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 Betreff des Beitrags: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN - Claude Chabrol
BeitragVerfasst: 11.11.2018 03:46 
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Romy Schneider

DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN
SCHMUTZIGEN HÄNDEN


● LES INNOCENTS AUX MAINS SALES / GLI INNOCENTI DALLE MANI SPORCHE / DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN (F|I|D|1975)
mit Rod Steiger, Paolo Giusti, Hans Christian Blech, François Maistre, Pierre Santini, Henri Attal, François Perrot und Jean Rochefort
eine Produktion der Les Films de la Boétie | Jupiter Generale Cinematografica | Terra Filmkunst | im Constantin Filmverleih
ein Film von Claude Chabrol


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»Kein schlechter Preis für die Frau, die die Nutte ihres Mannes spielt!«

Julie Wormser (Romy Schneider) sonnt sich wie üblich im Garten ihrer Villa in Saint Tropez, bis eines Tages ein gut aussehender, junger Mann auftaucht. Jeff Marle (Paolo Giusti), der ein Haus in der Nachbarschaft gemietet hat, gibt sich als Schriftsteller aus. Es dauert nicht lange, bis die beiden eine Affäre anfangen, denn Julies alkoholabhängiger und wesentlich älterer Mann Louis (Rod Steiger) hat seiner Frau in dieser Beziehung schon längst nichts mehr zu bieten. So entsteht die Idee, ihren unbequemen und vor allem reichen Mann zu beseitigen. Der passende Plan ist schnell ausgearbeitet, denn der begeisterte Bootsfahrer Louis bietet sich förmlich für einen Unfall durch Ertrinken an. Doch das Komplott geht nicht auf. Zu viele Ungereimtheiten bringen zwei misstrauische Inspektoren auf Julies Fährte und versuchen ihr den Mord anzuhängen, obwohl keine Leiche auffindbar ist. Zu Julies Entsetzten ist Tage zuvor auch noch das gesamte Vermögen ihres Mannes von der Bank abgehoben worden. Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu, bis die mittlerweile verzweifelte Frau vor dem Untersuchungsrichter Landet. Ein langer Weg durch die Hölle kann beginnen...

Alleine durch den französischen Star-Regisseur Claude Chabrol stand diese Produktion bereits im Vorfeld unter einem guten Stern, und sein Wunsch, Romy Schneider für die Hauptrolle zu gewinnen, wurde mit der Zusage der Schauspielerin gekrönt. Was das Endergebnis betrifft, beschreiben manche Überlieferungen hingegen, dass sich unterm Strich keine vollkommene Zufriedenheit eingestellt haben soll, da Claude Chabrol und Romy Schneider nicht gut zusammen funktioniert haben sollen. Ihren eigenen Aussagen nach fühlte sie die Interpretin vor der Kamera von ihrem Regisseur alleine gelassen. Als der schließlich Film in die Kinos kam, wurde er sowohl von der Kritik, als auch den Zuschauern eher verhalten aufgenommen, was für diese Produktion mit all ihren überdurchschnittlichen Grundvoraussetzungen mehr als erstaunlich war. Die Story des Films bietet eine sehr intensive Grundlage für einen raffinierten Thriller. Besetzung und Crew stehen für einen potentiellen Brillantschliff bereit, und der Film kann innerhalb aller ausgearbeiteten Komplikationen überzeugen. Die zunächst ambitioniert und logisch wirkende Geschichte verliert sich hin und wieder in Unwahrscheinlichkeiten, sodass einige eckig wirkende Passagen entstehen, die nach einer Art Spannungsausgleich suchen. Romy Schneider beklagte sich vielerorts über "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen" und vor allem über das aneinander Vorbeiarbeiten zwischen ihr und Claude Chabrol.

Viele kritische Stimmen warfen ihr unterm Strich eine gewisse Ausdruckslosigkeit oder Statik vor, die beim genauen Hinschauen aber unauffällig bleibt, denn naturgemäß würde die halbe Zugkraft einer Romy Schneider immer noch einen doppelten Mehrwert bedeuten. Tatsächlich wirkt ihre Interpretation vergleichsweise launisch, was aber vor allem an den vielen zynischen und mit Ironie durchzogenen Elementen liegt, die ihr Chrakter zu transportieren hat. Ihre glaubwürdige Darstellung der Femme fatale prägt den Verlauf nicht nur überaus bedeutsam, sondern skizziert eine Abwärtsspirale, der man gebannt beobachtet. Die berechnende Julie ist keineswegs als Sympathieträgerin angelegt, wird jedoch Opfer ihres eigenen doppelten Spiels. Romy Schneiders Fähigkeit, den Zuschauer auch unter solchen Voraussetzungen auf ihre Seite ziehen zu können, geht hier erfrischenderweise nicht effektiv auf; zugunsten einiger Überraschungsmomente. Die Hauptdarstellerin dominiert jede Szene mit auffälliger Kälte und lässt sich nur eruptiv zu Gefühlsregungen hinreißen - die monotone Eigen-Synchronisation tut das Übrige dazu. Nicht unerwähnt bleiben soll außerdem, dass die Kamera hier nochmals die außergewöhnliche und zeitlose Schönheit der Schauspielerin hervorzuheben weiß. Der Amerikaner Rod Steiger als Louis Wormser stellt sich als glückliche Wahl für das notwendige Pendant heraus. Neben Romy Schneider stattet er seinen Charakter von allen Beteiligten am effektivsten mit Tiefe aus, und er wirkt sehr authentisch als Alkoholiker, der von Komplexen, Selbstzweifeln und funktionellen Problemen zerfressen ist.

Sein gesetztes Gesicht dokumentiert die Angst, seine wesentlich jüngere Frau nicht halten und ihr nicht genügen zu können, außerdem plagen ihn Versagensängste, die er materiell auszugleichen versucht, was sich neben all dem Ekel seiner Frau in dessen trüben Augen widerspiegelt. Die Spannung, die zunächst nur vage in der Luft liegt, spitzt sich mithilfe überaus sarkastischer Dialogen zu, bis schließlich ein Rollentausch zum Tragen kommt. Doch verlassen kann man sich in dieser Szenerie auf Nichts. Der weniger bekannte Paolo Giusti als Louis' Nebenbuhler und Julies Liebhaber bleibt darstellerisch und dramaturgisch gesehen oberflächlich. Jeff Marle scheint zu keinem Zeitpunkt so intelligent und daher auch fähig zu sein, einen raffinierten Plan auszuarbeiten; geschweige denn, ihn zu verwirklichen. Er hinterlässt einen teils einfältigen und daher leicht berechenbaren Eindruck, da er dem Zuschauer gerade in den Bereichen Skrupellosigkeit und Rücksichtslosigkeit nicht überzeugend genug vorkommt. Zumindest seine optische Erscheinung überzeugt, sodass es gut nachzuvollziehen ist, warum gerade er bei Julie landen konnte. Die restlichen Darsteller wie beispielsweise Hans Christian Blech, François Maistre oder Jean Rochefort zeigen des Weiteren sehr überzeugende Darbietungen. Unter Betrachtung des Gesamtergebnisses bekommt man es mit einem sehr unterhaltsamen und durchaus intelligent aufgebauten Psycho-Thriller zu tun, der seinen Spannungsbogen abseits aufdringlicher Schauwerte aufbauen kann.

Vieles hier wirkt vielleicht ungewöhnlich, aber gleichzeitig auch unkonventionell genug, um die Handlung ins Ziel zu bringen. Klassische Elemente und die stilvolle Inszenierung fesseln auf eine ganz unbestimmte Art und Weise. Dabei bedient sich das Drehbuch einer ganz offenkundigen Vorhersehbarkeit und zahlreicher Verschachtelungen, um in den richtigen Momenten vollkommen gegensätzlich auftrumpfen und lüstern zu dokumentieren zu können, dass das Potential besteht, den Zuschauer aufs Glatteis zu führen. Insgesamt ist es der Regie gelungen, die Handlung immer wieder zu forcieren. Die Grundhaltung des Szenarios ist überaus düster, unbehaglich und manchmal sogar geheimnisvoll. Grelle Farben und sonnenüberströmte Sets gehen ein interessantes Wechselspiel mit Dunkelheit und Schattierungen ein. Die Musik von Pierre Jansen hingegen bleibt leider nur durchschnittlich, leistet daher nicht ausreichend Schützenhilfe. Gute Einfälle zeigen sich in Form der hochwertigen, teils zynischen Dialoge, auch das ungleiche Kommissaren-Paar wirkt erfrischend, aber vor allem Julies Anwalt, der sie zwar erfolgreich verteidigt, doch vollkommen verachtet, zeigt sich in Höchstform. Das Finale ist in mehrere Etappen eingeteilt worden und vermittelt durch die Twist-an-Twist-Architektur eine gewisse Unberechenbarkeit. Im Ganzen kann man bei "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen" von ausgesprochen guter Unterhaltung sprechen und schlussendlich weiß eine immer faszinierende Romy Schneider zu überzeugen. Aufgrund der angebotenen Vielfalt bleibt das abwechslungsreiche Konzept des Films in positiver Erinnerung.


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