigentlichen Hauptthema konsequent ausweicht und mir das bedrohliche Element irgendwo gefehlt hat.
Das war, glaube ich, doch der, in meinen Augen, größte Fehler.
Aber wenn er mich trotzdem unterhält (auch wenn es paradox klingen mag, das hat er geschafft) und mir einen greifbaren Protagonisten bietet, warum sollte ich dann unterdurchschnittlich werten?
Wie gesagt, 7/10 ist laut meiner Rechnung nur ganz knapp überdurchschnittlich, also ist es (vor allem für die Phase) ja nicht so hoch.

Author: Stanton [ 20.02.2019 11:22 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Das erinnert mich mal wieder daran, zu fragen wo der Sinn liegt Bewertungssysteme zu verwenden, bei denen eine hohe Bewertung eigentlich eine niedrige ist ...

Hmm, welches ist denn das Hauptthema dem Chabrol ausweicht?

Für mich ist Der Schlachter wahrscheinlich Chabrols schönster Film, derjenige seiner damaligen Serie von "Klassikern" bei denen er gerade mal nicht aus der Distanz diagnostiziert, sondern sich eher zärtlich auf seine Charaktere einlässt, und dabei die Krimihandlung nur noch als unbedeutenden Hintergrund benutzt.
Selbst Fassbinder hat in seinem wunderschön geschriebenen (beinahe-)Gesamtverriss aller Chabrolfilme zumindest den Schlachter positiv hervorgehoben: "Und Le boucher ist ein großer Film, immerhin, da entwickelt Chabrol das einzige Mal aus echten Menschen heraus eine Geschichte."

Author: Sbirro Di Ferro [ 20.02.2019 19:32 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Stanton wrote:
Das erinnert mich mal wieder daran, zu fragen wo der Sinn liegt Bewertungssysteme zu verwenden, bei denen eine hohe Bewertung eigentlich eine niedrige ist ...

Es kommt immer auf den Regisseur an, ob eine eigentlich hohe Bewertung niedrig ist oder umgekehrt... ;)
Extrembeispiel: 7 Punkte für einen Corbucci oder meinetwegen Leone wären nicht das selbe, wie 7 Punkte für einen Fidani.

Stanton wrote:
Hmm, welches ist denn das Hauptthema dem Chabrol ausweicht?

Der Krimi, die Mordserie.
Du sagst ganz richtig, Chabrol benutzt das nur als unbedeutenden Hintergrund und genau das ist für mich hier der Fehler.
Dazu kommt bei mir noch, dass ich von "sich zärtlich auf seine Charaktere einlassen" auch nichts gemerkt habe.[/quote]
Da ist auf emotionaler Ebene nichts rübergekommen, da gibt's keine wirkliche Einbindung, ich hatte immer den Eindruck, dass ich als Zuschauer nur ein stiller Beobachter von außen bin.
Das kann funktionieren, hat es aber hier für mich nicht.

Author: Prisma [ 20.02.2019 19:44 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Stanton wrote:
zu fragen wo der Sinn liegt Bewertungssysteme zu verwenden, bei denen eine hohe Bewertung eigentlich eine niedrige ist ...

Erschließt sich mir auch nicht. Mir sagt eine gezückte 7 schlicht und einfach, dass es sich um einen noch guten Beitrag handelt, wie den meisten vermutlich auch.


Sbirro Di Ferro wrote:
Es kommt immer auf den Regisseur an, ob eine eigentlich hohe Bewertung niedrig ist oder umgekehrt...

Dann sehe ich bei diesen Punkten aber erst recht keine Relevanz mehr.
Ist aber auch nicht wichtig. Im Endeffekt zählt ja in erster Linie der Film.

Author: Stanton [ 21.02.2019 12:51 ]
Post subject: Re: DER SCHLACHTER - Claude Chabrol

Sbirro Di Ferro wrote:
Stanton wrote:
Das erinnert mich mal wieder daran, zu fragen wo der Sinn liegt Bewertungssysteme zu verwenden, bei denen eine hohe Bewertung eigentlich eine niedrige ist ...

Es kommt immer auf den Regisseur an, ob eine eigentlich hohe Bewertung niedrig ist oder umgekehrt... ;)
Extrembeispiel: 7 Punkte für einen Corbucci oder meinetwegen Leone wären nicht das selbe, wie 7 Punkte für einen Fidani.


Und auch darin sehe ich wenig Sinn, wenn, dann sollten die Punkte doch immer für das Gleiche stehen.
Ich bepunkte ja die Filme nach dem Maß wie sie mir Vergnügen bereiten, also je unterhaltsamer ein Film ist desto mehr Punkte. Und da hat der Name eines Regisseurs, oder das Budget eines Films, oder das Alter, oder die Haferschleimfestigkeit, oder das wasauchimmer eines Film an sich keinen Einfluß drauf. Deswegen nenne ich das ja auch Entertainometer.

Stanton wrote:
Hmm, welches ist denn das Hauptthema dem Chabrol ausweicht?

Der Krimi, die Mordserie.
Du sagst ganz richtig, Chabrol benutzt das nur als unbedeutenden Hintergrund und genau das ist für mich hier der Fehler.
Dazu kommt bei mir noch, dass ich von "sich zärtlich auf seine Charaktere einlassen" auch nichts gemerkt habe.[/quote]
Da ist auf emotionaler Ebene nichts rübergekommen, da gibt's keine wirkliche Einbindung, ich hatte immer den Eindruck, dass ich als Zuschauer nur ein stiller Beobachter von außen bin.
Das kann funktionieren, hat es aber hier für mich nicht.[/quote]

Das sind natürlich Dinge die unterschiedlich wahr genommen werden, ich kann da Fassbinder folgen (wenn auch sonst nur wenig in seinem Totalverrriss).

Aber wegen diesen teils komplett entgegenlaufenden Filmerlebnissen mag ich es z.B. auch nicht wenn Kritiker sich davor drücken von sich zu reden, und stattdessen so Sachen schreiben wie "man langweilt sich", obwohl sich andere in demselben Film nicht langweilen, oder behaupten "der Zuschauer verliert das Interesse", ganz so als sei das Filmerleben bei jedem identisch. (die beiden Beispiele funktionieren natürlich auch andersherum, also mit dem sich amüsierenden Kritiker bzw Zuschauer)

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